Forum Discussion
3 years ago
Ort: Evergreen Harbor
Charaktere: Jim, Tom, Logan
Geschichtsstrang: 3 + 1
Auch Jim betrachtet sein neues Zimmer, direkt neben dem Neuen. Es hat nicht lange gedauert, es einzurichten. Er besitzt nicht viel. Ein paar Poster an der Wand, eine alte Pritsche zum Schlafen... besser als die Couch zuvor ist das auf jeden Fall. Er besitzt nicht einmal einen Schrank, sondern hält seine Klamotten in zwei alten Koffern, die er schnell überall mitnehmen kann.
Es ist nicht viel, aber immer noch besser als der Knast damals. Jim denkt an die Zeit zurück. Er hatte schon als Jugendlicher mit der kriminellen Laufbahn angefangen, und eigentlich kennt er nichts anderes. Warum er sich trotzdem dazu entschieden hat, es jetzt auf ehrliche Weise zu versuchen (wenn man von der Schwarzarbeit mal absieht) kann er sich selber nicht erklären. Bisher zumindest hat er sich an diesen Vorsatz gehalten, auch wenn das heißt, dass das Geld knapp ist. Er seufzt. Als Einbrecher kam er schneller zu Geld als jetzt. Und trotz der Zeitungsanzeigen, in der die Jungs Arbeit anbieten, finden sie nur wenige Kunden. Doch er ist auch nicht besonders anspruchsvoll, und daher beschließt er, den Vorsatz noch nicht zu brechen.
Ein leises Rumpeln hinter der Wand verrät Logan, dass Jim noch auf sein muss. Einen Moment überlegt er, dann schält er sich aus dem Bett, zerdrückt den Rest der Zigarette und geht aus dem kleinen Zimmer, direkt in die Küche gegenüber. Aus dem Kühlschrank nimmt er zwei Flaschen. Zielstrebig geht er zurück in den Flur und bleibt vor der Tür seines Nachbarn stehen. Leise klopft er und lauscht. Er mag jetzt nicht allein sein. Der Umzug, neue Mitbewohner, eine neue Stadt, ... Das alles ist aufreibender, als er es sich eingestehen will. Leise seufzt er in sich hinein.
Jim hört das Klopfen. Er steht auf und öffnet die Tür. "Kannst' auch nicht schlafen?", schlussfolgert Jim, als er seinen Zimmernachbarn sieht. "Selten." Logan reicht dem Hochgewachsenen eine der Flaschen. "N Bier?" - "Klar, immer!" So etwas lässt sich Jim immer gefallen. Er greift nach der Flasche.
"So,", beginnt der Kleinere das Gespräch, "Wie lange haste gesessen?" Während er einen großen Schluck aus der kalten Flasche nimmt, beobachtet er das Gesicht seines Gegenüber ganz genau.
"Drei Jahre.", antwortet Jim knapp, ohne Logan aus den Augen zu lassen. Dann nimmt er einen großen Schluck aus seiner Flasche "Shit.", nickt der Dunkelhaarige. "Wie war das für dich?" - "Wurde schon vorher erwischt und bin mit ner Bewährung davon gekommen. Aber auf Dauer klappt es mit einer Bewährungsstrafe halt auch nicht.", murmelt Jim. "Ich hab es überstanden, wie du siehst." Auf Details will er im Moment nicht eingehen.
Logan nickt verstehend und nimmt einen weiteren Schluck. "Well, ich stör' dich nich' weiter.", sagt er dann, prostet Jim mit einer Geste entgegen und dreht sich um, bereit zu verschwinden. 'Heut' Nacht werd' ich sowieso nich' viel Schlaf kriegen,', denkt er, 'also kann ich genauso gut die Gegend erkunden.'
Gähnend verlässt Tom das Bad. Der Umzug ist gleichermaßen einfach wie auch anstrengend gewesen. Mit einem Handtuch um die Hüften läuft er zu seinem Zimmer. Endlich hat er auch etwas mehr Platz. Der Heizungsraum in der alten Wohnung ist auch eine Zumutung gewesen ... wenn er zu sich selbst ehrlich ist. Als Tom sich augenreibend umsieht, bemerkt er Logan und Jim. "Auch noch wach?", fragt er sie direkt.
"Ja.", murmelt Jim wortkarg. "kinda sleepwalking." , murmelt Logan, ohne Tom anzusehen.
Tom sieht zu seinen Mitbewohnern. "Aber nicht", dabei muss er schmunzeln, "dass wir die Tür abschließen müssen, wegen Verletzungsgefahr. ... Und Jim, bist froh endlich dein eigenes Zimmer zu haben?"
Der Gefragte nickt. "Ich weiß nicht, wie ich es so lange auf einer Couch ausgehalten habe. Mein Zimmer ist der pure Luxus dagegen. Und wenn ich sogar dieses Zimmer als Luxus bezeichne muss das ja was heißen." Vorher in der alten WG hatten die Jungs es ausgemacht, dass Jim ein bisschen weniger Miete zahlt als die anderen, weil er keine eigenes Zimmer hat. Das wird sich in der neuen WG nun ändern, aber ein eigenes Bett ist Jim das wert.
"Das stimmt allerdings", erwidert Tom. Jim hat es mit der Couch echt nicht einfach gehabt. "Was is' schon Luxus?" Logan zuckt mit einer Schulter. "Sieht wohl jeder anders." Er setzt die Flasche an und nimmt einen kräftigen Schluck. "Geht bei euch noch 'was?", fragt er dann. Interessiert schaut Tom zum Neuling. "Kommt drauf an ... Willst um die Häuser ziehen?" Jim schweigt und hört erst mal nur zu. Ein knappes aber klares Nicken ist die Antwort.
Er geht die wenigen Schritte zu seinem neuen Zimmer herüber, um die Zigaretten zu holen. Mit der Flasche in der Hand zeigt er auf Tom. "Aber du nennst mich nich' Kleiner."
