0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
Viel geschlafen hatte Achak die Nacht am Lagerfeuer nicht. Noch immer grübelt er in den frühen Morgenstunden darüber nach, wer ‚Schäck‘ ist. Lustlos stochert er in der noch leicht glimmenden Glut herum, um die Flammen wieder so auflodern zu lassen … wie gerade die inneren in ihm hochzündeln. Grrrrrrr. Was hatte ich mir eingebildet?
„Achak?“ Verschlafen rappelt sich Farsane auf, recht überrascht, Moemas Enkel neben sich sitzen zu sehen. So dicht auf den Fersen hatte sie ihn nicht erwartet. Die agile Seniorin schläft noch tief und fest. War spät geworden … mit dem Geist.
Zaghaft umklammert die ehemalige Pflegerin ihre Knie. Ihr wäre jetzt lieber gewesen, Moema wäre schon auf und bereit, das Wortgefecht mit ihrem Enkel zu führen. Farsane fühlt sich dem weniger gewachsen, zumal … Achak auch so grimmig drein blickt und das Feuer so derb mit einem langen Ast bearbeitet, dass Funken seitwärts daraus hervorstieben. „Ich … wir … Sie wollte doch nur noch einmal … in die Prärie …“, versucht Farsane zögerlich eine Entschuldigung für ihr diesmaliges Abenteuer. Warum ist er nur so sauer? Sie hatte gedacht, er würde es auch für einen Spaß halten. Das hatte ihr Moema zumindest so versichert. „Sie ist … wirklich noch … gut beisammen … für ihr Alter.“ stammelt Farsane verlegen, um dann wieder zu verstummen.
Noch immer lässt Achak kein Wort raus, starrt nur ins Feuer. Wieso sie ist ihm so wichtig geworden die letzten Wochen? Ständig hatte sie sich von seiner Moema zu irgendwelchem Unfug verleiten lassen - die einerseits tatkräftige aber auch immer etwas tollpatschige und recht zurückhaltende Farsane. Deswegen gingen diese Aktionen der zwei Frauen letztendlich auch immer etwas schief. Er hatte so manches Mal Blut und Wasser um die beiden geschwitzt. Ja, aber gleichzeitig hatte er auch mehr und mehr bewundert, wie dieses scheue Reh immer wagemutiger wurde … und so unverbrüchlich zu seiner geliebten Moema hielt. Keine Frage, sie sorgt gut für die rüstige alte Dame. Aber verdammt …
„Wolltest du nicht noch jemanden anrufen!“, rumpelt Achak letztendlich die schon völlig eingeschüchterte Farsane an und ist gleichzeitig über sein eifersüchtiges Gehabe genervt. „Anrufen?“ Farsane ist völlig verwirrt, blickt hilfesuchend zu Moema, die immer noch friedlich vor sich hin schnorchelt … allem Anschein nach. Die Seniorin hat ihnen den Rücken zugekehrt …
„Na, deinen Schäck!“, ätzt Achak die junge Frau neben sich weiter an und fühlt sich immer blöder, weil er es nicht sein lassen kann, so ungerecht sarkastisch zu werden.
„Mein was …?“ Fieberhaft gräbt Farsane in ihrem Hirn, was das alles bedeuten soll, bis ihr so langsam der Name ihres ehemaligen Bekannten dämmert. „Meinst du … Jack?“, wagt sie sich langsam vor.
Moema grinst unter ein paar gespielten Grunz Lauten friedlich vor sich hin. Das entwickelt sich ja wunschgemäß! Einen gewissen Eigennutz aus einem Arrangement der beiden ‚Turteltauben‘ da hinter ihr vermag die rüstige Alte nicht ganz in Abrede zu stellen. Der liebe Enkel scheint angebissen zu haben, zappelt wie ein Fisch an der Angel. Wurde aber auch Zeit! Moema will noch ihre Urenkel kennenlernen, so zumindest ihr Fernziel … Ja, sie hat noch welche.
Was hat Achak denn bloß gestern Nacht gehört? Und wieso …? Farsane weiß gerade nicht weiter. Hat wieder das Gefühl, sich verteidigen zu müssen … wie damals … in Persien. Als hätte sie wieder etwas Verbotenes getan … Zumindest in den Augen anderer. Ist … Achak … auch so? Wie meine Familie? Sie hat keinen Kontakt mehr. Wird nie wieder in ihr Heimatland zurückkehren können, denn dort … ist sie eine Gefallene! Die Pflegestelle im Ausland war ihre Rettung. Jack hatte ihr geholfen. Faisal war geflohen …
So langsam regt sich Unwillen in Farsane. Was fällt Achak ein? Nie wieder wollte sie sich irgendwelchen Diktaten beugen. Farsane wäre aber nicht Farsane, müsste sie jetzt nicht all ihren Mut zusammenkratzen, um den hingeworfenen Fehdehandschuh aufzugreifen: „Jack ist ein hochanständiger Mann. Ich sollte ihn wirklich mal wieder anrufen … nach so vielen Jahren!“ Ok, das Stimmchen klang noch etwas dünner als geplant, aber Farsane versucht wenigsten, hoch erhobenen Hauptes Achak entgegen zu blicken. Ja, gib’s ihm Farsane! Moema freut sich diebisch auf ihrem Schlaflauschposten …
Achak horcht auf, erwidert amüsiert diesen samtbraunen Blick. Farsane kann nicht wirklich böse gucken!„Nach … so vielen Jahren?“Also nichts in der letzten Zeit!Das Kätzchen versucht nur gerade, … Krallen zu zeigen. „Ja, ruf ihn an! Warum nicht gleich sofort?“, fordert er nun seinerseits neckisch das Mäuschen, das zu Brüllen versucht, neben sich heraus.
„Aber, aber, … da ist es jetzt vielleicht … mitten in der Nacht!“, begehrt Farsane erschrocken auf. Was soll plötzlich dieser Sinneswandel?„Och, so weit weg … lebt dein Jack?“ Ja, dieses Spiel von Katz und Maus fängt Achak langsam an zu gefallen. Lässig lehnt er sich auf einem Ellenbogen zurück, beobachtet Farsane genau, was die wohl jetzt als nächstes versucht. Er ist sich mittlerweile sicher, dass er sich zu Unrecht aufregte. Es macht ihm aber auch klar, dass er sich schon weitaus mehr für die junge Frau interessiert, als ihm bislang selber klar war.
„Später! Ich ruf später an!“, entgegnet Farsane leicht trotzig mit dem mulmigen Gefühl im Magen, dieses Spiel nicht ganz gewinnen zu können. Das liegt ihr einfach nicht, sich zu behaupten. „Nun gut, dann kommen wir endlich zu dem Preis für diese Schnitzeljagd … quer durch die Prärie! Ich … habe euch gefunden!“ Achak fühlt sich so etwas von siegesgewiss …
… und Farsane wie ein Kitz in den Fängen einer Anakonda, als sie unversehens in den Würgegriff dieser falschen Schlange von Moemas Enkel gerät und ihr der letzte Atem in einem langen nicht enden wollenden Kuss geraubt wird.