Forum Discussion
3 years ago
Ort: Willow Creek
Charaktere: Artjom, Anastasia
Geschichtsstrang: Neverending Story
Gut gelaunt geht Artjom die Straße zu seinem Haus hinauf. In den Händen die Drumsticks weil er grade vom Proben kommt. Im Ohr hat er noch einen Song den er leise mit ‚da da da daram da dam‘ Lauten nachmacht, im vorbeigehen die Mülltonne betrommelt, sich schwungvoll aber grazil mit einem kleinen ‚whooo’ um die eigene Achse dreht, eine Kunstpause einlegt und dann die Haustür öffnet.
Die Tür fällt hinter ihm zu und er erstarrt. Die Hände mit den Sticks hängen an ihm herunter wie Ballast. Rechts vor ihm hört er lautes, weibliches, Gelächter und er sieht eine Szenerie die er nur zu gut kennt. Die Freundinnen seiner Mutter. Und er hatte gedacht diese Treffen hätten sich mit dem 2. Umzug endlich erledigt. Noch bevor er sich davonschleichen kann, bemerkt Anastasia ihn. Sie kommt mit offenen Armen auf ihn zu und vor seinem inneren Auge spielt sich ein Film ab, wie bei einem Sterbenden der die Momente seines Lebens nochmal abgespielt bekommt. Nur dass Artjom leider nicht stirbt und damit fein raus ist, und auch keine schönen Momente rückerlebt. Viel mehr ist er auf geradem Weg in die Hölle. Schon wieder.
RÜCKBLENDE
Artjom, 12 Jahre alt, steht vor dem Tisch und hört das Lachen. Die Frauen haben Spaß und er lächelt unsicher mit.
Seine Mutter erzählte grade von seiner 1 in einem Diktat, was nicht nur sie mit Stolz erfüllt. Eine der Frauen, Anikas Mutter, sitzt wie immer auch da und kneift ihm in die Wange. „So ein kluger Junge.“ Eigentlich wollte er nur fragen, ob er raus gehen darf, doch der Tratschclub macht ihn sofort zum Mittelpunkt und er kommt erstmal nicht zu Wort. „Meine Tochter, hatte letzte Woche eine 2+ in Geschichte. Endlich, nach dem sie so lange nur eine 4 geschafft hat.“ Artjom horcht auf. Sie spricht von Anika die mit ihm für diesen Test gelernt hatte. Anika ist nicht nur seine beste Freundin, er mag sie wirklich und sie ist das erste Mädchen was er nicht total blöd und eklig findet. Im Gegenteil. Und das obwohl sie sich schon seit dem Kindergarten kennen.
Heute ist der wöchentliche 'Frauenyoga mit anschließendem Wellnessprogramm' Tag und Anastasia ist bester Laune. Sie hatte eine Ayurvedische Massage und fühlt sich energiegeladen wie selten. Nicht einmal die Tatsache dass sie heute die Gastgeberin spielen muss, verdirbt ihr die Laune. Sie wechseln wöchentlich und irgendetwas muss man eben in Kauf nehmen. Iwan hat gestern schon mit Artjom zusammen den Kuchen gebacken, so dass sie nur noch den Tisch zu decken hatte. Gut dass es Kaffeemaschinen gibt und man nicht mehr selbst aufbrühen muss. Als Artjom auftaucht, strahlt sie ihn an. Ihr Goldjunge. Das Gespräch verläuft ganz in ihrem Sinne. "Ach ja, Anika." Sie wirft Artjom einen wissenden Blick zu. "Die ist ein gescheites und wirklich interessantes Mädchen, das finde nicht nur ich." Sie betont 'wirklich' ganz besonders und blickt erst Interesse heischend in die Freundinnenrunde und dann, mit einem leicht süffisanten Lächeln, wieder zu Artjom.
