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Fischreuse
6 years agoSeasoned Ace
Eigenartige Träume gleiten nachts zuweilen durch Don El Artichockes Schlaf. Die Quelle dieser Eingebungen kann er nicht ausmachen.
Spoiler
Geduckt heftete Delia unverwandt den Blick auf den Boden des vergammelten Schooners, bemüht sich die in ihr wie eine Kobra heraufkriechende Angst nicht anmerken zu lassen. Schon zum zweiten Mal heute sauste die knotige Knute über das Deck, bereit jeden zu erfassen, der sich ihr auch nur einen Yota weit entgegen hob. Sie schrubbte weiter und immer weiter bis ihre Hände blutige Schlieren auf der rauhen Holzmaserung hinterließen.
Jetzt traf sie doch, riss Hemd und Rücken auf und das letzte Stück ihrer Menschenwürde entzwei. Kein Schrei verließ den weit aufgerissenen Mund, kein Stöhnen. Die Schlange verschloss von innen jeglichen Laut, sog ihn hinab, tief ins Innere, ins Bodenlose. Frisches Blut lief Delia die Seiten hinab, vermengte sich mit den bereits rotbraunen Schlieren an Deck. Keine Träne rann je so ihr Gesicht hinab.
Was hatte sie sich nur erträumt, ersehnt, erhofft. Freiheit von Haus und Hof, dem Joch ihrer Geburt, dem vorbestimmten Weg. Schon als Kind bäumte sie sich gegen die ihr zugewiesenen kleinen, stickig erdrückenden Räume eingeschränkter physischer wie geistiger Beweglichkeit, die einschnürenden Weisungen und Ermahnungen, das Korsett weiblicher Grazie auf. Sie konnte soviel mehr und durfte … es nie zeigen, ohne Hohn, Gelächter, Abscheu zu erregen.
Es wird schlimm mit ihr enden, wurde schon früh geraunt. Sie hat den Teufel im Blut, ist mit Beelzebub verbunden. Wie die Mutter, wohl ist’s geschehen, der frühe Tod an Kindbettfieber. Verderbte Brut, dem Vater eine Qual.
So schlich sie von dannen, die unzähligen schweren Röcke abwerfend, leichtfüßig in Hemd und Hose des Bruders, das Haar kurz geschoren der vermeintlichen Glorie und Ehre freier Geister entgegen. Und anfangs im ‚richtigen‘ Gewandt spürte sie die Süße eigenmächtigen Denken und Handelns ohne abfällige Denunziation des ihr zugestandenen Geblüts. Doch als sie wagte, auch dieses Gewandt abzulegen und frei und offen zu sprechen, auf Anerkennung ihrer bereits erlangten Würde setzend … sah sie sich tief getäuscht. Und noch tiefer war der Fall ihrer Handlungsmöglichkeit. Sogleich schloss sich der Reif des Korsetts enger und enger, drohte erneut, die Luft einzuschnüren und ließ doch nur ein Leibchen zurück, dass nun zerrissen und blutig in ihren klaffenden Wunden am Rücken klebte.
Erneut surrt die Knute. Der Schmerz übermächtig, aber noch immer kein Schrei, denn der Atem stockte ein letztes Mal. Ohnmächtig … halbtot … sterbend glitt Delia in den gnädigen ewigen Schlaf hinüber. Es würde keine Freiheit geben, niemals. Nicht für sie. Woran sollte sie noch festhalten?
Geduckt heftete Delia unverwandt den Blick auf den Boden des vergammelten Schooners, bemüht sich die in ihr wie eine Kobra heraufkriechende Angst nicht anmerken zu lassen. Schon zum zweiten Mal heute sauste die knotige Knute über das Deck, bereit jeden zu erfassen, der sich ihr auch nur einen Yota weit entgegen hob. Sie schrubbte weiter und immer weiter bis ihre Hände blutige Schlieren auf der rauhen Holzmaserung hinterließen.
Jetzt traf sie doch, riss Hemd und Rücken auf und das letzte Stück ihrer Menschenwürde entzwei. Kein Schrei verließ den weit aufgerissenen Mund, kein Stöhnen. Die Schlange verschloss von innen jeglichen Laut, sog ihn hinab, tief ins Innere, ins Bodenlose. Frisches Blut lief Delia die Seiten hinab, vermengte sich mit den bereits rotbraunen Schlieren an Deck. Keine Träne rann je so ihr Gesicht hinab.
Was hatte sie sich nur erträumt, ersehnt, erhofft. Freiheit von Haus und Hof, dem Joch ihrer Geburt, dem vorbestimmten Weg. Schon als Kind bäumte sie sich gegen die ihr zugewiesenen kleinen, stickig erdrückenden Räume eingeschränkter physischer wie geistiger Beweglichkeit, die einschnürenden Weisungen und Ermahnungen, das Korsett weiblicher Grazie auf. Sie konnte soviel mehr und durfte … es nie zeigen, ohne Hohn, Gelächter, Abscheu zu erregen.
Es wird schlimm mit ihr enden, wurde schon früh geraunt. Sie hat den Teufel im Blut, ist mit Beelzebub verbunden. Wie die Mutter, wohl ist’s geschehen, der frühe Tod an Kindbettfieber. Verderbte Brut, dem Vater eine Qual.
So schlich sie von dannen, die unzähligen schweren Röcke abwerfend, leichtfüßig in Hemd und Hose des Bruders, das Haar kurz geschoren der vermeintlichen Glorie und Ehre freier Geister entgegen. Und anfangs im ‚richtigen‘ Gewandt spürte sie die Süße eigenmächtigen Denken und Handelns ohne abfällige Denunziation des ihr zugestandenen Geblüts. Doch als sie wagte, auch dieses Gewandt abzulegen und frei und offen zu sprechen, auf Anerkennung ihrer bereits erlangten Würde setzend … sah sie sich tief getäuscht. Und noch tiefer war der Fall ihrer Handlungsmöglichkeit. Sogleich schloss sich der Reif des Korsetts enger und enger, drohte erneut, die Luft einzuschnüren und ließ doch nur ein Leibchen zurück, dass nun zerrissen und blutig in ihren klaffenden Wunden am Rücken klebte.
Erneut surrt die Knute. Der Schmerz übermächtig, aber noch immer kein Schrei, denn der Atem stockte ein letztes Mal. Ohnmächtig … halbtot … sterbend glitt Delia in den gnädigen ewigen Schlaf hinüber. Es würde keine Freiheit geben, niemals. Nicht für sie. Woran sollte sie noch festhalten?
Delia? Er kennt keine Delia! Aus welcher Zeit stammte das?