0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
Gregorius kann noch nicht schlafen, obwohl der Tag recht lang war. Zu vieles geht ihm durch den Kopf. Er schaut nach draußen in die Mondlose Nacht. Welches Unheil zieht da wieder herauf? Was sollte des Geistes rätselhafte Art ihm sagen? Wie passen er und Merlin in das Geschehen? Ja, Wölfe sind eine sehr eigene Spezies in vielerlei Hinsicht. Das Geheimnis um Lottas und ihren Graupelz ist auch noch nicht gelöst. Gibt es … Verbindungen? Verfluchter Fluch, den ich unwillentlich lostrat. Also … zumindest in die falsche Richtung. Jetzt kann sie mir nichts Näheres erzählen, bevor ich sie nicht wieder erlöst habe …
Malecantus forscht in seinem breiten Wissensspektrum nach. Wölfe spielten von Alters her bedeutende Rollen in Mythen und Sagen der Menschheit. Das erste domestizierte Haustier ging aus ihnen hervor, mit denen sich der Magier nie recht anfreunden konnte. Hunde sind eine merkwürdig entwickelte Art. Sie sind gar nicht mehr zu Rudelbildung in der Lage … oder zum Teilen. Und manche … kriegen ganz komische knautschige Ohren und Nasen! Nein, nein Malecantus hält es lieber mit Freiheitsliebenden Katzen oder eben … wild lebenden Wölfen. Wobei Wehrwölfe … nochmal eine andere Liga sind. Eine andere Spezies okkulter Wesen und nicht so natürlich wie das … wirkliche Tier. Übernatürlich eben …
Auch da hatte er manches verbockt … hatte einer Wehrwölfin mal etwas länger das Fell gekrault und sich dann … wegen diesem niedlichen Vampir … aus dem Staub gemacht. Nein, Monogamie hatte er wahrlich nie angestrebt. Doch jetzt! Jetzt ist alles anders … Sinnend blickt Malecantus zur Bettstatt zurück und stellt fest, dass der Geliebte auch nicht schläft, sondern sich schon längst heimlich von der Seite heranpirscht und sanft überrascht…
„Auch noch nicht müde oder zu viel Gedankenkreisen, Merlin?“ „Beides! Es gibt einfach so viel Neues zu sehen und zu erleben. Ich will … nichts verpassen. Wir sind ja erstmal nur zwei Tage hier!“
„Oh, so wissenshungrig!“ Irgendwie macht Malecantus das sehr stolz, einen so eifrigen und neugierigen Schüler wie Gefährten zu haben. Vielleicht hat das in allen anderen Beziehungen zuvor gefehlt und nur jeweils zur Liaison gereicht. Es wird diesmal anders sein. Bestimmt! Gregorius will es so sehen.
„Dann lass uns keine Zeit verlieren, Merlin. Machen wir die Nacht zum Tag! Was ist eigentlich aus deinen Studienplanungen geworden? So wie es aussieht, sind wir nicht mehr ständig auf der Flucht, haben jetzt zwei feste Heimstätten und … eine flexible dazu.“ Erwartungsvoll betrachtet Gregorius die geliebten Gesichtszüge seines Lehrlings.
„Ja, Gregorius, als sich abzeichnete, dass wir nicht mehr auf Wanderschaft sein müssen, ging mir das auch schon durch den Kopf. Ich möchte immer noch Raketentechnik und Astronomie studieren. Ich möchte nach Sixam und … vielleicht sogar nach Batuu reisen. Ich will den Sternenhimmel aus jeder Richtung neu erkunden, nachdem wir … Lotta von ihrem Fluch befreit haben! Wenn sie es so will!“
Einen Moment sind beide Magier an ihren kleinen ‚Familienzuwachs‘ – ihren Wanderarbeiter erinnert. „Hoffen wir für Tarek, äh Tanuí, dass es ihr Wunsch sein möge. Ich glaube, er sehnt ein Treffen mit Lotta sehr herbei … und eine erneute Verbindung. Takatuka ist … letztendlich sein Kind! Ich will ihm beistehen, sofern es in meiner Macht steht, Merlin!“ Gerade möchte Malecantus wohl jeden so glücklich sehen wie sich selbst …
„Also hopp, hopp! Üben, üben, üben, mein süßer Zauberlehrling!“, scheucht Gregorius Merlin auf. „Umso schneller können wir Lotta wie Tanuí helfen!“ Schnell streift sich Merlin noch ein Sweatshirt in der kalten Nachtluft über. Malecantus hingegen friert selten. Mehr Sorge hat er um seine zehn zarten Gliedmaßen, die er sorgsam betrachtet: Abwasch? Spülwasser? Niemals!
„Bravo, bravo!“, klatscht er dann in die fein manikürten Hände. „Du machst wahrlich Fortschritte und schneller als ich für möglich gehalten hätte!“ Liebevoll wird der Lehrling umarmt und gewärmt. „Komm, lass uns draußen noch ein bisschen die Ruhe genießen! Es ist sternenklare Nacht, Merlin, und kaum jemand unterwegs … Da haben wir noch mehr Platz für’s Training!“
Merlin ist beglückt, seinen Lehrherren so von seinen Fähigkeiten überzeugen zu können und lernt nun noch bereitwilliger, als er es eh schon tut. Dieser Lehrling ist recht zielstrebig!
„Erklär mir mehr über die Sterne, Gregorius …!“ Der Meistermagier teilt doch gerne sein Astronomisches Wissen und bettet sich gleich neben den wissbegierigen Gefährten in den zentimeterhohen Schnee. „Welche Konstellation darf ich dir denn etwas näherbringen? Welche ist dir noch unbekannt, mein Lieber?“
„Ja, also … was für ein Sternenbild ist das dort oben, Gregorius? Das giftig gelbgrüne da neben dem roten?“ Merlin versucht ganz ernst drein zu blicken. Malecantus auch: „Blödmann!“
Zur Belohnung für solch Gelehrsamkeit macht sich Gregorius jetzt doch mal die Hände nass. Ach, man kann doch auch nicht immer nur lernen, lernen, lernen … Ein bisschen Spaß muss sein ??. Ein bisschen Spaß bei keinem bisschen Sonnenschein ???? … Und der Schädel schaut einfach zu … verzieht keine Miene!
„Du hinterhältiger Bösewicht!“, beschwert sich Merlin mit frostiger Nase. „Na warte! Ich bastle mir ’nen netteren Partner. So einen richtig gutaussehenden Schneemann mit viel mehr Klasse und Manieren!“
Und schon lässt er Taten folgen … Malecantus weiß nicht, was er sagen soll und guckt etwas pikiert - wähnte er sich doch einzigartig in Merlins Gedanken. Einfach von so einer Schneewehe ersetzt zu werden … tut weh. Wehe das wird so ein Schönling, den der Zauberlehrling zum Leben erweckt wie … wie … diesen Besen in diesem lustigen Zeichentrickfilm! Oder Meister Geppetto seinen Pinocchio ... Hab‘ ich Merlin den Spruch dazu überhaupt schon beigebracht? Nee, oder?
Am Ende ist Gregorius aber doch sehr erleichtert. „Nun, wenn dir diese Figur mehr zusagt als ich! Wohlan, trag sie, ihn, es gerne über die Türschwelle zu einem netten Plätzchen am lodernden Kamin für eure zartschmelzende Liebe.“ Gregorius kann ein fettes Grinsen nicht ganz unterdrücken.
Zu guter Letzt fanden sie die Nacht dann doch noch eine Mütze voll Schlaf. Aber nicht in der Mütze vom Schneedivers.
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Gegen Mittag des nächsten Tages hat Merlin sich durch einige Online-Recherchen gekämpft und tatsächlich … Ganz verborgen fand sich eine kleine feine Seite eines nepalesischen Mönches: << Zu tief in die Flasche geschaut und Bodenhaftung verloren?>>
Zuerst glaubte Merlin, auf ein ernsthaftes Alkoholproblem im Himalaya gestoßen zu sein. Doch nach weiterer Durchsicht zeigte sich eine verschleierte Ansprache an eine spezielle Zielgruppe: Zwangsweise in spezielle Behälter gesperrte … Flaschengeister. Scheint ja wohl ein größeres Problem dort zu sein …
„Schau mal Gregorius! Ist das nicht genau das, wonach du gesucht hast? Das passt doch zu Farsanes Hinweis. Und tatsächlich liegt es in … Katmandu!“ Interessiert beugt sich Malecantus über das Display. „Wundervoll! Ja, ja, selbst die verklausulierte Schreibweise. Man kann eben nie vorsichtig genug sein vor den üblichen Sterblichen, dem Militär, irgendwelchen ungläubigen Wissenschaftlern … Sie würden uns untersuchen, sezieren, wie seltene Schmetterlinge aufspießen. Wobei, dieser Mönch selber scheint kein Magier zu sein, aber zumindest ein wohlwollender Heiliger, der Erlösung verspricht. Gut, gut. Genau, das brauchen wir oder vielmehr … unsere Flaschengeister - diese Familie Ogbanda.“
Malecantus studiert ein wenig die Seiten weiter und ist erstaunt. Selbst hier spielen die Mondphasen eine Rolle. Demnach müssten die Ogbandas … Gregorius rechnet kurz nach … Oh je, sie müssten zur rechten Zeit beim tibetischen Koster sein, um sich wieder lösen zu können. Sie hätten schon längst auf dem Weg sein sollen … Fieberhaft kontaktiert der Magier den angeblichen Mönch, der sich … als betagte Nonne entpuppt, aber sehr versiert erscheint. Ja, ja, es werde knapp. Diese Familie solle sofort aufbrechen und Tag und Nacht durchreisen ohne Pause, um es noch zu schaffen … Sonst dauere es einen ganzen weiteren Mond lang.
Merlin palavert gerade eine Runde mit dem Kater, als Gregorius neben ihm auf dem Sofa versucht, Familie Ogbanda zu erreichen. Der Zauberlehrling hört den Geliebten nur noch ein Wutentbranntes „Wo bist du? Allein?!“ sowie unzählige Verwandlungsflüche ausstoßen. Am Ende legt Malecantus erregt auf: „Boahhh, Kinder! Ich hoffe, du willst keine haben!“
„Hab‘ doch schon eins!“, kontert Merlin trocken. „Hähhhh!?“ Malecantus gehen geradewegs die Augen über. „Manchmal führst du dich nämlich auf wie ein großes Baby, Gregorius! Wer war denn dran? Keito?“ Wer sonst könnte den großen weisen Magier so in Rage bringen wie ein rotzfrecher Teen? Keito scheint Merlin genau der Richtige dafür zu sein, demnach, was er bislang von diesem umtriebigen Halbwüchsigen mitbekam. „Was hat er denn angestellt, dass du so außer Fassung gerätst?“ Merlin wartet lächelnd eine Antwort des aufgebrachten Freundes ab.
Malecantus schnappt immer noch wie ein Fisch empört nach Luft: „Er … er hat die beiden anderen in der Flasche gesperrt und ist allein unterwegs! Ich komme nicht zu Elani oder Asante durch.“ „Unterwegs wohin?“, fragt Merlin mit gehobenen Brauen. „Er sitzt im Zug nach Katmandu!“, ereifert sich Malecantus erbost. „Na, das ist doch prima! Zeit gespart. Der Junge hat wahrscheinlich telepathische Kräfte … Oder, irgendwas treibt ihn besonders an. Ist schon … seltsam!“ Merlin grübelt einen Moment lang nach und kann sich dann eigentlich nur … diese kleine Freundin von ihm vorstellen, mit der Keito auf dem Festival zusammenhing. Die muss ihm ja wirklich was bedeuten!
„Ja, ok. Hast wohl recht, Merlin! Gab’s da nicht dieses Mädchen? Yuna hieß die Kleine, glaub ich! Ganz schön melodramatische Story für zwei Teens, muss ich sagen. Ich hätte ihn wohl nicht so anblaffen sollen. Na gut, warten wir ab, bis er angekommen ist. Zäh ist der schon, kann ich dir sagen. Wie der mit mir verhandelt hat!“ Malecantus hat noch nie einen Halbwüchsigen die Magie gelehrt. Das wird noch eine heikle Sache mit diesem Keito. Nicht ganz das richtige Werkzeug in so jugendlichen Händen. Nicht … bei der Genese dieses Jungen!