0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
7.1.3 – Alles, nur kein Date … Unverschämtheit mit Tee …
Wie wunderbar sich doch alles entwickelt … Entspannt hängt Lotta in der Mittagspause des nächsten Tages in der heißen Quelle des Touristikcenters ab, in dem sie angestellt ist. Takatuka und Wolf sind bestens bei Danny und den anderen Kiddies versorgt. Und Oleg hat es gutgeheißen, dass die Kleinfamilie ohne eigenen Strom- und Wasseranschluss das Gästebad einmal die Woche nutzt … und sogar die Waschmaschinen des Ressorts, nachdem er hörte, dass Lotta zuhause alles in Handwäsche verrichtet. Sie hatte doch noch gewagt, zu fragen.
Proschinsky ist einerseits ein strenger Chef wie ehemals als Konrektor, aber manchmal lässt er auch Wohlwollen durchblitzen … Wohldosiert.
Hach, die anderen Tage kann ich die neue Gemeinschaftsdusche der Mitarbeiter*innen nutzen, um immer adrett durchs Berufsleben zu kommen. Daheim ein Eisloch in dem entfernt gelegenen Teich schlagen oder den Schnee vor der Tür im Winter einsammeln und mit Holz auf dem Ofen erhitzen muss Lotta fast nur noch für Tee, Kochen, Backen und kleine Wäsche.
Trotzdem … so eine eigene Wasserleitung wäre schon schön …
*Platsch*
„Hei!“Wer spritz denn da so rum? Irgendwas plumpst gerade von oben direkt neben Lotta ins Wasser und verursacht hohe Spritzer im Becken. Etwas zu spät schlägt Lotta schützend die Hände vors Gesicht … Bäh, Wasser im Auge!
„Auch Hei!“, ertönt eine vergnügte Antwort neben ihr, als Lotta sich noch blinzelnd die Augen reibt.
Die Stimme …?
… plappert einfach fröhlich weiter …
„Wirklich angenehm das Wasser! Nichts geht über natürliche heiße Quellen, nicht wahr? Gut für die verspannte Muskulatur. Und das Ganze noch bei Sonnenschein im frisch gefallenen Schnee! Was will man mehr?“ Verschmitzt grinst Ansgar Lotta neben sich an, die nun die Augen endlich wieder öffnen kann.
„Umpff!“ Völlig perplex schlägt sie sich eine Hand vor den Mund. Lotta ist sowas von überrumpelt. Was … macht d e r denn hier? Urlaub? Hat … der Sabbelwasser getrunken … oder was? Ihr fällt gerade einfach nichts ein, was sie antworten kann.
Tja, offenkundig wusste sie wohl nichts von meiner Ankunft. Hat ihr ja voll die Sprache verschlagen …, schmunzelt der Norweger erfreut.
„Und wie lebt es sich so in dem Ressort, das wir aufgebaut haben!“ Ansgar ist zu Smalltalk aufgelegt und gleichzeitig auch tatsächlich etwas gespannt, wie der neue Ort so ankommt, den man kraft der eigenen Hände und – na gut – dank einiger Baumaschinen nach und nach errichtet hat.
„Höm!“ Mehr kriegt Lotta noch immer nicht über die Lippen, kann gar nicht rüber sehen, wendet sich von schrägen Erinnerungen überflutet verlegen ab … Das letzte Mal … stand der nachts draußen vor meinem Fenster … und ich drinnen … mit ’nem … Schwert! Und … auf dem Berg …im Zelt … Das war auch … Puhhh …
„Was? So erbaulich? Das freut mich!“, grinst Asgar amüsiert den anderen Rotschopf an. Der kleine Kobold mal mundtot, ha. Was ein Erlebnis! Ganz anders als auf dem Berg …
Es hatte noch lange Gespräche mit Sven und Thorger gegeben. „Nicht mal angeklopft den letzten Abend vor unserer Abreise? Blödmann!“ Ja, noch so einige andere Feinheiten hatten sie ihm an den Kopf geworfen … Und alle machten deutlich: er war wirklich ein Blödmann! Der aber zumindest nach weiteren eindringlichen Tipps – „Du musst ihr Vertrauen gewinnen!“ – und Überprüfung des eigenen Wollens nun weiß, was er will!
