Ich glaube, man sollte bei aller berechtigten Kritik auch etwas vorsichtiger mit zu emotionalen Schlussfolgerungen sein.
Ja, das Gameplay ist oft inkonsistent. Ja, Server, Animationen und Reaktionen wirken nicht immer nachvollziehbar. Aber nicht jede Niederlage ist automatisch Betrug, Eingriff oder nur das Spiel. Dafür gibt es in den meisten Fällen keine handfesten Beweise, sondern oft nur eine subjektive Wahrnehmung aus dem Moment heraus.
Manchmal war der Gegner besser. Manchmal hat man selbst nicht gut gespielt. Manchmal hat man taktisch nicht reagiert. Und manchmal macht man aus Frust genau die gleichen Fehler weiter, obwohl man eigentlich etwas ändern müsste.
Genau das ist für mich der entscheidende Punkt: Wenn man emotional wird, denkt man oft nicht mehr klar. Dann probiert man nichts Neues aus, passt die eigene Spielweise nicht an und steigert sich von Spiel zu Spiel weiter in den Ärger hinein. Am Ende sucht man die Ursache nur noch beim Spiel, beim Gegner oder bei EA, obwohl man zumindest teilweise auch selbst Möglichkeiten hätte, anders damit umzugehen.
Für mich liegt die Antwort meistens im Gameplay selbst. Alles andere ist oft Spekulation. Deshalb habe ich versucht, es objektiver zu betrachten und verschiedene Dinge zu testen: gleiche Modi, vergleichbare Situationen, PS5-Version gegen PS4-Version, online und offline. Nicht, um zu behaupten, dass die PS4-Version alle Probleme löst, sondern um herauszufinden, welche Version mir persönlich das bessere und ehrlichere Spielerlebnis gibt.
Mein Ergebnis ist ziemlich eindeutig: Wenn ich ein virtuelles Fußballspiel spielen möchte, habe ich auf der PS4-Version auf meiner PS5 aktuell die deutlich bessere Erfahrung. Das klingt absurd, aber dort bekomme ich für mich ehrlicheres Feedback. Ich erkenne eher, was ich gut mache, was mein Fehler war und wann der Gegner einfach besser war.
Die PS5- bzw. Next-Gen-Version hat für mich im aktuellen Zustand mit den zusätzlichen Animationen, der komplexeren Spielerbewegung und der Hypermotion-Technologie nicht die stabile Konsistenz, die ich brauche, um dauerhaft Spaß daran zu haben. Das zu verbessern, liegt aus meiner Sicht klar in der Verantwortung von Entwickler und Publisher. Solange das nicht passiert, verweigere ich mich der PS5-Version — selbst mit der Konsequenz, dass ich irgendwann gar kein EA FC mehr spielen werde, sollte es keine PS4-Version mehr geben.
Ich verstehe auch die Strategie hinter der Next-Gen-Version nicht ganz. Warum konnte man das Gameplay und die Spielmechanik der Old-Gen nicht zunächst als stabile Basis übernehmen und in ein modernes Next-Gen-Gewand setzen? Muss man bei einem Multiplattform-Spiel wirklich sofort alles neu erfinden, nur weil die Hardware mehr Möglichkeiten bietet? Oder wäre es nicht sinnvoller gewesen, erst auf dem funktionierenden Status quo aufzubauen und sich dann von Jahr zu Jahr weiterzuentwickeln?
Ich möchte der Hypermotion-Technologie das Potenzial nicht grundsätzlich absprechen. Aber für mich persönlich wirkt genau dieser Next-Gen-Ansatz wie einer der Hauptgründe für viele Gameplay-Probleme. Auch viele Forenbeiträge und Rückmeldungen im Netz zeigen, dass ich mit diesem Eindruck nicht allein bin. Die Technologie scheint zumindest aktuell noch nicht auf dem Stand zu sein, um mir persönlich ein konstantes und nachvollziehbares Spielerlebnis zu geben.
Das finde ich schade, aber genau deshalb haben wir als Kunden und Spieler auch das Recht, Feedback zu geben und Kritik zu äußern. Ich bin sogar überzeugt: Wenn EA diese Rückmeldungen ernst nehmen und mit den richtigen Prioritäten konsequent an der Next-Gen-Version arbeiten würde, könnte EA FC bei der Spielbarkeit einen riesigen Sprung machen.
Am Ende sollte Spielspaß die absolute Priorität sein. Wer sich ständig ärgert, frustriert ist oder wütend aus einer Session geht, sollte vielleicht nicht einfach genauso weitermachen, sondern Alternativen testen: Old-Gen-Version, andere Modi wie Saisons, Clubs oder Karriere, offline üben oder einfach bewusster Abstand nehmen.
Ich kenne mittlerweile einige, die plötzlich wieder Spaß im Karrieremodus gefunden haben, weil das Spiel dort ein anderes, ruhigeres und nachvollziehbareres Feedback gibt. Andere wiederum verweigern sich bewusst der Next-Gen-Version, weil sie diese bereits getestet haben, damit keine positive Erfahrung gemacht haben und der Spielspaß auf der PS4-Version weiterhin gegeben ist.
Ein weiterer Punkt ist für mich die Steuerung der Spieler ingame, besonders über den linken Stick. Viele Situationen in der Defensive, aber auch in der Offensive, scheitern meiner Meinung nach daran, dass man den aktiv gesteuerten Spieler im entscheidenden Moment nicht exakt dort positioniert, wo man ihn braucht. Gerade auf der Next-Gen-Version, die durch zusätzliche Animationen, komplexere Spielerbewegungen und Hypermotion sensibler und träger wirkt, verstärkt sich dieses Problem noch einmal deutlich.
Positioning, Jockeying, Pässe und Schüsse benötigen maximale Präzision — besonders dann, wenn es eng auf dem Platz wird. Genau diese kleinen Bewegungen machen im Fußball oft den Unterschied.
Ich habe selbst gemerkt, wie viel Training nötig ist, um den linken Stick möglichst ruhig und kontrolliert zu nutzen. Noch heute erwische ich mich dabei, dass ich den Stick in manchen Situationen zu hektisch oder zu extrem bewege. Dann muss ich mich auch nicht wundern, wenn ich defensiv falsch stehe, ein Pass beim Gegner landet oder ein Schuss wieder nicht aufs Tor kommt.
Ohne die ruhigere und für mich besser spielbare PS4-Version hätte ich das zumindest online kaum sauber lernen und üben können. Auf der PS5-Version ist das für mich aufgrund des inkonsistenten Gameplays nahezu unmöglich.
Ich selbst spiele seit drei Tagen konsequent die PS4-Version, egal ob online oder offline, und habe seitdem keine Session mehr wütend oder komplett frustriert beendet. Das ist für mich am Ende wichtiger als jede Diskussion darüber, welche Version auf dem Papier moderner sein sollte.