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3 years ago
Ort: Irgendwo in Oasis Springs?
Charaktere: Bertl, Chip, Lazara, Nauto
Geschichtsstrang: From dust to doom
Schwer beladen kehrt Chip von seiner Exkursion im Hochland von Oasis Springs zurück. Er hat Erz gesammelt und anschließend noch in der Nachbarschaft nach verwertbaren Teilen für Blaze' Erfindung gesucht. Die Idee seines Freundes für die Trinkwasserfiltermaschine war einfach genial. Zusammen haben sie ein System ausgetüftelt, dass 90% der Verunreinigungen aus dem lebensnotwendigen Nass holt. Das reicht aus, um schwere Vergiftungen, die früher fast immer zu einem langsamen, qualvollen Tod geführt haben, zu verhindern. Ab und zu ein paar Verdauungsstörungen oder leichte Übelkeit sind zu ertragen. Den Erlös aus dem Verkauf teilen sie sich brüderlich. Das einzig gute an der verwüsteten Gegend hier ist, dass es in Oasis noch reichlich Rohstoffe gibt, weswegen Blaze auch gleich zwei Häuser weiter wohnt. So sind die Wege kurz und Chip hat durch die Beziehungen seiner Frau das große Glück Materialien sammeln zu dürfen,was nicht allen Sims hier erlaubt ist.
Die Katastrophe hat so vieles verändert. Bis heute weiß niemand genau was eigentlich passiert ist. Die vorherrschende Theorie ist, dass die gewaltige Explosion einen magischen Hintergrund hatte, was auch die teilweise Aushebelung der Naturgesetze erklären würde. Es bringt nichts zu grübeln. Sein Leben jetzt ist für die gegebenen Umstände mehr als gut. Ein Lächeln umspielt seine Lippen, als er an seine Familie denkt. Die Schritte beschleunigend schlägt Chip eine Abkürzung zu ihrem Grundstück ein. Er biegt um eine Ecke und wird von einem fremden Mann beinahe über den Haufen gerannt. Der Sim keucht, bricht zusammen und hält sich gekrümmt den Bauch.
Es geht einfach nicht mehr. Sein Bauch bringt ihn um. Die Schmerzen haben sich zu Koliken ausgeweitet und sein Darm schreit nach Entleerung, was in dieser besiedelten Umgebung gerade unmöglich ist. Bertl rennt von Tränen blind weiter, prallt gegen jemanden und übergibt sich spontan schwallartig. Wässriger Mageninhalt mit Blutbeimengung, registriert er noch. Geschwächt bleibt er am Boden liegen, klammert sich an die Beine, die über ihm aufragen und fleht jämmerlich:“ Helfen sie mir, ich sterbe..“
Erschrocken packt Chip den älteren Mann unter den Achseln, stemmt ihn auf die Beine und schleppt ihn mehr oder weniger die paar Meter bis zu sich nach Hause. Er hat den Sim hier noch nie gesehen, trotzdem überkam ihn so ein seltsames Gefühl, als er ihm gerade ins Gesicht geblickt hat. So wie bei einem Déjà-vu. „Lazara, Lazara!“ ruft er nach seiner Frau, als sie beim Haus ankommen. „Wir haben einen Kranken. Komm schnell!“ Die Haustüre geht auf und seine Frau stürmt aus dem Gebäude auf ihn zu. Beherzt nimmt sie den Mann auf der anderen Seite unter der Achsel, bis sie ihn gemeinsam auf ein zerschlissenes Sofa neben dem Haus gleiten lassen können.
„Toilette.“ stöhnt Bertl. „Schnell, ich kann nicht mehr halten.“ Und schon ist es zu spät. Er spürt wie alles warm und wässrig wird und ein ungeheurer Gestank sich ausbreitet, dann umfängt ihn die gnädige Schwärze der Ohnmacht.
Einige Zeit später
„Sag mal Papa, ist das ein ganz fremder Sim oder kennst du den?“ Chip blickt vom Lagerfeuer auf und schaut in Richtung Krankenlager. „Nein, ich hab ihn hier noch nie gesehen. Aber es ist egal ob man jemanden kennt, wenn ein Sim in Not ist, hilft man.“
Seine Frau schaut ihn an und lächelt warm.
Chip weiß, dass er nicht immer so gedacht hat. Blaze erzählt ihm immer wieder von früher, aus der Zeit vor der Katastrophe, die kaum ein Sim aus ihrem Bekanntenkreis überlebt hat. Daher weiß er auch, dass es einmal eine Simin gegeben hat, die seine große Liebe war und die wohl einen guten Einfluss auf ihn gehabt hat. Seit ihn bei der Apocalypse ein Stein schwer am Kopf verletzt hat, fehlt ihm jede Erinnerung an sein früheres Leben. Auch Blaze, der ihn gefunden und zu Lazara gebracht hat, damit sie ihn heilt, musste er ganz neu kennen lernen. Gut dass es ihn gibt, sonst würde er sich noch entwurzelter fühlen, als er es ohnehin schon tut.
„Das sagt Oma Marga auch immer. Sie hat Mogli gestern den Finger verbunden, als er sich an einem Grashalm geschnitten hat und sie hat ein Lied gesungen, damit es schneller heilt.“
Nauto, der lang ersehnte Sohn, den Lazara ihm geschenkt hat, schaut ihn strahlend an. Chip lächelt liebevoll. „Ja, deine Oma hat auch ein Herz aus Gold, so wie deine Mutter.“ Er legt einen Arm um Lazara und küsst sie zärtlich.
Die Außerirdische streichelt ihm lächelnd leicht über die Wange und wird dann ernst. Sie führt Chip ein paar Schritte vom Feuer weg, damit Nauto nicht mithören kann. „Ich werde meine Sippe um Hilfe bitten müssen, so schwer mir das fällt. Es ist das Wasser, wie wir vermutet haben. Ich weiß nicht ob er es überstehen wird.“ Sie schaut zu dem Sim, der reglos auf seinem Lager liegt. „Und du weißt dass es keine Garantie gibt, dass sie ihm helfen werden.“
„...ich weiß nicht, ob er es überstehen wird.“ hört Bertl wie aus weiter Ferne, als er mühsam ein Auge öffnet. Wo bin ich? Es ist dunkel. Neben ihm tanzt einer dieser Felsbrocken und etwas weiter weg, erkennt er verschwommen ein Lagerfeuer. Das Alienkind, das Marga umarmt hat, sitzt dort. Langsam kehrt die Erinnerung an den Nachmittag zurück und eine heiße Welle der Scham breitet sich in seinem Inneren aus. Hat er sich wirklich..? Ächzend richtet er sich auf einen Ellbogen auf und blickt an sich herunter. Er ist sauber und trägt frische Kleidung. Zwar zerrissen, aber rein. Er lässt sich wieder zurück fallen. Wie unendlich peinlich das ist. Wieder schaut er zu dem Feuer hinüber und erstarrt. Da ist Adrian! Und daneben..eindeutig eine Alienfrau, die den eben gehörten Satz gesprochen hat und immer wieder zu ihm herüber schaut. Himmel! Was ist hier los? Angst schnürt ihm die Kehle zu. Auch sein Sohn ist älter und mit einem Schlag wird ihm bewusst, dass er ihn offensichtlich nicht erkannt hat heute Nachmittag, bei ihrem Zusammenstoß. Er braucht Gewissheit. Unruhig rutscht er an den Rand der Liege und versucht die Beine hinaus zu schwingen. Vergeblich.
Lazara nimmt eine Bewegung wahr und dreht sich erschrocken um. „Halt, sie dürfen nicht..“ Chip legt ihr die Hand auf den Arm. „Lass, ich mach das schon. Ich rede mit ihm.“ Er klingt selbstsicherer als er sich fühlt. Chip hat keine Ahnung wie er dem Fremden seine Lage beibringen soll.