0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
„Tadaaaa! Hier ist er!“, präsentiert Malecantus ein bisschen stolz wie auch Ehrfurcht empfindend, dass der 800jährige Turm tatsächlich unversehrt wie eh und je an Ort und Stelle aufrecht steht. Fast zwei Jahrhunderte oder auch ein paar mehr war er nicht mehr hier gewesen. Sorgsam studiert der Magier die Mimik des geliebten Gefährten. Was Merlin wohl davon hält?
Schmunzelnd schwenkt Merlins Blick an der schlanken Silhouette des Gebäudes aufwärts. „Imposant. Muss ich schon sagen. Und du … hast ganz allein dort gehaust? Oder … wohnt Rapunzel noch immer da … oben? Rapunzel … Rapunzel, lass dein … Autsch, aua …!“, protestiert der Lehrling lautstark nach einem ordentlichen Knuff in die Rippen des Lehrherrn!
„Du Schelm fängst dir noch ein paar, wenn du Späße auf meine Kosten machst. Das dort ist die Standardvariante eines Zauberturm Ende des 13. Jahrhunderts. Rapunzels Mume war übrigens auch eine Magierin, deswegen … Guck nicht so bass erstaunt. Diese Märchen tragen alle einen kleinen Funken Kern an Wahrheit in sich und Rapunzel war wirklich eine Süße …“, schwärmt Gregorius in Andenken an die Liebliche vor uralten Zeiten. „Ihr Haar war übrigens gar nicht so lang! Wir brauchten schon noch zusätzlich eine Strickleiter!“
Verdutzt blickt Merlin den ewig Lebenden an. „Du nimmst mich auf den Arm oder, Gregorius? Am Ende hattest du noch was mit Rotkäppchen, Dornröschen, Schneewittchen und … dem Froschkönig!“ Malecantus grinst dazu nur keck: „Du wirst es nie wirklich wissen, mein Lieber! Ich frage doch auch nicht weiter, wen du wie vor mir genossen hast … in deinen früheren Leben! Belassen wir es dabei. Wir sind jetzt hier … nur wir beide!“
Ein wenig spürt Merlin im tiefsten Inneren nach. Regt sich da eine kleine Welle von Eifersucht? Manchmal ist Gregorius schon etwas … leichtlebig! Wurde mir … auch früher so etwas … zum Verhängnis? Sind wir uns schon einmal … begegnet? Warum existiert über so etwas keinerlei Niederschrift in meinem Buch? Wurde es … immer hernach … rausgerissen? Ach, ich fang noch an zu spinnen. Da fehlten … doch keine Seiten …Oder?
„Schau, Merlin. Da sind wirklich essbare Pilze rund um meinen Turm!“, weist Gregorius auf den Boden und nimmt den Gefährten sanft bei der Hand in Richtung Eingangstor. „Fliegenpilze, Gregorius? Das wird ja … ein besonderer Genuss, mein Schatz! Experimentierst du etwa mit Drogen?“ Malecantus grinst daraufhin nur ein bisschen schelmisch …
Plötzlich bleibt Gregorius jedoch abrupt vor einer merkwürdig aussehenden Ranke stehen. Feine Härchen richten sich in seinem Nacken auf. „Was … zum Teufel! Spürst du es auch?“, keucht der Magier erschrocken auf. Malecantus wachsamer Blick wandert langsam die Fenster seines Turmes hoch. Nichts rührt sich hinter den Scheiben. Aber das kann täuschen …
„Irgendwie ein unangenehmes Kribbeln in der Magengegend? Meinst du das?“, wispert Merlin leise und spürt wie kalte Furcht in ihm hochkriecht. „Was ist das?“
Ein erregtes Schnaufen entringt sich Malecantus geblähten Nüstern. „Wohl das Einzige, was trotz magischem Schlüssel noch eindringen kann. Das Tor, spüre ich, ist noch immer verschlossen und trotzdem … ist e s drinnen. Willkommen in … meinem Spuk Turm! Nun gut … Sesam öffne dich!“, schließt Gregorius seine Erklärung sarkastisch ab und beginnt mit der Öffnungsprozedur. Merlin weicht leicht entsetzt zur Seite.
