0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
„Und für welchen Zweck?“, verfolgt die heutige Sixamer Arbeitnehmerin an der Rezeption hartneckisch ihren Auftrag zur Registrierung und grinst. Alles und jede*r dient einem Zweck auf Sixam. Anders kann man sich das hier gar nicht vorstellen. Befruchtungstechnikerin Nr. 7 hat diesen Planeten noch nie verlassen und weiß darum nicht um die taktisch notwendige Diplomatie andernorts, um Sixamer Kompatibilitäts-Interessen nicht sogleich auffliegen zu lassen.
Der Sixamer Oberkommandeur seufzt leicht genervt. Wieso hat man ausgerechnet diese unsensible Landsfrau in der hier noch jungen boomenden Touristikbranche eingesetzt? … … Ahhh, vielleicht ist das das Codewort! Ich bin einfach zu oft … außer Landes! „Zum Zwecke der Tourismusförderung!“, antwortet Jayy nun geflissentlich und hat damit wohl das Zauberwort gefunden, die drei Begleiter vor möglicher Nachkommenschaft zu bewahren. Die wären sehr überrascht gewesen, so mir nichts dir nichts plötzlich und unvorbereitet Vater … oder Mutter zu werden! Wie man‘s nimmt! Auf Sixam ist es egal, welchen Titel man dem ganzen gibt, Hauptsache gesund und … in erfreulichen Umständen!
„Na gut!“, entgegnet die Rezeptionistin etwas enttäuscht, ihrem Hauptberuf heute nicht umfassend gerecht werden zu können. Das hier ist eigentlich nur ein Nebenerwerb für sie. Drei auf einen Streich, boah, das wäre die Erfüllung meiner Karriere gewesen! „Hier bitte unterschreiben! Dann wünsche ich viel Spaß bei der Erkundung unseres Heimat Planeten. Beehren Sie uns bald wieder. Sie sind jederzeit willkommen.“ Das scheint wohl weltweit der geflügelte Willkommensgruß der Tourismusbranche zu sein – von Schweden bis Sixam!
Jayyden ist nicht empathielos. Die Frustration der Landsfrau kann er nachvollziehen. Nur … der Rest des Universums ist noch lange nicht so weit! Zuversichtlich lächelt er ihr zum Abschied zu: „Beim nächsten Mal! Bestimmt! Nur nicht verzagen …“ Stumm folgen ihm seine drei Gäste schnell aus dem Raum. Sie sind sich nicht sicher, ob sie eben alles so richtig mitbekommen haben … Wirkte irgendwie als würden sie halbwegs verschachert … Für … Nachwuchs? Sollten sie bei irgendwelcher Zeugung helfen? Betreten schauen sich die drei Männer an, während sie Jayyden die Stufen des Gebäudes hinunter recht aufgelöst hinterhereilen.
„Ähm, wir benötigen hier … deinen Schutz? Wovor genau, Jayy?“, verlangt es Merlin einige Meter entfern nun doch genauer zu wissen.
„Ich … ich … habe meine Laserschwerter dabei, ja! Komm‘ mir bloß keiner zu nahe!“, stammelt Tanuí aufgebracht und zückt schon seine Waffe. Ahnte ich es doch! Alles eine Falle. Aliens ist einfach nicht über den Weg zu trauen … Wahrscheinlich Verbündete von Batuu! Achak springt erschrocken zur Seite und schreit in heller Aufregung: „Was wird das hier? Jayy?! Tanuí?!“
Um Verzeihung heischend dreht Jayyden sich zu der aufgewühlten Meute um, die da hinter seinem Rücken schier durchzudrehen scheint: „Hei entschuldigt. So sollte das nicht starten. Die war wohl neu an ihrem Arbeitsplatz! Macht euch keine Gedanken!“ Er erntet nur drei konsternierte Blicke. „Ok, was glaubt ihr denn, verstanden zu haben?“ Stille! Einen Moment später wildes durcheinander Gebrabbel. Am Ende muss Jayyden tatsächlich herzhaft lachen. „Nein, hier wird euch nichts geraubt, sondern geschenkt! Das funktioniert hier … anders als auf dem Erdplanet! Männer tragen zumeist den Nachwuchs aus!“ So jetzt ist es raus. Bei der WiWo stört das niemanden mehr. Da ist bekannt, dass Jayy und der Hinterhältige ein paar Monate Tragezeit hinter sich haben. Aber für zwei hier ist das absolutes … Neuland! Tanuí hatte wenigstens schon über drei Ecken von Moema darüber gehört, es sich aber nicht wirklich vorstellen können.
