Forum Discussion
3 years ago
Ort: Oasis Springs, Stephens Zuhause
Charaktere: Blaze, Chip, Stephen
Geschichtsstrang: Mutters Karton
„Ich werd nichts sagen, aber wenn er rumspackt, verzieh ich mich.“ das ist Blaze‘ letztes Wort. Bevor Chip darauf etwas erwidern kann, klopft Blaze an Stephs Tür. Eigentlich gehen sie davon aus, dass er im Unterschlupf ist und Blaze klopft nur um auf Nummer sicher zu gehen, doch zu seiner Überraschung öffnet sich die Tür und Stephen steht vor ihnen. Blaze, der beim klopfen Chip angesehen hat, hält inne und dreht den Kopf.
Heilige Scheiße, wie sieht Stephen denn aus? Blaze zügelt seine Überraschung, erinnert sich an die letzte Begegnung und sein Blick verhärtet sich etwas. „Was wollt ihr denn hier..?“ fragt Stephen, zieht an der Kippe und dreht sich dann um. Die Tür steht für die beiden Freunde offen, die sich jetzt einen Blick zu werfen. Blaze lässt Chip den Vortritt.
Drinnen setzt Steph sich aufs Sofa. Vor ihm auf dem Tisch steht ein großer würfelförmiger Karton. Stephen drückt die Zigarette im überfüllten Aschenbecher aus und stützt sich auf die Oberschenkel. Blaze bleibt bei der Tür und verschränkt die Arme. Er merkt dass er nachtragend ist, er hat ihm eine Narbe fürs Leben verpasst, verdammt. Blaze hat plötzlich überhaupt keinen Bock mehr hier zu sein, Kumpel hin oder her.
Schweigend folgt Chip seinem Freund in die Wohnung. Er rechnet es Blaze hoch an, dass er dabei ist, trotz der Prügelei mit Steph bei ihrer letzten Begegnung. Für Chip steht immer noch über allem: Blutsbrüder, auch wenn er durch Stephens Wesensveränderung nicht mehr viel mit ihm anfangen kann. Für ihn die beste Abschreckung was Drogen an geht. Er fühlt sich richtig scheiße, als er sieht in was für einem desolaten Zustand sich Steph befindet. Als er am Tisch vorbei geht, schnipst er kurz gegen einen der offenen Flügel des Kartons und linst hinein. Papiere, jede Menge Fotos und Krimskrams. Chip lässt sich neben Steph aufs Sofa fallen und bietet ihm nochmal eine Zigarette an. "Wieso bist du hier? Dachte du wolltest nen sicheren Platz wo dich keiner vermutet?" fragt er dann ein bisschen misstrauisch.
"Is egal." antwortet Steph und nimmt die Zigarette. "Bin eh nich mehr lange hier." Gedankenverloren greift er nach dem Rand des Kartons und zieht ihn etwas näher, dann zündet er sich die Kippe an. "Morgen hau ich ab. Raus aus Oasis, raus aus Simswelt."
Chip hat nicht gelogen, denkt Blaze. Trotzdem ist der Trotz größer und er denkt nicht dran sich zu setzen. Dann soll er sich doch verpissen. Keiner braucht einen wie Stephen... denkt Blaze weiter, und würde das jederzeit laut aussprechen, weiß aber dass es gelogen ist...
Mit gemischten Gefühlen nimmt Chip die Info auf. Entweder Margas Worte sind auf fruchtbaren Boden gefallen oder er macht sich einfach nur aus dem Staub um den Typen nicht in die Arme zu laufen, die ihm ans Leder wollen. "Du haust ab? Heißt das du ziehst das durch mit der Entzugsklinik?"
Unerwartet nickt Steph ohne Chip anzusehen. Blaze hebt eine Braue. Steph gibt klein bei? Was ist passiert? Haben Schweine fliegen gelernt? Blaze ist kurz davor darüber zu spotten, dass er 's doch eh nicht durchzieht. Stephen steht auf, trottet zum Kühlschrank und nimmt drei Flaschen Bier heraus.
