0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
7.1.5 – Alles, nur kein Date … Komm, vertrau mir …! (Teil 2)
„Was zieht man denn nun zu Silvester an?“ Lotta blickt Ansgar wie auch ihren Kleiderschrank ratlos an. In der Mittagspause hatte sie sich schon den Kopf darüber zerbrochen und der ‚Kollege‘ ihr gaaaanz uneigennützig Beratung angeboten. Daaaa kenne er sich aus. Also zumindest mit dem, was ich mag! He, he … Ansgar ist schon gespannt, was sich in Lottas Kleidertruhe noch so für Schätze finden. Sie vertraut mir so langsam in kleinen Dingen …
Den Nachmittag haben alle frei, damit im Ressort für die Silvestersause weiter aufgebaut werden kann. Für Bretts Band wurde ein regelrechter Partykeller eingerichtet. Oleg hat was springen lassen. Für die Gäste nur das Beste …
Ansgar sieht sich gerade in Lottas Hütte etwas genauer um - so als neu erkorener Stylist. „Was ist denn in der Truhe da?“ Der Norweger hat Lottas Seekiste entdeckt. Interessantes Teil! Wie aus so ’nem alten Piratenfilm. Ho, ho des Toten Mannes Kiste … Ansgar ist selber eine Weile zur See gefahren, wie einst sein norwegischer Vater Einar … Er hatte gedacht, das würde ihm irgendetwas näher bringen … zu einem nie gekannten Sims! Tja, brachte es nicht! Nur ein altes zerknittertes Foto vom Vater vor dessen letzten Fahrt, das ihm seine Mutter Märta gab, trägt er noch in der Brieftasche …
Ansgar zog dann anderweitig weiter durch die Welt … über die Berge … durch die Wälder … und es führte ihn geradewegs … in diese kleine Hütte! Lächelnd schaut er den sommersprossigen Rotschopf an seiner Seite an, wartet auf Antwort …
Oh, wie blöd! Keinesfalls darf er einen Blick in diese Truhe werfen, seinen Inhalt tief am Grund der Kiste nicht ergründen, die Schwerter nicht finden … Fieberhaft wägt Lotta verschiedene Möglichkeiten ab, bis sie an einer hängen bleibt: „Frauensachen! Da sind … Frauensachen drin!“
Jaha! Ein Tipp der großartigen Garderobiere Ludmilla am damaligen Filmset, die ihr so einiges an kostenlosen Outfits wie auch anderweitige Ratschläge fürs Leben vermittelte. „Wenn du nicht willst, dass irgendein Typ in deinen Sachen rumkramt … nenn’s Frauensachen. Bitt‘ nur mal einen Kerl, Frauensachen aus der Drogerie für dich zu holen, schon siehste ‘ne Staubwolke!“, hatte ihr Ludmilla mal lachend erklärt. Irgendwie impliziert dieser Begriff wohl einen Haufen weiblicher Hygieneartikel, den die andere Hälfte der Simheit etwas abschreckend findet.
„Die ganze Kiste voll?“, hakt Ansgar jedoch nur unbeeindruckt nach und hat – Schwupps - schon den Deckel der Truhe gelüftet. „Wooooow!“, kniet er überrascht nieder und vergräbt sofort seine Finger in diese exotische Farbenpracht an Stoffen, die sich darin findet …
Ein Anflug von Panik – ja, anders lässt sich das Nachfolgende nicht beschreiben – verleitet Lotta zu ungeheuerlicher Tat. Behänd ergreifen ihre flinken Finger das zuunterst in der Kiste liegende ‚Besteck‘, ziehen in einem einzigen Schwung die Klinge blank und richtet sie auf Ansgars Brust: „Nimm … deine … Pfoten … weg!“ Ein Akt von zwei, drei Sekunden nur. Ein blitzschnelles antrainiertes Reagieren, das keine lange Überlegung benötigt, ja sogar negiert.
