Gegen Morgen öffnete sich die Tür und seine Tante betrat sein Zimmer. Sie setzte sich neben ihn aufs Bett und zog seinen Kopf fest an ihren Busen. Mit der Hand streichelte sie über seinen Kopf und sagt: „Nimm es nicht so schwer! Diese Mädchen hier wachsen auf, als seien sie der Mittelpunkt der Welt. Sie träumen von Prinzen und festlichen Empfängen, bei denen sie stehts im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Katarina war enttäuscht, nicht so sehr über dich im Besonderen, sondern mit den Umständen der Hochzeit im Allgemeinen. Sie ist ein dummes Kind, dass den wahren Wert einer Beziehung, so platonisch sie auch wäre, mit dir gar nicht zu schätzen wissen kann. Viele der jungen Frauen hier, heiraten in einen goldenen Käfig ein, sind Gefangene einer endlosen Etikette und dem Willen ihrer Gatten hilflos ausgeliefert. Hätte man sie statt maßlosen Stolzes etwas Menschenkenntnis gelehrt, sie würde erkennen, was für ein guter Junge du bist und das ihr Los bei weitem besser ist als das so vieler anderer.“
„Ich will nicht mehr, kann nicht mehr!“ schluchzte Antoines Stimme aus den Tiefen eines gewaltigen Resonanzkörpers.
„Komm!“, sagte seine Tante und zog ihn zu einem Spiegel an der Wand. Sie berührte die schillernde Oberfläche und tauchte mit ihm in eine Welt, so wunderbar, so voller Licht und Farben, das Antoine schlagartig seine Trauer vergaß. Seine Tante und er waren gleißende Lichter, die frei und unbeschwert durch einen Zaubergarten huschten, jeden Wunsch, jeder Freude die Vorstellbar war erfüllte sich und ein Gefühl unendlicher Glückseligkeit umfing ihn.
„Wo sind wir hier?“ fragte er. „In meiner Erinnerung,“ gab sie zur Antwort, „einer Welt die uns verloren ist, genommen wurde und uns zu diesen verzehrten Kreaturen werden ließ, die ihr unendliches Dasein mit stumpfer Lustweil und immer gleichen Belanglosigkeiten anfüllen, oder gefangen sind in den Spiegeln, um in endloser Qual zu dienen. Immer wenn ich es fast nicht mehr ertrage, komme ich hierher, aber es ist nur eine Erinnerung, unveränderlich und stets gleich. Du kennst diesen Ort nicht, weil du geboren wurdest, aber er ist auch in dir nur tief vergraben und scheinbar unauffindbar. Ich weiß, dass du dir das Leben nehmen willst, aber dann stirbt nur dein Körper und dein Geist wird eingefangen und martert sich ewig! Lass ab, Antoine, lebe! ...für uns mit!“
„Danke!“ sagte er und hörte ihr Lachen, wie tausend kleine Glocken und sie sangen die Melodie der Freiheit.