0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
Frau Bürgermeisterin Erdnuss mit den besonders guten Beziehungen zum toskanischen Polizeiinspektor, der kaum bis drei zählen kann, weilt noch in Amerika. Nun, eine ehemalige Oberrichterin tut es vielleicht auch … Nachbarin Erín hat sich natürlich sofort bereit erklärt, Don zu begleiten.
„Ja, ja, den kenne ich noch …!“, beteuert Erín dem Verleger gerade nochmal. Auf jeden Fall ist der Inspektor übergeordnete Dienststelle zu dieser überaus dummerhaftigen Brindletoner Polizei. „Was willst du in Brindleton, wenn die dort nicht mal eins und eins zusammenzählen können?“ Hatte die ehemalige Oberrichterin zuvor gefragt. „Besser jemand, der nicht bis drei, aber vielleicht halbwegs noch bis zwei rechnen kann.“, ihr Abschlussplädoyer in dieser Sache. Also machen sich Don und Erín auf den Weg, heute einen besonders ‚Hochbegabten‘ aufzusuchen.
„Bugsy hatte er den Fuchs ja auch als Puggle abgekauft! Also dürften auch wir leichtes Spiel haben … “, mutmaßt Don an der Pforte des inspektorlichen mediterranen Anwesens. „… und absolute Diskretion erwarten dürfen!“, ergänzt die EX-Oberrichterin frohgemut, mal wieder ihres nicht mehr vorhandenen Amtes walten zu können. Soll der Inspektor nur was sagen …Dann werde ich mal nachhaken, wie er sich dieses Gemäuer bei seinem Gehalt eigentlich leisten kann … In Verdacht steht ja seine bessere Hälfte, … für die ausreichenden Penunsen zu sorgen.
Beherzt drückt Don die Klingel. Es dauert einige Momente, bis ein Gesicht etwas konsterniert hinter der Hecke hervorlugt. „Oh, Frau Oberrichterin! Sie hatte ich ja heute nicht erwartet.“
Oh man, nicht mal mitbekommen, dass ich vor über einem Jahr schon den Dienst quittiert habe … Egal! „Nun, Herr Inspektor, dringliche und hoch vertrauliche Angelegenheiten führen uns in ihr Privat … Domizil!“ Erín lässt beredt die Augen über das Anwesen gleiten und recht verlegen schießt dem Inspektor das Blut in die schmalen Wangen. Seine bessere Hälfte hat … Ansprüche!
„Vertraulich natürlich, selbstverständlich! Gewiss!“, bittet der Inspektor mit ausladend einladenden Gesten die Gäste ins Haus. Don und Erín grinsen sich hinter seinem Rücken kurz zu, als sie ihm erleichtert folgen. Das scheint ja wie geschmiert zu laufen! Ganz so sicher war sich Erín zuvor nicht gewesen ...
„Tee, Kaffee?“, bietet der Inspektor einschmeichelnd an. Er versucht sich wirklich von seiner besten Seite zu zeigen. Also, wenn man von der Oberrichterin höchstpersönlich besucht wird, das … das ist ja wie kurz vor … Bürgermeisterin. Das Polizeioberhaupt erinnert sich noch gut an die gelenkige Frau Erdnuss. Bugsy war auch nicht schlecht gewesen, aber Frau Bürgermeisterin … oha! „Machen sie auch Yoga!“, fragt der Inspektor leutselig, während er die ‚Bestellungen‘ aufnimmt. Seine bessere Hälfte ist heute nicht da, um ihm unter die Arme zu greifen.
„Yoga? Sicher!“, bestätigt Erín freundlich und schickt gleich ihren Getränkewunsch hintendrein. „Latte Macchiato mit extra heiß aufgeschäumter Milch und einem Hauch von entöltem hochprozentigem Kakaopuder obendrauf!“ Ja, da macht doch Don El Artichocke gleich mit: „Und ich hätte gerne einen Earl Grey mit einer Note ätherischem Bergamottenöl - nur zart mit kalt geschleudertem Akazienhonig versüßt.“ Zwei wohlgefällige Blicke versichern dem leicht verzweifelt wirkenden Inspektor ihr vollstes Vertrauen in seine barristischen Fähigkeiten. Nun denn, er versucht sein bestes …
Erín sieht noch, wie sich der Inspektor mit einer Hand die schweißgebadete Stirn im Hinausgehen abstreift. „Den hätten wir wohl im Sack!“, frohlockt Don. Erín ist eine wunderbare Co-Partnerin in dieser Angelegenheit, findet der Verleger. Ihr Anliegen für heute? Miyu Watanabe und Tochter wieder offiziell zum Leben zu erwecken unter Ausklammerung jeglichen Bezuges zu diesem – Terence. Die beiden Frauen sollen sich nicht ihr Leben lang verstecken müssen!
Mit leicht zittrigen Händen schleppt der Inspektor tatsächlich zwei Becher herbei mit … was auch immer darin. Huldvoll nimmt die‚wiedergekürte ‚Oberrichterin‘ ihre Tasse entgegen. Wusste ich es doch. B i s zwei kann er zählen! Ein dritter Becher für sich selbst fehlt! „Mhm …“, lässt Erín ihre Nase über das dampfende Aroma streichen. Der Kaffee ist gut, gehobene Preisklasse, aber sicher nicht das, was sie ‚bestellte‘. Aber sie wollte ihn ja auch nur etwas ins Schwitzen bringen …
„Einer Ihrer Dienststellen ist da ein schwerwiegender Irrtum unterlaufen …!“, setzt sie dann auch gleich als nächstes an, um keine Entspannung zu gönnen. „Ich schätze, Sie möchten das nicht an die große Glocke gehängt sehen …“ kurze rhetorische Pause, in der Erín an ihrem dampfenden Kaffeebecher nippt. Der Inspektor soll gar nicht die Muße finden und auf die Idee kommen, vertieft nachzufragen … Don bewundert dieses Richterinnenspiel immer mehr …
„Das könnte den Staat … teuer zu stehen kommen!“, nochmal nippen. „Die Bürgermeisterin wäre wahrlich nicht amüsiert! Ansehen und Reputation wären dahin, Köpfe müssten rollen …“ Es rollen des Inspektor Augen vor Unbehagen. Er greift sich mit einem leicht würgenden Laut an die Kehle. „Was kann ich, muss ich … tun?“, krächzt der von Erín gebeutelte und durch den Wolf gedrehte Polizeibeamte.
„Nun, da wären ein paar Unterlagen zu korrigieren …“ Behutsam setzen Don und Erín dem Inspektor diesen dummen, dummen Fehler der Brindletoner Polizei auseinander und hoffen inständig, dass das bloß nicht auf den so tatkräftigen, tatkräftigen Inspektor zurückfallen möge ... Am besten, man trenne diese Vorgänge ganz voneinander, also … der Name Watanabe gehöre einfach nicht in Verbindung mit diesem Terence Trent Telker in einem Dokument genannt.
Keinesfalls will der Inspektor den eigenen Hals dafür hinhalten und riskieren. Nun, dann muss er selber Hand anlegen …
Binnen einer Stunde hat er sich die Unterlagen aus Brindleton bringen lassen und macht sich an die ‚Überarbeitung‘ … während Frau ‚Oberscharfrichterin‘ Erín und Verleger Don es sich bei einer Tasse Tee und Kaffee vor dem Fernseher gemütlich machen und eine Runde Titel Thesen Temperamente gucken. „Interessant, was die Kunstszene wieder Neues hervorbringt, nicht wahr mein lieber Don!“, lächelt die heutige freischaffende Künstlerin Erín über den Rand ihrer Tasse hinweg den Verleger an.
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Ein paar Tage später macht sich auch Shakirah Bashirah an ihre Aufgabe … ‚Nachts im Museum‘ im Kino wäre ihr lieber gewesen als nachts im Nebel auf dem Friedhof …
Langsam schreitet sie die Reihen der Gräber ab. Hier müsste es bald kommen …
Es kommt aber … nichts! Dort hätten zwei Grabstellen sein sollen, aber … zu sehen ist nur frisch umgegrabenes Erdreich, auf das man eiligst ein paar Grassoden verstreut auslegte.
Shakirahs Blick schwenkt zur Stele der anonymen Grabstätten rüber. Da hatte es der Inspektor wohl sehr eilig! Die irrtümlich für die Watanabes Bestatteten liegen wohl jetzt dort …
Anonym hatte auch dieser Terence seine letzte Ruhestätte gefunden, soweit sie weiß. Shakirah schaudert es leicht. Irgendwie wird es ihr langsam zu unheimlich hier zwischen den immer dichter wabernden Nebelschwaden … Nicht allein die winterliche Kälte lässt ihr mehrere Schauer den Rücken runterrieseln. Fröstelnd legt sie beide Arme um sich, als es hinter ihr im Gebüsch auch noch knackt.
Erschrocken fährt Shakirah rum, lacht dann leise über sich. Nichts zu sehen. Sei keine alberne Trine. Irgendein Kaninchen … Etwas verzagt fasst sie sich aber doch an den Hals. Oder treiben sich hier vielleicht nachtsfinstere Gestalten herum ?? …? Gulp!
Eilig macht sich Shakirah auf den Heimweg. Dumme Idee, hier nachts diskret ermitteln zu wollen. Auf diesem Friedhof ist sicher nichts mehr weiter zu erfahren …
Irgendwie … wird sie das unangenehme und nicht ganz greifbare Gefühl einfach nicht mehr los, beobachtet zu werden …