Auf dem Rückweg reicht er erst Blaze eins. Dieser blickt auf die Flasche, dann zu Steph hoch, unschlüssig ob ers annehmen soll. Stephen sieht ihn mit müden Augen an. "In der Kiste sind ein paar Sachen die meine Mutter noch hatte. Wenn ihr was findet, könnt ihr 's haben. Ich werd nicht viel mitnehmen." Blaze' Gegenüber scheint es ernst zu meinen. Er greift nach dem Bier und es fühlt sich ein bisschen wie vergeben an. Dabei sieht er das Stephen die Narbe auffällt, sagt aber nichts. Beide wissen warum das passiert ist und beide wissen das es mit dazu gehört, dass Stephen sich für den nächsten Schritt entschieden hat. Stephen wendet sich wieder zum Sofa, wo er Chip eine der Flaschen reicht und sich setzt. Jetzt tritt Blaze ein wenig näher, neugierig darauf was in der Kiste ist.
Automatisch nimmt Chip das Bier an, ohne darüber nachzudenken. Eine Sekunde später hadert er kurz mit sich. Er hat seit der Chaosparty keinen Alkohol mehr getrunken und auch nicht vor wieder damit an zu fangen. Aber das hier ist besonders, er muss es ja nicht austrinken. Chip wirft Blaze einen Blick zu, ehe er seine Flasche ploppend mit dem Feuerzeug öffnet und hoch hält. "Cheers." Ihm fällt gerade kein passender Trinkspruch ein. Auf die alten Zeiten passt nicht wirklich und überhaupt kann er gerade nicht ganz einordnen wie er sich fühlt. Als ob etwas Altes, Wichtiges geht, aber kein Neues zur Ablöse bereit steht. Er stößt mit Steph an und nickt anerkennend. "Respekt."
Nach einem Schluck steht er auf und tritt zu Blaze. Nachdem er auch mit ihm angestoßen hat, äugt er nochmal in den Karton. "Hey...wie wär 's wenn wir uns so hinsetzen, dass wir zusammen da kramen können." Er zieht ein Foto aus der Kiste, auf dem Stephen als kleiner Junge zu sehen ist. Am Esstisch, das Gesicht komplett mit Nutella verschmiert, aber strahlend.
Chip schluckt und trinkt nochmal vom Bier. Dann nimmt er den Karton, stellt ihn am Boden ab, rückt für Blaze einen Stuhl zurecht, so dass man von jeder Sitzgelegenheit aus von oben in das Behältnis schauen kann und hockt sich wieder neben Stephen aufs Sofa. Er hält grinsend das Foto in Richtung Steph. "So kennt man dich."
Das Steph Chip zum trinken bewegen kann ist immer wieder erstaunlich. Hatte er nicht nen Vorsatz gefasst? Ihm soll 's recht sein.
Stephen lacht ein bisschen und muss dann husten. Er nimmt den Stapel Fotos aus dem Briefumschlag und blickt sie durch. Blaze fallen jetzt die Schweißtröpfchen auf Stephs Stirn auf. Er bezweifelt ein bisschen dass er das durchsteht. „Hier, nach dem Dachsprung.“ meint Steph grinsend und reicht das Bild weiter an Chip. Darauf ist Steph mit Krücken und Blaze und Chip daneben am Faxen machen.
Blaze trinkt von seinem Bier und linst in die Kiste. Er findet ein altes Cappie, der Stoff an den Ecken schon abgewetzt. Er erinnert sich an die Zeit in der Steph es immer getragen hat.
Der Grund warum Blaze hin und wieder eins trägt, auf die selbe Weise wie Stephen damals und es hat sogar die selbe Marke. Er war eben ihr Vorbild. Es ist so viel passiert in der Zwischenzeit und die Zeit hat einfach alles verändert.
Unauffällig stellt Chip die Bierflasche neben sich auf den Boden und muss über das Dachsprungbild lachen. Dann beugt er sich wieder über den Karton, schiebt ein paar Papiere zur Seite und stößt einen Überraschungslaut aus. Mit einem breiten Grinsen zieht er eine selbstgebastelte Steinschleuder heraus. "Alter...das is doch das legendäre Teil mit dem wir auf die Fenster von eurem Nachbarn geschossen haben...der Typ der immer Wasser aus dem Fenster geschüttet hat, wenn wir die Abkürzung durch seinen Garten genommen haben." Er spannt das Gummiband und lässt es spielerisch in Richtung Blaze schnalzen. "Die Challenge war: wer trifft die Scheibe mittig." er lacht. "Und dann ging die Haustür auf und deine Mom kam raus...und wir Fersengeld bis zur Hütte und dann Lachflash."
