Hallo zusammen, ich wurde ganz lieb gebeten mal eine kleine Geschichte zum Besten zu geben. Nach einigem Feedback und Beratungen habe ich mich entschieden die Geschichte ein bischen als Drama/Komöd...
Paolo hatte nicht übertrieben. Die Aussicht war bezaubernd. Antoine wartete nun schon 10 Minuten und genoss die Atmosphäre. Es tat gut endlich auch mal etwas Glück zu haben im Leben. Sein Date schien sehr nett zu sein, sah gut aus und hatte zumindest was romantische Orte anging ein Händchen. Aber das Wichtigste war, er gab Antoine das Gefühl begehrenswert und interessant zu sein. Er dachte an Phillipe. Nun sicher hatte er nichts gegen einen kleinen Flirt einzuwenden, Antoine wollte ja nicht über die Stränge schlagen, aber er war allein und sehnte sich nach Berührung, nach Gesellschaft.
Dann kam er. Er schien etwas nervös zu sein und schaute sich auch zweimal um, so als erwartete er jemanden zu sehen. Das passte nicht in das Bild dieses Selbstbewussten Mannes. Dann schien er sich zusammenzureißen und ging auf Antoine zu. Er nahm ihn in den Arm. Zitterte er?
Antoine wollte die Stimmung etwas lösen und strich Paolo eine Strähne aus dem Gesicht. „Danke das du gekommen bist, du hast Recht es ist wunderschön hier.“ Er nahm Paolos Hand und legte sie auf seine Brust. „Fühl mal!“ Tränen schossen Paolo in die Augen. Er riss seine Hand los und keuchte unterdrückt: „Geh! Lauf! Das, ...das ist eine Falle!“
„Mr. Rocca, wir haben Sie für einen Profi gehalten. Sehr enttäuschend!“ Aus dem Nichts erschienen zwei verschleierte Gestalten. Antoine und Paolo erschraken. „Aber immerhin haben sie ihn hergeführt und damit ihrer erbärmlichen Existenz zum ersten Mal so etwas wie Zielgerichtetheit gegeben. Wir hoffen der süße Moment, wenn sie sich von der Belohnung wieder in die Bedeutungslosigkeit spritzen, war den Aufwand und die Lügen wert!“
Dann richteten beide ihre schlangenartigen Blicke auf Antoine: „Kommen Sie Mr. Fontaine, wir haben einen hübschen kleinen Spiegel für sie vorbereitet; einen von der Sorte die so gerne zerbrechen. Sie werden feststellen, dass wir auch recht gut darin sind Dinge zu Brechen! Sie erinnern sich doch an uns, oder? Damals in Venedig?“ Antoine stand wie ein Kaninchen vor zwei Schlangen. Er versuchte immer noch das Gesagte mit der Realität in Einklang zu bringen. Die Enttäuschung und der Schock mussten erstmal angesichts der drohenden Gefahr warten. Er war es leid wegzulaufen, leid Angst zu haben und vor allem war er es leid Bauer in einem Spiel zu sein, dass er nicht begriff. „Nein!“ presste er zwischen den Zähnen hervor. „Eher sterbe ich!“ „Tja mein Lieber, wir fürchten diese Entscheidung zu treffen steht einem Sklaven nicht zu! Und diesmal ist Ihre Frau Mutter nicht da. Diesmal liegen die Vorteile auf unserer Seite.“ Plötzlich trat jemand an die drei heran. Ein junger Mann, modern gekleidet und mit stoischem Gesicht stellte sich neben Antoine. „Patt, würde ich sagen.“
„Zwei zum Preis von einem? Guter Handel! Dieser da“ eine der Gestalten zeigte auf Antoine „hat keine Ausbildung, er kann dir nicht helfen, Amarok!“ Mit diesen Worten hob er die Hände und begann einen Zauber zu weben.
„Du bist stark,“ sagte der junge Príncipe und strich sich eine schweißnasse schwarze Strähne aus dem Gesicht, „ich bin überrascht, wie leicht dir alles fällt. Deine Mutter hatte Recht, du bist aufgeweckt und das menschliche Erbe schwächt dich nicht, es macht dich unberechenbar, voller Neugier und unerwarteten Ideen. Aber deine Emotionen machen mir Sorgen. Ich kann die Düsternis förmlich greifen, wie wenn sie etwas verbirgt…ein lauerndes gefährliches Tier oder etwas wilderes, urtümlicheres? Wir müssen an deiner Kontrolle feilen. Denk daran, die Bewegungen sind nicht zwingend nötig, aber sie helfen dir dich zu konzentrieren. Ich weiß, dass ein Junge von 15 Jahren viel lieber andere Dinge täte, aber eines Tages, wird dir dieses Training sicher von Nutzen sein! Beide Seiten wollen dich…sei froh, dass ich deiner Mutter mehr als nur einen Gefallen schuldig bin!“ Amarok lächelte, aber es blieb ein kaltes geübtes Lächeln, wie aus einem Spiegel.
Wie sie es geübt hatten vor über 300 Jahren bewegten Antoine und der Fremde sich in völligem Einklang. Amarok sang tief und voller Gleichmut, Antoines Tenor überlagerte mit einem leichten zarten Ton die Melodie. Über 300 Jahre lang hatte der Kosmos diesen Gleichklang zweier Dschinn nicht mehr gehört, war der Zauber verstummt geblieben, die Welt ohne das Traurigste und zugleich erhabenste Lied ärmer gewesen. Es klang nach dem Wunsch der Freiheit, nach Erlösung und sang das Wehklagen jahrtausendealter Gefangenschaft und Demütigung. Eine Woge purer Schöpfungskraft donnerte über die zwei Fremden hinweg und wusch den Hass, das Leid, die Folter und die verdrehten Qualen aus ihrem Spiegelbildern; zwei Seelen so lange gehalten als Spiegelgeister einem fremden Willen zu dienen ohne Aussicht auf Erlösung waren fast frei. Dann änderte sich Antoines Stimme, wurde feiner höher, erreichte einen unhörbaren Ton und die Spiegel zersplitterten.