Forum Discussion
3 years ago
Ort: 4er-WG - Evergreen Harbor
Charaktere: Logan
Geschichtsstrang: Mila
Wieder einmal hat Logan nicht gut geschlafen. Es ist immer das Gleiche - Gedanken lassen ihn nicht zur Ruhe kommen und wenn er doch irgendwann übermüdet einschläft, dauert es nicht lang, bis einer dieser Träume beginnt und er schließlich wieder aufschreckt.
Als er heute auf die Uhr sieht, ist es mitten in der Nacht. Die Wohnung ist so ruhig, wie sie es mit drei Mitbewohnern sein kann. So beschließt Logan, aufzustehen und steckt sich die erste Zigarette des Tages an. Sein Schädel brummt - Nicht, dass das etwas Neues wäre. Solange die Kippe Nikotin hergibt, massiert er sich mit der freien Hand die Schläfe, zerdrückt dann den Filter und steht vorsichtig auf, um das Knie langsam an Belastung zu gewöhnen.
Der erste Gang führt in die Küche. Dort schaltet er die Kaffeemaschine ein, bevor er ins Bad schlendert, um heiß zu duschen.
Während er die Klamotten ablegt, meidet er den Blick in den Spiegel und nur wenige Sekunden prasselt heiß dampfendes Wasser auf seine Schultern. Die Haut färbt sich binnen kürzester Zeit rot, doch die Hitze spürt er kaum.
Eine Weile steht er nur dort und wartet darauf, dass all die Träume und Erinnerungen mit dem kalten Schweiß aus den Poren gespült werden.
Das Bad ist bereits in dichten Nebel gehüllt, als er endlich das Wasser ausdreht und zum Handtuch greift.
Der Kaffee ist längst durchgelaufen. Inzwischen angezogen, füllt er sich eine Tasse ein und geht in sein Zimmer, wo er den Laptop startet.
Es dauert einige Schluck der dunklen Flüssigkeit, bis die nötigen Programme geöffnet sind und Logan die Tasse abstellt und Kopfhörer in die Ohren schiebt. Mit einigen Mausklicks startet er den Film, an dem er gerade arbeitet.
Der Held betritt die Szene und geht stürmisch auf eine Rothaarige zu.
"We need to talk.", sagt er energisch.
Gelangweilt legt Logan die Hände auf die Tastatur und schreibt im zweiten Fenster:
"Wir müssen reden."
"Why?", fragt die Frau blasiert. "I didn't do anything."
"Wieso? Ich habe nichts getan."
Logans Blick fällt auf die Timeline.
'Lord of hell,', denkt er, 'der Mist geht immer noch vierzig Minuten.'
Satz für Satz trägt er die Übersetzung im Untertitelungsprogramm ein. Einige Male skipt er dazu die Szene zurück, um es so genau wie möglich zu halten und so dauert es eine Weile, bis dieser eigentlich kurze Dialog überstanden und bearbeitet ist.
Seufzend lehnt er sich zurück und reibt sich die Augen, als ein aufploppendes Fenster seine Aufmerksamkeit auf sich zieht.
"bist du da?", fragt das Chatfenster.
Sein Blick springt auf den Usernamen in der Ecke. Mila. Nachdenklich streicht er seinen Bart glatt, legt dann die Hände wieder auf die Tastatur, zögert einen Moment.
"Du fehlst mir so.", erscheint auf dem Bildschirm.
Schuldbewusst seufzt er aus, greift nach seinen Zigaretten und steckt sich eine weitere an.
Schließlich fliegen seine Finger über die Tasten:
"hey"
"Hi : )", antwortet sie.
Einen Moment überlegt er. Seit er seinen letzten Wohnsitz verlassen hat, haben sie nicht mehr miteinander geschrieben. Dabei hat er zumindest anfangs oft an sie gedacht. Wieviele Jahre kennen sie sich schon? Wie oft hat er sich ihr anvertraut, wenn es sonst niemanden gab? Und dennoch kennt sie ihn kaum. Und das soll auch so bleiben.
Zu gern würde er ihr gestehen, dass es ihm leid tut, sie fortgestoßen zu haben. Nicht unbedingt um seinetwillen. Er ist es gewohnt, allein da zu stehen und sich durchzukämpfen. Aber auch sie hat immer wieder ihre Probleme mit ihm geteilt. Er weiß, wie wichtig er für sie ist. Und trotzdem war es eine bewusste Entscheidung, sich die letzten Wochen nicht bei ihr zu melden.
Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, den Kontakt zu ihr aufrecht zu halten, auch ohne festen Wohnsitz. Internet hat er schließlich überall. Aber manchmal ist einfach alles zu viel.
Noch immer ruhen seine Finger auf ser Tastatur. Fieberhaft überlegt er, wie er sich ausdrücken kann. Wie soll er ihr den Grund für sein Verschwinden erklären? Und wie soll er sagen, dass es ihm leid tut, sie im Stich gelassen zu haben?
"was gibt's", schreibt er schließlich. Sie kennt ihn. Sie wird schon wissen, was damit gemeint ist.
Es dauert nur wenige Sekunden, bis ihre Antwort auf dem Display erscheint:
"Ich hab mir sorgen gemacht."
Das schlechte Gewissen wird stärker.
"why"
"Ich habe lange nichts von dir gehört."
"u know I'm fine."
"Nein, weiß ich nicht."
Sie sollte es wissen. Er ist niemand, der aufgibt. Darüber haben sie tausendfach gesprochen.
"now u know"
"Bist du umgezogen? Wie du es wolltest?"
Er hätte ihr Bescheid geben können. Das wäre das Mindeste gewesen, nach all den Stunden, die sie ihm gewidmet hat.
"ya"
"Hat alles geklappt?", will sie wissen. Logan weiß nicht, was das bedeutet. Ob es Schwierigkeiten gab? Die gibt es immer. Soll er erzählen, dass er eine Weile mit dem Wagen durchs Land gefahren ist, auf der Suche nach einem Ort, an dem er sich vorstellen kann, zu bleiben? Soll er ihr erzählen, dass er mal wieder rückfällig war und deswegen abgehauen ist? Dass die ganze Sache mit Billie ihn überfordert hat? Er stutzt. Hat er ihr von Billie erzählt? Er erinnert sich nicht. Dieses verdammte Gedächtnis.
"kinda."
"Wie wohnst du jetzt?"
Warum fragt sie das? Denkt sie vielleicht doch, dass er mit Billie umgezogen ist?
"mit 3 Typen"
"Oh, gleich 3. Da ist sicher einiges los bei euch."
'Klar, wir nehmen alle pausenlos Drogen und lassen nackte Weiber auf den Tischen tanzen.'
"ne. alle sehr für sich"
"Ist das gut?"
"warum nich?"
"Hm, weiß nicht. Manchmal brauchst du Gesellschaft."
Als ob er einen scheiß Babysitter bräuchte - Hat er ihr etwa erzählt, dass er sich nicht traut, allein zu leben? Er macht eine verärgerte Kopfbewegung.
"wie ich sagte, I'm fine"
"Ja, das sagst du."
"I mean it"
"Hm, ok."
Sie glaubt ihm nicht. Das tut sie nie, wenn sie 'hmt'. Er sollte sie fragen, wie es ihr geht. Er möchte es wissen. Er macht sich Gedanken und wünscht ihr nur das Beste. Nichts anderes hat sie verdient.
"und du?"
"Alles beim Alten.
Obwohl.. ne
Robert hat mich gefragt ob ich mit ihm ausgehe : )"
Wer ist Robert? Logan denkt nach. Es gab mal einen, von dem sie geschwärmt hat. Der Kollege aus einer anderen Abteilung. So'n Blonder Fatzke. Das muss er sein.
"und?"
"Morgen abend gehen wir tanzen."
Sie sollte lieber aufpassen. Nach all den schlechten Erfahrungen mit Männern wundert es ihn, dass sie überhaupt noch am anderen Geschlecht interessiert ist. Mila scheint noch zierlicher als Logan selbst, noch dazu hat sie kaum Selbstvertrauen. In ihm steigt der Drang auf, sie zu beschützen. Bei all diesen Spinnern da draußen, weiß man nie, was hinter einem Gesicht steckt.
"tanzen"
"Ja : )"
Sollte er ihr das ausreden? Er will ihr keine Angst machen. Sie ist ein guter Sim und hat etwas Glück verdient.
"wusste nich dasse drauf stehst"
"Doch, es gefällt mir. Das hat so einen Charme von alten Filmen."
Er sieht die Szene vor sich. Die kleine Mila, glücklich im Arm eines starken Mannes, der sich hoffentlich nicht als Gefahr erweist. Sie trägt ein sinnliches Kleid und hochgesteckte Haare. Sie sieht richtig gut aus.
"ya"
"Ich bin richtig nervös deswegen : )"
"wird schon gut werden. pass nur auf dich auf"
"Das mache ich : )"
Einen Moment herrscht Stille in der Leitung. Bis das kleine Symbol verrät, dass Mila gerade tippt.
"Wie sind denn deine Mitbewohner so?"
Was soll er dazu sagen? Er kennt die drei erst seit dem Bruchteil eines Lebens. Jeder für sich hat etwas Merkwürdiges an sich, aber das ist bei den meisten Sims der Fall.
"weiß nich. Typen eben."
"Beschreib sie mir.", fordert die Schrift auf dem Bildschirm.
"keine ahnung wie"
"Erzähl mir von ihnen."
"..."
"Wer ist der Älteste?"
"woher soll ich das wissen?"
"OK, wer ist denn der Größte?"
Definitiv der Handwerker. Der Kerl ist ein verdammter Riese. Selbst, wenn er sitzt, wirkt Logan im Vergleich wie ein Hobbit.
"tom"
"Magst du ihn?"
"weiß nich"
"Wieso? Was stimmt nicht?"
In manchen Momenten bereut Logan, dass Mila ihn schon so gut kennt. Sie weiß genau, was es bedeutet, wenn er einer Antwort ausweicht - denn in Wirklichkeit weiß er sehr gut, wen er mag und wen nicht. Er lehnt sich im Stuhl zurück und zerdrückt den Zigarettenfilter, starrt dann auf die Schrift im Monitor, als würde sie ihm die Antwort auf die letzte Frage einfacher machen können. Zögerlich beginnt er zu tippen:
"er erinnert mich an sachen"
"Von zu Hause?"
Zu Hause - hatte er je ein zu Hause? Die alte Bude, in der er aufgewachsen ist, war zumindest nie etwas, das er so nennen würde. Er kann auf diese Frage nicht antworten.
"Früher?", hakt Mila noch einmal nach, als sie bemerkt, dass von ihm nichts kommt.
"jo"
"Wie geht es dir damit?"
Logan steht auf und bringt seine Tasse in die Küche, um sie noch einmal voll zu machen. Seine Gedanken werden düsterer. Wie soll es ihm schon damit gehen, dass er mit so einem Typen zusammen wohnt? Vielleicht ist der Kerl in Ordnung. Vielleicht nicht. Wer kann schon sagen, wie ähnlich die beiden sich tatsächlich sind? Möglicherweise hat der Mechaniker auch nur zufällig ein paar von diesen Worten benutzt. Er selbst ist gerade etwas überempfindlich - das weiß Logan. Mit Paul war es damals ähnlich und er kam letztich gut mit ihm zurecht.
Er nimmt einen kräftigen Schluck Kaffee und füllt direkt noch einmal auf. Vielleicht liegt es gar nicht an denen - vielleicht assoziiert er nur diese Dinge in große Männer hinein. Könnte das sein? Nachdenklich geht er zuück und setzt sich wieder an den Laptop.
"lass uns über was anderes reden", tippt er schließlich. Er muss das Thema zuerst für sich noch einmal durchdenken, bevor er es mit jemandem teilt. Wenn überhaupt.
"OK"
Wieder vergeht eine Minute, ohne, dass sich etwas auf dem Bildschirm tut.
Gerade, als er beschließt, die Unterhaltung zu beenden, beginnt Mila wieder zu tippen. Also wartet er ab, was es dieses Mal sein wird.
"Was macht die Musik? Spielst du noch?"
Offensichtlich ringt sie nach Themen. Sie weiß genau, dass Logan die Musik niemals aufgeben wird.
"sure"
"Ist der Song fertig?"
Sie spielt auf das letzte Gespräch an, das sie gemeinsam führten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Logan mit Beginn der labilen Phasen an eigenen Sogs arbeitet. Das hilft ihm, Gedanken zu erfassen und zu sortieren.
"ne aber bin dran"
"Darf ich ihn dann mal hören?"
Im Normalfall bekommt niemand seine Songs zu hören. Sie sind viel zu intim, als dass er das mit jedem teilen würde. Aber in selten Fällen würd er tatsäclich eine Ausnahme machen.
"hab das aufnahmegerät nich mehr", tippt er wahrheitsgemäß ein.
"Verloren? "
"verkauft"
Für viel zu wenig Geld, das ihm schlechten Stoff eingebracht hat. Der letzte Rückfall. Die Enttäuschung über sich selbstschleicht sich wieder ein.
"Oh" Mila hätte vermutlich nicht geglaubt, dass er einmal etwas absichtlich abgeben würde, das auch nur entfernt mit Musik zu tun hat.
Bevor sie weiter nachfragen kann, beginnt er zu tippen:
"muss schluss machen. hab noch zu arbeiten. will den mist fertig kriegen"
Er hat eigentlich keine Lust auf diesen Auftrag, aber es sind nur noch vierzig Minuten, dann kann er dieses furchtbare Projekt endlich beenden und hat wieder ein wenig Reserven auf dem Konto.
"OK", sagt die Schrift. "Ich freue mich riesig, dass wir geschrieben haben!"
Er glaubt ihr. Und er möchte ihr die Freude machen, das Gefühl zu erwiedern. Es wäre vermutlich sogar irgendwie wahr. Nur fühlt er es einfach nicht.
"ya", antwortet er. Und wie gewohnt fügt er als letztes an:
"bis dann"
Ohne eine Antwort abzuwarten, klickt er das Chatfenster weg und setzt den Laptop auf offline und widmet sich wieder seiner Arbeit.
Charaktere: Logan
Geschichtsstrang: Mila
Wieder einmal hat Logan nicht gut geschlafen. Es ist immer das Gleiche - Gedanken lassen ihn nicht zur Ruhe kommen und wenn er doch irgendwann übermüdet einschläft, dauert es nicht lang, bis einer dieser Träume beginnt und er schließlich wieder aufschreckt.
Als er heute auf die Uhr sieht, ist es mitten in der Nacht. Die Wohnung ist so ruhig, wie sie es mit drei Mitbewohnern sein kann. So beschließt Logan, aufzustehen und steckt sich die erste Zigarette des Tages an. Sein Schädel brummt - Nicht, dass das etwas Neues wäre. Solange die Kippe Nikotin hergibt, massiert er sich mit der freien Hand die Schläfe, zerdrückt dann den Filter und steht vorsichtig auf, um das Knie langsam an Belastung zu gewöhnen.
Der erste Gang führt in die Küche. Dort schaltet er die Kaffeemaschine ein, bevor er ins Bad schlendert, um heiß zu duschen.
Während er die Klamotten ablegt, meidet er den Blick in den Spiegel und nur wenige Sekunden prasselt heiß dampfendes Wasser auf seine Schultern. Die Haut färbt sich binnen kürzester Zeit rot, doch die Hitze spürt er kaum.
Eine Weile steht er nur dort und wartet darauf, dass all die Träume und Erinnerungen mit dem kalten Schweiß aus den Poren gespült werden.
Das Bad ist bereits in dichten Nebel gehüllt, als er endlich das Wasser ausdreht und zum Handtuch greift.
Der Kaffee ist längst durchgelaufen. Inzwischen angezogen, füllt er sich eine Tasse ein und geht in sein Zimmer, wo er den Laptop startet.
Es dauert einige Schluck der dunklen Flüssigkeit, bis die nötigen Programme geöffnet sind und Logan die Tasse abstellt und Kopfhörer in die Ohren schiebt. Mit einigen Mausklicks startet er den Film, an dem er gerade arbeitet.
Der Held betritt die Szene und geht stürmisch auf eine Rothaarige zu.
"We need to talk.", sagt er energisch.
Gelangweilt legt Logan die Hände auf die Tastatur und schreibt im zweiten Fenster:
"Wir müssen reden."
"Why?", fragt die Frau blasiert. "I didn't do anything."
"Wieso? Ich habe nichts getan."
Logans Blick fällt auf die Timeline.
'Lord of hell,', denkt er, 'der Mist geht immer noch vierzig Minuten.'
Satz für Satz trägt er die Übersetzung im Untertitelungsprogramm ein. Einige Male skipt er dazu die Szene zurück, um es so genau wie möglich zu halten und so dauert es eine Weile, bis dieser eigentlich kurze Dialog überstanden und bearbeitet ist.
Seufzend lehnt er sich zurück und reibt sich die Augen, als ein aufploppendes Fenster seine Aufmerksamkeit auf sich zieht.
"bist du da?", fragt das Chatfenster.
Sein Blick springt auf den Usernamen in der Ecke. Mila. Nachdenklich streicht er seinen Bart glatt, legt dann die Hände wieder auf die Tastatur, zögert einen Moment.
"Du fehlst mir so.", erscheint auf dem Bildschirm.
Schuldbewusst seufzt er aus, greift nach seinen Zigaretten und steckt sich eine weitere an.
Schließlich fliegen seine Finger über die Tasten:
"hey"
"Hi : )", antwortet sie.
Einen Moment überlegt er. Seit er seinen letzten Wohnsitz verlassen hat, haben sie nicht mehr miteinander geschrieben. Dabei hat er zumindest anfangs oft an sie gedacht. Wieviele Jahre kennen sie sich schon? Wie oft hat er sich ihr anvertraut, wenn es sonst niemanden gab? Und dennoch kennt sie ihn kaum. Und das soll auch so bleiben.
Zu gern würde er ihr gestehen, dass es ihm leid tut, sie fortgestoßen zu haben. Nicht unbedingt um seinetwillen. Er ist es gewohnt, allein da zu stehen und sich durchzukämpfen. Aber auch sie hat immer wieder ihre Probleme mit ihm geteilt. Er weiß, wie wichtig er für sie ist. Und trotzdem war es eine bewusste Entscheidung, sich die letzten Wochen nicht bei ihr zu melden.
Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, den Kontakt zu ihr aufrecht zu halten, auch ohne festen Wohnsitz. Internet hat er schließlich überall. Aber manchmal ist einfach alles zu viel.
Noch immer ruhen seine Finger auf ser Tastatur. Fieberhaft überlegt er, wie er sich ausdrücken kann. Wie soll er ihr den Grund für sein Verschwinden erklären? Und wie soll er sagen, dass es ihm leid tut, sie im Stich gelassen zu haben?
"was gibt's", schreibt er schließlich. Sie kennt ihn. Sie wird schon wissen, was damit gemeint ist.
Es dauert nur wenige Sekunden, bis ihre Antwort auf dem Display erscheint:
"Ich hab mir sorgen gemacht."
Das schlechte Gewissen wird stärker.
"why"
"Ich habe lange nichts von dir gehört."
"u know I'm fine."
"Nein, weiß ich nicht."
Sie sollte es wissen. Er ist niemand, der aufgibt. Darüber haben sie tausendfach gesprochen.
"now u know"
"Bist du umgezogen? Wie du es wolltest?"
Er hätte ihr Bescheid geben können. Das wäre das Mindeste gewesen, nach all den Stunden, die sie ihm gewidmet hat.
"ya"
"Hat alles geklappt?", will sie wissen. Logan weiß nicht, was das bedeutet. Ob es Schwierigkeiten gab? Die gibt es immer. Soll er erzählen, dass er eine Weile mit dem Wagen durchs Land gefahren ist, auf der Suche nach einem Ort, an dem er sich vorstellen kann, zu bleiben? Soll er ihr erzählen, dass er mal wieder rückfällig war und deswegen abgehauen ist? Dass die ganze Sache mit Billie ihn überfordert hat? Er stutzt. Hat er ihr von Billie erzählt? Er erinnert sich nicht. Dieses verdammte Gedächtnis.
"kinda."
"Wie wohnst du jetzt?"
Warum fragt sie das? Denkt sie vielleicht doch, dass er mit Billie umgezogen ist?
"mit 3 Typen"
"Oh, gleich 3. Da ist sicher einiges los bei euch."
'Klar, wir nehmen alle pausenlos Drogen und lassen nackte Weiber auf den Tischen tanzen.'
"ne. alle sehr für sich"
"Ist das gut?"
"warum nich?"
"Hm, weiß nicht. Manchmal brauchst du Gesellschaft."
Als ob er einen scheiß Babysitter bräuchte - Hat er ihr etwa erzählt, dass er sich nicht traut, allein zu leben? Er macht eine verärgerte Kopfbewegung.
"wie ich sagte, I'm fine"
"Ja, das sagst du."
"I mean it"
"Hm, ok."
Sie glaubt ihm nicht. Das tut sie nie, wenn sie 'hmt'. Er sollte sie fragen, wie es ihr geht. Er möchte es wissen. Er macht sich Gedanken und wünscht ihr nur das Beste. Nichts anderes hat sie verdient.
"und du?"
"Alles beim Alten.
Obwohl.. ne
Robert hat mich gefragt ob ich mit ihm ausgehe : )"
Wer ist Robert? Logan denkt nach. Es gab mal einen, von dem sie geschwärmt hat. Der Kollege aus einer anderen Abteilung. So'n Blonder Fatzke. Das muss er sein.
"und?"
"Morgen abend gehen wir tanzen."
Sie sollte lieber aufpassen. Nach all den schlechten Erfahrungen mit Männern wundert es ihn, dass sie überhaupt noch am anderen Geschlecht interessiert ist. Mila scheint noch zierlicher als Logan selbst, noch dazu hat sie kaum Selbstvertrauen. In ihm steigt der Drang auf, sie zu beschützen. Bei all diesen Spinnern da draußen, weiß man nie, was hinter einem Gesicht steckt.
"tanzen"
"Ja : )"
Sollte er ihr das ausreden? Er will ihr keine Angst machen. Sie ist ein guter Sim und hat etwas Glück verdient.
"wusste nich dasse drauf stehst"
"Doch, es gefällt mir. Das hat so einen Charme von alten Filmen."
Er sieht die Szene vor sich. Die kleine Mila, glücklich im Arm eines starken Mannes, der sich hoffentlich nicht als Gefahr erweist. Sie trägt ein sinnliches Kleid und hochgesteckte Haare. Sie sieht richtig gut aus.
"ya"
"Ich bin richtig nervös deswegen : )"
"wird schon gut werden. pass nur auf dich auf"
"Das mache ich : )"
Einen Moment herrscht Stille in der Leitung. Bis das kleine Symbol verrät, dass Mila gerade tippt.
"Wie sind denn deine Mitbewohner so?"
Was soll er dazu sagen? Er kennt die drei erst seit dem Bruchteil eines Lebens. Jeder für sich hat etwas Merkwürdiges an sich, aber das ist bei den meisten Sims der Fall.
"weiß nich. Typen eben."
"Beschreib sie mir.", fordert die Schrift auf dem Bildschirm.
"keine ahnung wie"
"Erzähl mir von ihnen."
"..."
"Wer ist der Älteste?"
"woher soll ich das wissen?"
"OK, wer ist denn der Größte?"
Definitiv der Handwerker. Der Kerl ist ein verdammter Riese. Selbst, wenn er sitzt, wirkt Logan im Vergleich wie ein Hobbit.
"tom"
"Magst du ihn?"
"weiß nich"
"Wieso? Was stimmt nicht?"
In manchen Momenten bereut Logan, dass Mila ihn schon so gut kennt. Sie weiß genau, was es bedeutet, wenn er einer Antwort ausweicht - denn in Wirklichkeit weiß er sehr gut, wen er mag und wen nicht. Er lehnt sich im Stuhl zurück und zerdrückt den Zigarettenfilter, starrt dann auf die Schrift im Monitor, als würde sie ihm die Antwort auf die letzte Frage einfacher machen können. Zögerlich beginnt er zu tippen:
"er erinnert mich an sachen"
"Von zu Hause?"
Zu Hause - hatte er je ein zu Hause? Die alte Bude, in der er aufgewachsen ist, war zumindest nie etwas, das er so nennen würde. Er kann auf diese Frage nicht antworten.
"Früher?", hakt Mila noch einmal nach, als sie bemerkt, dass von ihm nichts kommt.
"jo"
"Wie geht es dir damit?"
Logan steht auf und bringt seine Tasse in die Küche, um sie noch einmal voll zu machen. Seine Gedanken werden düsterer. Wie soll es ihm schon damit gehen, dass er mit so einem Typen zusammen wohnt? Vielleicht ist der Kerl in Ordnung. Vielleicht nicht. Wer kann schon sagen, wie ähnlich die beiden sich tatsächlich sind? Möglicherweise hat der Mechaniker auch nur zufällig ein paar von diesen Worten benutzt. Er selbst ist gerade etwas überempfindlich - das weiß Logan. Mit Paul war es damals ähnlich und er kam letztich gut mit ihm zurecht.
Er nimmt einen kräftigen Schluck Kaffee und füllt direkt noch einmal auf. Vielleicht liegt es gar nicht an denen - vielleicht assoziiert er nur diese Dinge in große Männer hinein. Könnte das sein? Nachdenklich geht er zuück und setzt sich wieder an den Laptop.
"lass uns über was anderes reden", tippt er schließlich. Er muss das Thema zuerst für sich noch einmal durchdenken, bevor er es mit jemandem teilt. Wenn überhaupt.
"OK"
Wieder vergeht eine Minute, ohne, dass sich etwas auf dem Bildschirm tut.
Gerade, als er beschließt, die Unterhaltung zu beenden, beginnt Mila wieder zu tippen. Also wartet er ab, was es dieses Mal sein wird.
"Was macht die Musik? Spielst du noch?"
Offensichtlich ringt sie nach Themen. Sie weiß genau, dass Logan die Musik niemals aufgeben wird.
"sure"
"Ist der Song fertig?"
Sie spielt auf das letzte Gespräch an, das sie gemeinsam führten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Logan mit Beginn der labilen Phasen an eigenen Sogs arbeitet. Das hilft ihm, Gedanken zu erfassen und zu sortieren.
"ne aber bin dran"
"Darf ich ihn dann mal hören?"
Im Normalfall bekommt niemand seine Songs zu hören. Sie sind viel zu intim, als dass er das mit jedem teilen würde. Aber in selten Fällen würd er tatsäclich eine Ausnahme machen.
"hab das aufnahmegerät nich mehr", tippt er wahrheitsgemäß ein.
"Verloren? "
"verkauft"
Für viel zu wenig Geld, das ihm schlechten Stoff eingebracht hat. Der letzte Rückfall. Die Enttäuschung über sich selbstschleicht sich wieder ein.
"Oh" Mila hätte vermutlich nicht geglaubt, dass er einmal etwas absichtlich abgeben würde, das auch nur entfernt mit Musik zu tun hat.
Bevor sie weiter nachfragen kann, beginnt er zu tippen:
"muss schluss machen. hab noch zu arbeiten. will den mist fertig kriegen"
Er hat eigentlich keine Lust auf diesen Auftrag, aber es sind nur noch vierzig Minuten, dann kann er dieses furchtbare Projekt endlich beenden und hat wieder ein wenig Reserven auf dem Konto.
"OK", sagt die Schrift. "Ich freue mich riesig, dass wir geschrieben haben!"
Er glaubt ihr. Und er möchte ihr die Freude machen, das Gefühl zu erwiedern. Es wäre vermutlich sogar irgendwie wahr. Nur fühlt er es einfach nicht.
"ya", antwortet er. Und wie gewohnt fügt er als letztes an:
"bis dann"
Ohne eine Antwort abzuwarten, klickt er das Chatfenster weg und setzt den Laptop auf offline und widmet sich wieder seiner Arbeit.