„Ehrlich?“ fragt die Freundin langgezogen während sie Artjom strahlend den Blick zu wendet. „Ach wie niedlich!“ die anderen Frauen lachen vergnügt. „Anika hat nie was erwähnt. Seid ihr ein kleines Paar?“
Artjoms Wangen werden heiß und er spürt die Röte. Am liebsten würde er im Boden versinken zu dem er jetzt gedemütigt blickt.
Anastasia kostet diesen Moment der allgemeinen Aufmerksamkeit für sie und ihren Sohn genüsslich aus. Es ist aber auch wirklich niedlich, wenn auch in keiner Weise ernst zu nehmen. Artjom ist fast noch ein Kind und Anika erst recht. Spielt ja noch mit Barbiepuppen. "Noch nicht, aber was nicht ist kann ja vielleicht noch werden, nicht wahr?" Sie hebt die Brauen und blickt, gespielt ernsthafte Hoffnung vortäuschend, zu ihrem Sohn. Alle Frauen lachen amüsiert und Anastasia leitet unbekümmert zum nächsten Thema über. "In der City hat ein neues Beauty Center eröffnet, wollen wir das nächste Woche mal antesten? Sie bieten so ein Fruchtsäurepeeling, das macht mich neugierig." " Wie immer fehlt ihr jedes Bewusstsein für den Schaden, den sie anrichtet mit ihren gefühllosen Worten. Nicht nur bei Artjom, auch Iwan könnte ein Lied davon singen. Sie hatte ihre Aufmerksamkeit...Grenzen? What?...next!
Artjom starrt die Frauenrunde an die sich von einem Moment auf den anderen wieder anderen Dingen zu wendet. Er ist zu Luft geworden. In seinem Inneren baut sich Enttäuschung und Wut gegenüber seiner Mutter auf. Er hatte ihr ganz im Vertrauen von Anika erzählt und jetzt das? Er tritt zurück, dreht sich um und läuft in sein Zimmer.
Erst als die Freundinnen sich verabschieden haben und Anastasia in der Küche steht öffnet er die Tür. Er hat sich Gedanken gemacht und beschlossen seine Mom zur Rede zu stellen. Langsam geht er auf sie zu. Sie achtet nicht auf ihn. „Warum hast du denen das gesagt!?“ bricht es aus ihm raus.
"Hm?" Anastasia, in Gedanken schon mit Schönheitsmasken beschäftigt, räumt weiter die Spülmschine ein, ohne aufzublicken. "Warum denn nicht? ist doch ne tolle Sache dass du die 1 geschrieben hast."
„Nicht das.“ antwortet der Junge und wird ein bisschen emotional, „Das mit Anika. Ich hab das nur dir gesagt!“
"Ach Gottchen." Anastasia macht die Spülmaschinentür zu und schaut ihren Sohn jetzt an. "Ja hast du und ich hab auch nichts ausgeplaudert."
Sie geht zu ihm und legt einen Arm um seine Schulter. "Das sind alles meine Freundinnen, das ist als hätte ich es niemandem gesagt. Wir sind ein verschworener...nein, verschwiegener Kreis." Über was er sich nicht noch Gedanken macht.
Verständnislos tritt Artjom zurück. „Das ist so peinlich, Mom!“ Warum versteht sie das nicht? „Ich geh nicht mehr zur Schule.“ beschließt er. Anika wird ihn bestimmt auslachen oder meiden wenn ihre Mutter ihr das erzählt.
„Nun komm, übertreib mal nicht. Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Man könnte meinen die Welt geht unter wenn man dich hört.“ Sie schüttelt den Kopf. „Also wirklich, wegen so einer kleinen Bemerkung musst du nicht so überempfindlich sein.“ Sie lächelt aufmunternd. „Ich hab grad drüber nachgedacht was du dir für die 1 wohl verdient haben könntest.“ Ihr Lächeln wird wohlwollend. “Wie wär‘s mit einer Shoppingrunde?“
Artjom ist so egal was die 1 ihm bringt. Das andere ist viel schlimmer und sie tut so als wärs nichts! "Ich will keine Shoppingrunde! Ich erzähl dir nie wieder etwas! Nie wieder!" gekränkt und verletzt läuft er in sein Zimmer zurück und schlägt die Tür heftig hinter sich zu.
Der Knall in der Erinnerung bringt Artjom wieder zurück ins hier und jetzt. Anastasia hat ihn erreicht und führt ihn schon an den Tisch. Er kann nichts dagegen tun. Die Frauen grinsen ihn an und er fühlt sich wie früher, zwingt sich aber zu einer emotionslosen Maske. Denen wird er kein Lächeln mehr schenken. "Du bist so groß geworden, Artjom. Bist du immer noch so gut in der Schule?" fragt Anikas Mutter und klingt dabei nicht wirklich als würde es sie interessieren.
"Aber ja.", übernimmt Anastasia anstelle von Artjom die Antwort. "Und stellt euch vor, er spielt Schlagzeug in einer Band, die vor ein paar Tagen ihren ersten, erfolgreichen Auftritt hatten. Ist das nicht großartig?" Ihre Stimme trieft vor Stolz, als wäre es ihr eigener Verdienst und nicht Artjoms Fähigkeit, die diesen Erfolg begründet hat. "Ich wollte ja auch immer ein Instrument lernen, aber meine Eltern meinten, Arbeit wäre wichtiger." , schickt sie seufzend noch nach. Dann strahlt sie wieder ihren Sohn an. "Erzähl doch ein bisschen von eurer Musik."
„Ich bin Schlagzeuger einer Punk-Band. Ist sicher nichts für euch…“ sagt und und wirkt dabei fast ungewollt entschuldigend. „Ach.“ antwortet die Frau ein wenig skeptisch. „Erinnerst du dich noch an Anika? Bestimmt tust du das, sie spielt Harfe in einem Jugendorchester. Nur ein kleines, nichts wildes.“ winkt sie bescheiden an Anastasia ab.
"Tja, da ist 'Deffekt' schon ein bisschen weiter." sagt Anastasia. "Sie schreiben ihre Songs selbst und es sind schon weitere Auftritte in Planung." Ob sich das mit den Auftritten tatsächlich so verhält weiß Anastasia gar nicht, aber es klingt gut. "Artjom hat eben mein Temperament geerbt , da passt Schlagzeug am besten."
Dann schenkt sie ihrer Freundin ein leicht gönnerhaftes Lächeln. "Aber Anika bringt's bestimmt auch noch zu was mit ihrer Harfe." Ihr Tonfall klingt als würde sie planlos auf einem Eierschneider herumzupfen.
"Dürft ihr nicht bald ins Tonstudio um eine CD aufzunehmen?" Anastasias Augen glänzen, als sie ihren Sohn das fragt.
„Haben wir schon.“ lächelt Artjom. „Oha! Leg sie doch mal auf!“ sagt eine der Frauen begeistert, doch der Junge schüttelt den Kopf. „Nein… ich muss jetzt los. Hab zu lernen…“ - „Tüchtig wie immer. So kennt man den kleinen Arti.“ grinst sie als Antwort und bei dem Spitznamen stellen sich Artjoms Nackenhaare auf so dass er sich ungewollt doch zu einem Lächeln zwingt. „Also, hat mich gefreut..“ er macht einen Schritt zurück, „Mich auch mein Lieber. Soll ich Anika liebe Grüße ausrichten? Ach, ich mach das, sie freut sich bestimmt.“
Artjom sagt nichts, dreht sich um und geht in sein Zimmer, heil froh da raus zu sein. Diese toxischen Tratschtanten… was findet seine Mutter an denen. Er schmeißt sich aufs Bett und liest in seiner Creepy Pasta Sammlung weiter.
Als wieder Ruhe eingekehrt ist, das nächste Treffen vereinbart und die Freundinnen nach Hause gegangen, geht Anastasia zu Artjom ins Zimmer. Sie öffnet die angelehnte Tür etwas und registriert dass er nicht lernt, sondern irgendwas am lesen ist. Aber was soll's? Er schreibt gute Noten und heute ist ein schöner Tag. "Spiel mir die CD mal vor." fordert sie ihn auf und öffnet die Tür jetzt ganz.
