Forum Discussion
3 years ago
Ort: Brindleton Bay
Charaktere: Maryama, Ben, Logan, Ellie, Tani, Nouki
Geschichtsstrang: Garden of Eden Teil 4
Als Logan das Grundstück betritt, herrscht reges Treiben. Drei junge Mädchen stecken bis zu den Ellenbogen im Dreck und haben scheinbar sogar ihre Freude daran, dieses Gerümpel aus dem Boden auszugraben. Ausgelassen schnattern und scherzen sie miteinander, bis eine von ihnen aufsieht und leicht irritiert direkt in Logans Gesicht schaut. In seiner rechten Hand hält er zwei Glasflaschen - augenschleinlich Bier.
"Wos'n Ben?", fragt er mehr zielorientiert als freundlich.
Ellie mustert den Typen. Das muss dieser Logan sein. Misstrauisch schielt sie auf die Bierflaschen. Ist der etwa ein Säufer? Warum hat er gleich zwei Flaschen? Oder will er eine davon an Ben weitergeben? Trotzdem zeigt sie in die Richtung, in der ihr Bruder unterwegs ist: Er repariert gerade den Zaun an der anderen Seite des Grundstücks.
Der Mann schaut in die angezeigte Richtung und nickt leicht.
"Thanks, girl.", murmelt er und verschwindet aus dem Sichtfeld der Mädchen.
Interessiert blickt Nouki dem Fremden nach. Ziemlich cool mit den langen Haaren und den Tattoos. Seine Aura hat sie ganz kurz an Kurt Cobain denken lassen. Irgendwas fasziniert sie einfach an diesen finsteren und etwas verloren wirkenden Jungs. Sie stupst Ellie an.
"Wie fandst denn den grad? Ob das Maryamas Freund ist?"
Ellie muss grinsen.
"Er sieht zumindest nicht so aus wie jemand, der beruflich Fotoaufträge annimmt.", sagt sie vielsagend, "Bestimmt ist das tatsächlich ihr Freund, der Fotografie als Hobby hat. Jetzt, wo Avante nicht mehr hier ist."
Nouki nickt leicht abwesend, während sie Logan hinter her schaut.
"Hätt ich ihr gar nicht zugetraut so nen wilden Lover." Sie lacht leise. "Maryama wirkt so bodenständig." dann runzelt sie die Stirn. "Asante hieß der glaub ich. Der auch bei der Rocknacht in der Schule war."
Maryama kommt mit frischen Handschuhen bestückt aus dem Gewächshaus. Sie trinkt aus ihrer Mineralwasserflasche und lässt zufrieden den Blick über das Gelände schweifen. Es wird richtig schön werden und Ambrosius wird sich mit ihnen freuen. Aus dem Augenwinkel nimmt sie eine Bewegung wahr, dreht sich um und sieht Logan in Bens Richtung stapfen. Nanu? Hat er da zwei Bierflaschen in der Hand? Sie beschließt erstmal weiter zu graben und von Ferne ein wenig darauf zu achten, was die beiden machen. Innerlich macht sie schon Pläne für die Beetaufteilung, sieht unterschiedliche Stauden wachsen, eine bunte Vielfalt an einjährigen Blumen im Gewächshaus und Kunden, die übers Gelände schlendern und sich zeigen lassen, wo ihr Täglich -frisch -auf -den -Tisch -Gemüse her kommt. Ihr Herz wird ganz weit dabei. Unglaublich wie schnell sie der Erfüllung ihres Traumes, sich hier eine Existenz auf zu bauen nahe gekommen ist. Das wunderbare an dem ganzen Projekt ist zum einen, dass Ben ein zuverlässiger Partner ist, zum anderen...es ist beliebig erweiter-und ausbaubar. Maryama hat schon so viele Ideen für Projekte und Veranstaltungen, hier wird immer etwas los sein. Sie schaut dankbar zu den Teenagern, die kichernd in der Erde wühlen.
Einige Meter bevor Logan das andere Ende erreicht, sieht er den Burschen am Zaun herumwerkeln. Es sieht aus, als wäre es keine leichte Arbeit, aber er scheint es gern zu machen.
"Komm ma mit.", fordert Logan ihn auf und geht gleich etwas abseits des Grundstückes. Er hat den jungen Mann weder begrüßt noch wartet er auf ihn. Stattdessen vertraut er einfach darauf, dass er ihm schon folgen wird.
Ben hebt die Augenbraue. "Hab eigentlich zu tun. Was gibt es denn?", fragt er, doch bevor er eine Antwort bekommt, ist Logan schon außer Hörreichweite. Ben grummelt. Er hat eigentlich keine Lust drauf, sich hin und her scheuchen zu lassen, ohne überhaupt begrüßt zu werden. Aber er beschließt trotzdem, mal zu schauen, was der Kerl will. Dieses Mal. Und so steht er auf und folgt.
Logan dreht sich herum und reicht dem Jungen eine der Flaschen.
"Du trinkst sowas doch, oder?"
Ben lächelt. Wenn Logan jetzt was zu trinken ausgibt, war es vielleicht doch nicht verkehrt, ihm gefolgt zu sein. Eine Pause wäre schon drin. "Klar, ab und an schon.", sagt er, "Danke!" Er öffnet die Flasche und nimmt einen tiefen Schluck.
Auch Logan selbst beginnt zu trinken, lässt dabei sein Gegenüber nicht aus den Augen.
"Ich will dir was sagen.", beginnt er schließlich mit fester Stimme. Es klingt beinahe, als müsste er die Unterhaltung mit Ben vor sich selbst rechtfertigen.
"Irgendwas an dir passt mir nich'. Kann nich' genau sagen, was, aber ich weiß, dass das nich' fair is' und darum will ich ..." er verstummt und ringt offensichtlich mit sich, den Satz zu beenden, nimmt noch einen Schluck, schaut auf den Boden und schnauft laut.
Ben sieht seinen Gegenüber abwartend an. Das Gefühl, dass irgendwas nicht passt, hatte er auch schon. Auch wenn er keine Ahnung darüber hat, was der Auslöser dafür sein könnte. Nur, wenn auch Logan das nicht weiß, hilft ihm diese Info wenig. Er wartet ab, ob der noch was sagen würde.
"Ich will mich entschuldigen.", presst der Dunkelhaarige schließlich hervor. "Du hast nix falsch gemacht und es is' nich' okay, dich ... "
Wieder bricht er ab, schüttelt unwirsch den Kopf und kramt mit der freien Hand in seiner Hosentasche herum, bis er die alte Zigarettenschachtel heraus zieht. Mit fahrigen Bewegungen steckt er sich eine an, hält Ben die offene Packung entgegen und wartet, ob er zugreift oder nicht.
Ben ist Nichtraucher. Er schüttelt nur leicht den Kopf, als Logan die Schachtel hervor holt. Offenbar hat Logan nicht vor, seinen Satz zu beenden, und so redet Ben nun:
"Ist mir aufgefallen, dass da irgendwas nicht läuft zwischen uns.", sagt er schließlich, "Aber von meiner Seite aus kannst du trotzdem gerne die Fotos machen, wie gesagt. Das ist nach wie vor deine eigene Entscheidung." Er weiß nicht, was er auf Logans Geständnis sagen soll. Es gibt nichts, woran er arbeiten könnte, wenn auch der nicht weiß, woran es liegt... Wenn Ben das überhaupt versuchen würde. Er muss es schließlich nicht jedem Recht machen.
"Darum geht's mir jetzt gar nich'.", schüttelt Logan noch einmal den Kopf und steckt die Schachtel weg. Nachdem er einen tiefen Zug nimmt, setzt er noch einmal neu an:
"Ich will dich kennen lernen."
Ben lehnt sich an den Baum, in dessen Nähe die Beiden gerade stehen. Er nimmt einen weiteren Schluck aus der Flasche. Kennen lernen. Nun, warum nicht. "Als Frage und Antwort-Spiel meinst du? Okay... schieß los. Wenn ich dann im Gegenzug auch dir Fragen stellen kann."
Ungläubig schmunzelt der Kleinere in sich hinein. Treiben denn alle in dieser Gegend dieses Spiel? Er nimmt einen weiteren, kräftigen Schluck und nickt schließlich:
"Fair enough."
Einen Moment überlegt er, womit er beginnen soll. Schließlich will er dem unwohlen Gefühl in sich auf den Grund gehen. Die Eltern, die Schwester, die Verantwortung, die er bereitwillig für sie übernommen hat ... Das alles hat nichts dem Gefühl zu diesem Burschen zu tun. Während er ihn von oben bis unten taxiert, nimmt er einen tiefen Zug.
"Okay,", murmelt er, "woran denkst du, wenn du nachts allein in deinem Bett liegst?"
Mit so einer Frage hat Ben nun wirklich nicht gerechnet. Was soll er da antworten? Er hat sicherlich nicht jede Nacht die selben Gedanken. Mal ist es das, mal das. Er bezweifelt jedoch, dass Logan so eine ausweichende Antwort hören möchte. Gibt es etwas, das zumindest öfters als Gedanke vorkommt als anderes? Er entscheidet sich dazu, bei der Wahrheit zu bleiben:
"Manchmal liege ich im Bett und frage mich, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn es den Unfall meiner Eltern nicht gegeben hätte." Er weiß von Maryama, dass sie Logan davon erzählt hat. "Ob ich da genauso wäre wie ich heute bin oder mich ganz anders entwickelt hätte. Bestimmt wäre ich anders. Ist nicht einfach gewesen, so jung schon Verantwortung übernehmen zu müssen. Für mich selbst und vor allem für meine Schwester."
Er wartet ab, wie Logan auf seine Antwort reagieren würde bevor er eine eigene Frage stellt.
"Was fühlst du dabei?", fragt der andere unbeirrt weiter.
Ben überlegt.
"Trauer um deren Tod.", sagt er. Manchmal hat er auch das Gefühl, der Verantwortung nicht gerecht werden zu können, die er nun hat, auch wenn Ellie sich nie darüber beschwert. Er seufzt. Sollte er wirklich soviel vor jemandem preisgeben, den er nur ein paar Stunden kennt? Aber so sind wohl die Regeln des Spiels und so gibt er schließlich auch das zu.
"Was machste dann, wenn diese Zweifel kommen?"
Anstatt zu antworten verschränkt Ben die Arme:
"Moment, so langsam bin ich auch mal dran, Fragen zu stellen.", sagt er, "Dazu kommen wir dann später." Läuft ja nicht davon, diese Frage. Aber erst mal will er, dass auch Logan etwas zu erzählen hat. Nicht, dass er dann doch vorher einfach abhaut ohne seinen Teil zu erfüllen.
Er mustert Logan. Die Narben im Gesicht fallen ihm auf.
"Woher hast du diese Narben?", fragt er. Die Antwort darauf ist vermutlich nicht so tiefgründig. Aber es interessiert ihn trotzdem.
Mit einem Schlag verfinstert sich Logans Ausdruck. Seine Augen werden schwarz, die Kinnpartie - so wie auch der Rest des Körpers - spannt sich so sehr an, dass dicke Adern unter der Haut erscheinen.
Ein Blinder würde erkennen, mit welcher Mühe er sich zusammenreißen muss, um nicht zu platzen.
Hinter der Stirn rasen die Gedanken. Das ist die eine Frage, die er ständig befürchtet und dieser kleine Wichtigtuer stellt sie mit einer Unbeschwertheit, als hätte er sein Leben lang nur Blümchen gepflückt. Was weiß der schon vom Leben mit all seinen Tücken?! Okay, seine Eltern sind umgekommen. So what? Es gibt Schlimmeres.
Mit zusammengepresstem Kiefer dreht Logan sich herum und geht einige Schritte. Er will nicht abhauen, nur kurz durchatmen.
Ben bemerkt, dass die Antwort auf die Frage offensichtlich doch nicht so einfach ist wie er anfangs dachte. Doch auch die Antworten, die er Logan genannt hat, waren nicht einfach gewesen und so wartet er ab.
Als Logan den Blick hebt, fällt ihm auf, dass der Himmel sich verfinstert hat. Auf seine Ohren legt sich ein Druck, der binnen weniger Sekunden zu einem schmerzhaften Knäul wird - irgendwo tief im Gehörgang. Er öffnet den Mund, dehnt den Unterkiefer und versucht, es in den Ohren ploppen zu lassen, aber es geschieht nichts. Für einen Moment hört er gar nichts mehr. Weder die Vögel, die vor einem Moment noch im Hintergrund schimpften, noch den Wind, der hin und wieder über die Landschaft wehte. Lediglich sein schwerer Atem durschneidet die beißende Stille.
Er will einen weiteren Schritt machen, gerät ins Straucheln und fängt sich wieder. Dann dreht er sich plötzlich zurück, dorthin, wo Ben gerade stand. Doch er ist nicht mehr da. Auch der Garten ist weg. Seine Haut wird kalt vor Schweiß, als er erkennt, wo er sich befindet.
Ben hebt die Arme. Fast schon ist er geneigt zu sagen:
"Okay, okay, wenn es so schwer ist darüber zu reden, dann lassen wir das!" Aber bevor er dazu kommt, merkt er, dass es Logan wirklich nicht gut zu gehen scheint. Er taumelt, scheint schweißgebadet. In diesem Moment ist Ben die Antwort auf die Frage tatsächlich egal. Er rennt zu Logan. "Alles okay?", fragt er besorgt. Was für eine Frage. Natürlich ist nicht alles okay!
Dieser alte Steinboden unter ihm... Apathisch schaut Logan herunter und erkennt, dass er in einer klebrigen Pfütze steht. Langsam hebt er den rechten Fuß ein Stück an, sein Knie schmerzt schrill auf und er sackt mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammen.
Von irgendwoher hört er ein Geräusch, eine Stimme. Vage und schwer verständlich. Verwirrt sieht er sich um, aber sieht niemanden. Um ihn herum ist nur dieser kalte Stein. Er will etwas sagen, nach der Stimme rufen, aber er bekommt kein Laut aus seiner Kehle.
Dann kommt dieses Geräusch. Es knallt. Schmatzen und Knacken folgt.
Schließlich bricht er zusammen. Sein Gesicht brennt, wie Feuer. Ihm wird schwindelig. Die Geräusche werden immer lauter.
Er bemerkt nicht, dass er auf dem weichen Rasen kniet und dumpfe, raunende Geräusche von sich gibt.
Ben kniet sich zu dem jungen Mann runter, ohne ihn zu berühren. Er hat nicht das Gefühl, dass Logan Berührungen mag und er will ihn auch nicht verschrecken.
"Alles okay?", fragt Ben erneut, "Kann ich was für dich tun?" Logan ist äußerlich nicht verletzt, doch er scheint in einem Trauma gefangen zu sein. Sollte Ben einen Arzt rufen? Doch noch bezweifelt er irgendwie, dass das die richtige Wahl wäre.
Von einer Sekunde auf die andere ist alles vorbei. Es dauert einen Moment, bis Logan realisiert, dass nicht nur der Druck weg ist, sondern auch die Geräusche der Umgebung zurück kehren. Noch immer auf dem Boden zusammengekauert atmet er schwer. Sein ganzer Körper schmerzt, aber es lässt nach.
Mühevoll öffnet er die Augen und sieht eine Gestalt vor sich knien. Kurz schreckt er zurück. Die Panik steht ihm ins Gesicht geschrieben, als er Ben aus riesigen Augen anstarrt.
Er kneift die Augen zusammen, sieht sich um und lässt den Kopf sinken.
Das darf nicht wahr sein. Nicht hier. Nicht vor diesen Leuten. Logan schämt sich zutiefst. Er erinnert sich kaum daran, was passiert ist und wischt sich mit einer Hand über das verschwitzte Gesicht.
Dann fällt sein Blick auf die Bierflasche, die am Boden liegt. Er traut sich nicht, Ben anzusehen. Er fühlt sich elend und versucht sich langsam aufzurappeln.
Tief in ihre Gedanken versunken, bekommt Maryama vom Drama dass sich bei Ben abspielt gar nichts mit. Als sie sich etwas aufrichtet, um den Schweiß von der Stirn zu wischen, sieht sie nur noch, wie Logan zusammensackt . Kreislaufkollaps? Sie schnappt die Mineralwasserflasche, und rennt zu den beiden. Während sie neben Ben in die Hocke geht, fragt sie erschrocken:
"Was ist passiert?" Logan ist leichenblass, schafft es aber sich etwas auf zu richten. Maryama hält ihm die Flasche hin. "Trink, das hilft."
Aus der Ferne kann Nouki nicht erkennen was vorgeht, aber sie sieht wie Maryama und Ben sich um den Fremden kümmern, der aus irgendeinem Grund am Boden kniet. Sie steht auf und schaut zu den dreien rüber.
"Guckt mal, was ist denn da los? Dem geht 's wohl nicht gut." macht sie Tani und Ellie auf die Geschehnisse aufmerksam. Rüber laufen will sie nicht, er wird ja schon versorgt, aber das ist beunruhigend.
Ellie bemerkt nun auch, dass Logan kniet. "Vielleicht ein Kreislaufkollaps.", vermutet sie. "Lassen wir ihn am besten seine Ruhe. Immerhin kümmert man sich um ihn."
Ben sieht zu Maryama. "Ein Trauma, wie mir scheint.", sagt er, "Ich habe es offenbar mit meiner Frage ausgelöst. Ungeplant natürlich." Logan ist in Hörreichweite, und so wiederholt er die Frage nun natürlich nicht. Stattdessen sagt er zu Logan. "Tut mir leid." Gut, dass Maryama Wasser dabei hat. Das hilft sicher besser als das Bier, das sonst noch in der Nähe herumsteht.
Noch immer strauchelnd schiebt er die Flasche von sich. Er will das verdammte Wasser nicht - obwohl er weiß, dass es gut für ihn wäre. In seinen Gedanken dreht sich noch immer alles und er will einfach nur weg. Weg von den Zuschauern, von den mitleidigen und fragenden Blicken. Es ist einfach zu viel. Er braucht Abstand, um klar zu kommen. Und irgendwas, das ihm die Bilder aus den verdammten Gedanken reißt. Früher hatte er immer etwas dabei. Aber jetzt will er ja ein gesünderes Leben führen. Was für eine dämliche Idee.
Vorsichtig setzt er einen Fuß vor den anderen. Sein Knie schmerzt so sehr, dass er beinahe nicht auftreten kann. Angestrent schaut er auf und sucht den Ausgang des Grundstückes. Das ist viel zu weit entfernt. In diesem Zustand wird er es nicht schaffen, heil bei seinem Auto anzukommen.
Besorgt beobachtet Maryama Logan. Ein Trauma? Das ist heftig und offensichtlich gelingt es ihm noch immer nicht richtig zu gehen. Vor allem will er wohl zum Auto. Als ob sie ihn so fahren lassen wird.
"Komm, wir stützen ihn, er stürzt sonst nochmal." Sie macht ein paar schnelle Schritte zu Logan und hakt ihn einfach unter. "Lass dir helfen, du bist alles andere als fit. Ben kann dich heim fahren, in dem Zustand baust du vielleicht nen Unfall, wenn du dich selber ans Steuer setzt."
Ben nickt. Jetzt wo er den Führerschein hat, würde dem nichts im Wege stehen.
Logan versucht sich loszureißen. Die Berührungen sind unerträglich. Doch er ist noch viel zu erschöpft.
"DONTCHA TOUCH ME!", schreit er schließlich.
Tani erschrickt bei Logans Aufschrei. Was zum...?! Sie sieht sich kurz um, als ihr auffällt, dass Maryama, Ben und der ihr noch Unbekannte aufeinander hocken. Kurz beobachtet sie die Szenerie. Boar, was ist denn da wieder los? Nirgends hat man mal Ruhe, überall Drama. Sie weiß nicht was vorgefallen ist, doch sie will es auch gar nicht wissen. Ihr Leben hat aktuell genug Drama. Also dreht sie sich wieder um und arbeitet weiter, so als sei nichts gewesen.
Auch wenn Ben geahnt hat, dass Logan nicht berührt werden will, hat er mit so einer heftigen Reaktion auch nicht gerechnet. Er weiß nicht, was Logan in seinem Leben erlebt hat. Doch was er weiß ist, dass er ihn nicht weiter Fragen stellen würde. Logan muss wieder seine Ruhe finden können. Wenn der irgendwann von sich aus davon erzählen will, gut - aber das Fragespiel ist es nicht wert, ihn von einem Trauma ins nächste zu schicken. Und er ist Maryamas Meinung: In dem Zustand kann Logan jedenfalls nicht selber fahren.
Ben schielt zu den Mädchen. Hoffentlich bemerken sie nichts. Das wäre Logan erst recht peinlich, vermutet er.
"Maryama hat Recht. Ich fahr dich gerne.", sagt er nur. "Du musst auch keine Fragen beantworten."
Erschrocken durch die Heftigkeit von Logans Reaktion, lässt Maryama ihn los. Sie hat noch nie mit einer solchen oder ähnlichen Situation zu tun gehabt, weiß nicht was richtig oder falsch ist. Trotzdem siegt die praktische Ader, wenn er nicht gehalten werden will, aber selbst kaum zwei Schritte geradeaus gehen kann, dann braucht er wenigstens eine Pause, die es ihm ermöglicht wieder zu sich zu kommen und sich zu beruhigen. "Logan, alles ist gut. Niemand will dir hier etwas böses. Du bist hier sicher." sagt sie, unsicher ob das die richtigen Worte sind. Dann dreht sie sich um und ruft in Richtung der Mädchen:
"Ellie, bring einen Stuhl vom Gewächshaus hier rüber. Schnell." Logan wirkt als hätte er Schmerzen in den Beinen, er ist einfach weggeknickt. Sie erinnert sich daran, wie er letztes Mal kaum ihr Gehtempo halten konnte, jetzt ergibt das Sinn. Er atmet immer noch angestrengt. Sie tritt nochmal einen kleinen Schritt zurück, um ihm zu signalisieren, dass sie ihm nicht noch einmal zu nahe kommen wird.
"Du setzt dich jetzt auf den Stuhl, der gleich hier sein wird und kommst etwas zur Ruhe. Dann reden wir weiter." sagt sie dann in möglichst ruhigem Ton, obwohl sie ziemlich besorgt ist und sich fragt, ob diese Krise womöglich nochmal ausgelöst werden könnte und wenn ja, wodurch. Vielleicht gibt es mehr Triggerpunkte als sie sich vorstellen können.
Ellie reagiert schnell. Offenbar ist es doch mehr als "nur" ein Kreislaufkollaps! Sie holt schnell einen Stuhl her, so wie Maryama ihr aufgetragen hat. Offenbar ist das doch etwas Traumatisches, erkennt sie nun. Nachdem die Teenagerin den Stuhl abgestellt hat, geht auch sie ein paar Schritte nach hinten, damit Logan Ruhe finden könnte. "Du brauchst dich nicht für ein Trauma zu schämen.", sagt sie nur, "Wir fassen dich nun aber schon nicht an."
Ungelenk lässt Logan sich seitlich auf den Stuhl fallen. Einen Arm platziert er auf der Lehne und vergräbt das Gesicht in der Ellenbeuge. Warum kann dieser Moment nicht einfach enden? Sie sollen alle verschwinden. Diese Blicke, die ihn von allen Seiten abtasten - er fühlt sich wie in einem seiner Albträume. Nur, dass er hier nicht erwachen wird und alles ist vorbei. Nein, er wird es aussitzen müssen. Er kann nicht weg. Er beginnt zu verstehen, dass er die Hilfe der hier Anwesenden braucht. Dieser Gedanke macht ihn noch wütender. Er ist gnadenlos überfordert mit sich und der Situation.
"Just go away.", raunt er, ohne den Kopf zu heben.
Ellie geht tatsächlich wieder zu den anderen Mädchen zurück. Besser, sie gibt ihm Raum.
Ben hockt sich in etwas Entfernung auf den Boden. Wie lautete noch mal Logans letzte Frage? Ach ja... "Was machste dann, wenn diese Zweifel kommen?"
"Wenn mir Zweifel kommen liege ich oft nachts wach, bis mich dann doch die Müdigkeit übermannt.", erzäht Ben deutlich, "Manchmal stehe ich auf, trinke was, versuche es dann noch mal. Manchmal hilft das schon beim Einschlafen." Die Fragen davor bezogen sich ja darauf, mit welchen Gedanken er sich nachts rumschlägt. Und so bezieht Ben auch diese Frage auf diese nächtliche Zeit. Vielleicht hilft es Logan, wenn er nicht alleine im Mittelpunkt steht.
Ellie bekommt davon allerdings nichts mit. Während Logans Ruf und Maryamas Stuhl-Auftrag laut genug waren, um sie auch von der Mädel-Position zu hören, spricht Ben nun zwar deutlich, aber leise. Sie ist einfach zu weit entfernt, um das noch zu hören.
Ohne den Blick von Logan zu nehmen, stellt ihm Maryama die Wasserflasche hin und lässt sich neben Ben ins Gras fallen. Sie ist froh, dass Logan das Angebot zu sitzen angenommen und sie nicht nochmal weggestoßen hat. Ihr Inneres kommt auch etwas zur Ruhe, als sie die festen Grund unter sich spürt und der Geruch der feuchten Erde in ihre Nase steigt. Das ist Seelenbalsam. Verwundert blickt sie auf, als Ben plötzlich zu sprechen beginnt. Offenbar knüpft er an eine Unterhaltung von vorhin an. Sie schweigt und lauscht interessiert.
Logan seufzt leise. Er weiß, was Ben damit bezweckt. Und dafür verdient der Bursche seinen Respekt - mehr noch. Die Antwort auf seine Frage liegt Logan auf der Zunge. Aber er kann es nicht aussprechen. Nicht heute. Nicht jetzt. Die Scham über das alles ist viel zu groß. Niemand sollte ihn so sehen. Schwach, verletzlich, angreifbar - elend. 'Du bist erbärmlich.', hallt es in seinen Gedanken wieder. Ja, genau das ist er. Erbärmlich. Er will weg. Diesen Tag in Alkohol ertränken.
Obwohl er noch immer zitterig ist, stemmt er sich vorsichtig auf.
"Take me home, will ya?" Er spricht leise, kaum hörbar, mit gebrochener Stimme.
Ben nickt. "Fahren wir.", sagt er und steht auf. "Dann wirst du eine Frage aber doch noch beantworten müssen. Nämlich zu welcher Adresse ich fahren muss." Diese Frage wird sicherlich kein Trauma auslösen. "Oder mir unterwegs die Richtung zeigen."
Mit bedächtigen Schritten schleicht Logan durch den Garten. Endlich am Wagen angekommen, steigt er auf der Beifahrerseite ein und wartet, bis Ben sich eingerichtet hat.
"I'm sorry, man.", raunt er leise mit geschlossenen Augen und angelehntem Kopf.
Ben winkt ab. "Gibt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest.", sagt er nur.
Erleichtert merkt Maryama, dass die Dinge einigermaßen wieder ins Lot kommen. Sie erhebt sich und ist Ben unendlich dankbar für seine stoische Ruhe. Einmal mehr hat er bewiesen, dass er belastbar ist. Sie selbst ist immer noch nicht in ihrem inneren Gleichgewicht und hat keine Lust zu reflektieren, was Logans Ausbruch in ihrer eigenen Seele angekickt hat. Das muss warten.
„Bis bald Logan.“ Sie lächelt ihn an, hebt die Hand zum Gruß und geht zu den Mädels. Er ist bei Ben in guten Händen.
Als der Pickup mit den beiden Männern abgefahren ist, stößt Maryama zu den Mädchen.
„Es ist soweit wieder alles in Ordnung ihr Lieben, macht euch keine Sorgen.“ Sie lächelt aufmunternd in die Runde, auch wenn ihr Inneres noch leicht erschüttert ist von den Ereignissen. Das ist aber nichts, was die Teenager zu sehen bekommen sollen. „Aber ehrlich gesagt könnte ich eine kleine Stärkung vertragen. Wir haben ja allerhand leckeres da und Marga hat mir gerade eine Nachricht geschrieben, dass sie jetzt mit einem Picknickkorb hierher unterwegs ist. Was meint ihr?“
Erfreut richtet Nouki sich auf, die die ganze Aufregung mit gemischten Gefühlen verfolgt hat. Seit der Party bei Stephen denkt sie gleich an Drogen, wenn sie sowas mit bekommt. Wer weiß was der Typ genommen hat. Sie nimmt sich vor in Zukunft sehr wachsam zu sein, wenn sie hier für die Bilder aufeinander treffen sollten.
„Essen kann ich immer!“, antwortet sie dann vorgeblich unbeschwert Maryama. "Wir haben hier auch schon alles frei gemacht, die Steine gestapelt und auch schon Ideen für die Sitzecke besprochen.“
"Ja, die Sitzecke wird toll werden.", stimmt Ellie zu. Sie ist froh, nun auch über anderes nachdenken zu können als über was mit Logan los ist.
"Eine Pause ist gut. Mein Magen knurrt schon!", sagt Tani zustimmend und legt das Werkzeug zur Seite.
„Das klingt doch super. Die Steine dürft ihr in eurem Projekt verbauen. Einer von uns zeigt euch dann wie‘s geht und eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.“ Maryama klatscht in die Hände.“Dann wollen wir mal futtern.“
Während der Fahrt sagt Ben nicht viel. Logan soll seine Ruhe haben für heute. Erst als er am Haus angekommen ist, erkennt er es wieder. Hier wohnt doch Ellies Freundin Vero! Zumindest in der Nachbarwohnung von Logan. Doch anstatt das zu kommentieren, reicht er dem Schwarzhaarigen die Autoschlüssel. Ist immerhin Logans Wagen.
"Werd dann wohl mit den Öffis heimfahren.", sagt er nur. "Man sieht sich."
"Erziehungsmethoden.", sagt Logan leise, als er den Schlüssel entgegen nimmt. Er schaut auf das Metall in seiner Hand und zieht die Kanten des Hausschlüssels mit dem Finger nach.
Im ersten Moment ist Ben verwirrt, was Logan damit sagen will... bis ihm die Frage wieder einfällt, die all das Trauma gestartet hat. Haben Erziehungsmethoden zu den Narben geführt? Wer wendet Erziehungsmethoden an, die solche Narben hinterlassen? Und dann noch mitten im Gesicht? Er hofft, dass er Logans Wort irgendwie missverstanden hat und dieser etwas ganz anderes damit sagen will... Doch er steht nur mit offenen Augen da und weiß nicht, was er sagen soll.
Logan will sich gerade in Bewegung setzen, verharrt dann aber.
"Just ...", Er seufzt. Die Worte fallen ihm heute so schwer. "... behalt's für dich, okay?" Er macht Andeutungen, Ben auf den Arm klopfen zu wollen, lässt dann aber den Arm sinken. "Thanks for drivin'.", murmelt er niedergeschlagen, dreht sich um und hinkt zum Treppenaufgang.
"Klar.", kriegt Ben nun doch raus. Auch ohne Logans Aufforderung hätte er die Geschichte nicht weiter erzählt. Er wird nicht einmal davon erzählen, dass Logan überhaupt etwas gesagt hat. Er wartet, bis der Schwarzhaarige aus seinem Sichtfeld verschwunden ist, dann geht er zur nächsten Bushaltestelle. Während er auf den Bus wartet, schreibt er zwei Nachrichten mit dem selben Text: Eine an Ellie und eine an Maryama: "Werde für heute nicht mehr zum Garten zurück kehren. Den Zaun mache ich die Tage mal fertig."
(In Zusammenarbeit mit @simscat2, @murloc, @spatz)