0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
Man hatte sie nach der surrealen Zeremonie mittels tibetischer Klangschalen unter Mondenschein für die nächste Nacht in einem nah gelegenen Kloster untergebracht. Versonnen starren die drei Ogbandas am Morgen eine Weile auf die Flamingo farbene Flasche vor ihnen, deren Herr*innen und Meister*innen sie nun selber sind – mit … einigen Einschränkungen!
„Asante, lies bitte nochmal nach, was wir jetzt beachten müssen. Irgendwie versteh ich das noch nicht richtig. Sind wir jetzt frei oder nicht?“, drängt Elani ihren Cousin zweiten Grades dann doch nach einer Weile, die mitgegebene Lektüre ein weiteres Mal zu studieren. Keito runzelt leicht genervt die Stirn: „Ma, kapier es doch endlich, wir sind weiterhin Magier*innen. Aber wir haben es jetzt selber in der Hand, ob wir die Flasche aufsuchen oder nicht. Ich für meinen Teil wüsste allerdings nicht, was ich in dem Ding noch verloren hätte. Schmeißen wir die Buddel doch einfach weg!“
Schweigend studiert sein Oheim Seite für Seite eines schmalen Buchbandes, ganz vertieft in dessen kryptische Ausführungen. Elanis Blick schweift derweil über die nahen Frühlingsboten draußen vor dem Fenstergitter. Reihen von noch nicht erblühtem Jasmin und einzelne Oleanderbüsche ziehen sich die gewundene Straße entlang. ‚Im Sommer muss es die reine Farbenpracht sein!‘, schmeichelt sich ein farbenfrohes Bild in Elanis schwermütige Gedanken, während sie sich zur Geduld ermahnt. ‚Asante erschließt sich neue Sachverhalte schnell. Aber das hier ist wohl kompliziertere Materie. Lass ihn also in Ruhe zu Ende lesen.‘ Ihre nervös im Schoß ineinander verkrampften Finger strafen ihre ansonsten entspannt aufrecht wirkende Statur Lügen.
„Sollen wir uns nicht endlich mal an diesem Mega-Kessel versuchen, den sie uns extra hergeschafft haben!“, poltert Keito hitzig in Elanis Überlegungen, die kurz erschrocken zusammenzuckt. Der Teen will endlich seine magischen Fähigkeiten erproben. Wozu hat er sich denn sonst ungefragt dazwischen geschmissen, um auch was von dieser, was auch immer Strahlung abzubekommen, die Asante eigentlich nur seiner Mutter zu erdacht hatte?
‚Ma wollte es doch gar nicht!‘ Keito richtet sein Augenmerk nur kurz auf Elani. ‚Sie ist immer noch unglücklich über die Wandlung!‘ Doch im nächsten Moment schon ist er wieder von diesem riesigen, riesigen Metall-Kessel abgelenkt, den er durch die offene Tür erspäht hat. „Da lässt sich doch bestimmt eine Riesenportion Käse Makkaroni drin brauen!“, versucht er seine Mutter etwas aufzuheitern. Sie tut ihm schon etwas leid. ‚Asante hatte Ma gar keine Wahl gelassen, während mein Onkel diesen Weg für sich selber entschied - wie ich auch.‘
Elani zeigt ein leichtes Schmunzeln über Keitos Schabernack. ‚Hauptsache, er ist mit der Situation im Reinen … Dann will ich auch lernen, irgendwie damit fertig zu werden! Vielleicht … kann ich ja meinen Kochkünsten noch was Magisches einverleiben, was Unvergessliches! ‚Hier bitte, probieren Sie, mein Herr, werte Dame! Ganz köstlich diese Suppe. Einfach F a n t a s t i s c h. Garantiert erwächst Ihnen heute daraus eine lange Nase oder ein Paar Eselsohren … Die Fünf-Sterne-Köchin kann nicht wirklich über solche Aussichten lachen. Wobei … Mhm. So Manche*r … hätte es vielleicht verdient!‘
Der nach wie vor immatrikulierte Sportstudent wie auch fahnenflüchtige kenianische Soldat lässt sich von seiner Umgebung nicht weiter stören. Unbeirrt geht Asante eine verschnörkelte Passage nach der anderen in dem vor ihm auf dem Tisch liegenden Buch durch, ohne den Kopf auch nur einmal anzuheben. Elani beneidet ihren Cousin in diesem Moment um die Fähigkeit, sich so vollständig in eine Lektüre zu versenken und durch nichts ablenken zu lassen.
Keito wägt kurz ab, ob er schon rüber laufen und diese Riesenklangschale einfach mal austesten soll, entscheidet sich dann aber doch seufzend, auf seinem Platz zu bleiben und Asantes Erkenntnisse zu ihrem jetzigen Dasein abzuwarten. *Seufz*„Und? Schon was Neues rausgefunden?“ *Seufz, Stöhn*
Asante zeigt noch immer keine Regung. Außer einem leisen Papierrascheln ist von ihm nichts zu vernehmen, bis … er das Buch unvermittelt mit einem Schwung zuklappt und mit sehr ernster Miene verkündet: „Wir dürfen die Flasche keine Sekunde aus den Augen lassen! Wir dürfen n i e m a l s alle zur gleichen Zeit dort drinnen weilen! Eine*r muss immer Wache halten!“ Eindringlich fixieren seine leicht zusammengekniffenen Augen die beiden magischen Neulinge vor ihm. Was die beiden nicht wissen …: Asante hatte Vorkenntnisse, die ihm gewissermaßen einen Vorsprung gewähren! ‚Dieser studentische Zauberorden macht sich jetzt direkt für mich bezahlt! Nicht mal Preity oder Yasemine ahnten das Potenzial dahinter …‘
Der kenianische Sportstudent ist nicht unzufrieden mit der Entwicklung und grämt sich ganz sicher nicht so wie Cousinchen Elani, die nun mit weit geöffneten bangen Augen entsetzt nachhakt: „Wieso, was, weshalb, warum? Was passiert denn dann …, wenn … nicht?“ Selbst Keito schenkt Asante jetzt seine ganze Aufmerksamkeit: „Mist, ich dachte, die Flasche wären wir los! Hab‘ doch den höchsten Einsatz entboten für die Goldversion an Flaschenlösung!“ ‚Hat mich diese tibetische Nonne etwa reingelegt?‘
„Ja ha!“, lacht Asante nun leicht spöttisch. „Wir Flaschengeister*innen haben nun keine Flaschenmeister*innen mehr, können unsere noch ausbaufähige Magie ohne ein ‚Wünsch dir was‘ irgendwelcher Herr*innen ausleben, müssen nicht mehr fremden Befehlen gehorchen, a b e r …!“ Einen Moment hält Elanis Cousin bedeutsam inne, damit sie nun ganz achtsam seinen nächsten Worten lauschen. „Schnappt sich irgendeine andere Person außer uns Dreien die Flasche – vor allem während eine*r von uns darinnen ist …“ Wieder lässt Asante den angefangenen Satz mitten in der Luft hängen, während er Elanis und Keitos Reaktionen genau beobachtet.
Der Teen schlägt etwas unbeherrscht mit der flachen Hand auf den Tisch und blafft seinen Onkel gereizt an: „Nun mach’s nicht so spannend. Raus damit! Was, was, was ist dann, hä?!“ Seine Ma schaut dagegen erstarrt wie das sprichwörtliche Kaninchen auf die Schlange - kurz vor irgendwelchen katastrophalen Offenbarungen biblischen Ausmaßes.
Breit Grinsend lehnt sich Asante zurück, denn simultan entwirft der Ex-Soldat im Kopf bereits einen Schlachtplan wechselnder Wachsamkeit, während er die weiteren Aussichten ihrer künftigen Existenz präsentiert: „Na, der oder die in der Flasche oder auch wir alle drei werden wieder untertänigste Flaschengeistlein anderer Sim*innen! Wenn wir nicht gut aufpassen …“ Für Asante liegen die Vorteile klar auf der Hand. Sie sind freie Magier*innen, wie von ihm erwünscht. ‚Läuft doch eigentlich ganz gut für mich …, wenn wir achtsam genug sind.‘
Keitos entgeisterter Blick spricht Bände: „Seid ihr beiden eigentlich blöd? Denkt ihr ernsthaft daran, wieder in diese Flasche zu kriechen? Wozu??? Ich passe nicht auf euch auf!“ Ein wenig verächtlich lachend tippt er sich an die Stirn. ‚Erwachsene! Wo denken die eigentlich hin?‘
Asantes Grinsen vertieft sich noch: „Nein, musst du auch nicht, Keito! Das übernehmen schon deine Ma und ich!“ Ganz bestimmt lässt er diesen freigeistigen unreifen Jungspund nicht allein und unbeaufsichtigt Wache schieben und irgendwelche ungeübten magischen Experimente versuchen. Das wäre ja, als würde man den Bock zum Gärtner machen.
Beschwichtigend ergänzt Elani: „Keito, wir müssen hier vom Dach der Welt noch bis nach Japan gelangen und … wir haben nicht genug Geld. Die Flasche spart uns Übernachtungskosten, Verpflegung. Wohl sogar Reisekosten, wenn wir es geschickt genug anstellen. Hab‘ ich recht, Asante?“ Hilfesuchend blickt sie ihren Cousin an, der das Gesagte bestätigt: „Genau, wir werden unterwegs nicht ohne Weiteres etwas erwirtschaften können. Und wir kommen zügiger voran, wenn wir nicht überall Halt machen müssen, um ständig Arbeit nachfragen. Das müsste doch in deinem Interesse liegen, Keito. Oder ist es dir nicht mehr wichtig, so schnell wie möglich Yuna zu finden?“
‚Mist! Damit hat er mich!‘ Schmollend blickt Keito auf: „Ok, ok!“ ‚Scheiß Buddel, kotz, würg.‘ Unvermittelt tritt Keito nach dem Tischbein. Irgendwas muss jetzt büßen. ‚Jede Nacht in die Flasche! Ä t z e n d! Ich geb‘ mir gleich die Flasche!‘
„Und außerdem …“, fährt Asante nun doch wieder ernsthafter fort, „… sind wir eben nicht vollständig losgelöst von diesem Ding!“ Und damit schnippt er einmal kurz mit dem Zeigefinger gegen die Flasche vor ihnen auf dem Tisch, die ein leises Klirren von sich gibt. „Wir werden sie nie aus der Hand geben können und sollten sie ganz sicher nicht irgendwo unachtsam zurücklassen.“ ‚Außer, wir lösten uns ganz vom Magier*innen Dasein!‘ Und d a s liegt nicht in Asantes Interesse. D a s verschweigt er daher an dieser Stelle. Seine dunkel funkelnden Augen wandern über die Landschaft draußen vor dem Fenster: ‚Oleander, Jasmin … Yasemine!‘
Yasemine, seine Mitstudentin, war in der Provence bei ihrem Stiefvater aufgewachsen, kam aber ursprünglich mit ihrer Mutter aus Algerien. Nach Sommerreisen zu ihrer südfranzösischen Familie haftete ihr immer ein zarter Lavendelduft an, den Asante gerne an ihr roch. Mit Preity zusammen – der indischen Rose - bildeten sie ein zauberhaft aufregendes Trio Infernale.
Gemeinsam waren die drei in die Riten des studentischen Zauberordens eingeweiht worden. Für die beiden Frauen blieb es eher ein lustiger Zeitvertreib, aber Asante hatte höhere Ziele angestrebt, tiefer in die Materie einzudringen. Das hatte schon seinen Anfang in Kenia genommen - die Suche nach dem Übermächtigen, dem Unerklärbaren zwischen Erde und Himmel … oder auch einer Hölle, sofern es sie geben mag.
Elani dagegen war uralten Stammesriten schon längst entwachsen, hatte Asante gleich bei Ankunft in Brindleton gespürt. Sie war so … europäisiert worden, so Vernunft geprägt. Dem Sinnlichen wie dem Übersinnlichen mittlerweile verschlossen – was nicht zuletzt wohl auch Keitos niederträchtigem Vater zu verdanken war. ‚So etwas … entmystifiziert und … ernüchtert wohl in j e d e r Hinsicht.‘
„Ich kann aber mit dir oder Ma doch auch gemeinsam Wache schieben, oder? Ich muss doch nicht jede Nacht da drin abhängen!“, weist Keito für sich nach Auswegen suchend auf das verhasste Ding vor ihm. ‚Lieber mit Asante! Der lässt mehr durchgehen!‘
Elani ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken, Keito und Asante über sich wachen zu lassen, während sie allein in der Flasche weilt. Dennoch lenkt sie versöhnlich ein: „Aber sicher, Keito, nur nicht jede Nacht, ok?! Du brauchst doch auch etwas Ruhe!“ ‚Ich kann ihn nicht mehr vor allem beschützen, vermochte ich eigentlich schon lange nicht mehr … Hoffentlich achtet Asante gut auf ihn und … auf mich!‘ Elani ist sich darüber im Klaren, dass die beiden gewissen Vergnügungen nachgehen und eine Blume nach der anderen am Wegesrand erspähen werden. Sie muss darauf vertrauen, dass Asante dabei nicht sein Cousinchen und ihrer aller Schicksal – die Flasche – aus den Augen verliert.
Leicht schüttelt Elani sich bei dem Gedanken, irgendwelchen fremden Personen ausgeliefert zu sein. Nie mehr wollte sie sich so ohnmächtig fühlen wie bei … Keitos Vater Terence Sie sackt etwas trübsinnig in sich zusammen. ‚Ich werde nie mehr etwas empfinden können, nie mehr den Rausch, die Leidenschaft … Wie unbekümmert Asante und Keito sein können …‘
Asante spürt den Kummer seines Cousinchens, kann aber deren Herkunft gerade nicht genau erahnen. Er würde Elani wieder gerne so lachen sehen, wie er sie in seiner Kindheit in Erinnerung hatte. Manchmal war ihm das auch gelungen, seit er vor Monaten auf der Basis eines Auslandstipendiums in ihr Haus gekommen war. Aber mit seinem Akt der Verwandlung hatte sich wieder mehr Vorsicht bei ihr eingeschlichen – selbst vor ihm …
Das bedauert der Sportstudent, möchte aber dennoch keine Rückverwandlung in Kauf nehmen. Lieber lenkt er von diesem unangenehmen Gefühl, das ihm sachte Schuldgefühle vermittelt, schnell ab: „Na los, Keito, Elani. Dann probieren wir dieses Monster von Kessel endlich aus!“ Mit einem Schwung erhebt er sich abrupt vom Stuhl und schreitet den beiden eilig voraus: „Was waren Malecantus erste Anweisungen? Rühren, rühren, rühren? Das müsste dir doch liegen, Elani!“ Keito sprintet aufgeregt hinterher. Elani rollt mit den Augen und folgt langsamer hintendrein …
Der Teen beginnt als erster, den Riesenkochlöffel zu schwingen: „Rechts- oder linksherum?“ Elani blickt skeptisch in die brodelnde Brühe: „‘Egal‘ hatte der Meistermagier gemeint. Hauptsache kräftig rühren!“ Malecantus erwies sich nicht unbedingt als geduldiger und einfühlsamer Lehrmeister.
‚Merlin hat es sicher auch nicht immer einfach bei ihm in der Lehre!‘ Elani denkt gerne an den jungen Mann an Malecantus Seite zurück, mit dem sie auf einem Festival so herrlich Kochkenntnisse austauschen konnte. Er war richtig versiert mit tollen Tipps und auch ein guter Tänzer. Hach, Elani hatte sich mal wieder so richtig lebendig gefühlt. Und auch mit Lotta! Was hatten sie rumgealbert. ‚Was sie wohl macht? Wie es ihr wohl geht?Und Miyu? Hoffentlich geht es ihr und Yuna gut. Hoffentlich finden wir die beiden in Japan! Und Lotta irgendwann auch …‘
Schmerzliche Erinnerungen an die noch gar nicht so lang zurückliegenden persönlichen Verluste steigen in Elani empor, Sorge um deren Wohlergehen … Sie nutzt, was sie sonst immer in solchen Fällen macht … Fokussierung auf den Topf vor ihr, als wäre sie noch Küchenchefin in gehobener Gastronomie, die Anweisungen erteilt: „Langsamer rühren Keito! Kräftig, aber nicht zu heftig. Und nichts überschwappen lassen!“
Mit der Zeit werden dem Jungen die Arme lahm und Asante übernimmt. Zu Keitos Erstaunen, ohne den Löffel auch nur einmal zu berühren. Allein Asantes in eleganten Bewegungen durch die Luft fächelnden Hände versetzen das Kochwerkzeug bereits in Schwingungen. „Kann ich das auch lernen?!“, fragt Keito aufrichtig bewundern nach.
„Bist noch zu jung!“, lautet die knappe Antwort des Oheims.
„Und Ma?!“, will Keito wissen. „Kann die das auch gleich?“ Asante bleibt eine Antwort schuldig. Nur kurz schielt er zu Elani rüber, ob die sich auch Gedanken darüber macht, woher diese vorangeschrittene Fertigkeit stammt. Doch Elani lässt keine Irritation im Mienenspiel erkennen. Also belässt Asante es bei einem schulterzuckenden Schweigen. Was er nicht wirklich vom Cousinchen weiß … Elani hat schmerzlich lernen müssen, ihre Regungen oft hinter einer stoischen Maske zu verbergen. Sie hat sehr wohl die kunstvolle Magie begriffen, die in Asantes Gesten stecken. ‚Was hast du mir noch alles verborgen neben deinen Frauengeschichten, lieber Cousin?‘
N i c h t s lässt Elani sich äußerlich von ihrer zunehmenden Achtsamkeit Asante gegenüber anmerken! ‚Vielleicht … kann ich Malecantus mal heimlich fragen, woher solch magischer Vorteil bei meinem Cousin stammt? Oder … lieber Merlin!‘ Gregorius Malecantus ist Elani doch ein wenig … zu düster und unheimlich! Zu aufbrausend! Teen Keito eckt regelmäßig in den magischen Online-Lehrstunden bei dem Meistermagier an.