Artjom legt das Buch auf seiner Brust ab und sieht auf. Er ist kurz davor sie - mal wieder - darauf hinzuweisen, dass sie anklopfen soll, auch wenn er weiß, dass es vergebene Liebesmüh ist. Er bemerkt ihre Laune und entscheidet sich, ihr diese nicht zu verderben. Schnell legt er das Buch ab und setzt sich auf. Er würde ihr schon gern zeigen was er gemacht hat mit seinen Freunden und ein wenig Lob aus ihrem Mund abgreifen. So wie sie ihn vorhin vor den Freundinnen gelobt hat, hat er gute Chancen sie stolz zu machen. "Klar." sagt er, nimmt den Laptop vom Nachttisch und klappt ihn auf den Knieen auf. Er hat die Songs auf einem USB-Stick. Die Platte ist nur Deko weil er keinen CD-Player besitzt. Mit dem Zeigefinger auf Play und die Instrumente fangen an ihren Song zu spielen bis Blaze' Stimme einsetzt. Artjom wippt mit dem Kopf mit, dann sieht er zu seiner Mutter um ihre Meinung zu hören.
Also...das kommt überraschend. Mit unbewegter Miene lauscht Anastasia den Klängen, die da an ihr Ohr dringen. "Das ist ganz schön krawallig, also..laut." kommentiert sie schließlich. Ein genaue Vorstellung davon was man in einer Punkband spielt hatte sie nicht, aber das ist ziemlich...laut.
Artjom muss grinsen. „Gut oder?“ Laut ist immer besser heißt die Devise.
"Mmmh." sie nickt, aber ihre Miene sagt: ich weiß ja nicht... Ihr Blick geht zwischen Artjom und dem Gerät hin und her. "Und damit kann man Erfolg haben?" fragt sie schließlich.
„Offensichtlich…“ antwortet er jetzt mit einem Hauch weniger Enthusiasmus. „Und alles selbst geschrieben und komponiert.“ fügt er an in der Hoffnung ihre Begeisterung damit nochmal zurück zu holen. Was ist los? Vorhin war sie noch so stolz.
" Komponiert ist wohl etwas übertrieben." bemerkt Anastasia spitz . Unter einer Komposition versteht sie etwas anderes, als dieses Gedöhns. Sie stößt einen Seufzer aus und wendet sich von der Musik ab. "Tja, nicht ganz was ich erwartet hab, aber.." sie zuckt mit den Schultern und ihr Ton nimmt eine resignierte Färbung an. "...haut einen nicht um, könnte man aber sicher noch was draus machen." Damit wendet sie sich Richtung Türe und dreht sich doch nochmal um. "Würdigen sie dich auch genug, deine Bandkollegen? Kannst du dich richtig einbringen?" Unterschwellig schwingt mit, wenn dem so wäre, hätte ihr sicher nicht so schlechte Musik aufgenommen.
Kurz sieht er sie verwirrt an. „Äh ja.“ Was will sie damit sagen? „Ich dachte daran einen eigenen Song zu schreiben…“ er klingt ungewollt unsicher weil er nicht weiß ob es das ist was sie hören will.
"Ja, womöglich..vielleicht.." Es schwingt gerade so viel Enttäuschung und Zweifel mit, dass es bei Artjom ankommen muss. Sie lässt den Satz im Raum hängen und geht endgültig zur Türe. "Übrigens, der Zuckerguss auf dem Zitronenkuchen hätte mehr Aroma vertragen, das habt ihr schon besser hinbekommen." Will sagen: Wer solche Musik abliefert, von dem ist auch in Sachen Kuchen nicht allzu viel zu erwarten.
Artjom sieht ihr nach dann klappt er den Laptop zu und legt ihn weg. Cool. Danke für die Unterstützung… Mom! Er legt wieder die Füße hoch und nimmt sein Buch. Er wird ihr noch zeigen, dass es eine gute Sache ist.
