0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
Der Urlaub für Henford ist gebucht. Bald soll es losgehen. Seitdem geklärt ist, dass Takatuka und der Wolf doch bei Oleg und Adeline zurückbleiben, verspürt Lotta eine zunehmende Unruhe. Sie war nie so lange und so weit von ihrem Kind entfernt gewesen.
„Das ist für ein Kind sehr anstrengend und einen Wolf im Flugzeug mitzunehmen oder ins Ausland zu transportieren … Weißt du, die Einreisebestimmungen sind nicht ganz so leicht …“, hatte Ansgar mehr oder minder Lotta zu überzeugen versucht. „Und es tut uns sicher auch mal gut …, nur Zeit für uns zu haben!“
Von allen Seiten hatte es zu dieser Idee Zustimmung gegeben. „Na, dann weiß ich auch, dass ihr bestimmt zurückkommt und euch nicht gleich ins Grüne absetzt!“, hatte Oleg beim gemeinsamen Basketballspiel gescherzt und gleichzeitig war ein ernster Unterton herauszuhören gewesen. So ein bisschen sickerte in ihrer kleinen verschneiten Gemeinschaft durch, dass dies Ansgars Wunsch wäre, nach Henford überzusiedeln, in den er Lotta und ihre Kleinfamilie mit einbezieht.
Danny und Brett sahen es lockerer, da sie selber nur saisonal in Schweden beschäftigt sein werden. „Stell dir vor, wir würden dann alle wieder recht zentral und auch gar nicht so weit auseinander wohnen. Takatuka bekäme sicher wieder einen Platz im Kindergarten. Wir sind mit dem Trägerverein allerdings nach Copperdale umgesiedelt.“, schwärmte die junge Erzieherin.
Lotta gehen diese Überlegungen schon viel zu weit. ‚Wie oft soll ich noch umziehen und immer wieder neu anfangen? Und es wäre … alles wieder dichter dran an …‘
„Schatz, konzentrier dich doch bitte ein bisschen. Wo bist du denn heute mit deinen Gedanken?“, unterbricht Ansgar ihr mentales Kreiseln über die bevorstehende Reise. Lotta ist eigentlich gerade mit Theoriefragen für den Führerschein befasst. Sie verdreht leicht die Augen, starrt dann wieder auf den Bildschirm vor sich und nuschelt etwas grummelig: „Du bist ja ein schlimmerer Antreiber als Oleg!“ Ansgar hat Lotta in den letzten Tagen an seinem Laptop in das World Wide Web eingewiesen.
„Was?!“, hakt der Norweger mit gerunzelter Stirn nach. „Ich versuche nur, dich auf deine baldige Prüfung vorzubereiten!“ ‚Oh ja, Prüfungen. Supi. Ich, die nie eine Schule besuchte, kann mich demnächst vor diversen Tests nicht retten … Online-Führerschein, Vorbereitung auf einen Schulabschluss.‘ Lotta hat keine Prüfungsangst in dem Sinne, aber … neben Kind und den vielen Jobs … Und jetzt auch noch die Sorge, wohin es sie in der nächsten Zukunft tatsächlich verschlagen wird … „Mir schwirrt irgendwie der Kopf heute, Ansgar! Tut mir leid!“, klagt sie zögerlich.
Der strenge Fahrlehrer, zu dem Ansgar sich erkoren hat, lenkt ein. „Ok, machen wir eine Pause. Komm‘, ein bisschen Entspannungsmassage wird dir guttun!“ Liebevoll zieht er die junge Frau zu sich hoch, versetzt ihr einen leichten Kuss und beginnt sanft mit den Fingerspitzen ihren Nacken zu kneten. „Hab‘ ich ein bisschen besser drauf!“, seufzt Lotta grinsend. „Tut aber trotzdem gut! Oh ja, genau da … ein bisschen mehr nach rechts.“ Statt an die gewünschte Stelle streichen die vorwitzigen Hände aber ihre Flanken runter zu den Hüften und weiter, beginnen mit gespreizten Fingern eine langsam kreisende Bauchmassage. Eine pulsierende Wärme steigt in Lottas Leibesmitte hoch, zieht sich durch den ganzen Körper bis in die Fußspitzen. „Ich hoffe, d a s verhilft dir zur Tiefenentspannung!“, raunt ein heiseres Lachen an ihrem Ohr.