Ansgar Schockstarre währt nur wenige Augenblicke. Fechten? … Das kann er nicht, aber ausweglos erscheinende Situationen musste er schon zu Hauf meistern. Die hier … sieht nach Überreaktion aus. Also nur die Ruhe bewahren. D a s will sie doch nicht. Er muss sie irgendwie erschreckt haben. Stand mir ja auch nicht zu, einfach in ihren Sachen zu wühlen …
Langsam und bedacht erhebt sich der Norweger, Lottas Mine fest im Blick. Die nun auf seinen Bauchnabel gerichtete Schwertspitze ignoriert er einfach. Er tritt einen leichten Schritt vor. Lotta weicht überrascht zurück. Was macht er? Ansgar wagt sich noch einen Schritt weiter vor. Lotta setzt einen zurück. Ich … will ihn … doch nicht verletzten! Das hat sie wohl auch noch nie getan, jemanden verletzt - soweit sie sich – trotz Fluches - zu erinnern vermag. Es hatte immer gereicht, furchterregend und geschickt mit ihrem Besteck herum zu wedeln, die Gegenseite zu entwaffnen und auf Abstand zu halten. Was sie in echter Notwehr tun würde …? Lotta weiß es nicht. Einst rettete eine Vampirin sie aus höchster Gefahr …
Hinter sich spürt Lotta nur noch die Wand. Sie lässt verzagt das Schwert sinken, als Ansgar noch einen weiteren Fußbreit auf sie zu drängt, steht geschlagen mit hängendem Kopf vor ihm. Was habe ich getan? Wie konnte ich nur …? Sanft wird ihren Fingern die Klinge entwunden. „Das lege ich am besten mal wieder weg!“
Völlig selbstverständlich verpackt Ansgar ihre Gerätschaft zurück auf dem Grund der Truhe. „Wohl ein bisschen kühl für diese Gegend - diese Tücher!“, schließt er seelenruhig den Deckel der Kiste zu. Eines Tages würde ich schon mal gern etwas mehr zu dem Inhalt erfahren.Aber nicht heute. Es hat sie mächtig aufgewühlt! Ansgar hat kaum eine Sekunde geglaubt, dass Lotta ihm ernstlich schaden wollte.
D a s hat wohl wirklich nichts mit mir zu tun, wie Sven und Thorger ja schon vermuteten. Ich hatte nur zur falschen Zeit am falschen Ort …Nun ja, planen wir den Silvesterabend. Er will sehr behutsam heute vorgehen.
„Was hast du denn sonst noch so auf Lager, Lotta? … Kleidertechnisch meine ich!“, korrigiert sich Ansgar schnell mit unverbindlichem freundlichem Lächeln. Mit noch etwas hochroten Wangen versucht Lotta auf das Friedensangebot einzugehen. Anders kann sie das gar nicht bezeichnen, was Ansgar dort gerade aufbietet. Sie hatte befürchtet, dass er völlig entsetzt von ihr auf der Stelle gehen würde … Verlegen beißt Lotta sich auf die Lippen, bevor sie einen Ton rausbekommt. „Ich … Es … Wollte nicht … Verzeih …“
„Verzeih, dass ich einfach deine Truhe öffnete!“, schneidet Ansgar Lottas kleinlaute Entschuldigung kurzerhand ab. „Wir haben nur noch ein paar Stunden bis zur Party! Also … noch irgendein Kleid irgendwo versteckt oder müssen wir noch shoppen gehen?“ Der saloppe Ton ringt ihr schon ein erstes Lächeln wieder ab. Schnell wischt sie eine vor Rührung aufkommende Träne fort, möchte auf seine lockere Art eingehen … „Ein Kleid also zu Silvester?“ „Unbedingt!“, die trocken gekonterte Antwort.
Lotta zupft eilfertig an ihrer Garderobe rum, hält sich ein Kleid an den Leib und guckt Ansgar erwartungsvoll an, ob es zusagt. „Wie sieht’s denn angezogen aus?“, rutscht dem vorwitzigen Norweger raus. Blödmann! Ich wollte doch langsam machen … „Äh, dreh dich um!“ „Klar!“ Hatte auch nichts anderes im Sinn ... Es raschelt einen Moment hinter Ansgars Rücken … „Kannst gucken …“ Bedächtig das Ergebnis betrachtend nimmt der Norweger auf Lottas Bett Platz … „Mhmmm, aber ohne die Gummistiefel, oder Lotta?“
Nächste Anprobe … „Ähhh, nicht mit … Hut!“ Ansgar entwickelt sich so langsam zum stilsicheren Modeberater.
„Sonst noch was im Schrank, Lotta?“Das kann sich hier gerne bis zum Abend hinziehen … „Nur noch Röcke … und Blusen …!“ „Fein, fein!“, dirigiert Ansgar Lotta zurück auf den imaginären Laufsteg in der engen Hütte. „Weiter geht’s …“ Zeig mir … meeeehr!
Kind und Kegel sind bei Danny bereits bestens versorgt. Sie bietet auch das Abendprogramm für die Kleinsten im Wechsel mit Adeline an. Oleg hält sogar einen kleinen Lauf Parkour für die Lütten bereit … „Man könne nie früh genug mit sportlicher Ertüchtigung beginnen“, sein Credo. Lotta kann also ungestört ihr weiteres Sortiment vor Ansgar präsentieren …
„Ja, genau d i e Bluse, Lotta!“Oh ja, ja, ja …„Die drückt genau aus: ‚H e u t e ist Silvester‘!“ „Echt?“, Lotta schaut etwas ungläubig auf dieses recht knappe Gebilde für diese Gefilde an sich herunter. „V e r t r a u mir!“ Gerade kommt Ansgar sich wie der große böse Wolf vor, der das ahnungslose Lamm langsam einkreist. Er kann … nichts … gegen diese Eingebung tun. Aber auch gar nichts!
„Keine Shorts heute!“Aber d i e sonst auch jederzeit gerne, an so ‘nem heißen Sommertag …! Mhm, sie trägt also durchaus recht luftig und knapp. Das Zeug in der Truhe … zeugt auch davon! Ist vielleicht Zeuge einer … exotischen Urlaubsliaison, der … Takatuka womöglich entstammt …? Mhm!
Ja, Ansgar machte auch gerne hin und wieder mal Urlaub an tropischen Stränden mit exotischen Schönheiten und Sonnengebräunten Strandnixen … Vielleicht war Takatukas Vater nur eine Eintagsfliege …
„Nein …! Nein …! Nein …!“ Keiner von Lottas Röcken will Ansgar zu diesem bauchfreien Top gefallen. Zu lang! Ihm schwebt da mittlerweile schon was Passenderes vor. „Los, wir gehen shoppen!“
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Keine halbe Stunde später und Ansgar hatte im Laden bereits gefunden, was er suchte. Das Ergebnis lässt sich sehen, findet er, während er jetzt so hinter Lotta auf das Touristikcenter zu spaziert. Genau die richtige … Länge!Mal sehen wie das Gesamtensemble bei anderen wirkt, wenn sie gleich noch die Jacke abstreift … Bei ihm auf jeden Fall schon mal gut.
Aus dem Untergeschoss, wo die Tanzbühne aufgebaut ist, dringt lautstark fröhliche rhythmische Musik hervor. Lotta beginnt schon, auf ihren Absätzen zu wippen. „Lass uns gleich runtergehen!“ Sie kann es kaum abwarten, sich endlich wieder zum Tanz zu drehen. Auch Ansgar ist jetzt sehr gespannt, wie es ist, mit ihr im Gleichklang zu schwingen. Er beherrscht ganz anständig das Tanzparket und ist auch bestens aufgelegt. Schön, sie wieder so völlig gelöst und fröhlich zu sehen. Klippen von vorhin gut umschifft …
Unten herrscht schon außerordentliches Getümmel. Lotta kann in den gedimmten farbigen Lichtkegeln nur Paare, die sich an den Händen halten, auf der Tanzfläche ausmachen. Ohjeh! Das hat Elani nur einmal versucht, mir beizubringen … auf dem Festival!
Lotta fühlt sich an einer Hand von Ansgar ins Gedränge gezogen und im nächsten Moment hat sie auch schon eine andere im Rücken liegen. „Ho!“, hält Lotta erschreckt den Atem an. So dicht! Starr bleibt sie stehen!
„Ich … kann das nicht!“, flüstert sie dicht an Ansgars Ohr, als er sie vor sich herschieben will. „Was kannst du nicht?“, flüstert er ebenso leise zurück und versteht nur Bahnhof, aber nicht, warum sie hier so festgewurzelt auf der Stelle hängen. „So mit … an den Händen halten!“ Lotta weiß nicht genau, wie sie es erklären soll! Ihr ist das ganze hoch peinlich.
„Ach, Paartanz meinst du!“, lacht Ansgar erleichtert auf, dass jetzt nicht schon wieder ein schwerwiegenderes Thema im Raum steht. „Freestyle-Künstlerin sonst, mhm? Also auch keine Tanzschule besucht!“Sie hat’s wirklich nicht mit Schulen, stellt er amüsiert fest. „Gar nicht so schwer, Lotta. Komm! Ein Patschehändchen hierhin und das andere dort! Nicht zu Boden sehen! Schau einfach nur mich an und lass dich leiten.“ Man, Lehrer sein macht ja sowas von Spaß. Ansgar kann Oleg so langsam richtig gut verstehen. Dann gibt er jetzt mal den strengen Pädagogen. „Immer schön folgen, Lotta!“
Sehr ungewohnt, wenn man sonst eher selbstbestimmt tanzen konnte … Die Füße machen schon ganz gut mit, nur der Puls passt nicht ganz zum Takt der Musik. Zu schnell, zu schnell … Und dabei … muss man sich die ganze Zeit … so ansehen? Lotta erlebt gerade leichtes Herzkammerflimmern. Ihre Finger auf seiner warmen Schulter, in seiner warmen Hand beben leicht. Atme, atme normal, du dumme Nuss. Beruhige dich wieder!
Ansgar entgehen die kleinen köstlichen Schauer, die ihren Körper durchlaufen, während er sacht seine Hand über die nackte Haut zwischen Top und Rock in ihrem Kreuz streifen lässt, keineswegs. Sie scheint nicht zu merken, dass es mir nicht wesentlich besser geht.Ich katapultiere mich selber geradeweg in die Hölle! Ewige Verdammnis … Was richte ich hier gerade an? Nein, manchmal ist er auch nicht ganz gescheit! Eher kurzatmig und unbesonnen. Herr, erlöse mich und führe mich nicht in Versuchung! Äußerst, äußerst selten, dass Ansgar Zuflucht im Gebet zum monotheistischen Standardvater sucht - so als alter Heide! Er mag halt lieber Erika als Myrrhe. Wenn, dann hält er es mehr mit Odin, Freya und deren Götterbot*innen …
Pause! Wir brauchen ’ne Pause!„Hast du Hunger? Möchtest du was trinken, Lotta?“ Ansgar geleitet Lotta - sich äußerlich so gelassen wie möglich gebend - an den Rand der Tanzfläche. Etwas wackelig in den Knien lehnt sie sich dankbar an die nächste freie Wandfläche. „Ja, ja, gern was zu trinken!“Gott, ist ihre Kehle trocken … „Bier, Wein, Sekt, Cocktail …?“, fragt Ansgar höflich nach. Große Augen schauen ihn an … „Wasser, bitte nur … ein Wasser!“
Leicht muss Ansgar nun schmunzeln: „Oh, wie … abstinent! Wirklich? Nicht mal Sekt? Es ist Silvester, Lotta!“ Ihre Augen können sich sogar noch mehr weiten. Hätte Ansgar nicht für möglich gehalten. „Nein, nein, bitte nur … Wasser! Ein bisschen … Zitrone vielleicht!“, blickt Lotta Ansgar aus wieder schmaleren Augen an. Auf keinen Fall … auch nur einen Tropfen Alkohol!
„Wie Ihr befehlt, Madame!“, lächelt Ansgar erheitert, verabschiedet sich nach oben. Er braucht ein bisschen mehr als Wasser … Versuchsweise nimmt er doch besser einen weiteren Sekt für Lotta mit runter und gönnt sich selber neben einem frisch Gezapften noch schnell einen Kurzen im Obergeschoss. Muss sie ja nicht sehen, wenn sie möglicherweise so prohibitiv ist. Ansgar schlägt eigentlich … eigentlich … auch nicht über die Stränge … Aber heut … für‘s Gemüt. So innerlich aufgekratzt war er schon sehr lange nicht mehr … Überstürz nichts! Er stürzt noch einen Kleinen runter … Nur für etwas mehr … Gelassenheit!
