Forum Discussion
3 years ago
Ort: Forgotten Hollow
Charaktere: Logan, Lilly
Titel: Klavierunterricht
Es ist trübes Wetter in Forgotten Hollow, beinahe als würde sich all der Dunst absichtlich zu einem dünnen Nebel zusammenbrauen. Logan geht die Straße entlang und zählt die Gebäude ab. Es gibt hier mehrere Häuser, die sich prunkvoll und mächtig in die Schwaden erheben. Wer weiß da schon so genau, welches davon das Prädikat 'Villa' trägt? Vor dem siebten Bau bleibt er stehen und schaut ehrfürchtig hinauf.
'Dezent.' , denkt er und betritt das Grundstück. Die Klingel läutet unüberhörbar und er geht einen Schritt zurück und warte darauf, dass sich etwas tut.
Viola hört die Türklingel. Nanu? Sie erwartet niemanden und wüsste auch von ihren Eltern nicht, dass jemand kommen soll. Ob das ein Überraschungsbesuch ist? Wenn ja, dann hoffentlich Blaze! Sie stürmt zur Tür und öffnet... nur um dort jemand Fremden zu sehen.
Sie will gerade etwas sagen, als Lilly aus dem Klavierzimmer kommt. "Ah, hallo Logan.", sagt die Musikerin. Verdutzt stellt Viola fest, dass Lilly den Mann offenbar kennt. "Was is'n das für'n Kauz?", fragt die Teenagerin. Lilly antwortet ihr nicht, sondern redet stattdessen mit diesem Logan: "Komm rein."
Dem Teenagermädchen schenkt er ein trockenes Nicken zum Gruß und macht einen Schritt an ihr vorbei ins Innere des Gebäudes. Einen Moment stutzt er - ist sie eine Teenagerin? Vor einigen Jahren hat er sich zwar ein beachtliches Wissen über Vlad Dracul angelesen. Aber dennoch weiß er nichts darüber, wie ein geborener Vampir aufwächst. Vielleicht ist dieses Mädchen bereits hunderte Jahre alt. Er schüttelt diesen Gedanken ab. Im Grunde genommen spielt es keine Rolle, wer wie alt ist.
Mit gespielt sicheren Schritten geht er auf Lilly zu und nickt auch ihr zu. Der Eingangsbereich ist kleiner, als er erwartet hat. Er kann sich nicht erinnern, schon mal in so einem Gebäude gewesen zu sein. Aber was heißt das schon? Sein Gedächtnis ist ohnehin nicht das Beste.
Viola verdreht die Augen. Sie kennt Lilly. Wer auch immer dieser Logan ist: Lilly würde nie Viktor hintergehen. Es wird wohl keine romantische Bekanntschaft sein. Lilly holt sie aus ihren Gedanken: "Logan lernt bei mir Klavier spielen.", klärt sie auf. "Davon habe ich doch erzählt." Hat sie das? Viola ist sich nicht sicher. Wenn ja, dann hat sie da wohl gerade nur mit halben Ohr zugehört und nicht richtig mitbekommen, was Lilly so sagte. Dennoch gibt sich die Teenagerin damit zufrieden. Sie verliert das Interesse. "Whatever.", sagt sie nur.
Nachdem Lilly mit Logan im Klavierzimmer verschwunden ist, sagt sie: "Das war eben meine Tochter, Viola." Auf einem Sofa im Zimmer liegt Kater Moritz zusammengerollt und döst. Als der Besuch eintritt, öffnet er die Augen und schaut ihn neugierig an.
Es ist eine Angewohnheit von ihm, dass er fremde Räume gründlich betrachtet. So bleibt er auch dieses Mal am Türrahmen stehen und schaut sich um. Der Raum hat etwas Düsteres, aber das ist bei den Bewohnern sicherlich zu erwarten. Skeptisch betrachtet er die Einrichtung. Das hintere Sofa ist eine Todesfalle. Dann schon eher das andere, an der Seite. Von dort aus hätte er zumindest freie Bahn zur Tür. Einen Moment beißt er in Gedanken versunken auf die Unterlippe. Die Position des Klaviers könnte ein Problem werden. Das stellt man nicht mal eben so um. Er muss es nehmen, wie es ist.