E r s t m a l nicht! Später vielleicht … Lotta sacken leicht die Knie weg, als sie mit dem Rücken an Ansgar gelehnt aufstöhnend noch halbwegs Halt sucht.
Eine lärmende Kinderschar draußen vor der Haustür unterbricht das beginnende Liebesspiel. Mit leicht erhitzen und geröteten Wangen versucht Lotta sich eilig wieder etwas herzurichten. „Ach herrjeh, Kindergarten schon zu Ende und Takatukas kleine Freund*innen kommen heute ja mit heim zum Übernachten!“ Etwas unwillig gibt Ansgar Lotta wieder frei. So gern er die Lütten mag, aber … auf diesen Urlaub zu zweit ist er schon ganz heiß. ‚Einfach mal morgens oder sonst nicht immer überrascht werden … sich nicht ständig im wonnigsten Gefecht unterbrechen müssen …‘ Heute Nacht jedoch wird eher … Eiszeit herrschen!
Ansgar begibt sich als erstes nach draußen, sieht die lütte verschmitzte Takatuka und sofort ist der kleine Groll wegen etwas getrübter Liebesfreuden auch schon versickert. Das Kind ist einfach goldig. Ansgar beugt sich runter, um sie fest an sich zu drücken und auch das kleine Mädchen lässt sich vertrauensvoll auf die Umarmung ein. „Na, Spätzchen hast du heut‘ deine kleine Truppe mal wieder durcheinandergewirbelt?“ Takatuka lacht nur glucksend. Sowas macht sie doch mit links … täglich. Und jeden Tag mehr zeigt sich, wie ihre Kraft stärker wächst, als die der anderen Kinder.
„Wie immer!“ winkt Erzieherin Danny schmunzelnd von weitem noch zurück, schon auf dem Heimweg. „Jamal und Janine werden später gebracht!“ Und schon ist die junge Frau weg. Ansgar wirbelt das lachende Kind wie zur Bestärkung seiner Worte einmal durch die Luft. „Juchhe, no ma, Ansga, no ma!“, juchzt die Lütte nur. Sie kann nie genug von Toben und Spielen kriegen.
Wie die Mama lernt das Kind schnell, schneller als gewöhnlich. Motorisch ist sie den anderen voraus und den Gang zum Töpfchen muss ihr schon lange niemand zeigen. Auch verfügt Takatuka über eine ausgesprochen hohe Selbständigkeit und läuft recht angstfrei vor allem in Begleitung des Wolfes durch die Welt. Das war Ansgar damals als erstes aufgefallen, als ihm das Kind allein im kleinen Wäldchen nebenbei begegnete. Ihr Verhalten am See letztens oder auch überhaupt ihr Bezug zu Wasser dagegen ist … ambivalent. Einerseits scheint sie dieses Element zu lieben und andererseits … einen gebührenden Respekt davor zu empfinden.
„Sie hat das Köpfchen nicht gerne unter Wasser!“, hatte Lotta ihm beschieden und sacht eingelenkt als sie neulich an der Badewanne mit Takatuka herumtollten und das Kind plötzlich etwas größere Augen bekam, als es leicht Wasser schluckte. „Ist sie schon mal etwas zu sehr untergetaucht? Das können die Kleinsten doch eigentlich …“, hatte Ansgar etwas irritiert nachgehakt, Lotta aber nur vage geäußert: „Ja, ja, so ähnlich!“ ‚Wieder etwas aus der Vergangenheit, das nicht weiter erwähnt werden soll?‘, hatte sich der Norweger stillschweigend gefragt.