Der Sekt fällt Ansgar fast aus den Händen, als er die Treppe wieder hinabsteigt. Das Wasser mit dem Spritz Zitrone schaukelt bedenklich. Freestyle vom Feinsten. Donnerwetter! Lotta wollte eh keinen Sekt. Also kippt Ansgar ihn weg! Runter mit dem Zeug … Selbstverordnete Medizin zur Gefühlsregulierung … Wer’s glauben mag …
Lotta kommt erhitzt und außer Atem auf der Tanzfläche zum Stehen, als der letzte Song verklingt. „Ihr Wasser, Madame! Bitte sehr!“ Ansgar gibt den wohlerzogenen Kellner. Lotta nimmt mit einem schelmischen Blick und leicht angedeuteten Knicks das Getränk an. „Es sei gedankt der Herr!“ Sie ist einfach glücklich, wenn sie sich tänzerisch zu wilder Musik austoben kann. D a s beruhigt i h r e Nerven. Dankbar lässt sie das kühle Nass die Kehle runtergleiten. „Ahhh, das war jetzt zur rechten Zeit!“
Das nächste Lied ist wieder etwas zum gemeinsam schwofen. Ansgar nimmt Lotta das leere Glas ab, stellt es zur Seite. „Darf ich bitten!“, hält er ihr eine Hand hin. Sie muss leicht schlucken, legt aber ihre Hand wieder in die seine. Das gehört wohl zur Feier dazu! Alles Neuland für mich! Sie lässt zu, dass er sie leicht an sich zieht, lässt ihren Kopf an seine Schulter sinken, als seine Finger sie dorthin dirigieren. Sie nimmt Alkoholgeruch in seinem Atem war, süß und schwer. Das Herz klopft ihr bis zum Hals, … dunkle Erinnerungen … werden wach ... … … …
Lotta ist heilfroh … als das nächste Lied zu schnellerem Rhythmus zwingt. „Na dann, Samba!“, schwingt Ansgar Lotta herum. Fuhhhh, gut! Er kann auch die schnellen Tänze. Hah, die sind ja lustig zu zweit! Lotta lernt schnell, denn im Prinzip kann sie vieles an südlichen Tänzen schon solo, aber zu zweit steppt der Bär, tobt die Meute noch besser … Huiiii, fliegt Lotta durch die Luft und wird von Ansgar wieder aufgefangen. Hitze und Alkohol steigen ihm langsam zu Kopf.
„Ich muss mich mal einen Moment setzen Lotta!“, fleht er lachend und zieht sie zu einer Sitzgruppe, in der sich auch Brett gerade zu Danny gesellt.
„Meine Jungs müssen mal einen Moment alleine spielen!“, scherzt der Musiker ihnen entgegen. „Oleg ist bei den Kleinen!“, erklärt Danny in Lottas Richtung ihr Hiersein! „Und das ist wunderbar!“, herzt Jenkins seine Freundin ganz verliebt vor Lotta und Ansgar, die beide schnell etwas angelegentlich in der Gegend herumschauen, wer denn noch so da ist …
„Und? Lottas Tanzkünste schon bewundert? Musst mal ihren Feuer- oder Lichttanz sehen, Ansgar!“, preist Brett leutselig Lottas Darbietungsmöglichkeiten an, als er Dannys Lippen wieder freigibt. „Feuer?“, beugt sich die Erzieherin neugierig vor. „Wo lernt man das denn? Warst du beim Varieté?“ Ja, das würde Ansgar jetzt auch interessieren! Eine Braue lupft sich fragend in die Höh‘. Aber Lotta windet sich wieder mal wie ein Aal … „Na, wahrscheinlich nichts für hier drinnen!“, hilft Ansgar nonchalant aus der Klemme eines scheinbar neuerlichen für sie unangenehmen Themas. Tatsächlich unbehaglich war Lotta eigentlich nur die Frage, wo sie das gelernt haben soll. Wenn sie d a s nur selber wüsste … Verdammter Fluch des Vergessens!
„Takatuka und dein Wolf können heute Nacht bei Adeline bleiben, habe ich geklärt. Ihr habt sturmfreie Bude!“, prostet Danny Lotta und Ansgar als nächstes zu, in der Annahme, einem frisch liierten Paar einen wirklich tollen Gefallen erwiesen zu haben. Der Norweger kann im ersten Moment nur halb ein Grienen unterdrücken und setzt ansonsten seine undurchdringliche Mine auf. Lotta hätte beinahe leicht beschämt beide Hände verräterisch vor den Mund, geschlagen. Kann es gerade noch sein lassen … Wieso …? Ich hab‘ doch mit Danny über nichts dergleichen gesprochen …! Denken das hier alle? Ist das peinlich!
Verstohlen blickt Lotta aus dem Augenwinkel zu Ansgar rüber, dann zu Brett … Jenkins denkt sich nie allzu viel … Was Ansgar denkt … wüsste ich zu gerne …Kann ein ganz schönes Pokerface sein! Ich kann das nicht …
Ja, in den Filmpausen damals … hatte sie bei manchen Pokerrunden mitgespielt, keine Ahnung gehabt … und trotzdem zuweilen gewonnen. Sie könne so wundervoll unschuldig wie ein Lamm bluffen, hieß es. Tja, tatsächlich hatte sie zu der Zeit … noch nicht mal die Karten lesen können und daher auch nicht gewusst, was sie überhaupt für ein Blatt auf der Hand hatte. All diese unbewegten Gesichter um sie herum, die nichts verrieten und Lotta hauchte die ganze Zeit immer nur mit großen Augen „Huch!“ und „Ohjeh!“, selbst, wenn die Karten ihr gewogen waren, was sie nicht wusste … Auf jeden Fall schleppte sie nicht weniger Moneten raus als sie reinbrachte – Garderobiere Ludmilla sei Dank, die ihr hervorragend assistierte …
„Nochmal Tanzen, Lotta?“, fordert Ansgar sie nun mit blitzenden Augen heraus. Irgendwie glänzen sie stärker als vorher, fällt ihr auf. Ansgar hat noch ein bisschen mehr dem Sekt wie auch anderem zugesprochen. Lotta blieb bei Wasser, was ihm ein weiteres amüsiertes Stirnrunzeln abrang.
Lotta wägt Ansgars Frage umgehend ab: Schneller Rhythmus? Wunderbar! Danny und Brett schmusen schon wieder? Alles klar!„Bin dabei!“, erhebt sie sich eilig, um dem Schauspiel des tatsächlichen Paares in der Sitzecke zu entkommen und ergreift Ansgars dargebotene Hand. Man klebt ja förmlich auf solchen Feiern an den Fingern zusammen …
Schwungvoll dreht sie mit Ansgar noch einige Runden, bevor der Countdown zur Jahreswende eingeleitet wird und sich alle mit Sektgläsern nach draußen zum Feuerwerk begeben. „Noch immer keinen Sekt, Lotta?“, hält ihr Ansgar in eisiger Nacht ein zweites Glas in seinen Händen hin. Stumm schüttelt sie den Kopf. Aufseufzend kippt Ansgar beide Getränke in sich hinein. Keine gute Ausgangsvoraussetzung für mitternächtliches Brauchtum. Er hatte irgendwie gehofft, sie ein wenig beschwipst und zugänglicher zu machen.
Wortlos verfolgen beide nebeneinander das Feuerwerk am Himmelszelt und … die Liebelei auf Erden. Sie sind umringt von vielen Paaren, die dem Jahreswechsel den vollen Tribut zollen … mit ganz viel Brauchtum! „Auch so eine Sitte!“, kommentiert Ansgar etwas wehmütig, schaut zu Lotta hin, die den Blick fest auf die bunt leuchtenden Explosionen am Firmament heftet und nicht zu Ansgar zurück zu blicken wagt. Andere Erinnerung drohen hochzukommen … an Lichtspiele am Himmel … und Gewitter im Gehirn … Bilder auf einem Handy …
Erst als sich alles zu zerstreuen und Lotta zu frösteln beginnt, wendet sie sich dem Norweger an ihrer Seite wieder zu. „Das war ein sehr schönes Fest. Danke, Ansgar!“ Wie ein artiges Kind, dem man ein Eis gab! Sag Danke, sag Bitte! Ansgar nickt nur, versucht sich seinen Verdruss nicht anmerken zu lassen. Das ist idiotisch, stell dich nicht so miesepetrig an wegen einem verpassten Kuss. Du hast einfach nur zu viel getrunken! Wollte er eigentlich gar nicht.
„Ich bring dich noch nach Haus, Lotta! Keine Widerrede!“, unterbindet er ihren Erklärungsversuch, dass das doch nicht nötig sei. „Hier laufen ein paar mehr Figuren rum als vor dem Bau des Ressorts. Mir wäre wohler damit! Bitte!“ Der Weg ist eigentlich nicht weit … aber Lotta hat irgendwie das Gefühl, enttäuscht zu haben und will nicht noch mehr Dissonanz zwischen ihnen einziehen lassen – nach dem Nachmittag auch noch … „Ja, danke, das ist sehr nett von dir Ansgar!“ Danke, danke, danke … immer nur danke!, hallt es leicht bitter durch seinen zunehmend benommenen Schädel, als er so neben ihr herläuft. Mindestabstand 1,5 Meter!
„D a s ist also auch … an Silvester Brauch, sich zu küssen?“ hakt Lotta dann doch noch vorsichtig nach - ihre Hütte schon im Blick. Offenkundig nur für Paare, wie ihr schien. Und … was galt dann … an Weinachten? „Jupp!“, antwortet Ansgar aber nur einsilbig aufs Lottas Frage, die Hände tief in den Taschen vergraben. Ihm ist schon klar, wo sie drauf hinauswill. Dass er sie reingelegt habe und so …
„Gibt es noch mehr so Sitten und Gebräuche, von denen ich wissen sollte?“, fragt sie zögerlich an der Hausschwelle nach. Darauf hat Ansgar eine klare Antwort: „Die Begleitung wird noch auf einen Kaffee ins Haus eingeladen!“ „Ich hab‘ nur Tee!“ „Der geht auch!“
Wortlos öffnet sie ihm die Tür. Will er … noch ein klärendes Gespräch? Ok! Besser jetzt als später! Bis zur Teekanne kommt Lotta nicht mehr …
Gott, fühlt sie sich gut an! Ansgar holt sich einfach, was er schon den ganzen Abend wollte. So weich, so zart, so … nachgiebig …
Die Knie sacken Lotta weg … Sie schmeckt den Alkohol auf ihren Lippen, ihrer Zunge, … seiner, die immer forscher wird. Nach einem ersten erregenden Moment bemächtigt sich die Droge ihres Körpers, fließt in Sekundenschnelle durch ihre Adern, lähmt sie zunehmend, je mehr sie davon empfängt. Mit letzten Kräften versucht sie hilflos, sich gegen Ansgar zu stemmen …
Irgendwie registriert sein vom Alkohol schon recht benebeltes Hirn, dass etwas nicht stimmt. Lotta sackt immer weiter in Ansgars Armen zusammen, drückt gleichzeitig sacht mit den Händen gegen seine breite Brust. Sie … wehrt … sich!!!! Erschrocken lässt er von ihr ab, muss sie aber gleichzeitig halten, damit sie nicht vollends zu Boden sinkt.
„Lotta, was ist?!“ Ihr Blick verrät Geschwächtheit. Die Augen klappen ihr fast zu. Was bewirkt das bloß? Ansgar ist auf einmal wieder hellwach. „Brauchst du einen Arzt? Red‘ doch, Lotta!“ Er greift unter ihre Knie und Achseln hebt sie leichtfüßig hoch und trägt sie umgehend ins Schlafgemach nebenan, lässt sie sanft auf die Laken niedergleiten und kniet sich zu ihr hinunter.
„Ich … vertrag … keinen Alkohol!“, verkündet ein kleines wimmerndes Stimmchen an seinem Ohr.
„Ach, soooo! Du hast eine Alkoholintoleranz?! Warum sagts du das nicht gleich?“Und ich versuch noch, den ganzen Abend Sekt in dieses arme Wesen zu schütten. Ansgar schlägt sich vor die Stirn, ist aber zugleich auch unendlich erleichtert. Unangenehm, aber sie wird’s überstehen.Blöd nur, dass ich mir auch noch was Stärkeres zwischendrin gegönnt hatte. Wäre ich wenigstens bei Sekt geblieben …
Ansgar hockt noch einen Moment am Boden, schaut auf die bedauernswerte Lotta hinab. D a s ist kein Spaß! Es hätte anders ausgehen können. Hab‘ ich denn nichts gelernt aus …? Er mag nicht so weit zurückdenken, krümmt sich innerlich leicht unter der Last der Erinnerung … So viel wie heute hab‘ ich schon lange nicht mehr getankt! Das hätte nicht sein dürfen!„Ich mach dir einen Tee Lotta. Es … tut mir unendlich leid! Bin gleich zurück.“
Ein bisschen schafft Ansgar noch, das heiße Getränk in den matten Körper einzuflößen. Dann entschlummert Lotta vollends. Er streift ihr die Oberbekleidung bis auf die Unterwäsche ab, deckt sie sorgsam zu, damit sie es angenehmer hat und macht es sich in dem einzigen Sessel in dem kleinen Zimmerchen soweit bequem wie es möglich ist - immer mit einem wachsamen Auge auf Lotta.
Irgendwann muss auch er eingeschlafen sein. Die helle Morgensonne weckt Ansgar. Blinzelnd öffnet er die Augen. Zum Glück haben sie heute frei. Ansgar schaut zu Lotta rüber, die ihn - den Kopf zur Seite gedreht - mit wachen Augen fixiert. „Lotta! Wie geht’s dir?“, kniet er sich gleich fürsorglich zu ihr nieder. Sie sagt … nichts. Der Blick … so neutral.
Hört sie mich überhaupt? Doch! Sie schaut mich direkt an! „Lotta, das gestern Abend! Das ist ein bisschen … ausgeufert! Es …“ „Geh!“ „Was?“ „Geh!“ „Lotta …!“ „Geh endlich …!“ Spröde! Unerbittlich! Unzugänglich!, fährt Ansgar durch den Kopf …
„Ich hatte doch nie eine Chance bei dir! Praktisch, quadratisch gut, aber nur zum Lesen, Stricken, Kind beglücken. Sonst nichts! Sonst nichts!“, bricht aus dem Norweger der Frust der ganzen letzten Wochen hervor. Alle Mühen umsonst! Mein Gott, ich könnte zehn an jeder Straßenecke haben. Was will ich eigentlich noch hier?„Dann werd‘ doch glücklich … allein … mit deinem Gör!“Ouh, das war jetzt fies, das weiß er aber, aber …
Es raucht die Birne, der Nachalkohol wirkt noch katalysierend auf die in ihm aufsteigende Wut. Er sollte tatsächlich einfach gehen, aber er tobt und wütet noch eine Weile gegen Gott, die Welt, gegen Lotta, die einfach nur weiterhin stumm da liegt, ihn erst noch mit diesen riesigen Augen anschaut, als könnten die kein Wässerchen trüben, bis sie einen Arm drüber legt …
(Oh, war gar nicht Silvester? Tja, Brauchtum nicht befolgt ... ? …)
Sein Blick hingegen trübt sich zusehends. Ich werd hier sicherlich nicht gleich … Nein, die Genugtuung geb‘ ich ihr nicht. Ansgar rauscht aus dem Haus, überzeugt, noch heute seine sieben Sachen zu packen und diesem schmachvollen Ort den Rücken zuzukehren.
Keine fünfzig Meter weit kommt er, als er leicht tränenblind in eine Schneewehe stolpert und vornüberfällt. Er bleibt einfach liegen, das Gesicht tief in das weiche Pulver versenkt, bis er den Kopf heben und nach Luft schnappen muss. Ich hab‘ alles versaut! Wieder alles versaut! Scheiss Alkohol!