0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
8.1.1 – Frühlingserblühen … Zarte Triebe … (Teil 4) Versüß mir den Kaffee!
Später am Tag sitzen auch Brett, Danny und die ganze Kinderschar mit am Tisch. Lottas Teerunde hat sich neuformiert und findet manchmal auch schon früher am Nachmittag statt. Selbst Oleg, Adeline und Jorunn stoßen zuweilen - so wie heute - für eine Arbeitspause dazu. Lottas kleine Hütte platzt fast aus allen Nähten. Aber der Kuchen aus ihrem kleinen befeuerten Holzkohleofen schmeckt allen einfach zu famos.
Was in der kleinen Kate neben fließend Wasser noch fehlt? Ein plüschiges Fell vor dem Kamin! ‚Mist!‘ Ansgar plant noch so einige kleine Verschönerungen zu beidseitigem Vergnügen - auch mit dieser harten Bank da neben dem Küchentisch. Er will gern mithelfen, Lottas kleines Hexenhaus angenehmer und wohnlicher zu gestalten, bis … ‚Ja, bis … sie sich zu mehr öffnen kann wie ein richtig großes gemeinsames Heim – vielleicht mit … Zuwachs?!‘
„Ist schon ’ne feine kleine Hütte.“, schaut sich der Musiker und Ex-Referendar Brett Jenkins gemütlich im engen Schlauch von Esszimmer um, als er von Lottas neusten Bauplänen hört. „Natürlich nicht zu vergleichen mit deiner alten, Lotta. Hab‘ das Haus nur mal im Vorbeifahren von außen gesehen. Wieviel Stock waren das - zwei oder drei? Da war noch so ein imposantes Türmchen obenauf. Ein recht großzügig gestalteter Bau auf dem Grundstück!“
Ansgar horcht auf … und Brett fährt fort. Gedankenlos wie immer. „Hast du da eigentlich allein gewohnt oder war das ein Mehrfamilienhaus? Da war so ein emsig beschäftigter Typ im Garten gewesen.“
‚Ein … Typ?‘ Nachdenklich stopft Ansgar sich ein Stück Kuchen in den Mund und schweigt … ganz aufmerksam.
„Ach, das war sicher Merlin!“, lacht Lotta vergnügt und langt auch gut zu. ‚Der Kuchen ist mir heute wirklich gelungen.‘ „Ja, er half mir jeden Morgen beim Ernten und Ausliefern! Hab‘ ihn um sein Verhandlungsgeschick und seinen Führerschein beneidet!“
‚J e d e n … M o r g e n!? M e r l i n? Der Name klingt nicht nach tropischer, dunkelhäutiger Folklore. Nicht nach Takatukas Vater! Aber wer …?‘ Ansgar schippt sich mit etwas verkniffenen Lippen einen Löffel Zucker nach dem anderen in den Tee. „Na, du magst es ja heute süß!“, kichert Kindergärtnerin Danny, als sie Ansgars recht abgelenkt wirkendes Hantieren bemerkt.
Seicht lächelt Ansgar in die Runde, nachdem ihn alle ganz amüsiert und neugierig anstarren: „Äh, ja, versüße mir heute … den Tag!“ Sein Augenmerk ist aber immer noch hauptsächlich auf den Rotfuchs ihm gegenüber gerichtet: „Großer Garten? War das d e r, von dem … du mir heute Vormittag erzählt hattest, Lotta?“ So wie Ansgar Adeline verstanden hatte, als er sie mal vor einiger Zeit ein wenig ausquetschte, ist das nur ein paar Monate her, dass sie sich in alle Winde verstreuten hatten, bis sie sich hier wieder trafen. Einen Merlin hatte Adeline … dabei aber nie erwähnt. Und Lotta … auch nicht!