Ansgar will nicht mehr umherwandern und vor eigenen schwerwiegenden Erinnerungen weglaufen, die er … jetzt auch nicht gerade mit den beiden älteren Kollegen teilte. Doch von einer früheren Last möchte er sich nicht mehr die eigene Zukunft verbauen lassen, möchte sich sein kleines Stück Glück im Leben nicht mehr versagen ... Er ist wieder bereit, Verantwortung für mehr zu übernehmen … Ich hab‘ genug gelitten und wer weiß, was auch Lotta auf dem Buckel hatte … Haben wir beide eben unser Päckchen zu tragen.
Sein gesteigertes Interesse an dem Rotschopf neben ihm kann Ansgar einfach nicht mehr leugnen und auch ihr kleines rothaariges ungestümes Mädel hat sein Herz berührt. Wär‘ der Teint nicht so dunkel … könnte das Kind glatt von mir sein. Entspannt lehnt Ansgar sich gegen die Felssteine der heißen Quelle zurück von Zuversicht für eine bessere Zukunft beseelt. Lotta hingegen … ist immer noch recht stumm und irritiert.
Der Norweger lässt seine Gedanken zurück an die letzte gemeinsame Arbeitsstelle mit Thorger und Sven in Finnland schweifen …
Die beiden älteren und lebenserfahreneren Kollegen hatten Ansgar überzeugen können, dass Lottas generelle Abwehrhaltung gar nicht ihm speziell gelte … „Sie hat sich sogar recht lobend über deine Bergsteigerkünste gleich nach eurem Abstieg geäußert. Du hast sie da wohl schon etwas beeindruckt!“, hatte Sven noch betont.
Ja, nun bin ich hier! Vertrauensbildende Maßnahmen … Alles schön und gut, schmunzelt Ansgar im Moment wohlig in sich hinein. Aber ein bisschen auf den Arm nehmen … so wie Lotta mich auf dem Berg … Jooo, da hat Ansgar auch genug trockenen Humor für.
Erster Überraschungscoup zumindest gelungen. Versetz sie in Erstaunen!
„Und? Wie lange hast du so Mittagspause?“, will Ansgar lächelnd als nächstes von Lotta wissen. „Hä?“ Zurückhaltend schaut Lotta nur kurz zum Norweger rüber. Sie weiß noch immer nicht so recht, wie sie auf dessen Anwesenheit reagieren soll.
„Na, ich hab‘ auf jeden Fall gleich einen Termin!“ Wieder so ein breites Grinsen von dem Norweger. Hätte nicht gedacht, dass ich sie an die Wand reden kann. Macht direkt Spaß, das mal umzudrehen.
Lotta versucht kläglich, ein aufgebrachtes Schnaufen zu unterdrücken … Vergeblich!
Intuitiv folgt Ansgar weiter seinem Pfad der Eingebung. „Na, bis später, Lotta!“, grüßt er leutselig, während er aus der Quelle steigt. Lotta kann nur - leicht aus dem Häuschen - hinterher gucken.
V e r f l u c h t! Ich bin … verflucht! Ja, das ist sie wirklich. Verfluchter Malecantus! … … … Verfluchter Ansgar! Was soll das? Und ich … krieg nicht einmal den Mund auf! Lotta ärgert sich maßlos über sich selbst. Wie auf dem Berg damals lodert leichter Grimm auf. Es wird Lotta direkt zu hitzig in der heißen Quelle.
„Ja, ich hab‘ auch viel zu tun!“, nuschelt sie ärgerlich dem Norweger hinterher, der schon fast fort ist, nur … um endlich auch was gesagt zu haben.
