Forum Discussion
3 years ago
Ort: Brindleton Bay, Yvonnes Erbe
Charaktere: Maryama, Marga, Logan, Chip
Geschichtsstrang: Garden of Eden (Teil 1)
Der schwarze Pick-up donnert über die Straße und verfehlt beinahe den schmalen Weg, bremst und reißt herum. Staub wirbelt auf, als er sich lautstark in die scharfe Kurve legt und gleich wieder rasant beschleunigt.
Laute Musik dröhnt aus den Boxen. Brummende Bässe, schrille Gitarren, antreibende Drums und dazu krächzender Gesang:
"I'm so sick of, I'm so sick of, I'm so sick of you! Shut the fu ck up!"
Der Wagen kommt schließlich abrupt zum Stehen und der Motor wird aus gestellt. Aus dem geöffneten Fenster lässt Logan seinen Arm - und an dessen Ende die brennende Zigarette hängen, während der Klang der 'Brides of Destruction' ihm entgegen brüllt, bis der Song zu Ende ist. Erst dann zieht er den Schlüssel aus dem Schloss und steigt aus. Bevor er den Hof betritt, wirft er den Filter auf den Boden, tritt ihn mit einer drehenden Bewegung aus, hebt ihn auf und steckt ihn, wie gewohnt, in seine Kippenschachtel.
Mit strammen Schritten geht er auf das kleine Haus zu und klingelt.
Zufrieden betrachtet Maryama das Bild von sich und Browneye, das sie gerade im Eingangsbereich an die Wand gehängt hat. Logan hat den Moment wirklich perfekt eingefangen und der neue Rahmen, den sie heute dafür gekauft hat, bringt es erst richtig zur Geltung
"Weißt du was, Marga? So viel Spaß wie mit dir heute, hatte ich schon lang nicht mehr in der Stadt." Natürlich verbringt sie auch kaum Zeit mit Shoppingtouren, aber heute gab es einige Dinge zu besorgen. "Ich freu mich schon, wenn morgen die Waschmaschine geliefert wird, das ist mal richtiger Luxus dann." Sie grinst und schaut zu Marga, die auf der Couch sitzt und Browneye am Bauch krault. "Du warst mir eine große Hilfe."
Marga strahlt. "Sowas Nettes hat schon lang niemand mehr zu mir gesagt. Ich freu mich und langsam komm ich auch zur Ruhe. Ich hoffe, dass.." Laute Musik, die draußen vor dem Haus ertönt, unterbricht den Redefluss.
"Oh, das ist bestimmt Logan." Maryama legt einen Finger auf die Lippen und zeigt auf das Bild an der Wand. Marga grinst und nickt. Sie wird sicher nicht mehr mit dem Ankömmling reden wie nötig, da braucht Maryama sich keine Sorgen zu machen. Die Türglocke schrillt. Browneye hebt den Kopf und spitzt die Ohren, bleibt aber auf dem Sofa liegen.
"Hi Logan, komm rein." Maryama lostst ihn in den Vorraum. "Lass die Schuhe an, das passt schon." Marga überhört den Einwurf geflissentlich und hebt eine Hand zum Gruß, während die andere den Hund weiter streichelt.
"Ladies...", nickt er erst Maryama, dann Marga zu. "And Gentleman." fügt er an, als er Browneye sieht.
"Was geht?" Mit großen Augen springt sein Blick von einer Person zur anderen.
"Hast das Bild aufgehängt.", bemerkt er nebenbei und legt seine Tasche ab.
Eigentlich war's klar, dass er es sofort sieht. Maryama freut sich. Sie grinst Logan an. "Ich wollte doch deine Kunst nicht so mit Füßen treten. Der Pulli freut mich, aber eigentlich hab ich das erst nur gesagt, um dich etwas aus der Reserve zu locken...was mir gründlich misslungen ist. Du hast es heroisch ertragen, dass ich eins dieser schönen Fotos nur auf einem schnöden Pullover haben wollte." Sie dreht sich zur Wand. "Wie findest du Platz und Rahmen, zufrieden?"
Marga schmunzelt auf der Couch in sich hinein und Browneye stürzt sich jetzt endlich auf Logan und wuselt um ihn herum.
Der Gast nickt knapp. "Fällt sofort auf. Gut so."
Als der Mischling auf ihn zugerannt kommt, geht Logan vorsichtig in die Hocke und begrüßt den Vierbeiner mit beiden Händen.
"There you are, pal. How ya doin'? Ya, guys like you are always fine, rite?"
Browneye windet sich vor Begeisterung, bis sein neuer Freund etwas aus der Jackentasche zieht. Ein Tannenzapfen kommt zum Vorschein und Logan hält ihn vor dem Hund in die Luft, bevor er ihn wenige Meter durch den Raum wirft und das Tier hinterher stürzt.
"Die Kastanie liegt hier auch noch irgendwo." sagt Maryama, als der Vierbeiner davon stiebt. "Er hält dich auf jeden Fall für einen Gleichgesinnten. Wer sowas mit ins Haus bringt, kann nur schwer in Ordnung sein." Sie lacht kurz und fragt dann: "Wie sieht's denn aus? Magst du noch was trinken oder sollen wir gleich los?"
Einen Moment überlegt er. Am liebsten würde er gleich weiter ziehen. Heute ist einer dieser Tage, an dem ihm das Stillstehen schwer fällt. Doch sein Inneres schreit unaufhörlich nach alten Gewohnheiten.
"Haste noch was vom Whisky da?", fragt er beherrscht.
Margas Kopf ruckt herum, aber sie sagt nichts. Alkohol tagsüber ist etwas, was unangenehme Erinnerungen weckt. Der junge Mann weiß vielleicht gar nicht, in welch dunkle Gefilde er sich da begibt. Besorgt schaut sie zu Maryama, die unbekümmert wirkt. Hach ja, sie ist ja auch noch jung...aber Marga kennt Logan nicht, bei Adrian wäre das ganz was anderes...der ist allerdings auch Teenager und ihr Sohn. Nach einigem gedanklichen Hin und Her, beschließt Marga zu schweigen, verfolgt aber genau die Vorgänge.
"Klar, ich trink heut aber keinen mit." antwortet Maryama und geht zum Kühlschrank, um die Flasche zu holen. "Ich hab auch keine Ahnung, ob das ein Guter ist, mit Whiskey kenn ich mich nicht aus. Ich trink am liebsten Bier und ansonsten Tequila sunrise... Setz dich doch." sie zeigt auf die Sitzkissen am Fenster. Als sie mit Alkohol und Glas zu Logan geht, läutet es erneut. Überrascht schaut sie zu Marga. "Erwartest du jemanden?" Diese schüttelt den Kopf und wird ein wenig nervös. Ob Bertl zurück ist und von Adrian weiß wo sie ist? Ihr wird heiß. Etwas hibbelig steht sie auf und beobachtet neugierig wie Maryama öffnet.
Das Geräusch der Skateboardrollen hallt unter der Brücke wieder, als Chip durchsaust. Kurz vor dem Haus in dem seine Mutter gerade wohnt springt er ab, schnappt das Board und klemmt es sich unter den Arm. Zu steinig hier. Er ist ein wenig angespannt, weil er keine Ahnung hat was ihn erwartet. Außerdem ist es einfach strange, dass Marga in Brindleton Bay ist und nicht zuhause. Delsyn hat ihm geraten mal einen Besuch zu machen, deshalb ist er hier. Chip hat die Post dabei, damit es ein bisschen offizieller wirkt. Den Eindruck eines vereinsamten Muttersöhnchens will er definitiv vermeiden. Diese Maryama hat er schon öfter gesehen..bei der Rocknacht in der Schule und dann beim Auftritt im KOJ. Die Kurven stechen einfach heraus, da kann man gar nicht daran vorbei schauen. Er muss ein bisschen grinsen, als er daran denkt, wie Blaze ihn bei der Rocknacht angerempelt hat deswegen. Er mustert das kleine Häuschen, das ganz nett aussieht, aber nichts Besonderes ist. Der schwarze Pick-up ist da schon interessanter.
Er klingelt und kurz darauf staunt er nicht schlecht, als Maryama öffnet. Sie hat eine Whiskeyflasche in der Hand und wirkt ziemlich gut gelaunt. Alter...was geht? Hardcoreparty am frühen Nachmittag..seine Mutter? "Äh..Hi, ich bin Chip." Er hebt die Hand mit den Briefen hoch. "Hab Post für meine Mom." Er ist bemüht Maryama in die auch ziemlich faszinierend grünen Augen zu sehen und den Blick nicht tiefer wandern zu lassen, was ihm gar nicht so leicht fällt. - "Ach cool dich mal kennen zu lernen, bisher kenn ich dich ja nur aus der Ferne, sprich von der Bühne." sagt Maryama schmunzelnd und geht voraus ins Hausinnere. Und aus Erzählungen deiner Mutter, denkt sie, hütet sich aber das zu erwähnen. "Komm rein. Ich bin Maryama, das weißt du bestimmt schon."
Sie geht zu Logan, reicht ihm Flasche und Glas und meint: "Das ist Logan, er ist auch Musiker." Bestimmt will Chip lieber auf den Kissen sitzen als bei seiner Mutter, deshalb nimmt sie auf dem Sofa Platz, von dem Marga gerade aufgesprungen ist.
In Marga kommt Leben, als sie ihren Sohn erblickt. "Adrian, wie freu ich mich." Sie drückt Chip an sich und schiebt ihn dann ein Stück von sich weg. "Du bist dünn geworden, das seh ich gleich. Ich geb dir nachher noch Essen mit. Ich hab dich so vermisst." Marga strahlt.
"Bald bin ich wieder zuhause, aber die Zeit hier tut mir wirklich gut." Chip gibt ein missmutiges Geräusch von sich, als Marga ihn umarmt und windet sich frei. "Ich bin immer dünn, Mum. Mir geht's gut." Ihm wird bewusst dass er immer noch das Skateboard in der Hand hat. Vorsichtig lehnt er es an die Wand und lässt sich mit einem knappen Lächeln neben Logan in das Sitzkissen fallen. Er beschließt das: 'auch Musiker' als Kompliment zu werten. "Hi." Interessant der Typ, wirkt etwas finster, aber kein Wunder...womöglich hat ihn Marga auch bemuttert oder es zumindest versucht. Dass der Whiskey für ihn ist, ergibt deutlich mehr Sinn. Maryama stellt ihm eine Limo hin und trinkt selbst Mineralwasser. "Danke." Chip sieht sich um. Ganz gemütlich hier. Aber Logan passt absolut nicht in die Szenerie. Er dreht sich zu ihm. "Und...woher kennt ihr euch so?" Die drei bringt er einfach nicht unter einen Hut.
Logan hat indessen alles genau beobachtet - skeptisch, aber durchaus interessiert haftet sein Blick auf der Mutter. Seine Gedanken rasen bei dieser Szene. Offensichtlich hängt sie an dem Teenager. Und trotzdem lässt sie ihn zurück und lebt hier? In einer Bude, die nicht einmal ein Bett bietet? Dass dieser Adrian seine Mutter hier auch noch besucht, schmälert die Verwirrung nicht unbedingt.
Augenscheinlich lässig nimmt er Glas und Flasche entgegen, während die Unruhe hinter seiner Stirn tobt. Familienangelegenheiten können recht schräg und kompliziert sein, das weiß Logan nur zu gut. Innerlich ermahnt er sich selbst, dass ihn all das nichts angeht. Er weiß, dass diese Überlegungen nicht gut für ihn sind.
Als der Teenager sich neben ihn setzt, kippt Logan ein Glas Whisky herunter und genießt das Brennen in der Kehle. Eine Line wäre jetzt wesentlich besser. Aber es ist gut, dass er aufhört. Wieder einmal.
Er registriert erst im zweiten Moment, dass der Junge neben ihm ihn anspricht. Auch das noch. Konversation. Er hätte dieses Treffen absagen sollen. Aber was hätte er dann den ganzen Tag getan, außer sich auf seine Fehler zu konzentrieren?
Er füllt sich einen zweiten Whisky ein. 'Das is' nich' gut, man.', denkt er. 'Sei einmal in deinem Leben kein Freak.'
"Sind alte Arbeitskollegen.", murmelt er, ohne den Teenager anzusehen. "Haben vor paar Jahren 'nen Porno zusammen gedreht." Das zweite Glas geht besser runter als das erste.
Ein drittes wäre ein Fehler. Das weiß er. Behutsam stellt er beides auf dem Boden ab.
"Ready to go, sweetheart?", fragt er auffordernd in Maryamas Richtung.
Die darauffolgenden zwei Sekunden Totenstille werden von Maryamas perlendem Lachen und Chips unterdrücktem Prusten durchbrochen. Die Limo steigt ihm in die Nase, aber er kann sich gerade noch fangen. "Alles klar." bringt er dann heraus, nur seine Nasenflügel bewegen sich minimal. "Hab's mir schon fast gedacht." Chips Blick wandert zu seiner Mutter, die wie vom Donner gerührt auf der Couch sitzt und seine Bauchmuskeln würden sich gerne in Bewegung setzen, aber er unterdrückt das Lachen.
Marga schaut mit großen Augen zu Maryama und schluckt schwer. "Ist es das was du gemeint hast? Dass du eine Freundin hattest die beim Film Jobs angenommen hat? Du etwa auch?" Logan, mit seinem wilden Aussehen, traut sie so einiges zu, aber ...Maryama? Das geht doch nicht. Und jetzt lacht sie auch noch. Marga wird ganz konfus. "Also..nicht dass ich das schlecht machen will, bestimmt ist das auch eine anspruchsvolle Arbeit.." Jetzt entfährt Chip doch ein Prusten. Er senkt schnell den Kopf und zieht die Cap in die Stirn. Alter, das ist mal wieder seine Mutter live.
Mittlerweile hat Maryama sich gefangen und unterbricht Margas Redefluss, bevor da noch mehr wilde Theorien dabei heraus kommen. "Nein, nein Marga...alles gut. Ich erklär dir das später." Sie umarmt sie kurz, steht auf und grinst in Richtung Logan."Aber immer, Süßer." beantwortet sie seine Frage und geht zur Tür. Dort dreht sie sich nochmal um und sagt unter gespielt lasziv gesenkten Lidern und ebensolchem Ton. "See you later, wir gehen jetzt...Bilder machen."
Beim Verlassen des Hauses fällt Logans Blick auf das Skateboard an der Wand. Einen kurzen Moment stutzt er - wo ist eigentlich das Brett, das er damals dem verzogenen Jungen abgenommen hat? Bei dem Gedanken daran huscht ihm ein kurzes Schmunzeln über die ernste Mine. Der Bengel hat sich beinahe in die Hose gemacht, obwohl er fast genauso groß war, wie er selbst. Es hatte durchaus Vorteile als misratener Teufel der Stadt bekannt zu sein. Aber das ist lange her. Heute ist er ein anderer. Geradezu sanftmütig im Vergleich zu damals.
Er schnürt seine Tasche und folgt Maryama, die zu Fuß den Weg zum Garten einschlägt.
"Sag mal,", beginnt er einen Moment später, "Was is' das mit Marga?" Nebenbei greift er nach der Schachtel Zigaretten und steckt sich eine an. "Wieso is' die da? Ich versteh' das nich'. Scheint doch 'n gutes Verhältnis zu ihrem Kid zu haben."
Maryama stößt einen Seufzer aus. Wo anfangen? "Es geht weniger um Chip, mehr um ihren Mann. Der hat im letzten halben Jahr wohl recht abgedrehte Ansichten und Theorien entwickelt über eine drohende Alieninvasion und sowas. Vorher hat er jahrelang nur getrunken .. dann hat ihm das quasi neue Energie gegeben und er hat angefangen das Haus und den Garten 'aliensicher' zu machen." Maryamas Blick schweift Richtung Meer, das schon in Sichtweite ist. Genüsslich atmet sie die frische Brise Seeluft ein, ehe sie weiter spricht. "Das hat ihr ziemlich zugesetzt, aber sie hat mitgespielt, weil er wenigstens nicht mehr getrunken hat dadurch. Am Schluss ist es aber eskaliert und dann ist ihr Mann spurlos und ohne ein Wort verschwunden. Das hat ihr den Rest gegeben. Sie konnte es in dem Haus mit dem zerstörten Garten nicht mehr aushalten...und ist zu mir geflüchtet. Wir kennen uns gar nicht so gut, aber das was ich kenne reicht, um ihr zu helfen." Sie schaut zu Logan und lächelt. "Marga ist ein wenig naiv und manchmal anstrengend, aber ich schätze sie sehr. Wohl der Inbegriff einer guten Seele. Na ja, jetzt werden wir versuchen, das Chaos gemeinsam zu managen. Ein guter Freund von mir ist ihr Nachbar, der kümmert sich auch ein wenig um Chip." Sie hat nicht alles erwähnt, aber das dürfte Logan einen Einblick in die Situation geben. "Schon verrückt was das Leben manchmal bereit hält." schließt sie.
Mit verrückten Lebensgeschichten kennt er sich aus. Sicher war das eine schlimme Zeit für Marga, aber er kennt sie nicht und es interessiert ihn in diesem Moment mäßig. Was ihm keine Ruhe lässt, ist die Beziehung zwischen Müttern und Söhnen. Wie ist es bei anderen? Seit Jahren zieht er diese Vergleiche und findet einfach keine Antwort auf seine Fragen. Auf die Frage nach dem Warum. Warum war seine Mutter nicht wie andere?
"Wieso lässt sie den Jungen allein da? Sie hätte ihn mitnehmen können."
Maryama zuckt mit den Schultern. "So wie sie mir erzählt hat, haben sie darüber geredet und es ist einvernehmlich." Sie schweigt einen Augenblick. "Er ist fast 18, da kann man schon mal ein paar Tage allein sein. Länger will sie gar nicht bleiben."
Sie verbietet sich jeden Gedanken an ihre eigene Jugend und legt ein wenig an Schritttempo zu.
'Einvernehmlich.', denkt er. Logan kann sich nicht erinnern, jemals mit seiner... mit Monica einvernehmlich gewesen zu sein.
Er beschließt, das Thema ruhen zu lassen.
Maryama legt ein stolzes Tempo vor. Er will sich nicht die Blöße geben, aber mit seinen Wehwehchen hat er beinahe Mühe, mit ihr Schritt zu halten.
Als das Grundstück in Sicht kommt, will Maryama etwas sagen und bemerkt, dass Logan etwas angestrengt wirkt. "Sorry, ich renn manchmal so und merk das gar nicht. Ich glaub das kommt vom joggen, hab einfach kein Gefühl für normales Gehtempo ab und an." Sie lächelt entschuldigend. "Brems mich dann einfach. Ein kurzes 'was rennst denn so' reicht schon."
Mürrisch winkt er ab:
"Muss drin sein. Bin noch keine dreißig."
Genervt von sich selbst, seiner körperlichen Verfassung und von der Tatsache, dass Maryama seine Mängel bemerkt hat, jagen ihm wieder die Gedanken durch den Kopf, die ihm bisher nur Schwierigkeiten eingebracht haben. Wie gern würde er jetzt irgendeinen Vollidioten aufmischen, der es verdient hat... Einfach etwas Dampf ablassen. Er verflucht sich dafür, wieder mal einen Neuanfang gestartet zu haben. Vielleicht sollte er lernen, sich zu nehmen, wie er ist. Ungehobelt, provokativ, kaputt. Wer hat ihm noch mal eingebläut, sich ändern zu wollen? Ach ja, das war das Leben.
Oha, das '30' Thema. Bisher hat Maryama nur an ihrem letzten Geburtstag über das Alter nachgedacht und das auch nur flüchtig. Logan scheint nicht gern daran erinnert zu werden, seiner Miene nach. "Ich bin erst ein Vierteljahrhundert alt geworden, klingt auch schon nach Bürde." entgegnet sie unbekümmert und zeigt nach vorne, wo man das Gewächshaus sieht. "Schau, das ist es, unser Kleinod." Aus ihrer Stimme spricht Freude und eine Prise Stolz. "Bestimmt ist Ben schon da, er ist sehr pünktlich." Im Gegensatz zu mir
(in Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )
Charaktere: Maryama, Marga, Logan, Chip
Geschichtsstrang: Garden of Eden (Teil 1)
Der schwarze Pick-up donnert über die Straße und verfehlt beinahe den schmalen Weg, bremst und reißt herum. Staub wirbelt auf, als er sich lautstark in die scharfe Kurve legt und gleich wieder rasant beschleunigt.
Laute Musik dröhnt aus den Boxen. Brummende Bässe, schrille Gitarren, antreibende Drums und dazu krächzender Gesang:
"I'm so sick of, I'm so sick of, I'm so sick of you! Shut the fu ck up!"
Der Wagen kommt schließlich abrupt zum Stehen und der Motor wird aus gestellt. Aus dem geöffneten Fenster lässt Logan seinen Arm - und an dessen Ende die brennende Zigarette hängen, während der Klang der 'Brides of Destruction' ihm entgegen brüllt, bis der Song zu Ende ist. Erst dann zieht er den Schlüssel aus dem Schloss und steigt aus. Bevor er den Hof betritt, wirft er den Filter auf den Boden, tritt ihn mit einer drehenden Bewegung aus, hebt ihn auf und steckt ihn, wie gewohnt, in seine Kippenschachtel.
Mit strammen Schritten geht er auf das kleine Haus zu und klingelt.
Zufrieden betrachtet Maryama das Bild von sich und Browneye, das sie gerade im Eingangsbereich an die Wand gehängt hat. Logan hat den Moment wirklich perfekt eingefangen und der neue Rahmen, den sie heute dafür gekauft hat, bringt es erst richtig zur Geltung
"Weißt du was, Marga? So viel Spaß wie mit dir heute, hatte ich schon lang nicht mehr in der Stadt." Natürlich verbringt sie auch kaum Zeit mit Shoppingtouren, aber heute gab es einige Dinge zu besorgen. "Ich freu mich schon, wenn morgen die Waschmaschine geliefert wird, das ist mal richtiger Luxus dann." Sie grinst und schaut zu Marga, die auf der Couch sitzt und Browneye am Bauch krault. "Du warst mir eine große Hilfe."
Marga strahlt. "Sowas Nettes hat schon lang niemand mehr zu mir gesagt. Ich freu mich und langsam komm ich auch zur Ruhe. Ich hoffe, dass.." Laute Musik, die draußen vor dem Haus ertönt, unterbricht den Redefluss.
"Oh, das ist bestimmt Logan." Maryama legt einen Finger auf die Lippen und zeigt auf das Bild an der Wand. Marga grinst und nickt. Sie wird sicher nicht mehr mit dem Ankömmling reden wie nötig, da braucht Maryama sich keine Sorgen zu machen. Die Türglocke schrillt. Browneye hebt den Kopf und spitzt die Ohren, bleibt aber auf dem Sofa liegen.
"Hi Logan, komm rein." Maryama lostst ihn in den Vorraum. "Lass die Schuhe an, das passt schon." Marga überhört den Einwurf geflissentlich und hebt eine Hand zum Gruß, während die andere den Hund weiter streichelt.
"Ladies...", nickt er erst Maryama, dann Marga zu. "And Gentleman." fügt er an, als er Browneye sieht.
"Was geht?" Mit großen Augen springt sein Blick von einer Person zur anderen.
"Hast das Bild aufgehängt.", bemerkt er nebenbei und legt seine Tasche ab.
Eigentlich war's klar, dass er es sofort sieht. Maryama freut sich. Sie grinst Logan an. "Ich wollte doch deine Kunst nicht so mit Füßen treten. Der Pulli freut mich, aber eigentlich hab ich das erst nur gesagt, um dich etwas aus der Reserve zu locken...was mir gründlich misslungen ist. Du hast es heroisch ertragen, dass ich eins dieser schönen Fotos nur auf einem schnöden Pullover haben wollte." Sie dreht sich zur Wand. "Wie findest du Platz und Rahmen, zufrieden?"
Marga schmunzelt auf der Couch in sich hinein und Browneye stürzt sich jetzt endlich auf Logan und wuselt um ihn herum.
Der Gast nickt knapp. "Fällt sofort auf. Gut so."
Als der Mischling auf ihn zugerannt kommt, geht Logan vorsichtig in die Hocke und begrüßt den Vierbeiner mit beiden Händen.
"There you are, pal. How ya doin'? Ya, guys like you are always fine, rite?"
Browneye windet sich vor Begeisterung, bis sein neuer Freund etwas aus der Jackentasche zieht. Ein Tannenzapfen kommt zum Vorschein und Logan hält ihn vor dem Hund in die Luft, bevor er ihn wenige Meter durch den Raum wirft und das Tier hinterher stürzt.
"Die Kastanie liegt hier auch noch irgendwo." sagt Maryama, als der Vierbeiner davon stiebt. "Er hält dich auf jeden Fall für einen Gleichgesinnten. Wer sowas mit ins Haus bringt, kann nur schwer in Ordnung sein." Sie lacht kurz und fragt dann: "Wie sieht's denn aus? Magst du noch was trinken oder sollen wir gleich los?"
Einen Moment überlegt er. Am liebsten würde er gleich weiter ziehen. Heute ist einer dieser Tage, an dem ihm das Stillstehen schwer fällt. Doch sein Inneres schreit unaufhörlich nach alten Gewohnheiten.
"Haste noch was vom Whisky da?", fragt er beherrscht.
Margas Kopf ruckt herum, aber sie sagt nichts. Alkohol tagsüber ist etwas, was unangenehme Erinnerungen weckt. Der junge Mann weiß vielleicht gar nicht, in welch dunkle Gefilde er sich da begibt. Besorgt schaut sie zu Maryama, die unbekümmert wirkt. Hach ja, sie ist ja auch noch jung...aber Marga kennt Logan nicht, bei Adrian wäre das ganz was anderes...der ist allerdings auch Teenager und ihr Sohn. Nach einigem gedanklichen Hin und Her, beschließt Marga zu schweigen, verfolgt aber genau die Vorgänge.
"Klar, ich trink heut aber keinen mit." antwortet Maryama und geht zum Kühlschrank, um die Flasche zu holen. "Ich hab auch keine Ahnung, ob das ein Guter ist, mit Whiskey kenn ich mich nicht aus. Ich trink am liebsten Bier und ansonsten Tequila sunrise... Setz dich doch." sie zeigt auf die Sitzkissen am Fenster. Als sie mit Alkohol und Glas zu Logan geht, läutet es erneut. Überrascht schaut sie zu Marga. "Erwartest du jemanden?" Diese schüttelt den Kopf und wird ein wenig nervös. Ob Bertl zurück ist und von Adrian weiß wo sie ist? Ihr wird heiß. Etwas hibbelig steht sie auf und beobachtet neugierig wie Maryama öffnet.
Das Geräusch der Skateboardrollen hallt unter der Brücke wieder, als Chip durchsaust. Kurz vor dem Haus in dem seine Mutter gerade wohnt springt er ab, schnappt das Board und klemmt es sich unter den Arm. Zu steinig hier. Er ist ein wenig angespannt, weil er keine Ahnung hat was ihn erwartet. Außerdem ist es einfach strange, dass Marga in Brindleton Bay ist und nicht zuhause. Delsyn hat ihm geraten mal einen Besuch zu machen, deshalb ist er hier. Chip hat die Post dabei, damit es ein bisschen offizieller wirkt. Den Eindruck eines vereinsamten Muttersöhnchens will er definitiv vermeiden. Diese Maryama hat er schon öfter gesehen..bei der Rocknacht in der Schule und dann beim Auftritt im KOJ. Die Kurven stechen einfach heraus, da kann man gar nicht daran vorbei schauen. Er muss ein bisschen grinsen, als er daran denkt, wie Blaze ihn bei der Rocknacht angerempelt hat deswegen. Er mustert das kleine Häuschen, das ganz nett aussieht, aber nichts Besonderes ist. Der schwarze Pick-up ist da schon interessanter.
Er klingelt und kurz darauf staunt er nicht schlecht, als Maryama öffnet. Sie hat eine Whiskeyflasche in der Hand und wirkt ziemlich gut gelaunt. Alter...was geht? Hardcoreparty am frühen Nachmittag..seine Mutter? "Äh..Hi, ich bin Chip." Er hebt die Hand mit den Briefen hoch. "Hab Post für meine Mom." Er ist bemüht Maryama in die auch ziemlich faszinierend grünen Augen zu sehen und den Blick nicht tiefer wandern zu lassen, was ihm gar nicht so leicht fällt. - "Ach cool dich mal kennen zu lernen, bisher kenn ich dich ja nur aus der Ferne, sprich von der Bühne." sagt Maryama schmunzelnd und geht voraus ins Hausinnere. Und aus Erzählungen deiner Mutter, denkt sie, hütet sich aber das zu erwähnen. "Komm rein. Ich bin Maryama, das weißt du bestimmt schon."
Sie geht zu Logan, reicht ihm Flasche und Glas und meint: "Das ist Logan, er ist auch Musiker." Bestimmt will Chip lieber auf den Kissen sitzen als bei seiner Mutter, deshalb nimmt sie auf dem Sofa Platz, von dem Marga gerade aufgesprungen ist.
In Marga kommt Leben, als sie ihren Sohn erblickt. "Adrian, wie freu ich mich." Sie drückt Chip an sich und schiebt ihn dann ein Stück von sich weg. "Du bist dünn geworden, das seh ich gleich. Ich geb dir nachher noch Essen mit. Ich hab dich so vermisst." Marga strahlt.
"Bald bin ich wieder zuhause, aber die Zeit hier tut mir wirklich gut." Chip gibt ein missmutiges Geräusch von sich, als Marga ihn umarmt und windet sich frei. "Ich bin immer dünn, Mum. Mir geht's gut." Ihm wird bewusst dass er immer noch das Skateboard in der Hand hat. Vorsichtig lehnt er es an die Wand und lässt sich mit einem knappen Lächeln neben Logan in das Sitzkissen fallen. Er beschließt das: 'auch Musiker' als Kompliment zu werten. "Hi." Interessant der Typ, wirkt etwas finster, aber kein Wunder...womöglich hat ihn Marga auch bemuttert oder es zumindest versucht. Dass der Whiskey für ihn ist, ergibt deutlich mehr Sinn. Maryama stellt ihm eine Limo hin und trinkt selbst Mineralwasser. "Danke." Chip sieht sich um. Ganz gemütlich hier. Aber Logan passt absolut nicht in die Szenerie. Er dreht sich zu ihm. "Und...woher kennt ihr euch so?" Die drei bringt er einfach nicht unter einen Hut.
Logan hat indessen alles genau beobachtet - skeptisch, aber durchaus interessiert haftet sein Blick auf der Mutter. Seine Gedanken rasen bei dieser Szene. Offensichtlich hängt sie an dem Teenager. Und trotzdem lässt sie ihn zurück und lebt hier? In einer Bude, die nicht einmal ein Bett bietet? Dass dieser Adrian seine Mutter hier auch noch besucht, schmälert die Verwirrung nicht unbedingt.
Augenscheinlich lässig nimmt er Glas und Flasche entgegen, während die Unruhe hinter seiner Stirn tobt. Familienangelegenheiten können recht schräg und kompliziert sein, das weiß Logan nur zu gut. Innerlich ermahnt er sich selbst, dass ihn all das nichts angeht. Er weiß, dass diese Überlegungen nicht gut für ihn sind.
Als der Teenager sich neben ihn setzt, kippt Logan ein Glas Whisky herunter und genießt das Brennen in der Kehle. Eine Line wäre jetzt wesentlich besser. Aber es ist gut, dass er aufhört. Wieder einmal.
Er registriert erst im zweiten Moment, dass der Junge neben ihm ihn anspricht. Auch das noch. Konversation. Er hätte dieses Treffen absagen sollen. Aber was hätte er dann den ganzen Tag getan, außer sich auf seine Fehler zu konzentrieren?
Er füllt sich einen zweiten Whisky ein. 'Das is' nich' gut, man.', denkt er. 'Sei einmal in deinem Leben kein Freak.'
"Sind alte Arbeitskollegen.", murmelt er, ohne den Teenager anzusehen. "Haben vor paar Jahren 'nen Porno zusammen gedreht." Das zweite Glas geht besser runter als das erste.
Ein drittes wäre ein Fehler. Das weiß er. Behutsam stellt er beides auf dem Boden ab.
"Ready to go, sweetheart?", fragt er auffordernd in Maryamas Richtung.
Die darauffolgenden zwei Sekunden Totenstille werden von Maryamas perlendem Lachen und Chips unterdrücktem Prusten durchbrochen. Die Limo steigt ihm in die Nase, aber er kann sich gerade noch fangen. "Alles klar." bringt er dann heraus, nur seine Nasenflügel bewegen sich minimal. "Hab's mir schon fast gedacht." Chips Blick wandert zu seiner Mutter, die wie vom Donner gerührt auf der Couch sitzt und seine Bauchmuskeln würden sich gerne in Bewegung setzen, aber er unterdrückt das Lachen.
Marga schaut mit großen Augen zu Maryama und schluckt schwer. "Ist es das was du gemeint hast? Dass du eine Freundin hattest die beim Film Jobs angenommen hat? Du etwa auch?" Logan, mit seinem wilden Aussehen, traut sie so einiges zu, aber ...Maryama? Das geht doch nicht. Und jetzt lacht sie auch noch. Marga wird ganz konfus. "Also..nicht dass ich das schlecht machen will, bestimmt ist das auch eine anspruchsvolle Arbeit.." Jetzt entfährt Chip doch ein Prusten. Er senkt schnell den Kopf und zieht die Cap in die Stirn. Alter, das ist mal wieder seine Mutter live.
Mittlerweile hat Maryama sich gefangen und unterbricht Margas Redefluss, bevor da noch mehr wilde Theorien dabei heraus kommen. "Nein, nein Marga...alles gut. Ich erklär dir das später." Sie umarmt sie kurz, steht auf und grinst in Richtung Logan."Aber immer, Süßer." beantwortet sie seine Frage und geht zur Tür. Dort dreht sie sich nochmal um und sagt unter gespielt lasziv gesenkten Lidern und ebensolchem Ton. "See you later, wir gehen jetzt...Bilder machen."
Beim Verlassen des Hauses fällt Logans Blick auf das Skateboard an der Wand. Einen kurzen Moment stutzt er - wo ist eigentlich das Brett, das er damals dem verzogenen Jungen abgenommen hat? Bei dem Gedanken daran huscht ihm ein kurzes Schmunzeln über die ernste Mine. Der Bengel hat sich beinahe in die Hose gemacht, obwohl er fast genauso groß war, wie er selbst. Es hatte durchaus Vorteile als misratener Teufel der Stadt bekannt zu sein. Aber das ist lange her. Heute ist er ein anderer. Geradezu sanftmütig im Vergleich zu damals.
Er schnürt seine Tasche und folgt Maryama, die zu Fuß den Weg zum Garten einschlägt.
"Sag mal,", beginnt er einen Moment später, "Was is' das mit Marga?" Nebenbei greift er nach der Schachtel Zigaretten und steckt sich eine an. "Wieso is' die da? Ich versteh' das nich'. Scheint doch 'n gutes Verhältnis zu ihrem Kid zu haben."
Maryama stößt einen Seufzer aus. Wo anfangen? "Es geht weniger um Chip, mehr um ihren Mann. Der hat im letzten halben Jahr wohl recht abgedrehte Ansichten und Theorien entwickelt über eine drohende Alieninvasion und sowas. Vorher hat er jahrelang nur getrunken .. dann hat ihm das quasi neue Energie gegeben und er hat angefangen das Haus und den Garten 'aliensicher' zu machen." Maryamas Blick schweift Richtung Meer, das schon in Sichtweite ist. Genüsslich atmet sie die frische Brise Seeluft ein, ehe sie weiter spricht. "Das hat ihr ziemlich zugesetzt, aber sie hat mitgespielt, weil er wenigstens nicht mehr getrunken hat dadurch. Am Schluss ist es aber eskaliert und dann ist ihr Mann spurlos und ohne ein Wort verschwunden. Das hat ihr den Rest gegeben. Sie konnte es in dem Haus mit dem zerstörten Garten nicht mehr aushalten...und ist zu mir geflüchtet. Wir kennen uns gar nicht so gut, aber das was ich kenne reicht, um ihr zu helfen." Sie schaut zu Logan und lächelt. "Marga ist ein wenig naiv und manchmal anstrengend, aber ich schätze sie sehr. Wohl der Inbegriff einer guten Seele. Na ja, jetzt werden wir versuchen, das Chaos gemeinsam zu managen. Ein guter Freund von mir ist ihr Nachbar, der kümmert sich auch ein wenig um Chip." Sie hat nicht alles erwähnt, aber das dürfte Logan einen Einblick in die Situation geben. "Schon verrückt was das Leben manchmal bereit hält." schließt sie.
Mit verrückten Lebensgeschichten kennt er sich aus. Sicher war das eine schlimme Zeit für Marga, aber er kennt sie nicht und es interessiert ihn in diesem Moment mäßig. Was ihm keine Ruhe lässt, ist die Beziehung zwischen Müttern und Söhnen. Wie ist es bei anderen? Seit Jahren zieht er diese Vergleiche und findet einfach keine Antwort auf seine Fragen. Auf die Frage nach dem Warum. Warum war seine Mutter nicht wie andere?
"Wieso lässt sie den Jungen allein da? Sie hätte ihn mitnehmen können."
Maryama zuckt mit den Schultern. "So wie sie mir erzählt hat, haben sie darüber geredet und es ist einvernehmlich." Sie schweigt einen Augenblick. "Er ist fast 18, da kann man schon mal ein paar Tage allein sein. Länger will sie gar nicht bleiben."
Sie verbietet sich jeden Gedanken an ihre eigene Jugend und legt ein wenig an Schritttempo zu.
'Einvernehmlich.', denkt er. Logan kann sich nicht erinnern, jemals mit seiner... mit Monica einvernehmlich gewesen zu sein.
Er beschließt, das Thema ruhen zu lassen.
Maryama legt ein stolzes Tempo vor. Er will sich nicht die Blöße geben, aber mit seinen Wehwehchen hat er beinahe Mühe, mit ihr Schritt zu halten.
Als das Grundstück in Sicht kommt, will Maryama etwas sagen und bemerkt, dass Logan etwas angestrengt wirkt. "Sorry, ich renn manchmal so und merk das gar nicht. Ich glaub das kommt vom joggen, hab einfach kein Gefühl für normales Gehtempo ab und an." Sie lächelt entschuldigend. "Brems mich dann einfach. Ein kurzes 'was rennst denn so' reicht schon."
Mürrisch winkt er ab:
"Muss drin sein. Bin noch keine dreißig."
Genervt von sich selbst, seiner körperlichen Verfassung und von der Tatsache, dass Maryama seine Mängel bemerkt hat, jagen ihm wieder die Gedanken durch den Kopf, die ihm bisher nur Schwierigkeiten eingebracht haben. Wie gern würde er jetzt irgendeinen Vollidioten aufmischen, der es verdient hat... Einfach etwas Dampf ablassen. Er verflucht sich dafür, wieder mal einen Neuanfang gestartet zu haben. Vielleicht sollte er lernen, sich zu nehmen, wie er ist. Ungehobelt, provokativ, kaputt. Wer hat ihm noch mal eingebläut, sich ändern zu wollen? Ach ja, das war das Leben.
Oha, das '30' Thema. Bisher hat Maryama nur an ihrem letzten Geburtstag über das Alter nachgedacht und das auch nur flüchtig. Logan scheint nicht gern daran erinnert zu werden, seiner Miene nach. "Ich bin erst ein Vierteljahrhundert alt geworden, klingt auch schon nach Bürde." entgegnet sie unbekümmert und zeigt nach vorne, wo man das Gewächshaus sieht. "Schau, das ist es, unser Kleinod." Aus ihrer Stimme spricht Freude und eine Prise Stolz. "Bestimmt ist Ben schon da, er ist sehr pünktlich." Im Gegensatz zu mir
(in Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )