0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
7.1.4 – Alles, nur kein Date … Bräuche und Gewöhnung … (Teil 2)
Stolz wie Bolle kehrt Lotta mit Ansgar zwei Tage später recht bepackt aus dem Wollladen heim - pünktlich zu Tee und Kuchen. Sie hat diesmal vorgebacken. „Nur noch wenig Zeit bis Weihnachten. Ich muss mich ranhalten!“, verkündet sie dem freundlichen Fahrer ihres Ausflugs zuversichtlich, das alles noch zu schaffen, was sie sich vorgenommen hat. Und wenn ich die Nächte durchstricken muss.
Takatuka trabt auch schon mit dem Wolf heran: „Kuchen, Hunger! Hamm!“ Der Krake gewinnt immer wieder die Oberhand als sie hochgenommen werden will. Takatuka ist eindeutig nicht für’s Spiel mit Kochtöpfchen und Prinzesschen gemacht. Das Kind muss eher held*innenhafte Abenteuer bestehen. Toben macht ihr am meisten Spaß.
Lotta kann von Glück sagen, wenn ihr Töchterchen nicht mal wieder den Puppen in der Spielecke des Ressorts die Köpfchen abnagt oder sie gegen eines der unzähligen Seemonster kämpfen lässt – wobei der Wolf oft eine*n der Kompars*innen geben muss … und schon das nächste Köpfchen rollt.
Die Leute glauben hernach noch, die beiden bekämen bei mir nicht genug zu Essen. Ach!, erheitert schüttelt Lotta den Kopf. ‚Die Leute‘ wechseln zum Glück oft - saisonales Personal wie Feriengäste. Der feste Mitarbeiter*innenstamm lässt sich an zwei Händen abzählen, was … zehn ergibt, soweit Lotta rechnen kann. Spaß beiseite, sie kann schon ganz schön ordentlich multiplikatizieren. Mindestens im Zahlenraum bis … bis … bis … Wie viele Nullen hat eine Bazillion?
Die Wolle landet drinnen sogleich im Korb neben dem schon angefangenen Strickzeug. „Die nächsten Tage musst du vorlesen, sonst schaffe ich das nicht!“, lächelt Lotta Ansgar bittend an. Tut er doch gerne … wie so manch anderes auch, aber … dazu kommen sie kaum. Ich beweise ganz schön … Geduld!, findet Ansgar. Viiiieeeel … Geduld! Die Hunde … schlafen immer noch!
Es gibt kaum Zeit außer Kinder, Küche, konzentrierte Arbeit und nun auch noch … stricken. Ansgar könnte geradewegs missmutig gegen den Korb voll bunter Wollknäule kicken … Nun gut, mal sehen wie die Lektüre heute Abend gefällt.
Lotta tischt auf, es wird gemampft, das Kind bespaßt, anschließend liest Ansgar in der Küche vor und Lotta … strickt. Wie fast jeden Abend in letzter Zeit … Gähn! Leutselig lächelt Lotta den Norweger an, während die Nadeln fröhlich zu klappern beginnen: „Der kleine Prinz? Klingt interessant!“
Ansgar beginnt vorzulesen und Kind, Wolf wie auch Lotta lauschen - begleitet von einem schnellen halblauten Klick, Klack, Klick, Klack der Stricknadeln – ganz gespannt, wohin es den kleinen Mann verschlägt, wen er alles trifft ... Takatukas immer schwerer werdenden Lider blinzeln irgendwann nach einer Weile schon ein wenig. Lotta denkt noch über die merkwürdige Rose nach, konzentriert sich dann aber wieder auf Ansgars dunkle wohltönende Stimme …
„In diesem Augenblick erschien der Fuchs: … … Du bist sehr hübsch!“ Unwillkürlich suchen Ansgars Augen die Lottas, als er diese Stelle vorträgt. Das Klackern setzt aus.