„Interessant, was du da bei dir trägst, Tanuí!“, wendet sich Jayy nun dem Inselmann mit seinem gezücktem Laserschwert in der Hand zu. „Ist keine Kleinigkeit, was du da mit dir führst - und dazu noch unbemerkt an unseren Kontrollen vorbei! Ist das … erste Mal, dass ich so etwas sehe!“ Jayyden will sich tunlichst nicht verplappern, dass es das zweite Mal ist, so etwas zu sehen …
Merlin kennt die Leuchtschwerter auch schon. Das lenkt ihn nicht vom Thema möglicher Vaterschaft ab. Achak hingegen weiß gerade nicht, womit er sich zuerst befassen soll. Verwirrt wandert sein Blick zwischen den anderen umher. Gebärfreudige Männer, Laserschwerter …? Ihm schwirrt der Kopf. Und ich dachte noch, mich hier mit Kinkerlitzchen wie mesoamerikanischen Pyramidenbau befassen zu wollen. So viel Neues ist in den letzten Wochen auf ihn eingestürmt, was seine eher nüchterne Forscherseele kaum wahrhaben will: Prärie- und Flaschengeister, Magier, lauter Außerirdische, die sie unterwandern. Und dann wird auch noch über … Vampire und Werwölfe geraunt. Obwohl, na ein Wolf hockt ja schon unter uns – zuhause bei meiner lieben Moema. Auch diese Geschichten um diesen Rotfuchs Lotta und ihren Wolf … Diese leicht übermenschliche Kraft! Alles so sonderbar und scheinbar gar keine Legenden. Was mag alles an Moemas Erzählungen an nächtlichen Lagerfeuern, die ich immer unter Mythen eingeordnet hatte, tatsächlich Wahres dran sein …? Und jetzt … kriegen auch noch Männer Kinder?
„Also! Wie funktioniert das genau, Jayy?“, hört Achak gerade Merlin neben sich forsch nachhaken. Tanuí steckt erstmal sein Schwert wieder weg. Das will er auch gerne hören. Scheinbar steckt Sixam nicht mit Batuu unter einer Decke … Ups, was für ein Wortspiel! Tanuí kann seit Ankunft auf dem Planeten das erste Mal befreit grinsen. Er wollte in seiner derzeitigen Lage jetzt nicht unbedacht Mutter-Vater werden, aber grundsätzlich war man auf Takatuka seit jeher sehr aufgeschlossen. Alle Neigungen und Orientierungen hatten ihre Berechtigung und durften offen gelebt werden. Verhütung war nicht nur Frauensache … Wie hatte ich also bei dieser freimütigen Gesellschaft … so ein Schuft werden können? Tanuí fragt sich das nicht zum ersten und wohl auch nicht zum letzten Mal!
