0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
6.5.2 - ... der nicht gewinnt ... Der Rubel rollt …
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„Wirst du wohl … aufhören, so über Farsane herzufallen!“, entsetzt war Moema aufgesprungen. Das hatte sie jetzt nicht von ihrem Enkel erwartet. „Sie ist doch aus einer ganz anderen Kultur! Du erschrickst sie ja!“ Achak fiel aus allen Wolken. War seine Grandma also die ganze Zeit wach gewesen? Sofort ließ er Farsane los, die sich verlegen unter ihm wegrollte.
Danach hing der Haussegen unter freiem Himmelszelt etwas schief … und Achak wusste erst gar nicht, was er falsch gemacht haben sollte. Hatte er etwas fehl eingeschätzt? Bei einem vorherigen Zusammentreffen, als er sie das erste Mal auf ihrer wilden Flucht durch Prärie erwischte, hatte er eigentlich den Eindruck gewonnen, dass Farsane auch etwas interessiert zu ihm rüber linste …
Nun, Moema nahm ihn etwas beiseite, während die junge Perserin versuchte, ihr erhitztes und errötetes Gesicht wieder etwas abzukühlen. „Bei ‚unseren‘ Mädels ist das v i e l l e i c h t … etwas freizügiger, aber Farsane … ist doch aus Persien.“, bläute Moema ihrem Enkel ein. „Da tragen die Frauen Schleier und so‘n Zeug, … werden weggeschlossen!“
Irritiert schaute Achak zu der unverschleierten Farsane rüber. „Sie trägt aber … recht heiße Shorts, oder? Und die Bluse …“
„Ja, ja, ja!“, lenkte Moema ein. „Etwas kulturelle Anpassung! Das heißt aber noch lange nicht, dass sie gewohnt wäre, gleich offenherzig … ins Gefecht zu gehen, wenn du verstehst, was ich meine.“ „Oh!“ Mehr fiel Achak dazu erstmal nicht ein. Das hatte er nicht bedacht. Für ihn war es ein schäkerndes Spiel gewesen, aus dem ruhig mehr werden durfte. Farsanes zurückhaltende Art war also wirklich keine zur Schau gestellte Scheu.
Etwas gefasster ging Achak sich dann bei Farsane entschuldigen, was diese nur noch verlegener machte. Zum einen, weil sie gar nichts gegen den Kuss oder Achak hatte und zum anderen, weil sie doch eh schon ‚beschädigte‘ Ware war und nun alle hier glaubten, sie sei so ein Unschuldslamm. Eigentlich wünschte sich Farsane nichts sehnlicher, als einfach auch etwas beherzter sein zu können und ihren vorgeblichen ‚Fehltritt‘ mit Faisal nicht mehr als solchen zu begreifen.
Noch einmal fasste Farsane all ihren Mut an diesem Tag zusammen, stellte sich auf die Zehenspitzen und bot Achak ihre Lippen erneut zum Kuss dar. „Ich reit‘ schon mal voraus!“, kommentierte Moema das ganze nüchtern und hochzufrieden mit dem Ausgang dieses Morgens.
Das ‚Voraus‘ erwies sich alsbald als falsche Richtung, nachdem Moema die Botschaft der Bürgermeisterin Erdnuss empfing, das Magierduo würde sehnlichst und in Bälde im Casino erwartet und Moema und Farsane seien auch auf das Herzlichste eingeladen.
Also machte die rüstige Alte auf ihrem Mustang wieder kehrt, trabte an den beiden Liebenden vorbei, die sich abwechselnd noch immer innig in die Augen starrten oder herzten und erklärte stoisch mit Fingerzeig in die nun entgegengesetzte Richtung: “Da geht’s lang!“
Tja, es ging nicht schnell voran. Zuweilen musste eines der Pferde zwei Gestalten tragen und Moema hielt sich insgesamt eher immer etwas weiter voraus. Sie merkte aber auch, dass Achak es nun etwas langsamer und umsichtiger angehen ließ. Nach und nach hatte Farsane ihre demütigende Erfahrung als Entehrte und Ausgestoßene ihrer Familie offenbart und welch hilfsbereite Rolle dieser Jack dort eingenommen hatte, ihr eine Passage außer Landes und diesen Job als Pflegekraft zu ermöglichen.
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„Das tut mir so leid mit seiner Familie!“ Eng schmiegt sich Farsane eine knappe Woche später auf dem rotbraunen Mustang an Achak an. Moema reitet schweigend neben den beiden jungen Leuten her. Der Winter bricht langsam an und es ist nicht mehr weit bis zum Casino der Bürgermeisterin. Farsane hatte endlich ihren alten Bekannten Jack angerufen und sich unendlich gefreut, nach so langer Zeit wieder von ihm zu hören. Weniger schön war, vom Schicksal seiner Familie zu erfahren …
„Schrecklich, was seinem Kind und ihrer Mutter alles passiert ist. Ich würde Jack und seiner Familie jetzt auch so gerne helfen können. Wie furchtbar, dass ich nicht zur Stelle war, als er Miyu und seine Tochter an meine alte Adresse wies, aber … auch meine Familie ist damals weggezogen, weil ich sie entehrt haben soll.“ Bekümmert seufzt die junge Frau auf, weil sie nichts verrichten konnte. Achak bleibt nur, seine Arme tröstend um Farsane zu legen und sie zärtlich an sich zu drücken.
„Nie wieder sollten Menschen so leiden, nur weil sie sich gernhaben!“, trumpft Farsane unvermittelt auf, um sich wieder aus diesem Loch von Traurigkeiten zu hieven. „Recht so!“, freut sich Moema über den zunehmenden Mumm der jungen Frau. „Ich finde, wir haben uns etwas Frohsinn und Unterhaltung verdient. Lasst uns heute Abend eine magische Show erleben! Da ist es wohl schon!“ Gerade biegen sie um die nächste Straßenecke und halten auf ein in dieser Gegend recht auffallend bunt beleuchtetes Gebäude zu.
Heu und Stallungen waren direkt neben dem Casino versprochen. Also sind erst einmal die Pferde zu striegeln, schniegeln und mit Futter zu versorgen. „Das ist nichts mehr für mein armes Kreuz! Ich geh schon mal rein!“ Moema macht sich auf den Weg ins Innere des Hauses und wirft wohlweißlich keinen Blick zurück …
„Ich bin aber noch nicht … soooo weit!“, hört sie noch ein leises Wispern von Farsane hinter sich. „Ich weiß!“, bestätigt Moemas Enkel sanft lächelnd. Er möchte nur noch ein wenig im Heu rumschmusen … bis zum festlichen Abendprogramm!
„Hallo, werte Frau Bürgermeisterin Erdnuss!“, begrüßt die Seniorin scherzhaft Phillipa und ihren Hinterhältigen, die sie an der Bar bei einem leckeren Gläschen Wein sichtet. „Das ist ja eine Wiedersehensfreude! Hier ist ja ordentlich Betrieb!“ Moema staunt nicht schlecht über die besetzten Spieltische. Fast kribbelt es ihr in den Fingern, auch ein wenig mit zu zocken. Aber nur ein wenig, denn … sie hat viel zu wenig in der Börse.
„Liebste Moema, diese Magier, die du da aufgetan hast … eine wahre Goldgrube. Seitdem rollt hier der Rubel!“ Phillipa ist noch immer recht entzückt von ihren zwei Showmagiern. Einige Auftritte und schon füllen sich die Kassen … Bedauerlich, dass sie die Burschen nicht zum dauerhaften Bleiben bewegen kann. Nun ja, die drei reisenden Herren haben eine Mission. Phillipa hat sehr wohl schon alles Wissenswerte aus der WiWo-Redaktion dazu vernommen. Seufz! Aber sie kämen gerne immer mal wieder für ein, zwei Monate für Gastauftritte vorbei, hatten die beiden Magier versprochen. Na wenigstens etwas, dass Phillipa Merlin und Malecantus abringen konnte.