„‘Ich kann nicht mit dir spielen‘ sagte der Fuchs. ‚Ich bin noch nicht gezähmt!‘“ Ansgar beugt sich wieder über das Buch. Die Nadeln ruhen. Weiter liest der Norweger die Allegorie zwischen Fuchs und Prinzen vor und ihre Sicht der Dinge ... „‘Man kennt nur die Dinge, die man zähmt‘, sagte der Fuchs. … … ‚Was muss ich da tun?‘ sagte der kleine Prinz. ‚Du musst sehr geduldig sein‘, antwortete der Fuchs. ‚Du setzt dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras. Ich werde dich so verstohlen, so aus dem Augenwinkel anschauen, und du wirst nichts sagen. Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse. Aber jeden Tag wirst du dich ein bisschen näher setzen können … „
Hektisches Klappern der Nadeln setzt wieder ein. Ansgar blickt verwundert hoch …
Lotta ist … aufgebracht? Die Kleine ist schon längst auf dem Sofa eingeschlafen. Auch der Wolf döst bereits. Die Lektüre heute war wohl einfach zu lang …
„Soll ich das sein? Der Fuchs?!“ Verstohlen schaut Lotta den Norweger aus dem Augenwinkel an, richtet dann ihren Blick aber sogleich wieder auf ihre Stricknadeln: „Ich bitte bestimmt nicht darum, gezähmt zu werden!“ Ungeheuerlich, was für eine blöde Geschichte! Plant er das alles … von langer Hand? So nach und nach … sich anzupirschen? Oder … was sollte der Blick und die Betonung in meine Richtung eben?
„Ich … nein! Niemand soll … Also ‚zähmen‘ ist hier nicht gut aus dem Französischen übersetzt. Es meint … ‚vertraut werden‘. Das wäre die korrekte Übersetzung!“Herrjeh, entgegen der gerade vorgetragenen Lektüre … war ich wohl doch zu ungeduldig! Ansgar ist leicht zerknirscht. Sie ist in mancher Hinsicht wirklich sehr übervorsichtig. Warum nur?
„Du kannst … Französisch?“Oh man, ist der oberschlau! Kann er ja mit Adeline locker in ihrer Heimatsprache panieren oder wie das heißt. Lotta wirft leicht erregt ihr Strickzeug beiseite und schnappt sich das Buch. Am besten mal selber nachlesen. Nachher steht da so lauter fremdsprachiges Zeug und gar nichts davon, was er hier gerade vorgesponnen hat ...
„‘Bitte zähme mich!‘ sagte er.‘“, liest Lotta langsam eine Zeile laut vor, die ihr als erstes im aufgeklappten Buch ins Auge sticht. „Wer sagt das? Der Fuchs?“, wendet sie sich Ansgar immer noch leicht verstimmt zu. Na sowas, das steht da wirklich so!
„Lotta, bitte. Ist doch nur … ein Buch! Ungut übersetzt, aber ein sehr bekanntes und … vielgelesenes und … vielgelobtes!“, versucht Ansgar Schadensbegrenzung. „Ja, es geht um Vertrauen darin. Schlimm? Ich will dir doch nichts Böses ...“ Sacht nimmt er ihr das Buch wieder aus den Händen.
Und ich will doch nichts Böses unterstellen. Oh, mein Gott. Was ist nur mit mir? Kurz schlägt Lotta fassungslos die Hände vors Gesicht. Sammelt sich aber gleich wieder. Dieser Ausbruch war unnötig! „Tut mir leid! War ein langer Tag. Ist vielleicht schon ein bisschen spät!“, entschuldigt sie sich eilig.
„Ich bring Morgen ein anderes Buch mit, ja?“, schlägt Ansgar vorsichtig vor und erhebt sich bereits, bleibt jedoch kurz nochmal stehen … weil ihr Blick so um Verzeihung wirbt.
„Nein, nein, schon … ok! Wie du ja sagtest … Ist ja nur ein Buch. Ähm, lass es … ruhig hier. Takatuka wird sicher morgen den Rest hören wollen. Mhm ja, wollen wir doch morgen Abend … alle, nicht wahr?“, bemüht sich Lotta mit einem versöhnlichen Lächeln die umgekippte Stimmung wieder gerade zu biegen. Es war doch … ein schöner Tag. Mach’s dir nicht selber kaputt.
