Hallo zusammen, ich wurde ganz lieb gebeten mal eine kleine Geschichte zum Besten zu geben. Nach einigem Feedback und Beratungen habe ich mich entschieden die Geschichte ein bischen als Drama/Komöd...
Antoine saß mit aufgerissenen Augen im Bett. Das war kein Traum. Das war eine Erinnerung! Wie konnte er das vergessen? Jetzt war ihm jedes Detail wieder bewusst. „Vergiss!“ hatte seine Mutter gesagt; oh, er war ein gehorsames Kind gewesen, aber kann man jemandem befehlen so etwas zu verdrängen? Andererseits wurde ich grade klar, dass er sich nur an ganz wenige Ereignisse aus seiner Kindheit und Jugend erinnern konnte. Warum nur? Möglich das sein Gehirn einen gewissen Stolz hegte und sich schlicht weigerte Platz zu schaffen für derart langweilige Impressionen, aus denen Antoines Leben bestand. Wenn es ein Zauber seiner Mutter war, wovon er mittlerweile, seine eigenen bescheidenen Künste bedenkend, ausging, warum löste er sich ausgerechnet jetzt?
Er ließ die Bilder Revue passieren und war erstaunt, dass er Mitleid mit der Person empfand, die ihn und seine Mutter zu ermorden beabsichtigt hatte. Er wusste um seine Schwäche. Schon im Krieg hatte er oft bewusst danebengeschossen, weil der arme Mann auf der anderen Seite wahrscheinlich auch nur gezwungen war zu töten. Heldentum sah anders aus! Er musste sich eingestehen ein erbärmliches Abbild eines echten Mannes zu sein. Andererseits hatte er allerdings auch schon viel zu viel Elend und Tod gesehen, als dass die Bilder des verbrennenden Attentäters ihn nun weit über Gebühr erschreckten. Letztlich hatte er sich und seine Mutter eben nur verteidigt.
Er beschloss diesen Tag trotz allem zu genießen. Angefangen mit einem leckeren Frühstück. Er wollte heute mal das Pfannkuchen Rezept ausprobieren, dass er neulich im Netz entdeckt hatte. Sein Chef rief an, um mit ihm die heutigen Aufgaben durchzugehen. Die Moderne hatte zweifelsohne ihre Vorzüge, denn sie erlaubte es ihm während des Gesprächs noch anderen Geschäften nachzugehen.
Während er aß, bekam er Besuch. Ein junges Mädchen aus der Nachbarschaft, Luna, stellte sich vor und befragte ihn zu seiner Meinung über die angestrebten Aktionspläne. Sie plauderten etwas und als er ihr sagte er müsse in die Stadt für seinen Job recherchieren, kam sie mit. Leider war das Wetter unverändert grauenhaft. Seit Tagen regnete es nun schon und dazu kam die warme Luft, die ihn mit einem klebrig nassen Film auf der Haut zurückließ. Während des Interviews mit dem Standverkäufer, wurde Antoine das Gefühl nicht los beobachtet zu werden. Erst schob er es auf seine Paranoia, aber als er weiter weg einen dunkel gekleideten Kerl sah, der ihn schamlos zu taxieren schien, entschloss er sich den Rest des verregneten Vormittags zuhause mit der Fertigstellung seines zweiten Buches zu verbringen.
Endlich war es 16:00 Uhr und zog sich rasch um und fuhr zum Kirschblütenfest. Paolo schien schon auf ihn zu warten. Antoine fühlte sich neben diesem italienischen Modelltypen wie eine graue Spitzmaus. Sein Selbstwertgefühl wanderte in den Keller und am liebsten wäre er umgedreht und gegangen. Sein Gegenüber schien die Unsicherheit zu merken, machte ein paar lockere Sprüche und sagte dann auf italienisch, dass er sich in Antoines braunen Augen verlieren könne.
Wow! Das Eis war gebrochen. Selbst die Tatsache, dass er das Gesagte verstand, obwohl er seines Wissens nach nie italienisch gelernt hatte, rückte in den Hintergrund. Er wusste nichts über Paolo, aber den kleinen oft zurückgewiesenen Jungen in Antoine, interessierte das plötzlich nicht mehr. Das Jetzt und Hier war alles was zählte! Sie tranken beide von dem Tee und ein warmes Gefühl stieg in Antoine auf. Paolo hielt scheinbar nichts von so Belanglosigkeiten wie Kennenlernen und Smalltalk und nach ein bisschen Geplänkel im Regen zauberte er eine Blume hervor.
Um dem Wetter zu entgehen schlug er vor, man solle sich in einer Stunde an einem romantischeren Ort treffen, außerhalb der Stadt. Bei Windenburg gäbe es diese bezaubernden Klippen und die würden bei Sonnenuntergang alles in ein die Sinne berauschendes Bild verwandeln.