Forum Discussion
3 years ago
Ort: Evergreen Harbor, 4er WG
Charaktere: Ben, Maryama, Logan, Jim, Tom, Valentin
Titel: Verschollen
"Gut, dass du mitkommst, Ben. Danke dafür." Maryama nimmt den angelehnten Kopf von der Scheibe und lächelt den jungen Freund an. Es sind einige Tage vergangen seit Logan den Zusammenbruch im Garten hatte und seitdem herrscht Funkstille. Das ist beunruhigend, weil Logan sich eigentlich melden wollte, wenn er Zeit hat für Bilder. Maryama macht sich ernsthaft Gedanken. "Ich hoffe er hat sich von der Sache im Garten erholt, das fand ich ziemlich erschreckend, ehrlich gesagt." Sie blickt wieder aus dem Busfenster. Die ersten Häuser von Evergreen Harbor tauchen auf. "Gut dass wir bald da sind, ich bin ein bisschen nervös."
Ben denkt an das Wort zurück, das Logan ihm nannte: Erziehungsmethoden.. Noch immer hat er niemandem davon erzählt, ganz so, wie er es Logan versprochen hat. Und so sagt er auch Maryama nur: "Er muss viel durchgemacht haben." Das wird Maryama ohnehin schon klar gewesen sein. Irgendwie muss das Trauma schließlich entstanden sein. Der Bus hält und die beiden steigen aus. "Ist gleich da vorne.", sagt Ben. "Direkt neben dem Haus von Ellies Freundin Vero, auch wenn das wohl nur Zufall ist."
"Ja, das muss wohl so sein." Maryama nickt und versinkt wieder in Gedanken, bis sie das Gebäude erreichen. Oft war sie noch nicht in Evergreen Harbor. Yngwie hatte ihr damals erzählt, dass er hier wohnt. Das Gespräch erscheint ihr eine Ewigkeit her zu sein. Ein weiterer Sim, von dem sie nie wieder etwas gehört hat. Sie strafft die Schultern und beobachtet Ben beim klingeln. "Hoffentlich ist er zuhause."
Jim, der gerade in die Küche gehen wollte, öffnet die Tür. Nanu? "Wer seid ihr?", fragt er direkt. Diese beiden Leute hat er noch nie zuvor gesehen.
Überrascht schaut Maryama den jungen, bärtigen Mann an, der die Tür öffnet. "Oh..äh..Hi. Wir wollten einen Bekannten besuchen, Logan..und haben wohl die falsche Klingel erwischt. Entschuldigung." Ihr wird bewusst, dass sie nicht einmal Logans vollen Namen kennt. Ben müsste es wissen, hat sich aber wohl vertan.
"Logan? Nein, der wohnt hier.", murmelt Jim. Er schielt zu dessen Zimmer, ohne ein weiteres Mal nach den Namen der Besucher zu fragen. Aus dem Zimmer dringt Gitarrenmusik.
https://youtu.be/ZqSa6RIvsNQ
Ben hört die Musik aus dem Zimmer. Es wundert ihn wenig, dass Logan Musiker ist. "Ja, genau der Logan!" Er erkennt die Stimme wieder. "Dürfen wir rein?" Da der Bärtige schweigt, stellt er sich und Maryama nun erst einmal vor.
Er wohnt also in einer WG. Beruhigend...dann sind Sims da, die etwas bemerken würden, sollte sich aus irgendeinem Grund so ein Anfall wiederholen. Maryama sieht sich unauffällig um. Es gibt einen Standboxsack, auch gut. Kann man sich daran abreagieren..könnte ihr vielleicht auch gut tun so ein Ding, sinniert sie, in sich hinein schmunzelnd. Die Gitarrenklänge aus Logans Zimmer wertet sie ebenfalls als positives Zeichen. Maryama weiß um die heilende Wirkung, die das bei ihr selbst entfalten kann. Ein kleiner Teil der inneren Anspannung fällt von ihr ab. Sie lächelt Jim, wie sich ihr Gegenüber gerade vorgestellt hat, entschuldigend an. "Ich hab nicht gewusst dass er in einer WG wohnt, deshalb mein Gestammel vorhin. Wir sind Arbeitskollegen." erklärt sie dann, mit einer winzigen Pause vor dem letzten Wort.
Logan bekommt offensichtlich nicht viel mit. Das kennt Jim mittlerweile ja. Er seufzt und öffnet die Tür zu Logans Zimmer. "Besuch für dich!", sagt er nun erneut, und blickt Logan dabei an.
Der Angesprochene hebt zögerlich den Blick, hört aber nicht auf, die Gitarre zu spielen. Erst als er im Hintergrund Maryama und Ben erkennt, verharren seine Finger auf den Saiten.
"What the bloody...", murmelt er und legt das Instrument ab, um sich herum zu drehen.
Ben lässt Maryama den Vortritt. Sie war es, die ihn angesprochen hat mitzukommen. Vielleicht sollte sie zuerst das Wort an Logan richten.
Maryama tritt an Jim vorbei, bleibt aber dann stehen. Das Zimmer ist sehr klein. Mit Ben dabei und Jim, der noch im Türrahmen steht, kommt er ihr schon überfüllt vor. Wie muss das erst auf Logan wirken, der körperliche Nähe nicht gut ertragen kann. "Hi Logan, heute ist dein Glückstag...Gärtnerinvasion." Maryama zuckt mit den Schultern und lächelt schief. "Verbrochen hab ich das...ich hab mir ehrlich gesagt Gedanken gemacht, weil Totenstille herrschte und..ja, was und? Na ja, und wir einfach sehen wollten wie's dir geht."
Jim hält sich da raus. Er geht ein paar Schritte zur Seite, beobachtet die Besucher aber schweigend. Ben hingegen sieht zu Logan. Er bleibt im Türrahmen stehen. "Ja. Maryama wusste den Weg nicht, und da bin ich dann auch gleich mitgekommen."
Logan seufzt leise in sich hinein und nickt. Er wirkt nicht amüsiert. Langsam steht er auf und deutet den Besuchern, in den Flur zu gehen. "Let's go into the livin'room."
Das entgeht Ben nicht. Er blickt Logan an. "Sorry!", murmelt er leise, "Ja, gehen wir.", bestätigt er nun. Er und Maryama folgen Logan in den erwähnten livin'room. Recht eng hier. Ein altes, durchgewetztes Sofa steht hier. Einige leere Bierflaschen stehen noch auf dem Tisch rum. Überhaupt scheinen die Bewohner eher unordentlich zu sein. Doch Ben kommentiert das nicht weiter. Normalerweise ist er fleißig und verantwortungsbewusst. Aber selbst er hat manchmal Tage, an denen er lieber faul herumhängt und den Abwasch auf einen späteren Zeit verschiebt.
Bens ‚sorry‘ irritiert Maryama. Hält er es nicht für gut, dass sie her gekommen sind? Es war anzunehmen, dass Logan nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbrechen würde, wenn sie hier auftauchen, aber entschuldigen dafür? Sie sieht keinen Grund dazu. Auch dass dieser Jim die ganze Zeit dabei stehen bleibt, kommt ihr seltsam vor. Klar, es ist eine WG, aber hier im Zimmer zu bleiben während sie mit Logan reden? Ist er der Aufpasser, traut er ihr und Ben nicht? Innerlich leicht seufzend folgt sie den schweigsamen Männern ins Wohnzimmer. Draussen ist ein Motorrad zu hören, es klingt fast wie das von Leah und kurz darauf vernimmt Maryama eine muntere Stimme, ein weiterer WG Bewohner stellt sich vor und ihr fällt ein Stein vom Herzen, als ein ganz normal gestimmter Typ sich als Tom vorstellt. Also wird hier doch gesprochen und eventuell mal gelacht.
Ein Motorrad brüllt laut vor dem WG Gebäude. Der Fahrer parkt es und stellt den Motor aus. Als dieser den Helm abnimmt, erkennt man sofort Tom. Er hat an seinem weiteren, freien Tag eine Spritztour mit seinem 'Baby' unternommen. Jetzt freut er sich auf ein erfrischendes Bier und die Couch. Er steigt ab, läuft die Treppe hoch und betritt die Wohnung. "Hey Jungs!", ruft er laut und geht direkt in die Küche. Schnell ist eine Bierflasche zur Hand. Jeder Schluck des kühlen Getränks ist Balsam für seinen Körper. Der Mann lächelt zufrieden. "Jemand da?", ruft er erneut, während seine Schritte durch den Flur hallen. Stimmen kommen aus dem Wohnzimmer. Sein Weg führt ihn dort hin. "Oh. Besuch ... Moin!", begrüßt er die Gäste, sowie seine beiden Mitbewohner freundlich. "Steigt eine Party?", dabei grinst er frech.
Moment... diese Stimme kommt Ben bekannt vor! Tatsächlich! Als er sich umdreht, erkennt er Tom, den er auf dem Musikfestival im Sommer kennengelernt hat. Die Welt ist klein! Aber was macht er denn hier? Man hört die Überraschung in Bens Stimme, als er ruft: "Tom?"
