Forum Discussion
Ripzha
3 years agoSeasoned Ace
Ort: Willow Creek - Komorowy Haus
Charakter: Artjom / Anastasia / Iwan
Geschichtsstrang: besser kennenlernen
Jetzt ist es nicht mehr das Neonschild was von draussen ins Zimmer leuchtet sondern die Morgensonne die Artjom blendet. Er dreht sich auf die Seite und ist der Meinung, bei sich zu Hause zu liegen. Erst als er die Augen kurz öffnet, ist er eine Sekunde verwirrt, dann erinnert er sich. Die Bettseite neben ihm ist leer. Schläfrig richtet er sich ein wenig auf und verschränkt die Arme hinter dem Kopf. Die Zufriedenheit beim Einschlafen ist immernoch da und so schleicht sich ein Lächeln auf seine Lippen. Mit geschlossenen Augen lauscht er ins Zimmer ob sie vielleicht im Bad ist, doch es ist still. Schade. Gegen ein 'Frühstück' hätte er keine Einwende gehabt. Er öffnet die Augen und blickt auf die Uhr die immernoch 4:00 Uhr morgens anzeigt. Erst erschreckt er sich weil er glaubt es ist Nachmittag, dann lehnt er sich aus dem Bett und zieht die Hose die daneben liegt heran.
Aus der Tasche fischt er das Telefon. Unbeantwortete Anrufe von seiner Mutter... Er ignoriert die Anzeige und schaut auf die Uhr. 9:00 Uhr morgens. Trotzdem schon zu spät. Shit. Artjom springt aus dem Bett, schlüpft in seine Hosen, streift das Shirt über, steigt in die Schuhe und wirft einen Blick zurück auf das zerzauste Bett. Er tastet seine Taschen ab. Geldbeutel, Handy, Schlüssel. Im Bad überprüft er kurz sein Aussehen. Der Fleck am Hals... Damn Tani, musste das sein? Kurz Haare mit den Fingern zurück kämmen, dann geht er aus dem Motelzimmer. Er legt den Schlüssel beim selben Kerl ab der ihn ihnen letzte Nacht ausgehändigt hat und verlässt das Motel. Die Herbstluft ist kühl und eine unverkennbare Morgen-danach Stimmung überkommt ihn. Den Drink, das Tanzen, das Techtelmechtel immernoch in den Knochen, ermüdet von der Vorstellung das der Alltag sich unmittelbar nachdem er zu Hause ankommt, wieder einstellt. Artjom reibt sich mit den Händen das Gesicht und gähnt, dann bewegt er sich nach Hause.
Die Haustür ist abgschlossen. Er öffnet die Tür mit dem Hausschlüssel und öffnet sie leise. Er streckt den Kopf herein und das erste was er sieht ist Cookie in ihrem Körbchen, direkt gerade aus, in der Küche, wie sie den Kopf hebt und ihn mit diesen freudlosen runden Augen anstarrt.
Als ob er nicht wüsste, dass das nicht funktioniert, schaut er sie an, legt den Finger auf den Mund und bedeutet dem Hund leise zu sein. Doch als er den ersten Fuss über die Türschwelle setzt, springt das Vieh auf und trottet mit schnellen kurzen klackernden Schritten auf ihn zu und bellt seine Schuhe an. "Halts maul Cookie." flüstert er und schließt die Tür hinter sich. Kurz lehnt er sich dagegen und ist wie immer versucht dem Tier mit dem Fuss einen Schubs zu geben, damit es ihm wenigstens etwas Raum zum bewegen gibt.
Als er aufschaut, erschreckt er sich fast. In der Tür steht eine nicht amüsierte, Anastasia, mit verschränkten Armen. Ungeduldig tippt sie mit den Fingern auf ihren Oberarm. Artjom richtet sich auf und lächelt ertappt. "Herm... Guten Morgen?" Bewusst zieht er den Kragen des Shirts höher, doch der ist leider nicht wirklich dazu gemacht Knutschflecken zu verdecken.
Wortlos mustert Anastasia erst leicht besorgt Cookie, dann unterkühlt Artjom. Sie nähert sich ein paar Schritte, zupft kurz prüfend an seinem Shirt und schnüffelt dann leicht an seiner Kleidung, bevor sie wieder zurücktritt und ihn mit zusammengekniffenen Augen ansieht. "Das ist also der Dank." Sie verschränkt wieder die Arme und verstellt ihm weiter jede Fluchtmöglichkeit. Cookie, die veränderte Energie im Raum spürend, beginnt leise zu knurren. "Der Dank dafür, dass ich mich aufopfere und alles dafür tue, dir ein gutes Leben zu ermöglichen. Der Dank dafür, dass dein Vater, so schwer es ihm auch fällt, seine Zeit und Energie aufwendet um dich zu unterstützen wo es geht."
Sie tritt wieder näher und fixiert ihn. " Und du?" Ihr Finger sticht in seine Richtung, das Knurren am Boden wird lauter. "Du treibst dich die ganze Nacht weiß Gott wo herum, mit irgendwelchen Flittchen.." Sie zieht nochmal an seinem Oberteil. "..die nach billigem Parfüm riechen." Beim letzten Satz wird ihre Stimme etwas lauter und Cookie beginnt zu kläffen.
Schnell bückt sich Anastasia, nimmt sie auf den Arm und drückt ihr einen Kuss auf den Kopf. Dann schaut sie wieder zu ihrem Sohn. "Sogar der Hund ist dankbarer als du."
Artjom neigt den Kopf von seiner Mutter weg als sie an ihm riecht. Er weiss was jetzt kommt. Es ist nicht das erste Mal. Immer wenn er auswärts bleibt, muss er entscheiden ob er früher nach Hause geht, ohne die Zeit außerhalb dieses Käfigs voll ausgekostet zu haben, oder ob er sein Langschläfer-Gen herausfordern soll und hoffen, dass er es nach einem Nap schafft aufzustehen und früh genug herein schleichen kann. Beides funktioniert nie wirklich. Seine Mutter hat Augen und Ohren wie eine Eule. Die Vorwürfe verlieren aber nie ihre Kraft, egal wie oft er sie sich anhören muss. "Ich bin fast 18..." wendet er mit gesenktem Kopf und fast nuschelnd ein. "Es schadet euch doch nicht.."
"Es schadet dir und damit auch deiner Familie." Anastasias Stimme wird schneidend. "Aber natürlich interessiert dich das nicht. In deiner Welt gibt es nur Artjom und was Artjom gefällt. Was hab ich nur verkehrt gemacht?" Beim letzten Teil des Satzes wendet sie sich schon ab. "Geh in dein Zimmer, ich will dich nicht mehr sehen. Deinem Vater kannst du später ja wieder irgendwelche Lügengeschichten erzählen, fang bei mir gar nicht erst an." Gekränkt wendet sie sich um und geht Richtung elterliches Schlafzimmer, in dem Iwan noch schläft. "Und lass deine Zimmertüre angelehnt, falls die Hunde zu dir rein wollen." schickt sie noch nach, ehe sie Cookie absetzt und die Türe des eigenen Schlafgemachs ins Schloss fällt.
Artjom behält den Kopf gesenkt und schaut nur leicht auf als sie ihm den Rücken zu kehrt. Das schlechte Gewissen drückt. Gegen sie kommt er einfach nicht an, sie hat immer eine Antwort. Okay, gut, vielleicht haben sie sich Sorgen gemacht, aber es ist doch nichts passiert - aber es hätte können - Artjom verzeiht das Gesicht sauer, greift nach dem Treppengeländer und springt, immer zwei Stufen nehmend hinauf. Er schliesst die Tür zu seinem Zimmer, tritt einen Schritt zurück und macht sie wieder einen Spalt auf. Er hasst es die Köter rein lassen zu müssen, sie zerkauen seine Schuhe und Socken. Warum muss er das zulassen und sie darf die Elternschlafzimmertür schliessen? Er macht die Tür wieder zu und starrt den Griff an. Das ist so unfair, denkt er und öffnet sie wieder. Dann lässt er davon ab und lässt sich aufs Bett fallen.
Mittags
Artjom hört unten das brutzeln in der Küche und der Geruch von leckerem Essen steigt in das obere Stockwerk. Artjom hat hunger, in seinem Bauch ist ein Loch, gerissen von viel körperlicher Aktivität und Alkohol. Bestimmt ruft sie bald zum Essen. Artjom zieht die Sachen von gestern aus und geht ins Bad um vorher zu duschen.
Danach zieht er sich was an, was den Hals verdeckt um sie nicht nochmal daran zu erinnern was er diese Nacht getrieben hat.
Sie hat noch immer nicht gerufen, also geht er von sich aus runter und bleibt im Türrahmen zur Küche stehen.
"Möchtest du die Spiegeleier ganz durchgebraten?" Anastasia dreht den Herd etwas zurück und gestikuliert in Richtung ihres Mannes. Aus den Augenwinkeln nimmt sie eine Bewegung wahr. Sie denkt gar nicht daran sich umzudrehen. Aus dem Küchenschrank nimmt sie zwei Teller, stellt einen vor ihren Mann und einen an den Platz neben ihm. Zwei Gläser, Besteck und ein Krug mit selbstgemachter Limonade folgen. Iwan hat seinen Wunsch geäußert, Anastasia wirft ihm ein sanftes Lächeln zu und beginnt die Teller mit Spiegelei, Spinat und Kartoffeln zu füllen. Als alles schön angerichtet ist, dreht sie den Herd ab, stellt einen Teller vor Iwan, schenkt die Gläser ein und nimmt selbst , mit dem Rücken zum Türrahmen Platz. Seufzend deutet sie Iwan eine guten Appetit und beginnt selbst auch zu essen.
Artjom sieht seine Mutter an wie sie für zwei deckt und ist sofort innerlich angespannt. Es ist das Gefühl von Ausgeschlossenheit, wie wenn man als letzter beim Sport in ein Team gewählt wird, und die Scham wenn man als einziger eine schlechte Note geschrieben hat obwohl man sich Mühe gegeben hat und die Lehrerin das allen mitteilt. Er tritt einen Schritt auf die beiden zu die bereits essen. Der Gesichtsausdruck seines Vater wandelt sich zu besorgt als er seinen Sohn ansieht und aufhört zu kauen. "... bekomm ich auch was..?" fragt er vorsichtig. Er hat so einen riesen Hunger.
Anastasias Gabel mit dem Spiegelei verharrt auf halbem Wege zum Mund. Betont langsam senkt sie sie wieder, legt das Besteck auf dem Teller ab, blickt erst zu Iwan und dann eisig zu Artjom. Sie legt eine Hand ans Ohr und knickt es etwas, als wolle sie ohne Worte sagen, dass sie nicht verstanden hat. Sie hasst es , wenn er nicht die Gebärdensprache verwendet, wenn Iwan dabei ist, tut ihm aber sicher nicht den Gefallen sich provozieren zu lassen. Unbewegt beginnt sie wieder zu essen.
Artjom seufzt innerlich und wiederholt die Frage gestikulierend. Er hängt ein 'Bitte' an. Es ist kein gutes Zeichen wenn sie nicht spricht, aber vielleicht antwortet sie jetzt trotzdem? Wie auf Kommando knurrt sein Magen jetzt hörbar.
Anastasia isst unbeirrt mit gesenktem Blick weiter, so dass Iwan in die Bresche springt. "Natürlich, nimm dir." bedeutet er ihm. Sein Blick sagt: Es tut mir leid, denk nicht so viel darüber nach, du kennst sie ja. Dann senkt auch er den Kopf und beginnt wieder zu essen.
Artjom sieht von Iwan zu Anastasia, geht in die Küche und nimmt sich einen Teller. Es sind nicht genug Eier da weswegen er nur Spinat und ein paar restliche Kartoffeln schöpfen kann. Mit Teller, Besteck und einem leeren Glas setzt er sich mit ungutem Gefühl an den Tisch zu seinen Eltern.
Die Miene seiner Mutter versteinert. Sie nimmt Besteck und ihren Teller, schiebt abrupt den Stuhl nach hinten, ruft die Hunde und verschwindet, ohne die beiden noch eines Blickes zu würdigen, im Wohnzimmer.
Iwan blickt ihr mit resigniertem Gesichtsausdruck nach, dann wendet er sich seinem Sohn zu und legt das Besteck weg. Er sieht ihn an und fragt aufrichtig besorgt: "Magst du mir deine Version der Geschichte erzählen?" Danach nimmt er die Gabel wieder auf, spießt das eine Spiegelei auf, dass er noch nicht gegessen hat und legt es lächelnd Artjom auf den Teller. "Du musst noch wachsen." scherzt er gestikulierend und isst dann selbst weiter.
Der Sohn schaut seiner Mutter nicht hinterher sondern auf seinen Teller. Er ist ein paar Bissen, er ist sauer und isst obwohl sie ihm den Appetit verdorben hat. Mit der Gabel noch in der Hand gestikuliert er seinem Vater zurück, "Was hab ich denn ihrer Meinung nach schon wieder verbockt?" Er bewegt die Lippen dabei mit als würde er sprechen, aber ohne Ton. Es verstärkt seine Verständnislosigkeit. "Ich bin alt genug, oder nicht? Wieso kann ich nicht nach Hause kommen wann ich will?"
Iwan runzelt die Stirn. "Du bist kein Kind mehr, aber auch noch nicht volljährig. Deine Mutter sorgt sich, wenn du einfach weg bleibst." antwortet er, ebenfalls mit der Gabel in der Hand . "Warum meldest du dich nicht wenn es spät wird?" Er schmunzelt ein wenig. "Oder wenn du bei einem Freund übernachtest, weil ihr die halbe Nacht gezockt habt." Dann legt er sein Besteck nebeneinander auf den mittlerweile leeren Teller und zwinkert Artjom zu.
Unwillkürlich tastet der Junge kurz an seinen Hals. Der Kragen verdeckt alles noch. Er hat noch keine Lust diese Geschichte zu verlieren, deswegen gestikulliert er, jetzt etwas weniger aufgebracht, "Wenn ich ihr schreibe dass es spät wird, nervt sie mich den ganzen Abend noch mehr." Dann will sie alles wissen, wo, bis wann, mit wem, warum. Und ob er weg bleibt weil er sie hasst. Artjom schüttelt den Kopf. "Was soll ich machen?"
"Schreib mir.", antwortet Iwan lächelnd. "Ich kann das gerade biegen, zumindest so, dass es nicht so ausartet wie heute." Er senkt die Hände und blickt Richtung Wohnzimmer. Nach einer Weile Schweigen, nur unterbrochen vom Kratzen des Bestecks auf Artjoms Teller, setzt er erneut an. Mit beruhigenden Gesten versucht er seinen Sohn zu überzeugen. Sein Blick wird eindringlich, während seine Hände die Bewegungen wieder aufnehmen. "Du weißt, dass deine Mutter das lange..." Er unterbricht sich, weil Anastasia, mit immer noch steinernem Gesichtsausdruck, in die Küche gerauscht kommt, den Teller noch halb voll mit Essen. Demonstrativ kippt sie die Reste in den Müll, räumt geräuschvoll ihren Teller und das Besteck in die Spülmaschine und verlässt, nicht ohne Iwan einen giftigen Blick zuzuwerfen, den Raum wieder.
Tief aufseufzend fährt er fort. "Du weißt dass sie lange schweigen wird. Solange bis du dich entschuldigst. Es wird keine schöne Zeit für uns alle werden." Sein Blick ist jetzt traurig, mit einem Quentchen Hoffnungslosigkeit.
Als würde Anastasia sich damit zu frieden geben wenn er seinem Vater schreibt. Artjom kennt sie. Wahrscheinlich wird sie ihm dann vorwerfen, er würde sie hintergehen oder sowas. Aber wenn er meint. "Ich weiss." meint Artjom seufzend. Solang es 'nur' schweigen ist. Er versteht seinen Vater. "Ich habs so satt." gestikuliert er ihm, steht ohne eine Antwort abzuwarten auf, nimmt den Teller und geht in die Küche.
Iwan blickt ihm nach. Er versteht Artjom nur zu gut. Er räumt den Tisch vollends ab und geht in sein Arbeitszimmer, darauf vertrauend, dass sein Sohn ...alles richtig machen wird.
Mit Tränen in den Augen sitzt Anastasia auf der Couch, flankiert von Cookie und Dino. Sie krault beide gleichzeitig und hat das Gefühl, die Welt hat sich gegen sie verschworen. Wie kann ihr Sohn sie nur immer wieder so hintergehen und verletzen? Sie starrt aus dem Fenster. Was hat sie nicht alles gegeben? Hobbies zurück gesteckt, eigene Träume begraben..in der Hoffnung Artjom eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen. Aber Undank ist der Welt Lohn, so wohl auch für sie. Sie zieht ein Taschentuch heraus und schnäuzt geräuschvoll die Nase. Soll er nur hören, wie schlecht es ihr geht.
Artjom lehnt neben dem Durchgang zum Wohnzimmer im anderen Raum, so das sie ihn noch nicht sieht und hört sie Schluchzen. Das tut weh. Es ist gar nie seine Absicht sie zum weinen zu bringen, er versteht nur nicht warum das immer passiert. Kurz schliesst er die Augen, dann stösst er sich von der Wand ab und tritt vorsichtig mit verlegener Haltung ins Zimmer.
Kurz wendet seine Mutter den Kopf, tupft die Augen trocken und wirft ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, dann schaut sie wieder aus dem Fenster und streichelt die Hunde.
Ihr Sohn macht noch einen Schritt, er zögert mit dem was er sagen soll. Gleichzeitig ist es das einzige was er sagen will. "Tut mir Leid, Mom..." um die unruhigen Hände zu beschäftigen steckt er sie in die Tasche. "Ich werd mich bessern.."
Mit ein paar Sekunden Verzögerung dreht ihm Anastasia das Gesicht zu. Aus verweinten Augen schaut sie ihn prüfend an. "Und wieso soll ich dir das glauben, hm? Du machst das immer wieder, obwohl du weißt wie mich das verletzt." Sie pausiert kurz. " Als ob es dir Spaß machen würde mit meinen Gefühlen zu spielen."
"Das stimmt nicht." antwortet er und ist dann ratlos. Ja na gut, sie hat ja recht, das kam auch in Tartosa schon vor, aber doch nicht um sie zu verletzen. Er will doch nur ein wenig Freiheit. "Was... soll ich tun?" Sie stellt sich manchmal an als wär sie eifersüchtig auf die Leute mit denen er sich trifft. Als müsste sie die einzige Frau in seinem Leben sein. Er wartet auf eine Antwort die nicht kommt. "Mom..?"
Anastasia kaut innen auf ihrer Wange herum. "Ich verlange doch nicht zu viel oder? Ehrlichkeit und ein bisschen Anpassung in der Familie. Ist das so schwer? " Sie blickt zu Artjom und registriert seinen zerknirschten Gesichtsausdruck. Für eine Sekunde hätte man einen Hauch von Befriedigung auf ihren Gesichtszügen wahrnehmen können, wenn nicht sofort wieder die Maske der Traurigkeit gefallen wäre. Sie mustert ihn schweigend. Dann hebt sie seufzend die Brauen und antwortet . "Na gut. Ich will dir nochmal eine Chance geben, aber die gibt's nicht unendlich, klar? Es gibt Regeln hier in unserer Familie und an die halten sich alle, auch Hr.Artjom."
Sie schwingt die Beine vom Sofa, was Dino und Cookie die Köpfe heben lässt. Ihr Ton nimmt eine leicht selbstgefälligen Färbung an.
"Auch wenn ich dir verzeihe, gibt's das nicht umsonst. Du wirst zwei Wochen lang morgens vor der Schule mit den beiden Süßen hier Gassi gehen." Anastasia steht auf und schaut ihrem Sohn in die Augen. "Und achte darauf, dass sie auch wirklich ihr Geschäft machen und nimm die Müllbeutel mit zum aufsammeln."
„Vor der Schule…?“ Och ne, bitte nicht. Früh aufstehen ist das letzte, nicht nur für ihn, und sie weiss das. Sein Gesichtsausdruck wird wie dressiert zu einer Mischung aus flehend und traurig. Tu mir das nicht an, Mama.
"Du glaubst dass du hier die Bedingungen bestimmst?" Anastasias Ton wird scharf.
Er atmet tief ein, die Lippen gepresst. Links und rechts suchen seine Augen kurz nach etwas was sie besänftigen könnte, weiss aber das es da nur eine Sache gibt. „Nein..“ seufzt er resigniert, dann verschränkt er die Arme und schaut zur Seite, weil er es hasst so unterwürfig zu sein. Und trotzdem schafft sie es immer wieder.
Anastasias Körperhaltung wird wieder entspannter. "Na also." Sie lächelt ihn kurz wohlwollend an. "Ich mach uns mal einen leckeren Nachtisch und ruf dich wenn er fertig ist." Damit verschwindet sie in der Küche, zufrieden mit sich und der Welt. Zwei Wochen lang nicht so früh raus aus den Federn und dem Sohn noch etwas beigebracht darüber, wie das Leben funktioniert. Wenn das kein Grund zur Zufriedenheit ist, was dann?
(in Zusammenarbeit mit @simscat2)
Charakter: Artjom / Anastasia / Iwan
Geschichtsstrang: besser kennenlernen
Jetzt ist es nicht mehr das Neonschild was von draussen ins Zimmer leuchtet sondern die Morgensonne die Artjom blendet. Er dreht sich auf die Seite und ist der Meinung, bei sich zu Hause zu liegen. Erst als er die Augen kurz öffnet, ist er eine Sekunde verwirrt, dann erinnert er sich. Die Bettseite neben ihm ist leer. Schläfrig richtet er sich ein wenig auf und verschränkt die Arme hinter dem Kopf. Die Zufriedenheit beim Einschlafen ist immernoch da und so schleicht sich ein Lächeln auf seine Lippen. Mit geschlossenen Augen lauscht er ins Zimmer ob sie vielleicht im Bad ist, doch es ist still. Schade. Gegen ein 'Frühstück' hätte er keine Einwende gehabt. Er öffnet die Augen und blickt auf die Uhr die immernoch 4:00 Uhr morgens anzeigt. Erst erschreckt er sich weil er glaubt es ist Nachmittag, dann lehnt er sich aus dem Bett und zieht die Hose die daneben liegt heran.
Aus der Tasche fischt er das Telefon. Unbeantwortete Anrufe von seiner Mutter... Er ignoriert die Anzeige und schaut auf die Uhr. 9:00 Uhr morgens. Trotzdem schon zu spät. Shit. Artjom springt aus dem Bett, schlüpft in seine Hosen, streift das Shirt über, steigt in die Schuhe und wirft einen Blick zurück auf das zerzauste Bett. Er tastet seine Taschen ab. Geldbeutel, Handy, Schlüssel. Im Bad überprüft er kurz sein Aussehen. Der Fleck am Hals... Damn Tani, musste das sein? Kurz Haare mit den Fingern zurück kämmen, dann geht er aus dem Motelzimmer. Er legt den Schlüssel beim selben Kerl ab der ihn ihnen letzte Nacht ausgehändigt hat und verlässt das Motel. Die Herbstluft ist kühl und eine unverkennbare Morgen-danach Stimmung überkommt ihn. Den Drink, das Tanzen, das Techtelmechtel immernoch in den Knochen, ermüdet von der Vorstellung das der Alltag sich unmittelbar nachdem er zu Hause ankommt, wieder einstellt. Artjom reibt sich mit den Händen das Gesicht und gähnt, dann bewegt er sich nach Hause.
Die Haustür ist abgschlossen. Er öffnet die Tür mit dem Hausschlüssel und öffnet sie leise. Er streckt den Kopf herein und das erste was er sieht ist Cookie in ihrem Körbchen, direkt gerade aus, in der Küche, wie sie den Kopf hebt und ihn mit diesen freudlosen runden Augen anstarrt.
Als ob er nicht wüsste, dass das nicht funktioniert, schaut er sie an, legt den Finger auf den Mund und bedeutet dem Hund leise zu sein. Doch als er den ersten Fuss über die Türschwelle setzt, springt das Vieh auf und trottet mit schnellen kurzen klackernden Schritten auf ihn zu und bellt seine Schuhe an. "Halts maul Cookie." flüstert er und schließt die Tür hinter sich. Kurz lehnt er sich dagegen und ist wie immer versucht dem Tier mit dem Fuss einen Schubs zu geben, damit es ihm wenigstens etwas Raum zum bewegen gibt.
Als er aufschaut, erschreckt er sich fast. In der Tür steht eine nicht amüsierte, Anastasia, mit verschränkten Armen. Ungeduldig tippt sie mit den Fingern auf ihren Oberarm. Artjom richtet sich auf und lächelt ertappt. "Herm... Guten Morgen?" Bewusst zieht er den Kragen des Shirts höher, doch der ist leider nicht wirklich dazu gemacht Knutschflecken zu verdecken.
Wortlos mustert Anastasia erst leicht besorgt Cookie, dann unterkühlt Artjom. Sie nähert sich ein paar Schritte, zupft kurz prüfend an seinem Shirt und schnüffelt dann leicht an seiner Kleidung, bevor sie wieder zurücktritt und ihn mit zusammengekniffenen Augen ansieht. "Das ist also der Dank." Sie verschränkt wieder die Arme und verstellt ihm weiter jede Fluchtmöglichkeit. Cookie, die veränderte Energie im Raum spürend, beginnt leise zu knurren. "Der Dank dafür, dass ich mich aufopfere und alles dafür tue, dir ein gutes Leben zu ermöglichen. Der Dank dafür, dass dein Vater, so schwer es ihm auch fällt, seine Zeit und Energie aufwendet um dich zu unterstützen wo es geht."
Sie tritt wieder näher und fixiert ihn. " Und du?" Ihr Finger sticht in seine Richtung, das Knurren am Boden wird lauter. "Du treibst dich die ganze Nacht weiß Gott wo herum, mit irgendwelchen Flittchen.." Sie zieht nochmal an seinem Oberteil. "..die nach billigem Parfüm riechen." Beim letzten Satz wird ihre Stimme etwas lauter und Cookie beginnt zu kläffen.
Schnell bückt sich Anastasia, nimmt sie auf den Arm und drückt ihr einen Kuss auf den Kopf. Dann schaut sie wieder zu ihrem Sohn. "Sogar der Hund ist dankbarer als du."
Artjom neigt den Kopf von seiner Mutter weg als sie an ihm riecht. Er weiss was jetzt kommt. Es ist nicht das erste Mal. Immer wenn er auswärts bleibt, muss er entscheiden ob er früher nach Hause geht, ohne die Zeit außerhalb dieses Käfigs voll ausgekostet zu haben, oder ob er sein Langschläfer-Gen herausfordern soll und hoffen, dass er es nach einem Nap schafft aufzustehen und früh genug herein schleichen kann. Beides funktioniert nie wirklich. Seine Mutter hat Augen und Ohren wie eine Eule. Die Vorwürfe verlieren aber nie ihre Kraft, egal wie oft er sie sich anhören muss. "Ich bin fast 18..." wendet er mit gesenktem Kopf und fast nuschelnd ein. "Es schadet euch doch nicht.."
"Es schadet dir und damit auch deiner Familie." Anastasias Stimme wird schneidend. "Aber natürlich interessiert dich das nicht. In deiner Welt gibt es nur Artjom und was Artjom gefällt. Was hab ich nur verkehrt gemacht?" Beim letzten Teil des Satzes wendet sie sich schon ab. "Geh in dein Zimmer, ich will dich nicht mehr sehen. Deinem Vater kannst du später ja wieder irgendwelche Lügengeschichten erzählen, fang bei mir gar nicht erst an." Gekränkt wendet sie sich um und geht Richtung elterliches Schlafzimmer, in dem Iwan noch schläft. "Und lass deine Zimmertüre angelehnt, falls die Hunde zu dir rein wollen." schickt sie noch nach, ehe sie Cookie absetzt und die Türe des eigenen Schlafgemachs ins Schloss fällt.
Artjom behält den Kopf gesenkt und schaut nur leicht auf als sie ihm den Rücken zu kehrt. Das schlechte Gewissen drückt. Gegen sie kommt er einfach nicht an, sie hat immer eine Antwort. Okay, gut, vielleicht haben sie sich Sorgen gemacht, aber es ist doch nichts passiert - aber es hätte können - Artjom verzeiht das Gesicht sauer, greift nach dem Treppengeländer und springt, immer zwei Stufen nehmend hinauf. Er schliesst die Tür zu seinem Zimmer, tritt einen Schritt zurück und macht sie wieder einen Spalt auf. Er hasst es die Köter rein lassen zu müssen, sie zerkauen seine Schuhe und Socken. Warum muss er das zulassen und sie darf die Elternschlafzimmertür schliessen? Er macht die Tür wieder zu und starrt den Griff an. Das ist so unfair, denkt er und öffnet sie wieder. Dann lässt er davon ab und lässt sich aufs Bett fallen.
Mittags
Artjom hört unten das brutzeln in der Küche und der Geruch von leckerem Essen steigt in das obere Stockwerk. Artjom hat hunger, in seinem Bauch ist ein Loch, gerissen von viel körperlicher Aktivität und Alkohol. Bestimmt ruft sie bald zum Essen. Artjom zieht die Sachen von gestern aus und geht ins Bad um vorher zu duschen.
Danach zieht er sich was an, was den Hals verdeckt um sie nicht nochmal daran zu erinnern was er diese Nacht getrieben hat.
Sie hat noch immer nicht gerufen, also geht er von sich aus runter und bleibt im Türrahmen zur Küche stehen.
"Möchtest du die Spiegeleier ganz durchgebraten?" Anastasia dreht den Herd etwas zurück und gestikuliert in Richtung ihres Mannes. Aus den Augenwinkeln nimmt sie eine Bewegung wahr. Sie denkt gar nicht daran sich umzudrehen. Aus dem Küchenschrank nimmt sie zwei Teller, stellt einen vor ihren Mann und einen an den Platz neben ihm. Zwei Gläser, Besteck und ein Krug mit selbstgemachter Limonade folgen. Iwan hat seinen Wunsch geäußert, Anastasia wirft ihm ein sanftes Lächeln zu und beginnt die Teller mit Spiegelei, Spinat und Kartoffeln zu füllen. Als alles schön angerichtet ist, dreht sie den Herd ab, stellt einen Teller vor Iwan, schenkt die Gläser ein und nimmt selbst , mit dem Rücken zum Türrahmen Platz. Seufzend deutet sie Iwan eine guten Appetit und beginnt selbst auch zu essen.
Artjom sieht seine Mutter an wie sie für zwei deckt und ist sofort innerlich angespannt. Es ist das Gefühl von Ausgeschlossenheit, wie wenn man als letzter beim Sport in ein Team gewählt wird, und die Scham wenn man als einziger eine schlechte Note geschrieben hat obwohl man sich Mühe gegeben hat und die Lehrerin das allen mitteilt. Er tritt einen Schritt auf die beiden zu die bereits essen. Der Gesichtsausdruck seines Vater wandelt sich zu besorgt als er seinen Sohn ansieht und aufhört zu kauen. "... bekomm ich auch was..?" fragt er vorsichtig. Er hat so einen riesen Hunger.
Anastasias Gabel mit dem Spiegelei verharrt auf halbem Wege zum Mund. Betont langsam senkt sie sie wieder, legt das Besteck auf dem Teller ab, blickt erst zu Iwan und dann eisig zu Artjom. Sie legt eine Hand ans Ohr und knickt es etwas, als wolle sie ohne Worte sagen, dass sie nicht verstanden hat. Sie hasst es , wenn er nicht die Gebärdensprache verwendet, wenn Iwan dabei ist, tut ihm aber sicher nicht den Gefallen sich provozieren zu lassen. Unbewegt beginnt sie wieder zu essen.
Artjom seufzt innerlich und wiederholt die Frage gestikulierend. Er hängt ein 'Bitte' an. Es ist kein gutes Zeichen wenn sie nicht spricht, aber vielleicht antwortet sie jetzt trotzdem? Wie auf Kommando knurrt sein Magen jetzt hörbar.
Anastasia isst unbeirrt mit gesenktem Blick weiter, so dass Iwan in die Bresche springt. "Natürlich, nimm dir." bedeutet er ihm. Sein Blick sagt: Es tut mir leid, denk nicht so viel darüber nach, du kennst sie ja. Dann senkt auch er den Kopf und beginnt wieder zu essen.
Artjom sieht von Iwan zu Anastasia, geht in die Küche und nimmt sich einen Teller. Es sind nicht genug Eier da weswegen er nur Spinat und ein paar restliche Kartoffeln schöpfen kann. Mit Teller, Besteck und einem leeren Glas setzt er sich mit ungutem Gefühl an den Tisch zu seinen Eltern.
Die Miene seiner Mutter versteinert. Sie nimmt Besteck und ihren Teller, schiebt abrupt den Stuhl nach hinten, ruft die Hunde und verschwindet, ohne die beiden noch eines Blickes zu würdigen, im Wohnzimmer.
Iwan blickt ihr mit resigniertem Gesichtsausdruck nach, dann wendet er sich seinem Sohn zu und legt das Besteck weg. Er sieht ihn an und fragt aufrichtig besorgt: "Magst du mir deine Version der Geschichte erzählen?" Danach nimmt er die Gabel wieder auf, spießt das eine Spiegelei auf, dass er noch nicht gegessen hat und legt es lächelnd Artjom auf den Teller. "Du musst noch wachsen." scherzt er gestikulierend und isst dann selbst weiter.
Der Sohn schaut seiner Mutter nicht hinterher sondern auf seinen Teller. Er ist ein paar Bissen, er ist sauer und isst obwohl sie ihm den Appetit verdorben hat. Mit der Gabel noch in der Hand gestikuliert er seinem Vater zurück, "Was hab ich denn ihrer Meinung nach schon wieder verbockt?" Er bewegt die Lippen dabei mit als würde er sprechen, aber ohne Ton. Es verstärkt seine Verständnislosigkeit. "Ich bin alt genug, oder nicht? Wieso kann ich nicht nach Hause kommen wann ich will?"
Iwan runzelt die Stirn. "Du bist kein Kind mehr, aber auch noch nicht volljährig. Deine Mutter sorgt sich, wenn du einfach weg bleibst." antwortet er, ebenfalls mit der Gabel in der Hand . "Warum meldest du dich nicht wenn es spät wird?" Er schmunzelt ein wenig. "Oder wenn du bei einem Freund übernachtest, weil ihr die halbe Nacht gezockt habt." Dann legt er sein Besteck nebeneinander auf den mittlerweile leeren Teller und zwinkert Artjom zu.
Unwillkürlich tastet der Junge kurz an seinen Hals. Der Kragen verdeckt alles noch. Er hat noch keine Lust diese Geschichte zu verlieren, deswegen gestikulliert er, jetzt etwas weniger aufgebracht, "Wenn ich ihr schreibe dass es spät wird, nervt sie mich den ganzen Abend noch mehr." Dann will sie alles wissen, wo, bis wann, mit wem, warum. Und ob er weg bleibt weil er sie hasst. Artjom schüttelt den Kopf. "Was soll ich machen?"
"Schreib mir.", antwortet Iwan lächelnd. "Ich kann das gerade biegen, zumindest so, dass es nicht so ausartet wie heute." Er senkt die Hände und blickt Richtung Wohnzimmer. Nach einer Weile Schweigen, nur unterbrochen vom Kratzen des Bestecks auf Artjoms Teller, setzt er erneut an. Mit beruhigenden Gesten versucht er seinen Sohn zu überzeugen. Sein Blick wird eindringlich, während seine Hände die Bewegungen wieder aufnehmen. "Du weißt, dass deine Mutter das lange..." Er unterbricht sich, weil Anastasia, mit immer noch steinernem Gesichtsausdruck, in die Küche gerauscht kommt, den Teller noch halb voll mit Essen. Demonstrativ kippt sie die Reste in den Müll, räumt geräuschvoll ihren Teller und das Besteck in die Spülmaschine und verlässt, nicht ohne Iwan einen giftigen Blick zuzuwerfen, den Raum wieder.
Tief aufseufzend fährt er fort. "Du weißt dass sie lange schweigen wird. Solange bis du dich entschuldigst. Es wird keine schöne Zeit für uns alle werden." Sein Blick ist jetzt traurig, mit einem Quentchen Hoffnungslosigkeit.
Als würde Anastasia sich damit zu frieden geben wenn er seinem Vater schreibt. Artjom kennt sie. Wahrscheinlich wird sie ihm dann vorwerfen, er würde sie hintergehen oder sowas. Aber wenn er meint. "Ich weiss." meint Artjom seufzend. Solang es 'nur' schweigen ist. Er versteht seinen Vater. "Ich habs so satt." gestikuliert er ihm, steht ohne eine Antwort abzuwarten auf, nimmt den Teller und geht in die Küche.
Iwan blickt ihm nach. Er versteht Artjom nur zu gut. Er räumt den Tisch vollends ab und geht in sein Arbeitszimmer, darauf vertrauend, dass sein Sohn ...alles richtig machen wird.
Mit Tränen in den Augen sitzt Anastasia auf der Couch, flankiert von Cookie und Dino. Sie krault beide gleichzeitig und hat das Gefühl, die Welt hat sich gegen sie verschworen. Wie kann ihr Sohn sie nur immer wieder so hintergehen und verletzen? Sie starrt aus dem Fenster. Was hat sie nicht alles gegeben? Hobbies zurück gesteckt, eigene Träume begraben..in der Hoffnung Artjom eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen. Aber Undank ist der Welt Lohn, so wohl auch für sie. Sie zieht ein Taschentuch heraus und schnäuzt geräuschvoll die Nase. Soll er nur hören, wie schlecht es ihr geht.
Artjom lehnt neben dem Durchgang zum Wohnzimmer im anderen Raum, so das sie ihn noch nicht sieht und hört sie Schluchzen. Das tut weh. Es ist gar nie seine Absicht sie zum weinen zu bringen, er versteht nur nicht warum das immer passiert. Kurz schliesst er die Augen, dann stösst er sich von der Wand ab und tritt vorsichtig mit verlegener Haltung ins Zimmer.
Kurz wendet seine Mutter den Kopf, tupft die Augen trocken und wirft ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, dann schaut sie wieder aus dem Fenster und streichelt die Hunde.
Ihr Sohn macht noch einen Schritt, er zögert mit dem was er sagen soll. Gleichzeitig ist es das einzige was er sagen will. "Tut mir Leid, Mom..." um die unruhigen Hände zu beschäftigen steckt er sie in die Tasche. "Ich werd mich bessern.."
Mit ein paar Sekunden Verzögerung dreht ihm Anastasia das Gesicht zu. Aus verweinten Augen schaut sie ihn prüfend an. "Und wieso soll ich dir das glauben, hm? Du machst das immer wieder, obwohl du weißt wie mich das verletzt." Sie pausiert kurz. " Als ob es dir Spaß machen würde mit meinen Gefühlen zu spielen."
"Das stimmt nicht." antwortet er und ist dann ratlos. Ja na gut, sie hat ja recht, das kam auch in Tartosa schon vor, aber doch nicht um sie zu verletzen. Er will doch nur ein wenig Freiheit. "Was... soll ich tun?" Sie stellt sich manchmal an als wär sie eifersüchtig auf die Leute mit denen er sich trifft. Als müsste sie die einzige Frau in seinem Leben sein. Er wartet auf eine Antwort die nicht kommt. "Mom..?"
Anastasia kaut innen auf ihrer Wange herum. "Ich verlange doch nicht zu viel oder? Ehrlichkeit und ein bisschen Anpassung in der Familie. Ist das so schwer? " Sie blickt zu Artjom und registriert seinen zerknirschten Gesichtsausdruck. Für eine Sekunde hätte man einen Hauch von Befriedigung auf ihren Gesichtszügen wahrnehmen können, wenn nicht sofort wieder die Maske der Traurigkeit gefallen wäre. Sie mustert ihn schweigend. Dann hebt sie seufzend die Brauen und antwortet . "Na gut. Ich will dir nochmal eine Chance geben, aber die gibt's nicht unendlich, klar? Es gibt Regeln hier in unserer Familie und an die halten sich alle, auch Hr.Artjom."
Sie schwingt die Beine vom Sofa, was Dino und Cookie die Köpfe heben lässt. Ihr Ton nimmt eine leicht selbstgefälligen Färbung an.
"Auch wenn ich dir verzeihe, gibt's das nicht umsonst. Du wirst zwei Wochen lang morgens vor der Schule mit den beiden Süßen hier Gassi gehen." Anastasia steht auf und schaut ihrem Sohn in die Augen. "Und achte darauf, dass sie auch wirklich ihr Geschäft machen und nimm die Müllbeutel mit zum aufsammeln."
„Vor der Schule…?“ Och ne, bitte nicht. Früh aufstehen ist das letzte, nicht nur für ihn, und sie weiss das. Sein Gesichtsausdruck wird wie dressiert zu einer Mischung aus flehend und traurig. Tu mir das nicht an, Mama.
"Du glaubst dass du hier die Bedingungen bestimmst?" Anastasias Ton wird scharf.
Er atmet tief ein, die Lippen gepresst. Links und rechts suchen seine Augen kurz nach etwas was sie besänftigen könnte, weiss aber das es da nur eine Sache gibt. „Nein..“ seufzt er resigniert, dann verschränkt er die Arme und schaut zur Seite, weil er es hasst so unterwürfig zu sein. Und trotzdem schafft sie es immer wieder.
Anastasias Körperhaltung wird wieder entspannter. "Na also." Sie lächelt ihn kurz wohlwollend an. "Ich mach uns mal einen leckeren Nachtisch und ruf dich wenn er fertig ist." Damit verschwindet sie in der Küche, zufrieden mit sich und der Welt. Zwei Wochen lang nicht so früh raus aus den Federn und dem Sohn noch etwas beigebracht darüber, wie das Leben funktioniert. Wenn das kein Grund zur Zufriedenheit ist, was dann?
(in Zusammenarbeit mit @simscat2)