„Du wirst begeistert sein!“, schwärmt Phillipa sehr zum Leidwesen ihres Göttergattens Moema vor, der diesen Fan Blick langsam leid ist. Er kann die beiden eigentlich durchaus gut leiden, aber … Knirsch, sie fängt schon wieder an …„Ich bin immer so hin und weg, wenn ich Malecantus in seinem Element auf der Bühne erlebe, liebe Moema!“ Wieder dieser verträumte Blick! Grmmmpffff.
Verschmitzt zwinkert Phillipa der Seniorin heimlich zu. Die Bürgermeisterin und Gregorius machen sich nämlich einen Spaß daraus, den Hinterhältigen auf die Palme zu bringen. „Das braucht der ab und zu.“, hatte Phillipa Malecantus bald nach dessen Ankunft verschwörerisch zugeflüstert und genau geahnt, dass sie in dem Magier den richtigen Mitspieler für diese kleine Scharade findet. „Ja, das bringt Würze in den Alltag, meine Liebe!“, hatte Gregorius über diesen Schabernack nur gelacht.
Merlin nimmt’s gelassen, weil er den Schabernack ahnt. Nachts schläft Gregorius auf jeden Fall nach diversen Lehreinheiten bei ihm. Tarek kann ein Lied davon singen … Mpffffff.
„Komm, bis zur Vorstellung haben wir noch eine Stunde Zeit. Da drüben sitzen Merlin und Gregorius. Gesellen wir uns zu ihnen. Hier, die Chips gehen aufs Haus. Für diesen Wahnsinns geldwerten Tipp, Moema!“ Erfreut nimmt die Seniorin eine Rolle dieser lustigen kleinen Plaketten entgegen: „Oh ja, lasst die Rubel rollen!“ Gern lässt sie sich von Phillipa mit an einen der Spieltische ziehen.
„Wo steckt eigentlich Farsane?“, hält die Bürgermeisterin noch einmal auf dem Weg zu den Magiern kurz inne, sieht sich suchend nach der jungen Frau um. „Oh, die kommen noch nach! Versorgen noch die Tiere!“, erklärt Moema unbekümmert. „Die?“, blickt Phillipa Moema fragend an.
„Ach, mein Enkel ist mit von der Partie!“ Nun ist es an der alten Dame zu zwinkern. Verstehend lächelt Phillipa und setzt den Weg mit ihr fort, nicht ohne im Kopf neue Berechnungen anzustellen. Wird ja das reinste Liebesnest hier! Vielleicht richten wir noch eine Honey-Moon-Suite ein! Ach, wie süß ist noch die Erinnerung an die Hochzeitreise mit dem Hinterhältigen ... Phillipa denkt gerne daran zurück. Sie weiß sehr wohl, was sie an ihrem 1. windigen Windenburger Stadtrat hat.
Nach weiteren Begrüßungen – denn nun treffen die agile Seniorin und die beiden Magier das erste Mal aufeinander – rollt jetzt tatsächlich das Roulette, der Rubel, der Zaster recht schnell in die Taschen … der beiden Zauberkünstler wie auch der Bürgermeisterin. Nur Moema wird verschont. Sie hält zumindest ihren Anteil.
Die Seniorin weiß nicht, dass sie von echten Magiern umgeben ist. Ha, ha, die reinsten Taschenspieler, lacht sie innerlich, bis Malecantus sich majestätisch erhebt: „Die Show beginnt!“ Gregorius lässt es sich nicht nehmen, die leibreizende alte Dame höchstpersönlich zu einem Sitzplatz in den vorderen Reihen zu geleiten. Auch Farsane und Achak, die mittlerweile nachgefolgt sind, werden hinzu gewunken. „Genießt den Abend!“