‚War Lotta vor d i e s e m Typ geflohen?‘ „Dein … ehemaliger … Hausnachbar, Lotta?“, bohrt der Norweger weiter. ‚Oder dein Mitbewohner!?‘ Ansgar nimmt einen großen Schluck Tee und … verzieht leicht angewidert das Gesicht. ‚Boahhh wie triefend süß!‘
Jorunn beobachtet Ansgars Minenspiel leicht besorgt heimlich von der Seite. ‚Ich kenne meinen Neffen gut – dachte ich bisher! Doch im Moment … Die Kiefer so fest aufeinandergepresst, als zermalme er etwas oder irgendwen zwischen den Zähnen …‘
Jorunns Erinnerungen nach war Ansgar als Kind und Jugendlicher durchaus sehr lebhaft und vorwitzig, aber auch freundlich in der Regel gewesen. Ihr gehen einige Dinge in letzter Zeit zu dem Sohn ihrer viel zu früh verstorbenen Schwester sehr nach - wie auch in diesem Moment … ‚Vielleicht hat ihn das Leben in den letzten Jahren härter gemacht, nachdem auch ich noch von der Bildfläche verschwand - seine letzte Verwandte. Er hatte schon früh viel erleiden müssen. Beide Eltern in jungen Jahren verloren und dann immer diese körperlich schwere Arbeit auf diversen Baustellen, oder die Fahrten zur See, von denen er mir nur wenig erzählte. Er ist in mancher Hinsicht verschlossener als damals. Unergründlich!‘
Unter Ansgars meist beherrschter wie liebevoller Mine entdeckt Jorunn nun teilweise … verkappte Unbeherrschtheit und Ungeduld, die sie früher nicht so an ihm kannte. ‚Er ist auch insgesamt … kräftiger geworden. Fast furchteinflößend wie er leichtfüßig einen Baumstamm anheben kann ... Arbeit auf dem Bau muss einen wohl wahrlich stählen.‘
„Nein, es war kein Mehrfamilienhaus und Merlin wohnte dort nicht. Nur Takatuka, der Wolf und ich!“, erklärt Lotta gerade arglos in Brett wie Ansgars Richtung. „Merlin und ich waren Geschäftspartner*innen! Hatten einen Obst- und Gemüsehandel zusammen!“
„Oh!“, entfährt es Ansgar trocken. „Was warst du? Eine … Kleinunternehmerin? Und du konntest dir die Miete oder Pacht eines mehrstöckigen Hauses leisten?“ Gerade will er sich noch mal die Tasse Tee an die Lippen führen, erinnert sich aber noch rechtzeitig an sein Zucker Massaker und stellt das verunglückte Gebräu schnell zur Seite.
„Ich habe keine Miete gezahlt. War mein Haus! Hab beim Verkauf aber keinen guten Preis erzielt als ich ging.“ Etwas traurig zuckt Lotta mit beiden Schultern. „Weil ich da allein und wohl zu blöd war für Verhandlungen dieser Art.“
‚Hat der Kerl sie also sitzen lassen!‘ Ansgar weiß gerade nicht, ob ihn das freuen oder verstören sollte, denn Lotta scheint wirklich betrübt zu sein.
„Ach, Lotta, hätte ich das gewusst! Ich hätte dir doch geholfen!“ Oleg ist schwer betroffen, Adeline nickt versichernd: „Mon Dieu, dasse ätten wire abäre bestimmte, ma Petite!“
Lotta ist ganz gerührt. „Ich … wir … waren damals noch nicht so befreundet … Also, so wie jetzt! Ich kam nicht auf die Idee … Danke.“ Brett hebt seine Tasse zuprosten hoch und grinst dabei etwas breit seinen ehemaligen Konrektor an: „Das stimmt Oleg. Früher hast du dich über Lotta nur aufgeregt! Ach, hatte ich manchmal meinen Spaß dabei! Sie konnte schon ein Derwisch sein und dich ordentlich auf die Palme bringen!“
„Pfff, olle Kamellen, Brett. Dich hätte ich in den alten Zeiten manchmal auch nur am liebsten von Hinten gesehen …!“, kontert Oleg gemütlich. Ja, er wird friedlicher mit Adeline an seiner Seite.