„Schön, wenn ich für Erheiterung sorgen konnte!“, greift Jayyden Tanuís willkommenes Lächeln auf. Endlich macht sich der Kerl mal locker! Diese Schwerter soll er mir später noch mal zeigen, etwas weiter weg von meinen Landsleuten … dort auf der Anhöhe! „Kommt, ich erkläre es euch auf dem Weg nach oben und nun genießt aber endlich mal die Aussicht und Landschaft drumherum, deretwegen ihr doch hier seid!“
Etwas entspannter startet die Runde nun wirklich ihre ‚Sternenwanderung‘ unter der leuchtenden Himmelspracht, beschienen von zwei riesigen Monden. Jayyden erklärt rechts und links am Wegesrand Blümchen und Bienchen, lässt auch ein paar Gesteinsproben als Souvenir ausbuddeln … Merlin zwackt sich hier und dort ein paar Ernteprodukte ab, fragt nach ihrer Verwendung und Zubereitung. So erfahren sie nebenbei auch von der Rezeptur des Sixamer Pilzomeletts, das dem Hinterhältigen Scharlatan den Kleinen bescherte.
„Und die Bürgermeisterin wusste Bescheid, als sie es ihrem Gatten servierte?“ Merlin ist ein wenig neugierig, wie Phillipa Erdnuss gestrickt ist und der Hinterhältige darauf reagierte. Ein ziemlich magisches dynamisches Gespann, die beiden … wie Gregorius und ich auch! Mhmm. Ich bin der Koch von uns beiden! Irgendwie eröffnen sich für Merlin gerade … ganz neue Möglichkeiten. Was Gregorius wohl …
„Aber bei dir war das anders, Jayy?“ Achaks Frage unterbricht Merlins letzten Gedanken. „Ja sicher!“, bestätigt der Sixamer Oberkommandeur. „Ich habe ja als Einheimischer die natürlichen Anlagen dazu.“ Das bestätigt Achaks Überlegung: „Also ohne Genuss von Pilzomeletts geht bei uns nichts! Gut zu wissen!“ Und zu wissen, dass wir nicht ‚infiltriert‘ werden solltenbefriedigt meinen derzeitigen ‚Wissendurst‘ zu dem Thema vollends.
Damit ist das Thema offiziell auch allseits erschöpft und die Herrenrunde widmet sich nun wirklich der Schönheit der Natur und der Herrlichkeit der sie umgebenden Gestirne. Der eine oder andere geht gedanklich noch etwas schwanger mit diesen völlig neuen Reproduktionsoptionen – außer Achak. Der bevorzugt nun wirklich … den ihm bisher bekannten Weg! Irgendwann möchte ich schon ein Kind mit … äh, von Farsane!
„Von hier aus habt ihr einen wundervollen Blick auf die ganze Landschaft! Das ist die höchste Erhebung auf Sixam die man erklimmen kann!“, macht Jayy ganz stolz auf seinen Heimatplaneten die Reisegruppe auf diesen wunderbaren Aussichtspunkt aufmerksam. Allseits hört er gebührende Bewunderung. „Ohhhh!“ „Ahhhh!“ „Bbbeehh!“
„Häh?!“
„Scherz am Rande!“, grient Tanuí, der sich wie Lotta erst spät die Lesefertigkeit angeeignete und nun endlich das ABC beherrscht, den Sixamer Oberkommandeur keck von der Seite an. Für einen Moment kann er seine Sorgen um Lotta, sein Kind und Batuu vergessen bis …
Ja, bis der Oberkommandeur wieder d a m i t anfängt! „Zeig mir doch nochmal dein Schwert, Tanuí!“ Verschwörerisch blinzelt Jayy ihm zu - mittlerweile wieder in Tarnkleidung gewandet. So ist sein Anblick Erdlingen gefälliger … „Hier sind wir völlig ungestört!“
Zögerlich zieht Tanuí das Leuchtschwert wieder unter seinem Hemd hervor. Hat keinen Sinn mehr, es vor diesem Sixamer Oberkommandeur weiter zu verbergen, der nicht gewillt zu sein scheint, seine Landsleute an dieser Information teilhaben zu lassen. Wachsam blickt Tanuí sich um, dann wieder breit grinsend zu Jayy, während er das Schwert aufblitzen lässt: „Herr Oberkommandeur, pflegen wir hier etwa ein Geheimnis vor deinen Vorgesetzten?“
Fast zur gleichen Zeit … an einem anderen Ort … am Vortag … WIWO 149 Klimawandel