Hallo zusammen, ich wurde ganz lieb gebeten mal eine kleine Geschichte zum Besten zu geben. Nach einigem Feedback und Beratungen habe ich mich entschieden die Geschichte ein bischen als Drama/Komöd...
Da stand er nun, vor dem großen Spiegel im Flur. Amarok wusste Bescheid und versprach ihn so gut er konnte abzuschirmen. Aber nicht das Auftauchen irgendwelcher Verfolger oder Spiegelgeister machte ihm grad Sorgen, sondern die Konfrontation mit Phillipe. Er holte tief Luft und trat hinüber.
Der Ort war unverändert. Helles Sonnenlicht viel durch farbenfrohe Bäume auf einen kleinen Teich. Die Bank stand da, wie er sie in Erinnerung hatte und er setzte und rief ihn zu sich. Phillipe war genauso wie vor ein paar Monaten, als wären nur wenige Minuten verstrichen. Antoine schaute auf seine Hände, wie wenn sie einen Ausweg böten, still ihm die Worte soufflierten, die seinem Geist versagt blieben. Dann hörte er ein Schluchzen und es bohrte sich wie eine glühende Klinge der Schuld in sein Herz. „Das ist also das Ende?“ flüsterte Phillipe, “Ein letztes Lebwohl? Wäre ich gestorben an der Kugel damals in jener Nacht, ich nähme deinen zärtlichen Blick und den sanften tränensalzigen Kuss mit hinüber in das Dunkel der nächsten Welt, mir zu leuchten und mich zu hüten. So ich aber lebe, als Schatten in deinen Gedanken, ist diese Erinnerung und dein Loslassen ein eisiges Gefängnis, dem ich nicht entkommen kann. Aber ich bin undankbar. Du wolltest alles für uns und bist ohne zögern einen unbekannten Weg gegangen und …“ Weiter kam er nicht. Antoine hasste sich, er wollte lieber tot sein, als Phillipe so zu sehen.
„Ich bin hier,“ flüsterte er stockend mit trockenem Gaumen „weil ich dich um Vergebung bitten will. Ich verdiene keine Sekunde deiner Liebe, jeden Hass, den du mir entgegen schleudertest, wäre willkommene Sühne und richtestet du mich, auf der Stelle wäre ich Dankbar; aber deine Tränen vernichten mich mehr und vollkommener als aller Zorn. Phillipe, ich will dich um Verzeihung anflehen, unverdiente Güte erflehen… ich will dich!“
Liebe vergibt alles, heißt es. Sie nimmt das Beste zweier Menschen und formt eine Band, so fest und so erhaben, dass nichts es zersprengen vermag. Ungläubig sah Phillipe auf. Er wusste um die Einsamkeit, Antoines und seiner, die Sorgen und Nöte, die Gelüste des Fleisches, die Schwächen der sterblichen Grenzen, die Götter bestimmt hatten und die Heilkraft des Lächelns und der Zuwendung. Er spitze die Lippen und Antoine sandte in ewiger Dankbarkeit seine rosa Schwingen der Leidenschaft ihnen entgegen. Möchte doch die Zeit verweilen, ihren nimmermüden Marsch um dieser beiden Willen für einen Moment unterbrechen.
Ewig, so es messbar wäre, schauten sich beide an, in Dankbarkeit und in Hingabe. Dann sagte Antoine ihm leise ins Ohr: „Lass mich die Spiegel für dich erstarren, auf dass sie dem Bild alle Zeit Form geben. Ich will dich! Hier! Jetzt!“
Er zog den Geliebten zu einem Busch, der eben noch nicht gedacht war, und Phillipe war eifrig bemüht sich nicht allzu sehr zu zieren. Mit sanftem Klapps beförderte er Antoine hinein, um dann selbst in das verheißungsvolle Blattwerk hinab zu sinken. Erst scheu, dann wilder, fanden die Hände beider begierig gefallen am Erkunden des Fremden, so Unbekannten. Heiße Küsse bedeckten alle Stellen mit sanften Lippen und ein Rausch der Ektase beflügelte die Fantasie, in neue verbotene Regionen menschlicher Lust vorzudringen. Antoine gab sich ganz dem fordernden Drängen seines Partners hin, ließ ihn willenlos alles erschöpfen, was sein erbebender Körper an Hingabe und Sehnsucht offerierte um dann in inniger Glückseligkeit, die Hände in Philippes Haaren vergraben, vollständig mit seiner großen Liebe zu verschmelzen und in Wonne aufzuschreien.
Erschöpft und glücklich küssten sich beide noch lange und hielten einander umschlungen als Einheit und Partner. Alle Zweifel, alle trennenden Abgründe waren fort, zurück blieben tiefe Zuneigung und feste Sicherheit. „Ich liebe dich! Ich hole dich, wo immer du bist!“