Béatrice fluchte. Kaum das man die Hand vor Augen erkennen konnte, war der Bach eiskalt und steinig. Gestrüpp fasste immer wieder nach den vielen Röcken, die eine Frau in dieser Zeit gezwungen war zu tragen und sehnsüchtig dachte sie zurück an die Zeit in Memphis, wo sie wie eine Göttin unter Menschen, in leichten kostbaren Gewändern lebte. Eine einsame und sehr gelangweilte Göttin, das gab sie zu. Sie fanden das Wegkreuz und bald auch den Pfad, der nichts weiter war als eine plattgetrampelte Schneise im Unterholz. Mehr als einmal stolperten die Frauen und als der Junge plötzlich laut losheulte, wohl weil ihn ein Dorn gestochen, sprach Béatrice schnell einen Schlafzauber. Endlich fanden sie die Höhlen. Der Regen hatte aufgehört und der Mond stand halb gefüllt am Himmel und verlieh dieser eigentlich tragischen Szene etwas Geheimnisvolles. Aus dem Gebüsch vor ihnen traten drei Männer. Ein vierter, offenbar ein Anwohner des Dorfes, der die Ungarn hierhergeführt hatte, wimmerte augenlos an einen Baum genagelt vor Schmerzen. Es würde Stunden dauern zu sterben, vielleicht Tage. Vor seine Füße hatte ihm jemand drei Kupfergroschen geschmissen, zweifelsohne sein Lohn. Die Männer packten die Frauen und als Eloise sich loszureißen suchte, schlug ihr eine mit Ketten verstärkte behandschuhte Faust ins Gesicht. Der Junge, noch schlafend, fiel zu Boden und als ein Ungar seinen Säbel in das Kind bohren wollte, handelte Béatrice instinktiv. Blitzschnell war sie einen kleinen Spiegel, der stets um ihr Handgelenk baumelte auf einen Stein und er zersplitterte in hundert Scherben.
Amarok lehnte an einer Wand. Er war erschöpft und kraftlos. Zwei Ungarn, die ihn beobachtet hatten, näherten sich im langsam mit gehörigem Respekt. Sie waren nicht so dumm, sich unvorsichtig diesem Kämpfer zu nähern, der mehrere ihrer Kameraden so mühelos besiegt hatte. Ein dritter holte aus einer Tasche eine Sehne hervor und drückte mit sichtbarer Anstrengung seinen Bogen herunter, um sie einzuhaken. Plötzlich gab es einen dumpfen Knall, der selbst das Kampfgetöse und das Knistern der Flammen ringsumher übertönte. Auf einem Bergkamm schienen viele gleißende Lichter, Reflektionen der Mondstrahlen, in die Nacht. Aber anstatt im Dunkel der Nacht zu verschwinden, lenkte eine unsichtbare Hand die Strahlen zu einem Punkt am Himmel und bündelten sie, um dann nieder zu gehen auf ihren Ursprung. Alle Augen waren kurz auf dieses Schauspiel gerichtet, als plötzlich ein riesiger Wolf die zwei Männer anfiel und mit kurzen, aber kraftvollen Bissen tötete. Dann verschwand der Wolf in der Nacht.
Auf der Lichtung sank der Mann, der eben noch ihren Großneffen töten wollte, von einem konzentrierten Lichtstrahl durchbohrt zu Boden. Dann ging auch sie in die Knie. Dieser Zauber hatte Béatrice viel Kraft gekostet. Die beiden anderen Männer fassten sich und wichen von der Hexe zurück. Sie griffen die bewusstlose Eloise und zogen sich in die Höhle zurück. Sicher würde gleich Verstärkung kommen. Béatrice kroch zu dem Jungen und drückte ihn an ihre Brust, dann wiegte sie ihn und sang. Kleine Lichtpunkte hüllten ihn ein und die Feen webten einen Zauber, der ihn forttrug, ihn mitnahm in ihr Reich, bis es sicher sein würde. Dann brach auch sie bewusstlos zusammen.
Als der Wolf die Höhle erreichte, fand er seine Frau tot. Vergewaltigt und erschlagen lag sie im Schmutz und die beiden Ungarn saßen daneben an einem kleinen Feuer. Mit blutroten Augen stürmte eine unerbittliche Bestie in ihr Lager. Lange waren Schreie zu hören, bis sie endlich im Röcheln ihres Blutes verstummten. Mit seiner Frau, starb auch alle Freude am Leben für Amarok.
Sein Sohn war sicher, verborgen vor den Augen der Welt in einem immerwährenden Schlaf bei den Feen. Er hatte nicht die Kraft, ihn zurück zu holen.