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Fischreuse
5 years agoSeasoned Ace
Ort: Brindleton Bay Seegrasinsel / Strand unterm Leuchtturm
Charaktere: Lotta
Geschichtsstrang: 4. Strandcamping (7/10) - Mia
Pippilotta spürte sie mehr als dass sie sie sah. Eine Aura unendlicher Traurigkeit und Verletzlichkeit. Ihre feinen Nackenhaare hatten sich aufgestellt, eine Gänsehaut überzog ihren Arm und sie hatte sich unwillkürlich umdrehen müssen. Da stand sie, schaute vorsichtig zu ihnen zum Lagerfeuer hinüber, unschlüssig, ob sie sich nähern sollte, nähern dürfte. Pippilotta konnte gar nicht anders als ihr einen freundlichen Gruß zu entbieten und sie zu sich heran zu winken … an das wärmende Lagerfeuer.
„Kommen Sie, wärmen Sie sich mit uns ein bisschen am Feuer auf. Es wird langsam kühl,“ rief Pippilotta ihr zu. Der Abend war nicht mehr fern und vom Meer wehte eine auffrischende Brise herüber, die auch die schüchtern herannahende und recht luftig bekleidete junge Frau frösteln ließ. Dankbar nahm dieses das Angebot zaghaft an. Sie schien völlig überrascht über so eine winzige menschliche Geste der Freundlichkeit. Sie hatte sich kurz als Mia vorgestellt und Pippilotta freundlich auch ihren Namen genannt. Nun steht sie neben den anderen Strandbesuchern, die es heute zu dem kleinen Lagerfeuer verschlagen hatte.
Der Tag hatte fröhlich begonnen, Maryama mit ihren meergrünen lebhaften Augen den Nachmittag mit ihrem fröhlichen ansteckenden Lachen noch bereichert. Dennoch hatte Pippilotta gespürt, dass auch hier eine verletzte Seele verborgen war, die nach Neuanfang suchte. Eine Überraschung war der junge Nio, der Maryama als neu geschlossene Bekanntschaft vom Morgen am Nachmittag am Strand gleich wiedererkannte. Sie scheinen sich gut zu verstehen. Aber auch hier war tiefer Schmerz zu spüren, ein schwerer Verlust eines jungen Menschen. Mia aber scheint die Vereinigung unendlichen Leids zu sein.
Eine Woge schmerzvoller Erfahrungen und Erlebnisse überrollt Pippilotta, wie sie alle so um das Feuer herumstehen. Ihr Magen zieht sich schmerzhaft ruckend zusammen, die Luftröhre wird ihr zu eng. Sie muss sich wegdrehen, Sand im Auge vortäuschen. Wann war sie so empfänglich für Schmerz und Leid geworden? Als Tanuí ihr wild bedeutete, mit Takatuka zu fliehen? Als ihr Vater vor ihren Augen bei ihrer Rettung in den Fluten versank? Als sie, als … Pippilotta kann kaum die Bilder zulassen, die wieder vor ihr auftauchen … die Zeit ihrer Ankunft, das zerborstene Schiff, die Tochter aus einem sinkenden Wrack und sich selber ziehen zu müsse. Angst, es nicht rechtzeitig an die Wasseroberfläche zu schaffen. Takatuka hatte viel Wasser geschluckt, erbrochen, geweint.
Aber das, was dann noch folgte, übertraf bei Weitem alles Grauen, was sie bisher in ihren noch recht jungen Jahren je zu sehen bekommen hatte. Sie waren gestrandet in einer Welt voller Düsternis, Gefahren … und Mitleidslosigkeit. Hier vegetieren und sterben Menschen auf der Straße, Alte, Junge, Kinder. Wer schwach ist, wird ohne Gnade niedergetreten. Nachts auf ihren Rundgängen ist dieses Grauen besonders gut zu sehen, dass sich tagsüber in schattige Winkel zurückzieht. Einer sterbenden Alten in einer dunklen Seitengasse hatte sie gleich in der ersten Woche ihrer Ankunft mit Wasser aus der Pfütze das Leiden zu lindern gesucht, ihre trockenen aufgesprungenen Lippen immer wieder benetzt, als diese zittern darum bat … bis der letzte Atemzug aus ihr entwichen war. Passanten hatten sie gesehen, blieben aber nicht stehen, als Pippilotta sie um Hilfe anrief, eilten den Blick in andere Richtung wendenden oder mit gesenktem Kopf schnell weiter. Sie hatte nicht gewusst, was man hier mit alten sterbenden Menschen auf der Straße tat. Scheinbar … nichts! So hatte sie der Alten nur deren Mantel über den schon langsam erstarrenden Körper gelegt und war nach Haus geeilt. Takatuka schlief schon als Pippilotta sich würgend über das Waschbecken beugte, obwohl sie schon das meiste in der Straße direkt neben der toten Alten erbrochen hatte. Die Tränen liefen die ganze Nacht, bis keine Flüssigkeit mehr da war, um noch die brennenden Augen zu befeuchten. Bevor Takatuka aufwachte, hatte sie sich viele Male Wasser in das erschöpfte Gesicht gespritzt und dem Kind eine fröhliche Mutter präsentiert. Was kann ein Kind für diese Welt?
Ein Kind …! Das Neugeborene im Garten, in dem sie sich die ersten drei Tage ohne Nahrungsmittel und Frischwasser versteckten … neben dem Müllcontainer! Heute ihr Haus. Wenn sie Müll zum Container bringt, muss Pippilotta unwillkürlich jedes Mal erschaudern … Nein, nein! Heute nicht. Nicht dieses Bild! Noch nicht! Vielleicht nie. Pippilottas Magen zieht sich wieder schmerzhaft zusammen. Die anderen am Feuer, Takatuka - nie wird sie davon erzählen können. Tief, tief muss sie es vergraben und dort lassen. Die Fäuste lockern, den Körper aufrichten, den Magen entspannen, wie sie es unzählige Male in den letzten Wochen schon praktizierte, ein Lächeln auf die Lippen, atmen, noch einmal … und noch einmal tief Luft holen.
Lächelnd wendet sich Pippilotta der Gruppe am Feuer wieder zu. „Und alle ein bisschen aufgewärmt? Darf ich zu Stockfisch und -brot einladen?“ Alle nehmen dankbar an, scheinen sich in der kleinen Runde soweit wohl zu fühlen, obwohl man … sich kaum kennt. Man schwätzt über das Wetter, die frische Brise, den köstlichen Fisch, Takatukas Kapriolen und selbst Mia lächelt ein wenig zaghaft.
Pippilotta fragt nicht. Es werden keine Adressen oder Telefonnummer aus so kurzer zufälliger Bekanntschaft Schicksalsgeschlagener ausgetauscht. Aber sie lädt jeden dieser geschundenen Seelchen ein, jederzeit gerne bei ihr vorbeizuschauen, in der Villa Langstrumpf in San Myshuno an den Docks - auf einen Tee, einen Saft oder auch … ein Ohr. Aber das letzte sagt Pippilotta nicht laut. Sie muss hier nichts befürchten, in dieser Runde, wenn sie ihren Wohnort preisgibt. Wer es braucht, findet den Weg in ihr Haus.
Als alle gesättigt und versonnen ins Feuer starren, schweift Pippilotta in Gedanken wieder ab. Nael, den sie beim Angeln traf war ein Lichtblick. Er schien nicht von solchem Schmerz getragen, freundlich und verantwortlich. Die Erinnerung an Väter, die mit ihren Söhnen an den Docks angelten, lässt ein leichteres Bild in Pippilotta auftauchen. Für heute will sie an diesem friedlichen Gefühl festhalten und lächelt Takatuka, die schon schläfrig zu werden beginnt, aufmunternd zu. „Schatz, wir brechen bald auf.“ Zur Runde um das Lagerfeuer gewandt: „Wir müssen leider bald die Heimreise antreten. Takatuka braucht ihren Schlaf und wir haben noch eine kleine Fahrt vor uns. Es hat mich sehr gefreut, einen so netten Nachmittag mit euch verbracht zu haben.“ Bei Stockfisch und Brot hatte man sich auf das gegenseitige Du verständigt. „Ihr seid jederzeit herzlich in der Villa Långstrump eingeladen“, wiederholt Pippilotta ihr Angebot noch einmal und beginnt das Zelt abzubauen, während sich die Gruppe langsam auflöst. Eigentlich hat sie selber bitter Hilfe nötig, aber Pippilotta kann nicht anders als den Geschundenen und Geschlagenen dieser für sie unbegreiflichen Welt die Hand zu reichen und die Tür zu öffnen. Oh, Takatuka, du mein verschollenes Paradies. Die beiden Welten könnten nicht gegensätzlicher sein. Nachtschatten waren hier noch nicht das Schlimmste.
Langsam trotten Pippilotta, Takatuka und Böser Wolf die Düne Richtung Heimreise hinauf. Takatuka gähnt schon heftig und möchte getragen werden. Pippilotta schultert neben Zelt und Gitarre auch das müde Kind und schreitet weiter voran.
Charaktere: Lotta
Geschichtsstrang: 4. Strandcamping (7/10) - Mia
Pippilotta spürte sie mehr als dass sie sie sah. Eine Aura unendlicher Traurigkeit und Verletzlichkeit. Ihre feinen Nackenhaare hatten sich aufgestellt, eine Gänsehaut überzog ihren Arm und sie hatte sich unwillkürlich umdrehen müssen. Da stand sie, schaute vorsichtig zu ihnen zum Lagerfeuer hinüber, unschlüssig, ob sie sich nähern sollte, nähern dürfte. Pippilotta konnte gar nicht anders als ihr einen freundlichen Gruß zu entbieten und sie zu sich heran zu winken … an das wärmende Lagerfeuer.
„Kommen Sie, wärmen Sie sich mit uns ein bisschen am Feuer auf. Es wird langsam kühl,“ rief Pippilotta ihr zu. Der Abend war nicht mehr fern und vom Meer wehte eine auffrischende Brise herüber, die auch die schüchtern herannahende und recht luftig bekleidete junge Frau frösteln ließ. Dankbar nahm dieses das Angebot zaghaft an. Sie schien völlig überrascht über so eine winzige menschliche Geste der Freundlichkeit. Sie hatte sich kurz als Mia vorgestellt und Pippilotta freundlich auch ihren Namen genannt. Nun steht sie neben den anderen Strandbesuchern, die es heute zu dem kleinen Lagerfeuer verschlagen hatte.
Der Tag hatte fröhlich begonnen, Maryama mit ihren meergrünen lebhaften Augen den Nachmittag mit ihrem fröhlichen ansteckenden Lachen noch bereichert. Dennoch hatte Pippilotta gespürt, dass auch hier eine verletzte Seele verborgen war, die nach Neuanfang suchte. Eine Überraschung war der junge Nio, der Maryama als neu geschlossene Bekanntschaft vom Morgen am Nachmittag am Strand gleich wiedererkannte. Sie scheinen sich gut zu verstehen. Aber auch hier war tiefer Schmerz zu spüren, ein schwerer Verlust eines jungen Menschen. Mia aber scheint die Vereinigung unendlichen Leids zu sein.
Eine Woge schmerzvoller Erfahrungen und Erlebnisse überrollt Pippilotta, wie sie alle so um das Feuer herumstehen. Ihr Magen zieht sich schmerzhaft ruckend zusammen, die Luftröhre wird ihr zu eng. Sie muss sich wegdrehen, Sand im Auge vortäuschen. Wann war sie so empfänglich für Schmerz und Leid geworden? Als Tanuí ihr wild bedeutete, mit Takatuka zu fliehen? Als ihr Vater vor ihren Augen bei ihrer Rettung in den Fluten versank? Als sie, als … Pippilotta kann kaum die Bilder zulassen, die wieder vor ihr auftauchen … die Zeit ihrer Ankunft, das zerborstene Schiff, die Tochter aus einem sinkenden Wrack und sich selber ziehen zu müsse. Angst, es nicht rechtzeitig an die Wasseroberfläche zu schaffen. Takatuka hatte viel Wasser geschluckt, erbrochen, geweint.
Aber das, was dann noch folgte, übertraf bei Weitem alles Grauen, was sie bisher in ihren noch recht jungen Jahren je zu sehen bekommen hatte. Sie waren gestrandet in einer Welt voller Düsternis, Gefahren … und Mitleidslosigkeit. Hier vegetieren und sterben Menschen auf der Straße, Alte, Junge, Kinder. Wer schwach ist, wird ohne Gnade niedergetreten. Nachts auf ihren Rundgängen ist dieses Grauen besonders gut zu sehen, dass sich tagsüber in schattige Winkel zurückzieht. Einer sterbenden Alten in einer dunklen Seitengasse hatte sie gleich in der ersten Woche ihrer Ankunft mit Wasser aus der Pfütze das Leiden zu lindern gesucht, ihre trockenen aufgesprungenen Lippen immer wieder benetzt, als diese zittern darum bat … bis der letzte Atemzug aus ihr entwichen war. Passanten hatten sie gesehen, blieben aber nicht stehen, als Pippilotta sie um Hilfe anrief, eilten den Blick in andere Richtung wendenden oder mit gesenktem Kopf schnell weiter. Sie hatte nicht gewusst, was man hier mit alten sterbenden Menschen auf der Straße tat. Scheinbar … nichts! So hatte sie der Alten nur deren Mantel über den schon langsam erstarrenden Körper gelegt und war nach Haus geeilt. Takatuka schlief schon als Pippilotta sich würgend über das Waschbecken beugte, obwohl sie schon das meiste in der Straße direkt neben der toten Alten erbrochen hatte. Die Tränen liefen die ganze Nacht, bis keine Flüssigkeit mehr da war, um noch die brennenden Augen zu befeuchten. Bevor Takatuka aufwachte, hatte sie sich viele Male Wasser in das erschöpfte Gesicht gespritzt und dem Kind eine fröhliche Mutter präsentiert. Was kann ein Kind für diese Welt?
Ein Kind …! Das Neugeborene im Garten, in dem sie sich die ersten drei Tage ohne Nahrungsmittel und Frischwasser versteckten … neben dem Müllcontainer! Heute ihr Haus. Wenn sie Müll zum Container bringt, muss Pippilotta unwillkürlich jedes Mal erschaudern … Nein, nein! Heute nicht. Nicht dieses Bild! Noch nicht! Vielleicht nie. Pippilottas Magen zieht sich wieder schmerzhaft zusammen. Die anderen am Feuer, Takatuka - nie wird sie davon erzählen können. Tief, tief muss sie es vergraben und dort lassen. Die Fäuste lockern, den Körper aufrichten, den Magen entspannen, wie sie es unzählige Male in den letzten Wochen schon praktizierte, ein Lächeln auf die Lippen, atmen, noch einmal … und noch einmal tief Luft holen.
Lächelnd wendet sich Pippilotta der Gruppe am Feuer wieder zu. „Und alle ein bisschen aufgewärmt? Darf ich zu Stockfisch und -brot einladen?“ Alle nehmen dankbar an, scheinen sich in der kleinen Runde soweit wohl zu fühlen, obwohl man … sich kaum kennt. Man schwätzt über das Wetter, die frische Brise, den köstlichen Fisch, Takatukas Kapriolen und selbst Mia lächelt ein wenig zaghaft.
Pippilotta fragt nicht. Es werden keine Adressen oder Telefonnummer aus so kurzer zufälliger Bekanntschaft Schicksalsgeschlagener ausgetauscht. Aber sie lädt jeden dieser geschundenen Seelchen ein, jederzeit gerne bei ihr vorbeizuschauen, in der Villa Langstrumpf in San Myshuno an den Docks - auf einen Tee, einen Saft oder auch … ein Ohr. Aber das letzte sagt Pippilotta nicht laut. Sie muss hier nichts befürchten, in dieser Runde, wenn sie ihren Wohnort preisgibt. Wer es braucht, findet den Weg in ihr Haus.
Als alle gesättigt und versonnen ins Feuer starren, schweift Pippilotta in Gedanken wieder ab. Nael, den sie beim Angeln traf war ein Lichtblick. Er schien nicht von solchem Schmerz getragen, freundlich und verantwortlich. Die Erinnerung an Väter, die mit ihren Söhnen an den Docks angelten, lässt ein leichteres Bild in Pippilotta auftauchen. Für heute will sie an diesem friedlichen Gefühl festhalten und lächelt Takatuka, die schon schläfrig zu werden beginnt, aufmunternd zu. „Schatz, wir brechen bald auf.“ Zur Runde um das Lagerfeuer gewandt: „Wir müssen leider bald die Heimreise antreten. Takatuka braucht ihren Schlaf und wir haben noch eine kleine Fahrt vor uns. Es hat mich sehr gefreut, einen so netten Nachmittag mit euch verbracht zu haben.“ Bei Stockfisch und Brot hatte man sich auf das gegenseitige Du verständigt. „Ihr seid jederzeit herzlich in der Villa Långstrump eingeladen“, wiederholt Pippilotta ihr Angebot noch einmal und beginnt das Zelt abzubauen, während sich die Gruppe langsam auflöst. Eigentlich hat sie selber bitter Hilfe nötig, aber Pippilotta kann nicht anders als den Geschundenen und Geschlagenen dieser für sie unbegreiflichen Welt die Hand zu reichen und die Tür zu öffnen. Oh, Takatuka, du mein verschollenes Paradies. Die beiden Welten könnten nicht gegensätzlicher sein. Nachtschatten waren hier noch nicht das Schlimmste.
Langsam trotten Pippilotta, Takatuka und Böser Wolf die Düne Richtung Heimreise hinauf. Takatuka gähnt schon heftig und möchte getragen werden. Pippilotta schultert neben Zelt und Gitarre auch das müde Kind und schreitet weiter voran.