Irritiert beobachtet der Zauberlehrling wie die Tür sich öffnet und der Likoy Kater auf dem obersten Treppenabsatz erscheint. Hier geht es wohl wirklich nicht mit rechten Dingen zu … Das erste, was Merlin gewahr wird, ist ein dunkler Holzkohleherd und … Spinnweben! Wie gut, dass wir Besen und Schrubber dabeihaben. Er fühlt in seinen Hosentaschen nach. Ja, beides noch da!
Der Kater stellt sich beim Kreis auf, den Malecantus im Schnee gezogen hat, verzerrt plötzlich seine Ohren ganz merkwürdig und streckt die kleine rosa Zunge raus, als würde er am Ritual mitwirken. Merlin bekommt eine Gänsehaut.
Erschrocken fährt Merlin zusammen, als giftig grünliche Flammen aus dem Kreis empor springen, obwohl er Ähnliches schon bei den Bühnenshows sah, nur … dass dieses NICHT der Unterhaltung dient und auch der Kater verhält sich anders als sonst … Faucht, maunzt ganz wild, fährt die Krallen aus … Ganz Lykoi-Kater. Merlin fragt sich … was wohl bei Vollmond mit dem Tier passiert.
Und wie war das mit Malecantus Interesse an Lottas Wolf …? Merlin spürt vor allem ein Flattern in der Herzgegend. Sein Puls rast …
Dann auf einmal der finale Schlag! Ein Flammenball wird gen Tür geschleudert … „Ich hoffe, ich habe damit auch ein wenig … die ‚Turmbesetzer‘ in die Schranken gewiesen!“, vermittelt Gregorius nebenbei nur kurz.
„Noch einmal herzlich willkommen. Das Tor ist nun dauerhaft offen! Es wird dich nicht einsperren!“, schwenkt Malecantus einladend die Arme die Treppe aufwärts. Merlin ist sich nicht sicher, ob ihn diese Versicherung von Gregorius besonders beruhigt. Trotzdem versucht er, sich den Anstrich von Wagemut zu verleihen und schreitet dem Gefährten in dieses spinnen verwebte Gemäuer voran. Oh Schauer! Noch mehr … ‚Seidenfäden‘!
„Nun schau doch nicht so verdrießlich, Merlin! Spinnen sind sehr nützliche Tiere. Nimm Platz. Hier unten ist die Küche. Hi Amalia, altes Haus!“, bietet Gregorius an, in dem einfach eingerichteten Raum auf einem der schlichten Holzstühle Platz zu nehmen, während er gleichzeitig eine wohl von alters her geduldete Mitbewohnerin aufs Herzlichste begrüßt. „Mein Heim sei dein Heim!“, entbietet er Merlin überflüssigerweise noch zusätzlich zum Willkommensgruß.
„Isst s i e mit? Ich meine … an der Frühstückstafel?“ Bei Merlin will sich noch nicht ganz Wohlbehagen einstellen. Diese violetten Augen über ihm … Sehen die von Gregorius nicht auch zuweilen so aus? Das … gleiche irisierende Leuchten … Gerade wird es dem Zauberlehrling ganz unheimlich!
Nun, an Amalia muss er sich wohl noch gewöhnen. Schauen wir mal, was er vom Rest hält. „Weiter geht’s! Führung in den ersten Stock!“, verkündet Malecantus heiter. „Dies ist … der „Stricksalon!“ Merlin schaut sich vorsichtig um und fährt erschrocken zusammen. Gregorius daraufhin gleichermaßen. „Verdammt … was schreit du so, Merlin?!“
Doch beiden ist es jetzt nicht mehr geheuer. Auch der Meistermagier spürt reichlich Fremdes in seinem Turm, ohne es genau lokalisieren zu können. Vorsichtig schauen sich beide um. Selbst der Strickkorb wirkt schon bedrohlich. „Huch!“ „Hach!“, fahren beide erneut zusammen. Doch Malecantus faucht noch nach: „Jetzt reiß dich mal zusammen!“
„Wie denn?“, jammert Merlin. „Das schaffst du ja selber kaum! Und dann noch überall dieser Staub und die ganzen … Spinnweben!“ Das ringt Gregorius nur ein leicht verstimmtes Schnaufen ab: „Das ist noch unser geringstes Problem! Komm setzen wir uns erstmal und zeigen es diesen Gespinsten, dass sie uns nicht das Fürchten lehren.“ Doch Merlin wittert weitere Gefahr von oben …
… und Gregorius wirft einen wachsamen Blick auf jedes einzelne Wollknäul. Hat sich der Strickhase bewegt? Lacht der mich aus. Wie finster die Mimik. Das war doch wohl nicht … mein Werk vor mehr als dreihundert Jahren … Oder?
„Ach komm, wir lassen uns nicht einschüchtern. Im nächsten Stock wartet eine wunderbare Klauenfüßige Badewanne auf dich. Etwas Entspannung kann nicht schaden. Und hier sind ja noch gut erhaltene duftende Rosenblätter. Ja, an manchen nagt kaum der Zeiten Zahn!“ Etwas achtsam schnuffelt Merlin an dem Zeug, aber tatsächlich – noch immer frischer Blütenduft. Vielleicht hat Gregorius aber auch ein wenig nachgeholfen …
Leider ist die Wanne etwas beengt wie überhaupt … der ganze Raum. So bleibt nur getrenntes Badevergnügen. Seufzend legt sich Merlin zwei Gurkenscheiben auf, damit er auch hier nicht die allgegenwärtige Haustierhaltung näher in Augenschein nehmen muss und sich mal wenigstens für einen kurzen Moment ganz der Entspannung in diesem spooky Turm hingeben kann.
Allerdings stellt sich die Frage, wie in einem lang leerstehenden Turm aus dem Mittelalter so fein fließend Wasser hervorsprießen kann und genau da hakt Merlin mal nach. „Wir sind nicht allein!“, raunt es nur von Malecantus unter der Dusche hervor. „Die Rosenblätter waren wirklich frisch! Die hat irgendwer da erst kürzlich hingestellt! Und irgendwas hält hier die Leitungen intakt!“
Und schon … hat Merlin wieder eine Gänsehaut - trotz heißem Badewasser. Aber wenigstens eine … erfrischte! Und das Rosenzeugs duftet wirklich so gut, dass Malecantus noch ein wenig an seinem Lehrling nach dem Bad schnuppert.
Weiter geht’s in die oberste Etage, in der sich die Enge ein wenig … weitet und der Raum einen fantastischen Ausblick über die umliegende Landschaft bietet. Malecantus fühlt sich recht geschmeichelt, als er Merlins anerkennenden Blick über die vielzähligen magischen Utensilien auffängt. „Da hast du ja einiges Zusammengetragen, mein lieber Gregorius. Du scheinst ja … alles Mögliche im Bereich Magie studiert zu haben im Laufe deines langen Lebens.“
Lächelnd bestätigt Malecantus Merlins Vermutung und zieht ihn auf die Bank in der Fensternische näher zu sich heran: „Und immer noch gibt es so viel Neues zu erforschen. Das Lernen hat nie ein Ende. Mit dem Spuk hier werden wir auch noch fertig. Du kannst darauf bauen, dass ich gut auf dich aufpassen werde. Vertraust du mir, Merlin?“
Gerne würde Merlin zu hundert Prozent fühlen, was er jetzt sagt: „Blindlings, Gregorius!“ Wie kann er erklären, dass da ein kleiner Funke Restunsicherheit bleibt? Zweifellos liebt er Gregorius über allen Maßen, aber er ist sich nicht sicher, ob nicht genau dieser Geliebte sein Verderben sein wird. Malecantus hat auch eine wilde und zügellose Seite und noch viele weitere unbekannte … Und doch, irgendwie schien es auch in den Sternen geschrieben zu stehen, dass wir uns fanden! Vielleicht muss es ja auch so sein, dass ich immer wieder neugeboren werde …
„Na komm! Probieren wir gleich mal den Kessel aus!“, flüstert Malecantus seinem Lehrling verspielt ins Ohr. Trotz Spukelementen – wäre ja nicht so, dass ihm nicht früher schon welche begegnet wären – ist er gerade fast tiefentspannt, so in Merlins Nähe. Irgendwie zaubert der seine besten und gutherzigsten Seiten zutage. Wenn das nicht Magie ist!
Dem Lehrherrn ist es gerade auch gar nicht sehr ernst zumute … Mehr steht ihm der Sinn nach Rumschmusen und Rumalbern … „Meinetwegen kannst du auch Käsemakkaroni oder Kesselfleisch brauen … oder in Eselsmilch darin baden … Einmal habe ich sogar einen hochprozentigen Rumtopf darin angesetzt … War das ’ne wilde Party!“
Galant fischt Malecantus irgendwie einen Zauberstab aus der Luft und fängt schon mal kichernd an zu brauen: „Rumtata …!“ Es zischt bereits im Kessel und ein riesiger Holzlöffel schwingt eigenständig im Topf herum. „Uy, so ein magisches Stäbchen wäre prima! Krieg ich auch eins?“, staunt Merlin Bauklötze und bettelt gleich mal wie um eine Kugel Eis … Bislang hatte Gregorius vor seinen Augen und dem Publikum alles aus seinen Fingerspitzen statt einem Zauberstab geschüttelt.
„Aber sicher doch!“, schmunzelt Malecantus liebevoll Merlin an. „Genau dafür sind wir ja hier. Deswegen waren wir shoppen! Du brauchst auch noch einen magischen Begleiter! ‘Nen Schrubber hast du ja schon!“ Dabei grinst Gregorius etwas frech seinen Liebsten an. Der würde ihm im Gegenzug dafür gerne den übergroßen Holzlöffel überziehen …, wenn er ihn zum Greifen bekäme! Aber das Ding schwingt eigenmächtig im Topf herum …
Gregorius plappert bereits übermütig weiter …, wendet sich schon wieder vom Kessel ab und anderen Dingen zu. „Der Lykoi Kater ist einer meiner magischen Begleiter*innen. Na komm‘ mal her du Schnurzel Burzel …“, schnurrt Malecantus und schon wird das Tier beschmust. Gregorius kann Katzen kaum widerstehen. Schnurrt selber wie eine … Merlin beäugt derweil skeptisch die weiteren unzähligen Spinnennetze im Raum. Fast jedes beherbergt eine eifrig webende Bewohnerin, danach trachtend, ihr Heim stetig zu verschönern und … mit Vorräten zu füllen. Brrrr … Hoffentlich soll nicht so eine klebrige riesige Spinne wie unten in der Küche meine magische Begleitung werden.
„Kümmern wir uns aber zuerst mal um den Spuk hier drin, damit wir heute Nacht halbwegs ruhig schlafen können!“ Malecantius setzt den Kater wieder ab und bittet Merlin an einem kleinen runden Tisch mit Glaskugel in der Mitte Platz zu nehmen. Aus einem Augenwinkel verfolgt der Zauberlehrling allerdings noch eine makabre Verwandlung eines Gemäldes mit und sieht, wie sich auch Gregorius Augen angesichts dessen entsetzt weiten.
„Mal ehrlich, mein Lieber! Ist das Zufall, dass der Spuk gerade hier in deinem Turm rumgeistert? Das, was ich da vor der Tür sah, machte auch nicht den Eindruck ganz lichter Magie. Hast du dich … etwa auch an dunkler versucht?“, fordert Merlin den Lehrherren heraus, hier kein Versteckspiel mit ihm zu betreiben.
„Hell? Dunkel? Was soll denn diese Unterscheidung, mein lieber Merlin.“, fasst sich Malecantus halbwegs wieder nach der urplötzlichen Angstattacke – die ihm … ja auch nicht neu ist. Irgendwie ist es sogar … ein bisschen seine Gewohnheit, ab und zu einen Schreianfall zu bekommen. Im Prinzip … steigt Malecantus Grundsubstanz an Ängstlichkeit weiter an, je mehr er in seinem langen Leben schon schreckliche Dinge gesehen und erlebt hat, die sich wie tiefe Furchen in seiner Seele eingraben – eingebrannt für die Ewigkeit. Es gehört zu ihm, ist ein Teil seines Selbst. Und so gibt er Merlin seine ureigensten Gedanken dazu zum Besten. „Alles hat zwei Seiten, eine lichte voller Freude und ebenso die dunkle Schattenseite voller Schrecken. So wie Geburt und Tod einen Zyklus bilden. Selbst die uralten ersten weiblichen Gottheiten hatten beides in sich vereint, waren kein Widerspruch in sich, sondern ein und dasselbe. Hör mit bloß auf, alles in Gut und Böse aufteilen zu wollen! Das ist so ein merkwürdiger Kram der Christenzeit von Himmel, Hölle und ewiger Verdammnis!“, beruhigt sich Gregorius selber weiter und überzeugt damit Merlin … nicht sonderlich!
Der sieht manches anders: „Nein, ganz so will ich das nicht sehen, Gregorius! Und nicht allein deswegen, weil ich in einem Kloster aufwuchs! Natürlich hat vieles eine Kehrseite, je nach Seite der Betrachtung und jedes sollte einen Platz finden können! Aber andererseits … will ich auch nicht alles grenzenlos akzeptieren! Ich will nicht zu irgendeines Menschen Verderben beitragen, noch irgendwem willentlich schaden oder solches gutheißen! Anderen Schrecken verbreiten oder stetig welche empfangen kann doch kein Lebenselixier sein.“ Malecantus setzt sich leicht perplex wieder hin. Merlin mag sein Schüler sein, aber da spricht auch etwas Uraltes aus ihm und eine völlige Klarheit wie er die Welt sieht und wo er seine Grenzen setzt. „Ich kann von dir wohl auch noch etwas lernen, lieber Merlin!“
Einen Moment sinnt Malecantus vor sich hin, lässt Merlins Haltung noch in sich nachwirken. Er hatte über die Jahrhunderte hinweg nicht unbedingt immer darüber nachgedacht, was sein Handeln für andere bewirkte. Als direkt bösartig würde er sich nicht beschreiben, aber zuweilen war es ihm egal gewesen, wie es anderen mit seinen Taten erging. Und eines hatte er auch gelernt: Als Schaf unter Wölfen kann man … gerissen werden … Also muss man lernen, zuzubeißen. Und so kommt der ältere der beiden Magier zu der innerlichen Frage: Müsste Merlin sich nicht vielleicht doch ein wenig mehr Fell zulegen? Vielleicht kam er deswegen immer zu früh ums Leben …
Der 850jährige Magier ist nicht allwissend. Er weiß nicht, was richtiger wäre. Er weiß nur, auf diesen jungen Mann will er achten wie auf seinen Augapfel. Und hab ich mir nicht auch ordentlich Sorgen um Lotta und ihr Kind gemacht? Der Kleinen Socken gestrickt? Warum trainieren wir denn so viel an Magie? Ja nicht nur allein Merlins wegen, sondern auch wegen diesem unsäglichen Vergessens-Fluch, der ja … eigentlich … auch eine Hilfe sein sollte …, die … etwas fehl schlug. Und jetzt muss ich bald auch noch Online-Unterricht für solche dummen Flaschenkinder geben. Bin doch gar nicht so ein übler Gesell … zuweilen!
„Wir haben gar keine andere Wahl, als uns auch mit der Nacht zu befassen, Merlin. Sie überrollt uns allemal!“, versucht Gregorius letztendlich einen Brückenschlag zwischen dunkel und hell. „Ich weiß!“, erwidert Merlin nur nüchtern und ist bereit, … sich auf alles einzulassen, denn Nacht und ihre Schatten wird es immer geben. „Und wie … funktioniert das jetzt hier?“ Er weist auf die Glaskugel vor sich.
Gregorius will gerade zu einer Erklärung ansetzen. „Wir müssen die Geister anrufen und fragen, wer sich hier eingenistet … Oh, nein! Es fängt schon wieder an!“, springt er entsetzt auf. Auch der Kater nimmt argwöhnisch das am Fußboden aufleuchtende Ornament wahr.
Merlin weiß erst gar nicht wie ihm geschieht. Schockartige Wellen von Panik überfluten ihn eine ganze Weile, während er sich vom merkwürdigen magischen Zeichen, das immer neuerliche pulsierende Lichtsignale aussendet, zwanghaft angezogen fühlt. Sein Gehirn gaukelt ihm grauenvolle Bilder vor, bis es zu zerspringen droht. Merlin krümmt und windet sich vor Pein …
Hilflos und kreidebleich muss Malecantus zusehen, bis Merlin sich endlich schweratmend lösen kann. „Das wird noch öfter vorkommen, fürchte ich. Ich sehe, ich muss dich zuerst ausstatten, damit du das überstehen kannst. Merlin!“ Draußen wittert ein Wildtier das dräuende Unheil des Turmes und verzieht sich schnell. Die Sonne sinkt langsam am Horizont.
D a s ist also Malecantus Refugium. Über die Jahrhunderte hinweg nicht wirklich leerstehend …