Schnell steigt auch Lotta jetzt aus dem Wasser, nachdem Ansgar aus dem Blickfeld verschwunden ist. Sie gönnt sich noch die dringend notwendige Abkühlung nach dem heißen Bad in der unberührten Schneelandschaft direkt neben der Quelle, bevor es an ihren nächsten Termin geht. Dabei kann sie kaum unterlassen, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was der Norweger hier wohl zu schaffen hat und für wie lange. Reparaturarbeiten an irgendeinem der Bauten? Was nicht in Ordnung im Ressort? Verflucht! Am Ende stellt der Kerl noch meine ganze Welt auf den Kopf!
Zügig schlüpft Lotta schließlich in ihre Arbeitskleidung und macht sich in ihr kleines Wellnessreich auf. Sie mag diese Arbeit … genauso wie das Klettern oder Ski laufen. Und die Kundschaft honoriert das. Sie bekommt ganz anständiges Trinkgeld und gibt sich daher umso mehr Mühe.
Halbwegs wieder mit abgekühltem Gemüt und gut gelaunt betritt Lotta den Raum, um als nächstes … Atemstillstand … zu erleben … und dann … hörbar … nach Luft … zu schnappen!
„Pünktlich auf die Sekunde! Das lob‘ ich mir!“ Wieder so ein unverschämtes Grinsen! Wie er da auf der Liege schon selbstgefällig auf sie wartet …
Lotta bemüht sich außerordentlich um professionelle Haltung, allein ihre aufs Äußerste gespannten Nerven brennen leicht mit ihr durch … Na warte! Kunde König! Das wird die beste Behandlung aller Zeiten … Unvergesslich! For ever … and ever … Garantierte Sonderbehandlung vom Feinsten, Herr Baumeister! Mit leicht gefrorenem aber dienstbarem Lächeln – Lotta weiß doch, was sich gehört – beginnt sie mit dem Einölen ihrer Handflächen …
Ansgar lässt sich in froher Erwartung auf köstliche Entspannung der Muskulatur langsam auf den Bauch gleiten. „Na, dann zeig mir mal deine Künste!“ Das ‚Handwerkszeug‘ wird angesetzt und packt … voll zu. Kneifender Griff in die Seitenrippen, krebsartiges Zwirbeln der Rückenhaut mit spitzen Fingern, als wanderten tausende dieser Schalentiere mit ihren Zangen über seine Wirbelsäule. Ansgar durchlebt alles andere als wonnige Schauer. Fast wäre er wie von der Tarantel gestochen von der Liege aufgesprungen, kann gerade noch einen Aufschrei unterdrücken, ein dumpfes ‚Umpf‘ aber nicht mehr verbergen.
Als der Zerberus über ihm einen Moment von seiner derben Traktur ablässt, versucht Ansgar, sich fluchtartig zu erheben, wird aber sanft wie nachdrücklich wieder auf die Liege zurückgepresst, denn auch der Rotfuchs über ihm verfügt noch immer über einiges mehr als üblich an Kraft.
„Wir sind noch nicht fertig. Jetzt kommt das Beste!“ Nun ist es Lotta, die schelmisch in sich hineingrinst. Scheiss aufs Trinkgeld heute! Die Wärmesteine der ‚Sonderbehandlung‘ sind bereits erhitzt! „Geht‘s so?“, fragt sie vorgebeugt samtig an Ansgars Ohr, während sie die etwas zu heiß gewordenen Steinchen einem nach dem anderen vorsichtig abwärts entlang seines Rückgrats auf die danebenliegenden Muskelpartien ablegt. „Wie? Ich verstehe nicht?“ Kann sie auch nicht, weil der Norweger sich mit verbissenem Gesicht und unterdrückten Lauten gerade mit der Frage quält, ob er einfach mannhaft durchhalten oder ihr gleich mal die Leviten lesen sollte …
„Alles in Ordnung hier?!“, tönt es streng von der Tür her, als Lotta gerade noch erwägt, einen weiteren heißen Stein in Ansgars Kreuzgegend zu platzieren. „Oh, Oleg!“, fährt sie augenblicklich schuldbewusst zusammen, zupft in Windeseile mit beiden Händen alle Steine wieder von Ansgars Rücken und lässt sie schnell in der Schale mit bereitgestelltem kaltem Wasser verschwinden. Beweismittelvernichtung! Fuhhhhh! Kann der Norweger wieder aufatmen. D a s war Rettung in letzter Sekunde!
Oleg hatte gerade in der Sauna nebenan ein paar Reparaturen vorgenommen, als er mehrwürdige Geräusche aus dem Nebenraum vernahm und mal nach dem Rechten schauen wollte … Umgehend setzt Lotta ihr lieblichstes Lächeln auf und lässt mit zartestem Kreisen ihrer Hände jetzt wirkliche Wohltat am Norweger wirken. „Alles gut!“, verkündet Ansgar hochzufrieden mit der glimpflichen Entwicklung, nun doch in den Genuss ihrer beredten Fingerfertigkeit zu kommen. Es macht schon die Runde unter den Gästen im Wintersportort hatte er bei Ankunft festgestellt.
Dankbar, dass der Norweger sie nach ihrer Schandtat nicht gleich an ihren Boss verrät, bemüht Lotta sich nun sehr um Zufriedenheit dieses Kunden. Und sie erwartet sicherlich auch kein Trinkgeld mehr. Nein, nein! Sanft streicht sie über die fest ausgeprägte Muskulatur unter ihren Händen, nimmt zum ersten Mal die Statur dieses Mannes tatsächlich wahr. Nicht unansehnlich! Ihre Finger gleiten kribbelnd seine Seiten entlang wieder aufwärts … Oleg tritt näher heran. Ansgar hätte jedoch nichts dagegen, wenn Proschinsky just in diesem Moment wieder hinwegtreten würde. Gerade wird‘s so richtig entspannend … wie … auch anregend.
„Das tut gut nach einigen Runden Ski, hm, Herr Kollege? Guter Einstand. Gute Kundenbewertung gleich am ersten Tag. Das gefällt mir! Die Kinder freuen sich auch schon auf ihren ersten Kurs nachher!“ Oleg war recht überwältigt, dass sich so ein erfahrener Bergsteiger und Skiabfahrtsläufer mit besten Papieren auf die erst kürzlich ausgeschriebene Stelle bewarb. Kostet ihn zwar auch ein bisschen Holz. Aber der Kerl ist wohl jeden Taler wert. So ein Allroundtalent.Neben individuellen Kursen, Gruppenangeboten auch noch die Kleinsten anleiten. Donnerwetter allerhand und dass in diesem jungen Alter!
Proschinsky sieht sich schon mit Ansgar als neuem Sportsbro einen der Gipfel erklimmen und gemeinsam auf Skibrettern in die Schluchten abwärts stürzen. Jenkins wäre völlig ungeeignet. Der versteht nur Bühnenbretter, aber nicht die sportlichen unter den Füßen!
Zum zweiten Mal verstummt Lotta an diesem Tag. Ansgar ist … d e r … neue … Skilehrer …? Irgendwie verharren ihre Hände gerade wie in der Luft gefroren. Dann lässt sie sie innerlich erschlagen niedersinken. E r macht also die alpine Tour! Und … und ... Lotta schaut völlig entgeistert auf Ansgar nieder, der sich zur Erwiderung einer Antwort an Oleg sacht aufstützt. Und e r verbringt jetzt tagsüber mehr Zeit mit meiner Tochter als ich?! Wie …? Woher …? Wer … sagt denn, dass der mit Kindern umgehen kann?Das Zertifikat möchte ich aber mal sehen. Der kann doch nicht für alles eines haben!
Und dann dämmert Lotta … noch etwas! Wir sind jetzt … Kolleg*innen? Längerfristig? Ziemlich erstarrt blickt sie Oleg an. Seine Lippen haben sich gerade bewegt. Eine Hand fuchtelt vor ihrem Gesicht herum … „Ob ich zuhöre? Nächster Kurs? Oh ja, ja natürlich …“, meldet sie dann, immer noch nicht wieder ganz bei sich angekommen, tonlos an Oleg zurück.
Ja, sie muss sich bald auf den Weg machen. Noch eine Stunde Kletterkurs für Einsteiger, dann wäre sie für heute fertig. „Ich gehe dann mal …“, wendet sie sich etwas kleinmütig der Rückseite des schon wieder davoneilenden Bosses wie auch Ansgar auf der Liege zu. „Äh ja, und ich bleibe noch einen … Moment!“ Ansgar deucht es gerade nicht ratsam, sich schon zu erheben. Sie versteht ihre Kunst wirklich gut. Etwas zu gut. Sie sollte vorsichtiger sein! Bei allen anderen natürlich, … nicht bei mir! Sein Einzelkurs kann mal einen Moment warten. Ansgar weiß, dass er sein Geld wert ist!
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Eine gute Stunde später fühlt sich Lotta nach der Kletterpartie ausgebrannter als sie eigentlich sein müsste. Schnell noch eine Dusche …Ich war so unkonzentriert!, kritisiert sie sich selber im Nachgang. Wäre vor meinen Schülern fast den Felsen runtergestürzt. Nur ein kleiner Fehltritt. Sie hätte sich von der Höhe her nichts gebrochen, aber … diese Blamage! Ouh! Und es ärgert sie, was beziehungsweise wer ihre Aufmerksamkeit ablenkte. Nur zwanzig Meter weiter kreuzte e r mit seinem Einzelschüler auf, musste ausgerechnet dort seine Trockenübungen abhalten … Es dampft nicht nur die Dusche, sondern auch Lotta innerlich.
‚Entspann dich, spül allen Ärger von dir ab!‘, befiehlt sie sich und es funktioniert sogar ein wenig, als das warme Wasser angenehm über Gesicht und Rücken rieselt. Behaglich schließt sie die Augen …
„??? …“, hört Lotta neben sich plötzlich ein paar Flötentöne. Eine Kollegin reingekommen?
Langsam hebt sie wieder die Lider … Zapperlot! Hat der … kein Benimm? Lotta ist schockiert. Das ist eine Gemeinschaftsdusche der Mitarbeiter*innen … aber … doch nicht … für alle … gleichzeitig.Wie … wie … gemein! Wie … hinterhältig! Will er mich absichtlich verlegen machen? Oder ist er einfach … ein Vollidiot?
Ansgar zeigt nicht im Geringsten irgendein Schamgefühl! Tut geradezu so als sei es das normalste der Welt, hier mal eben so reinzuplatzen und mit zu duschen – unter Kolleg*innen! „??? …“
Doch der Norweger weiß schon, was er hier anstellt und dass es nicht gerade zu den Vertrauensbildenden Maßnahmen zählt, die Thorger und Sven ihm eingebläut haben. Aber mein Gott, die Gelegenheit war günstig … und draußen stand ‚Gemeinschaftsdusche‘.
Manchmal stellt er sich gerne dumm an … für einen kurzen fantastischen Blick auf diese wohlgerundete Kehrseite. Aber natürlich weiß Ansgar auch, was sich sonst gehört und setzt deswegen in diesem Moment seine recht neutrale bis eisige Mine auf, die er gut beherrscht … und starrt Lotta jetzt nicht weiter an. Allein schon, damit er nicht an Ort und Stelle selber allzu viel Fantasie hochkommen lässt …
Ich geb‘ ihm sicher nicht die Genugtuung, hier pikiert schreiend raus zu rennen!, wägt Lotta in einem vorsichtigen Seitenblick ihren Kontrahenten und … dessen Wohlgestalt ab. Nicht … hingucken! Vöööölllig uninteressant. Blöde Tattoos. Wo hat er die eigentlich her? Auch noch Seefahrer gewesen oder was, Mister ‚Ich-Kann-Alles‘?! Ganz wohl ist der jungen Frau trotz der allgemeinen skandinavischen Freizügigkeit in ihrer Haut gerade nicht, wie sie halbwegs doch noch versucht, ein wenig ihre Blöße zu bedecken …
„Und? Noch’n Kurs heute oder schon fertig, Lotta? Ich hab‘ gleich noch den Kinderskikurs …“
Jetzt beginnt der Kerl auch noch Konversation unter der Dusche! Unverschämtheit! Es reicht!„Fertig für heute!“, haspelt sie nur kleinlaut und stürzt nun doch verräterisch errötend aus dem Raum. Sie ist ja sowas von fertig mit diesem Tag heute! Ouh!
Wie der Wind eilt Lotta nach Hause, um dem Norweger für heute nicht noch einmal über den Weg laufen zu müssen. In knapp zwei Stunden kommt Takatuka nach Hause. Daran sollte ich nur noch denken.
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Daheim im Knusperhäuschen macht Lotta sich sogleich an ihr Tagesbackwerk, verdrängt alle unangenehmen Bilder, was auch beim Verrühren der diversen Zutaten gut gelingt. Eine schön säuerlich fruchtige Preiselbeer-Baiser-Torte soll es heute werden. Lotta denkt sich gern immer wieder neue Rezepte aus. Je fruchtiger und rahmiger, desto besser.
Sie und Takatuka haben es sich nach Abzug der ‚Teegesellschaft‘ zur Gewohnheit gemacht, weiterhin zum späten Nachmittag oder frühen Abend – wie man es auch sehen will – eher ein bisschen Süßes mit Tee statt üblichem Abendbrot zu genießen. Dafür gibt es jetzt mehr Herzhaftes über Tag, sogar aus Lottas Garten. Schon ein wenig merkwürdig, die eigenen Ernteprodukte von anderen verkocht zu verspeisen … Aber Lotta und Takatuka nehmen ihre Mittagsmahlzeiten nun meist im Touristikcenter ein. Es lohnt nicht, zwischendurch zum Kochen nach Hause zu gehen.
„Dumm di dumm ?? …“, so langsam kann Lotta die Anspannung des Tages von sich abfließen lassen, hat sogar ein fröhliches Lied auf den Lippen. „Didel dum di dumm ?? …“ Takatuka müsste gleich da sein.
Geschwind setzt Lotta Teewasser aus vorgeschmolzenem Schnee auf. „La la li, tirili ?? … Oh!“ Draußen ist schon Kinderlachen zu hören, der Wolf schlägt an. Die beiden habe ja heute beste Laune!, freut sich Lotta, eilt an die Tür und reißt sie mit einem Schwung auf … „Ta… eiiii!“ Mehr als diesen kurzen verschreckten Quietschlaut bringt die junge Mutter nicht mehr hervor.
„Ansga, Mama Kuchen gebackt! Ganz lecker! Komm!“, dirigiert Takatuka auf dem Arm des Norwegers wie selbstverständlich alle ins Haus. Der Wolf streicht Ansgar um die Beine und drängt ihn ebenfalls vorwärts. Ach, hatten sie alle ihren Spaß heute zusammen. Kind und Wolf scheinen ganz aufgedreht.
„Ich … bring dir … deine Tochter heim, Lotta!“ Kurzer fragender Blick des Norwegers auf der Schwelle des Hauses, ob es genehm ist … einzutreten.