„Okeeee, wenn du es so … möchtest …“, versichert sich Ansgar lieber nochmal fragenden Blickes bei Lotta rück. „Ja! Ja, ich möchte es …“ Lotta versucht sich an einer entspannt wirkenden Mine. „Alles ok! Bis … Morgen dann?“ Die Mimik kauft Ansgar ihr nicht ganz ab, spielt aber mit. „Schön, dann … bis Morgen.“ Er findet den Weg heute Abend allein hinaus.
Juchheißa, Weihnachtstag mit Julklapp! Lotta ist schon ganz aufgeregt. Das ist … ihr erstes Weihnachtsfest, soweit sie sich … erinnern kann. Wieso eigentlich? Nicht nachdenken! Nachdenken ist nicht gut! Nie gut!
Zum Glück hatte sich mit Ansgar wieder die vorherige abendliche Leichtigkeit eingerenkt: Er liest, sie strickt. Der kleine Prinz ging ja auch irgendwie gut aus. Harmlos. Und Lotta hat alles fertiggestrickt, was sie sich vorgenommen hatte. Am Werk für Ansgar hat sie aber immer nur nachts oder frühmorgens geschafft. Soll ja eine Überraschung werden …
Für das Fest hat Lotta sich und Takatuka sogar richtig festlich gewandet. Der Wolf musste auch für etwas weihnachtliche Staffage herhalten. Ansgar wird gleich alle abholen und beim Tragen von Torte und Päckchen helfen. Er ist sehr hilfsbereit … Wirklich! Oh, da naht er schon. Lotta eilt zur Begrüßung freudig nach draußen. Takatuka und Wolf, die im Garten bereits rumgemmelten, trotten auch herbei.
Niemand bemerkt den weißbärtigen Mann, der sich gerade durch den Kamin zwängt … *Hust, Keuch …*Der Kamin gehört aber auch mal besser gereinigt.
Santa wirft einen Blick nach draußen … Sind das nicht die zwei … Kerle … oben vom Berg vor einigen Wochen …? Dieses Haus war die letzten Weihnachtsjahre nicht bewohnt, aber jetzt raucht der Schornstein wieder. Santa reibt die vereiste Scheibe etwas frei, um besser hinauslinsen zu können. Eindeutig kein Kerl … das eine. Oh, … sie dreht sich um … zum Kind und … einem Wolf … … …?
Yippie. Ich hab … s i e gefunden. Eindeutig! Don El Artichocke wird beglückt sein und dieser junge naive Inseltyp erstmal … Aber, wer …? Was … macht dieser große Kerl da bei ihr?
Etwas angespannt lächelnd erwartet Ansgar Lotta draußen schon. Irgendwie möchte er sich zur Feier des Tages einen kleinen Wunsch erfüllen. Hei, ist doch Weihnachten heute, oder? Er will gar kein anderes Geschenk. Es war wirklich wunderbar friedlich wieder die letzten Tage mit Lotta … Aber nur Friede, Freude, Eierkuchen ist nicht das, was Ansgar allein sucht. Oh, da kommt sie schon an…ge…lau…fen … … …!
