0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
7.1.4 – Alles, nur kein Date … Bräuche und Gewöhnung … (Teil 1)
So langsam geht es auf Weihnachten zu und es spielt sich ein, dass Ansgar jeden späten Nachmittag zum Tee immer mit einem Buch in der Tasche bei Lotta erscheint – außer den einen Abend pro Woche, den sie, ähäm, länger im Touristikcenter weilt …
Ein wenig neugierig ist Ansgar doch, was Oleg, Brett und Lotta da abends noch zu schaffen haben, wenn sie mit einer Kladde unterm Arm in die Teeküche huscht. Er hat schon bemerkt, dass der Rotschopf sehr gerne den Geschichten lauscht, die er vorträgt, aber zuweilen beim Papierkram etwas unbeholfen ist. Wie sich nämlich herausstellte haben Lotta und Ansgar einige Ski- und Kletterkurse gemeinsam und Abrechnungen gehören nun mal zum Berufsalltag. Auch Takatuka ist in sprachlicher Kulturtechnik nicht so weit wie es andere Kinder in ihrem Alter wären, ist Ansgar aufgefallen …
Der Norweger hat schon auf charmante Art und Weise die gutmütige Adeline ein wenig ausgehorcht und erfahren, dass sich Oleg, Brett, Adeline und Lotta ehemals aus einem Schulbetrieb kennen. War Lotta da Schülerin? Sie wirkt schon noch recht jung … Kriegt sie … noch Unterricht? Da hatte Adeline dann rumgedruckst und nichts mehr weiter dazu gesagt.
Oleg und Brett wechseln sich heute mit dem Lehrstoff ab, während Takatuka und Böser Wolf noch in der Spielecke des Centers rumkruscheln.
„Hi, noch Tee in der Kanne?“, stolpert Ansgar wie zufällig in die kleine Versammlung rein. Um diese Zeit ist selten noch etwas Heißes in der tagsüber für den Skikindergarten, Tourist*innen oder Mitarbeiter*innen offenstehenden Teeküche vorhanden. Aber egal. Einfach mal … reinschneien.
Nur Lotta wirkt durch Ansgars Reinplatzen aufgeschreckt, senkt ihre Augen etwas verstört auf das Schulheft vor sich und mag erst nicht hochsehen. Oleg, ganz Lehrer alter Schule, erklärt nüchtern: „Nicht den Unterricht stören, junger Mann.“ Und schiebt noch grinsend hinterher: „Sonst lass ich dich nachsitzen oder die Tafel wischen …“ Alter Pädagogenwitz, über den keiner lachen kann. Ansgar nimmts trotzdem heiter: „Wenn du mir die Tafel zeigts, gerne. Ich seh‘ nur keine!“ Breites Grinsen zurück. Ja, ja der junge Kollege lässt sich nicht so einfach was von seinem alten Chef sagen, hat Proschinsky schon gutmütig bemerkt. Aber er lässt es arbeitsmäßig an nichts mangeln.Also … alles ok!
„Und? Welches Fach ist gerade dran?“, bohrt Ansgar mit Blick auf die sich windende Lotta ungeniert aber freundlich weiter. Nein, das soll keine neue Verlegenheitsübung werden. Er möchte nur nicht die ganze Zeit um irgendein mögliches Fettnäpfchen bei ihr herumeiern. Dann lieber frisch auf den Tisch … und die Sache aus der Welt geschafft. Schließlich haben sie noch einige Kurs-Abrechnungen vor sich.
Brett Jenkins ist nicht gerade gesegnet mit Einfühlungsvermögen und gibt freimütig an Lottas Stelle preis: „Die Grundfächer … Rechnen, Schreiben, Lesen …! Aber sie lernt wahnsinnig schnell. Ein halbes Jahr noch und sie hat alles voll drauf!“ Lotta glaubt, im Boden versinken müssen, während Takatuka den neuen ‚Spielkamerad entdeckt hat und von hinten auf Ansgar zustürmt: „Krake! Uahhhhhh!“ Am liebsten hat sie die Seemonster …
Lotta hat das Gefühl, sich irgendwie rechtfertigen zu müssen: „Ich hatte … Ich konnte … eben keine Schule als Kind besuchen …!“Hätte ich schon gekonnt. Die Prusseliese hatte dafür ja sorgen wollen … Beschämt senkt Lotta das Haupt. Ich war doch noch ein dummes Kind … und allein!
„Das ist doch schön, Lotta, wenn sich so nette Leute finden, die dir jetzt weiterhelfen …“, erwidert Ansgar nur aufmunternd lächelnd, während er die kleine - oder wie gewünscht ‚große‘ – ‚Krake‘ in die Höhe hievt. Oleg und Brett fühlen sich geschmeichelt. Lotta blickt zaghaft wieder hoch. Er meint das ernst? Lacht mich nicht aus?
„Hat eben nicht jeder immer die gleichen Möglichkeiten …“, beschwichtigt Ansgar Lottas Lage weiter und fragt sich aber doch gleichzeitig, wie das bei dem gut ausgebauten Schulwesen in Schweden passieren konnte.
„Wir wechseln uns abends beim Vorlesen jetzt einfach ab, ok. Das hilft dir auch weiter, Lotta!“, schlägt der Norweger vor und nicht nur Takatuka klatscht begeistert in die Hände! Nein auch der ehemalige Konrektor hält sein neues Allroundtalent Ansgar für einen Pfundskerl. Der Knabe hat sogar Abitur! Irgendwann leitet der noch selber so ein Ressort … „Genial, Herr Kollege, genial! Jede Möglichkeit, die sich bietet gleich nutzen!“
Jupp, genau d a s mache ich gerade, Boss! Jedwede Gelegenheit zum Vertrauensaufbau gleich beim ‚Rotschopf packen‘ …, schmunzelt Ansgar innerlich. Des Norwegers Plan scheint aufzugehen, denn Lotta … lächelt erleichtert zu ihm hoch. Das war ja … jetzt gar nicht so schlimm! Dann muss ich vor Ansgar auch nicht mehr so blöde Ablenkungsmanöver machen wie mit dem Stift rumfuchteln, als wäre er nicht angespitzt oder so …
„Sag mal Oleg, noch keine Zeit gefunden, das Teil da endlich mal ordentlich zu bestücken?“, deutet Ansgar in Richtung des immer noch recht leeren Buchregals in der vorgeblichen Leseecke, die bislang keiner sonst nutzt. „Was dagegen, wenn Lotta und ich uns dem annehmen? Dann kann sie auch was passendes für sich raussuchen!“, nickt er mit dem Kopf zur jungen Frau hin. „Was lässt denn für’n Etat springen?“
Ja, Ansgar entdeckt schnell die Schwachpunkte des Ressorts. Sie sind immer noch im Aufbau und Oleg … das erste Mal in solcher Stellung. Auch für ihn noch Neuland. Proschinsky wägt kurz ab, überschlägt im Kopf. Chef und Angestellter werden sich schnell einig - zu Ansgars Gunsten. Harter Hund bei Verhandlungen, der Kerl! Aber Oleg mag dieses Schlitzohr irgendwie. Ganz nach seinem Geschmack!
„Also abgemacht Lotta?! Morgen gucken wir uns erst noch in einer Bibliothek um und danach geht’s in eine Buchhandlung!“ Ansgar hat seinen Land Rover auf dem Firmengelände stehen. Er verdient genug, um sich so ein Wind- und Wettertaugliches Gefährt für diese Gefilde zu leisten.
Das Ansinnen wird mit einem Leuchten in Lottas Augen belohnt, wie Ansgar zufrieden feststellt. „Ja, ja, sehr gerne!“, bestätigt sie ganz hibbelig Ansgars Frage, die eigentlich schon gar keine mehr war …, was sie aber in dem Moment vor lauter Aufregung gar nicht bemerkt.
Ein Arbeitsauftrag! Das ist ein Arbeitsauftrag! Kein Date oder so. Lotta ist sehr erleichtert und überaus begeistert von der morgigen Unternehmung. Überhaupt hatte Ansgar sie seit der ersten Teerunde nicht mehr in so doppelbödige Situationen gebracht wie in der Gemeinschaftsdusche. Vielleicht nur Unkenntnis über örtliche Sitten am ersten Tag …?
„Weiter im Unterricht, junge Dame!“ Oleg lässt sich doch nicht allzu lange vom Lehren abhalten.
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Noch ganz aufgekratzt von den ganzen neuen Eindrücken räumt Lotta mit Ansgar am nächsten Tag kurz vor Mittag gerade das letzte der neu erworbenen Bücher in der Leseecke ein, die den Namen im Gäste- und Kurhaus jetzt auch tatsächlich mal verdient. Lotta hat sogar einen Büchereiausweis abgestaubt! Noch mehr Lektüre und nahezu kostenlos! „Danke, Ansgar! Das hat so viel Spaß gemacht!“, umarmt sie überschwänglich und spontan den Norweger, der das überrascht gerne annimmt. Nicht zu sehr und zu lange drücken, ruft er sich selber zur Raison! Nicht … überbewerten! Sie ist manchmal … einfach nur … unbedarft spontan!
Für den Nachmittag hat Lotta noch einige Termine im Wellnesssalon und sie beschließt, dort einen kleinen Mittags-Imbiss auf den bequemen Polstern zu sich zu nehmen. Ansgar schließt sich an, hat er doch das feine Interior dort schon längt als angenehme Liegewiese nach anstrengenden Kurseinheiten für sich entdeckt. Er strunzt immer mal wieder zwischendurch bei Lotta rein, wenn sie Pause hat und auch Takatuka und der Wolf sind oft mit von der Party. Manchmal sogar auch noch Danny und Brett. Alles also ganz harmlos … Heute sind die anderen allerding … unterwegs …
„Was meinst du?“, wirft Lotta gerade in den Raum, während sie in den Resten ihres Salates rumstochert. „Gibt es in der Stadt vielleicht … auch ein Wollgeschäft?“ Mhmmm, sie fragt nicht ganz ohne Hintergedanken. So eine Fahrt in Ansgars Karre geht viel schneller … Zu Fuß wäre sie durch den hohen Schnee in der höheren Lage fast einen ganzen Tag allein nur für die einfache Strecke schon unterwegs.
Zu dumm, dass ich keinen Führerschein habe. Wieso bin ich nicht gleich heute Morgen auf die Idee gekommen, nach Wolle zu schauen? Lotta erwägt, für die anstehende Weihnachtsfeier allen ihren jetzt neuen oder wohl eher alten Bekannten etwas zu stricken und sich auch in dieser Fertigkeit noch weiter zu entwickeln. Oleg hat zum Festtag im kleinen Kreis eingeladen und Lotta bringt einen ihrer leckeren Kuchen mit.
Wunderbar! Noch mehr Gelegenheiten … sich ein bisschen unentbehrlich zu machen … Natürlich nutzt Ansgar die Gunst der Stunde … „Bestimmt Lotta! Machen wir doch demnächst ‘ne Tour und schauen uns den Ort etwas genauer an!“, schlägt Ansgar sofort vor.
„Ich, also, ich kann gerne das Spritgeld übernehmen!“, erwidert Lotta leicht erschrocken, dass ihr Anliegen wohl so offenkundig war. Sie möchte nichts ausnutzen … „Da nicht für!“, wiegelt Ansgar sogleich ab. „Bekommt mir auch gut, mehr rauszukommen! Wir können nicht immer nur hier am Fleck hängen. Gibt mehr als nur Arbeit! Vielleicht kommt ja noch jemand mit. Die haben auch Kinos, Restaurants, Theater in der Stadt …“
So viel Neuland! Lotta war noch nie in einem Theater oder einem Kino, obwohl sie einst für Filmdrehs arbeitete! Und dass Ansgar gleich mehrere gedanklich einbezieht … ist auch gut … für Lotta! Puh!Ich möchte wirklich nicht …
Ansgar macht es sich bequemer und lehnt seinen sportlich durchtrainierten leicht entblößten Oberkörper gerade entspannt zurück! Gebannt folgen Lottas Augen der Bewegung des frei gelegten Muskelspiels … Rein … professionell … so als staatlich … nicht geprüfte Masseurin … Ich möchte wirklich, wirklich nicht … Nicht …? Nein …?
Schnell wendet sie … den Blick wieder ab. „Ähm, ja, das wäre toll, wenn Danny und Brett auch mitkämen. Ich kann aber trotzdem was zu den Benzinkosten beitragen! Also, wenn wir öfter mal … alle zusammen …!“ Lotta ist absolut nicht der Typ, der andere ausnimmt.
Darum macht Ansgar sich auch keine Sorgen. Eher ist sie zu arglos seinem Eindruck nach auch bei den eigenen Gehaltsverhandlungen. Ich werd‘ mal bei Gelegenheit Adeline in der Buchhaltung ein bisschen freundlich über die Schulter schauen … „Sehen wir dann …“, lässt Ansgar das Angebot Lottas einfach etwas in der Luft schweben und seinen schweifenden Blick neugierig an einer Bodenmatte im Raum hängen. „Kannst du das eigentlich? Yoga? Hab‘ ich noch nie gemacht. Ist das gut?“
Oh, jetzt kann ich mal was zeigen, was Ansgar noch gar nicht kennt! Bereitwillig springt Lotta sofort auf, räumt ihre beiden Imbissboxen schnell weg und hüpft auf die Matte. „Ich hab‘ mir einiges aus den Büchern abgeschaut. Das ist wirklich prima zur Dehnung vor und nach dem Klettern oder dem Skilaufen. Merkwürdige Namen, aber … egal.“ Und schon wird vorgeturnt …
„Das heißt … schlafende Hunde oder so!“ Oh, ja! Ansgar richtet sich aus seiner zurückgelehnten Haltung wieder etwas auf, um diese sportliche Leistung etwas näher zu begutachten. Seeehr biegsam die Kleine …
„Und nun … aufgeschreckte Katze oder so ähnlich!“ Lotta ist ja wirklich sehr gelenkig. Amüsiert beobachtet Ansgar des Rotschopfs Bemühungen, ihm auch mal was Neues zu zeigen … Mehr davon!
„Ich weiß nicht mehr genau … Hinkender Kranich?“ Lotta versucht auf einem Bein mit über dem Kopf gestreckten Armen das Gleichgewicht zu halten.
Ja, wir werden die abendlichen Leseübungen auf jeden Fall weiter vertiefen müssen … Heißt wahrscheinlich anders. Ansgar will doch gerne auch noch etwas mehr zu Lottas Bildung beitragen …
„Ähm, könntest du mir nochmal das … mit den Hunden zeigen, Lotta? Ja, äh, das scheint mir gut … für den Rücken … zu sein!“ Gefällig wiederholt der arglose Rotschopf die erste Übung noch einmal … Mhm ja, das weckt schlafende Hunde … Ansgar hat sich auf den Bauch gerollt, um alles besser aus der Nähe würdigen wie bewundern zu können …
„Bin ich schon dran?“ Mist, die Mittagspause ist zu Ende! Kundschaft kann ja so nervig sein … Nun gut, Ansgar hat auch den nächsten Kurs im Kalender stehen. „Ähm, bis später Lotta. Das musst du mir mal in Ruhe … genauer zeigen! Die Übung … für den Rücken!“, verabschiedet er sich schnell.
Hach ja! Lotta freut’s, wenn sie auch anderen Mal was beibringen kann. „Na, dann sogleich auf die Liege, gute Dame!“, startet sie frohgemut ihr Werk. Ist das ein schöner Tag!