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha )
Charaktere: Artjom, Anastasia
Geschichtsstrang: Neverending Story
Gut gelaunt geht Artjom die Straße zu seinem Haus hinauf. In den Händen die Drumsticks weil er grade vom Proben kommt. Im Ohr hat er noch einen Song den er leise mit ‚da da da daram da dam‘ Lauten nachmacht, im vorbeigehen die Mülltonne betrommelt, sich schwungvoll aber grazil mit einem kleinen ‚whooo’ um die eigene Achse dreht, eine Kunstpause einlegt und dann die Haustür öffnet.
Die Tür fällt hinter ihm zu und er erstarrt. Die Hände mit den Sticks hängen an ihm herunter wie Ballast. Rechts vor ihm hört er lautes, weibliches, Gelächter und er sieht eine Szenerie die er nur zu gut kennt. Die Freundinnen seiner Mutter. Und er hatte gedacht diese Treffen hätten sich mit dem 2. Umzug endlich erledigt. Noch bevor er sich davonschleichen kann, bemerkt Anastasia ihn. Sie kommt mit offenen Armen auf ihn zu und vor seinem inneren Auge spielt sich ein Film ab, wie bei einem Sterbenden der die Momente seines Lebens nochmal abgespielt bekommt. Nur dass Artjom leider nicht stirbt und damit fein raus ist, und auch keine schönen Momente rückerlebt. Viel mehr ist er auf geradem Weg in die Hölle. Schon wieder.
RÜCKBLENDE
Artjom, 12 Jahre alt, steht vor dem Tisch und hört das Lachen. Die Frauen haben Spaß und er lächelt unsicher mit.
Seine Mutter erzählte grade von seiner 1 in einem Diktat, was nicht nur sie mit Stolz erfüllt. Eine der Frauen, Anikas Mutter, sitzt wie immer auch da und kneift ihm in die Wange. „So ein kluger Junge.“ Eigentlich wollte er nur fragen, ob er raus gehen darf, doch der Tratschclub macht ihn sofort zum Mittelpunkt und er kommt erstmal nicht zu Wort. „Meine Tochter, hatte letzte Woche eine 2+ in Geschichte. Endlich, nach dem sie so lange nur eine 4 geschafft hat.“ Artjom horcht auf. Sie spricht von Anika die mit ihm für diesen Test gelernt hatte. Anika ist nicht nur seine beste Freundin, er mag sie wirklich und sie ist das erste Mädchen was er nicht total blöd und eklig findet. Im Gegenteil. Und das obwohl sie sich schon seit dem Kindergarten kennen.
Heute ist der wöchentliche 'Frauenyoga mit anschließendem Wellnessprogramm' Tag und Anastasia ist bester Laune. Sie hatte eine Ayurvedische Massage und fühlt sich energiegeladen wie selten. Nicht einmal die Tatsache dass sie heute die Gastgeberin spielen muss, verdirbt ihr die Laune. Sie wechseln wöchentlich und irgendetwas muss man eben in Kauf nehmen. Iwan hat gestern schon mit Artjom zusammen den Kuchen gebacken, so dass sie nur noch den Tisch zu decken hatte. Gut dass es Kaffeemaschinen gibt und man nicht mehr selbst aufbrühen muss. Als Artjom auftaucht, strahlt sie ihn an. Ihr Goldjunge. Das Gespräch verläuft ganz in ihrem Sinne. "Ach ja, Anika." Sie wirft Artjom einen wissenden Blick zu. "Die ist ein gescheites und wirklich interessantes Mädchen, das finde nicht nur ich." Sie betont 'wirklich' ganz besonders und blickt erst Interesse heischend in die Freundinnenrunde und dann, mit einem leicht süffisanten Lächeln, wieder zu Artjom.
„Ehrlich?“ fragt die Freundin langgezogen während sie Artjom strahlend den Blick zu wendet. „Ach wie niedlich!“ die anderen Frauen lachen vergnügt. „Anika hat nie was erwähnt. Seid ihr ein kleines Paar?“
Artjoms Wangen werden heiß und er spürt die Röte. Am liebsten würde er im Boden versinken zu dem er jetzt gedemütigt blickt.