Takatuka macht sich gerade von Ansgar los und stürmt zu Tommy rüber, der gleich mitgekommen ist. Sprachlich merkt man dem Mädchen noch an, dass sie in der Vergangenheit bei ihrer früher recht ungeschulten Mutter nicht immer ganz die Förderung erhalten hatte, die sie gebraucht hätte. Das hindert Takatuka aber nicht, ihre recht eigenen Ansagen zu machen: „Tommy auch Luft wiebeln. Ich stark.“ Und schon packt sie den kleinen Freund, der manchmal nicht weiß wie ihm bei dem kleinen Mädchen geschieht und versucht, ihn hochzustemmen.
Lotta kommt jetzt auch zur Begrüßung raus. Ihr Herz zieht sich etwas zusammen. ‚Zwei Wochen Urlaub ohne dich, mein Kind. Du hältst es, glaube ich besser aus als ich.‘ Selbst der Wolf ist diesmal nicht ihr Begleiter. Die junge Frau kann gar nicht genau erklären, warum es ihr etwas mulmig zumute wird, so lange Zeit nur mit Ansgar allein zu sein. Irgendwie haben sie immer viel um die Ohren und die wenige Zeit mal allein miteinander ist recht knapp wie kostbar. ‚Wie das wohl sein wird, wenn wir die ganze Zeit ohne Arbeit aufeinander hocken?‘ Was Lotta auch gar nicht kennt, soweit sie sich mit Malecantus Fluch im Genick an ihr Erwachsenenleben zurückerinnern kann … What the hell is … U r l a u b? Blätter einer uralten Baumart?
Lotta hatte seit ihrer Flucht vom Eiland, das in ihrer Erinnerung fast ausgelöscht ist, immer nur schauen müssen, wie sie mit Kind den nächsten Tag übersteht und sich durch diverse Jobs für ausreichend Einkommen gehangelt. Später hatte es auch mal für ein paar Tagesausflüge oder einen Wochenendtrip gereicht … Der Rotfuchs versinkt die letzten Tage immer wieder ins Grübeln über das was war und was sein wird.
Die Sonne senkt sich noch immer früh am Horizont im Frühjahr dieser kalten Breitengrade. „Komm, bauen wir einen Schneemann, Spätzchen!“, lädt sie Takatuka zur eigenen Erbauung ein. ‚Bewegung schafft doch mehr einen freien Kopf als irgendwo zu sitzen und Geistesaufgaben zu leisten!‘ Lotta könnte sich nie einen Bürojob als Einkommensquelle vorstellen. ‚Brrr, das wäre ja wie ewige Schule mit Multiplikation!‘ Ha, den Begriff bekommt sie endlich ohne Stolpern raus. Und dass sie keine Ameisen im Kopf hat, sondern so etwas wie eine Amnesie, ist ihr mittlerweile auch geläufiger. Nur … geht ihr das Wort nicht über die Lippen in niemandens Gegenwart, noch hat sie hier in Schweden jemals erklärt, was mit ihr eigentlich los ist.
Lotta tritt mit den Stiefeln die vereiste Schneedecke ein, um wieder etwas Baumaterial für Schneekugeln zu schaffen.