Verwundert hebt Tom eine Augenbraue. Okay ... Dann lacht er. "Liefer mir keinen Grund, dann kommt es auch nicht dazu. ... Du Jim, kommst du mit?" - "Ja, hab sonst ja nichts zu tun.", murmelt Jim, "schlafen werd ich jetzt jedenfalls auch nicht."
Augenrollend verschwindet der Schwarzhaarige in seinem Quartier, kommt wenige Sekunden danach wieder heraus und steckt sich einen Glimmstängel an. "Willst du so los oder ziehste dir was an, Riese?"
Selbstsicher, die Arme vor der Brust verschränkt antwortet Tom: "Wenn du warten kannst, zieh ich mir noch was über ... ansonsten geh ich so mit." Ein flüchtiges Schmunzeln huscht über das Gesicht des Kleinen und seine Augenbraue zieht sich in die Stirn. "Well, I'd luv to see that." Jim grinst nur. "Also ich für meinen Teil gehe nicht im Schlafanzug los." Er geht in sein Zimmer und zieht sich schnell um. Als er zurück kommt, fragt er: "Wollen wir unseren Casanova auch noch wecken?" - "Sure." Logan nickt ihm auffordernd zu.
Tom sieht zu Jim. "Mach ruhig. ..." Er selbst geht in sein Zimmer und wirft sich was flott über. Angezogen kehrt er zu den anderen zurück.
Jim klopft bei Valentin an die Tür, doch niemand reagiert. Er öffnet vorsichtig und lugt hinein. Der Mitbewohner schläft tief und fest und lässt ein lautes Schnarchen ertönen, das jetzt durch die halb geöffnete Tür auch für Tom und Logan zu hören ist. Jim grinst, geht aber nicht näher ran. Stattdessen schließt er die Tür wieder. "Lassen wir ihn pennen.", sagt er, "er sieht so aus als hätte er es nötig."
"Wo geh'n wir hin?" Logan öffnet die Wohnungtür und frische Herbstluft weht herein. Nickend stimmt Tom Jim zu. "Egal. Lust auf Kegeln?" Jim überlegt. "Die Bowlingbahn hat jetzt in der Nacht bestimmt geschlossen.", gibt er zu bedenken. "Aber es gibt einen Halloweenrummel in Del Sol Valley, der sicherlich auch nachts offen ist. "
"Halloweenrummel hört sich nice an", grinst Tom. "Mir egal.", nuchelt Logan, während er an seiner Kippe zieht. " Hauptsache es gibt da Bier. oder Whiskey. Oder Frauen." - "Das gibt es da bestimmt alles drei.", lacht Jim. Der Mechaniker schmunzelt. "Also los!"
Ort: Del Sol Valley, Halloweenrummel
In Del Sol Valley angekommen, betreten die drei Männer den hell erleuchteten Rummel. "Das ja wie'n LSD-Trip.", murmelt Logan und schaut sich mit hochgezogenen Augenbrauen um. Als er die kleine Snackbude erblickt, fällt ihm auf, dass er den ganzen Tag kaum etwas gegessen hat. einen Moment überlegt er. Besonders hungrig ist er nicht. Aber jemand sagte ihm mal, dass man ein mal am Tag eine anständige Malzeit zu sich nehmen sollte. Also setzt er sich in Bewegung, geradewegs auf die kleine hölzerne Bude zu.
Tom hat die Hände in der Hosentasche und sieht sich um. Es ist ewig her, dass er einen Rummel besucht hat. "Will jemand was?", ruft der Schwarzhaarige seinen Mitbewohnern zu. "Was hast im Angebot?", erwidert der Motorradfahrer. "Pilze mit Käse überbacken,", beginnt Logan aufzuzählen, "Pommes, Currywurst, Bulette und irgendwas, das aussieht, wie Hirn." - "Langos haben die nicht? ... Sorry, passe dann."
Der Neue dreht sich zur Theke zurück und gibt seine Bestellung auf. "Hexenpickel. Und drei Bier." Er stellt die Flaschen auf einem der Tische ab, zieht einen Stuhl ein Stück weg und setzt sich. Dankend nimmt Tom das Bier und prostet Logan zu. Auch Jim prostet den Jungs zu. Er hat im Moment noch keinen Hunger und gibt sich daher für's erste mit dem Getränk zufrieden.
Gemeinsam sitzen die drei und genießen die ersten Schluck aus ihren gekühlten Flaschen. Nicht, dass eine Abkühlung nötig wäre - der Herbst neigt sich dem Ende und die Tage, und ganz besonders die Nächte, sind deutlich kühler geworden. "Wie lange kennt ihr euch?", fragt Logan schließlich mit offenem Blick. Jim überlegt. "Paar Monate.", sagt er schließlich, "ich kam dann auf die selbe Weise dazu wie du auch. Über eine Anzeige." Tom nickt.
"Is' das sowas wie eure Masche?" Ernst schaut Logan den Mechaniker an. Tom trinkt einen Schluck von seinem Bier. "Ist einfacher als ewig rumzusuchen", sagt er knapp. "Und hier habt unbedingt einen gesucht, der eure Couch besetzt?" Jim muss dabei lachen, sagt aber nichts. "Nö ... dem wir die Miete allein aufdrücken können", sagt Tom ernst. Er sieht dann zu Jim. "Stimmt doch, oder?", dabei zwinkert er ihm zu. Als Zeichen, dass es als Scherz gedacht ist.
"Hexenpickel!", ruft es von weiter hinten. Logan pflückt sich ungelenk aus dem Stuhl und holt seine Bestellung ab, setzt sich wieder und beginnt zögerlich zu essen."Logisch.", mampft der Neue. "Hat scheinbar geklappt."
"Klar.", grinst Jim. "Ich besaß damals noch weniger und brauchte ein Dach über den Kopf. Jetzt wo ich wenigstens ein eigenes Zimmer habe, habe ich mir aber auch mal paar Poster für die Wand geleistet und ein Klappbett." - "Da sind wir wieder beim Luxus." Logan schaut den Blassen von der Seite an. "Luxus liegt im Auge des Betrachters.", grinst Jim und nimmt einen Schluck. Tom hört einfach zu. Er lässt den Blick über den Rummelplatz Bereich schweifen.
"Das Zeug schmeckt reudig." Angewidert schiebt Logan den halbleeren Pappteller in die Mitte des Tisches und steckt sich eine weitere Kippe an. "Bei dem Namen wundert mich das auch nicht.", kommentiert Jim. "Right", nickt der Neue. Tom lacht. "Was erwartest von nem Gericht was 'Hexenpickel' heißt? ..." Er trinkt weiter.
"Ich seh' immer nur das Gute in der Welt." Mit ausdrucksloser Mine breitet der Zierliche die Arme aus und macht eine großzügige Geste. "Außer in Hexenpickeln.", fügt Jim nun noch hinzu. "Die schmecken dir ja reudig."
"Ist das nicht etwas ... naiv?", kontert Tom im ruhigem Ton. Abfällig schnaubt er und sein Körper nimmt wieder die etwas angespannte Haltung ein, die die Jungs bereits von ihm gewohnt sind. Seufzend hebt er eine Augenbraue. "Yeah,", murmelt er.
Plötzlich wirkt er nachdenklich. Mit schwungvoller Geste greift er nach seinem Bier und nimmt einen kräftigen Schluck. Nachdenklich nippt Tom von seinem Bier und ergänzt: "Glaub mir ... Naivität wird nur bestraft ... ich spreche aus Erfahrung."
Mit gesenktem Kopf schaut Logan unter den Augenbrauen hervor und mustert Toms Gesicht. Seine dunklen Augen funkeln und in seinem Kiefer blitzt eine Ader auf, die nur ahnen lässt, dass in diesem Moment die Anspannung in seinem Körper wächst. "Die Frage is' doch, wie du all diese Worte definierst - Naivität, Bestrafung, Erfahrung."
Tom mustert Logan intensiv. Sein Blick bohrt sich fast in dessen Körper. Im ernsten Ton führt er fort: "Glaub mir ... ich weiß wovon ich spreche ..." Ja, Toms Vergangenheit kann davon fast ein Lied singen. "Aber ... ich bin nicht dein Vater ... du kannst tun und lassen ... wonach dir ist."
Jim mustert nun Tom. Worauf er wohl anspielt? Er kennt ihn und Valentin erst ein paar Monate, und nicht deren tiefsten Geheimnisse. Auch er hat ja nicht sofort erzählt, dass er im Knast saß, sondern erst später, als er sie schon etwas kannte.
Logans Blick verfinstert sich. Auch sein Atem wird schwerer. Langsam, steif und mit zusammen gepresstem Kiefer steht er auf, fixiert Tom mit seinem Blick. Er wirkt fast wie ein Tier, dass sein Gegenüber abschätzt, um zu erwägen, ob es angreifen oder fliehen soll. Jim spürt die Anspannung. "Chillt mal, Jungs.", sagt er, "lasst uns lieber den Rummel genießen."
Tom mustert Logan. Sein Blick weicht nicht dem seines Gegenüber aus. Er schweigt. Logan macht einige streng kontrollierte Schritte um den Tisch herum, auf Tom zu, bleibt vor ihm stehen und schluckt einen dicken Brocken herunter. Leise presst er hervor: "Sag'. Sowas. Nich'. Zu mir."
Er atmet tief ein, dreht sich um und geht einige Schritte, um dort nachdenklich stehen zu bleiben. Seine Hände ballen sich zu Fäusten und öffnen sich wieder. So steht er etwa eine Minute, bevor er sich wieder zu den Mitbewohnern herumdreht und an den Tisch setzt.
Jim schweigt eine Weile. So ganz kann er nicht verstehen, worauf Logan gerade angesprungen ist. Was hatte Tom davor gesagt? Dass er nicht Logans Vater sei und er deshalb tun und lassen könnte, was er will? Was ist mit Logans Vater? Doch Jim will die angespannte Stimmung nicht weiter reizen und fragt nicht nach. So gut kennt er Logan ja auch nicht, als dass er erwarten würde, dass der gleich alle seine Geheimnisse preisgibt. Er schweigt stattdessen auch weiterhin. Tom mustert den Neuzugang nochmal, schweigt und trinkt sein Bier aus. Um die Stimmung auf zu lockern sagt er schließlich: "Die haben sicher paar Buden, wo man was spielen kann. Habt ihr Lust drauf?"
Erleichtert über den Themenwechsel stimmt auch Jim ein: "Klar, es gab Wurfbuden und auch ne Losbude habe ich gesehen." Logan reibt sich die Stirn und schweigt. Noch immer würgt er den einen oder anderen Kloß herunter. "No.", sagt er dann. "Bin raus."
"Gibt auch ein Geisterhaus hier, wenn dich das eher interessiert.", murmelt Jim, "Oder Achterbahn. Oder ein Kinderkarussel." Beim letzten Wort muss er etwas grinsen. "Oh, das is' witzig.", schnautzt der Zierliche. "Ich bin klein. Geht und habt Fun. Ich bleib' hier und besauf' mich."
Tom sieht kurz zu Logan und zuckt die Schultern. "Na dann ... auf Jim ... hab jetzt voll Bock auf eine Wurfbude." Jim sagt nichts zu Logan sondern dreht sich zu Tom. "Also gut. Die ist da drüben."
Ein letzter Blick auf Logan. Komischer Kauz ... Und Tom geht mit Jim an die besagte Bude. Er nimmt sich drei mit Sand gefüllte Bälle und wirft sie gegen die gestapelten Becher. Er sagt nix und wirkt konzentriert.
Jim ist ein guter Kletterer, etwas, das er während seiner Zeit als Einbrecher gelernt hat. Aber mit werfen hat er nur wenig Erfahrung. Er wartet, bis Tom mit seinen Würfen fertig sein würde, um danach selber sein Glück zu versuchen.
Jim ist schließlich an der Reihe mit Werfen. Er konzentriert sich. Zu seiner Überraschung trifft er auch, und er gewinnt einen Teddybären. Etwas peinlich ist ihm das ja schon, doch er nimmt den Gewinn trotzdem entgegen. Nur, was soll er jetzt damit anfangen? Um diese Uhrzeit sind keine kleinen Kinder mehr unterwegs, denen er den Gewinn einfach weiterverschenken könnte. Oder sollte er seine Schwester doch mal wieder kontaktieren? Wie alt ist deren Tochter mittlerweile eigentlich? Er muss zugeben, dass er das gar nicht mehr weiß. Seine Nichte könnte 6 Jahre alt sein, aber auch schon längst 16. Er hatte einfach zu lange keinen Kontakt mehr zu seiner Familie.
Der Teddy ist zu groß, um ihn in der Jackentasche zu verstecken, und so klemmt er sich ihn einfach unter den Arm, als er gemeinsam mit Tom zu Logan zurück kehrt. Zum Wegschmeißen ist es dann doch zu schade, und vielleicht steht der Casanova ja auf so etwas. Oder die Frauen, die er damit rumzubekommen versucht. "Der ist für meine Nichte!", sagt Jim schnell als Erklärung zu Logan. Auch wenn er sich selber sicher ist, dass er seine Schwester nicht kontaktieren wird und der Bär nie bei seiner Nichte landen wird. Aber das müssen die anderen Jungs ja nicht wissen.
Logan schaut mürrisch zu Jim, dann springt sein Blick auf das Ungetüm in dessen Arm. Betont gelangweilt zieht der inzwischen angetrunkene Neue eine Augenbraue in die Stirn. "Dachte schon, das wär' deine neue Freundin. Hast wohl keine Hübschere finden können."
Jim ist ein relaxter Zeitgenosse, der nur selten mal die Beherrschung verliert. Und so zuckt er auch bei dieser Bemerkung nur mit den Schultern. "Dann habe ich ja immer noch mehr Erfolg als unser Casanova.", meint er nur. Tom schmunzelt. "Damit kuscheln kann man(n) damit ja so oder so. Oder Jim?" - "Genau!", meint dieser grinsend in Toms Richtung.
Logan schiebt den Stuhl beiseite und steht holprig auf. Noch immer ist seine Mimik ausdruckslos wie eh und je. Er schaut zwischen den Jungs hin und her und nickt gedankenverloren. 'Schätze, ich hätte es schlechter treffen können.', denkt er. "Was jetzt? Führen wir die Lady aus?"
Jim macht den Spaß mit und er spricht den Teddybären an: "Wie sieht's aus, Süße, worauf hast du Lust?" Tom schaut sich um. "Wie wärs mit einem Snack? ... Hätt Bock auf einen Langos." Mittlerweile hat auch Jim Hunger. "Solange es keine Hexenpickel sind... Es gibt zum Glück ja verschiedene Futterbuden auf dem Rummel." Er könnte Pommes vertragen. Oder eine gute alte Currywurst. Logan macht eine ausladende Geste, die den anderen zeigt, dass er sich anpasst und ihnen folgt.
Einige Meter hinter ihnen ertönt lautes Geschrei. Eine Gruppe von Fahrgästen des Höllenkessels hat scheinbar die physikalische Zugkraft der Maschine unterschätzt. Ihr Unwohlsein ist beinahe über den gesamten Rummel zu hören. Es sind hauptsächlich Frauenstimmen, die schrill durch die Luft schneiden. Einige Besucher werden aufmerksam, lenken ihre Blicke zum Höllenkessel und zeigen belustigt mit Fingern in die Richtung.
Logan zuckt zusammen. Irritiert sieht er sich um, bis auch er die Quelle des Gebrülls lokalisiert hat. Mit großen Augen starrt er zu der Maschine. Es gelingt ihm nur langsam, seine plötzlich verkrampfte Körperspannung zu lösen.
Jim dreht sich nur kurz um. Er ist zu sehr auf die Futterbude vor ihm konzentriert, bei der er sich nun eine Currywurst bestellen möchte. Er registriert die Schreie zwar, ignoriert sie aber eher, während der Kleinere nervös von einem Fuß auf den anderen tippelt. Mit fahrigen Bewegungen zündet er sich eine neue Kippe an, pustet hastig den Rauch aus und fährt sich mit der freien Hand durchs Haar.
"Geh' ma 'n paar Schritte.", murmelt er eilig und entfernt sich von den beiden in Richtung Ausgang.
Tom verfolgt das Geschehen. Ihm fällt auf, dass Logan wohl Lärmscheu ist. Er sieht dem Neuling nach. Schulterzuckend wendet sich der Hungrige den wichtigen Dingen zu: Essen ... Endlich kommt Tom zu seinem Langos mit Schinken, Käse, Chilli und Knoblauchsoße.
Zufrieden beißt er in die ungarische Speise. "Geil ... Frittiert und warm ... gibt nichts besseres", sagt er zufrieden kauend.
Auch Jim hat mittlerweile seine Currywurst bekommen. "Mir schmeckt die Wurst auch.", murmelt er kauend. "Sag mal ... wie ist dein Eindruck", fragt Tom den Mitbewohner. "Von Logan?" Jim überlegt. "Komisches Kerlchen. Aber eigentlich nicht unsympathisch."
Tom brummt zustimmend. "Aber ... wird sicher nicht langweilig", ergänzt er grinsend. "Das wohl nicht.", stimmt Jim zu und mampft weiter. "Und solange er die Miete zahlt, passt er schon in unsere WG."
(In Zusammenarbeit mit @KFutagoh89 und @RivaBabylon )
Charaktere: Jim, Tom, Logan
Geschichtsstrang: 3 + 1
Auch Jim betrachtet sein neues Zimmer, direkt neben dem Neuen. Es hat nicht lange gedauert, es einzurichten. Er besitzt nicht viel. Ein paar Poster an der Wand, eine alte Pritsche zum Schlafen... besser als die Couch zuvor ist das auf jeden Fall. Er besitzt nicht einmal einen Schrank, sondern hält seine Klamotten in zwei alten Koffern, die er schnell überall mitnehmen kann.
Es ist nicht viel, aber immer noch besser als der Knast damals. Jim denkt an die Zeit zurück. Er hatte schon als Jugendlicher mit der kriminellen Laufbahn angefangen, und eigentlich kennt er nichts anderes. Warum er sich trotzdem dazu entschieden hat, es jetzt auf ehrliche Weise zu versuchen (wenn man von der Schwarzarbeit mal absieht) kann er sich selber nicht erklären. Bisher zumindest hat er sich an diesen Vorsatz gehalten, auch wenn das heißt, dass das Geld knapp ist. Er seufzt. Als Einbrecher kam er schneller zu Geld als jetzt. Und trotz der Zeitungsanzeigen, in der die Jungs Arbeit anbieten, finden sie nur wenige Kunden. Doch er ist auch nicht besonders anspruchsvoll, und daher beschließt er, den Vorsatz noch nicht zu brechen.
Ein leises Rumpeln hinter der Wand verrät Logan, dass Jim noch auf sein muss. Einen Moment überlegt er, dann schält er sich aus dem Bett, zerdrückt den Rest der Zigarette und geht aus dem kleinen Zimmer, direkt in die Küche gegenüber. Aus dem Kühlschrank nimmt er zwei Flaschen. Zielstrebig geht er zurück in den Flur und bleibt vor der Tür seines Nachbarn stehen. Leise klopft er und lauscht. Er mag jetzt nicht allein sein. Der Umzug, neue Mitbewohner, eine neue Stadt, ... Das alles ist aufreibender, als er es sich eingestehen will. Leise seufzt er in sich hinein.
Jim hört das Klopfen. Er steht auf und öffnet die Tür. "Kannst' auch nicht schlafen?", schlussfolgert Jim, als er seinen Zimmernachbarn sieht. "Selten." Logan reicht dem Hochgewachsenen eine der Flaschen. "N Bier?" - "Klar, immer!" So etwas lässt sich Jim immer gefallen. Er greift nach der Flasche.
"So,", beginnt der Kleinere das Gespräch, "Wie lange haste gesessen?" Während er einen großen Schluck aus der kalten Flasche nimmt, beobachtet er das Gesicht seines Gegenüber ganz genau.
"Drei Jahre.", antwortet Jim knapp, ohne Logan aus den Augen zu lassen. Dann nimmt er einen großen Schluck aus seiner Flasche "Shit.", nickt der Dunkelhaarige. "Wie war das für dich?" - "Wurde schon vorher erwischt und bin mit ner Bewährung davon gekommen. Aber auf Dauer klappt es mit einer Bewährungsstrafe halt auch nicht.", murmelt Jim. "Ich hab es überstanden, wie du siehst." Auf Details will er im Moment nicht eingehen.
Logan nickt verstehend und nimmt einen weiteren Schluck. "Well, ich stör' dich nich' weiter.", sagt er dann, prostet Jim mit einer Geste entgegen und dreht sich um, bereit zu verschwinden. 'Heut' Nacht werd' ich sowieso nich' viel Schlaf kriegen,', denkt er, 'also kann ich genauso gut die Gegend erkunden.'
Gähnend verlässt Tom das Bad. Der Umzug ist gleichermaßen einfach wie auch anstrengend gewesen. Mit einem Handtuch um die Hüften läuft er zu seinem Zimmer. Endlich hat er auch etwas mehr Platz. Der Heizungsraum in der alten Wohnung ist auch eine Zumutung gewesen ... wenn er zu sich selbst ehrlich ist. Als Tom sich augenreibend umsieht, bemerkt er Logan und Jim. "Auch noch wach?", fragt er sie direkt.
"Ja.", murmelt Jim wortkarg. "kinda sleepwalking." , murmelt Logan, ohne Tom anzusehen.
Tom sieht zu seinen Mitbewohnern. "Aber nicht", dabei muss er schmunzeln, "dass wir die Tür abschließen müssen, wegen Verletzungsgefahr. ... Und Jim, bist froh endlich dein eigenes Zimmer zu haben?"
Der Gefragte nickt. "Ich weiß nicht, wie ich es so lange auf einer Couch ausgehalten habe. Mein Zimmer ist der pure Luxus dagegen. Und wenn ich sogar dieses Zimmer als Luxus bezeichne muss das ja was heißen." Vorher in der alten WG hatten die Jungs es ausgemacht, dass Jim ein bisschen weniger Miete zahlt als die anderen, weil er keine eigenes Zimmer hat. Das wird sich in der neuen WG nun ändern, aber ein eigenes Bett ist Jim das wert.
"Das stimmt allerdings", erwidert Tom. Jim hat es mit der Couch echt nicht einfach gehabt. "Was is' schon Luxus?" Logan zuckt mit einer Schulter. "Sieht wohl jeder anders." Er setzt die Flasche an und nimmt einen kräftigen Schluck. "Geht bei euch noch 'was?", fragt er dann. Interessiert schaut Tom zum Neuling. "Kommt drauf an ... Willst um die Häuser ziehen?" Jim schweigt und hört erst mal nur zu. Ein knappes aber klares Nicken ist die Antwort.
Er geht die wenigen Schritte zu seinem neuen Zimmer herüber, um die Zigaretten zu holen. Mit der Flasche in der Hand zeigt er auf Tom. "Aber du nennst mich nich' Kleiner."
Verwundert hebt Tom eine Augenbraue. Okay ... Dann lacht er. "Liefer mir keinen Grund, dann kommt es auch nicht dazu. ... Du Jim, kommst du mit?" - "Ja, hab sonst ja nichts zu tun.", murmelt Jim, "schlafen werd ich jetzt jedenfalls auch nicht."
Augenrollend verschwindet der Schwarzhaarige in seinem Quartier, kommt wenige Sekunden danach wieder heraus und steckt sich einen Glimmstängel an. "Willst du so los oder ziehste dir was an, Riese?"
Selbstsicher, die Arme vor der Brust verschränkt antwortet Tom: "Wenn du warten kannst, zieh ich mir noch was über ... ansonsten geh ich so mit." Ein flüchtiges Schmunzeln huscht über das Gesicht des Kleinen und seine Augenbraue zieht sich in die Stirn. "Well, I'd luv to see that." Jim grinst nur. "Also ich für meinen Teil gehe nicht im Schlafanzug los." Er geht in sein Zimmer und zieht sich schnell um. Als er zurück kommt, fragt er: "Wollen wir unseren Casanova auch noch wecken?" - "Sure." Logan nickt ihm auffordernd zu.
Tom sieht zu Jim. "Mach ruhig. ..." Er selbst geht in sein Zimmer und wirft sich was flott über. Angezogen kehrt er zu den anderen zurück.
Jim klopft bei Valentin an die Tür, doch niemand reagiert. Er öffnet vorsichtig und lugt hinein. Der Mitbewohner schläft tief und fest und lässt ein lautes Schnarchen ertönen, das jetzt durch die halb geöffnete Tür auch für Tom und Logan zu hören ist. Jim grinst, geht aber nicht näher ran. Stattdessen schließt er die Tür wieder. "Lassen wir ihn pennen.", sagt er, "er sieht so aus als hätte er es nötig."
"Wo geh'n wir hin?" Logan öffnet die Wohnungtür und frische Herbstluft weht herein. Nickend stimmt Tom Jim zu. "Egal. Lust auf Kegeln?" Jim überlegt. "Die Bowlingbahn hat jetzt in der Nacht bestimmt geschlossen.", gibt er zu bedenken. "Aber es gibt einen Halloweenrummel in Del Sol Valley, der sicherlich auch nachts offen ist. "
"Halloweenrummel hört sich nice an", grinst Tom. "Mir egal.", nuchelt Logan, während er an seiner Kippe zieht. " Hauptsache es gibt da Bier. oder Whiskey. Oder Frauen." - "Das gibt es da bestimmt alles drei.", lacht Jim. Der Mechaniker schmunzelt. "Also los!"
Ort: Del Sol Valley, Halloweenrummel
In Del Sol Valley angekommen, betreten die drei Männer den hell erleuchteten Rummel. "Das ja wie'n LSD-Trip.", murmelt Logan und schaut sich mit hochgezogenen Augenbrauen um. Als er die kleine Snackbude erblickt, fällt ihm auf, dass er den ganzen Tag kaum etwas gegessen hat. einen Moment überlegt er. Besonders hungrig ist er nicht. Aber jemand sagte ihm mal, dass man ein mal am Tag eine anständige Malzeit zu sich nehmen sollte. Also setzt er sich in Bewegung, geradewegs auf die kleine hölzerne Bude zu.
Tom hat die Hände in der Hosentasche und sieht sich um. Es ist ewig her, dass er einen Rummel besucht hat. "Will jemand was?", ruft der Schwarzhaarige seinen Mitbewohnern zu. "Was hast im Angebot?", erwidert der Motorradfahrer. "Pilze mit Käse überbacken,", beginnt Logan aufzuzählen, "Pommes, Currywurst, Bulette und irgendwas, das aussieht, wie Hirn." - "Langos haben die nicht? ... Sorry, passe dann."
Der Neue dreht sich zur Theke zurück und gibt seine Bestellung auf. "Hexenpickel. Und drei Bier." Er stellt die Flaschen auf einem der Tische ab, zieht einen Stuhl ein Stück weg und setzt sich. Dankend nimmt Tom das Bier und prostet Logan zu. Auch Jim prostet den Jungs zu. Er hat im Moment noch keinen Hunger und gibt sich daher für's erste mit dem Getränk zufrieden.
Gemeinsam sitzen die drei und genießen die ersten Schluck aus ihren gekühlten Flaschen. Nicht, dass eine Abkühlung nötig wäre - der Herbst neigt sich dem Ende und die Tage, und ganz besonders die Nächte, sind deutlich kühler geworden. "Wie lange kennt ihr euch?", fragt Logan schließlich mit offenem Blick. Jim überlegt. "Paar Monate.", sagt er schließlich, "ich kam dann auf die selbe Weise dazu wie du auch. Über eine Anzeige." Tom nickt.
"Is' das sowas wie eure Masche?" Ernst schaut Logan den Mechaniker an. Tom trinkt einen Schluck von seinem Bier. "Ist einfacher als ewig rumzusuchen", sagt er knapp. "Und hier habt unbedingt einen gesucht, der eure Couch besetzt?" Jim muss dabei lachen, sagt aber nichts. "Nö ... dem wir die Miete allein aufdrücken können", sagt Tom ernst. Er sieht dann zu Jim. "Stimmt doch, oder?", dabei zwinkert er ihm zu. Als Zeichen, dass es als Scherz gedacht ist.
"Hexenpickel!", ruft es von weiter hinten. Logan pflückt sich ungelenk aus dem Stuhl und holt seine Bestellung ab, setzt sich wieder und beginnt zögerlich zu essen."Logisch.", mampft der Neue. "Hat scheinbar geklappt."
"Klar.", grinst Jim. "Ich besaß damals noch weniger und brauchte ein Dach über den Kopf. Jetzt wo ich wenigstens ein eigenes Zimmer habe, habe ich mir aber auch mal paar Poster für die Wand geleistet und ein Klappbett." - "Da sind wir wieder beim Luxus." Logan schaut den Blassen von der Seite an. "Luxus liegt im Auge des Betrachters.", grinst Jim und nimmt einen Schluck. Tom hört einfach zu. Er lässt den Blick über den Rummelplatz Bereich schweifen.
"Das Zeug schmeckt reudig." Angewidert schiebt Logan den halbleeren Pappteller in die Mitte des Tisches und steckt sich eine weitere Kippe an. "Bei dem Namen wundert mich das auch nicht.", kommentiert Jim. "Right", nickt der Neue. Tom lacht. "Was erwartest von nem Gericht was 'Hexenpickel' heißt? ..." Er trinkt weiter.
"Ich seh' immer nur das Gute in der Welt." Mit ausdrucksloser Mine breitet der Zierliche die Arme aus und macht eine großzügige Geste. "Außer in Hexenpickeln.", fügt Jim nun noch hinzu. "Die schmecken dir ja reudig."
"Ist das nicht etwas ... naiv?", kontert Tom im ruhigem Ton. Abfällig schnaubt er und sein Körper nimmt wieder die etwas angespannte Haltung ein, die die Jungs bereits von ihm gewohnt sind. Seufzend hebt er eine Augenbraue. "Yeah,", murmelt er.
Plötzlich wirkt er nachdenklich. Mit schwungvoller Geste greift er nach seinem Bier und nimmt einen kräftigen Schluck. Nachdenklich nippt Tom von seinem Bier und ergänzt: "Glaub mir ... Naivität wird nur bestraft ... ich spreche aus Erfahrung."
Mit gesenktem Kopf schaut Logan unter den Augenbrauen hervor und mustert Toms Gesicht. Seine dunklen Augen funkeln und in seinem Kiefer blitzt eine Ader auf, die nur ahnen lässt, dass in diesem Moment die Anspannung in seinem Körper wächst. "Die Frage is' doch, wie du all diese Worte definierst - Naivität, Bestrafung, Erfahrung."
Tom mustert Logan intensiv. Sein Blick bohrt sich fast in dessen Körper. Im ernsten Ton führt er fort: "Glaub mir ... ich weiß wovon ich spreche ..." Ja, Toms Vergangenheit kann davon fast ein Lied singen. "Aber ... ich bin nicht dein Vater ... du kannst tun und lassen ... wonach dir ist."
Jim mustert nun Tom. Worauf er wohl anspielt? Er kennt ihn und Valentin erst ein paar Monate, und nicht deren tiefsten Geheimnisse. Auch er hat ja nicht sofort erzählt, dass er im Knast saß, sondern erst später, als er sie schon etwas kannte.
Logans Blick verfinstert sich. Auch sein Atem wird schwerer. Langsam, steif und mit zusammen gepresstem Kiefer steht er auf, fixiert Tom mit seinem Blick. Er wirkt fast wie ein Tier, dass sein Gegenüber abschätzt, um zu erwägen, ob es angreifen oder fliehen soll. Jim spürt die Anspannung. "Chillt mal, Jungs.", sagt er, "lasst uns lieber den Rummel genießen."
Tom mustert Logan. Sein Blick weicht nicht dem seines Gegenüber aus. Er schweigt. Logan macht einige streng kontrollierte Schritte um den Tisch herum, auf Tom zu, bleibt vor ihm stehen und schluckt einen dicken Brocken herunter. Leise presst er hervor: "Sag'. Sowas. Nich'. Zu mir."
Er atmet tief ein, dreht sich um und geht einige Schritte, um dort nachdenklich stehen zu bleiben. Seine Hände ballen sich zu Fäusten und öffnen sich wieder. So steht er etwa eine Minute, bevor er sich wieder zu den Mitbewohnern herumdreht und an den Tisch setzt.
Jim schweigt eine Weile. So ganz kann er nicht verstehen, worauf Logan gerade angesprungen ist. Was hatte Tom davor gesagt? Dass er nicht Logans Vater sei und er deshalb tun und lassen könnte, was er will? Was ist mit Logans Vater? Doch Jim will die angespannte Stimmung nicht weiter reizen und fragt nicht nach. So gut kennt er Logan ja auch nicht, als dass er erwarten würde, dass der gleich alle seine Geheimnisse preisgibt. Er schweigt stattdessen auch weiterhin. Tom mustert den Neuzugang nochmal, schweigt und trinkt sein Bier aus. Um die Stimmung auf zu lockern sagt er schließlich: "Die haben sicher paar Buden, wo man was spielen kann. Habt ihr Lust drauf?"
Erleichtert über den Themenwechsel stimmt auch Jim ein: "Klar, es gab Wurfbuden und auch ne Losbude habe ich gesehen." Logan reibt sich die Stirn und schweigt. Noch immer würgt er den einen oder anderen Kloß herunter. "No.", sagt er dann. "Bin raus."
"Gibt auch ein Geisterhaus hier, wenn dich das eher interessiert.", murmelt Jim, "Oder Achterbahn. Oder ein Kinderkarussel." Beim letzten Wort muss er etwas grinsen. "Oh, das is' witzig.", schnautzt der Zierliche. "Ich bin klein. Geht und habt Fun. Ich bleib' hier und besauf' mich."
Tom sieht kurz zu Logan und zuckt die Schultern. "Na dann ... auf Jim ... hab jetzt voll Bock auf eine Wurfbude." Jim sagt nichts zu Logan sondern dreht sich zu Tom. "Also gut. Die ist da drüben."
Ein letzter Blick auf Logan. Komischer Kauz ... Und Tom geht mit Jim an die besagte Bude. Er nimmt sich drei mit Sand gefüllte Bälle und wirft sie gegen die gestapelten Becher. Er sagt nix und wirkt konzentriert.
Jim ist ein guter Kletterer, etwas, das er während seiner Zeit als Einbrecher gelernt hat. Aber mit werfen hat er nur wenig Erfahrung. Er wartet, bis Tom mit seinen Würfen fertig sein würde, um danach selber sein Glück zu versuchen.
Jim ist schließlich an der Reihe mit Werfen. Er konzentriert sich. Zu seiner Überraschung trifft er auch, und er gewinnt einen Teddybären. Etwas peinlich ist ihm das ja schon, doch er nimmt den Gewinn trotzdem entgegen. Nur, was soll er jetzt damit anfangen? Um diese Uhrzeit sind keine kleinen Kinder mehr unterwegs, denen er den Gewinn einfach weiterverschenken könnte. Oder sollte er seine Schwester doch mal wieder kontaktieren? Wie alt ist deren Tochter mittlerweile eigentlich? Er muss zugeben, dass er das gar nicht mehr weiß. Seine Nichte könnte 6 Jahre alt sein, aber auch schon längst 16. Er hatte einfach zu lange keinen Kontakt mehr zu seiner Familie.
Der Teddy ist zu groß, um ihn in der Jackentasche zu verstecken, und so klemmt er sich ihn einfach unter den Arm, als er gemeinsam mit Tom zu Logan zurück kehrt. Zum Wegschmeißen ist es dann doch zu schade, und vielleicht steht der Casanova ja auf so etwas. Oder die Frauen, die er damit rumzubekommen versucht. "Der ist für meine Nichte!", sagt Jim schnell als Erklärung zu Logan. Auch wenn er sich selber sicher ist, dass er seine Schwester nicht kontaktieren wird und der Bär nie bei seiner Nichte landen wird. Aber das müssen die anderen Jungs ja nicht wissen.
Logan schaut mürrisch zu Jim, dann springt sein Blick auf das Ungetüm in dessen Arm. Betont gelangweilt zieht der inzwischen angetrunkene Neue eine Augenbraue in die Stirn. "Dachte schon, das wär' deine neue Freundin. Hast wohl keine Hübschere finden können."
Jim ist ein relaxter Zeitgenosse, der nur selten mal die Beherrschung verliert. Und so zuckt er auch bei dieser Bemerkung nur mit den Schultern. "Dann habe ich ja immer noch mehr Erfolg als unser Casanova.", meint er nur. Tom schmunzelt. "Damit kuscheln kann man(n) damit ja so oder so. Oder Jim?" - "Genau!", meint dieser grinsend in Toms Richtung.
Logan schiebt den Stuhl beiseite und steht holprig auf. Noch immer ist seine Mimik ausdruckslos wie eh und je. Er schaut zwischen den Jungs hin und her und nickt gedankenverloren. 'Schätze, ich hätte es schlechter treffen können.', denkt er. "Was jetzt? Führen wir die Lady aus?"
Jim macht den Spaß mit und er spricht den Teddybären an: "Wie sieht's aus, Süße, worauf hast du Lust?" Tom schaut sich um. "Wie wärs mit einem Snack? ... Hätt Bock auf einen Langos." Mittlerweile hat auch Jim Hunger. "Solange es keine Hexenpickel sind... Es gibt zum Glück ja verschiedene Futterbuden auf dem Rummel." Er könnte Pommes vertragen. Oder eine gute alte Currywurst. Logan macht eine ausladende Geste, die den anderen zeigt, dass er sich anpasst und ihnen folgt.
Einige Meter hinter ihnen ertönt lautes Geschrei. Eine Gruppe von Fahrgästen des Höllenkessels hat scheinbar die physikalische Zugkraft der Maschine unterschätzt. Ihr Unwohlsein ist beinahe über den gesamten Rummel zu hören. Es sind hauptsächlich Frauenstimmen, die schrill durch die Luft schneiden. Einige Besucher werden aufmerksam, lenken ihre Blicke zum Höllenkessel und zeigen belustigt mit Fingern in die Richtung.
Logan zuckt zusammen. Irritiert sieht er sich um, bis auch er die Quelle des Gebrülls lokalisiert hat. Mit großen Augen starrt er zu der Maschine. Es gelingt ihm nur langsam, seine plötzlich verkrampfte Körperspannung zu lösen.
Jim dreht sich nur kurz um. Er ist zu sehr auf die Futterbude vor ihm konzentriert, bei der er sich nun eine Currywurst bestellen möchte. Er registriert die Schreie zwar, ignoriert sie aber eher, während der Kleinere nervös von einem Fuß auf den anderen tippelt. Mit fahrigen Bewegungen zündet er sich eine neue Kippe an, pustet hastig den Rauch aus und fährt sich mit der freien Hand durchs Haar.
"Geh' ma 'n paar Schritte.", murmelt er eilig und entfernt sich von den beiden in Richtung Ausgang.
Tom verfolgt das Geschehen. Ihm fällt auf, dass Logan wohl Lärmscheu ist. Er sieht dem Neuling nach. Schulterzuckend wendet sich der Hungrige den wichtigen Dingen zu: Essen ... Endlich kommt Tom zu seinem Langos mit Schinken, Käse, Chilli und Knoblauchsoße.
Zufrieden beißt er in die ungarische Speise. "Geil ... Frittiert und warm ... gibt nichts besseres", sagt er zufrieden kauend.
Auch Jim hat mittlerweile seine Currywurst bekommen. "Mir schmeckt die Wurst auch.", murmelt er kauend. "Sag mal ... wie ist dein Eindruck", fragt Tom den Mitbewohner. "Von Logan?" Jim überlegt. "Komisches Kerlchen. Aber eigentlich nicht unsympathisch."
Tom brummt zustimmend. "Aber ... wird sicher nicht langweilig", ergänzt er grinsend. "Das wohl nicht.", stimmt Jim zu und mampft weiter. "Und solange er die Miete zahlt, passt er schon in unsere WG."
(In Zusammenarbeit mit @KFutagoh89 und @RivaBabylon )