Anastasia kostet diesen Moment der allgemeinen Aufmerksamkeit für sie und ihren Sohn genüsslich aus. Es ist aber auch wirklich niedlich, wenn auch in keiner Weise ernst zu nehmen. Artjom ist fast noch ein Kind und Anika erst recht. Spielt ja noch mit Barbiepuppen. "Noch nicht, aber was nicht ist kann ja vielleicht noch werden, nicht wahr?" Sie hebt die Brauen und blickt, gespielt ernsthafte Hoffnung vortäuschend, zu ihrem Sohn. Alle Frauen lachen amüsiert und Anastasia leitet unbekümmert zum nächsten Thema über. "In der City hat ein neues Beauty Center eröffnet, wollen wir das nächste Woche mal antesten? Sie bieten so ein Fruchtsäurepeeling, das macht mich neugierig." " Wie immer fehlt ihr jedes Bewusstsein für den Schaden, den sie anrichtet mit ihren gefühllosen Worten. Nicht nur bei Artjom, auch Iwan könnte ein Lied davon singen. Sie hatte ihre Aufmerksamkeit...Grenzen? What?...next!
Artjom starrt die Frauenrunde an die sich von einem Moment auf den anderen wieder anderen Dingen zu wendet. Er ist zu Luft geworden. In seinem Inneren baut sich Enttäuschung und Wut gegenüber seiner Mutter auf. Er hatte ihr ganz im Vertrauen von Anika erzählt und jetzt das? Er tritt zurück, dreht sich um und läuft in sein Zimmer.
Erst als die Freundinnen sich verabschieden haben und Anastasia in der Küche steht öffnet er die Tür. Er hat sich Gedanken gemacht und beschlossen seine Mom zur Rede zu stellen. Langsam geht er auf sie zu. Sie achtet nicht auf ihn. „Warum hast du denen das gesagt!?“ bricht es aus ihm raus.
"Hm?" Anastasia, in Gedanken schon mit Schönheitsmasken beschäftigt, räumt weiter die Spülmschine ein, ohne aufzublicken. "Warum denn nicht? ist doch ne tolle Sache dass du die 1 geschrieben hast."
„Nicht das.“ antwortet der Junge und wird ein bisschen emotional, „Das mit Anika. Ich hab das nur dir gesagt!“
"Ach Gottchen." Anastasia macht die Spülmaschinentür zu und schaut ihren Sohn jetzt an. "Ja hast du und ich hab auch nichts ausgeplaudert."
Sie geht zu ihm und legt einen Arm um seine Schulter. "Das sind alles meine Freundinnen, das ist als hätte ich es niemandem gesagt. Wir sind ein verschworener...nein, verschwiegener Kreis." Über was er sich nicht noch Gedanken macht.
Verständnislos tritt Artjom zurück. „Das ist so peinlich, Mom!“ Warum versteht sie das nicht? „Ich geh nicht mehr zur Schule.“ beschließt er. Anika wird ihn bestimmt auslachen oder meiden wenn ihre Mutter ihr das erzählt.
„Nun komm, übertreib mal nicht. Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Man könnte meinen die Welt geht unter wenn man dich hört.“ Sie schüttelt den Kopf. „Also wirklich, wegen so einer kleinen Bemerkung musst du nicht so überempfindlich sein.“ Sie lächelt aufmunternd. „Ich hab grad drüber nachgedacht was du dir für die 1 wohl verdient haben könntest.“ Ihr Lächeln wird wohlwollend. “Wie wär‘s mit einer Shoppingrunde?“
Artjom ist so egal was die 1 ihm bringt. Das andere ist viel schlimmer und sie tut so als wärs nichts! "Ich will keine Shoppingrunde! Ich erzähl dir nie wieder etwas! Nie wieder!" gekränkt und verletzt läuft er in sein Zimmer zurück und schlägt die Tür heftig hinter sich zu.
Der Knall in der Erinnerung bringt Artjom wieder zurück ins hier und jetzt. Anastasia hat ihn erreicht und führt ihn schon an den Tisch. Er kann nichts dagegen tun. Die Frauen grinsen ihn an und er fühlt sich wie früher, zwingt sich aber zu einer emotionslosen Maske. Denen wird er kein Lächeln mehr schenken. "Du bist so groß geworden, Artjom. Bist du immer noch so gut in der Schule?" fragt Anikas Mutter und klingt dabei nicht wirklich als würde es sie interessieren.
"Aber ja.", übernimmt Anastasia anstelle von Artjom die Antwort. "Und stellt euch vor, er spielt Schlagzeug in einer Band, die vor ein paar Tagen ihren ersten, erfolgreichen Auftritt hatten. Ist das nicht großartig?" Ihre Stimme trieft vor Stolz, als wäre es ihr eigener Verdienst und nicht Artjoms Fähigkeit, die diesen Erfolg begründet hat. "Ich wollte ja auch immer ein Instrument lernen, aber meine Eltern meinten, Arbeit wäre wichtiger." , schickt sie seufzend noch nach. Dann strahlt sie wieder ihren Sohn an. "Erzähl doch ein bisschen von eurer Musik."
„Ich bin Schlagzeuger einer Punk-Band. Ist sicher nichts für euch…“ sagt und und wirkt dabei fast ungewollt entschuldigend. „Ach.“ antwortet die Frau ein wenig skeptisch. „Erinnerst du dich noch an Anika? Bestimmt tust du das, sie spielt Harfe in einem Jugendorchester. Nur ein kleines, nichts wildes.“ winkt sie bescheiden an Anastasia ab.
"Tja, da ist 'Deffekt' schon ein bisschen weiter." sagt Anastasia. "Sie schreiben ihre Songs selbst und es sind schon weitere Auftritte in Planung." Ob sich das mit den Auftritten tatsächlich so verhält weiß Anastasia gar nicht, aber es klingt gut. "Artjom hat eben mein Temperament geerbt , da passt Schlagzeug am besten."
Dann schenkt sie ihrer Freundin ein leicht gönnerhaftes Lächeln. "Aber Anika bringt's bestimmt auch noch zu was mit ihrer Harfe." Ihr Tonfall klingt als würde sie planlos auf einem Eierschneider herumzupfen.
"Dürft ihr nicht bald ins Tonstudio um eine CD aufzunehmen?" Anastasias Augen glänzen, als sie ihren Sohn das fragt.
„Haben wir schon.“ lächelt Artjom. „Oha! Leg sie doch mal auf!“ sagt eine der Frauen begeistert, doch der Junge schüttelt den Kopf. „Nein… ich muss jetzt los. Hab zu lernen…“ - „Tüchtig wie immer. So kennt man den kleinen Arti.“ grinst sie als Antwort und bei dem Spitznamen stellen sich Artjoms Nackenhaare auf so dass er sich ungewollt doch zu einem Lächeln zwingt. „Also, hat mich gefreut..“ er macht einen Schritt zurück, „Mich auch mein Lieber. Soll ich Anika liebe Grüße ausrichten? Ach, ich mach das, sie freut sich bestimmt.“
Artjom sagt nichts, dreht sich um und geht in sein Zimmer, heil froh da raus zu sein. Diese toxischen Tratschtanten… was findet seine Mutter an denen. Er schmeißt sich aufs Bett und liest in seiner Creepy Pasta Sammlung weiter.
Als wieder Ruhe eingekehrt ist, das nächste Treffen vereinbart und die Freundinnen nach Hause gegangen, geht Anastasia zu Artjom ins Zimmer. Sie öffnet die angelehnte Tür etwas und registriert dass er nicht lernt, sondern irgendwas am lesen ist. Aber was soll's? Er schreibt gute Noten und heute ist ein schöner Tag. "Spiel mir die CD mal vor." fordert sie ihn auf und öffnet die Tür jetzt ganz.
Artjom legt das Buch auf seiner Brust ab und sieht auf. Er ist kurz davor sie - mal wieder - darauf hinzuweisen, dass sie anklopfen soll, auch wenn er weiß, dass es vergebene Liebesmüh ist. Er bemerkt ihre Laune und entscheidet sich, ihr diese nicht zu verderben. Schnell legt er das Buch ab und setzt sich auf. Er würde ihr schon gern zeigen was er gemacht hat mit seinen Freunden und ein wenig Lob aus ihrem Mund abgreifen. So wie sie ihn vorhin vor den Freundinnen gelobt hat, hat er gute Chancen sie stolz zu machen. "Klar." sagt er, nimmt den Laptop vom Nachttisch und klappt ihn auf den Knieen auf. Er hat die Songs auf einem USB-Stick. Die Platte ist nur Deko weil er keinen CD-Player besitzt. Mit dem Zeigefinger auf Play und die Instrumente fangen an ihren Song zu spielen bis Blaze' Stimme einsetzt. Artjom wippt mit dem Kopf mit, dann sieht er zu seiner Mutter um ihre Meinung zu hören.
Also...das kommt überraschend. Mit unbewegter Miene lauscht Anastasia den Klängen, die da an ihr Ohr dringen. "Das ist ganz schön krawallig, also..laut." kommentiert sie schließlich. Ein genaue Vorstellung davon was man in einer Punkband spielt hatte sie nicht, aber das ist ziemlich...laut.
Artjom muss grinsen. „Gut oder?“ Laut ist immer besser heißt die Devise.
"Mmmh." sie nickt, aber ihre Miene sagt: ich weiß ja nicht... Ihr Blick geht zwischen Artjom und dem Gerät hin und her. "Und damit kann man Erfolg haben?" fragt sie schließlich.
„Offensichtlich…“ antwortet er jetzt mit einem Hauch weniger Enthusiasmus. „Und alles selbst geschrieben und komponiert.“ fügt er an in der Hoffnung ihre Begeisterung damit nochmal zurück zu holen. Was ist los? Vorhin war sie noch so stolz.
" Komponiert ist wohl etwas übertrieben." bemerkt Anastasia spitz . Unter einer Komposition versteht sie etwas anderes, als dieses Gedöhns. Sie stößt einen Seufzer aus und wendet sich von der Musik ab. "Tja, nicht ganz was ich erwartet hab, aber.." sie zuckt mit den Schultern und ihr Ton nimmt eine resignierte Färbung an. "...haut einen nicht um, könnte man aber sicher noch was draus machen." Damit wendet sie sich Richtung Türe und dreht sich doch nochmal um. "Würdigen sie dich auch genug, deine Bandkollegen? Kannst du dich richtig einbringen?" Unterschwellig schwingt mit, wenn dem so wäre, hätte ihr sicher nicht so schlechte Musik aufgenommen.
Kurz sieht er sie verwirrt an. „Äh ja.“ Was will sie damit sagen? „Ich dachte daran einen eigenen Song zu schreiben…“ er klingt ungewollt unsicher weil er nicht weiß ob es das ist was sie hören will.
"Ja, womöglich..vielleicht.." Es schwingt gerade so viel Enttäuschung und Zweifel mit, dass es bei Artjom ankommen muss. Sie lässt den Satz im Raum hängen und geht endgültig zur Türe. "Übrigens, der Zuckerguss auf dem Zitronenkuchen hätte mehr Aroma vertragen, das habt ihr schon besser hinbekommen." Will sagen: Wer solche Musik abliefert, von dem ist auch in Sachen Kuchen nicht allzu viel zu erwarten.
Artjom sieht ihr nach dann klappt er den Laptop zu und legt ihn weg. Cool. Danke für die Unterstützung… Mom! Er legt wieder die Füße hoch und nimmt sein Buch. Er wird ihr noch zeigen, dass es eine gute Sache ist.
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha )