0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
7.3.3 - Dschingis Khans Erben ... Bis das der Tod uns scheidet … (Teil 1)
Einige Stunden reiten Miyu und ihre Tochter schon schweigend nebeneinander her, jede in ihre eigenen Gedanken versunken, als Yuna unvermittelt von der Seite her fragt: „Hast du … Dad geliebt, Mum?“ Huch! Miyu ist einen Moment perplex und antwortet dann einfach mit einem schlichten „Ja!“ „Doll geliebt?“ Doll? Miyu weiß gerade nicht genau, wie sie das interpretieren soll. „Also ja, wir haben uns schon … richtig geliebt. In gewisser Weise tun … wir das auch noch – als gute Freunde! Liebe ist … vielfältig!“
Yuna denkt eine Weile darüber nach. Dann kommt die nächste Herausforderung fürs wohl schon überfällige Mutter-Tochter-Gespräch: „Hattest du … Herzklopfen … als ihr euch … kennengelernt habt, du und Dad?“ Ja, das war etwas, was immer gefehlt hatte … Die Aufregung! „Wir waren zuerst Freunde, dann … ein Paar und … sind jetzt wieder … Freunde!“, versucht Miyu eine Erklärung. „Also … nicht!“, schlussfolgert Yuna eigenständig.
Nein, ich hatte mich nie so belebt gefühlt wie in Gegenwart von Elani oder Jorunn …„Es war trotzdem schön!“ Miyu glaubt zu ahnen, worauf Yuna hinaus will … Ist immer nur in der Theorie so einfach, über alles zu reden! Yuna soll nicht glauben, es sei eine leidliche Sache gewesen, als sie entstand. So war es wirklich nicht. Jack war sehr einfühlsam, zärtlich … Es war gut gewesen!
„Wie … war es denn … mit Keito?“, tastet sich Miyu vor. Offensichtlich will Yuna etwas zur Liebe zwischen Jungen und Mädchen wissen. „Wir … haben nicht … miteinander geschlafen, wenn du das fragst, Mum!“ Yunas Stimme ist recht leise, während sie auf ihre in der Mähne des Pferdes fest Finger verflochten schaut.
Nicht? Oh gut, gut! Irgendwie erleichtert diese Nachricht Miyu gerade ungemein. Habe ich doch noch nicht das Verhütungsgespräch verpasst, puh! So sehr sie Elani mag und auch Keito irgendwie schätzt … Elanis Sohn will Miyu für Yuna einfach nicht ganz in den Kopf gehen. Nicht, weil er ein Junge ist, sondern, … weil es Keito ist …! Nett, charmant, guter Schüler und … stürmisch wie unberechenbar! Elani hatte ganz schön mit ihm zu kämpfen! Und sein Vater … Puh, hartes Erbe!
„Ich hatte … Angst … davor!“ Yunas Stimme ist nur ein Hauch.
Angst?„Man sollte nie Angst haben! Hatte Keito dich bedrängt?“, forscht Miyu nun doch erschrocken nach. Oh je, nach allem, was Yuna eh schon durchgemacht hatte zu der Zeit.
„Ich … hab‘ ihm auch mal große Angst gemacht – auf dem Festival! Keito lief weg … kam aber wieder, um … nach mir zu sehen!“, berichtet Yuna etwas Zusammenhangslos weiter … Miyu lauscht nur noch gebannt, was Yuna gerade so an Erinnerung durchlebt. Muss sie das alles mal loswerden?
„Und das Haus … Er hat sich auch so gefürchtet und kam … dennoch, suchte nach mir!… … … … … Ich dachte …, ich würde … nie wieder … Licht sehen! Es … wäre mein … Ende!“
Miyu kann kaum noch atmen, so erdrückend empfindet sie gerade Yunas Leiden in diesem dunklen Verließ mit. Mit Schaudern erinnert sie sich an die grauenvollen Bilder, die Terence ihr damals per Handy zum Hohn zukommen ließ.
„Danach küsste er mich … bis ich mich … ergab. Es war … anders … als zuvor!“ Wer jetzt? Keito? Terence? Miyu gefriert gerade das Blut in den Adern. „Ich … mochte es! Das war … neu für mich!“ Sie kann unmöglich Keitos Vater Terence meinen!
„Davor … war es ein Spiel, eine Scharade und wir … noch Freunde!“ Okeeeeey, also Keito ist gemeint. Das, was ich also damals vor der Schule erstmalig sah!„War es seine Idee gewesen, die Scharade …?“ Miyu fühlt sich nun doch etwas bemüßigt, genauer nachzuhaken. „Nein! Meine …“ Wieso?, hallt es nur noch in Miyus Kopf. Was war das denn für ein Spiel?
Ein paar Minuten schweigt Miyu etwas irritiert, bis sie dann doch ein zögerliches „Warum?“ wagt. „Ich dachte … ich würde … es dann leichter haben … in der Schule! Ich … konnte außer mit Keito … mit niemandem dort wirklich sprechen. Es gab … keine Mädchen … wie mich.“ Yunas Kopf senkt sich fast bis auf die Brust. „Es gibt ja überhaupt … nicht viele in meinem Alter … Nur im Internet, weit weg …“
Ja, das kann Miyu nachvollziehen. Sie sind wenige, eine Minderheit. Und ein Schild hatte sie sich auch nicht gerade umgehängt … Es war eigentlich ein völlig irrsinniges Wagnis gewesen, mit ihrer Neigung an eine Schule zu gehen ist ihr heute klar. Es machte angreifbar und hatte ihrer Tochter nur das Leben erschwert – doppelt und dreifach. Es ist schon als erwachsene Frau schwer genug. Ein junges Mädchen wie Yuna war noch weniger gefestigt und gefeit. Miyu kann es ihr nicht vorwerfen, sich hinter Keito versteckt haben zu wollen … Sie wirft sich aber als Mutter vor, nicht die Not der Tochter ausreichend gesehen zu haben.
„Es tut mir leid, dass ich dir keine Hilfe war, mein Kind!“ Reuig lenkt Miyu ihr Pferd dichter an Yuna heran, um ihr mitfühlend über den Rücken zu streichen.
„Das war … nicht … der einzige Grund!“ Nur ein Wispern vernimmt Miyu noch an ihrem Ohr. „Was denn noch …?“ Miyu ist gespannt. Wartet … … … … … „Neugier!“ Etwas schräg schaut Yuna zu ihrer Mutter hoch, wie das ankommt.
Oh! Da hat Miyu jetzt gerade ein paar Sekunden dran kauen, bevor sie ein erstes „OK“ zustande bringt. Ja, was … hatte ich da … genau gesehen? Miyu war sich von Anfang an nicht sicher gewesen. „Das ist doch … ok!“, setzt sie dann nach. „Ich meine … du bist … noch jung, Yuna! Darfst dich … erproben. Niemand verlangt, dass du schon genau weißt, was du letztendlich möchtest oder dich überhaupt festlegst.“ Wusste ich ja selber auch erst spät … „Und vielleicht … gibt es auch gar nicht für jede*n einen Punkt im Leben, wo wirklich immer alles so sonnenklar ist ...“
Das scheint Yuna auf eine andere Idee zu bringen … Leicht lächelnd schaut sie zu ihrer Mum hoch: „Kommst du mit Dad vielleicht wieder zusammen?“ Uff! Hartes Brot heute - so ein Mutter-Tochter Gespräch! Okeyyyy …„Nein, ich denke nicht! Aber, dein Dad und ich sind weiterhin gute Freunde und beide deine Eltern, die dich immer lieben werden, Yuna!“
Miyu lenkt ihr Pferd in die Nähe eines windgeschützten Felsüberhanges und lässt sich aus dem Sattel gleiten. „Es ist völlig in Ordnung, neugierig auf alles Mögliche im Leben zu sein! Machen wir Rast?“ Suchend wühlt Miyu in den Satteltaschen nach ein paar essbaren Vorräten und Zunder wie Feuerstein. Es herrscht eisige Kälte. Ein Feuer für die leicht gefrosteten Wangen täte jetzt gut. Yuna sammelt ein paar Randsteine für ein Lagerfeuer zusammen. Sie hat sich in den letzten Wochen an die einfache Lebensweise in frostiger Region recht gut gewöhnt, packt selbstverständlich mit an, weil es einfach Überlebens notwendig ist.
Yuna wärmt ihre Hände an der heimelig wirkenden Glut, als endlich ein Lagerfeuer entfacht ist und Miyu etwas Stockfisch für sie beide in den züngelnden Flammen schmoren lässt. „Es … war mehr als … Neugier!“, greift Yuna zaghaft von sich aus den Gesprächsfaden von vorhin wieder auf, während sie die Augen auf das Feuer vor sich heftet. Miyu behält die langsame Bräunung des Fisches im Blick, um auch nichts an Nahrungsmitteln verkommen zu lassen. Einfach reden lassen … Schweigend hört sie Yuna weiter zu.
„Es war so aufregend mit Khulan. Aber … mit Keito … auch!“ Irgendwie scheint Yuna von ihrer Mum einen Kommentar oder eine Nachfrage zu erwarten, die weiterhilft. „Und war es … anders?“, bemüht sich Miyu um zaghafte Hilfestellung. Zuerst ein Schulterzucken: „Weiß nicht …, Mum!“ Miyu wartet noch ab. Nicht zu schnell immer gleich antworten oder Rat erteilen … „Die Angst?!“ War das jetzt Frage oder mehr Antwort? „Wovor genau Angst, Yuna?“
Wieder dieses Schulterzucken vom Teen: „Khulan, Nishay … oder die anderen … haben mich nie … derart bedrängt.“ Miyu blinzelt mehrmals, ähhhh … „Welche … anderen? Wen … meinst du, Yuna?“ Kurzer schneller Seitenblick zur Mum und dann wieder Augen aufs Feuer geheftet: „Die anderen Frauen!“ So jetzt ist es raus! Irgendwie hatte Yuna es schon immer mal ihrer Mum sagen wollen, dass sie keine Teenagerinnen in erreichbarer Umgebung fand, die sich mit Mädchen einließen. Khulan und Nishay waren die ersten gewesen …
Frauen?! Miyu ist für einen Moment geplättet. Deswegen sah ich nie ein Mädel in Liebesbeziehung mit ihr. Natürlich brachte sie keine Erwachsene mit heim. Bekam das sonst … irgendwer mit?„Wie alt? Wo? Seit wann?“ Die Fragen überstürzen sich etwas in Miyus Kopf. Sie zieht Yuna an sich, um ihr zu vermitteln, dass sie nicht böse mit ihr ist. Eher ist Miyu etwas entsetzt, dass sich scheinbar keine der Damen einen Kopf drum machte, ein minderjähriges Mädchen vor sich zu haben. Ihr fällt Lottas interessierter Blick bei ihrer ersten Begegnung wieder ein. Der Altersunterschied hatte Miyu gleich auf Abstand gebracht, obwohl Lotta eindeutig volljährig war. Lotta … wäre aber für Yuna vielleicht … ein hilfreiches Beispiel für … offene Orientierungen … Aber erstmal zurück zu den älteren Damen …
Und nun purzelt Yuna mit allem raus … was sie so mit Keito teilte … wie die abendlichen Begegnungen mit älteren Frauen im Narwal Arms … Jede*r für sich natürlich, wobei nur Keito die Nächte auch ‚durchmachte‘. „Ich war ja um Mitternacht immer brav daheim, Mum, wie vereinbart!“ Schnell mal darstellen, dass sie sonst ganz artig war und nicht mit irgendwem nach Hause ging. Miyu schlackern trotzdem die Ohren. Wusste Elani davon? Von Keitos nicht altersgerechten Ausschweifungen? Und Yuna empfing ihren ersten Kuss mit 15 von einer … 28jährigen? Puh! Nicht wirklich … gut! Aber ganz so aktiv wie Keito wurde Yuna nicht, was Miyu nicht viel, aber etwas beruhigt, dass ihre Tochter noch nicht ihre ganze Jugend verworfen hat. Keito hingegen wohl schon, was wieder Miyus Besorgnis auf den Plan ruft, denn so ganz scheint Yuna … mit Keito noch nicht abgeschlossen zu haben!
„Yuna!“, beginnt Miyu sanft. „Es ist schon klar, dass Mädchen vorsichtiger sind bei … Jungs. Im Gegensatz zu uns werden sie nun mal nicht schwanger, denken weniger über Verhütung nach …“ Sind zuweilen ruppiger, forscher … zumindest solche wie Keito.
„Keito hatte immer vorgesorgt … Er wolle sich nichts ‚einfangen‘ meinte er immer!“, beeilt sich Yuna zu versichern. Irgendwie möchte sie den ehemals guten Freund vor ihrer Mum nicht in so schlechtem Licht dastehen lassen, empfindet irgendwie schon eine Loyalität zu ihm - so von Teen zu Teen.
Umpf! So offen waren die beiden miteinander …? Wie … schön! Miyu muss schlucken. Na ja!Da hatte Keito ja ‚bestens vorgesorgt‘ und ich lass die beiden noch zusammen aufs Festival …Aber … Yuna konnte ich … doch … vertrauen. Sie scheint sich ja soweit abgegrenzt zu haben. Dennoch, hier braucht es noch etwas Aufklärung: „Es ist gut, dass Keito … sich auch kümmerte, aber Kondome sind oft nicht ausreichend sicher zur Verhütung, vor allem bei nicht ausreichend sachgemäßer Anwendung, Yuna! Das werden die erwachsen Damen, mit denen er sich traf, … alle gewusst und selber zusätzliche Vorsorge betrieben haben.“ Ja, ich hatte Yuna wirklich aus dem Blick verloren gehabt …
„Hab‘ ich schon mal gehört, Mum! Aber ich hätte dich auch vorher gefragt, was am besten wäre …, wenn ich schon so weit gewesen wäre!“ Yuna kuschelt sich an ihre Mum. „Wir haben gerade so viel Zeit miteinander. Das ist schön. Das … hatten wir davor gar nicht mehr wirklich!“ Miyu ist gerührt. Noch nicht alles verloren …Bin wohl doch nicht die schlechteste Mutter aller Zeiten … „Du bist die beste Mum, die ich mir vorstellen kann!“ Yuna drückt sich noch etwas enger an Miyu, die *schnief* gleich zerfließt …
Eine Weile schweigen sie zufrieden in diesem innigen Moment miteinander … bis Yuna sich wieder etwas zaghaft mit einer Frage meldet … „Tut‘s … sehr weh?“ „Äh, was?“ „Beim … ersten Mal?“ Höm ... bloß nichts Falsches sagen … „Kommt … drauf an!“ Bei so einem Heißsporn wie Keito, der nur erfahrene Frauen kannte und wenig Rücksicht nehmen musste … „Davor … hatte ich Angst!“ Verständlich! „Wollte schon … aber nicht so schnell! Und dann war ich mir auch nicht sicher. Ich meine irgendwie hat Keito alles auf den Kopf gestellt, was ich immer dachte. Ich mag doch auch immer noch Mädchen …, aber … aber … Keito … … … auch.“, stammelt Yuna und verstummt dann.
Miyu nimmt Yunas Gesicht sacht zwischen beide Hände: „Kind, Du bist doch niemanden Rechenschaft schuldig, musst niemanden etwas beweisen noch dir selbst. Hatte Keito ein Problem … mit deinen Neigungen?“
Yuna schüttelt verneinend den Kopf: „Nein, aber … irgendwie … Ich meine, ich kannte doch niemanden in meinem Alter … außer … jetzt … Khulan, die mich, denke ich, schon auch ein bisschen liebte, aber auch … ihren Verlobten. Damals dachte ich … mit mir stimmt was nicht! Ich wüsste nicht mehr, wer oder was ich eigentlich noch bin … Da habe ich Keito … weggeschoben, aber auch weil es mir Angst machte, sein Drängen und er … war … dann recht böse mit mir!“ Und da ist er wieder … der Hitzkopf! Miyu könnte Elanis Knaben eine rechts und links … Wäre vielleicht in anderer Konstellation günstiger gelaufen … Sanft haucht sie ihrer Tochter ins Ohr: „Keito war wohl nicht der Richtige für deine erste Erfahrung mit einem Jungen …“
Oh, oh, Yunas Gesicht zerknautscht gerade wie eine Zitrone. Heftiger Tränenfluss im Anmarsch … „Mein bester Freund …!“ *Schluchz*
Miyu ist bass erstaunt. Da habe ich ja voll ins Fettnäpfchen getreten … „Soooo meinte ich das jetzt nicht …“Schadensbegrenzung … Schadensbegrenzung … „Was … magst du denn an Keito?“ Positiv, immer von der positiven Seite her fragen … Oh, wieder ein Lächeln … „Vieles!“ Ein leichtes Leuchten gleitet über Yunas Gesicht.
Du wankelmütige Jugend! Kürzlich noch wegen Khulan in Tränen zerflossen … Aber vielleicht muss man die Liebe, die man zu versprühen hat und nirgends mehr vergeben kann, auf irgendetwas oder irgendwen auch Unerreichbares lenken dürfen … Miyu versucht, nur innerlich zu seufzen und gedenkt ihrer liebsten Fluchtgefährtin auf der Reise. Wie mag es Jorunn gehen? Wir sehen uns möglicherweise auch nie wieder …
Liebevoll legt Miyu die Arme um ihre Tochter, gefangen in dem Gedanken, der Welt für immer den Rücken zukehren zu müssen. Vielleicht haben wir nur noch uns für den Rest des Lebens … Die Liebe einer Mutter zu ihrer Tochter, die für irgendwen oder -was noch schwärmen und ihr junges Herz noch erwärmen dürfen muss … Bis dass … der Tod uns scheidet, mein Kind. Wir werden uns bei Ankunft in Japan vergraben müssen vor der ganzen Simheit … außer Jack. Und … nun ja, Khulan. Vielleicht … kommt Jorunn tatsächlich nach … wie sie sagte …, wenn sie im Norden fand, was sie suchte.
„Keito und ich waren uns in vielem ähnlich … Wir dachten in vielem gleich, hatten ähnliche Haltungen. Wie Khulan und ich auch, Mum!“, schmiegt sich Miyus Tochter gerade in freundliche Erinnerungen gefangen dichter an und zählt auf, was sie alles unter ‚Vieles‘ versteht: „Er ist freundlich, hilfsbereit, lacht gerne mit anderen zusammen. Man kann viel Spaß mit ihm zusammen haben, auch mal Unfug machen … und viel … teilen. Auch … die schweren Dinge. Er hat immer zu mir gehalten, obwohl er von Anfang an wusste, dass ich Mädchen mag. Keito hat sich nie darüber lustig oder mich dafür runter gemacht, noch je abwertende und ätzende Begriffe oder Witze über Mädchen oder Frauen rausgehauen. Nur ein bisschen … zu forsch war Keito für mich manchmal. Und … am Ende … sehr gekränkt, weil ich einfach noch nicht wusste, was ich wollte. Da hat er mir dann doch sehr zugesetzt …“ Einen Moment hält Yuna in ihren Gedanken inne … als ihr die Gemeinsamkeiten wie Unterschiede zwischen Khulan und Keito bewusster werden und noch andere Erinnerungen wieder empordrängen …
„Wusstest du, dass es Mädchen gibt, die selber … über Mädchen und Frauen generell schlecht denken und reden?“ Diese Erfahrung irritiert Yuna sehr. Verzagt setzt sie hinterher: „Und über solche wie mich dann noch mal mehr! Manchmal hielt ich es einfach nicht mehr aus.“ Miyu nickt nur kurz. Ja, das kommt ihr leider bekannt vor.
Yuna hingegen ist in Gedanken bereits wieder zu Keito abgewandert. Sprunghafte Jugend. Miyu versucht irgendwie Schritt zu halten und nicht zu sehr in eigenen Überlegungen zu verharren.
„Keito war nicht vorsätzlich fies zu anderen Sims oder glaubte, ein Recht darauf zu haben, andere fertig zu machen, nur weil seine Kindheit nicht so einfach verlief …“, denkt Yuna laut weiter, während sie ins auflodernde Feuer starrt. „Er wollte es anders machen als sein Pa, auch wenn er das nicht immer … ganz schaffte, weil er so aufbrausend sein konnte. Er ließ sich nie in Gemeinheiten anderer mit reinziehen. Da war er immer klar auf Abstand. Das habe ich bewundert. Da ist er mehr wie seine Ma ... Ich mag Elani sehr!“Oh ja, ich auch mein Kind. Miyu kann diesmal ein Aufseufzen nicht ganz unterdrücken.
„Fehlt sie dir?“ Yuna wendet sich leicht zu ihrer Mum um. Miyu lächelt nur knapp als Antwort auf diese Frage. „Na, das klingt doch sehr nach einem guten Freund!“, fasst sie lieber Yunas Rede über Keito wohlmeinend zusammen und lenkt sich selber von Erinnerungen an die ehemalige gute Freundin ab. Miyu ist sich immer noch nicht so recht sicher, wie sie die Verbindung zwischen Yuna und Elanis Jungen begreifen soll … Na ja, meine zu Elani war ja auch ohne Hoffnung gewesen, zumindest über reine Freundschaft hinaus.
„Ja, nicht, wahr, Mum! Wir haben uns viel anvertraut. Aber es gab eben auch diese … andere Seite an Keito! Wenn er sich … geringschätzig behandelt fühlte, dann … konnte auch er mal fies werden wie …. mhm, ja … sein Pa. Manchmal … konnte ich es begrenzen, manchmal … auch … nicht! Aber … er konnte sich … zumindest entschuldigen … und erkennen, wenn es unrecht war.“ Wie in dieser letzten Nacht, als er mich so lange allein in der fensterlosen Umkleidekabine sitzen ließ und wusste, dass ich mich fast zu Tode fürchtete … Angst hatte, dass das Licht ausgehen könnte und … undurchdringliche Dunkelheit mich umfängt …
Yunas Stimme wird fast ein Flüstern. „Aber … ohne dieses … Forsche, zuweilen nicht … zu Bremsende … hätte er wohl … auch nicht immer wieder … so nach mir gesucht. Wäre … seinem Pa nicht so … entgegengetreten! Er hatte mich … befreit … damals, Mum.“ Vorsicht schaut Yuna zu ihrer Mutter hoch. „Manchmal habe ich mir gewünscht, ein wenig mehr … so zu sein! Mutiger!“
Überrascht schaut Miyu ihre Tochter an: „Aber Yuna, das bist du doch - mutig und stark …“ Sanft streicht sie ihrer Tochter über die Wange und entdeckt ein leichtes Glitzern in ihren Augen. „So habe ich mich aber oft nicht gefühlt, Mum. Nur so getan …!“ Ich auch mein, Kind!
Die Abendsonne sinkt schon langsam am Horizont hinter ihnen und Miyu beschließt, dass dies ihr Rastplatz für die Nacht wird. Noch lange grübelt sie über Yunas Worte nach, während die Tochter im Moment scheinbar entspannt eingeschlafen ist, nachdem sie sich einiges von der Seele reden konnte. Beide Teens hatten schon einige Ausnahmezustände in ihrem jungen Leben hinter sich, über die sie nicht mit anderen Jugendlichen sprachen. Das hatte sie irgendwie freundschaftlich zusammengeschweißt und auch eine große Offenheit und Vertrautheit miteinander erzeugt und dann … kamen wohl irgendwann auch noch die Hormone … ins Spiel. Oder … tatsächlich Liebe? Wir werden es nie mehr erfahren … Terence Tod … ließ die beiden endgültig voneinander … scheiden!