Forum Discussion
3 years ago
Ort: Magischer Wald
Charaktere: Familie Nebeljäger, Adam
Titel: Reise in eine fremde Welt
Teil 2
Der Portal Warp bringt sie auf eine Lichtung am Waldrand. Der Mond scheint hell am Firmament. Adam atmet durch. "Glück gehabt."
Lilly sieht sich um. Bisher kann sie keinen Zentauren entdecken. Aber vielleicht hat man ihr Eindringen bereits bemerkt.
Der Deathdealer sieht sich um. "Merkwürdig ...", fängt er an. "Es ist ... still ... zu still für meinen Geschmack." Seine Hand zuckt nervös. Sein Augenpaar scannt die Umgebung ab. Die innere Anspannung lässt seine Iris blau aufleuchten. "Kommt ... wir können nicht darauf warten, bis sich die Zentaur zeigen." Er läuft los.
Adam wirkt nervös... das ist kein gutes Zeichen. Schweigend folgen die beiden Nebeljäger dem Deathdealer. Sie laufen eine Weile durch den Wald. Tatsächlich zeigt sich kein Tier. Nicht mal der Ruf einer Eule ist zu hören. "Diese Stille gefällt mir nicht", sagt Adam zu Viktor und Lilly.
"Ja, es ist, als würde man uns beobachten.", bestätigt auch Viktor dieses Gefühl.
Adam nickt. "Wir sollten wachsam sein ... nicht dass ..." Plötzlich schlägt ein Pfeil in einem Baumstamm ein. Er hat Lilly nur um wenige Zentimeter verfehlt. Der Soldat bemerkt dies und spürt im nächsten Moment einen Pfeil in seinem Brustkorb. Er beißt auf die Zähne und ruft laut: "Versteckt euch in die Baumkronen. Schnell!" Seine Augen sind geweidet und leuchten tiefblau.
Da Adam nicht die Fledermausgestalt kann, bleiben ihnen tatsächlich nur die Baumkronen... die beiden Nebeljäger würden ihn nicht alleine zurück lassen. Zuerst hat Lilly an einen Warnschuss gedacht, der sie bewusst nicht treffen sollte, aber als Adam dann tatsächlich getroffen wird, verwirft sie diesen Gedanken. Das war kein Warnschuss - das war ein Angriff. Die drei verstecken sich nun tatsächlich in den Baumkronen... als auch Lilly einen stechenden Schmerz im Arm spürt. "Aua!", ruft sie, die es nicht so gewohnt ist wie Adam, der es wortlos hinnahm ohne aufzuschreien.
Aber man hat sie ja ohnehin schon bemerkt und so wird das Schreien daran auch nichts mehr ändern. Sie versteckt sich, während Viktor besorgt auf Lillys Arm schaut. Es ist nur ein Streifschuss gewesen und der Pfeil ist irgendwo anders stecken geblieben. Wenn kein Gift verwendet wurde, ist die Verletzung nichts, was lebensgefährlich wäre. Hoffentlich wurde kein Gift verwendet.
Adam beißt auf die Zähne und zieht den Pfeil aus seiner Brust. Elende Bastarde, denkt er sich.
Eine laute Stimme ertönt: "Verschwindet aus unserem Wald! Haut ab!" Man hört wie viele Hufe den Boden zum beben bringen und die Zentaur Krieger sich zeigen. Sie sind sehr groß und maskulin. Wie bei Wildpferden gibt es sie in allen Formen und Farben. Der Deathdealer ruft zurück: "Wir kommen in friedlicher Absicht! Es gibt keinen Grund uns hinterhältig anzugreifen!" Ein großer Hengst tritt näher. "Lügner! Ihr wollt doch nur uns schaden ... Elende Schattenwesen! Kehrt in euer Loch zurück, aus dem ihr gekrochen seid!" Zustimmend wiehern und lachen die anderen Krieger.
Lilly reißt sich ebenfalls zusammen. "Wir haben auch ein Willkommensgeschenk.", sagt sie ruhig und wirft Adam einen Blick zu, der die Gänseblümchen zuletzt hatte.
"Das stimmt. Lasst die Waffen ruhen ... Ich komme runter und übergebe euch das Geschenk, als Zeichen unserer friedlichen Absicht." "Lügner!", brüllen die Zentauren zurück, als sie ohne Vorwarnung verstummen. Ein alter, ergrauter Zentaur nähert sich. Die Mitglieder der Herde zollen ihm Respekt. Der Hengst bleibt vor dem Baum stehen und sagt in durchdringender Tonlage: "Wenn das wahr ist, dann verwerfe deine Waffen und komm dann vom Baum!" Die Aufforderung ist klar. Adam beißt auf die Zähne. Er sieht zu den Nebeljägern. Aber er hat keine Wahl. Wenn sie tatsächlich beweisen wollen, dass sie keine bösen Absichten verfolgen, müssen sie der Aufforderung nachkommen. Der Deathdealer springt vom Baum und legt sofort seine Feuerwaffen und die Rauchbombe ab. Die Bögen der Fabelwesen sind angespannt und können jederzeit ihre Pfeile losfeuern. Doch der alte Zentaur hat seine Hand erhoben, so dass die Artgenossen sich zurück halten sollen. Adam nimmt den kleinen Jutesack mit den Gänseblümchen und zeigt diesen dem Ältesten. "Hier ... überzeugt euch selbst, dass wir die Natur und das Leben wertschätzen." Er reicht das Geschenk dem Zentaur, ohne sich zu erheben. Damit will Adam seine Unterwürfigkeit demonstrieren. Als der Alte einen Schritt vorwärts läuft, ruft ein jüngerer Hengst: "Cheiron. Warte. Vielleicht ist das eine Falle!" Er wirkt besorgt. Wieder erhebt der Zentaur die Hand. "Ich weiß, was ich tue, Agrios!", weißt Cheiron den Jüngeren zurecht.
Adam sieht nun doch auf und sagt ehrfürchtig: "D-e-r Cheiron? ... Der Weiseste von allen?" Der Vampir schluckt. Alte Sagen und Legenden preisen diesen Zentauren für seinen Mut und seine Weisheit. Das Fabelwesen kommt näher und ergreift den Jutesack. "So ist es, Fremder." Cheiron begutachtet das Geschenk und riecht an den Blumen. Dann wendet er sich seiner Herde zu. "Sie sagen die Wahrheit. ... Seht her!" Als die Artgenossen die Gänseblümchen erblicken, fangen sie an miteinander zu diskutieren und Adam zu mustern.
Cheiron spricht weiter: "Du hast dein Geschenk weise gewählt, Vampir. ... Gänseblümchen stehen für die aufrichtige Wahrheit. Einer Daisy misstraut ein Zentaur nicht. ... Ich bedaure den unglücklichen Empfang. Lasst uns das nun nachholen. Willkommen im magischen Wald, Fremde. Wie können wir euch weiterhelfen?"
Viktor und Lilly klettern nun auch herunter. Die Nebeljäger lächeln. "Verzeiht unser Eindringen.", beginnt Lilly ruhig. Sie hat nichts dabei, um ihre Wunde am Arm zu versorgen. Aber wenn Adam seine Verletzung aushält, die ja schlimmer ist als die ihre, kann sie das auch. "Aber es ist wichtig. Wir haben den Verdacht, dass das Gleichgewicht bedroht ist. Jemand machte Jagd auf Einhörner." Sie sieht zu Adam, der hier eher der Experte ist. Hoffentlich macht sie keinen Fehler, das Wort zu ergreifen.
Cheiron sieht Lilly an und schweigt zunächst. Bevor Adam was sagen kann, antwortet der Zentaur: "Die Einhörner gibt es nicht mehr. ... Unsere Schwestern und Brüder sind vor langer Zeit ausgerottet worden. ... Das letzte, bekannte Einhorn hieß Amalthea und wurde in eine Frau verwandelt. Es starb jenseits der Nordwinde in einem Königreich. ... Eure Suche ist daher zum Scheitern verurteilt."
Lilly räuspert sich: "Wir glauben, dass mindestens eines davon noch lebt, oder zumindest vor kurzem noch gelebt hat. Wir haben Spuren gefunden, die auf ein Einhorn hindeuten." Lilly fasst die Spurensuche kurz zusammen. Viktor betrachtet seine Gefährtin stolz. Er selbst ist zwar ein Genie, aber auch kein großer Redner. Diplomatie überlässt er lieber anderen. Und so ergänzt er die Erzählung nur kurz, wenn Lilly etwas vergessen hat, aber lässt sie ansonsten reden.
Adam erhebt sich nun und fügt hinzu: "Ehrenwerter Cheiron, wir stehen im Zeichen von Daisy. Bitte glaubt uns. ... Zusätzlich schwöre ich bei Alucard und meiner Lordschaft. ... Bitte helft uns dieses Rätsel zu lösen." Der Gefragte schweigt jedoch. Man spürt, dass die Zentauren den Vampiren misstrauen, trotz dem Geschenk, welches das Eis sprichwörtlich brechen sollte. Eine junge Stute tritt neben Cheiron und legt ihre Hand auf seinen muskulösen Arm. Sie sieht den Älteren nur mit großen Augen an. Dieser seufzt laut. "In Ordnung. Kommt mit uns, zu unserem Unterschlupf. ... Des Nachts, sollte man auf die Schatten achten." Die Herde setzt sich in Bewegung. Adam sieht zu den Nebeljägern. "Was meint ihr?" ... In der Ferne ertönt das Geheul eines Wolfes.
"Was bleibt uns anderes übrig.", meint Viktor leise. "Wir sollten folgen." Bei dem Geheul des Wolfes muss Lilly an Vero denken, und an deren Geschichte über den Werwolf. Doch dieses Geheul hört sich eher nach einem ganz normalen Wolf an, zumindest hofft sie das.
Auch Adams Hand zuckt bei dem Geräusch. "Achte auf die Schatten ... welch wahre Worten. ... Dann folgen wir ihnen." Der Deathdealer sammelt seine Waffen ein und folgt mit Lilly, sowie Viktor den Zentauren tiefer in den Wald. Eine Weile kämpfen sie sich durch Gestrüpp und Stolpersteinen, bis sie zu einer Höhle kommen, in der eine Feuerstelle hell lodert.
Wächter, die die Fremden erkennen, spannen ihre Bögen. Doch Cheiron beschwichtigt die Situation und lädt die Vampire ein, es sich in der Höhle am Feuer gemütlich zu machen. Adam setzt sich auf einen Blätterhaufen und bekommt ein Getränk gereicht. Das gleiche erhalten Lilly und Viktor. Cheiron legt sich neben ihnen auf ein Blätterbett ab. "Das ist ein Tee aus Hirtentäschelkraut, Salbei und Johanniskraut. Er wird eure Wunden und Schmerzen lindern." Der Soldat sieht erst zu seines Gleichen, riecht dann am Tee und nimmt einen Schluck.
Nachdem Adam getrunken hat, wagt es auch Lilly. Auch wenn Viktor selber nicht verletzt ist, trinkt auch er. Man hat auch ihm einen Tee überreicht. Es wäre unhöflich, ihn abzulehnen.
Andere Zentauren stehen nun um sie herum oder liegen ebenfalls am Lagerfeuer. Cheiron spricht weiter. "Hier sind wir alle sicher. ... Die Wälder sind seit längerem kein sicherer Ort mehr. Vor allem haben dies die Einhörner mit einem hohen Blutzoll bezahlen müssen. ... Einerseits selbstverschuldet, durch ihre Eitelkeit und Naivität ... Andererseits haben viele Magier sie gezielt gejagt. Ihnen war es egal, ob es eine Stute mit Fohlen war oder ein Hengst. Ob alt oder jung ... keines von ihnen war sicher."
Viktor ballt seine Faust, als er das Wort Magier hört. Die Nervensäge Malecantus fällt ihm wieder ein. Oder noch schlimmer: Rasputin. Bevor die Zentauren die Geste missverstehen und denken, sie sei an sie gerichtet, mischt sich Lilly ein: "Mein Gefährte hat seine Eltern durch einen Magier verloren. Der selbe Magier, von dem wir vermuten, dass er auch an der Jagd auf Einhörner beteiligt war." Viktor, der seine Hände bereits wieder unter Kontrolle hat, nickt. "Nicht jeder Magier ist so. Eine gute Freundin von mir ist Magierin, doch sie strebt nicht nach Macht... und das ist, was mir besonders an ihr gefällt. Aber Rasputin... Derjenige, der meine Eltern auf dem Gewissen hat, ist anders. Machthungrig. Skrupellos. Gefährlich. Wir sind unter anderem auch auf der Jagd nach ihm."
Der alte Hengst hört ihnen zu. "Ich verstehe ... Auch mir ist Rasputin bekannt ... Er besuchte einst diese Wälder. Sein Anliegen war laut eigener Aussage: Die Schönheit unserer Natur zu erfassen. Er schien ein Gelehrter zu sein."
"Er hat viele getäuscht.", sagt Viktor, "auch meine Eltern vertrauten ihm und ahnten nichts von seinen eigentlichen Plänen."
"Dies ist auch der Grund, weshalb wir Zentauren ... als wir das Leid unter den Einhörnern und Phönixe mit ansehen mussten ... keinem Sinn oder anderer Kreatur trauen. ... Natürlich kann man unser Vertrauen gewinnen. Allerdings werdet ihr verstehen können, dass eine Grundskepsis bestehen bleibt." Cheiron ist hierbei sehr direkt und macht kein Geheimnis drum.
Viktor versteht das durchaus. Auch er neigt dazu, Fremden erst mal zu misstrauen. "An einer gewissen Grundskepsis ist nichts falsches dran.", sagt er. Und auch Lilly kann das nachvollziehen, auch wenn sie der Meinung ist, ihr Gefährte übertreibt es damit manchmal. Zum Beispiel, als Chip zu Besuch war und er von Viktor gleich bedroht wurde, Viola ja nicht zu verletzen. Aber im Fall der Zentauren können diese Fabelwesen nicht vorsichtig genug sein.
Adam hört aufmerksam zu und sagt schließlich: "Weiser Cheiron ... das Leid hat uns alle ereilt. Jeder von uns kann eine Geschichte von Schmerz berichten ... Aber ... bei allem Respekt ... wir sind nicht für solche Geschichten da. ..." Der Zuhörer schlägt mit seinem Schweif aus und erwidert. "Ich weiß ... ihr seid davon überzeugt, dass es noch ein Einhorn geben muss. ... Nun ... was ich euch nun berichte, ist ein strenggehütetes Geheimnis der Zentaur. ... Diese Information kann ich natürlich nicht ohne weiteres Preis geben." Der Deathdealer hat so etwas geahnt. "Und was müssen wir dafür tun?"
Auch die Nebeljäger hören aufmerksam zu, was der Zentaur für einen Preis verlangen würde.
(In Zusammenarbeit mit @KFutagoh89 )
(Fortsetzung folgt...)
Charaktere: Familie Nebeljäger, Adam
Titel: Reise in eine fremde Welt
Teil 2
Der Portal Warp bringt sie auf eine Lichtung am Waldrand. Der Mond scheint hell am Firmament. Adam atmet durch. "Glück gehabt."
Lilly sieht sich um. Bisher kann sie keinen Zentauren entdecken. Aber vielleicht hat man ihr Eindringen bereits bemerkt.
Der Deathdealer sieht sich um. "Merkwürdig ...", fängt er an. "Es ist ... still ... zu still für meinen Geschmack." Seine Hand zuckt nervös. Sein Augenpaar scannt die Umgebung ab. Die innere Anspannung lässt seine Iris blau aufleuchten. "Kommt ... wir können nicht darauf warten, bis sich die Zentaur zeigen." Er läuft los.
Adam wirkt nervös... das ist kein gutes Zeichen. Schweigend folgen die beiden Nebeljäger dem Deathdealer. Sie laufen eine Weile durch den Wald. Tatsächlich zeigt sich kein Tier. Nicht mal der Ruf einer Eule ist zu hören. "Diese Stille gefällt mir nicht", sagt Adam zu Viktor und Lilly.
"Ja, es ist, als würde man uns beobachten.", bestätigt auch Viktor dieses Gefühl.
Adam nickt. "Wir sollten wachsam sein ... nicht dass ..." Plötzlich schlägt ein Pfeil in einem Baumstamm ein. Er hat Lilly nur um wenige Zentimeter verfehlt. Der Soldat bemerkt dies und spürt im nächsten Moment einen Pfeil in seinem Brustkorb. Er beißt auf die Zähne und ruft laut: "Versteckt euch in die Baumkronen. Schnell!" Seine Augen sind geweidet und leuchten tiefblau.
Da Adam nicht die Fledermausgestalt kann, bleiben ihnen tatsächlich nur die Baumkronen... die beiden Nebeljäger würden ihn nicht alleine zurück lassen. Zuerst hat Lilly an einen Warnschuss gedacht, der sie bewusst nicht treffen sollte, aber als Adam dann tatsächlich getroffen wird, verwirft sie diesen Gedanken. Das war kein Warnschuss - das war ein Angriff. Die drei verstecken sich nun tatsächlich in den Baumkronen... als auch Lilly einen stechenden Schmerz im Arm spürt. "Aua!", ruft sie, die es nicht so gewohnt ist wie Adam, der es wortlos hinnahm ohne aufzuschreien.
Aber man hat sie ja ohnehin schon bemerkt und so wird das Schreien daran auch nichts mehr ändern. Sie versteckt sich, während Viktor besorgt auf Lillys Arm schaut. Es ist nur ein Streifschuss gewesen und der Pfeil ist irgendwo anders stecken geblieben. Wenn kein Gift verwendet wurde, ist die Verletzung nichts, was lebensgefährlich wäre. Hoffentlich wurde kein Gift verwendet.
Adam beißt auf die Zähne und zieht den Pfeil aus seiner Brust. Elende Bastarde, denkt er sich.
Eine laute Stimme ertönt: "Verschwindet aus unserem Wald! Haut ab!" Man hört wie viele Hufe den Boden zum beben bringen und die Zentaur Krieger sich zeigen. Sie sind sehr groß und maskulin. Wie bei Wildpferden gibt es sie in allen Formen und Farben. Der Deathdealer ruft zurück: "Wir kommen in friedlicher Absicht! Es gibt keinen Grund uns hinterhältig anzugreifen!" Ein großer Hengst tritt näher. "Lügner! Ihr wollt doch nur uns schaden ... Elende Schattenwesen! Kehrt in euer Loch zurück, aus dem ihr gekrochen seid!" Zustimmend wiehern und lachen die anderen Krieger.
Lilly reißt sich ebenfalls zusammen. "Wir haben auch ein Willkommensgeschenk.", sagt sie ruhig und wirft Adam einen Blick zu, der die Gänseblümchen zuletzt hatte.
"Das stimmt. Lasst die Waffen ruhen ... Ich komme runter und übergebe euch das Geschenk, als Zeichen unserer friedlichen Absicht." "Lügner!", brüllen die Zentauren zurück, als sie ohne Vorwarnung verstummen. Ein alter, ergrauter Zentaur nähert sich. Die Mitglieder der Herde zollen ihm Respekt. Der Hengst bleibt vor dem Baum stehen und sagt in durchdringender Tonlage: "Wenn das wahr ist, dann verwerfe deine Waffen und komm dann vom Baum!" Die Aufforderung ist klar. Adam beißt auf die Zähne. Er sieht zu den Nebeljägern. Aber er hat keine Wahl. Wenn sie tatsächlich beweisen wollen, dass sie keine bösen Absichten verfolgen, müssen sie der Aufforderung nachkommen. Der Deathdealer springt vom Baum und legt sofort seine Feuerwaffen und die Rauchbombe ab. Die Bögen der Fabelwesen sind angespannt und können jederzeit ihre Pfeile losfeuern. Doch der alte Zentaur hat seine Hand erhoben, so dass die Artgenossen sich zurück halten sollen. Adam nimmt den kleinen Jutesack mit den Gänseblümchen und zeigt diesen dem Ältesten. "Hier ... überzeugt euch selbst, dass wir die Natur und das Leben wertschätzen." Er reicht das Geschenk dem Zentaur, ohne sich zu erheben. Damit will Adam seine Unterwürfigkeit demonstrieren. Als der Alte einen Schritt vorwärts läuft, ruft ein jüngerer Hengst: "Cheiron. Warte. Vielleicht ist das eine Falle!" Er wirkt besorgt. Wieder erhebt der Zentaur die Hand. "Ich weiß, was ich tue, Agrios!", weißt Cheiron den Jüngeren zurecht.
Adam sieht nun doch auf und sagt ehrfürchtig: "D-e-r Cheiron? ... Der Weiseste von allen?" Der Vampir schluckt. Alte Sagen und Legenden preisen diesen Zentauren für seinen Mut und seine Weisheit. Das Fabelwesen kommt näher und ergreift den Jutesack. "So ist es, Fremder." Cheiron begutachtet das Geschenk und riecht an den Blumen. Dann wendet er sich seiner Herde zu. "Sie sagen die Wahrheit. ... Seht her!" Als die Artgenossen die Gänseblümchen erblicken, fangen sie an miteinander zu diskutieren und Adam zu mustern.
Cheiron spricht weiter: "Du hast dein Geschenk weise gewählt, Vampir. ... Gänseblümchen stehen für die aufrichtige Wahrheit. Einer Daisy misstraut ein Zentaur nicht. ... Ich bedaure den unglücklichen Empfang. Lasst uns das nun nachholen. Willkommen im magischen Wald, Fremde. Wie können wir euch weiterhelfen?"
Viktor und Lilly klettern nun auch herunter. Die Nebeljäger lächeln. "Verzeiht unser Eindringen.", beginnt Lilly ruhig. Sie hat nichts dabei, um ihre Wunde am Arm zu versorgen. Aber wenn Adam seine Verletzung aushält, die ja schlimmer ist als die ihre, kann sie das auch. "Aber es ist wichtig. Wir haben den Verdacht, dass das Gleichgewicht bedroht ist. Jemand machte Jagd auf Einhörner." Sie sieht zu Adam, der hier eher der Experte ist. Hoffentlich macht sie keinen Fehler, das Wort zu ergreifen.
Cheiron sieht Lilly an und schweigt zunächst. Bevor Adam was sagen kann, antwortet der Zentaur: "Die Einhörner gibt es nicht mehr. ... Unsere Schwestern und Brüder sind vor langer Zeit ausgerottet worden. ... Das letzte, bekannte Einhorn hieß Amalthea und wurde in eine Frau verwandelt. Es starb jenseits der Nordwinde in einem Königreich. ... Eure Suche ist daher zum Scheitern verurteilt."
Lilly räuspert sich: "Wir glauben, dass mindestens eines davon noch lebt, oder zumindest vor kurzem noch gelebt hat. Wir haben Spuren gefunden, die auf ein Einhorn hindeuten." Lilly fasst die Spurensuche kurz zusammen. Viktor betrachtet seine Gefährtin stolz. Er selbst ist zwar ein Genie, aber auch kein großer Redner. Diplomatie überlässt er lieber anderen. Und so ergänzt er die Erzählung nur kurz, wenn Lilly etwas vergessen hat, aber lässt sie ansonsten reden.
Adam erhebt sich nun und fügt hinzu: "Ehrenwerter Cheiron, wir stehen im Zeichen von Daisy. Bitte glaubt uns. ... Zusätzlich schwöre ich bei Alucard und meiner Lordschaft. ... Bitte helft uns dieses Rätsel zu lösen." Der Gefragte schweigt jedoch. Man spürt, dass die Zentauren den Vampiren misstrauen, trotz dem Geschenk, welches das Eis sprichwörtlich brechen sollte. Eine junge Stute tritt neben Cheiron und legt ihre Hand auf seinen muskulösen Arm. Sie sieht den Älteren nur mit großen Augen an. Dieser seufzt laut. "In Ordnung. Kommt mit uns, zu unserem Unterschlupf. ... Des Nachts, sollte man auf die Schatten achten." Die Herde setzt sich in Bewegung. Adam sieht zu den Nebeljägern. "Was meint ihr?" ... In der Ferne ertönt das Geheul eines Wolfes.
"Was bleibt uns anderes übrig.", meint Viktor leise. "Wir sollten folgen." Bei dem Geheul des Wolfes muss Lilly an Vero denken, und an deren Geschichte über den Werwolf. Doch dieses Geheul hört sich eher nach einem ganz normalen Wolf an, zumindest hofft sie das.
Auch Adams Hand zuckt bei dem Geräusch. "Achte auf die Schatten ... welch wahre Worten. ... Dann folgen wir ihnen." Der Deathdealer sammelt seine Waffen ein und folgt mit Lilly, sowie Viktor den Zentauren tiefer in den Wald. Eine Weile kämpfen sie sich durch Gestrüpp und Stolpersteinen, bis sie zu einer Höhle kommen, in der eine Feuerstelle hell lodert.
Wächter, die die Fremden erkennen, spannen ihre Bögen. Doch Cheiron beschwichtigt die Situation und lädt die Vampire ein, es sich in der Höhle am Feuer gemütlich zu machen. Adam setzt sich auf einen Blätterhaufen und bekommt ein Getränk gereicht. Das gleiche erhalten Lilly und Viktor. Cheiron legt sich neben ihnen auf ein Blätterbett ab. "Das ist ein Tee aus Hirtentäschelkraut, Salbei und Johanniskraut. Er wird eure Wunden und Schmerzen lindern." Der Soldat sieht erst zu seines Gleichen, riecht dann am Tee und nimmt einen Schluck.
Nachdem Adam getrunken hat, wagt es auch Lilly. Auch wenn Viktor selber nicht verletzt ist, trinkt auch er. Man hat auch ihm einen Tee überreicht. Es wäre unhöflich, ihn abzulehnen.
Andere Zentauren stehen nun um sie herum oder liegen ebenfalls am Lagerfeuer. Cheiron spricht weiter. "Hier sind wir alle sicher. ... Die Wälder sind seit längerem kein sicherer Ort mehr. Vor allem haben dies die Einhörner mit einem hohen Blutzoll bezahlen müssen. ... Einerseits selbstverschuldet, durch ihre Eitelkeit und Naivität ... Andererseits haben viele Magier sie gezielt gejagt. Ihnen war es egal, ob es eine Stute mit Fohlen war oder ein Hengst. Ob alt oder jung ... keines von ihnen war sicher."
Viktor ballt seine Faust, als er das Wort Magier hört. Die Nervensäge Malecantus fällt ihm wieder ein. Oder noch schlimmer: Rasputin. Bevor die Zentauren die Geste missverstehen und denken, sie sei an sie gerichtet, mischt sich Lilly ein: "Mein Gefährte hat seine Eltern durch einen Magier verloren. Der selbe Magier, von dem wir vermuten, dass er auch an der Jagd auf Einhörner beteiligt war." Viktor, der seine Hände bereits wieder unter Kontrolle hat, nickt. "Nicht jeder Magier ist so. Eine gute Freundin von mir ist Magierin, doch sie strebt nicht nach Macht... und das ist, was mir besonders an ihr gefällt. Aber Rasputin... Derjenige, der meine Eltern auf dem Gewissen hat, ist anders. Machthungrig. Skrupellos. Gefährlich. Wir sind unter anderem auch auf der Jagd nach ihm."
Der alte Hengst hört ihnen zu. "Ich verstehe ... Auch mir ist Rasputin bekannt ... Er besuchte einst diese Wälder. Sein Anliegen war laut eigener Aussage: Die Schönheit unserer Natur zu erfassen. Er schien ein Gelehrter zu sein."
"Er hat viele getäuscht.", sagt Viktor, "auch meine Eltern vertrauten ihm und ahnten nichts von seinen eigentlichen Plänen."
"Dies ist auch der Grund, weshalb wir Zentauren ... als wir das Leid unter den Einhörnern und Phönixe mit ansehen mussten ... keinem Sinn oder anderer Kreatur trauen. ... Natürlich kann man unser Vertrauen gewinnen. Allerdings werdet ihr verstehen können, dass eine Grundskepsis bestehen bleibt." Cheiron ist hierbei sehr direkt und macht kein Geheimnis drum.
Viktor versteht das durchaus. Auch er neigt dazu, Fremden erst mal zu misstrauen. "An einer gewissen Grundskepsis ist nichts falsches dran.", sagt er. Und auch Lilly kann das nachvollziehen, auch wenn sie der Meinung ist, ihr Gefährte übertreibt es damit manchmal. Zum Beispiel, als Chip zu Besuch war und er von Viktor gleich bedroht wurde, Viola ja nicht zu verletzen. Aber im Fall der Zentauren können diese Fabelwesen nicht vorsichtig genug sein.
Adam hört aufmerksam zu und sagt schließlich: "Weiser Cheiron ... das Leid hat uns alle ereilt. Jeder von uns kann eine Geschichte von Schmerz berichten ... Aber ... bei allem Respekt ... wir sind nicht für solche Geschichten da. ..." Der Zuhörer schlägt mit seinem Schweif aus und erwidert. "Ich weiß ... ihr seid davon überzeugt, dass es noch ein Einhorn geben muss. ... Nun ... was ich euch nun berichte, ist ein strenggehütetes Geheimnis der Zentaur. ... Diese Information kann ich natürlich nicht ohne weiteres Preis geben." Der Deathdealer hat so etwas geahnt. "Und was müssen wir dafür tun?"
Auch die Nebeljäger hören aufmerksam zu, was der Zentaur für einen Preis verlangen würde.
(In Zusammenarbeit mit @KFutagoh89 )
(Fortsetzung folgt...)