0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
5.6.2. - Weiter abwärts ... tief unten am Grunde …
https://www.youtube.com/watch?v=qvyijUMqp_U
Meine Lungen werden bersten, werden dem Druck nicht standhalten können … Tanuí rauschen bereits die Ohren. Nie zuvor tauchte er in solcher Geschwindigkeit hinab in die Tiefe der See … nie so unermesslich weit hinunter … Immer noch geht es abwärts … weiter und weiter …
Ich m u s s atmen … atmen … darf aber nicht … Er kann nicht mehr anders … , schnappt unwillkürlich nach Luft … Sauerstoff strömt in seine Lungen über den weit geöffneten Mund … Tanuí schließt die Lippen wieder, öffnet sie erneut. Atmet! Atmet erneut … wieder … und wieder …
Verwundert blickt er auf das Wasserwesen halbseits vor ihm, dass ihn immer noch an der Hand abwärts weiter auf den Grund mit sich zieht. Es blickt sich nach ihm um, lächelt ihn mild an und schwimmt weiter voran mit schlängelnden Bewegungen dieses geschmeidigen Fischleibes.
E s … ist wunderschön! E s … gab mir den Atem!
Tanuí wird entspannter, sieht sich um … Der Atlantik ist dunkel in diesen Tiefen. Aber mehr und mehr schweben fluoreszierende Figuren an ihnen vorbei. Fasziniert folgt Tanuí diesem Lichterspiel unzähliger kleiner verschiedenartiger Tentakeln mit den Augen. Die Abwärtsfahrt hat sich verlangsamt, als ließe dieser Meermann ihn gewähren, sich an diesem wundersamen Unterwasserschauspiel zu ergötzen. Sein Handgelenk wird freigegeben … Sogleich treibt er leicht nach oben …
Ruhig schaut Paka’a Tanuís bewundernden und staunenden Blicken ob der ihn umgebenden Meeresflora und -fauna zu. Die sanften Züge, das Entzücken, die Freude über die Schönheit des Meeres … Kann das ein so schlechter Geist sein …? Sacht zupft der Wassermann an Tanuís Fuß, bevor der junge Mann ihm weiter aufwärts abdriftet.
Tanuí bemüht sich nun seinerseits mit nach oben wedelnden Handbewegungen, sich Abtrieb zu verschaffen und auf Gesichtshöhe des Wasserwesens aufzuschließen. „Paka’a! Man nennt mich Paka’a!“, stellt e s sich nun endlich vor und Tanuí kann ihn … hören … Hier tief, tief unterhalb der Wasseroberfläche.
Der Meermann wendet sich wieder ab und erneut dem Grund zu. Diesmal folgt Tanuí aus freien Stücken. Frei wie ein Fisch! So hatte er sich doch immer fühlen wollen … Alles andere wird gerade ganz unwichtig … Paka’a schaut sich immer wieder um, ob Tanuí ihm folgen kann. Geschmeidig! Kann er nur anerkennend feststellen. Der okkulte Meeresbiologe hat vieles um das verlorene Eiland Takatuka wohl neu zu betrachten, zu bedenken … Was passierte dort wirklich? Was war Tanuís Rolle dabei?
Verflucht hatte Paka‘a die Sixamer für seine Entführung … Verdammt haben sie alle diesen Häuptlingssohn, der da so beseelt hinter ihm mitzuhalten versucht … Sixam ist nichts gegen dieses Batuu …
Nie ist etwas wirklich eindeutig, oft nicht klar, wie sich … etwas tatsächlich verhält. Und jeder trägt Geheimnisse mit sich … Paka‘a selber auch. Er hätte das Schiff oben zum Kentern bringen können. Piraten! Sie wären ihm egal gewesen … als Meermann! Aber jetzt weiß er, dass da oben diese beiden Magier auf dem Deck hocken, von denen Dons Nachbarin Erín berichtete … Was hätte ich Bugsy sagen können, was Don und den anderen, wenn ich …?
Was kann er ihnen wirklich von sich erzählen, von seinem Wesen? Jayyden, ein Alien, hat diesen Raum … in Shakiras Keller … Hinterhältiger Scharlatan hat seiner Erdnuss wohl auch nicht alles zum Besten von seiner Geschichte gegeben - trotzdem er ihr die Gabe der Magie verlieh … Und der Redaktionsgeist …? Der ewig gute Santa scheint der einzig Unbescholtene in der okkulten WiWo-Runde zu sein. Er hat aber auch die wenigsten besonderen Kräfte in seinen Händen, hält sich aus nahezu allem raus …
Langsam nähern sie sich einer den meisten Sims unbekannten Bastionen des Meeresvolkes … tief unten am Grund des Atlantiks, während Paka’a eigenen Gedanken nachgeht. Der Käpt’n hätte sich gegrämt, hätte ich die einzige Hoffnung seiner Tochter versenkt, ihre Erinnerung wieder zu finden … Wenn er die ganzen Umstände überhaupt je erfahren würde …, was ich mittlerweile so alles über die Redaktion weiß. Jetzt! Einige Fragen lichten sich so langsam für den Meermann. Manche losen Fäden verknüpfen sich zu einem Bild …
Keiner war dem von der Insel fliehenden Schiff damals gefolgt … Sie hatten alle Hände voll zu tun gehabt mit den ertrinkenden Verwundeten … Keiner des Meeresvolk hatte gewusst, ob Lotta und Kind rettendes Ufer erreicht hatten … Bis jetzt! Aber wieder ist sie verschwunden … Efraim hatte immer gehofft, dass es seiner Tochter und seiner Enkelin gut gehen möge, dass sein Rettungsversuch geglückt sei …
Paka’a gleitet Tanuí voran zwischen glatten engen Felswänden hindurch zu einer sich weitenden Halle voller weiterer Meeresbewohner – human anmutenden wie tierlich possierlichen … Zögerlich bleibt Tanuí hinter seiner Begleitung zurück. Was wird jetzt passieren?
Stumm wird er eine Weile von allen Seiten beäugt, umschwommen, umkreist - hinter, über ihm … Sie sind überall … Dann ein Raunen, ein Whispern … „Wo kommt er her? Wo war er?“ Wissen alle über ihn Bescheid, über seine Taten? Furcht kriecht wieder in Tanuí hoch, drückt ihn nieder … Immer dichter rücken sie … „Der Käpt’n, er muss es erfahren!“Der Käpt’n? Auf dem Schiff? Van Houten?
„Ja, Käpt’n Efraim muss alles erfahren …“, bestätigen weitere Stimmen. Efraim? Kann es sein? Flüssigkeit sammelt sich an Tanuís unteren Lidern, hebt sich seltsam ab von dem ihn umspülenden Meereswassern und wird sogleich wie Bläschen fortgetragen. „Was ist das? Was tut es?“ Finger tippen daran, greifen danach, probieren auf der Zunge …
„Tränen!“, erklärt Paka’a, der dies öfter an Land sah. Meeresbewohner weinen … eigentlich nicht. Eigentlich. Dass er das vermag hat er erst nach längerer Zeit an Land bemerkt. Oft sah er sie bei anderen … Mehr der Flüssigkeit sammelt sich in Tanuís Augen. Er leidet!, geht Paka’a auf. Sanft drängt er die sich um Tanuí windende Menge beiseite. „Er wird uns alles erzählen, was wir wissen wollen … Dann müssen wir entscheiden!“Wissen wollen? Was wissen sie denn noch nicht?, fragt sich der Bedrängte. Zwei Meerfrauen ergreifen rechts und links seine Hände. Wieder wird Tanuí durch Felsspalten wie ein Fisch an der Angel gezogen.
Paka’a und weitere Meermenschen folgen bis zu einer noch größeren, nach oben hin offenen Halle, in deren Mitte sich ein hoher steinerner korallenbewachsener Podest erhebt, denn sie nun entlang aufwärts gleiten bis … vor … ein Tribunal?
