0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
„Gold! Für 50.000 Rupien!“, knallt Keito den Zaster noch rechtzeitig auf den Tisch und der Klöppel in der Hand der tibetischen Nonne senkt sich in die mittlere Klangschale. Sie beginnt, durch kreisende Drehungen an der metallenen Innenwand ein anfängliches leises Sirren mit letztendlich zunehmendem Resonanzton zu erzeugen, der in einem brachialem Crescendo endet, als der Vollmond über Katmandu am höchsten steht.
Alles schaut sich gegenseitig in der plötzlich einsetzenden Stille irritiert an – auf dieser wie der anderen Erdhalbkugel und … den Erdteilen dazwischen auch. „D a s … war’s?“, wagt Keito zweifelnd die fein lächelnde Nonne zu fragen.
„Schau nach oben!“, weist diese den Jungen nur an. Leicht perplex erspäht Keito über sich in dem plötzlich offenen Dach einen Furchteinflößenden Blutmond, umgeben von eigenartig gleißenden Lichtern, die im nächsten Moment wie blinkende Sternentaler auf sie hinabrieseln. Die Flasche neben ihm beginnt zu klappern … eigenartig zu pulsieren. Nebelartige Schwaden entströmen dem Gefäß, hüllen Keito vollkommen ein, bis er sich darin nahezu auflöst, nicht mehr materiell oder von dieser Welt ist.
Leicht panische Gedanken machen sich bei der Runde auf amerikanischer Seite breit. „Was wird das, Gregorius? Ist das alles noch koscher?“ Merlin drängt sich haltsuchend an den Geliebten, Achak umfasst erschrocken Farsane, als befürchte er fast, die geisterhaften Schwaden könnten durch den Bildschirm auf sie übergreifen. Moema und Lonely Wolf stecken die Köpfe zusammen, um zu beraten, ob alles noch seinen richtigen Gang gehe.
„Ich denke … schon!“ lautet Malecantus leicht gepresste Antwort auf Merlins Frage. Er visiert nur die Gesichtsausdrücke der Nonne an, um zu ergründen, ob sie ein sauberes Spiel treibt. Ihr keckes Augenzwinkern gilt allein ihm, dem erfahrenen Magier, der sich in seine orientalische Studienzeit vor über 600 Jahrhunderten zurückversetzt fühlt. Ja, ich hatte einige dieser geheimnisvollen Rituale zur Geisterbeschwörung erlebt. Manche setze ich auch heute noch selber ein. Dieser ganze Kristallkugelbudenzauber ist morgenländischer Abstammung. Dieses Zeremoniell jedoch … ist Neuland für mich!
Die Dunstwolken ziehen sich allmählich zurück und alle drei Ogbandas nehmen feste humanoide Gestalt an. Sie sehen … eigentlich aus wie vorher - stecken nur nicht mehr in der Flasche. Asante und Elani mustern sich erst gegenseitig, dann die eigenen Finger, Hände, Leiber auf Vollständigkeit hin und danach verwundert all die anderen Sims am Bildschirm.
Wieder herrscht einige Sekunden Stille und dann folgt erneutes Durcheinander an Palaver …
„Merkt ihr schon was?“ Jack lächelt erlöst ... von Kenia aus. „Irgendein Unterschied?“, ergänzt Achak den Kollegen - ganz vergleichender Forscher – auf amerikanischer Seite. „Noch alles heil?“ Das stammt von Preity aus Indien - immer noch ganz besorgt, ob alles im Ganzen an Asante drangeblieben ist. „Probiert doch mal was aus …!“, schlägt Don vor, der so richtig Anteil an Familie Watanabe und Ogbanda nimmt. „Äh, was denn genau? Was sollen die jetzt können?“ Merlin wills genau wissen. War die Kohle gut eingesetzt? Die richtige Schale gewählt?
„Ruuuuuhe verdammt nochmal!“, donnert Asante los. „Wer hat jetzt hier wirklich was zu sagen und klärt uns auf? Und wehe, Keito, du hast uns in noch Schlimmeres reingeritten!“ Keito zieht vorsichtig den Kopf ein. Wenn Asante mal sauer wird, ist nicht mit ihm zu spaßen, hat der Teen schon leidvoll festgestellt. Zum Glück kommt das nur sehr selten vor … häufte sich aber letzthin … ein wenig, woran Keito nicht ganz unschuldig war.
Malecantus beschwichtigt jetzt tatsächlich mal den leicht erzürnten Oheim - sehr zum Erstaunen des Jungen. Schließlich hatte der Magier den Teen vor ein paar Tagen noch zum Teufel gewünscht. „Gemach, gemach, Asante. Es war zwar purer jugendlicher Leichtsinn der beiden …“, deutet der Magier auf die zwei Halbwüchsigen am Monitor hin. „Aber letztendlich … wart ihr damit zur rechten Zeit bei Vollmond in Katmandu. Lasst uns jetzt lieber schauen, was Keitos Wahl bedeutet!“
„Oh ja!“, pflichtet Preity bei – auch wenn sie bedauert, dass sie wohl jetzt nicht mehr Herrin eines liebenswerten Flaschengeistes ist. Aber Asante ist ihr ja auch so zugetan und kehrt hoffentlich bald an den gemeinsamen Studienort zurück, wenn seine Mission erfüllt ist. Und tatsächlich finden seine Augen gerade die ihren und senden einen liebevollen Blick mit leicht zum Luftkuss geschürzten Lippen. Beglückt küsst und lächelt sie zurück.
„Also, eure spezielle magische Fähigkeit, die ihr nun besitzt …“, hebt die tibetische Nonne erklärend an, „… ist das eigenständige Aufsuchen und Verlassen der Flasche! Ihr seid aber … an niemanden mehr gebunden!“
Tja, selbst der Teen Nishay schaut jetzt etwas bedauern. War nicht das Schlechteste, Keito nach Belieben befreien oder einsperren zu können …
„Und der Haken an der Sache?“, Malecantus ist wachsam, fixiert die Nonne mit seinen irisierenden Augen.
„Nun!“, feixt die feine alte Dame unbeeindruckt zurück, denn über die Entfernung kann Malecantus nicht viel verrichten. „Es sollte immer eine*r der drei draußen Wache schieben und nicht alle zusammen ungeschützt in der Flasche nächtigen.“ Elani schaut die Nonne mit großen Augen an. „Wieso, was passiert dann?“
Beschwichtigend hebt die Tibeterin beide Hände: „Keine Bange! Nichts automatisch, wenn die Flasche an einem sicheren Ort steht. Aber … solltet ihr mal auf die Idee kommen, alle drei so … zum Beispiel … an einem Strand in der Flasche zu weilen, weil es halt günstig ist und ihr Kohle und Energie damit spart … und jemand käme zufällig vorbei … Äh, kennt ihr vielleicht diese verstaubte Fernsehserie …?“
Asante schnauft etwas ungeduldig: „Ja, was? Nun mach’s nicht so spannend …“
*Krschschschschsch …*
„Oh die Verbindung nach Katmandu ist zusammengebrochen!“
„Mist, genau jetzt!“
„Asante, mein Schatz … Neeeeeiiiiiin!“
Allgemeines Fluchen. Merlin versucht eiligst, den Kontakt wieder aufzubauen … Ohne Erfolg!
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Farsane, Achak und Jack nutzen noch eine Weile den Video Chat gemeinsam weiter, als die anderen sich zurückziehen. Die Verbindung zu den Ogbandas konnte nicht wieder hergestellt werden. Sie müssen warten … bis sie sich wieder melden können.
„Wie geht’s dir, Jack?“, erkundigt sich die ehemalige Pflegekraft fürsorglich bei ihrem früheren Retter und gutem Freund. „Froh wie besorgt zugleich, Farsane. Was soll ich sagen?!“ Jacks Mine spiegelt seine leicht bedrückte Stimmung wider. „Es ist so schade, dass wir Miyu und meine Tochter nicht erreichen können, bevor sie nicht den ganzen Weg zurückgelegt haben. Dabei … wäre er doch gar nicht mehr nötig. Andererseits wird Yuna wohl immer leiden, befürchte ich. Das Tattoo unserer Ahnen, das sie sich wünscht, kann vielleicht ein wenig ihr geschundenes Gemüt heilen.“
Achak empfindet unendliches Mitleid mit dem Kollegen und seiner Familie. So ein junges Ding und schon so erdrückende Erfahrungen in jungen Jahren, diese Yuna. Vielleicht ist es eine Erlösung zu erfahren, dass der Sohn dieses Unholds … ihr nichts nachträgt, sie sucht ... Achak drückt Keito und den beiden anderen Ogbandas alle Daumen, dass sie Miyu und ihre Tochter finden. Nachdenklich zieht er Farsane neben sich enger zu sich heran auf seinen Schoß. Und ich bin Jack so dankbar für Farsanes Erlösung von ihrem Ungemach. Liebevoll küsst er spontan die Wange der jungen Orientalin: „Ich bin so froh, dass es dich gibt, Liebste!“
Kurz schaut Farsane irritiert wie beglückt lächelnd auf. Was geht ihm gerade durch den Kopf? Im Moment so besonders schmusig? Jack sitzt doch vor dem Bildschirm! Die Perserin ist immer noch etwas zurückhaltend in der Öffentlichkeit … Andererseits … es ist nur Jack! Beherzt, haucht Farsane Achak nun ein Kussmäulchen zu. Jack auf der anderen Seite des Monitors lächelt nachsichtig. Er freut sich aufrichtig für Farsane. Und sogar noch ein Kollege … Sehr schön. Haben wir gleich Gemeinsamkeiten und Gesprächsstoff!
Sich selbst von der Tändelei auf dem Bildschirm vor ihm ablenkend fragt Jack einfach mal Achaks aktuelle Forschungstätigkeit nach. Er war selber lange Zeit in Lateinamerika unterwegs gewesen, im Norden des Doppelkontinents dagegen kaum: „Mein Forschungsauftrag hier in Kenia ist bald abgeschlossen. Was macht die nordamerikanische Anthropologie gerade, lieber Kollege?“ Nun ist es an Achak, geheimnisvoll zu lächeln, als hätte er eine Überraschung aufzubieten. Er ist gespannt auf die Augen, die beide hoffentlich gleich machen werden: „Nun … die ruht gerade ein wenig. Ist nicht mein einziges Steckenpferd. Ich erwartete noch ein paar … Auftragsbestätigungen für mein nächstes Projekt. Und die kamen … heute im Laufe des Tages …“ Achak lässt feixend einige Zeit verstreichen …
„Also ehrlich! Jetzt spann uns nicht auf die Folter!“, knufft Farsane ihn keck in die Seite. „Muss ja was Besonderes sein!“, mutmaßt Jack nicht minder neugierig.
„Was sagt ihr zu mesoamerikanischer Pyramiden- und Legendenforschung? Angeblich soll tief im Dschungel einer der letzten unentdeckten Tempel stehen und seine Geheimnisse noch nicht preisgegeben haben. Er sei übersät von nicht entschlüsselten Hieroglyphen und nach uralter Art durch Flüche, Giftpfeile und Sonstiges geschützt!“ Wie Achak annahm, beginnen Jacks Augen zu leuchten. Auch Farsanes haselnussbraune strahlen vor Aufregung. Hoffentlich nehmen die beiden mich mit auf die Reise ...
„Du Glücklicher!“, seufzt Jack ein bisschen neidisch. „Abenteuer, Aufregung und den Tod vor Augen fast gewiss! Was gibt es Erbaulicheres für Forscher*innen?“ Noch einmal schnauft Jack tief durch. „Ich muss mich erst noch um einen nächsten Auftrag kümmern, aber irgendwie muss ich ja auch noch nach Japan im späten Frühjahr!“ Der mit Miyu vereinbarte Flug Trip von Kenia aus wird nicht ganz billig. Jack muss eisern sparen.
„Und das habe ich schon getan, Jack! Mich um deinen nächsten Job gekümmert …“ Achaks Grinsen vertieft sich. Farsane wird ganz hibbelig und Jack guckt recht fragend.
„Du bist eingeladen … im Auftrag von National GeoSimlandtics mit in dem alten Mayatempel zu forschen. Flug, Anreisekosten und Herberge – na, du kennst das ja, die Art von lokal angepasster Unterbringung – werden übernommen. Ich hab‘ dich ... nämlich vorgeschlagen. Wird mir eine Ehre sein, Jack! Und du kommst natürlich auch mit, Liebste!“ Jack und Farsane sind einen Moment sprachlos, sitzen mit offenem Mund und staunenden Augen da.
Dann plötzlich der Überfall. Achak wird voll abgeknutscht. Farsane lässt Küsse auf sein Haupt regnen. „Du … bist … so … wundervoll!“, bringt sie atemlos lachend zwischen einigen dieser Liebesergüsse gerade noch so raus.
Jack hätte Achak dafür auch fast abgeknutscht, wenn das durch den Monitor möglich wäre. So entbietet er ein High Five, dass Achak irgendwie mit einer freien Hand gerade noch am Bildschirm hinkriegt, bevor er und die stürmische Farsane hintenüberfallen. „Du Glückspilz!“, lacht Jack laut und setzt gleich hinterher: „Ach, ich Glückspilz. Ich freue mich auf den Auftrag und darauf, euch live zu sehen und … es ist sogar noch dichter an Japan dran! Das Leben ist doch schön …“ Als wäre gerade ein Sterntalersegen auf ihn herabgeregnet.