"Nervös?", fragt Lilly, die Logans Blick bemerkt. "Kann ich dir wohl nicht übel nehmen. Aber ich werde mich benehmen, keine Sorge." Doch sie hatte ihm neutralen Boden angeboden. Gekonnt überhört er die Frage. Es geht niemanden etwas an, dass er sich prinzipiell in fremden Umgebungen nicht wohl fühlt.
Erst jetzt, nachdem er den Raum für sich beurteilt hat, tasten seine Blicke das Instrument ab. Ein Prachtstück. Ein richtiger Flügel. Und so gepflegt. So etwas könnte er sich im Leben nicht leisten. Behutsam geht er auf darauf zu, streicht mit den Fingern zart über die Kante des Korpus. "Wunderschön.", murmelt er, ohne es zu merken. Dann fängt er sich und schaut Lilly fragend an. "Hab' noch nie Unterricht gehabt. Wie geht man da vor?"
Lilly streicht mit ihrer Hand zärtlich über das Musikinstrument. Dann erst sieht sie zu Logan. "Das erste wäre ja, dass du weißt, welche Taste welche Note spielt. Noten lesen bringt in diesem Fall nur dann was, wenn man das auch auf die Klaviertasten umsetzen kann und nicht nur auf Gitarrensaiten. Aber ich habe das Gefühl, dass du die Tasten zumindest soweit kennst, dass du das zuordnen kannst. Hast du schon mal was am Klavier gespielt? Wenn ja, dann zeig doch mal, was du kannst, damit ich weiß, worauf wir aufbauen können."
"Ja, schon.", legt er den Kopf schief. Er hat noch nie vor jemandem ein Instrument gespielt, das er nicht beherrscht. An so etwas würde er sich definitiv erinnern. Er wischt sich mit der linken Hand unruhig über das Gesicht und nimmt auf dem Hocker Platz. Er schließt die Augen und überlegt, was er spielen könnte. Etwas Einfaches. Er will sich nicht überfordern. Seine schlanken Finger liegen auf den Tasten. Er beginnt eine Melodie zu spielen, die im ersten Moment sauber und flüssig klingt. Doch es dauert nicht lange, bis er holpert und Töne verfehlt und stockt.
Verlegen unterbricht er und zuckt leicht mit einer Schulter. "Die Handhaltung is' noch nich' so drin.", gesteht er.
Lilly nickt. Logan hat noch einen weiten Weg vor sich, auch wenn sie durchaus erkennen kann, dass die Anfänge schon da sind. "Das ist Übungssache. Wichtig ist, dass wir uns am Anfang keine Ziele setzen, die zu hoch gesteckt sind. Du wirst Zeit brauchen und du musst geduldig sein. Dann lernt es sich schon." Sie überlegt kurz. "Aber der Anfang des Stückes klang doch schon mal nicht schlecht. Wie wäre es, wenn wir uns zum Ziel setzen, dass du dieses Lied auch bis zum Ende fehlerfrei spielst? Wenn du bei den schwierigeren Passagen etwas länger brauchst als der Takt eigentlich vorgibt, dann ist es eben so. Die Schnelligkeit kommt auch mit der Zeit." Sie schielt kurz zu Kater Moritz, der nun wieder eingedöst ist, nachdem er keine Aufmerksamkeit bekommen hat. Dann wieder zu Logan. "Ich kann auch die Klaviernoten raussuchen, wenn du nicht aus dem Kopf spielen willst." Sie kennt das Lied, das er gespielt hat und würde im Internet sicher fündig werden.
"Die Noten sind kein Problem.", schüttelt Logan den Kopf. Eine seiner schwarzen Strähnen fällt ihm dabei ins Gesicht und er wischt sie ungeduldig zurück. "Ich spiel's auf anderen Instrumenten, kenn' es auswendig." Er seufzt leise und verschränkt die Arme. "Vielleicht bin ich auch einfach nich' so der Klaviertyp? Was meinst du als Fachfrau?" Mit offenem Blick schaut er sie an.
Lilly sieht ihn an. "Als Fachfrau sage ich, dass du nicht zu früh aufgeben solltest. Du wirst vielleicht nicht der nächste Beethoven. Aber das Potential ist da, ein guter Pianist zu werden. Wie schon gesagt, passiert das aber natürlich nicht von heute auf morgen. Du hast mich nach Unterricht gefragt und das allein zeigt ja, dass das Interesse da ist. Jetzt liegt es an dir und an deiner Geduld, aus diesem Interesse auch etwas zu machen."
"Geduld.", wiederholt er. Es ist schwer einzuschätzen, ob er es abwertend oder belustigt meint. "Kein Problem. Is' mein zweiter Vorname."
Er richtet sich kurz neu ein, zupft an einem Ärmel und ohne Lilly anzusehen, fragt er: "Also jetzt einfach den Song bis zum Erbrechen, bis er sitzt, right?"
"Wenn wir uns das als Ziel setzen, sieht es wohl so aus.", sagt Lilly. "Aber falls du es irgendwann über haben solltest, können wir natürlich dann auch mal was anderes versuchen. Für's erste aber bleiben wir dabei."
Der Schüler nickt und beginnt, das selbe Stück von Anfang an. Dieses Mal ganz bewusst etwas langsamer. Jedes Mal, wenn er sich verspielt stockt er, hält bei geschlossenen Augen inne, wirkt konzentriert, und beginnt von vorn.
Lilly hört zu. Logan wirkt wirklich konzentriert. Er merkt selber, wenn er Fehler macht und ist diszipliniert genug, wieder anzufangen. Manchmal wiederholen sich Fehler, aber nach und nach wird Logans Spiel routinierter, bis er es auch irgendwann fehlerfrei schafft. Eine Weile ist mittlerweile vergangen und es hat einige Versuche gebraucht, aber das wichtigste ist: Irgendwann hat es geklappt. Lilly klatscht in die Hände. "Das war doch jetzt super.", lobt sie.
"Super würd' ich das nich' nennen.", murmelt er unzufrieden und streckt den Rücken durch. Wenn er ein eigenes Klavier hätte, würde er üben, bis ihm die Hände abfielen. So hat er es mit jedem Instrument gemacht. Aber dafür fehlt ihm nicht nur der Platz, sondern auch das Geld.
"Es lief besser als am Anfang und wir haben das Ziel, das Lied fehlerfrei zu spielen, erreicht.", sagt Lilly lächelnd. "Es war auch nicht zu erwarten, dass du gleich nach der ersten Unterrichtseinheit alles perfekt kannst." Sie mustert Logan. "Für nächste Woche können wir dann schauen, ob es auch ein zweites Mal klappt, oder auch ganz neue Lieder ausprobieren. Wenn du einen Wunsch hast, z.B. ein bestimmtes Lied, das du gerne spielen würdest, kannst du das aber natürlich auch sagen." Doch für heute ist die Zeit um. "Wenn du die Möglichkeit zum Üben hast, kannst du die natürlich auch nutzen. Und wenn es nur ein Keyboard aus zweiter Hand ist. Oder das Klavier in der Jazzbar.", fügt Lilly nun noch hinzu.
Logan rappelt sich langsam auf. "Same time?", fragt er knapp ohne seine Lehrerin anzusehen
"Aber ja.", nickt Lilly knapp. Während der ganzen Zeit hat sich Moritz nicht gerührt. Doch so oft wie Lilly am Klavier sitzt, ist er an diese Töne längst schon gewöhnt.
Bevor Logan den Raum verlässt, bleibt er beim Kater stehen, der verschlafen zu ihm aufsieht. Der junge Mann streckt zwei Finger nach dem Tier aus und lässt sich beschnuppern. Großes Interesse hat der Vierbeiner aber nicht und legt den Kopf wieder ab.
Logan geht kommentarlos den Weg zurück zur Tür und dreht sich noch einmal zu Lilly um, um sich zu verabschieden. Dabei drückt er ihr die ausgemachte Summe in die Hand und verlässt schließlich die Villa.
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )
Charaktere: Logan, Lilly
Titel: Klavierunterricht
Es ist trübes Wetter in Forgotten Hollow, beinahe als würde sich all der Dunst absichtlich zu einem dünnen Nebel zusammenbrauen. Logan geht die Straße entlang und zählt die Gebäude ab. Es gibt hier mehrere Häuser, die sich prunkvoll und mächtig in die Schwaden erheben. Wer weiß da schon so genau, welches davon das Prädikat 'Villa' trägt? Vor dem siebten Bau bleibt er stehen und schaut ehrfürchtig hinauf.
'Dezent.' , denkt er und betritt das Grundstück. Die Klingel läutet unüberhörbar und er geht einen Schritt zurück und warte darauf, dass sich etwas tut.
Viola hört die Türklingel. Nanu? Sie erwartet niemanden und wüsste auch von ihren Eltern nicht, dass jemand kommen soll. Ob das ein Überraschungsbesuch ist? Wenn ja, dann hoffentlich Blaze! Sie stürmt zur Tür und öffnet... nur um dort jemand Fremden zu sehen.
Sie will gerade etwas sagen, als Lilly aus dem Klavierzimmer kommt. "Ah, hallo Logan.", sagt die Musikerin. Verdutzt stellt Viola fest, dass Lilly den Mann offenbar kennt. "Was is'n das für'n Kauz?", fragt die Teenagerin. Lilly antwortet ihr nicht, sondern redet stattdessen mit diesem Logan: "Komm rein."
Dem Teenagermädchen schenkt er ein trockenes Nicken zum Gruß und macht einen Schritt an ihr vorbei ins Innere des Gebäudes. Einen Moment stutzt er - ist sie eine Teenagerin? Vor einigen Jahren hat er sich zwar ein beachtliches Wissen über Vlad Dracul angelesen. Aber dennoch weiß er nichts darüber, wie ein geborener Vampir aufwächst. Vielleicht ist dieses Mädchen bereits hunderte Jahre alt. Er schüttelt diesen Gedanken ab. Im Grunde genommen spielt es keine Rolle, wer wie alt ist.
Mit gespielt sicheren Schritten geht er auf Lilly zu und nickt auch ihr zu. Der Eingangsbereich ist kleiner, als er erwartet hat. Er kann sich nicht erinnern, schon mal in so einem Gebäude gewesen zu sein. Aber was heißt das schon? Sein Gedächtnis ist ohnehin nicht das Beste.
Viola verdreht die Augen. Sie kennt Lilly. Wer auch immer dieser Logan ist: Lilly würde nie Viktor hintergehen. Es wird wohl keine romantische Bekanntschaft sein. Lilly holt sie aus ihren Gedanken: "Logan lernt bei mir Klavier spielen.", klärt sie auf. "Davon habe ich doch erzählt." Hat sie das? Viola ist sich nicht sicher. Wenn ja, dann hat sie da wohl gerade nur mit halben Ohr zugehört und nicht richtig mitbekommen, was Lilly so sagte. Dennoch gibt sich die Teenagerin damit zufrieden. Sie verliert das Interesse. "Whatever.", sagt sie nur.
Nachdem Lilly mit Logan im Klavierzimmer verschwunden ist, sagt sie: "Das war eben meine Tochter, Viola." Auf einem Sofa im Zimmer liegt Kater Moritz zusammengerollt und döst. Als der Besuch eintritt, öffnet er die Augen und schaut ihn neugierig an.
Es ist eine Angewohnheit von ihm, dass er fremde Räume gründlich betrachtet. So bleibt er auch dieses Mal am Türrahmen stehen und schaut sich um. Der Raum hat etwas Düsteres, aber das ist bei den Bewohnern sicherlich zu erwarten. Skeptisch betrachtet er die Einrichtung. Das hintere Sofa ist eine Todesfalle. Dann schon eher das andere, an der Seite. Von dort aus hätte er zumindest freie Bahn zur Tür. Einen Moment beißt er in Gedanken versunken auf die Unterlippe. Die Position des Klaviers könnte ein Problem werden. Das stellt man nicht mal eben so um. Er muss es nehmen, wie es ist.
"Nervös?", fragt Lilly, die Logans Blick bemerkt. "Kann ich dir wohl nicht übel nehmen. Aber ich werde mich benehmen, keine Sorge." Doch sie hatte ihm neutralen Boden angeboden. Gekonnt überhört er die Frage. Es geht niemanden etwas an, dass er sich prinzipiell in fremden Umgebungen nicht wohl fühlt.
Erst jetzt, nachdem er den Raum für sich beurteilt hat, tasten seine Blicke das Instrument ab. Ein Prachtstück. Ein richtiger Flügel. Und so gepflegt. So etwas könnte er sich im Leben nicht leisten. Behutsam geht er auf darauf zu, streicht mit den Fingern zart über die Kante des Korpus. "Wunderschön.", murmelt er, ohne es zu merken. Dann fängt er sich und schaut Lilly fragend an. "Hab' noch nie Unterricht gehabt. Wie geht man da vor?"
Lilly streicht mit ihrer Hand zärtlich über das Musikinstrument. Dann erst sieht sie zu Logan. "Das erste wäre ja, dass du weißt, welche Taste welche Note spielt. Noten lesen bringt in diesem Fall nur dann was, wenn man das auch auf die Klaviertasten umsetzen kann und nicht nur auf Gitarrensaiten. Aber ich habe das Gefühl, dass du die Tasten zumindest soweit kennst, dass du das zuordnen kannst. Hast du schon mal was am Klavier gespielt? Wenn ja, dann zeig doch mal, was du kannst, damit ich weiß, worauf wir aufbauen können."
"Ja, schon.", legt er den Kopf schief. Er hat noch nie vor jemandem ein Instrument gespielt, das er nicht beherrscht. An so etwas würde er sich definitiv erinnern. Er wischt sich mit der linken Hand unruhig über das Gesicht und nimmt auf dem Hocker Platz. Er schließt die Augen und überlegt, was er spielen könnte. Etwas Einfaches. Er will sich nicht überfordern. Seine schlanken Finger liegen auf den Tasten. Er beginnt eine Melodie zu spielen, die im ersten Moment sauber und flüssig klingt. Doch es dauert nicht lange, bis er holpert und Töne verfehlt und stockt.
Verlegen unterbricht er und zuckt leicht mit einer Schulter. "Die Handhaltung is' noch nich' so drin.", gesteht er.
Lilly nickt. Logan hat noch einen weiten Weg vor sich, auch wenn sie durchaus erkennen kann, dass die Anfänge schon da sind. "Das ist Übungssache. Wichtig ist, dass wir uns am Anfang keine Ziele setzen, die zu hoch gesteckt sind. Du wirst Zeit brauchen und du musst geduldig sein. Dann lernt es sich schon." Sie überlegt kurz. "Aber der Anfang des Stückes klang doch schon mal nicht schlecht. Wie wäre es, wenn wir uns zum Ziel setzen, dass du dieses Lied auch bis zum Ende fehlerfrei spielst? Wenn du bei den schwierigeren Passagen etwas länger brauchst als der Takt eigentlich vorgibt, dann ist es eben so. Die Schnelligkeit kommt auch mit der Zeit." Sie schielt kurz zu Kater Moritz, der nun wieder eingedöst ist, nachdem er keine Aufmerksamkeit bekommen hat. Dann wieder zu Logan. "Ich kann auch die Klaviernoten raussuchen, wenn du nicht aus dem Kopf spielen willst." Sie kennt das Lied, das er gespielt hat und würde im Internet sicher fündig werden.
"Die Noten sind kein Problem.", schüttelt Logan den Kopf. Eine seiner schwarzen Strähnen fällt ihm dabei ins Gesicht und er wischt sie ungeduldig zurück. "Ich spiel's auf anderen Instrumenten, kenn' es auswendig." Er seufzt leise und verschränkt die Arme. "Vielleicht bin ich auch einfach nich' so der Klaviertyp? Was meinst du als Fachfrau?" Mit offenem Blick schaut er sie an.
Lilly sieht ihn an. "Als Fachfrau sage ich, dass du nicht zu früh aufgeben solltest. Du wirst vielleicht nicht der nächste Beethoven. Aber das Potential ist da, ein guter Pianist zu werden. Wie schon gesagt, passiert das aber natürlich nicht von heute auf morgen. Du hast mich nach Unterricht gefragt und das allein zeigt ja, dass das Interesse da ist. Jetzt liegt es an dir und an deiner Geduld, aus diesem Interesse auch etwas zu machen."
"Geduld.", wiederholt er. Es ist schwer einzuschätzen, ob er es abwertend oder belustigt meint. "Kein Problem. Is' mein zweiter Vorname."
Er richtet sich kurz neu ein, zupft an einem Ärmel und ohne Lilly anzusehen, fragt er: "Also jetzt einfach den Song bis zum Erbrechen, bis er sitzt, right?"
"Wenn wir uns das als Ziel setzen, sieht es wohl so aus.", sagt Lilly. "Aber falls du es irgendwann über haben solltest, können wir natürlich dann auch mal was anderes versuchen. Für's erste aber bleiben wir dabei."
Der Schüler nickt und beginnt, das selbe Stück von Anfang an. Dieses Mal ganz bewusst etwas langsamer. Jedes Mal, wenn er sich verspielt stockt er, hält bei geschlossenen Augen inne, wirkt konzentriert, und beginnt von vorn.
Lilly hört zu. Logan wirkt wirklich konzentriert. Er merkt selber, wenn er Fehler macht und ist diszipliniert genug, wieder anzufangen. Manchmal wiederholen sich Fehler, aber nach und nach wird Logans Spiel routinierter, bis er es auch irgendwann fehlerfrei schafft. Eine Weile ist mittlerweile vergangen und es hat einige Versuche gebraucht, aber das wichtigste ist: Irgendwann hat es geklappt. Lilly klatscht in die Hände. "Das war doch jetzt super.", lobt sie.
"Super würd' ich das nich' nennen.", murmelt er unzufrieden und streckt den Rücken durch. Wenn er ein eigenes Klavier hätte, würde er üben, bis ihm die Hände abfielen. So hat er es mit jedem Instrument gemacht. Aber dafür fehlt ihm nicht nur der Platz, sondern auch das Geld.
"Es lief besser als am Anfang und wir haben das Ziel, das Lied fehlerfrei zu spielen, erreicht.", sagt Lilly lächelnd. "Es war auch nicht zu erwarten, dass du gleich nach der ersten Unterrichtseinheit alles perfekt kannst." Sie mustert Logan. "Für nächste Woche können wir dann schauen, ob es auch ein zweites Mal klappt, oder auch ganz neue Lieder ausprobieren. Wenn du einen Wunsch hast, z.B. ein bestimmtes Lied, das du gerne spielen würdest, kannst du das aber natürlich auch sagen." Doch für heute ist die Zeit um. "Wenn du die Möglichkeit zum Üben hast, kannst du die natürlich auch nutzen. Und wenn es nur ein Keyboard aus zweiter Hand ist. Oder das Klavier in der Jazzbar.", fügt Lilly nun noch hinzu.
Logan rappelt sich langsam auf. "Same time?", fragt er knapp ohne seine Lehrerin anzusehen
"Aber ja.", nickt Lilly knapp. Während der ganzen Zeit hat sich Moritz nicht gerührt. Doch so oft wie Lilly am Klavier sitzt, ist er an diese Töne längst schon gewöhnt.
Bevor Logan den Raum verlässt, bleibt er beim Kater stehen, der verschlafen zu ihm aufsieht. Der junge Mann streckt zwei Finger nach dem Tier aus und lässt sich beschnuppern. Großes Interesse hat der Vierbeiner aber nicht und legt den Kopf wieder ab.
Logan geht kommentarlos den Weg zurück zur Tür und dreht sich noch einmal zu Lilly um, um sich zu verabschieden. Dabei drückt er ihr die ausgemachte Summe in die Hand und verlässt schließlich die Villa.
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )