Der Garten war bezaubernd. Aus aller Herren Länder hatte man Blumen und Bäume zusammengetragen und hier ein kleines Paradies geschaffen, wenn es auch nur wenigen zugänglich blieb. Singvögel sangen im Geäst und kleine Katzen und Hunde tobten herum. Er schlenderte mit Katarina über einen Kiesweg und genoss den jungen Abend und die kühle und vor allem klare Seeluft, die er brachte. „Ihr seid sehr schweigsam, Monseigneur.“ hob sie an und blickte über den Rand ihres Fächers hinweg. „Langweile ich Euch?“ Antoine schreckte aus seinen Gedanken hoch. „Natürlich nicht Mademoiselle!“, beeilte er sich ihr zu versichern, „Ich neige nur zuweilen zu einer gewissen Schwermut und verhafte dann bei diesen Gedanken über Gebühr, zumal unverzeihlich in Anwesenheit einer so liebreizenden Begleitung. Seit versichert, Eure Gegenwart ist hochwillkommen und erfüllt mich mit großer Freude!“ Schnell fügte er hinzu: „Und leider mangelt es mir an Erfahrung im Umgang mit jungen Damen, ich erbitte daher demütigst Eure Verzeihung!“ „Ja, ich hörte davon!“, gab sie spitz zurück und brachte Antoine in maßlose Verlegenheit.
„Wir werden, so nehme ich an, in Vaucluse leben?“ fragte sie und verbarg ihren Abscheu darüber, in einem Kaff am Rande der Alpen zu leben, nur schlecht. Antoine beeilte sich ihr zu versichern, dass er ihr ein freies und ungebundenes Leben ganz nach ihren Wünschen bereiten wolle. So ihr der Sinn danach stehe könne man auch ein Haus in Paris oder Lyon mieten. „Ich hoffe außerdem,“ sprach er weiter, „dass wir einander in Freundschaft begegnen werden.“ Sie musterte ihn kalt. „Euch ist doch klar, Monseigneur, dass mein soziales und gesellschaftliches Renommee nicht unwesentlich von Eurem Ruf abhängt, und so Ihr offensichtlich nicht befähigt seid, einer Frau mehr als Freundschaft zu bieten, hege ich doch wenigstens die Hoffnung, dass Ihr wisst welcher Schaden aus dem Bekanntwerden dieser, für mich demütigenden Eskapaden erwachsen kann.“ Antoine bebte vor Demütigung, allein seine Erziehung rang ihm ein Lächeln ab und er erwiderte: „Ich kann Ihnen versichern, Mademoiselle, dass mir nichts ferner liegt als Euch zu Kompromittieren oder Eurem Ruf zu Schaden. Wollen wir die Gelegenheit nicht nutzen und uns besser kennen lernen? Ich bin sicher wir können diesen unglücklichen Start unserer Beziehung revidieren.“ Sie schaute ihn kühl an und sagte: „Ich will offen sein, Monseigneur,“ was Antoine zu der Überlegung führte, dass ihm die vermeintlich „verschlossene“ Seite seiner Braut schon tief verletzt hatte, „Ihr seid nicht der Mann, den ich mir erhofft hatte und offenbar auch Außerstande einer edlen Dame Anstand und Würde zu wahren. Daher schlage ich vor, dass Ihr nach der Hochzeit zurück kehrt in Euer Vaucluse und ich hier in Venedig verbleibe. So wird es für uns wohl zum Besten sein. Ich bin sicher wir können ein Arrangement bezüglich eines Stammhalters treffen.“ Antoine stand wie zur Salzsäule erstarrt da. Jeder Respekt, jeder gute Wille dieser Person gegenüber war verraucht. Mit gefährlich kalter Stimme antwortete er: „Ein vorzüglicher Vorschlag, meine Liebe! Nichts liegt mir ferner, als Eurem Glück und Eurem guten Ruf im Wege zu stehen!“ Demonstrativ schaute er sich im Garten um, „Und solltet Ihr hier, wider Erwarten, diese edle Dame mit Anstand und Würde treffen, von der Ihr eben spracht, so versichert Ihr doch bitte meine Hochachtung!“ Dann ließ er sie allein mit Ihrem geliebten Renommee und ging zurück ins Palais.
Die ganze Nacht über saß er auf dem Bett weinte.