0 Neuanfang … …………………………………………………………………………………………………………………………………………….. Danke für die Erfahrungen und Kenntnisse, die ich im RPG sammeln durfte. Nach einer kurzen rauschhaften Zeit gehen die Geschic...
‚Echt Holzklasse!‘ Elani fragt sich gerade, warum sie ausgerechnet in dieser Nacht die Wacht über die Flasche übernommen hat, während der hart rumpelnde Zug sie immer weiter weg von Katmandu Richtung Grenze nach Myanmar und Siam trägt. Asante und Keito machen es sich gerade auf den gemütlichen Polstern innerhalb der Karaffe bequem, die Elani auf dem kleinen hölzernen Podest neben ihren Knien abgestellt hat.
Das Mobilphon schreckt Elani aus etwas trübsinnigen Gedanken hoch. ‚Zu so später Nacht? Wer …? Malecantus?‘„Hallo Gregorius!“, meldet sich Elani nicht sehr begeistert, allein die Ehre mit dem Meister-Magier zu haben. Auf Merlins Intervention hin meldet der sich sonst immer nur aus Übersee, wenn auf ihrer Erdhalbkugel Tag ist, damit sie ausreichend wach und aufnahmefähig für den zauberhaften Lehrplan sind, den Malecantus ihnen zusammengestellt hat.
„Die anderen beiden ruhen!“, erklärt Elani gerade abwehrend, in der Hoffnung, Gregorius würde sich dann umgehend verabschieden, aber der unterbricht sie nur kurzerhand: „Fein, fein! Genau darauf habe ich gesetzt!“ Der Lehrmeister hatte sich sehr wohl eingeprägt, wann wer Flaschenwache schieben sollte … Elani schwant nichts Gutes. Sie will hier nicht allein für irgendwas verantwortlich sein. Nicht bei Magiekram und so ’nem Zeug.
Malecantus weiß sehr wohl, wann es angezeigt ist, sein subtiles Charisma wirken zu lassen, welches er ohnehin besitzt und zu nutzen weiß. Ihm schwebt dabei nicht vor, Elani irgendwie über den Tisch zu ziehen. Er schätzt ihre zurückhaltende Wohlbesonnenheit, die sie an den Tag legt und spürt, dass sie schon lange nicht mehr irgendwelchen unaufrichtigen Charmeoffensiven vertraut. Genau deswegen möchte er sie als die erfolgversprechendere Vertraute der drei Neumagier*innen gewinnen, die etwas mehr eingeweiht werden darf. Der Meistermagier hat durchaus bemerkt, dass Asante ‚Vorkenntnisse‘ mitbrachte … ‚Aber, der ist unbedachter und Elani nun Mal umsichtiger.‘
Und Gregorius ist auch sehr auf Elanis Kochkünste gespannt, von denen Merlin in den höchsten Tönen schwärmte. Malecantus weiß, dass sein Geliebter sich sehr darüber freuen würde, die Meisterköchin wieder zu treffen. ‚Elani ist auch wirkliche eine angenehme und aparte Simin … Eine zarte Blume …‘ Er betrachtet sie etwas genauer … „Hör zu Elani!“, beginnt der Lehrmeister schmeicheln. „Ich weiß, dass es nicht dein freiwilliger Wunsch war, Magierin zu werden. Aber, ich glaube, in dir steckt wirklich das Zeug, etwas Gutes daraus zu entwickeln. Du handelst nicht leichtfertig, meinst es immer nur gut mit deinen Mitmenschen … Du würdest nie in schlechter Weise die Macht der Magie gegen andere verwenden, eigentlich nur, um ihnen zu helfen … Da hege ich völliges Vertrauen in dich!“
Wumms! Das hat gesessen! Elani ist sprachlos. Das hatte sie nicht aus dem Munde Malecantus erwartet und … irgendwie … fühlt sie sich auch ein bisschen geehrt. So hatte sie es noch nie betrachtet … Gregorius Worte entfalten die gewünschte Wirkung. Elani ist ganz Ohr. Doch noch warnt ein Stimmchen im Hintergrund. „Und das kannst du mir nur sagen …, wenn die anderen beiden nicht … zugegen sind?!“, hakt sie noch etwas misstrauisch nach.
Malecantus lächelt aufrichtig über ihre Wachsamkeit: „Genau d a s gefällt mir an dir, Elani! Trotz Schmeichelei bleibst du achtsam und auf der Hut. Das ist gut, genau richtig für eine angehende Magierin der hellen Seite. Überprüfe ruhig, was man dir um den nicht vorhandenen Bart schmieren möchte. Sei auch durchaus mir gegenüber vorsichtig, denn ich bin kein solch lichter Charakter wie du. Dazu stehe ich auch. Warum ich dich allein sprechen möchte?“ Der Hexenmeister macht eine beredte Pause.
„Nun, ich möchte nicht alle Kenntnisse und Möglichkeiten, die euch nun zur Verfügung stehen, allen zugleich offenbaren, denn ich befürchte, nicht alle vermögen so verantwortungsvoll damit umzugehen, wie ich es von dir erwarte, verstehst du, Elani?! Es geht darum, euch vor zu viel Macht auf einmal zu schützen. Daher musst du ein Geheimnis vor den anderen beiden bewahren können. Für eine Weile zumindest, bis sie auch so weit sind! Kannst du das, Elani?“ Abwartend blickt Gregorius seine Schülerin an, die sich gebührend Zeit für eine Antwort lässt. ‚Sie muss sich wahrhaftig dafür entscheiden, sonst geht es nicht, ist der Magier überzeugt und drängt in diesem Moment nicht.‘
Abschätzend nimmt Elani Malecantus ins Visier, als hätte sie jetzt ihrerseits einen Auszubildenden in einer ihrer gastronomischen Wirkungsstätten vor sich sitzen, der ihr Rede und Antwort zu stehen hat. Dem Lehrmeister gefällt durchaus auch diese selbstsichere Seite ihres Auftretens. ‚Wenn sie vertrautes Terrain unter den Füßen spürt, kann sie wirklich über sich herauswachsen. Oder wenn sie andere zu beschützen sucht … Ja, sie ist die Richtige!‘
„Und ich muss dem Deal zustimmen, bevor du mir verrätst, um was es geht?!“, ahnt Elani und blickt dem Magier fest in die Augen. ‚Wer will hier was von wem? Ihm wäre der Handel wichtiger als mir. Ich könnte auch leichtherzig ausschlagen, gleichwohl mich nun auch etwas Neugier treibt! Sein Lob scheint mir ehrlich und aufrichtig zu sein und … schmeichelhaft, das will ich zugeben. Merlin würde nicht zulassen, dass er liederliches Spiel mit mir triebe …‘
Spricht man vom Teufel oder denkt an ihn … Wobei Merlin wahrlich kein Teufel, sondern eher der Engel des Magier Duos ist … „Was ist, stimmt sie zu?“, flüstert es aus dem Hintergrund. Merlin kauert sich auf den Boden neben Gregorius: „Hi, Elani! Bitte, sag ja. Es soll zu deinem Schaden nicht sein!“ Er lächelt ihr so vertrauensselig entgegen, dass Elanis letzte Zurückhaltung dahin schmilzt: „Na gut. Ich willige ein! Jetzt bin ich aber gespannt …“
„Erst noch den heiligen Schwur!“ „Den w a s?!“ Malecantus räuspert sich etwas verlegen und wiederholt: „Der heilige Schwur! Zuerst der heilige Schwur!“
„‘Na gut. Ich willige ein‘…“, schnaubt die Meisterköchin verhalten zurück, „…reicht dir nicht zur Vertragsbesiegelung bei dem ganzen Vertrauen, das du mir als ködernde Vorschusslorbeeren gewährtest?“ Leicht amüsiert verliert Elani nun langsam immer mehr die Scheu vor Meistermagier Malecantus.
„Siehst du, sie kann richtig witzig werden, Gregorius. Hab‘ ich dir doch gesagt.“, erklärt Merlin dem Partner verschmitzt, der noch nicht das Vergnügen hatte, Elani mit all ihren auch verschütteten Facetten kennenzulernen. Interessiert nimmt Malecantus diese entzückende Dame noch etwas genauer unter die Lupe als vorher und Elani fühlt sich beachtet wie schon lange nicht mehr, ja sogar recht gelöst, mit diesen beiden Herren hier solch heiteren Schlagabtausch zu feiern. ‚Irgendwie … anregend, während dieser langweiligen unbequemen ruckeligen Tour auf Holzbänken.‘ Die Meisterköchin sieht der noch unbekannten Offerte des Meistermagiers jetzt schon etwas gefasster, aber auch wissbegieriger entgegen.
‚Wird ja eine zauberhafte, eine magische Menage á Trois.‘ Gregorius freut sich jetzt schon auf intensivere Begegnungen mit der entzückenden Elani. Merlin sowieso, der schon ahnt, was nun kommen wird: ‚Der heilige Schwur ist mal wieder Gregorius bestes Küchenlatein, nur Tamtam, um nochmal die Ernsthaftigkeit der Verschwiegenheit des Unterfangens zu unterstreichen.‘
„Omnibus Fidibus Magicus Malecantae Nostradamae et omnipotentus Plagiatus. Lupus et Agnus!“, murmelt Malecantus Ehrfurcht gebietend das Display an.
Redlich bemüht sich Elani, dieses unverständliche Kauderwelsch zu wiederholen und bricht zwischendurch bei einigen Begriffen in befreiendes Gelächter aus: „Omnibus? Ehrlich?“
Merlin kann ein Grienen kaum unterdrücken und Gregorius den Schalk nicht ganz in seinen irisierenden Augen verhehlen. „So werte Dame! Nun ist es getan!“, schließt er das vermeintliche heilige Gelöbnis ab. Er ist sich trotz der lockeren Verspieltheit in der Runde sicher, dass Elani die Notwendigkeit zur Verschwiegenheit verstanden hat. „Lass uns jetzt eine Poststation auf eurem Weg ausmachen, liebe Elani, bei der ihr solange verweilt, bis du ein gewisses Päckchen erhalten hast, von dem du nichts, aber auch rein gar nichts Keito und Asante wissen lässt. Und du wirst es erst öffnen, wenn wir wieder allein und ungestört kommunizieren können und ich dir weitere Anweisungen geben werde. Mehr sei vorerst nicht weiter verraten …“, erteilt Gregorius recht bestimmend die nächsten Anweisungen ohne jetzt tatsächlich schon Gehaltvolleres zu offenbaren.
„Ohhhhhh!“ Jetzt ist Elani aber doch enttäuscht. „Du lässt mich jetzt die ganze Zeit im eigenen Saft schmoren? Duuuu … Biest!“ Leichte Lachfältchen in ihren Augenwinkeln verraten Malecantus jedoch, dass sie nun trotzdem auch aufgeregt der Enthüllung entgegenfiebert und ihm nicht allzu gram ist. Ja, er hat sie am Haken! Sie hat angebissen!