Gestrenge Gesichter blicken Tanuí an … Er erinnert sich, wie Mae einst vor den Inselbewohnern stand und flehte, man möge sie … bewahren … Mae! Wieder treten Tränen aus seinen Augenwinkeln hervor. Lotta wird mir Maes Los nie verzeihen können! Tanuís Gesicht verzieht sich vor Schmerz und Trauer. „Seid nicht gnädig mit mir … Ich habe nichts anderes verdient!“, erhebt er fast tonlos zum ersten Mal die Stimme in diesen unterseeischen Gefilden, bereit jedes Urteil zu empfangen. Er sinkt auf die Knie nieder, das Haupt gebeugt.
„Zuerst einmal … berichte uns, was sich eigentlich genau zutrug!“ Die Stimme klingt weicher als Tanuí erwartet hat. Vorsicht blickt er von unten herauf. Danach … werden sie kurzen Prozess mit mir machen, aber … ich will nichts mehr verschweigen ... Ein Moment stockt Tanuí in diesem Gedanken. Auch den Magiern hatte er alles erzählte und … lebt noch! Wurde nicht mal in eine Kröte verwandelt, was er seiner eigenen Ansicht nach verdient hätte. Und doch … hofft ein kleiner Funke … auf ein wenig Vergebung! Erwarten darf er sie nicht!
„Ich … liebte sie … beide! Lotta wie Mae …“ Traurig senkt Tanuí wieder das Gesicht gen Grund, bevor er weitererzählt. „Ich liebte meine Tochter, meine Insel, meinen Vater, mein Volk …!“ Er atmet einmal tief durch. „Und ich liebte es, zu gewinnen, zu bekommen, was ich wollte … Als ich es nicht mehr bekam …“
„Oh, eine Liebesgeschichte …“, hört Tanuí ein raunendes verzücktes Seufzen von oben.
Schön wär’s, aber das wird wohl gleich keiner mehr glauben … Schonungslos beichtet Tanuí sein hinterhältiges Batuuaner Bündnis gegen alles, was er einst wirklich liebte, seine Eifersucht, sein Begehren nach mehr Macht, seinen vorsätzlichen Verrat an Mae … Nichts lässt er aus, entlastet sich in keiner Weise, klagt sich umfassend selber an … „Niemand anderes hatte die Verantwortung für das, was dann zum Schluss passierte. Nur ich allein!“ Niemand antwortet. Tarek kann kaum noch atmen oder hochschauen, erwartet eine Art Todesstoß … Vielleicht die beste Erlösung! Was hatte ich denn geglaubt? Nur weil Merlin und Malecantus mich nicht aufgespießt hatten? Zu schnell hatte er sich wieder in einen Alltag reingefunden, gelacht, gescherzt …
„Du wirst das alles noch einmal wiederholen müssen … vor Käpt'n Efraim Långstrump. Geh‘ nun, Tanuí! Wir erwarten dich, wenn die Westwinde am stärksten wehen … auf der anderen Seite.“
Uff! Tanuí weiß, was das zu bedeuten hat. Das Urteil über ihn ist nur aufgeschoben! Ob er Takatuka hart am Wind westwärts durch den Pazifik segelnd je lebend erreichend wird, ist fraglich. Im Frühjahr also! Vielleicht ist auch genau d a s mein verdientes Schicksal! Und Lottas Vater lebt noch? Tanuí wagt nicht weiter nachzufragen. Ich hab‘ kein Recht dazu …. Ich freue mich … für Lotta, wenn es so wäre … Er wünscht ihr alles Glück der Erde …
Noch bleibt ihm etwas Zeit, die er mit den Magiern durch Amerika ziehen darf …, bevor er zur Westküste des Kontinents und über den Pazifik aufbrechen muss. Und die beiden Zirkusleute? Kehren sie dann nach Europa zurück und suchen nach Lotta? Geben sie ihr die Erinnerung zurück … auch an mich, … wenn ich dann schon nicht mehr sein werde? Gerne hätte ich sie noch einmal gesehen … nur ein einziges Mal noch … Lotta und mein Kind!
Wieder wird Tanuí an der Hand ergriffen. Paka’a entschwebt mit ihm Richtung Oberfläche … Es gibt nichts mehr zu sagen …