Die Erinnerung an die unbeschwerten Tage versetzt ihm einen Stich im Herzen. Er legt die Schleuder zur Seite und zieht ein paar kleine Kinderschuhe aus dem Karton, die an den Schnürsenkeln zusammengebunden sind, so als ob sie mal jemand irgendwo aufgehängt hatte. Erstaunt fragt er Steph:"Sind das etwas deine? Laufen gelernt damit?" Wenn das stimmt, dann hat seine Mutter doch eine gefühlvolle Seite, die sie gut zu verstecken wusste. Warum sonst sollte sie so ein Andenken aufheben? Als er Steph anschaut, bemerkt er, dass er ziemlich blass ist. Eine ungesunde, fahle Blässe. Shit...das bedeutet nichts Gutes.
Stephen zieht die Nase hoch und wischt darüber als er die Schuhe sieht. Dann zuckt er mit den Schultern. "Keine Ahnung, kann sein." daran erinnert er sich nicht. In seinem Inneren ist es unruhig. Am liebsten würde er jetzt irgendwo hin, irgendwas besorgen aber kann er nicht. Sein letzter Rest ist aufgebraucht und sich einweisen zu lassen ist nicht zu hundert Prozent freiwillig. Wenn er jetzt JJ oder Jinoh über den Weg läuft, war 's das. Mit dem Handballen reibt er sich ein Auge, und greift erneut in die Schachtel. Unter weiteren alten Kleidungsstücken und Plunder liegt ein gerahmtes Foto von seiner Mutter. Bevor sie wild und unberechenbar wurde. Sie hält ein Baby im Arm und wirkt zufrieden.
Stephen realisiert, dass sie wirklich tot ist und es keine Hoffnung mehr gibt, dass sie wieder so werden könnte wie auf diesem Foto. Er weint nicht, selbst wenn ihm danach wäre, hat das Leben das er bis hier her geführt hat, ihm jede Träne längst geraubt. Es klingt als wäre er dreißig, dabei ist er knapp zwanzig. "Sie hatte eine seltsame Art nostalgisch zu werden." meint er auf all die Sachen bezogen und lässt das Foto aus der Hand in den Karton zurück fallen. Dann lehnt er sich zurück und wischt sich über die Stirn. Blaze legt das Cap auf die Seite. "Wann gehst du morgen los?" fragt er und Steph wendet ihm den Blick zu. "Früh." die Antwort. Darauf hat Blaze nichts zu erwidern. Es scheint ihm falsch dem alten Freund mit Vorurteilen in den Rücken zu fallen und eine bedrückende Stimmung kehrt in die Runde ein.
Chip greift statt der Bierflasche wieder nach der Schleuder, lehnt sich zurück und unterbricht das Schweigen, dass den ganzen Raum auszufüllen scheint, mit Schnalzen des Gummis. Das hat aber eher den Effekt, dass es die gedämpfte Stimmung noch intensiviert, als sie aufzulockern. Er dreht den Kopf und mustert Stephen von der Seite. "Wir könnten mit kommen...fährst du mit dem Zug?" Dann würden sie eben mal wieder die ersten zwei Stunden schwänzen...oder den Tag, das wär 's ihm wert. Wenigstens bis zur Abfahrt dabei sein. Denize braucht nichts davon zu erfahren, außerdem ist er mittlerweile quasi schon zum Musterschüler mutiert, gefühlt jedenfalls. Chip wirft einen fragenden Blick zu Blaze.
Blaze hebt die Schultern als er Chips Blick erwidert. Liegt wahrscheinlich drin. Doch Stephen schüttelt den Kopf. Er steckt sich eine weitere Kippe an und verschränkt die Arme. Blaze kann nicht einschätzen ob er das macht weil er friert oder er 's bequem findet. Dann hebt er unerwartet die Mundwinkel und sieht die beiden Freunde an. "Heey... Jungs... ich bin nich aus der Welt, klar?" Er klopft Chip neben sich auf die Schulter und klingt erstaunlich optimistisch. Möglicherweise auch sich selbst zu liebe. "Wie beim letzten Mal. Irgendwann steh ich wieder vor der Tür und wir kramen in Kisten voller Erinnerungen." Mit dem Fuß stößt er den Karton an, in den Worten liegt eine seltsamer Ton, der sich ein wenig über alles lustig zu machen scheint. Für Blaze fühlt es sich an als würde er lügen.
Nachdenklich betrachtet Chip erst Stephen, dann den Karton. "Wisst ihr was? Alte Erinnerungen in Ehren, aber mit wär 's viel lieber wenn du irgendwann wieder da stehst und sagst: Hey , was geht? Bereit für n bisschen action? Und wir haben irgendwann nen Karton voll neuer, cooler Erinnerungen." Chip überkommt das anfänglich noch diffuse Gefühl von Abschied ohne Neubeginn jetzt stärker. Hier sitzt sein ehemals großes Vorbild, entzaubert und heruntergekommen..er wünscht sich nicht die alten Zeiten zurück, sondern die Chance auf was Neues in der Zukunft. Mag Blaze fühlen was er will, er selber tut sich schwer damit Stephen abzuschreiben. Er rempelt Steph an. "Was wäre wenn du plötzlich wieder da wärst und wir drei wären für einen Tag unsichtbar?" Er grinst.
"Also...ich würd mich mit euch in nen riesigen Vergnügungspark gehen und alles fahren was es gibt, Mädelsgespräche belauschen und mich durch die Buden mampfen, bis wir irgendwo rumliegen und kotzen vor lachen und schwindlig sein." Warum ihm ausgerechnet so was Oberflächliches einfällt? Chip hat keine Ahnung. Vielleicht weil die Stimmung gerade so seltsam ist und die Vorstellung einfach unbeschwert gemeinsam Blödsinn zu machen ihm um so verlockender erscheint. "Wie isses mit dir?" Er schaut Stephen an.
Stephen lacht mit geschlossenem Mund. Ein Deja-vu überkommt ihn und vor ihm sitzen wieder der 12 Jährige Adi und der gleichaltrige Sully. Wie an dem Tag vor 5 Jahren, als er wegzog. „Wenn ich zurück bin, zieh ich mir eine eurer mega Shows rein und danach machen wir ne fette Spritztour mit eurem Tourbus, okay? Und dich will ich umgeben von zwanzig Fangirls sehn die dir ihre Tangas auf die Bühne werfen,“ zwinkert er Chip zu, „und du,“ Steph blickt zu Blaze, „… dich will ich mit.. Viola zusammen sehen, wie fuckin‘ stolz du drauf bist und auf die Muke die ihr macht..“ Blaze richtet sich ein bisschen auf. Nicht nur das er seine Freunde echt kennt, er hat sich auch ihren Namen gemerkt. „Und wenn nicht, haust du mir wieder eine rein?“ kann Blaze sich nicht verkneifen.
Stephs Blick schweift kurz zur Seite. „Tut mir Leid..“ Es gibt kein Aber und keine Rechtfertigung. Steph hatte sich nicht unter Kontrolle. Weder seine Worte noch seine Taten. „Mir auch..“ sagt Blaze und hält ihm die Hand hin. Er hätte sich nicht so provozieren lassen sollen, nur weil sein Tag mies war. Stephens Gesichtsausdruck hellt sich etwas auf, dann schlägt er mit Blaze ein. „Und was wäre, wenn wir in der Nacht losziehen und den Nachbarn ihre Gartenmöbel aufs Dach nageln würden?“ spinnt Blaze seine Vorstellung der Zukunft weiter. „Oder wir Ballons mit Helium füllen, Sahne gefüllte Beutel dran hängen, sie schweben lassen und über den Leuten mit der Schleuder platzen lassen?“ Steph lacht, „Ihr zwei habt echt so viel Sche iße im Kopf…“ amüsiert sieht er die beiden an. „Dafür liebe ich euch Jungs.“
Chip der sich grade grinsend die Sahnebeutel überm Schulhof in der Pause vorstellt, wird wieder ernster. "Hey, wir sind Blutsbrüder, vergiss das nie, klar? Also, leg dich ins Zeug und sorg dafür dass der ganze Dummfug bald mal angestellt werden kann..und zwar in alter Frische." Er legt einen Arm hinter Stephen auf die Sofalehne und schaut unternehmungslustig zu Blaze. "Wir könnten ja heute schon anfangen mit den Möbeln...wir packen ne Bahnhofsbank aufs Dach, setzen uns hin und genießen bei nem Bierchen den Sonnenuntergang. Zu dritt schaffen wir das locker."
"Das klingt ja jetzt schon fast wieder wie früher." begeistert Blaze sich und ist schlussendlich doch froh hergekommen zu sein. Die Bedenken die er Viola gegenüber geäußert hatte, sind weg und wenn Stephen das wirklich hinkriegt, dann steht ihrer neuen alten Gang in der Zukunft, nichts mehr im Weg.
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha, Bilder von Ripzha)
Charaktere: Blaze, Chip, Stephen
Geschichtsstrang: Mutters Karton
„Ich werd nichts sagen, aber wenn er rumspackt, verzieh ich mich.“ das ist Blaze‘ letztes Wort. Bevor Chip darauf etwas erwidern kann, klopft Blaze an Stephs Tür. Eigentlich gehen sie davon aus, dass er im Unterschlupf ist und Blaze klopft nur um auf Nummer sicher zu gehen, doch zu seiner Überraschung öffnet sich die Tür und Stephen steht vor ihnen. Blaze, der beim klopfen Chip angesehen hat, hält inne und dreht den Kopf.
Heilige Scheiße, wie sieht Stephen denn aus? Blaze zügelt seine Überraschung, erinnert sich an die letzte Begegnung und sein Blick verhärtet sich etwas. „Was wollt ihr denn hier..?“ fragt Stephen, zieht an der Kippe und dreht sich dann um. Die Tür steht für die beiden Freunde offen, die sich jetzt einen Blick zu werfen. Blaze lässt Chip den Vortritt.
Drinnen setzt Steph sich aufs Sofa. Vor ihm auf dem Tisch steht ein großer würfelförmiger Karton. Stephen drückt die Zigarette im überfüllten Aschenbecher aus und stützt sich auf die Oberschenkel. Blaze bleibt bei der Tür und verschränkt die Arme. Er merkt dass er nachtragend ist, er hat ihm eine Narbe fürs Leben verpasst, verdammt. Blaze hat plötzlich überhaupt keinen Bock mehr hier zu sein, Kumpel hin oder her.
Schweigend folgt Chip seinem Freund in die Wohnung. Er rechnet es Blaze hoch an, dass er dabei ist, trotz der Prügelei mit Steph bei ihrer letzten Begegnung. Für Chip steht immer noch über allem: Blutsbrüder, auch wenn er durch Stephens Wesensveränderung nicht mehr viel mit ihm anfangen kann. Für ihn die beste Abschreckung was Drogen an geht. Er fühlt sich richtig scheiße, als er sieht in was für einem desolaten Zustand sich Steph befindet. Als er am Tisch vorbei geht, schnipst er kurz gegen einen der offenen Flügel des Kartons und linst hinein. Papiere, jede Menge Fotos und Krimskrams. Chip lässt sich neben Steph aufs Sofa fallen und bietet ihm nochmal eine Zigarette an. "Wieso bist du hier? Dachte du wolltest nen sicheren Platz wo dich keiner vermutet?" fragt er dann ein bisschen misstrauisch.
"Is egal." antwortet Steph und nimmt die Zigarette. "Bin eh nich mehr lange hier." Gedankenverloren greift er nach dem Rand des Kartons und zieht ihn etwas näher, dann zündet er sich die Kippe an. "Morgen hau ich ab. Raus aus Oasis, raus aus Simswelt."
Chip hat nicht gelogen, denkt Blaze. Trotzdem ist der Trotz größer und er denkt nicht dran sich zu setzen. Dann soll er sich doch verpissen. Keiner braucht einen wie Stephen... denkt Blaze weiter, und würde das jederzeit laut aussprechen, weiß aber dass es gelogen ist...
Mit gemischten Gefühlen nimmt Chip die Info auf. Entweder Margas Worte sind auf fruchtbaren Boden gefallen oder er macht sich einfach nur aus dem Staub um den Typen nicht in die Arme zu laufen, die ihm ans Leder wollen. "Du haust ab? Heißt das du ziehst das durch mit der Entzugsklinik?"
Unerwartet nickt Steph ohne Chip anzusehen. Blaze hebt eine Braue. Steph gibt klein bei? Was ist passiert? Haben Schweine fliegen gelernt? Blaze ist kurz davor darüber zu spotten, dass er 's doch eh nicht durchzieht. Stephen steht auf, trottet zum Kühlschrank und nimmt drei Flaschen Bier heraus.
Auf dem Rückweg reicht er erst Blaze eins. Dieser blickt auf die Flasche, dann zu Steph hoch, unschlüssig ob ers annehmen soll. Stephen sieht ihn mit müden Augen an. "In der Kiste sind ein paar Sachen die meine Mutter noch hatte. Wenn ihr was findet, könnt ihr 's haben. Ich werd nicht viel mitnehmen." Blaze' Gegenüber scheint es ernst zu meinen. Er greift nach dem Bier und es fühlt sich ein bisschen wie vergeben an. Dabei sieht er das Stephen die Narbe auffällt, sagt aber nichts. Beide wissen warum das passiert ist und beide wissen das es mit dazu gehört, dass Stephen sich für den nächsten Schritt entschieden hat. Stephen wendet sich wieder zum Sofa, wo er Chip eine der Flaschen reicht und sich setzt. Jetzt tritt Blaze ein wenig näher, neugierig darauf was in der Kiste ist.
Automatisch nimmt Chip das Bier an, ohne darüber nachzudenken. Eine Sekunde später hadert er kurz mit sich. Er hat seit der Chaosparty keinen Alkohol mehr getrunken und auch nicht vor wieder damit an zu fangen. Aber das hier ist besonders, er muss es ja nicht austrinken. Chip wirft Blaze einen Blick zu, ehe er seine Flasche ploppend mit dem Feuerzeug öffnet und hoch hält. "Cheers." Ihm fällt gerade kein passender Trinkspruch ein. Auf die alten Zeiten passt nicht wirklich und überhaupt kann er gerade nicht ganz einordnen wie er sich fühlt. Als ob etwas Altes, Wichtiges geht, aber kein Neues zur Ablöse bereit steht. Er stößt mit Steph an und nickt anerkennend. "Respekt."
Nach einem Schluck steht er auf und tritt zu Blaze. Nachdem er auch mit ihm angestoßen hat, äugt er nochmal in den Karton. "Hey...wie wär 's wenn wir uns so hinsetzen, dass wir zusammen da kramen können." Er zieht ein Foto aus der Kiste, auf dem Stephen als kleiner Junge zu sehen ist. Am Esstisch, das Gesicht komplett mit Nutella verschmiert, aber strahlend.
Chip schluckt und trinkt nochmal vom Bier. Dann nimmt er den Karton, stellt ihn am Boden ab, rückt für Blaze einen Stuhl zurecht, so dass man von jeder Sitzgelegenheit aus von oben in das Behältnis schauen kann und hockt sich wieder neben Stephen aufs Sofa. Er hält grinsend das Foto in Richtung Steph. "So kennt man dich."
Das Steph Chip zum trinken bewegen kann ist immer wieder erstaunlich. Hatte er nicht nen Vorsatz gefasst? Ihm soll 's recht sein.
Stephen lacht ein bisschen und muss dann husten. Er nimmt den Stapel Fotos aus dem Briefumschlag und blickt sie durch. Blaze fallen jetzt die Schweißtröpfchen auf Stephs Stirn auf. Er bezweifelt ein bisschen dass er das durchsteht. „Hier, nach dem Dachsprung.“ meint Steph grinsend und reicht das Bild weiter an Chip. Darauf ist Steph mit Krücken und Blaze und Chip daneben am Faxen machen.
Blaze trinkt von seinem Bier und linst in die Kiste. Er findet ein altes Cappie, der Stoff an den Ecken schon abgewetzt. Er erinnert sich an die Zeit in der Steph es immer getragen hat.
Der Grund warum Blaze hin und wieder eins trägt, auf die selbe Weise wie Stephen damals und es hat sogar die selbe Marke. Er war eben ihr Vorbild. Es ist so viel passiert in der Zwischenzeit und die Zeit hat einfach alles verändert.
Unauffällig stellt Chip die Bierflasche neben sich auf den Boden und muss über das Dachsprungbild lachen. Dann beugt er sich wieder über den Karton, schiebt ein paar Papiere zur Seite und stößt einen Überraschungslaut aus. Mit einem breiten Grinsen zieht er eine selbstgebastelte Steinschleuder heraus. "Alter...das is doch das legendäre Teil mit dem wir auf die Fenster von eurem Nachbarn geschossen haben...der Typ der immer Wasser aus dem Fenster geschüttet hat, wenn wir die Abkürzung durch seinen Garten genommen haben." Er spannt das Gummiband und lässt es spielerisch in Richtung Blaze schnalzen. "Die Challenge war: wer trifft die Scheibe mittig." er lacht. "Und dann ging die Haustür auf und deine Mom kam raus...und wir Fersengeld bis zur Hütte und dann Lachflash."
Die Erinnerung an die unbeschwerten Tage versetzt ihm einen Stich im Herzen. Er legt die Schleuder zur Seite und zieht ein paar kleine Kinderschuhe aus dem Karton, die an den Schnürsenkeln zusammengebunden sind, so als ob sie mal jemand irgendwo aufgehängt hatte. Erstaunt fragt er Steph:"Sind das etwas deine? Laufen gelernt damit?" Wenn das stimmt, dann hat seine Mutter doch eine gefühlvolle Seite, die sie gut zu verstecken wusste. Warum sonst sollte sie so ein Andenken aufheben? Als er Steph anschaut, bemerkt er, dass er ziemlich blass ist. Eine ungesunde, fahle Blässe. Shit...das bedeutet nichts Gutes.
Stephen zieht die Nase hoch und wischt darüber als er die Schuhe sieht. Dann zuckt er mit den Schultern. "Keine Ahnung, kann sein." daran erinnert er sich nicht. In seinem Inneren ist es unruhig. Am liebsten würde er jetzt irgendwo hin, irgendwas besorgen aber kann er nicht. Sein letzter Rest ist aufgebraucht und sich einweisen zu lassen ist nicht zu hundert Prozent freiwillig. Wenn er jetzt JJ oder Jinoh über den Weg läuft, war 's das. Mit dem Handballen reibt er sich ein Auge, und greift erneut in die Schachtel. Unter weiteren alten Kleidungsstücken und Plunder liegt ein gerahmtes Foto von seiner Mutter. Bevor sie wild und unberechenbar wurde. Sie hält ein Baby im Arm und wirkt zufrieden.
Stephen realisiert, dass sie wirklich tot ist und es keine Hoffnung mehr gibt, dass sie wieder so werden könnte wie auf diesem Foto. Er weint nicht, selbst wenn ihm danach wäre, hat das Leben das er bis hier her geführt hat, ihm jede Träne längst geraubt. Es klingt als wäre er dreißig, dabei ist er knapp zwanzig. "Sie hatte eine seltsame Art nostalgisch zu werden." meint er auf all die Sachen bezogen und lässt das Foto aus der Hand in den Karton zurück fallen. Dann lehnt er sich zurück und wischt sich über die Stirn. Blaze legt das Cap auf die Seite. "Wann gehst du morgen los?" fragt er und Steph wendet ihm den Blick zu. "Früh." die Antwort. Darauf hat Blaze nichts zu erwidern. Es scheint ihm falsch dem alten Freund mit Vorurteilen in den Rücken zu fallen und eine bedrückende Stimmung kehrt in die Runde ein.
Chip greift statt der Bierflasche wieder nach der Schleuder, lehnt sich zurück und unterbricht das Schweigen, dass den ganzen Raum auszufüllen scheint, mit Schnalzen des Gummis. Das hat aber eher den Effekt, dass es die gedämpfte Stimmung noch intensiviert, als sie aufzulockern. Er dreht den Kopf und mustert Stephen von der Seite. "Wir könnten mit kommen...fährst du mit dem Zug?" Dann würden sie eben mal wieder die ersten zwei Stunden schwänzen...oder den Tag, das wär 's ihm wert. Wenigstens bis zur Abfahrt dabei sein. Denize braucht nichts davon zu erfahren, außerdem ist er mittlerweile quasi schon zum Musterschüler mutiert, gefühlt jedenfalls. Chip wirft einen fragenden Blick zu Blaze.
Blaze hebt die Schultern als er Chips Blick erwidert. Liegt wahrscheinlich drin. Doch Stephen schüttelt den Kopf. Er steckt sich eine weitere Kippe an und verschränkt die Arme. Blaze kann nicht einschätzen ob er das macht weil er friert oder er 's bequem findet. Dann hebt er unerwartet die Mundwinkel und sieht die beiden Freunde an. "Heey... Jungs... ich bin nich aus der Welt, klar?" Er klopft Chip neben sich auf die Schulter und klingt erstaunlich optimistisch. Möglicherweise auch sich selbst zu liebe. "Wie beim letzten Mal. Irgendwann steh ich wieder vor der Tür und wir kramen in Kisten voller Erinnerungen." Mit dem Fuß stößt er den Karton an, in den Worten liegt eine seltsamer Ton, der sich ein wenig über alles lustig zu machen scheint. Für Blaze fühlt es sich an als würde er lügen.
Nachdenklich betrachtet Chip erst Stephen, dann den Karton. "Wisst ihr was? Alte Erinnerungen in Ehren, aber mit wär 's viel lieber wenn du irgendwann wieder da stehst und sagst: Hey , was geht? Bereit für n bisschen action? Und wir haben irgendwann nen Karton voll neuer, cooler Erinnerungen." Chip überkommt das anfänglich noch diffuse Gefühl von Abschied ohne Neubeginn jetzt stärker. Hier sitzt sein ehemals großes Vorbild, entzaubert und heruntergekommen..er wünscht sich nicht die alten Zeiten zurück, sondern die Chance auf was Neues in der Zukunft. Mag Blaze fühlen was er will, er selber tut sich schwer damit Stephen abzuschreiben. Er rempelt Steph an. "Was wäre wenn du plötzlich wieder da wärst und wir drei wären für einen Tag unsichtbar?" Er grinst.
"Also...ich würd mich mit euch in nen riesigen Vergnügungspark gehen und alles fahren was es gibt, Mädelsgespräche belauschen und mich durch die Buden mampfen, bis wir irgendwo rumliegen und kotzen vor lachen und schwindlig sein." Warum ihm ausgerechnet so was Oberflächliches einfällt? Chip hat keine Ahnung. Vielleicht weil die Stimmung gerade so seltsam ist und die Vorstellung einfach unbeschwert gemeinsam Blödsinn zu machen ihm um so verlockender erscheint. "Wie isses mit dir?" Er schaut Stephen an.
Stephen lacht mit geschlossenem Mund. Ein Deja-vu überkommt ihn und vor ihm sitzen wieder der 12 Jährige Adi und der gleichaltrige Sully. Wie an dem Tag vor 5 Jahren, als er wegzog. „Wenn ich zurück bin, zieh ich mir eine eurer mega Shows rein und danach machen wir ne fette Spritztour mit eurem Tourbus, okay? Und dich will ich umgeben von zwanzig Fangirls sehn die dir ihre Tangas auf die Bühne werfen,“ zwinkert er Chip zu, „und du,“ Steph blickt zu Blaze, „… dich will ich mit.. Viola zusammen sehen, wie fuckin‘ stolz du drauf bist und auf die Muke die ihr macht..“ Blaze richtet sich ein bisschen auf. Nicht nur das er seine Freunde echt kennt, er hat sich auch ihren Namen gemerkt. „Und wenn nicht, haust du mir wieder eine rein?“ kann Blaze sich nicht verkneifen.
Stephs Blick schweift kurz zur Seite. „Tut mir Leid..“ Es gibt kein Aber und keine Rechtfertigung. Steph hatte sich nicht unter Kontrolle. Weder seine Worte noch seine Taten. „Mir auch..“ sagt Blaze und hält ihm die Hand hin. Er hätte sich nicht so provozieren lassen sollen, nur weil sein Tag mies war. Stephens Gesichtsausdruck hellt sich etwas auf, dann schlägt er mit Blaze ein. „Und was wäre, wenn wir in der Nacht losziehen und den Nachbarn ihre Gartenmöbel aufs Dach nageln würden?“ spinnt Blaze seine Vorstellung der Zukunft weiter. „Oder wir Ballons mit Helium füllen, Sahne gefüllte Beutel dran hängen, sie schweben lassen und über den Leuten mit der Schleuder platzen lassen?“ Steph lacht, „Ihr zwei habt echt so viel Sche iße im Kopf…“ amüsiert sieht er die beiden an. „Dafür liebe ich euch Jungs.“
Chip der sich grade grinsend die Sahnebeutel überm Schulhof in der Pause vorstellt, wird wieder ernster. "Hey, wir sind Blutsbrüder, vergiss das nie, klar? Also, leg dich ins Zeug und sorg dafür dass der ganze Dummfug bald mal angestellt werden kann..und zwar in alter Frische." Er legt einen Arm hinter Stephen auf die Sofalehne und schaut unternehmungslustig zu Blaze. "Wir könnten ja heute schon anfangen mit den Möbeln...wir packen ne Bahnhofsbank aufs Dach, setzen uns hin und genießen bei nem Bierchen den Sonnenuntergang. Zu dritt schaffen wir das locker."
"Das klingt ja jetzt schon fast wieder wie früher." begeistert Blaze sich und ist schlussendlich doch froh hergekommen zu sein. Die Bedenken die er Viola gegenüber geäußert hatte, sind weg und wenn Stephen das wirklich hinkriegt, dann steht ihrer neuen alten Gang in der Zukunft, nichts mehr im Weg.
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha, Bilder von Ripzha)