Wie kann sie bloß glauben, dass man mit dem Outfit für friedvolle entspannte Feiertage sorgen kann? Dem Norweger bleibt leicht die Spucke weg. Also dann … kann mein Vorhaben ja auch nicht so frevelhaft sein!„Frohe Weihnachten, Lotta!“ Noch ein Hüpfer und schon steht sie selig lächelnd vor ihm in diesem … diesem … diesem …
„Frohe Weihnachten, Ansgar. Was hast du denn da in der Hand? Oh, ist das ein niedlich geschmückter Zweig! Zeig mal!“ Heute guckt zur Abwechslung der Norweger mal entgeistert. Aber nur kurz. „Ach weißt du, dass ist hier so ein Brauch. Kennst du den nicht …?“ Und schon hebt Ansgar den Mistelzweig über beide Köpfe als Lotta noch nichtsahnend den ihren schüttelt: „Ein Brauch zu Weihnachten? Wie schööööö …“
Santa hat genug gesehen! Armer Inseljunge. Das war’s dann wohl an Hoffnung! Was Santa nun machen soll? Das, was Clemens Frost immer macht. Hat er auch bei Jayyden und Prudence so gehalten. Nie einmischen! Nichts sagen! Er wird auch hier schweigen. Armer Inseljunge …
Aber diesen Jungen da draußen hat er nun auch erkannt. Der hat auch ein wenig Glück im Leben verdient! Schnell Pakete ablegen und zum Kamin wieder raus! Warten ja noch andere den ganzen Tag …
„Oh, d a s … macht man … jedes Jahr zu Weihnachten?“, fragt Lotta etwas atemlos nach dem kleinen Überfall Ansgars. Hu, das war … ganz schön … prickelnd. Ich dachte, das kommt erst zu Silvester … mit dem Sekt … sagen zumindest alle. Lotta hat auch noch nie einen Jahreswechsel gefeiert, was ja auch demnächst ansteht.
Wow, so weiche Lippen. Ansgar musste sich ganz schön zusammenreißen, das eben gerade wirklich nur nach einem sittsamen Brauchtum aussehen zu lassen und Lotta nicht gleich an sich zu reißen, um sich Hals über Kopf gleich an Ort und Stelle mit ihr in die nächste Schneewehe zu werfen. Er versucht auch, seine Augen nicht begehrlich über dieses grün, weiße Etwas wandern zu lassen. „Ja, ja, jedes Jahr! Immer … zur gleichen Zeit … unter … so einem Mistelzweig!“, räuspert er sich leicht.
„Darf ich den haben?“, zeigt Lotta auf das Grünzeug in Ansgars Hand. Erst blickt der Norweger Lotta etwas verständnislos an, dann recht erfreut. Oh, will sie … auch mal ...? „Ich hab leider keinen solchen Zweig und wenn wir Oleg, Danny und die anderen gleich treffen …“, fährt Lotta fort.
„Wie?!“, unterbricht Ansgar verdattert ihre Erklärung. „Nein, nein, daaa brauchst du keinen … Zweig!“ Verdammt, was hat sie vor? Jetzt alle einmal durchknutschen?
„Küsst man nicht alle unter so einem Zweig, mit denen man feiert?“ Lotta fragt ganz ernsthaft nach. Wo hat diese Frau bloß die meiste Zeit ihres Lebens verbracht?Oh je, wie erkläre ich das bloß? Ansgar kommt langsam ins Schleudern. „Nun Lotta … Nein! Jedes Jahr immer nur … einen. Immer nur … einen pro Jahr küssen, ok?“ Ob die Erklärung hilft?
„Ahhh, wären auch viele bei einer großen Party!“, nickt sie verstehend. Ja, das leuchtet ein. „Also, eine Person, ein Kuss pro Weihnacht unter einem Zweig! Alles klar! Werd‘ ich mir merken!“Stellvertretend für all die anderen lieben Menschen also … Hat sie wieder was Neues gelernt! Nettes Brauchtum ...
Ahhhhhh, Mist! Nochmal ansetzen! Ansgar könnte ausflippen. So ein Eigentor!„Äh, also die eine Person darf man … dann auch … öfter küssen … unter dem Zweig … an Weihnachten … natürlich!“ Ob sie’s schluckt? Böser Wolf ist skeptisch …
„Mhmm, ah ja!“, lächelt Lotta süß. „Machen wir uns auf den Weg … Trägst du die Torte, Ansgar?“ Trägt er … ohne weitere Worte …
Verdient hat er sich dann tatsächlich noch einen weiteren Kuss von Lotta - brav auf die Wange für das mannhafte Ertragen beziehungsweise Tragen ihres schmucken Stück Strickwerks. „Alles Gute zu Weihnachten, Ansgar!“ D e n Pulli muss ich jetzt wohl jeden Abend als Beweis für meine unendliche Freude über das Teil tragen … Yeahhh! Vertrauensaufbau ist ein hartes Stück Arbeit, Thorger und Sven. Das will ich euch mal sagen!