Wie sollte Lotta da noch ‚Nein‘ sagen …? Wie sollte sie vor dem Kind jetzt ein Aufsehen machen …? Wortlos tritt sie zur Seite, lässt alle rein. Wir sind jetzt Kolleg*innen! Ich werd‘ mich irgendwie arrangieren müssen … Lotta weiß nur noch nicht genau wie …
Stumm bedeutet Lotta Ansgar mit einer Hand, schon mal Platz zu nehmen. Der wunderbar noch warm duftende Kuchen steht schon auf dem Tisch bereit. Lotta holt ein weiteres Gedeck, während der Norweger Takatuka umsichtig durch spielerische Ablenkung daran hindert, ihre kleinen Finger schon im Gebäck zu versenken - was nicht von der jungen Mutter unbemerkt bleibt. Er kann wohl tatsächlich mit Kindern …
Hoch achtsam und äußerlich Ruhe bewahrend gießt Lotta Tee für alle ein, damit ihr nur nichts daneben tropft. Innerlich ist sie jedoch - wie soll man sagen … ziemlich angespannt … und … Ansgars Kuchenstück platscht leider auf die Seite. „Oh, wie ungeschickt …!“, will Lotta sich entschuldigen, wird von ihrem Gast aber gleich beruhigt. „Passiert mir auch öfter!“
Stimmt zwar nicht, aber der Norweger freut sich gerade ein Loch in den Bauch. I c h habe es auf Lottas Teerunde geschafft! Ein … Meilenstein! Und gleich am ersten Tag! Ok, unter Einsatz ein paar perfider Maßnahmen, aber … jetzt will Ansgar wirklich mit den Vertrauensbildenden beginnen … Bring sie nicht weiter in Verlegenheit! Und das … tut er auch tatsächlich den restlichen Abend nicht weiter.
„Weiterlesen!“, begehrt Takatuka beim Norweger auf, als sie ihr Kuchenstück als erste vertilgt hat. Der kleine Krake hat wieder zugeschlagen. Zumindest lässt der Teller der Kleinen so etwas vermuten. „Gerne! Wenn ich aufgegessen habe und du deine kleinen verschmierten Händchen gewaschen hast!“, bekommt das Kind fröhlich aber bestimmt eine Ansage. Sehr zu Lottas Erstaunen beeilt sich Takatuka sofort, Folge zu leisten und begibt sich selbständig an den vorbereiteten Wassertrog, der ihnen zur Abendwäsche dient. Er hat … meinem Kind … etwas vorgelesen … heute Nachmittag?
„Noch kein fließendes Wasser?“, hakt Ansgar bei Lotta interessiert nach, während sein Blick dem Kind folgt. Die junge Mutter schüttelt nur wortkarg den Kopf. Vor Ansgar ist ihr die einfache Hütte plötzlich peinlich. Irgendwie will ihr kein freimütiges Geplauder bei ihm gelingen. Lotta begnügte sich in dieser Teerunde bisher damit, dem Geplänkel zwischen ihrem Kind und diesem wie ausgewechselt wirkenden Norweger zu lauschen. Erst gibt er den Eisigen, dann den Unverschämten und jetzt …? Was soll das werden?
Takatuka kommt strahlend zurückgehüpft, wedelt mit den nun sauberen Händchen vor Ansgar rum: “Fertig!“ Der Norweger lacht gutmütig zu Lotta hin: „Das hält Danny im Kindergarten auch so. Man müsse immer wohlwollend strikt bleiben, meint sie! Klappt hervorragend, finde ich!“ Das ringt Lotta jetzt tatsächlich mal ein erleichtertes Lächeln ab. Ok, ist nicht alles auf seinem Mist gewachsen! Sie kam sich langsam schon so … unzulänglich neben ihm vor.
Sie ist wunderschön, wenn sie lächelt ... Einen Moment betrachtet der Norweger seine Gastgeberin etwas verzaubert. Laut spricht er aber etwas anderes aus: „Du bist eine zauberhafte Backmeisterin, Lotta. Wo hast du nur das Rezept her? So fluffig und fruchtig. So … exotisch. Zergeht auf der Zunge. Sowas hab‘ ich noch nie zuvor … geschmeckt!“ Ansgar fällt gerade kein passenderer Begriff ein, aber es kitzelt den Gaumen vorzüglich - diese neuartigen Aromen. Wie macht sie das?„Es hatte sogar … angenehme leichte Schärfe in der Fruchtmischung.“
Lottas Gesichtszüge werden gelöster … „Oh, das mochten Sven, Thorger und die anderen auch … Ein wenig … Chili oder Ingwer an die Fruchtmasse …“ Endlich ein unverfängliches Thema, bei dem sie lockerer mitreden kann.
„Le-sen!“, skandiert Takatuka jedoch dazwischen. Schließlich sind aus ihrer Sicht die beiden Grundbedingungen erfüllt - Hände sauber und Ansgar hat fertig gegessen. Hilfsbereit räumt die Kleine einfach schon mal seinen Teller beiseite. Nicht, dass er noch ein zweites Stück nimmt. Ergeben lächelnd holt Ansgar nun ein Buch aus seiner Jackentasche hervor …
Ein Kinderbuch alt und abgegriffen wie Lotta auf den ersten Blick verwundert feststellt. Aus dem Touristikcenter ist das nicht, wie sie sehr wohl weiß. Seins? Aus Kindertagen? Aber wieso … trüge er so etwas mit sich … herum? … … Ach, bestimmt von Danny! Lotta schüttelt innerlich über sich selber den Kopf. Mach dir bloß nicht zu viele Gedanken …
Lieber beschäftig sie ihre Hände angelegentlich mit dem Abräumen des Tisches, während sie mit einem Ohr Ansgars wohltönender wie dunkel rauchiger Stimme lauscht. Auch Takatuka und selbst der Wolf scheinen ganz versunken in die kindgerecht aufbereitete nordische Mär von Wölfen, Riesen und uralten Gottheiten … Er liest also auch noch … recht gut! Lotta spült weiter Geschirr ab. Oh Gott, wenn er hört, dass ich … Unterricht in Lesen, Schreiben und Rechnen bekomme … lacht er sich kaputt! Oleg und Brett sollen ja die Klappe darüber halten …
„So, genug für heute!“, klappt Ansgar das Buch nach einer Weile zusammen. „Wann geht’s denn ins Bettchen, Takatuka?“ Draußen ist‘s schon recht dunkel geworden. Am liebsten würde Ansgar noch den ganzen Abend hier allein mit Lotta zusammenhocken. So vor dem Kamin ... auf ’nem Fell, aber …, zügelt er seine zügellose Fantasie wieder, …wir müssen beide früh raus. Lotta wahrscheinlich noch früher mit Kind als ich …
„Such‘ ihr Vertrauen!“, hatten Sven und Thorger ihn gemahnt. Ja, das will er wirklich versuchen, also keine schäbigen Späße mehr … für heute.Na, ein bisschen necken noch … Aber Morgen erst wieder!
Lotta hat noch gar nichts zur Nachtruhe gesagt, knetet momentan nur unschlüssig ein Geschirrtuch in den Händen, aber Ansgar erhebt sich freiwillig. Sie muss mich nicht rausnötigen, beschließt er gerade, streift sich seine Winterkluft wieder über und begibt sich zur Haustür. Gastfreundlich begleitet Lotta ihn bis dorthin.
„Gute Nacht!“, wünscht Ansgar ihr höflich auf der Schwelle, dankt für Kuchen und Tee, während er sich noch einen Moment von ihren großen zuweilen staunend in die Welt dreinblickenden Augen fesseln lässt. „Bis Morgen, Lotta!“
„Bis Morgen, … … Ansgar!“ Ihre Stimme ist nur noch ein samtener Hauch, als er sich langsam abwendet und sie die Tür sacht und sehr nachdenklich hinter ihm schließt.