„Na so etwas, das ist ja eine Schneefrau geworden!“, lächelt sie ihrem Töchterchen am Ende ihres gemeinsamen Werkes zu. „Das Mama ist!“, grinst die Kleine. „Ja, wie aus dem Gesicht geschnitten!“, ergänzt Ansgar frech. Und Lotta kontert noch frecher: „Na, dann weißt du ja, wer dich heute Nacht wärmt! Viel Spaß ihr zwei.“
Ach ja, das sind die Momente, in denen sich Lotta total wohl und eins mit Ansgar fühlt. Sie haben eine ähnliche Ader von Humor und kleine Schlagabtäusche bereichern ihren Alltag. Selbst viele Vorlieben teilen sie wie pflanzen, werken, alle möglichen sportlichen Aktivitäten. Ansgar ist hilfsbereit, im Grunde freundlich – vor allem zu Kindern. Das schätzt sie ungemein an ihm. Klar muss er sich auch durchsetzen können. Und ja, manchmal muss sie ganz schön gegenhalten, aber im Großen und Ganzen … ‚Ist dieser liebevolle Kerl doch völlig in Ordnung. Was …?! Was … lässt mich immer noch innehalten? Lässt immer wieder Besorgnis aufkeimen? Liegt es wirklich nur … an mir? Vielleicht sollte ich mal mit seiner Tante Jorunn sprechen … bevor wir abreisen.‘
Jorunn! Einen Moment springen Lottas Gedanken wie wild durcheinander. ‚Seine einzige … Verwandtschaft, die er noch hat. Ich hab‘ … nur noch mein Kind! Papa, bist du jetzt bei Mama? Und … wie sie seit meiner Geburt bei den Engeln? So viele schon so früh gestorben …‘ Lottas Magen zieht sich schmerzhaft zusammen. ‚Aber Miyu lebt noch! Jorunn hat Miyu kennengelernt! Ist das alles ein Zufall? Auch mein Zusammentreffen mit Ansgar, der stark wie ich ist? Ja sogar etwas mehr als mir lieb ist! Seine Kraft scheint nicht zu schwinden … Er hat aber auch kein eigenes Kind!‘
Auch dieser Umstand ist für Lotta noch immer gewöhnungsbedürftig und ein Teil ihrer Achtsamkeit dem Norweger gegenüber. Brett, Oleg oder auch andere deren Geschlechts kann sie noch immer leicht aus dem Gleichgewicht bringen und es mit einem Ringkampf aufnehmen. Bei Ansgar funktioniert es dagegen nicht so ganz.
Ihre erste Flucht mit dreizehn von Schweden nach Takatuka zu ihrem Vater war schon in dem langsamen Schwinden der Kindheitskräfte begründet gewesen. ‚Meine Tochter kann also nicht der alleinige Grund sein. Hatte mein Vater je über den Verlust seiner Kräfte geklagt?‘ Sie weiß es letztendlich nicht. Es gibt zwei Bilder im Kopf, die sie noch von ihm hat, die die große schwarze Lücke dazwischen umschließen …: ihre Ankunft auf dem tropischen Eiland mit einem Schiff und die Flucht von der Insel mit ihrem Kind - mit einem ähnlichen Boot, von dessen Reling sie ihren Vater verwundet in die Fluten des Meeres hinabstürzen sah. Er war nicht wieder aufgetaucht. Sie hält ihn für tot. ‚Dazu noch … vereinzelte spätere Erinnerungslücken nach der Flucht vom Eiland …, die Takatukas Vater ausgelöst haben muss. Ich bin ihm also … wiederbegegnet!‘
Lottas leicht in sich gekehrter Blick wandert zu Böser Wolf. Gerade in Henford hatten sich bei ihrem Wochenendtrip mit Kind Bruchstücke ihrer Erinnerung gezeigt: Mae! ‚Ich liebte einst auch eine Frau! Zur gleichen Zeit scheinbar wie Takatukas Vater!‘ Das sind aber nur widergespiegelte Äußerungen, die sie vor ihrem Gedächtnisschwund einigen Sims an ihrer letzten Heimstatt wohl erzählt hatte. ‚Jorunn liebt Miyu, wie sie offen bekannte und es scheint Ansgar nichts auszumachen. Aber, was würde er … von mir denken?‘ So freimütig wie sich die Welt um sie herum immer geben will, ist sie oft doch nicht, hat Lotta immer wieder festgestellt. Und die fehlende Erinnerung macht es ihr nicht leichter, einige Dinge richtig einzuordnen.
Asante, Elanis Cousin hatte ihr mal erklärt, dass Traumatisierungen Amnesien auslösen können und von Zeit zu Zeit einzelne Bilder wieder auftauchen mögen, die manchmal auch erschreckend sind oder Trugschlüsse ziehen lassen. Er war nicht allein von Malecantus Fluch überzeugt, nachdem immer offenbarer wurde, dass sie eine dramatische Fluchtgeschichte hinter sich hatte und augenscheinlich auch noch verfolgt wurde. Elanis Cousin hatte als Soldat im Krieg auch dessen mentale Folgen kennengelernt und irgendwas war mit Lottas Insel damals geschehen. ‚Ein Überfall …‘
Wie immer! Lotta kommt selten dazu, Gedankengänge mal zu Ende zu fassen … Die Kinderschar vergrößert sich. Die nächsten kleinen Übernachtungsgäste trudeln ein und haben … natürlich Hunger. Lotta hat einen wunderbaren Blaubeerkuchen gebacken und Janine darf sogar auf Takatukas Hochstühlchen Platz nehmen. Die Kleine ist wie die Mama recht großzügig und verteilt gerne, was sie hat.
Janine verdrückt sogar ein zweites Stück auf dem Sofa und Lotta erwägt, noch schnell einen weiteren Kuchen zu backen. ‚Die fressen einem ja die Haare vom Kopf, fast mehr wie die großen!‘ Lotta bewundert und respektiert Dannys täglichen Job gerade umso mehr, derart viele kleine Rangen den ganzen Tag zu bändigen.
„Bla bla bla …!“, versucht sich Jamal am Wort Blaubeerkuchen bei ihr noch, um das Kuchenbegehren noch deutlicher zu machen. Auch inspiziert er neugierig die nächsten Schlafmöglichkeiten. „Nein, kleiner Kumpel! Du schläfst drüben bei Takatuka. Hier ist nur Zugang für Mamis und Papis!“, erklärt Ansgar freundlich, aber bestimmt, als der Kleine sich in Lottas Schlafgemach breit machen will. Selbst Takatuka schläft zum Glück von Ansgar im eigenen Bettchen.
Sorgsam durchsucht er auch noch Jamals kleines Rucksäckchen. Da verschwinden schon beim Kinderskikurs die merkwürdigsten Sachen. Das kennt Ansgar schon. Sein Kinderskikurs läuft aber geordneter ab, als hier die kleine Privatparty der Kurzen, die das ganze Haus auf den Kopf stellen wollen. Lotta begrenzt die Kinder meistens weniger als der norwegische Kinderskikurslehrer.
Nebenbei ist noch Wäsche zu waschen. Ansgar bemüht sich redlich, seinen Anteil an Hausarbeit zu leisten, schließlich schafft Lotta in der Erwerbsarbeit nicht weniger als er, aber puh. Handwäsche … war er in seinem ganzen Leben nicht gewöhnt. Dabei ödet es mehr an, als dass es ihn anstrengt. ‚Wann ist endlich Lottas Wasserleitung fertig?‘ Ansgar hat sich auch immer schon mal nach einer gemütlicheren Couch und einem kleinen Kaminfell umgeschaut, um Lottas Behausung etwas behaglicher zu gestalten. ‚Darf nichts Weltbewegendes sein, sonst nimmt sie es wieder nicht an!‘
Drinnen werden jetzt auch fein brav Hauspuschen getragen, um nicht alles zweimal putzen zu müssen. Manchmal vergisst Ansgar das. Da ist Lotta strenger. Schnell hat er sich in der kleinen Waschkaue noch diese eintönigen Treter bei Lottas kritischem Blick übergestreift … Aber ansonsten ist sie ganz gechillt.
Manchmal weiß Ansgar nicht, was weniger kompliziert wäre: Wenn er wie früher einfach nur Zahlemann und Söhne und alleiniger ‚Ernährer‘ wäre oder das ständige darauf achten müssen, dass Lotta sich nicht bezahlt oder zu finanziell abhängig fühlt. ‚Hat alles seine zwei Seiten.‘ Manchmal hätte er gerne, sie würde ihn mehr ‚brauchen‘, ihn mehr ‚nötig haben‘. Doch sie käme auch wunderbar alleine klar, ist wehrhaft. ‚Sie schmilzt sogar Eisen für weitere Schwerter! Ich hab’s gesehen, auch wenn sie es vor mir geheim halten wollte.‘ Der kleine Hochofen im Garten macht Ansgar in Hinblick auf Brandgefahr keine Sorge mehr. Eher, was Lotta daraus fabriziert.
‚Sie schmiedet selber Wasserleitungen …, hämmert, sägt, feilt, geht jagen …klettert, fährt Ski wie keine andere …‘ Ansgar schrubbt auf Knien heftig die Wäsche. ‚Sie backt die leckersten Kuchen, die ich je aß, pflanzt Kräuter und Gemüse. Ihre Massagen, mhmhmm, sind göttlich. Ihr Tanz … wild bis lasziv.‘
Ansgar wird etwas warm und das nicht vom ‚Wäsche auf Waschbrett‘ Rubbeln. ‚Sie kann so keck und ebenso liebevoll sein. Sie ist keinem … arg zugetan. Ist manchmal … etwas weltfremd und naiv und dann wieder klar und klug. Was … kann so ein argloses wie kraftvolles Geschöpf zugleich … eigentlich stetig zu verbergen haben?‘
Das Lotta was hinterm Berg hält ist Ansgar schon lange klar. Und dass jede*r auch Recht auf letzte Geheimnisse hat … ‚Ja, ja, ja, alles selbstverständlich und ich bin ja auch kein unbescholtenes Blatt, aber trotzdem, trotzdem, trotzdem …‘ Ansgar hat sich mittlerweile ‚stinkenden Wolf‘ geschnappt, der auch ein Bad benötigt. Lotta hängt derweil die ausgewrungene Wäsche auf die Leine. Tatsächlich trocknet die selbst bei Eiseskälte draußen.
Hundemüde begibt sich Ansgar heute als Erster zu Ruh. ‚Puh, drei kleine Racker … auf einmal im Haus! Anstrengend neben Hausarbeit. Anfordernder als ein Kinderskikurs.‘ Er schließt die Augen und schläft sofort ein.
Takatuka lässt der Fantasie auf ihrem Bettchen noch etwas freien Lauf, bevor es ans Schlafen geht. Ist es ein Zufall, dass ausgerechnet Piratenkatze auf einer Fregatte ihre Heldin ist …?
Lotta räumt überall noch auf, bevor die kleine Kinderschar es auf ihre Art und Weise tut. Tommy hatte bereits ihre kleine Handarbeitskiste entdeckt und die ausgedehnten Spielmöglichkeiten mit vielen losen Fäden. Schnell bringt sie die Lütten zu Bett. Danny wird die Schar gleich morgen früh zum Kindergarten abholen.
Am nächsten Morgen ist Lotta als erste auf und die kleinen Übernachtungsgäste schon auf dem Weg mit ihrer Erzieherin. Dem lieben Ansgar hat einer der Knirpse noch ein kleines Andenken auf dem Fußboden vor dem Bett zurückgelassen. Sicherlich Jamal. Eine Duftnote, die nicht Frühstückskaffee heißt, steigt dem Norweger in die Nase.
(Er konnte nicht aus dem Bett, weil die da lag. Riesenhindernis ? ...)
Das restliche Wochenende, das auch im Frühjahr noch immer wenig Wärme in diesen Höhenlagen erreicht, verbringt die Kleinfamilie hauptsächlich mit Lehrmaterial vorm Kamin … Takatuka entwickelt eine eigene ‚Lesetechnik‘. Verwundert nimmt Ansgar kurze Zeit später ein paar herbe Kratzer an seiner Lieblingslektüre wahr: „Lotta, Schätzchen, was ist denn hier passiert?“
„Äh, keine Ahnung, war ganz in mein Buch vertieft!“ Seitdem Lotta lesen und schreiben kann, versinkt sie völlig in den bedruckten Seiten und bemerkt rechts und links … dann gar nichts mehr!
Takatuka ist währenddessen ganz in ihre Klötzchen vertieft und kriegt auch nicht mit, was Ansgar pressiert. Vielleicht auch doch, aber die rote Krabbe auf dem Würfel ist gerade viiiiel mehr interessant. Passt auf den Stapel drauf, hält, wackelt nicht und der Turm fällt auch nicht um.