Forum Discussion
3 years ago
Ort: Oasis Springs, Töpferhaushalt
Charaktere: Bertl, Marga, Chip
Geschichtsstrang: Kein Stein bleibt auf dem anderen...
Ein bisschen nervös sitzt Marga ihrem Ehemann gegenüber, der sich zum angekündigten Gespräch in der Küche eingefunden hat. Zwar war schon am Vortag die Rede davon gewesen, aber Bertl hatte es dann aus ihr unbekannten Gründen verschoben.
Die gesamte Lebensroutine, die ihrem ohnehin instabilen Familienleben eine gewissen Rahmen gegeben hat, ist seit Bertls Absage an den Alkohol und seine exzessiven Aktivitäten in Bezug auf Aliens, demontiert. Beinahe täglich wird Marga mit neuen Ideen und Theorien konfrontiert, die er im Austausch mit interessierten Kunden aufgreift und die ihn zu Neuerungen im Hause Töpfer veranlassen. Nicht immer zur Freude von Marga. Gewiss nicht. Allein dieser vermaledeite Hut, der ihr Druckstellen an der Stirn macht und ihr Gesichtsfeld so einschränkt, dass sie bei der Hausarbeit ständig irgendwo aneckt. Ihre blauen Flecken an den Beinen können mittlerweile jede extravagante Seidenstrumpfhose in den Schatten stellen. Heute trägt sie absichtlich keinen, was ihr einen kritischen Blick von Bertl eingebracht hat, aber erstaunlicherweise unkommentiert blieb.
Seufzend rührt sie in ihrer Teetasse und blickt zu ihrem Mann auf, der gerade mit einer Tasse Kaffee an den Tisch kommt. „Du wolltest mir etwas sehr wichtiges erzählen?“ fragt sie zögerlich und hofft, dass er ihr die Unsicherheit nicht an der Stimme anhört. Sie nippt am Tee und wappnet sich innerlich für alles mögliche. Wenn es nur nicht Adrian betrifft soll es ihr recht sein. Ansonsten steht wieder einmal ohrenbetäubendes Geschrei und Türen Geknalle an und das ist etwas, was Margas friedfertiges Gemüt ganz schlecht ertragen kann.
Bertl setzt sich ihr gegenüber, nimmt den Siebhut vom Kopf und legt ihn vorsichtig auf dem Stuhl neben sich ab. Dann bettet er bedächtig die Unterarme auf den Tisch und verschränkt die Finger. Beinahe beruhigend lächelt er sie an.
Marga stockt der Atem. Was geht hier vor? Was kann es zu besprechen geben, was ihn zu dieser Geste veranlasst? Ihr Blick schweift irritiert zu dem Hut und zurück zu Bertl, der sich jetzt räuspert und ernst wird.
Marga sackt ein wenig zusammen und greift ihre Teetasse fester.
Sich sehr bewusst dass dieses Thema heute ein heikles ist, ermahnt sich Bertl innerlich zur Ruhe. Er hat dieses Projekt lange in sich bewegt, das Für und Wider abgewogen und ist zum Schluss gekommen, dass er eine große Verantwortung für seine Familie trägt und der Nutzen für alle das Risiko aufwiegt. Er weiß aber auch dass Marga ein emotionaler Sim ist, was ihn etwas verstimmt. Er wird viel mehr erklären müssen, als er eigentlich für nötig hält. Er hat den Überblick und das Wissen, was nötig ist um auch in Zukunft ein sicheres Leben führen zu können und da gibt es im Grunde nichts zu diskutieren. Sie wird es nicht verstehen, aber sagen muss er es ihr trotzdem. Widerwillig setzt er ein (wie er hofft) mildes Lächeln auf.
„Marga, erinnerst du dich noch an die Zeit bevor es mit der Fischfabrik zu Ende ging?“ Die Frage ist rein rhetorisch, daher wartet Bertl auch keine Antwort ab, sondern redet sofort weiter.
Seine Stimme bekommt mehr Leben und er spricht schneller. „ Die wirtschaftliche Lage war schlecht und die ersten Gerüchte über eine Schließung waren im Umlauf. In Abstimmung mit dem Betriebsrat haben wir beschlossen, dass alle Mitarbeiter auf einen Teil ihres Lohnes und des Urlaubs verzichten, um Kosten zu sparen.“
Marga blickt ihren Mann etwas ratlos an. Wo führt das hin? Natürlich erinnert sie sich noch daran. Das war der Beginn der finanziellen Schwierigkeiten im Hause Töpfer gewesen. Aber warum erzählt er ihr das? Sie nickt schweigend und nippt an ihrem Tee.
Bertl richtet sich auf und schaut seiner Frau in die Augen. „Der Gedanke dahinter war, dass jeder persönliche Opfer zum Wohl des Ganzen bringt....was manchmal einfach unumgänglich ist.“ Er räuspert sich und das Tier in seinem Inneren hebt den Kopf, witternd die Nüstern blähend. Was gäbe er für ein Gläschen Schnaps. “Das verstehst du doch?“
Marga nickt wieder wortlos, die Teetasse fest im Griff.
Bertl nickt ebenfalls. „Gut, dann verstehst du sicher auch, dass dasselbe auch im privaten Bereich gilt.“ Er dreht den Hut auf dem Tisch etwas hin und her, hebt dann den Kopf und schaut Marga in die Augen. „Ich war heute in der Stadt. Erst bei AAAUA. Sie werden uns finanziell unterstützen zu günstigen Konditionen.“ Marga hebt alarmiert fragend die Brauen.
Bertl räuspert sich wieder und ringt das Tier nieder, dass widerwillig den Kopf senkt, jederzeit bereit zu neuem Leben zu erwachen. „Zum einen bin ich an einer neuen Erfindung dran, eine Lampe, die spezielle Strahlung...“ Er unterbricht sich. Sie wird nicht verstehen. Er redet nicht mit Stephen hier. Seufzend winkt er ab und setzt neu an.
„Darüber will ich aber gar nicht reden. Sie heißen auch meine Idee für den Bau eines Bunkers, groß genug für uns und wenige, ausgewählte gleichgesinnte Sims, gut.
Leider wird dieses Geld aber nicht ausreichen um einen Schutzraum mit allen notwendigen Sicherheitsmerkmalen zu bauen, deshalb war ich anschließend noch bei der Bank.“ Er trinkt einen Schluck und redet hastig weiter, ehe Marga etwas sagen oder fragen kann. „Wir haben ja das Haus als Sicherheit, deshalb waren die Verhandlungen nicht kompliziert. Sie stellen die restlichen Geldmittel zur Verfügung. Unsere Zukunft ist also gesichert, egal was den Außerirdischen einfällt um Simswelt zu infiltrieren oder sogar zu zerstören.“ Er lehnt sich mit verschränkten Armen zurück und mustert Marga abwartend.
Ganz flach atmend filtert Marga die relevanten Informationen aus dem eben Gehörten, umklammert dabei fest ihre Teetasse und blickt starr in Bertls Gesicht. Das ist es also was sie heute aus dem Garten gehört hat. Bauvorbereitungen.Sie schluckt.
„Du hast eine Hypothek auf das Haus meiner Familie aufgenommen? Das Haus in dem schon meine Mutter aufgewachsen ist?“ Ihre Stimme klingt monoton während ihre Augen wässrig werden, was Bertl zu einem undefinierbaren Laut veranlasst.
„Ohne vorher mit mir darüber zu reden?“ Ein einzelner, bitter-salziger Tropfen bahnt sich seinen Weg über ihre Wange.
Ihr Herz klopft mächtig in der Brust und sie spürt wie ihr schwindlig wird. “Mein Großvater hat es mit eigenen Händen erbaut, Bertl...das weißt du. Es ist unsere Sicherheit, alles was wir an Wert besitzen.“ Sie wird kreidebleich und verstummt.
War ja klar. Völlige Fehleinschätzung des Ernstes der Lage und emotionale Überreaktion. Bertl hasst es wenn sie weint. Die Sehnsucht nach starkem Alkohol wird größer, das Tier im Inneren hebt wieder den Kopf und schnaubt fordernd. Bertl schüttelt den Kopf. „Beruhige dich. Es ist alles halb so wild. Ich baue das Geschäft aus und wir zahlen alles in kleinen Raten bei beiden ab. Ich habe das schon komplett durchdacht, da kann nichts schief gehen, ich...“
Marga unterbricht ihn, während die Tränen jetzt richtig fließen.
„Bertl, wenn das nicht klappt mit den Einkünften..dann werden sie das Haus versteigern und..“ Sie stockt, weil im selben Moment die Küchentür auffliegt und ein aufgebrachter Adrian im Türrahmen steht.
Verdammt! Was hat sich der Alte dabei gedacht?! Chip hat das Chaos im hinteren Garten entdeckt und auch das zerstörte Kunstwerk. Der macht vor nichts mehr Halt. Heiße Wut über so viel Egoismus steigt in ihm hoch. Sein Atem beschleunigt sich und er will nur noch seinem Vater ins Gesicht schreien, was für ein gestörter, ignoranter Ars ch er ist. Wütend stapft er ins Haus, reißt die Küchentüre auf, hinter der die Stimmen seiner Eltern zu hören sind und erschrickt beim Anblick seiner weinenden Mutter. What the f..?? Seine Augen verengen sich zu Schlitzen, als er schnell den Kopf zu seinem Vater dreht. Die Hitzewelle in seiner Brust steigt ihm in den Kopf und lässt ihn buchstäblich rot sehen.
„Was hast du mit ihr gemacht und was soll die Schei ße hinten im Garten?“ Schreit er ihn an und tritt mit geballten Fäusten einen Schritt auf seinen Vater zu. „Reicht es dir noch nicht dass du mein Geburtstagsgeschenk für sie zerstört hast? Brauchst du noch mehr? Ist es ge il dass sie weint oder was? Du bist doch krank!!“
Er tritt wieder zurück, weil er ihm nicht so nahe sein will und atmet schwer. Es war eines seiner ersten Werke gewesen und er hatte es speziell für seine Mutter angefertigt. Sie hatten gemeinsam davor gestanden und philosophiert, wie es mit ihrer Persönlichkeit und ihren Träumen korrespondiert, was Chip sich dabei gedacht hatte. „Das ist das schönste Geschenk was ich je bekommen habe.“ Seine Mutter hatte ihn umarmt und eine Freudenträne war Chips Hals entlang in sein T-Shirt geflossen. Einer der seltenen Momente in denen sie sich wirklich nahe waren. Und jetzt? Sinnlos zerstört von seinem eigenen Vater, der sicher irgendeine monströse Absurdität ausgebrütet hat, für die er alle Grenzen überschreitet. Einer seiner Egotrips, die einfach nur zum kotzen sind.
Chip stellt sich neben Marga und legt einen Arm um ihre Schulter.
„Lass sie bloß in Ruhe sonst..“ droht er ihm zornerfüllt, verstummt und schaut seinen Vater schweratmend an.
Beherrsch dich, beherrsch dich, beherrsch dich,versucht er mantraartig seine Emotionen wieder unter Kontrolle zu bekommen, während er Margas Hand drückt, die sie über seine gelegt hat.
„Du hast es kaputt gemacht?“ fragt Marga und blickt Bertl entsetzt an.
Mit Zorn im Blick steht Bertl auf, greift den Hut und blickt von Adrian zu Marga. „Hat irgendwer in diesem Haushalt eigentlich eine Ahnung was ich täglich für unsere Familie leiste?! Wieviel Kraft und Energie es kostet, alle Eventualitäten abzuwägen und ihnen vorzubeugen. Euch zu beschützen?! Hm?“ Er sticht mit seinem Zeigefinger gen Chip. „Und DU! Du brauchst gar nicht den Mund aufzumachen. Seit Jahren bringst du nichts, aber auch gar nichts fertig, hängst nur mit deinem Kumpan Blame in der Gegend herum und bist nichts als eine schlaffe Hülle ohne Wert und Nutzen...genau wie der luftleere Fußball, den du oben in der Ecke liegen hast. Am besten hockst du dich dazu!“ Er wendet sich Richtung Türe. „Ich bräuchte die Unterstützung meiner Familie..“ er betont das letzte Wort ironisch.“..und was bekomme ich? Ignoranz und Vorwürfe.Vielen Dank dafür.“ Bertl nimmt die Türklinke in die Hand und stoppt in der Bewegung, als Chip ihm entgegen tritt und dicht vor ihm stehen bleibt.
„DU? Brauchst UNSERE Unterstützung?“ Er stößt ein verächtliches Schnauben aus. „Du brauchst einzig und alleine DICH, nichts anderes. Hast DU eine Ahnung von was SIE träumt?“ Er weist auf seine Mutter. “ Oder was mit mir so ist? Nein, hast du nicht...weil DU der Ignorant in der Familie bist und niemand anders!“ Chip tritt wieder einen Schritt zurück und verzieht angewidert das Gesicht.“Aber weißt du was? Bald bin ich achtzehn und kann dir endlich den Rücken zu drehen.“ Er schaut kurz zu Marga. „Und ich hoffe sie macht es genauso.“
Für einen langen Moment treffen sich die zornigen Blicke von Vater und Sohn, dann senkt Bertl die Lider und öffnet mit zusammengepressten Lippen die Tür, die ein paar Sekunden später mit einem Knall hinter ihm ins Schloss fällt.
Chip fährt sich mit beiden Händen über das Gesicht. Er fühlt sich gerade uralt...ausgelaugt. Er nimmt einen Küchenstuhl, dreht ihn herum, setzt sich mit Blick zu Marga und legt die Arme auf der Rückenlehne ab. Während er seine Mutter anschaut, die immer noch lautlos weint, fragt sich Chip, was vorhin das Diskussionsthema zwischen seinen Eltern war. Er hat das Gefühl, dass viel mehr dahinter steckt, als er erahnen kann. Mit einem Kloß im Hals fragt er vorsichtig: „Warum weinst du, Mama?“ Er kann es einfach nicht sehen, wenn sie so unglücklich ist.
Chip greift eine Küchenrolle von der Anrichte, reißt ein Stück ab und reicht es ihr. Schniefend nimmt Marga es an, trocknet die Wangen, schnäuzt sich und antwortet leise:“ Weil wir in der Familie keinen Betriebsrat haben und die Fischfabrik, trotz aller Opfer, am Ende doch schließen musste.“
Verständnislos blickt Chip seine Mutter an. „Kannst du das vielleicht so erklären, dass ich's auch verstehe?“ Marga betupft nochmal die Augen, zerknüllt das Papier in der Hand und winkt mit einem kleinen Lächeln ab. „Später, in Ordnung?“
Sie schauen sich ein paar Sekunden schweigend an, dann nickt Chip seufzend und steht auf. „Okay.“ Für einen Moment steht er noch unschlüssig herum und schiebt dann den Küchenstuhl wieder zurück an seinen Platz. „Ich geh noch zum Skateplatz..bis später.“ Nichts wie raus hier aus diesem Irrenhaus. Wie soll er jemals!! Denize hierher mit bringen? Und wie soll er selber es hier bis zu seinem 18.Geburtstag aushalten? Das Geräusch der Skateboardrollen beruhigt und erlöst ihn von weiteren Gedanken. Chip gleitet Richtung Skateplatz und schafft es, zumindest für eine Weile, die Welt um sich herum zu vergessen.
Charaktere: Bertl, Marga, Chip
Geschichtsstrang: Kein Stein bleibt auf dem anderen...
Ein bisschen nervös sitzt Marga ihrem Ehemann gegenüber, der sich zum angekündigten Gespräch in der Küche eingefunden hat. Zwar war schon am Vortag die Rede davon gewesen, aber Bertl hatte es dann aus ihr unbekannten Gründen verschoben.
Die gesamte Lebensroutine, die ihrem ohnehin instabilen Familienleben eine gewissen Rahmen gegeben hat, ist seit Bertls Absage an den Alkohol und seine exzessiven Aktivitäten in Bezug auf Aliens, demontiert. Beinahe täglich wird Marga mit neuen Ideen und Theorien konfrontiert, die er im Austausch mit interessierten Kunden aufgreift und die ihn zu Neuerungen im Hause Töpfer veranlassen. Nicht immer zur Freude von Marga. Gewiss nicht. Allein dieser vermaledeite Hut, der ihr Druckstellen an der Stirn macht und ihr Gesichtsfeld so einschränkt, dass sie bei der Hausarbeit ständig irgendwo aneckt. Ihre blauen Flecken an den Beinen können mittlerweile jede extravagante Seidenstrumpfhose in den Schatten stellen. Heute trägt sie absichtlich keinen, was ihr einen kritischen Blick von Bertl eingebracht hat, aber erstaunlicherweise unkommentiert blieb.
Seufzend rührt sie in ihrer Teetasse und blickt zu ihrem Mann auf, der gerade mit einer Tasse Kaffee an den Tisch kommt. „Du wolltest mir etwas sehr wichtiges erzählen?“ fragt sie zögerlich und hofft, dass er ihr die Unsicherheit nicht an der Stimme anhört. Sie nippt am Tee und wappnet sich innerlich für alles mögliche. Wenn es nur nicht Adrian betrifft soll es ihr recht sein. Ansonsten steht wieder einmal ohrenbetäubendes Geschrei und Türen Geknalle an und das ist etwas, was Margas friedfertiges Gemüt ganz schlecht ertragen kann.
Bertl setzt sich ihr gegenüber, nimmt den Siebhut vom Kopf und legt ihn vorsichtig auf dem Stuhl neben sich ab. Dann bettet er bedächtig die Unterarme auf den Tisch und verschränkt die Finger. Beinahe beruhigend lächelt er sie an.
Marga stockt der Atem. Was geht hier vor? Was kann es zu besprechen geben, was ihn zu dieser Geste veranlasst? Ihr Blick schweift irritiert zu dem Hut und zurück zu Bertl, der sich jetzt räuspert und ernst wird.
Marga sackt ein wenig zusammen und greift ihre Teetasse fester.
Sich sehr bewusst dass dieses Thema heute ein heikles ist, ermahnt sich Bertl innerlich zur Ruhe. Er hat dieses Projekt lange in sich bewegt, das Für und Wider abgewogen und ist zum Schluss gekommen, dass er eine große Verantwortung für seine Familie trägt und der Nutzen für alle das Risiko aufwiegt. Er weiß aber auch dass Marga ein emotionaler Sim ist, was ihn etwas verstimmt. Er wird viel mehr erklären müssen, als er eigentlich für nötig hält. Er hat den Überblick und das Wissen, was nötig ist um auch in Zukunft ein sicheres Leben führen zu können und da gibt es im Grunde nichts zu diskutieren. Sie wird es nicht verstehen, aber sagen muss er es ihr trotzdem. Widerwillig setzt er ein (wie er hofft) mildes Lächeln auf.
„Marga, erinnerst du dich noch an die Zeit bevor es mit der Fischfabrik zu Ende ging?“ Die Frage ist rein rhetorisch, daher wartet Bertl auch keine Antwort ab, sondern redet sofort weiter.
Seine Stimme bekommt mehr Leben und er spricht schneller. „ Die wirtschaftliche Lage war schlecht und die ersten Gerüchte über eine Schließung waren im Umlauf. In Abstimmung mit dem Betriebsrat haben wir beschlossen, dass alle Mitarbeiter auf einen Teil ihres Lohnes und des Urlaubs verzichten, um Kosten zu sparen.“
Marga blickt ihren Mann etwas ratlos an. Wo führt das hin? Natürlich erinnert sie sich noch daran. Das war der Beginn der finanziellen Schwierigkeiten im Hause Töpfer gewesen. Aber warum erzählt er ihr das? Sie nickt schweigend und nippt an ihrem Tee.
Bertl richtet sich auf und schaut seiner Frau in die Augen. „Der Gedanke dahinter war, dass jeder persönliche Opfer zum Wohl des Ganzen bringt....was manchmal einfach unumgänglich ist.“ Er räuspert sich und das Tier in seinem Inneren hebt den Kopf, witternd die Nüstern blähend. Was gäbe er für ein Gläschen Schnaps. “Das verstehst du doch?“
Marga nickt wieder wortlos, die Teetasse fest im Griff.
Bertl nickt ebenfalls. „Gut, dann verstehst du sicher auch, dass dasselbe auch im privaten Bereich gilt.“ Er dreht den Hut auf dem Tisch etwas hin und her, hebt dann den Kopf und schaut Marga in die Augen. „Ich war heute in der Stadt. Erst bei AAAUA. Sie werden uns finanziell unterstützen zu günstigen Konditionen.“ Marga hebt alarmiert fragend die Brauen.
Bertl räuspert sich wieder und ringt das Tier nieder, dass widerwillig den Kopf senkt, jederzeit bereit zu neuem Leben zu erwachen. „Zum einen bin ich an einer neuen Erfindung dran, eine Lampe, die spezielle Strahlung...“ Er unterbricht sich. Sie wird nicht verstehen. Er redet nicht mit Stephen hier. Seufzend winkt er ab und setzt neu an.
„Darüber will ich aber gar nicht reden. Sie heißen auch meine Idee für den Bau eines Bunkers, groß genug für uns und wenige, ausgewählte gleichgesinnte Sims, gut.
Leider wird dieses Geld aber nicht ausreichen um einen Schutzraum mit allen notwendigen Sicherheitsmerkmalen zu bauen, deshalb war ich anschließend noch bei der Bank.“ Er trinkt einen Schluck und redet hastig weiter, ehe Marga etwas sagen oder fragen kann. „Wir haben ja das Haus als Sicherheit, deshalb waren die Verhandlungen nicht kompliziert. Sie stellen die restlichen Geldmittel zur Verfügung. Unsere Zukunft ist also gesichert, egal was den Außerirdischen einfällt um Simswelt zu infiltrieren oder sogar zu zerstören.“ Er lehnt sich mit verschränkten Armen zurück und mustert Marga abwartend.
Ganz flach atmend filtert Marga die relevanten Informationen aus dem eben Gehörten, umklammert dabei fest ihre Teetasse und blickt starr in Bertls Gesicht. Das ist es also was sie heute aus dem Garten gehört hat. Bauvorbereitungen.Sie schluckt.
„Du hast eine Hypothek auf das Haus meiner Familie aufgenommen? Das Haus in dem schon meine Mutter aufgewachsen ist?“ Ihre Stimme klingt monoton während ihre Augen wässrig werden, was Bertl zu einem undefinierbaren Laut veranlasst.
„Ohne vorher mit mir darüber zu reden?“ Ein einzelner, bitter-salziger Tropfen bahnt sich seinen Weg über ihre Wange.
Ihr Herz klopft mächtig in der Brust und sie spürt wie ihr schwindlig wird. “Mein Großvater hat es mit eigenen Händen erbaut, Bertl...das weißt du. Es ist unsere Sicherheit, alles was wir an Wert besitzen.“ Sie wird kreidebleich und verstummt.
War ja klar. Völlige Fehleinschätzung des Ernstes der Lage und emotionale Überreaktion. Bertl hasst es wenn sie weint. Die Sehnsucht nach starkem Alkohol wird größer, das Tier im Inneren hebt wieder den Kopf und schnaubt fordernd. Bertl schüttelt den Kopf. „Beruhige dich. Es ist alles halb so wild. Ich baue das Geschäft aus und wir zahlen alles in kleinen Raten bei beiden ab. Ich habe das schon komplett durchdacht, da kann nichts schief gehen, ich...“
Marga unterbricht ihn, während die Tränen jetzt richtig fließen.
„Bertl, wenn das nicht klappt mit den Einkünften..dann werden sie das Haus versteigern und..“ Sie stockt, weil im selben Moment die Küchentür auffliegt und ein aufgebrachter Adrian im Türrahmen steht.
Verdammt! Was hat sich der Alte dabei gedacht?! Chip hat das Chaos im hinteren Garten entdeckt und auch das zerstörte Kunstwerk. Der macht vor nichts mehr Halt. Heiße Wut über so viel Egoismus steigt in ihm hoch. Sein Atem beschleunigt sich und er will nur noch seinem Vater ins Gesicht schreien, was für ein gestörter, ignoranter Ars ch er ist. Wütend stapft er ins Haus, reißt die Küchentüre auf, hinter der die Stimmen seiner Eltern zu hören sind und erschrickt beim Anblick seiner weinenden Mutter. What the f..?? Seine Augen verengen sich zu Schlitzen, als er schnell den Kopf zu seinem Vater dreht. Die Hitzewelle in seiner Brust steigt ihm in den Kopf und lässt ihn buchstäblich rot sehen.
„Was hast du mit ihr gemacht und was soll die Schei ße hinten im Garten?“ Schreit er ihn an und tritt mit geballten Fäusten einen Schritt auf seinen Vater zu. „Reicht es dir noch nicht dass du mein Geburtstagsgeschenk für sie zerstört hast? Brauchst du noch mehr? Ist es ge il dass sie weint oder was? Du bist doch krank!!“
Er tritt wieder zurück, weil er ihm nicht so nahe sein will und atmet schwer. Es war eines seiner ersten Werke gewesen und er hatte es speziell für seine Mutter angefertigt. Sie hatten gemeinsam davor gestanden und philosophiert, wie es mit ihrer Persönlichkeit und ihren Träumen korrespondiert, was Chip sich dabei gedacht hatte. „Das ist das schönste Geschenk was ich je bekommen habe.“ Seine Mutter hatte ihn umarmt und eine Freudenträne war Chips Hals entlang in sein T-Shirt geflossen. Einer der seltenen Momente in denen sie sich wirklich nahe waren. Und jetzt? Sinnlos zerstört von seinem eigenen Vater, der sicher irgendeine monströse Absurdität ausgebrütet hat, für die er alle Grenzen überschreitet. Einer seiner Egotrips, die einfach nur zum kotzen sind.
Chip stellt sich neben Marga und legt einen Arm um ihre Schulter.
„Lass sie bloß in Ruhe sonst..“ droht er ihm zornerfüllt, verstummt und schaut seinen Vater schweratmend an.
Beherrsch dich, beherrsch dich, beherrsch dich,versucht er mantraartig seine Emotionen wieder unter Kontrolle zu bekommen, während er Margas Hand drückt, die sie über seine gelegt hat.
„Du hast es kaputt gemacht?“ fragt Marga und blickt Bertl entsetzt an.
Mit Zorn im Blick steht Bertl auf, greift den Hut und blickt von Adrian zu Marga. „Hat irgendwer in diesem Haushalt eigentlich eine Ahnung was ich täglich für unsere Familie leiste?! Wieviel Kraft und Energie es kostet, alle Eventualitäten abzuwägen und ihnen vorzubeugen. Euch zu beschützen?! Hm?“ Er sticht mit seinem Zeigefinger gen Chip. „Und DU! Du brauchst gar nicht den Mund aufzumachen. Seit Jahren bringst du nichts, aber auch gar nichts fertig, hängst nur mit deinem Kumpan Blame in der Gegend herum und bist nichts als eine schlaffe Hülle ohne Wert und Nutzen...genau wie der luftleere Fußball, den du oben in der Ecke liegen hast. Am besten hockst du dich dazu!“ Er wendet sich Richtung Türe. „Ich bräuchte die Unterstützung meiner Familie..“ er betont das letzte Wort ironisch.“..und was bekomme ich? Ignoranz und Vorwürfe.Vielen Dank dafür.“ Bertl nimmt die Türklinke in die Hand und stoppt in der Bewegung, als Chip ihm entgegen tritt und dicht vor ihm stehen bleibt.
„DU? Brauchst UNSERE Unterstützung?“ Er stößt ein verächtliches Schnauben aus. „Du brauchst einzig und alleine DICH, nichts anderes. Hast DU eine Ahnung von was SIE träumt?“ Er weist auf seine Mutter. “ Oder was mit mir so ist? Nein, hast du nicht...weil DU der Ignorant in der Familie bist und niemand anders!“ Chip tritt wieder einen Schritt zurück und verzieht angewidert das Gesicht.“Aber weißt du was? Bald bin ich achtzehn und kann dir endlich den Rücken zu drehen.“ Er schaut kurz zu Marga. „Und ich hoffe sie macht es genauso.“
Für einen langen Moment treffen sich die zornigen Blicke von Vater und Sohn, dann senkt Bertl die Lider und öffnet mit zusammengepressten Lippen die Tür, die ein paar Sekunden später mit einem Knall hinter ihm ins Schloss fällt.
Chip fährt sich mit beiden Händen über das Gesicht. Er fühlt sich gerade uralt...ausgelaugt. Er nimmt einen Küchenstuhl, dreht ihn herum, setzt sich mit Blick zu Marga und legt die Arme auf der Rückenlehne ab. Während er seine Mutter anschaut, die immer noch lautlos weint, fragt sich Chip, was vorhin das Diskussionsthema zwischen seinen Eltern war. Er hat das Gefühl, dass viel mehr dahinter steckt, als er erahnen kann. Mit einem Kloß im Hals fragt er vorsichtig: „Warum weinst du, Mama?“ Er kann es einfach nicht sehen, wenn sie so unglücklich ist.
Chip greift eine Küchenrolle von der Anrichte, reißt ein Stück ab und reicht es ihr. Schniefend nimmt Marga es an, trocknet die Wangen, schnäuzt sich und antwortet leise:“ Weil wir in der Familie keinen Betriebsrat haben und die Fischfabrik, trotz aller Opfer, am Ende doch schließen musste.“
Verständnislos blickt Chip seine Mutter an. „Kannst du das vielleicht so erklären, dass ich's auch verstehe?“ Marga betupft nochmal die Augen, zerknüllt das Papier in der Hand und winkt mit einem kleinen Lächeln ab. „Später, in Ordnung?“
Sie schauen sich ein paar Sekunden schweigend an, dann nickt Chip seufzend und steht auf. „Okay.“ Für einen Moment steht er noch unschlüssig herum und schiebt dann den Küchenstuhl wieder zurück an seinen Platz. „Ich geh noch zum Skateplatz..bis später.“ Nichts wie raus hier aus diesem Irrenhaus. Wie soll er jemals!! Denize hierher mit bringen? Und wie soll er selber es hier bis zu seinem 18.Geburtstag aushalten? Das Geräusch der Skateboardrollen beruhigt und erlöst ihn von weiteren Gedanken. Chip gleitet Richtung Skateplatz und schafft es, zumindest für eine Weile, die Welt um sich herum zu vergessen.