Takatuka meldet wieder Beachtung beim Ersatz-Opa an und empfängt ein mildes Strahlen: „Ja, sollen wir eine Runde Flugzeug spielen?“ ‚Die Lütte hat ordentlich sportliches Durchhaltevermögen wie die Mama.‘ Das imponiert Oleg sehr. Schon huschen die beiden nach draußen und Adeline mit dem restlichen Tigerclub hinterher. Sie lässt sich auch kaum Gelegenheit entgehen, mit den Kleinen rumzuturnen. Erzieherin Danny ist eine Pause mal ganz recht. Sie bleibt einfach bei ihrem Schatz Brett sitzen.
„Wie konntest du dir … solch eine Villa leisten, Lotta?“ Ansgar verfolgt manchmal beharrlich seine Themen und Ziele. Am Morgen hatten sie über Zukunft, Häuser und irgendwie … auch über Einkommen und Vermögen gesprochen und alles schien so … unerreichbar für sie … ‚und jetzt … hatte sie schon mal ’ne großzügige Immobilie? Vor nicht allzu langer Zeit?‘ „Bist ’ne reiche Erbin oder was? So jung und schon ‘ne Riesenhütte gehabt?“ Ansgar lässt es wie einen Witz klingen, aber Jorunn bemerkt darin einen lauernden Unterton. ‚Ist er … auf Vermögen aus? Das hat er doch gar nicht nötig! Passt gar nicht zu ihm. Diesen dicken Rover draußen vor der Tür hat er sich doch auch locker leisten können …‘
Puh, was soll Lotta sagen? Na ja, war schon irgendwie eine Erbschaft, diese Tasche Piratengold. „Von meinem seligen Vater, jawoll. Auf einen Schlag bezahlt!“, antwortet sie beherzt. Sie weiß gar nicht, wieviel in dem Goldkoffer damals drin war. Sie konnte bei Ankauf ja noch gar nicht recht zählen. „So hatte ich schon immer meine Häuser erworben, auch als Kind – mit einem Handkoffer voll Dukaten! Nur diese Hütte hier wurde aus dem mickrigen Verlaufserlös des letzten Heimes und meinem Verdienst beim Telefonmast oben auf dem Berg bezahlt.“
Ansgar beugt sich ungläubig vor: „Du hattest als Kind … schon ein eigenes Haus?“
„Jaaa…“, versichert Lotta recht verschmitzt. „Und ein Äffchen und ein Pferd!“ ‚Ha, was sagt er jetzt? Das glaubt er mir wahrscheinlich nie.‘
Und tatsächlich, Ansgar bricht in schallendes Gelächter aus. „Du bist manchmal echt ein vorwitziges Herzchen, meine Liebe!“, wiegt er schmunzelnd mehrfach den Kopf hin und her. Und somit kommt Lotta um weitere Fragen herum, wie sich das genau mit der ‚Erbschaft‘ ihres Vaters verhielt. Ansgar geht im Moment eher davon aus, dass sie einen gewissen Nachlass hatte, der jetzt verbraucht ist. Aber Erbschaftssachen wollte er auch weniger ergründen, sondern, ob irgendein ‚Vorgänger‘ ihr ein Haus einrichtete oder sie darum prellte. Irgendwie hatte er angenommen, dass sie deswegen so auf einem eigenen Heim und eigenständiger Absicherung besteht. ‚Wäre gut zu wissen, gegen welche üblen Erfahrungen von ihr ich hier ankämpfe - für unsere gemeinsame Zukunft.‘
Ansgar lehnt sich um einige Antworten befriedigt wieder entspannter zurück. ‚Wir wollten … langsam machen. Ist alles noch so … frisch. Ich werde nur von Tag zu Tag neugieriger, mit was mein süßes Äffchen hier noch so alles aufwartet. Die erzählt vielleicht einen vom Pferd.‘ Immer noch muss er leicht schmunzeln. ‚Und dieser Merlin ist hoffentlich … Schnee von gestern!‘
„Was ist eigentlich mit d e i n e n Plänen, Ansgar?“, schaltet sich jetzt seine Tante Jorunn ein. „Du hattest mir von diesem grünen Fleckchen, äh, Henford ohne Bagel oder so neulich vorgeschwärmt.“
„Du gehst von hier fort?“, reißt Brett die Augen auf und Danny wirft aufgeschreckt hinterher: „Ihr beide etwa?“ Lotta ruckt auch in die Höhe. ‚Gehen seine Überlegungen doch schon … sooo weit? Henford?‘ Irgendwas klingt da in ihr an …
„Nein, nein, nein! NEIN!“ Abwehrend hebt Ansgar beide Hände. ‚Bloß kein Öl ins Feuer gießen und ihre Unsicherheit anfachen!‘ Etwas vorwurfsvoll blickt er Jorunn an. Obwohl … er weiß ja auch erst seit diesem Morgen wie Lotta in dieser Frage tickt. „Lotta, bitte! Es ist so, wie ich am Vormittag sagte! Es gibt keinen festen Plan!“ Er zieht sie an einer Hand um den Tisch herum zu sich auf den Schoß, drückt den Rotschopf fest an seine Brust. „Ich geh nirgendwo ohne dich hin!“
„Uff!“, fällt Brett erleichtert zurück. „Oleg wäre auch aus allen Wolken gefallen. Der hat dich doch schon fast adoptiert, Ansgar. Euch beide!“ Einen Moment ruht der Blick des Musikers und Ex-Referendars nachdenklich auf dem neu, frisch oder wie auch immer liierten Paar vor ihm. Ganz so ein Tölpel ist er nicht. Dass die beiden es nicht ganz leicht miteinander haben, hat er durchaus schon bemerkt … Für Lotta freut es ihn, dass sie jetzt jemanden zur Seite hat. ‚Sie mag zwar körperlich stark sein, wirkt aber oft auch ein wenig verloren … wie von einem anderen Stern. Beide haben keine Eltern noch Familie mehr … Naja, außer Ansgars Tante Jorunn. Puh, hartes Brot.‘
Soweit ist das Los der beiden in der kleinen Gemeinde schon rundgegangen, aber die genaueren Hintergründe wissen nicht einmal Lotta und Ansgar voneinander. Wie auch, wenn Lotta sich ja auch gar nicht mehr an alles zu erinnern vermag und Ansgar … Angst vor einigen Entdeckungen hat!
„Henford?“, fragt Lotta, noch immer in Ansgars Arme geschmiegt ganz verträumt nach. „Henford-on-Bagley? Da war ich schon mal. Sehr schön dort. Ferien auf dem Lande habe ich da mal mit Takatuka gemacht! Ein … recht verwunschener Ort! Hatte auch Merlin gemeint!“ ‚Tor zur ‚Anderswelt‘ hatte mein ehemaliger Geschäftspartner es genannt und etwas mysteriöse Andeutungen gemacht. Merlin schien irgendwie zu verstehen, was mir da widerfahren war. Diese Verschiebung von Zeit und Raum. Dieser Mann in der glänzenden Rüstung und … Böser Wolf, Mae, Delia!‘ Der Norweger guckt von Lotta unbemerkt ein wenig zerknittert drein. ‚Schon wieder … dieser Merlin! Hängt sie noch an ihm? Kam der nach Takatukas Vater?‘
Lotta rutscht von Ansgars Schoß, beugt sich zum Wolf hinunter, der die ganze Zeit schon still bei Tisch verharrt, als lausche er unbewegt dem ganzen Geplänkel. Sie umfängt ihn mit beiden Armen, kuschelt sich liebevoll an das Tier und säuselt ihm in die aufgerichteten Spitzohren: „Was denkst du, soll ich tun, Böser?“ Alle bei Tisch schauen verwundert zu der jungen Frau und ihrem Wolf hin.
Solch ein Verhalten hatte Ansgar zuvor noch nicht bei den beiden gesehen. Etwas Eigentümliches regt sich in ihm. ‚Kann es sein? Nein! Das würde ich … spüren, oder?‘ Ansgar horcht und fühlt in sich hinein! ‚Nein, nein, nein! Aber dennoch … ungewöhnlich.‘ Ansgar betrachtet das Tier etwas genauer. ‚Manchmal guckt es schon … fast menschlich …! Aber das kann täuschen. Hunde gleichen sich ja oft einfach nur ihren Herrchen und Frauchen … an. Obwohl … Wölfe … doch eigentlich … nicht.‘
Als hätte Lotta ein Zeichen erhalten – ein Kribbeln, dass ihr das Rückgrat hinunterläuft - wendet sie sich Asgar erneut zu, pflanzt sich einfach auf seine Knie, legt ihm beide Arme um den Nacken und erklärt bestimmt. „Ja, ich würde Henford gerne wieder sehen! Der Wolf und Takatuka müssen aber auch mit!“
Zuerst starrt Ansgar dieses wundersame Geschöpf auf seinem Schoß nur wortlos an. Im nächsten Moment presst er diesen geschmeidigen wie nachgiebigen Körper fest an seinen, will Lotta einfach nur nah bei sich spüren, zieht sie an den Zöpfen noch näher zu seinem Gesicht, zu seinen wartenden Lippen und küsst sie ausgiebig und innig! ‚Welch … ein … Zufall! Das war also das Zauberwort: Henford-on Bagley!‘ „Wunderbar! Wann reisen wir …?“, bedrängt er Lotta sogleich. ‚Und wenn wir schon dort sind …, kann ich noch rüber nach Moonwood Mill, … endlich was Dringendes klären. Allerdings … Allein!‘
Lachend befreit sich Lotta wieder aus Ansgars Armen, steht auf und macht klar, dass ihr Projekt Lebkuchenhaus deswegen aber längst nicht auf Eis gelegt ist. „Wie du es sagtest, Ansgar! Offen für alles! Aber nachdem ich nun weiß, dass es sich um Henford handelt, was dein Herz begehrt, dürstet es mich natürlich auch danach, es wiederzusehen!“ ‚… und zu erfahren, ob es noch … weitere mysteriöse Botschaften aus meiner Vergangenheit gibt! Wenn Merlin und Malecantus mir nicht mehr helfen können, diesen Fluch loszuwerden, muss ich da nach weiteren Antworten suchen.‘
Oleg und Adeline mit einer stürmischen Takatuka voran rumpeln wieder in die kleine Hütte. „Monn diö, alle schon abholt …!“, verkündet die Lütte empört, dass ihre kleinen Freunde schon fort sind. Danny schaut auf die Uhr: „Ja, die Kindergartenzeit ist vorbei.“ Nicht nur sie registriert, dass Adelines Muttersprache auf das Kind langsam abfärbt. Insgesamt nimmt Takatukas Sprachfähigkeit zu, seitdem sie einfach mehr auch unter anderen Kindern und Erwachsenen ist.
‚Muss hart sein, allein mit Kind durch die Welt zu ziehen!‘ Erzieherin Danny war schockiert gewesen, als Lotta ihr mal erzählte wie es hier vor Monaten war, bevor der ganze Tourismus aufkam. ‚Auch jetzt lebt sie noch unter sehr einfachen Verhältnissen in der Hütte. Gut das Ansgar jetzt bei ihr ist. Brr, hier nachts allein übernachten? Niemals!‘ Könnte Danny sich nie vorstellen.
„Na, Takatuka? Hast du dich draußen schön ausgetobt?“, hält die Erzieherin dem Kind die Arme auf. „Gehen wir mal deine schmutzigen Fingerchen waschen!“ An den einfachen Wasserkübel im Haus hat Danny sich zumindest schon gewöhnt. Aber Lotta arbeitet ja an ihrer Wasserleitung und dann … läuft es irgendwann sicher auch einfacher mit dem Teewasser ….
Oleg hat beim Reinkommen noch die letzten Wortfetzen am Tisch mitbekommen: „Henford? Plant jemand Urlaub?“, blickt er leutselig in die Runde. „Haben wir uns alle redlich verdient. War ein anspruchsvoller Auftakt die Saison in einem völlig neuen Ressort. Ich denke, das haben wir alle gut gemeistert und jede*r hat einen Beitrag dazu geleistet! Na, was hat die Jugend von heute demnächst vor?“
„Hei, alter Mann!“, witzelt Ansgar zurück. „Auf jeden Fall noch nicht sich auf ein Altenteil zurückzuziehen!“ Als Mittvierziger könnte Oleg zwar der Vater dieses dreisten jungen Mannes sein, für die Rente wäre es aber wohl doch noch etwas zu früh für den ehemaligen Konrektor, der gerade seine zweite Berufskarriere startet.
Feixend quittiert der Ältere die Frechheit des Jüngeren mit einem bedächtigen Kopfnicken, während er gespielt empört eine Faust in die Seite stemmt und seine Chef-Ansage macht: „Dich teile ich morgen zum Latrine putzen ein, junger Mann! Nee, im Ernst. Krieg ich demnächst irgendein Urlaubsgesuch auf den Tisch, Ansgar?“
„Schon möglich!“, grinst der kecke Norweger zurück.
„Ja, genau! Ferien auf dem Lande!“, wirft Lotta schnell ein. „Aber, ich weiß nicht, wie lange wir von hier aus brauchen werden. Ist … gaaanz schön weit weg! Mehrere Wochen Fahrt brauchen wir bestimmt dafür … und viel Proviant unterwegs.“ Verzagt blickt sie Ansgar an. Sie war nach der Fährüberfahrt auf das schwedische Festland nur mit einem kleinen Handkarren den ganzen weiten Weg zu Fuß wochenlang hier rauf gewandert. Sie hatte fast alles zurücklassen müssen bis auf die Schiffstruhe und das Bild ihrer ehemaligen Nachbarin.
Irritiert schaut Ansgar hoch. Für ihn ist die Welt nicht so groß und teuer: „Wir nehmen meinen Wagen zum nächsten Flughafen, Lotta und dann … Direktflug! Leihwagen können wir vor Ort besorgen.“ Ansgar hatte schon viele Auslandeinsätze und Urlaubsreisen fast auf der ganzen Welt.
„Hooooo …!“, atmet Lotta mit großen Augen hörbar aus. Sie ist noch nie geflogen, außer mal als Kind … ganz langsam in einem Heißluftballon mit Tommy und Annika.
„So … sind wir doch alle hergekommen! Wie denn sonst, Lotta?“, hakt Oleg verwundert nach.
Jorunn weiß, wie anstrengend und gefährlich lange Märsche zu Fuß sein können, wenn man kein Geld und keine andere Möglichkeit hat. Sie ahnt, welche Mühsal Lotta mit Kind auf dem Weg hierher auf sich nahm! Schweden ist ein weites und recht unbewohntes Land. Sie musste ja selber so viel Unbill auf sich nehmen für den langen weiten Weg zurück auf der Flucht aus dem Serail …
Leicht bedrückt muss Jorunn an Miyu denken, die sich auch mit kaum etwas in der Hand zusammen mit ihrer Tochter Yuna auf eine sehr weite Wanderung begab. ‚Hoffentlich geht es ihr und all den anderen mit geflüchteten Leidensgenoss*innen gut. Miyu!‘ Sehnsucht an die Geliebte steigt in Jorunn auf, die sie jede Nacht runter zu drängen versucht.
Lotta hingegen schaut sich ehrfürchtig in der kleinen Teerunde um: ‚Es ist ihnen alles so selbstverständlich … Wie soll ich erklären, wie meine Kindheit verlief? Oder dass ich in meiner Jugend so viele Jahre wohl fernab jedweder Zivilisation auf einem Eiland namens Takatuka weilte? Ich verstehe noch immer so wenig von d i e s er Welt. Die meiner Kindheit machte ich mir immer so, wie sie mir gefällt. Doch diese Zeit … ist wohl … längst vorbei!‘ Leicht melancholisch senkt Lotta ihr Haupt …