Sul, Sul und hallo, ihr lieben =) Hier möchte ich nun meine Geschichte teilen. Vorher aber ein paar Worte zum Ablauf: Mein Ziel ist es, so viele Generationen wie möglich zu spielen. Dabei lasse...
An diesem Samstag verbrachte Nirvelli wieder einmal viel Zeit am Rechner. In der letzten Prüfung hatte sie weniger Punkte erreicht, als erhofft und so wollte sie ihr Lernpensum erhöhen.
Aber es gelang ihr nicht so recht, die Konzentration aufzubringen. Immer wieder schaute sie auf die Uhr. In weniger als zwei Stunden würde Tane eintreffen. Sie war nervös. Nein, sie hatte sogar richtige Angst vor dem, was er ihr sagen könnte. In ihrem Kopf hatte sie unzählige Szenarien durchgespielt, eines abstrakter als das nächste. In nur einem einzigen gestand er ihr seine Liebe. Nirvelli seufzte. Das Lernen hatte so keinen Sinn. Sie beschloss, nach unten zu gehen, einen Snack vorzubereiten und auf ihn zu warten. Vielleicht konnte sie einfach etwas Zeit mit der Familie und den Katzen verbringen, um sich abzulenken.
Sie wusste nicht, dass Tane bereits im Haus war. Mit Salim war er ins Kleinkind Zimmer gegangen, um sich einen Rat zu holen. "Es geht um Nirvelli.", begann er. Salim nickte wissend. "Sie war neulich nicht sonderlich gut drauf nach eurem Treffen." "Ja,", murmelte Tane, "kann ich mir denken."
"Was hast du angestellt?" Der Teenager zögerte. "Ich weiß nicht, ob es ihr recht wäre, wenn ich davon erzähle. Aber ich muss mir ihr reden und weiß nicht, wie." Salim wischte sich über den Bart. "Wo liegt das Problem?" "Ich fürchte, ich werde sie enttäuschen." "Verstehe." Der Familienvater löste den Blick vom Jungen und überlegte einen kurzen Moment. "So etwas ist immer schwierig.", sagte er dann. "Du kannst nicht viel tun, außer ihr klar zu machen, was du fühlst. Sei ehrlich und respektvoll. So habe ich versucht, sie zu erziehen und ich denke, das sind Dinge, auf die sie Wert legt." "Aber was ist, wenn sie wütend wird? Oder noch schlimmer, verletzt?"
"Das können wir leider nicht immer vermeiden. Vielleicht wird sie wütend, vielleicht auch gekränkt. Aber wenn ihr wirklich Freunde seid - und meiner Meinung nach seid ihr das - wird sie sich wieder beruhigen." Eindringlich sah er Tane in die Augen. "Und dann wird sie dankbar für deine Ehrlichkeit sein." Tane seufzte. "Ich wünschte, es gäbe einen anderen Weg." "So ist es leider manchmal. Und es ist eure Aufgabe, zu lernen, solche Situationen zu meistern. Aber ich bin sicher, ihr bekommt das hin." "Okay.", nickte Tane nachdenklich. "Danke." Salim stand auf und ging auf seinen jungen Freund zu. "Tut mir leid, dass ich dir nichts angenehmeres sagen kann." Aufbauend klopfte er mit der Hand auf Tanes Schulter und verließ den Raum. Der Gast blieb noch einige Sekunden sitzen, bevor er durchatmete und ebenfalls in Richtung Küche ging. Nirvelli, Oryana und Picasso saßen gemeinsam am Tisch und hatten etwas Obstsalat genossen. "Hey ihr. Was treibt ihr?", begrüßte Tane die Runde. "Essen, dann ausgehen." Oryana kaute noch auf dem letzten Bissen herum. "Allein?", versuchte er ein Gespräch zu entwickeln - aus purer Verzweiflung. Es könnte ihm die Scheu vor dem nehmen, was ihm bevorstand.
"Quatsch allein. Mit nem Footballtypen." "Wirklich? Ich wusste nicht, dass du auf Sportler stehst.", staunte er. "Ich bin jung,", grinste sie ihm zu, "ich stehe auf Vieles." Er schenkte ihr ein geübtes Lächeln. "Dann viel Spaß." Nirvelli hatte gerade begonnen, das Geschirr zusammen zu räumen, als er auf sie zukam und leise fragte: "Können wir reden?" "Jetzt?" "Ja, bitte." "Okay." Sie nickte kurz und beide gingen ins Wohnzimmer.
"Komm her." Er umklammerte sie und drückte sie fest an sich. "Es tut mir leid, was auf dem Dach passiert ist. Ich hab dich so unfassbar gern und will dich nicht verlieren." Er sprach leise, beinahe gebrechlich, fand Nirvelli. Sein Klang beunruhigte sie etwas. Eine schwere Last schien auf ihm zu liegen. "Komm, setzen wir uns.", sagte sie und löste sich aus seiner Umarmung.
Tane seufzte ein, dann ein zweites Mal, bevor er schließlich begann: "Okay, also du hast die komplette Wahrheit verdient. Und ich hoffe, dass du mir vergeben wirst und wir trotzdem noch Freunde sein können." "Mach es bitte nicht so dramatisch. Ich habe schon verstanden, dass du mich nicht so magst wie ich dich." "Das liegt aber nicht an dir.", sagte er. "Sondern?" Jetzt suchte er ihren Blick und lächelte zaghaft. "Ich bin schwul." Nirvelli starrte ihn überrascht an. "Was?"
"Ich stehe nicht auf dich, weil du kein Typ bist." "Ich weiß, was schwul bedeutet.", nickte sie langsam. "Es ist nur... Warum hast du mir das nie gesagt? Wir waren doch beste Freunde." "Von meiner Seite aus sind wir das noch immer." "Aber... warum hast du es mir dann nicht erzählt? Schämst du dich? " Er schmunzelte. "Nein, absolut nicht. Wofür auch?" "Was ist es dann?" Tane seufzte wieder, dieses Mal schwer und nachdenklich. "Ich schätze, ich hatte Angst. Als ich es meinen Eltern gesagt habe, ist mein Vater total ausgerastet. Er hat mich beschimpft und wollte mich aus dem Haus werfen." "Das kann ich nicht glauben." "Meine Mutter konnte ihn besänftigen, aber er hat seitdem nicht mehr mit mir gesprochen." Nirvelli wandte den Blick von ihm ab. "Das ist furchtbar. Es tut mir wirklich leid."
"Ich war dadurch total verunsichert.", fuhr er fort. "Und ich hätte es nicht verkraftet, noch so eine Abfuhr zu kassieren. Ich weiß, dass das falsch war und es tut mir leid." Sie lächelte. Sie war noch immer traurig, aber ein Teil in ihr fühlte auch Erleichterung. Nicht ihre Minderwertigkeit war der Grund für seine Zurückhaltung. Er hätte sich ebensowenig für jedes andere Mädchen interessiert. Auf eine merkwürdige Art beruhigte sie das. "Ist schon gut.", sagte sie. "Ich verstehe das." "Wirklich?" "Ja. Ich mache dir keinen Vorwurf." Tane lächelte erleichtert. Sie bemerkte, dass er einen heftigen Brocken hinunter würgte und seine Augen feucht wurden. Sie behielt ihre Beobachtungen für sich. Er sollte sich einen Moment nehmen können, um sich zu fangen. "Da ist ... noch etwas.", begann er nach einem Moment erneut. Schlagartig wurde sie wieder nervös. Was sollte jetzt noch kommen? "... Ja?" Er suchte offensichtlich nach den richtigen Worten, kaute auf seinen Lippen herum, atmete tief ein, als wollte er etwas sagen, schüttelte leicht den Kopf und stieß die Luft wieder aus. "Ich weiß nicht wie ich es sagen soll.", presste er dann hervor. "Aber ich will keine Geheimnisse mehr zwischen uns." "Okay... Was ist es?" "Es... ist mir wirklich unangenehm. Und es... fällt mir wirklich schwer, das zu sagen." "Was?" Wieder würgte er einen Schluck herunter. Sein Blick sprang unsicher in Richtung Flur, als wollte er sicher gehen, dass niemand sonst zuhörte. "Ich weiß, es ist mehr als unangebracht, aber..." "Tane!" Ihre Stimme klang schriller, als sie wollte und sie erschrak selbst etwas vor ihrem Ausruf. "Du machst mich nervös. Was ist es?"
"Salim." Tane starrte auf den Boden und regte sich nicht. Er wirkte wie ein gehetztes Tier, einen Moment, bevor dessen Körper zusammenbrach. Nirvelli starrte ihn mit großen Augen an. Sie wusste nicht, was sie von all dem halten sollte. Diese Situation gefiel ihr ganz und gar nicht. "Was ist mit ihm?" "Ich..." Er schloss die Augen und atmete noch ein Mal tief ein. "Ich bin verliebt in Salim."