Ben kennt Tom? Auch gut. Maryama lächelt. „Ganz so würd ich‘s nicht bezeichnen. Maryama, Hi.“ stellt sie sich kurz vor.
Ben wundert sich. Er fragt Tom: "Wo kommst du denn plötzlich her? Wohnst du hier etwa auch?"
Tom erkennt nun Ben wieder. "Stimmt. Lange nicht mehr gesehen. Alles fit?", nimmt er den Gesprächsfaden auf. Maryama nickt er freundlich zu.
Ben lächelt. "Ja, schon." Zumindest bei mir, fügt Ben in Gedanken hinzu. Um Logan macht er sich dann eher Sorgen. Der kommt gerade mit Getränken zurück und macht die Musik an. Ben bedankt sich und nimmt sich etwas Bier.
Logan sitzt auf einem der Reifen und zieht schweigend das Nikotin aus seiner Zigarette. Er meidet jeden Augenkontakt. Ihm ist nicht ganz klar, warum die beiden hier aufgetaucht sind. Okay, er hatte nicht auf Maryamas Anrufe reagiert und auch die Textnachrichten ließ er unbeantwortet. Aber ist das ein Grund, hier unangemeldet aufzuschlagen? Typisch Frauen...
Als Tom dazu kommt, seufzt der Jüngste tief in sich hinein. Er ist dem Mitbewohner die letzten Tage so gut es ging aus dem Weg gegangen. Aber er weiß, dass er sich nicht ewig verkriechen kann.
Jim ist im Flur stehen geblieben. Er grüßt Tom kurz, dann schaut er wieder in Richtung Wohnzimmer. So ganz weiß er nicht, was er nun tun soll. Bei den WG-Bewohnern ist er mittlerweile aufgetaut, aber bei Fremden ist er nach wie vor eher schweigsam. Vielleicht könnte er sich einfach erst mal einen Kaffee machen. Daher geht er nun in die Küche.
Plötzlich steht Logan auf und verschwindet aus dem Raum. In der Küche sitzt Jim und wartet darauf, dass die Kaffeemaschine durchläuft. Der Langhaarige nickt ihm Verhalten zu, geht zum Kühlschrank und greift nach verschiedenen Getränken.
Jim nickt zurück. "Woher kennst du denn diese Typen?", fragt er Logan.
Logan überlegt. Ben kam über Maryama dazu... Aber woher kennt er sie denn eigentlich? Und seit wann? Er hat keine Ahnung. Typisch... Er zuckt mit den Schultern. "Don't remember …"
Jim belässt es bei dieser Aussage. Dass Logan manchmal diese Aussetzer hat und sich an etwas nicht erinnert, ist ihm bekannt. Und so hält er dessen Aussage für die Wahrheit, und nicht für eine Ausrede, weil er einfach nicht darüber reden will. "Okay.", sagt er daher nur.
Zurück im Wohnzimmer, stellt Logan die Getränke auf dem Tisch ab - Bier, Whiskey, Wasser - wo kommt dieser Saft her? Eine Augenbraue rutscht in die Stirn. Die leeren Flaschen setzt er auf den Boden, bevor er die Stereoanlage an der Wand einschaltet und selbst wieder auf dem Reifen Platz nimmt.
Der leise Sound von Bluesmusik schwebt durch den Raum und überdeckt wenigstens zum Teil die angespannte Stimmung.
Blues ... nicht gerade Toms Musikrichtung. Aber was solls. "Und ihr kennt euch alle woher?", spricht der Ältere weiter. Dabei lehnt er sich entspannt in den Türrahmen.
Maryama fühlt sich mittlerweile doch ein bisschen wie auf einer Stehparty. Sie nimmt sich ebenfalls ein Bier und setzt sich einfach auf das Sofa. "Ich hab Logan im Park getroffen beim fotografieren und wir sind ins Gespräch gekommen.." Der Satz klingt angesichts der Stimmung gerade etwas seltsam in ihren Ohren. Hat Logan überhaupt schon etwas gesagt bisher? "Mehr oder weniger hab ich ihn in ein Gespräch verwickelt über dieses Hobby. Wir sind heute hier um über einen möglichen Auftrag für Fotos zu reden." Maryama hat keinen Schimmer wie offen oder vertraut die Jungs hier miteinander umgehen, der einzige der nicht verschlossen wirkt ist Tom, von daher hat sie beschlossen, sich bedeckt zu halten, vorerst zumindest. Sie hebt ihre Flasche. "Zum Wohl." und trinkt einen kräftigen Schluck. Das wird sie vielleicht gebrauchen können.
Inzwischen ist auch Valentin nach Hause gekommen und schließt mit seinem Schlüssel die Wohnungstür auf. Als er in die Wohnung blickt, sieht er viele Sims. Was ist denn hier los? Kurze Zeit später bemerkt er eine besondere Person im Raum - eine Frau! Er grinst und geht auf die Menge zu. "Einen wunderschönen guten Tag!"
Tom sieht zu seinem Mitbewohner und grinst. Casanova Modus ist aktiv
Ben blickt zu dem Neuankömmling. So wie der Maryama anschaut, hat sie wohl sein Interesse erweckt. Aber es gibt im Moment noch keinen Grund, sich da einzumischen. Maryama ist durchaus in der Lage, sich selbst zu verteidigen, ohne dass er sie bemuttern muss. Und bisher hat dieser Kerl ja auch nichts gemacht außer sie anzuschauen und zu grüßen. "Hallo. Auch dir einen guten Tag.", sagt er daher freundlich.
Logan steht auf, zerdrückt seine Kippe im Aschenbecher und geht. Für seinen Geschmack ist zu viel los. Dabei ist es ihm sogar irgendwie ganz recht, dass die Gäste von den Mitbewohnern in Beschlag genommen werden - so muss er sich nicht mit ihnen beschäftigen und womöglich noch Fragen beantworten. Als er an Tom vorbei zieht, weicht er dem Großen merklich aus. Sein Weg führt ihn in die Küche. Jim sitzt noch immer dort und trinkt inzwischen sein heißes Gebräu. Kurz überlegt Logan, sich dazu zu setzen, entscheidet sich dann aber dagegen. Stattdessen nimmt er sich ein weiteres Bier aus dem Kühlschrank - das Einzige, dessen Vorrat ständig aufgefüllt wird. Ohne ein Wort zu sagen, geht er in sein Zimmer und widmet sich wieder der Gitarre.
Tom sieht dem Jüngeren nach und zuckt nur mit den Schultern. Bezüglich Maryamas Aussage hin erwidert er: "Wird sicher schwierig, bei der streunenden Katze hier." Ein Schmunzeln umspielt seine Lippen.
Wieviele kommen denn da noch? Maryama lächelt dem Neuankömmling freundlich zu und hebt ihre Hand zu einem kleinen Winken. Noch einen Schluck Bier, bitte. Sie trinkt und stellt die beinahe leere Flasche mit einem dezent zu lauten Knall auf dem Tisch ab. Vielleicht hätte sie doch vorher was essen sollen..zu spät. Die Jungs kennen zu lernen ist zwar nett, aber das war nicht der Anlass ihres Besuchs hier. Nur...wie aus der Nummer wieder herauskommen? Beziehungsweise, wie mit Logan sprechen, wenn so viele Sims anwesend sind. Das kommt ziemlich merkwürdig, sich hier auszuklinken und zu sagen, sorry, ich muss euren Kumpel mal unter vier Augen sprechen. Nein, so geht's nicht. Als Logan aufsteht, blickt sie ihm kurz hinterher und schaut dann zu Tom, dem sie innerlich wirklich recht geben muss mit seinem Kommentar. Sie zieht eine entsprechende Grimasse, lächelt aber dabei und nickt zustimmend. "Ja, da liegst du wohl gar nicht so weit daneben, aber Künstler sind meistens unstet, gut dass er bei unserem Projekt freie Terminwahl hat." Sie steht auf. "Jungs, kann mir bitte einer das Badezimmer zeigen..das Bier." Sie grinst und zuckt wie entschuldigend mit einer Schulter. Das ist nicht mal gelogen, die Blase drückt wirklich.
Tom zeigt in die Richtung, wo das Bad ist. "Dort die Tür rein oder ins Gäste-WC."
"Danke dir." Maryama lächelt alle verbindlich an, während sie sich auf den Flur begibt und einen prüfenden Blick auf die verschiedenen Türen wirft. Das Bad liegt gegenüber...Männer WG..das muss nicht unbedingt sein. Das Gäste-WC liegt in Richtung Logans Zimmer, das passt. Sie geht daran vorbei, den Flur runter und klopft an Logans Tür.
Es dauert einen Moment, bis er öffnet. Er hat schon geahnt, dass sie nicht locker lassen wird. Mit gesenktem Blick macht er Platz und deutet ihr, einzutreten. Nachdem er die Tür wieder geschlossen hat, setzt er sich aufs Bett und überlässt ihr den Stuhl. Noch immer schenkt er ihr weder Blicke noch Worte. Stattdessen klemmt er sich die nächste Zigarette zwischen die Lippen und greift anschließend hinter sich nach der Gitarre, um wahllos leise darauf herumzuzupfen.
Von der Küche aus sieht Jim, wie Maryama an Logans Tür klopft. "Na viel Glück dabei, ihn aufzumuntern.", murmelt er ihr zu. "Wird nicht einfach." Ben sieht Maryama nach. Er weiß, was sie vorhat. Und er ist nun mal ebenfalls wegen Logan hier. Allerdings will er ihn nicht verschrecken und bleibt vorerst auf dem Stuhl im Flur sitzen. So ist er zumindest nah genug, um notfalls eingreifen zu können.
"Hey Logan." Maryama setzt sich und blickt sich unauffällig um. Sie mustert ihn, wie er verschlossen auf seinem Bett hockt und bewegt verschiedene Gedanken in sich. Ein bisschen wie auf rohen Eiern gehen, aber es gibt nicht nur Logans Psyche, sondern auch eine sehr reelle, praktische Seite der Angelegenheit, die ihr zukünftiges Geschäft betrifft. Sie atmet tief durch. "Ich bleib nicht lange, keine Sorge. Wir brauchen auch nicht über den Vorfall im Garten reden, darum geht es mir nicht. Solltest du das je wollen, bin ich da, aber was mir am wichtigsten war heute, hab ich ja schon gesehen. Du bist einigermaßen aufrecht, spielst Gitarre und hast dich nicht komplett vergraben. Darüber bin ich froh." Was sie sich zwischendurch für Horrorszenarien ausgemalt hat, braucht er nicht zu wissen. Maryama schlägt die Beine übereinander und lehnt sich im Stuhl zurück. Lieber hätte sie ihn gefragt, wie geht es dir? Aber was wäre zu erwarten? Geht? Ich komm klar? Ein Schulter zucken? Wenig aussichtsreich so ein Unterfangen. Seine Antworten waren in allen Bereichen bisher mehr als knapp, also besser geradeheraus. "Mir geht es um die Zukunft heute , das Projekt und..ob du noch an Bord bist. Bist du?"
Er hört aufmerksam zu, auch wenn er Schwierigkeiten hat, Interesse zu zeigen. Ein Teil in ihm will die Gitarre weg legen, sie ansehen und alles erklären. Ein anderer lässt ihn daran denken, sie einfach vor die Tür zu setzen. Das alles geht sie rein gar nichts an. Er ist niemandem Rechenschaft schuldig. Und offensichtlich sind sie nicht befreundet - sonst würde sie fragen, wie es ihm geht. Aber das Geschäft ist scheinbar das Einzige, was sie interessiert. Er stutzt kurz und bemerkt dabei nicht, dass auch seine Finger auf dem Instrument still stehen. Kann er ihr wirklich verübeln, dass sie sich um ihr Geschäft - ihre Zukunft Gedanken macht? Wohl kaum. Und es ist auch nicht überraschend. Sims sind eben so. Sie sind eigennützig und egoistisch. Ohne sie anzusehen, nickt er leicht. Er ist niemand, der sein Wort bricht. Er steht zu dem, was er sagt.
Währenddessen kommt Jim aus der Küche, die Tasse Kaffee noch immer in der Hand. Er geht ins Wohnzimmer. "Ich frag mich, was die beiden von Logan wollen.", murmelt er, ohne dass Ben oder Maryama diese Worte hören können.
Valentin hat sich inzwischen in sein Zimmer verzogen. Na toll, was will die Süße denn bei Logan?! Genervt legt er sich auf sein Hochbett, als er eine besondere Zeitschrift sieht. Dann vertreib ich mir mal die Langeweile.
Da sich die schöne Frau, wie auch Ben sich anderweilig beschäftigen, sowie Valentin in seinen Raum verkrochen hat, bleibt Tom mit Jim im Wohnzimmer zurück. Er schaltet den Fernseher an und schaut Nachrichten. Immerhin muss er bald zu seiner Spätschicht bei seinem Nebenjob, den er seit kurzem angenommen hat.
Auf Jims Frage hin antwortet er: "Kein Plan. Dafür kenne ich alle zu schlecht."
Ben sieht zu Logans Zimmer. Verhalten kann er Maryamas Stimme hören. Er seufzt. Er fühlt sich immer noch schuldig dafür, das Trauma ausgelöst zu haben. Sein Kopf sagt ihm, dass er nicht hätte ahnen können, was die Frage auslösen würde. Und auch wenn das eigentlich stimmt, ändert das nichts an seinem Gefühl. Er ändert seinen Plan, im Flur sitzen zu bleiben. Stattdessen steht er auf und klopft an die Tür.
Okay. Maryama verharrt ein paar Augenblicke reglos, dann stellt sie die Beine wieder nebeneinander auf den Boden und lehnt sich in Richtung Logan vor, die Ellbogen auf den Oberschenkeln ablegend. "Das freut mich. Einmal weil ich glaube dass die Bilder super werden, aber vor allem weil ich mich nicht in dir getäuscht habe." Sie lächelt ihn an. "Das heißt aber auch, dass wir Zeit zusammen verbringen werden und wahrscheinlich auch einiges zu bereden haben.." Sie lächelt und wird dann schnell wieder ernst. "Deshalb bin ich jetzt aufrichtig zu dir. Was im Garten passiert ist hat mich ziemlich erschreckt, ich hatte keine Ahnung was zu tun ist und...das ist sehr ungewohnt für mich, normalerweise hab ich immer irgend nen Plan." Sie seufzt. "Es tut mir leid, dass ich dich angefasst und alles damit noch schlimmer gemacht habe. Da kam einfach mein praktisches Wesen durch." Sie steht auf und geht in dem winzigen Zimmer etwas hin und her. "Damit bin ich auch schon bei dem Punkt der mich beunruhigt. Wenn ich mit dir zusammen arbeite, möchte ich nicht die Person sein, die durch irgendetwas so einen Schmerz bei dir auslöst..und da ich keine Ahnung habe was ein Auslöser sein könnte, macht mir das Angst." Sie stößt laut die Luft aus. "So, jetzt ist es raus und wenn du gesagt hättest du machst den Auftrag nicht, wäre ich ohne ein weiteres Wort gegangen. " Dann schmunzelt sie leicht. "Ist doch ne Rede geworden."
Logan seufzt tief. In seiner Brust braut sich wieder dieses Gefühl zusammen - etwas, das er schon sein Leben lang mit sich herum trägt und es bis heute nicht beschreiben kann. Diese Schwere, diese Last, dieses Gefühl, davon aufgefressen zu werden. Der innere Druck, der ihn am liebesten schreien lassen würde. Aber es lähmt ihn viel zu sehr und es überwältigt ihn so sehr, dass er nur gelähmt dabei zusehen kann, wie auch noch der letzte Rest von ihm zerstört wird. Gerade als er zu einer Antwort ansetzen will, erklingt ein zaghaftes Klopfen an der Tür. Wieder braucht er einen, zwei Atemzüge, um zu reagieren. Alles in ihm ist so unendlich schwer und langsam. Doch schließlich steht er schwerfällig auf, stellt die Gitarre auf ihren Platz und öffnet die Tür einen kleinen Spalt. Ben linst vorsichtig hindurch und Logan tritt zur Seite, wie er es auch bei Maryama getan hat. Nachdem der junge Bursche eingetreten ist, schließt Logan die Tür und lässt sich auf den Boden sinken, mit dem Rücken an die Tür gelehnt.
Ben sieht Logan an. "Ich musste mich selber überzeugen, dass du okay bist.", fängt er schließlich an, "nachdem ich letztes Mal mit der Frage so in ein Fettnäpfchen getreten bin..." Seine Stimmt klingt entschuldigend. Er macht eine kurze Pause.
Noch einmal seufzt Logan, die Zigarette hält er inzwischen in seiner Hand. Eine Sekunde beobachtet er die heiße Glut. Was würden die beiden wohl tun, wenn er - Nein, das wäre keine gute Idee. "Ich erinner' mich kaum.", sagt er schließlich leise. Seine Stimme klingt beschämt - das, was er noch weiß, ist erniedrigend genug.
Ben schweigt. Er weiß nicht, was Logan mit dem Satz aussagen will. Woran erinnert er sich nicht? Doch vielleicht gilt diese Antwort auch noch Maryama. Dessen Gespräch hatte er nur zum Teil mitbekommen. Er beschließt, erst einmal abzuwarten.
Zum ersten Mal hebt Logan den Kopf leicht an, sein Blick springt zu Ben und sofort wieder zurück auf die Zigarette. Kaum merklich schüttelt er den Kopf. "Not your fault."
Erleichtert, dass er nicht ein weiteres Trauma ausgelöst hat, lehnt sich Ben zurück.
Maryama schweigt und fühlt in sich hinein. Ist sie dem gewachsen? Sie denkt an die Begegnung im Park, an den schönen Nachmittag in ihrem eigenen Garten. Da war das noch unbeschwert. "Weißt du noch, bei mir am Lagerfeuer? Ich hab dir gesagt was ich an mir nicht gerne mag...und das ist dass ich eben manchmal Sachen raus hau und nicht merke, wenn ich zu direkt oder sonst was bin." Stirnrunzelnd fährt sie fort. "Ich will wieder so mit dir umgehen, wie an diesem Nachmittag, alles andere ist doch Blödsinn. Offen, ehrlich und auch spaßig." sie lächelt Logan an. "Und ich könnte mir vorstellen, Ben geht es genauso. Aber der Einzige, der uns ein Instrument für solche Situationen an die Hand geben kann bist du." Ben nickt zustimmend als Maryama ihn erwähnt.
Logan beginnt, auf der Unterlippe herumzukauen. Natürlich wäre er auch lieber unbeschwert. Aber so einfach ist es eben nicht. Was er vergessen will, kann er nicht aus seinen Gedanken verbannen. Das ist sein Fluch. "Was soll ich dazu sagen?", fragt er ratlos und nimmt den letzten Zug, bevor er den Filter am alten Teppich ausdrückt. Der Aschenbecher steht am Bett und er hat schlicht und ergreifend keine Ambitionen, danach zu fragen. "Ich bin 'n Freak. Das is' das Einzige, was ich offen und ehrlich sagen kann. Alles andere is'...", er sucht nach Worten. Wie soll er anfangen, seine inneren Kriege zu beschreiben, wenn er sie doch selbst nicht versteht? Und das, was er begreift, ist viel zu intim, um es mit irgendwem zu teilen. "... so fucking kompliziert."
Dass es kompliziert ist, ist keine Überraschung. Spätestens seit er dieses eine Wort von Logan gehört hat, weiß Ben, dass dessen Kindheit alles andere als schön gewesen ist. Der Schwarzhaarige tut ihm leid, auch ohne dass er die genauen Details kennt. Auch er hat schlimmes erlebt, aber zumindest hatte er vor dem Tod seiner Eltern eine wirklich schöne Kindheit. Das Trauma wird Logan den Rest seines Lebens begleiten, fürchtet Ben. Wenn es Logan helfen würde, hätte Ben ihn am liebsten in den Arm genommen. Doch er weiß ja, wie der Musiker auf Berührungen reagiert und hält sich zurück. "Ich kann mir nicht anmaßen, in dich hineinschauen zu können.", seufzt Ben. "Und ich kann dich zu nichts drängen. Nur eines sollst du wissen: Wenn wir dir helfen können, alles zu vergessen, und sei es nur für eine kurze Zeit, werden wir das tun." Ben beißt sich auf die Lippen. Was labert er sich denn zusammen? Er weiß nicht, welche Worte die richtigen sind und welche nicht.
Maryama blickt von einem zum anderen. Sie kann Ben direkt fühlen und wirft ihm einen verständnisvollen Blick zu. Die Situation ist verzwickt. "Also was wir sagen können: Es ist nicht einfach, keiner weiß was genau zu tun ist, geschweige denn was zu sagen oder nicht zu sagen ist..also bleibt nur eins: Wir lassen uns drauf ein und stemmen das gemeinsam." Sie sieht Logan dabei an. "Mir ist wichtig, dass du dich nicht schämst, auch nicht für das was im Garten passiert ist. Würd dich gern so nehmen wie du bist und Ben auch."
'Wie ich bin', wiederholt er im Gedanken. So etwas hat ganz sicher noch nie irgendwer zu ihm gesagt. Warum auch? Er war sein Leben lang nur eine Last, ein Ärgernis, ein lästiges Insekt. Sein Unterkiefer spannt sich an. Er schließt die Augen und versucht, die aufkommenden Szenen der Vergangenheit beiseite zu schieben. Seine Kehle schnürt sich zu und die Augen beginnen zu brennen. "Ihr wollt, dass ich ehrlich zu euch bin. Und dass ich euch sag', was zu tun is'. 'Ne Gebrausanweisung hab' ich leider nich'." Mit nervösen Bewegungen wischen beide Hände über sein Gesicht. Er muss sich sammeln. Hier sitzen Leute, die er kaum kennt und die sich die Mühe machen wollen, sich mit ihm abzugeben - diese Fotos scheinen denen wirklich wichtig zu sein. "Okay, I'll try to explain..."
"Anfassen geht gar nich'. Kann ich nich' leiden.", beginnt er und überlegt einen Moment, was Maryama vorher gesagt hatte. Seine Gedächtnisstörung greift schon wieder ein. "Hab' Probleme mit'm Gedächtnis.", erwähnt er bei diesem Gedanken. "Kann mir Sachen oft nich' merken. Und ... ich dissoziier' manchmal. Kommt und geht."
Ben hört erst mal nur schweigend zu. Er muss all diese Informationen erst mal verarbeiten.
Jetzt fällt es ihm wieder ein. Sie hatte nach Auslösern gefragt. Aber wie soll er das beantworten? Es könnte alles und nichts sein. Oft ist er selbst überrascht von Alltäglichkeiten, die ihm den Horror in den Nacken schlagen. An anderen Tagen ist er so stabil, dass ihm Problemthemen kaum etwas ausmachen.
Als Logan sich öffnet und zu sprechen beginnt, fällt viel Anspannung von Maryama ab. Egal was kommt, es ist gut so. Sie verharrt in der vorgebeugten Haltung, lauscht konzentriert und zieht mit den Augen die Muster auf dem ramponierten Teppich nach. Das hilft fokussiert zu bleiben. Ein Brandloch stört die meditativen Kreise, lässt sie hoch blicken und wieder Logan anschauen.
"Auslöser...", murmelt er. "Wenn ich das so genau sagen könnte, hätt' ich's wohl besser unter Kontrolle." Ein nachdenkliches Seufzen unterbricht den Wortfluss. "Familien.", beginnt er erneut aufzuzählen, "Kindergebrüll is' schlimm. Und ..." Er stockt. Soll er das wirklich sagen? Er muss um jeden Preis vermeiden, dass sie sich zu viel Reim auf seine Ausführungen machen können. "... bestimmte Worte." Er schluckt. Es wäre sinnvoll, diese Worte aufzuzählen, doch er spürt schon wieder, wie sich ihm die Kehle trocken zuschnürt.
Ben fragt nicht weiter nach diesen Worten nach. Zumindest einen dieser Auslöser kennt er nun ja viel zu gut. Er merkt, wie schwer es Logan fällt, darüber zu sprechen.
Maryama schluckt. Es hat mit seiner Familie zu tun ..vielleicht mit seiner Kindheit. Hat es das nicht immer? Ihr Herzschlag beschleunigt sich. Sie sieht die schmutzige Küche zuhause vor sich, ihre Mutter..emotionslos, nur noch ein Schatten ihrer selbst und ihre eigene Wut und Verzweiflung darüber, nichts ausrichten zu können. Das alle Bemühungen ins Leere laufen.. Sie räuspert sich erschrocken, als ihr bewusst wird, wohin die Gedanken abdriften. "Das ist doch ein Anfang." Sie blickt zu Ben und zurück zu Logan. Im Geiste sieht sie die Eröffnungsfeier und die Familien mit Kindern, die sicher dort sein werden. Kinder, die irgendwelche Wünsche haben und trotzig brüllen, wenn sie nicht erfüllt werden. Jep. Da muss Logan nicht unbedingt anwesend sein. Sie können ja mit ihm im kleinen Rahmen feiern, so er denn Lust dazu hat. "Danke dass du das teilst."
Ben wirft einen Blick zu Maryama, dann wieder zu Logan zurück.
"Fragt mich im Sommer noch mal.", raunt Logan und steckt sich eine weitere Kippe an. Ihm ist bereits übel von der Qualmerei, aber er weiß sonst nicht, wie er diese Zeit überstehen soll. Sein Ausdruck hat sich von einer Sekunde auf die andere geändert. Er wirkt nicht mehr zerbrechlich, sondern distanziert. "Außerhalb der Pussy-Phase."
Ben weiß nicht, was Logan mit "Pussy-Phase" meint, aber es klingt nicht so, als hätte Logan jetzt noch Lust, weiter zu erzählen, erst im Sommer. Vielleicht sollten sie ihm diesen Raum auch geben. "In Ordnung.", sagt Ben, "Nimm dir die Zeit, die du brauchst."
"Ja." stimmt Maryama zu und steht auf. "Wir haben heute ziemlich viel Zeit von dir beansprucht, das reicht." Sie lächelt Logan an. "Gehst du wieder mit rüber zu den anderen? "
Der Gastgeber steht auf und gibt die Tür frei. "Komm gleich nach."
Ben geht mit Maryama aus dem Raum. Man sieht ihm an, dass er in Gedanken versunken ist.
Kurz darauf verlässt Logan sein Zimmer. Statt den beiden ins Wohnzimmer zu folgen, geht er zielstrebig aus der Wohnung, die Treppe herunter und steigt in seinen Wagen. Mit quietschenden Reifen fährt er vom Hof.
Auf dem Flur, atmet Maryama tief durch und sieht Ben an. "Hast du nachher noch Zeit? Browneye ist bei Marga gut aufgehoben, ich hätte Lust noch zusammen irgendwo hin zu gehen. Würd gern noch mit dir reden."
"Klar!", antwortet Ben. Auch ihm ist danach, mit jemandem über das Erlebte reden zu können.
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon @simscat2 @Spatz @KFutagoh89 )
Charaktere: Ben, Maryama, Logan, Jim, Tom, Valentin
Titel: Verschollen
"Gut, dass du mitkommst, Ben. Danke dafür." Maryama nimmt den angelehnten Kopf von der Scheibe und lächelt den jungen Freund an. Es sind einige Tage vergangen seit Logan den Zusammenbruch im Garten hatte und seitdem herrscht Funkstille. Das ist beunruhigend, weil Logan sich eigentlich melden wollte, wenn er Zeit hat für Bilder. Maryama macht sich ernsthaft Gedanken. "Ich hoffe er hat sich von der Sache im Garten erholt, das fand ich ziemlich erschreckend, ehrlich gesagt." Sie blickt wieder aus dem Busfenster. Die ersten Häuser von Evergreen Harbor tauchen auf. "Gut dass wir bald da sind, ich bin ein bisschen nervös."
Ben denkt an das Wort zurück, das Logan ihm nannte: Erziehungsmethoden.. Noch immer hat er niemandem davon erzählt, ganz so, wie er es Logan versprochen hat. Und so sagt er auch Maryama nur: "Er muss viel durchgemacht haben." Das wird Maryama ohnehin schon klar gewesen sein. Irgendwie muss das Trauma schließlich entstanden sein. Der Bus hält und die beiden steigen aus. "Ist gleich da vorne.", sagt Ben. "Direkt neben dem Haus von Ellies Freundin Vero, auch wenn das wohl nur Zufall ist."
"Ja, das muss wohl so sein." Maryama nickt und versinkt wieder in Gedanken, bis sie das Gebäude erreichen. Oft war sie noch nicht in Evergreen Harbor. Yngwie hatte ihr damals erzählt, dass er hier wohnt. Das Gespräch erscheint ihr eine Ewigkeit her zu sein. Ein weiterer Sim, von dem sie nie wieder etwas gehört hat. Sie strafft die Schultern und beobachtet Ben beim klingeln. "Hoffentlich ist er zuhause."
Jim, der gerade in die Küche gehen wollte, öffnet die Tür. Nanu? "Wer seid ihr?", fragt er direkt. Diese beiden Leute hat er noch nie zuvor gesehen.
Überrascht schaut Maryama den jungen, bärtigen Mann an, der die Tür öffnet. "Oh..äh..Hi. Wir wollten einen Bekannten besuchen, Logan..und haben wohl die falsche Klingel erwischt. Entschuldigung." Ihr wird bewusst, dass sie nicht einmal Logans vollen Namen kennt. Ben müsste es wissen, hat sich aber wohl vertan.
"Logan? Nein, der wohnt hier.", murmelt Jim. Er schielt zu dessen Zimmer, ohne ein weiteres Mal nach den Namen der Besucher zu fragen. Aus dem Zimmer dringt Gitarrenmusik.
https://youtu.be/ZqSa6RIvsNQ
Ben hört die Musik aus dem Zimmer. Es wundert ihn wenig, dass Logan Musiker ist. "Ja, genau der Logan!" Er erkennt die Stimme wieder. "Dürfen wir rein?" Da der Bärtige schweigt, stellt er sich und Maryama nun erst einmal vor.
Er wohnt also in einer WG. Beruhigend...dann sind Sims da, die etwas bemerken würden, sollte sich aus irgendeinem Grund so ein Anfall wiederholen. Maryama sieht sich unauffällig um. Es gibt einen Standboxsack, auch gut. Kann man sich daran abreagieren..könnte ihr vielleicht auch gut tun so ein Ding, sinniert sie, in sich hinein schmunzelnd. Die Gitarrenklänge aus Logans Zimmer wertet sie ebenfalls als positives Zeichen. Maryama weiß um die heilende Wirkung, die das bei ihr selbst entfalten kann. Ein kleiner Teil der inneren Anspannung fällt von ihr ab. Sie lächelt Jim, wie sich ihr Gegenüber gerade vorgestellt hat, entschuldigend an. "Ich hab nicht gewusst dass er in einer WG wohnt, deshalb mein Gestammel vorhin. Wir sind Arbeitskollegen." erklärt sie dann, mit einer winzigen Pause vor dem letzten Wort.
Logan bekommt offensichtlich nicht viel mit. Das kennt Jim mittlerweile ja. Er seufzt und öffnet die Tür zu Logans Zimmer. "Besuch für dich!", sagt er nun erneut, und blickt Logan dabei an.
Der Angesprochene hebt zögerlich den Blick, hört aber nicht auf, die Gitarre zu spielen. Erst als er im Hintergrund Maryama und Ben erkennt, verharren seine Finger auf den Saiten.
"What the bloody...", murmelt er und legt das Instrument ab, um sich herum zu drehen.
Ben lässt Maryama den Vortritt. Sie war es, die ihn angesprochen hat mitzukommen. Vielleicht sollte sie zuerst das Wort an Logan richten.
Maryama tritt an Jim vorbei, bleibt aber dann stehen. Das Zimmer ist sehr klein. Mit Ben dabei und Jim, der noch im Türrahmen steht, kommt er ihr schon überfüllt vor. Wie muss das erst auf Logan wirken, der körperliche Nähe nicht gut ertragen kann. "Hi Logan, heute ist dein Glückstag...Gärtnerinvasion." Maryama zuckt mit den Schultern und lächelt schief. "Verbrochen hab ich das...ich hab mir ehrlich gesagt Gedanken gemacht, weil Totenstille herrschte und..ja, was und? Na ja, und wir einfach sehen wollten wie's dir geht."
Jim hält sich da raus. Er geht ein paar Schritte zur Seite, beobachtet die Besucher aber schweigend. Ben hingegen sieht zu Logan. Er bleibt im Türrahmen stehen. "Ja. Maryama wusste den Weg nicht, und da bin ich dann auch gleich mitgekommen."
Logan seufzt leise in sich hinein und nickt. Er wirkt nicht amüsiert. Langsam steht er auf und deutet den Besuchern, in den Flur zu gehen. "Let's go into the livin'room."
Das entgeht Ben nicht. Er blickt Logan an. "Sorry!", murmelt er leise, "Ja, gehen wir.", bestätigt er nun. Er und Maryama folgen Logan in den erwähnten livin'room. Recht eng hier. Ein altes, durchgewetztes Sofa steht hier. Einige leere Bierflaschen stehen noch auf dem Tisch rum. Überhaupt scheinen die Bewohner eher unordentlich zu sein. Doch Ben kommentiert das nicht weiter. Normalerweise ist er fleißig und verantwortungsbewusst. Aber selbst er hat manchmal Tage, an denen er lieber faul herumhängt und den Abwasch auf einen späteren Zeit verschiebt.
Bens ‚sorry‘ irritiert Maryama. Hält er es nicht für gut, dass sie her gekommen sind? Es war anzunehmen, dass Logan nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbrechen würde, wenn sie hier auftauchen, aber entschuldigen dafür? Sie sieht keinen Grund dazu. Auch dass dieser Jim die ganze Zeit dabei stehen bleibt, kommt ihr seltsam vor. Klar, es ist eine WG, aber hier im Zimmer zu bleiben während sie mit Logan reden? Ist er der Aufpasser, traut er ihr und Ben nicht? Innerlich leicht seufzend folgt sie den schweigsamen Männern ins Wohnzimmer. Draussen ist ein Motorrad zu hören, es klingt fast wie das von Leah und kurz darauf vernimmt Maryama eine muntere Stimme, ein weiterer WG Bewohner stellt sich vor und ihr fällt ein Stein vom Herzen, als ein ganz normal gestimmter Typ sich als Tom vorstellt. Also wird hier doch gesprochen und eventuell mal gelacht.
Ein Motorrad brüllt laut vor dem WG Gebäude. Der Fahrer parkt es und stellt den Motor aus. Als dieser den Helm abnimmt, erkennt man sofort Tom. Er hat an seinem weiteren, freien Tag eine Spritztour mit seinem 'Baby' unternommen. Jetzt freut er sich auf ein erfrischendes Bier und die Couch. Er steigt ab, läuft die Treppe hoch und betritt die Wohnung. "Hey Jungs!", ruft er laut und geht direkt in die Küche. Schnell ist eine Bierflasche zur Hand. Jeder Schluck des kühlen Getränks ist Balsam für seinen Körper. Der Mann lächelt zufrieden. "Jemand da?", ruft er erneut, während seine Schritte durch den Flur hallen. Stimmen kommen aus dem Wohnzimmer. Sein Weg führt ihn dort hin. "Oh. Besuch ... Moin!", begrüßt er die Gäste, sowie seine beiden Mitbewohner freundlich. "Steigt eine Party?", dabei grinst er frech.
Moment... diese Stimme kommt Ben bekannt vor! Tatsächlich! Als er sich umdreht, erkennt er Tom, den er auf dem Musikfestival im Sommer kennengelernt hat. Die Welt ist klein! Aber was macht er denn hier? Man hört die Überraschung in Bens Stimme, als er ruft: "Tom?"
Ben kennt Tom? Auch gut. Maryama lächelt. „Ganz so würd ich‘s nicht bezeichnen. Maryama, Hi.“ stellt sie sich kurz vor.
Ben wundert sich. Er fragt Tom: "Wo kommst du denn plötzlich her? Wohnst du hier etwa auch?"
Tom erkennt nun Ben wieder. "Stimmt. Lange nicht mehr gesehen. Alles fit?", nimmt er den Gesprächsfaden auf. Maryama nickt er freundlich zu.
Ben lächelt. "Ja, schon." Zumindest bei mir, fügt Ben in Gedanken hinzu. Um Logan macht er sich dann eher Sorgen. Der kommt gerade mit Getränken zurück und macht die Musik an. Ben bedankt sich und nimmt sich etwas Bier.
Logan sitzt auf einem der Reifen und zieht schweigend das Nikotin aus seiner Zigarette. Er meidet jeden Augenkontakt. Ihm ist nicht ganz klar, warum die beiden hier aufgetaucht sind. Okay, er hatte nicht auf Maryamas Anrufe reagiert und auch die Textnachrichten ließ er unbeantwortet. Aber ist das ein Grund, hier unangemeldet aufzuschlagen? Typisch Frauen...
Als Tom dazu kommt, seufzt der Jüngste tief in sich hinein. Er ist dem Mitbewohner die letzten Tage so gut es ging aus dem Weg gegangen. Aber er weiß, dass er sich nicht ewig verkriechen kann.
Jim ist im Flur stehen geblieben. Er grüßt Tom kurz, dann schaut er wieder in Richtung Wohnzimmer. So ganz weiß er nicht, was er nun tun soll. Bei den WG-Bewohnern ist er mittlerweile aufgetaut, aber bei Fremden ist er nach wie vor eher schweigsam. Vielleicht könnte er sich einfach erst mal einen Kaffee machen. Daher geht er nun in die Küche.
Plötzlich steht Logan auf und verschwindet aus dem Raum. In der Küche sitzt Jim und wartet darauf, dass die Kaffeemaschine durchläuft. Der Langhaarige nickt ihm Verhalten zu, geht zum Kühlschrank und greift nach verschiedenen Getränken.
Jim nickt zurück. "Woher kennst du denn diese Typen?", fragt er Logan.
Logan überlegt. Ben kam über Maryama dazu... Aber woher kennt er sie denn eigentlich? Und seit wann? Er hat keine Ahnung. Typisch... Er zuckt mit den Schultern. "Don't remember …"
Jim belässt es bei dieser Aussage. Dass Logan manchmal diese Aussetzer hat und sich an etwas nicht erinnert, ist ihm bekannt. Und so hält er dessen Aussage für die Wahrheit, und nicht für eine Ausrede, weil er einfach nicht darüber reden will. "Okay.", sagt er daher nur.
Zurück im Wohnzimmer, stellt Logan die Getränke auf dem Tisch ab - Bier, Whiskey, Wasser - wo kommt dieser Saft her? Eine Augenbraue rutscht in die Stirn. Die leeren Flaschen setzt er auf den Boden, bevor er die Stereoanlage an der Wand einschaltet und selbst wieder auf dem Reifen Platz nimmt.
Der leise Sound von Bluesmusik schwebt durch den Raum und überdeckt wenigstens zum Teil die angespannte Stimmung.
Blues ... nicht gerade Toms Musikrichtung. Aber was solls. "Und ihr kennt euch alle woher?", spricht der Ältere weiter. Dabei lehnt er sich entspannt in den Türrahmen.
Maryama fühlt sich mittlerweile doch ein bisschen wie auf einer Stehparty. Sie nimmt sich ebenfalls ein Bier und setzt sich einfach auf das Sofa. "Ich hab Logan im Park getroffen beim fotografieren und wir sind ins Gespräch gekommen.." Der Satz klingt angesichts der Stimmung gerade etwas seltsam in ihren Ohren. Hat Logan überhaupt schon etwas gesagt bisher? "Mehr oder weniger hab ich ihn in ein Gespräch verwickelt über dieses Hobby. Wir sind heute hier um über einen möglichen Auftrag für Fotos zu reden." Maryama hat keinen Schimmer wie offen oder vertraut die Jungs hier miteinander umgehen, der einzige der nicht verschlossen wirkt ist Tom, von daher hat sie beschlossen, sich bedeckt zu halten, vorerst zumindest. Sie hebt ihre Flasche. "Zum Wohl." und trinkt einen kräftigen Schluck. Das wird sie vielleicht gebrauchen können.
Inzwischen ist auch Valentin nach Hause gekommen und schließt mit seinem Schlüssel die Wohnungstür auf. Als er in die Wohnung blickt, sieht er viele Sims. Was ist denn hier los? Kurze Zeit später bemerkt er eine besondere Person im Raum - eine Frau! Er grinst und geht auf die Menge zu. "Einen wunderschönen guten Tag!"
Tom sieht zu seinem Mitbewohner und grinst. Casanova Modus ist aktiv
Ben blickt zu dem Neuankömmling. So wie der Maryama anschaut, hat sie wohl sein Interesse erweckt. Aber es gibt im Moment noch keinen Grund, sich da einzumischen. Maryama ist durchaus in der Lage, sich selbst zu verteidigen, ohne dass er sie bemuttern muss. Und bisher hat dieser Kerl ja auch nichts gemacht außer sie anzuschauen und zu grüßen. "Hallo. Auch dir einen guten Tag.", sagt er daher freundlich.
Logan steht auf, zerdrückt seine Kippe im Aschenbecher und geht. Für seinen Geschmack ist zu viel los. Dabei ist es ihm sogar irgendwie ganz recht, dass die Gäste von den Mitbewohnern in Beschlag genommen werden - so muss er sich nicht mit ihnen beschäftigen und womöglich noch Fragen beantworten. Als er an Tom vorbei zieht, weicht er dem Großen merklich aus. Sein Weg führt ihn in die Küche. Jim sitzt noch immer dort und trinkt inzwischen sein heißes Gebräu. Kurz überlegt Logan, sich dazu zu setzen, entscheidet sich dann aber dagegen. Stattdessen nimmt er sich ein weiteres Bier aus dem Kühlschrank - das Einzige, dessen Vorrat ständig aufgefüllt wird. Ohne ein Wort zu sagen, geht er in sein Zimmer und widmet sich wieder der Gitarre.
Tom sieht dem Jüngeren nach und zuckt nur mit den Schultern. Bezüglich Maryamas Aussage hin erwidert er: "Wird sicher schwierig, bei der streunenden Katze hier." Ein Schmunzeln umspielt seine Lippen.
Wieviele kommen denn da noch? Maryama lächelt dem Neuankömmling freundlich zu und hebt ihre Hand zu einem kleinen Winken. Noch einen Schluck Bier, bitte. Sie trinkt und stellt die beinahe leere Flasche mit einem dezent zu lauten Knall auf dem Tisch ab. Vielleicht hätte sie doch vorher was essen sollen..zu spät. Die Jungs kennen zu lernen ist zwar nett, aber das war nicht der Anlass ihres Besuchs hier. Nur...wie aus der Nummer wieder herauskommen? Beziehungsweise, wie mit Logan sprechen, wenn so viele Sims anwesend sind. Das kommt ziemlich merkwürdig, sich hier auszuklinken und zu sagen, sorry, ich muss euren Kumpel mal unter vier Augen sprechen. Nein, so geht's nicht. Als Logan aufsteht, blickt sie ihm kurz hinterher und schaut dann zu Tom, dem sie innerlich wirklich recht geben muss mit seinem Kommentar. Sie zieht eine entsprechende Grimasse, lächelt aber dabei und nickt zustimmend. "Ja, da liegst du wohl gar nicht so weit daneben, aber Künstler sind meistens unstet, gut dass er bei unserem Projekt freie Terminwahl hat." Sie steht auf. "Jungs, kann mir bitte einer das Badezimmer zeigen..das Bier." Sie grinst und zuckt wie entschuldigend mit einer Schulter. Das ist nicht mal gelogen, die Blase drückt wirklich.
Tom zeigt in die Richtung, wo das Bad ist. "Dort die Tür rein oder ins Gäste-WC."
"Danke dir." Maryama lächelt alle verbindlich an, während sie sich auf den Flur begibt und einen prüfenden Blick auf die verschiedenen Türen wirft. Das Bad liegt gegenüber...Männer WG..das muss nicht unbedingt sein. Das Gäste-WC liegt in Richtung Logans Zimmer, das passt. Sie geht daran vorbei, den Flur runter und klopft an Logans Tür.
Es dauert einen Moment, bis er öffnet. Er hat schon geahnt, dass sie nicht locker lassen wird. Mit gesenktem Blick macht er Platz und deutet ihr, einzutreten. Nachdem er die Tür wieder geschlossen hat, setzt er sich aufs Bett und überlässt ihr den Stuhl. Noch immer schenkt er ihr weder Blicke noch Worte. Stattdessen klemmt er sich die nächste Zigarette zwischen die Lippen und greift anschließend hinter sich nach der Gitarre, um wahllos leise darauf herumzuzupfen.
Von der Küche aus sieht Jim, wie Maryama an Logans Tür klopft. "Na viel Glück dabei, ihn aufzumuntern.", murmelt er ihr zu. "Wird nicht einfach." Ben sieht Maryama nach. Er weiß, was sie vorhat. Und er ist nun mal ebenfalls wegen Logan hier. Allerdings will er ihn nicht verschrecken und bleibt vorerst auf dem Stuhl im Flur sitzen. So ist er zumindest nah genug, um notfalls eingreifen zu können.
"Hey Logan." Maryama setzt sich und blickt sich unauffällig um. Sie mustert ihn, wie er verschlossen auf seinem Bett hockt und bewegt verschiedene Gedanken in sich. Ein bisschen wie auf rohen Eiern gehen, aber es gibt nicht nur Logans Psyche, sondern auch eine sehr reelle, praktische Seite der Angelegenheit, die ihr zukünftiges Geschäft betrifft. Sie atmet tief durch. "Ich bleib nicht lange, keine Sorge. Wir brauchen auch nicht über den Vorfall im Garten reden, darum geht es mir nicht. Solltest du das je wollen, bin ich da, aber was mir am wichtigsten war heute, hab ich ja schon gesehen. Du bist einigermaßen aufrecht, spielst Gitarre und hast dich nicht komplett vergraben. Darüber bin ich froh." Was sie sich zwischendurch für Horrorszenarien ausgemalt hat, braucht er nicht zu wissen. Maryama schlägt die Beine übereinander und lehnt sich im Stuhl zurück. Lieber hätte sie ihn gefragt, wie geht es dir? Aber was wäre zu erwarten? Geht? Ich komm klar? Ein Schulter zucken? Wenig aussichtsreich so ein Unterfangen. Seine Antworten waren in allen Bereichen bisher mehr als knapp, also besser geradeheraus. "Mir geht es um die Zukunft heute , das Projekt und..ob du noch an Bord bist. Bist du?"
Er hört aufmerksam zu, auch wenn er Schwierigkeiten hat, Interesse zu zeigen. Ein Teil in ihm will die Gitarre weg legen, sie ansehen und alles erklären. Ein anderer lässt ihn daran denken, sie einfach vor die Tür zu setzen. Das alles geht sie rein gar nichts an. Er ist niemandem Rechenschaft schuldig. Und offensichtlich sind sie nicht befreundet - sonst würde sie fragen, wie es ihm geht. Aber das Geschäft ist scheinbar das Einzige, was sie interessiert. Er stutzt kurz und bemerkt dabei nicht, dass auch seine Finger auf dem Instrument still stehen. Kann er ihr wirklich verübeln, dass sie sich um ihr Geschäft - ihre Zukunft Gedanken macht? Wohl kaum. Und es ist auch nicht überraschend. Sims sind eben so. Sie sind eigennützig und egoistisch. Ohne sie anzusehen, nickt er leicht. Er ist niemand, der sein Wort bricht. Er steht zu dem, was er sagt.
Währenddessen kommt Jim aus der Küche, die Tasse Kaffee noch immer in der Hand. Er geht ins Wohnzimmer. "Ich frag mich, was die beiden von Logan wollen.", murmelt er, ohne dass Ben oder Maryama diese Worte hören können.
Valentin hat sich inzwischen in sein Zimmer verzogen. Na toll, was will die Süße denn bei Logan?! Genervt legt er sich auf sein Hochbett, als er eine besondere Zeitschrift sieht. Dann vertreib ich mir mal die Langeweile.
Da sich die schöne Frau, wie auch Ben sich anderweilig beschäftigen, sowie Valentin in seinen Raum verkrochen hat, bleibt Tom mit Jim im Wohnzimmer zurück. Er schaltet den Fernseher an und schaut Nachrichten. Immerhin muss er bald zu seiner Spätschicht bei seinem Nebenjob, den er seit kurzem angenommen hat.
Auf Jims Frage hin antwortet er: "Kein Plan. Dafür kenne ich alle zu schlecht."
Ben sieht zu Logans Zimmer. Verhalten kann er Maryamas Stimme hören. Er seufzt. Er fühlt sich immer noch schuldig dafür, das Trauma ausgelöst zu haben. Sein Kopf sagt ihm, dass er nicht hätte ahnen können, was die Frage auslösen würde. Und auch wenn das eigentlich stimmt, ändert das nichts an seinem Gefühl. Er ändert seinen Plan, im Flur sitzen zu bleiben. Stattdessen steht er auf und klopft an die Tür.
Okay. Maryama verharrt ein paar Augenblicke reglos, dann stellt sie die Beine wieder nebeneinander auf den Boden und lehnt sich in Richtung Logan vor, die Ellbogen auf den Oberschenkeln ablegend. "Das freut mich. Einmal weil ich glaube dass die Bilder super werden, aber vor allem weil ich mich nicht in dir getäuscht habe." Sie lächelt ihn an. "Das heißt aber auch, dass wir Zeit zusammen verbringen werden und wahrscheinlich auch einiges zu bereden haben.." Sie lächelt und wird dann schnell wieder ernst. "Deshalb bin ich jetzt aufrichtig zu dir. Was im Garten passiert ist hat mich ziemlich erschreckt, ich hatte keine Ahnung was zu tun ist und...das ist sehr ungewohnt für mich, normalerweise hab ich immer irgend nen Plan." Sie seufzt. "Es tut mir leid, dass ich dich angefasst und alles damit noch schlimmer gemacht habe. Da kam einfach mein praktisches Wesen durch." Sie steht auf und geht in dem winzigen Zimmer etwas hin und her. "Damit bin ich auch schon bei dem Punkt der mich beunruhigt. Wenn ich mit dir zusammen arbeite, möchte ich nicht die Person sein, die durch irgendetwas so einen Schmerz bei dir auslöst..und da ich keine Ahnung habe was ein Auslöser sein könnte, macht mir das Angst." Sie stößt laut die Luft aus. "So, jetzt ist es raus und wenn du gesagt hättest du machst den Auftrag nicht, wäre ich ohne ein weiteres Wort gegangen. " Dann schmunzelt sie leicht. "Ist doch ne Rede geworden."
Logan seufzt tief. In seiner Brust braut sich wieder dieses Gefühl zusammen - etwas, das er schon sein Leben lang mit sich herum trägt und es bis heute nicht beschreiben kann. Diese Schwere, diese Last, dieses Gefühl, davon aufgefressen zu werden. Der innere Druck, der ihn am liebesten schreien lassen würde. Aber es lähmt ihn viel zu sehr und es überwältigt ihn so sehr, dass er nur gelähmt dabei zusehen kann, wie auch noch der letzte Rest von ihm zerstört wird. Gerade als er zu einer Antwort ansetzen will, erklingt ein zaghaftes Klopfen an der Tür. Wieder braucht er einen, zwei Atemzüge, um zu reagieren. Alles in ihm ist so unendlich schwer und langsam. Doch schließlich steht er schwerfällig auf, stellt die Gitarre auf ihren Platz und öffnet die Tür einen kleinen Spalt. Ben linst vorsichtig hindurch und Logan tritt zur Seite, wie er es auch bei Maryama getan hat. Nachdem der junge Bursche eingetreten ist, schließt Logan die Tür und lässt sich auf den Boden sinken, mit dem Rücken an die Tür gelehnt.
Ben sieht Logan an. "Ich musste mich selber überzeugen, dass du okay bist.", fängt er schließlich an, "nachdem ich letztes Mal mit der Frage so in ein Fettnäpfchen getreten bin..." Seine Stimmt klingt entschuldigend. Er macht eine kurze Pause.
Noch einmal seufzt Logan, die Zigarette hält er inzwischen in seiner Hand. Eine Sekunde beobachtet er die heiße Glut. Was würden die beiden wohl tun, wenn er - Nein, das wäre keine gute Idee. "Ich erinner' mich kaum.", sagt er schließlich leise. Seine Stimme klingt beschämt - das, was er noch weiß, ist erniedrigend genug.
Ben schweigt. Er weiß nicht, was Logan mit dem Satz aussagen will. Woran erinnert er sich nicht? Doch vielleicht gilt diese Antwort auch noch Maryama. Dessen Gespräch hatte er nur zum Teil mitbekommen. Er beschließt, erst einmal abzuwarten.
Zum ersten Mal hebt Logan den Kopf leicht an, sein Blick springt zu Ben und sofort wieder zurück auf die Zigarette. Kaum merklich schüttelt er den Kopf. "Not your fault."
Erleichtert, dass er nicht ein weiteres Trauma ausgelöst hat, lehnt sich Ben zurück.
Maryama schweigt und fühlt in sich hinein. Ist sie dem gewachsen? Sie denkt an die Begegnung im Park, an den schönen Nachmittag in ihrem eigenen Garten. Da war das noch unbeschwert. "Weißt du noch, bei mir am Lagerfeuer? Ich hab dir gesagt was ich an mir nicht gerne mag...und das ist dass ich eben manchmal Sachen raus hau und nicht merke, wenn ich zu direkt oder sonst was bin." Stirnrunzelnd fährt sie fort. "Ich will wieder so mit dir umgehen, wie an diesem Nachmittag, alles andere ist doch Blödsinn. Offen, ehrlich und auch spaßig." sie lächelt Logan an. "Und ich könnte mir vorstellen, Ben geht es genauso. Aber der Einzige, der uns ein Instrument für solche Situationen an die Hand geben kann bist du." Ben nickt zustimmend als Maryama ihn erwähnt.
Logan beginnt, auf der Unterlippe herumzukauen. Natürlich wäre er auch lieber unbeschwert. Aber so einfach ist es eben nicht. Was er vergessen will, kann er nicht aus seinen Gedanken verbannen. Das ist sein Fluch. "Was soll ich dazu sagen?", fragt er ratlos und nimmt den letzten Zug, bevor er den Filter am alten Teppich ausdrückt. Der Aschenbecher steht am Bett und er hat schlicht und ergreifend keine Ambitionen, danach zu fragen. "Ich bin 'n Freak. Das is' das Einzige, was ich offen und ehrlich sagen kann. Alles andere is'...", er sucht nach Worten. Wie soll er anfangen, seine inneren Kriege zu beschreiben, wenn er sie doch selbst nicht versteht? Und das, was er begreift, ist viel zu intim, um es mit irgendwem zu teilen. "... so fucking kompliziert."
Dass es kompliziert ist, ist keine Überraschung. Spätestens seit er dieses eine Wort von Logan gehört hat, weiß Ben, dass dessen Kindheit alles andere als schön gewesen ist. Der Schwarzhaarige tut ihm leid, auch ohne dass er die genauen Details kennt. Auch er hat schlimmes erlebt, aber zumindest hatte er vor dem Tod seiner Eltern eine wirklich schöne Kindheit. Das Trauma wird Logan den Rest seines Lebens begleiten, fürchtet Ben. Wenn es Logan helfen würde, hätte Ben ihn am liebsten in den Arm genommen. Doch er weiß ja, wie der Musiker auf Berührungen reagiert und hält sich zurück. "Ich kann mir nicht anmaßen, in dich hineinschauen zu können.", seufzt Ben. "Und ich kann dich zu nichts drängen. Nur eines sollst du wissen: Wenn wir dir helfen können, alles zu vergessen, und sei es nur für eine kurze Zeit, werden wir das tun." Ben beißt sich auf die Lippen. Was labert er sich denn zusammen? Er weiß nicht, welche Worte die richtigen sind und welche nicht.
Maryama blickt von einem zum anderen. Sie kann Ben direkt fühlen und wirft ihm einen verständnisvollen Blick zu. Die Situation ist verzwickt. "Also was wir sagen können: Es ist nicht einfach, keiner weiß was genau zu tun ist, geschweige denn was zu sagen oder nicht zu sagen ist..also bleibt nur eins: Wir lassen uns drauf ein und stemmen das gemeinsam." Sie sieht Logan dabei an. "Mir ist wichtig, dass du dich nicht schämst, auch nicht für das was im Garten passiert ist. Würd dich gern so nehmen wie du bist und Ben auch."
'Wie ich bin', wiederholt er im Gedanken. So etwas hat ganz sicher noch nie irgendwer zu ihm gesagt. Warum auch? Er war sein Leben lang nur eine Last, ein Ärgernis, ein lästiges Insekt. Sein Unterkiefer spannt sich an. Er schließt die Augen und versucht, die aufkommenden Szenen der Vergangenheit beiseite zu schieben. Seine Kehle schnürt sich zu und die Augen beginnen zu brennen. "Ihr wollt, dass ich ehrlich zu euch bin. Und dass ich euch sag', was zu tun is'. 'Ne Gebrausanweisung hab' ich leider nich'." Mit nervösen Bewegungen wischen beide Hände über sein Gesicht. Er muss sich sammeln. Hier sitzen Leute, die er kaum kennt und die sich die Mühe machen wollen, sich mit ihm abzugeben - diese Fotos scheinen denen wirklich wichtig zu sein. "Okay, I'll try to explain..."
"Anfassen geht gar nich'. Kann ich nich' leiden.", beginnt er und überlegt einen Moment, was Maryama vorher gesagt hatte. Seine Gedächtnisstörung greift schon wieder ein. "Hab' Probleme mit'm Gedächtnis.", erwähnt er bei diesem Gedanken. "Kann mir Sachen oft nich' merken. Und ... ich dissoziier' manchmal. Kommt und geht."
Ben hört erst mal nur schweigend zu. Er muss all diese Informationen erst mal verarbeiten.
Jetzt fällt es ihm wieder ein. Sie hatte nach Auslösern gefragt. Aber wie soll er das beantworten? Es könnte alles und nichts sein. Oft ist er selbst überrascht von Alltäglichkeiten, die ihm den Horror in den Nacken schlagen. An anderen Tagen ist er so stabil, dass ihm Problemthemen kaum etwas ausmachen.
Als Logan sich öffnet und zu sprechen beginnt, fällt viel Anspannung von Maryama ab. Egal was kommt, es ist gut so. Sie verharrt in der vorgebeugten Haltung, lauscht konzentriert und zieht mit den Augen die Muster auf dem ramponierten Teppich nach. Das hilft fokussiert zu bleiben. Ein Brandloch stört die meditativen Kreise, lässt sie hoch blicken und wieder Logan anschauen.
"Auslöser...", murmelt er. "Wenn ich das so genau sagen könnte, hätt' ich's wohl besser unter Kontrolle." Ein nachdenkliches Seufzen unterbricht den Wortfluss. "Familien.", beginnt er erneut aufzuzählen, "Kindergebrüll is' schlimm. Und ..." Er stockt. Soll er das wirklich sagen? Er muss um jeden Preis vermeiden, dass sie sich zu viel Reim auf seine Ausführungen machen können. "... bestimmte Worte." Er schluckt. Es wäre sinnvoll, diese Worte aufzuzählen, doch er spürt schon wieder, wie sich ihm die Kehle trocken zuschnürt.
Ben fragt nicht weiter nach diesen Worten nach. Zumindest einen dieser Auslöser kennt er nun ja viel zu gut. Er merkt, wie schwer es Logan fällt, darüber zu sprechen.
Maryama schluckt. Es hat mit seiner Familie zu tun ..vielleicht mit seiner Kindheit. Hat es das nicht immer? Ihr Herzschlag beschleunigt sich. Sie sieht die schmutzige Küche zuhause vor sich, ihre Mutter..emotionslos, nur noch ein Schatten ihrer selbst und ihre eigene Wut und Verzweiflung darüber, nichts ausrichten zu können. Das alle Bemühungen ins Leere laufen.. Sie räuspert sich erschrocken, als ihr bewusst wird, wohin die Gedanken abdriften. "Das ist doch ein Anfang." Sie blickt zu Ben und zurück zu Logan. Im Geiste sieht sie die Eröffnungsfeier und die Familien mit Kindern, die sicher dort sein werden. Kinder, die irgendwelche Wünsche haben und trotzig brüllen, wenn sie nicht erfüllt werden. Jep. Da muss Logan nicht unbedingt anwesend sein. Sie können ja mit ihm im kleinen Rahmen feiern, so er denn Lust dazu hat. "Danke dass du das teilst."
Ben wirft einen Blick zu Maryama, dann wieder zu Logan zurück.
"Fragt mich im Sommer noch mal.", raunt Logan und steckt sich eine weitere Kippe an. Ihm ist bereits übel von der Qualmerei, aber er weiß sonst nicht, wie er diese Zeit überstehen soll. Sein Ausdruck hat sich von einer Sekunde auf die andere geändert. Er wirkt nicht mehr zerbrechlich, sondern distanziert. "Außerhalb der Pussy-Phase."
Ben weiß nicht, was Logan mit "Pussy-Phase" meint, aber es klingt nicht so, als hätte Logan jetzt noch Lust, weiter zu erzählen, erst im Sommer. Vielleicht sollten sie ihm diesen Raum auch geben. "In Ordnung.", sagt Ben, "Nimm dir die Zeit, die du brauchst."
"Ja." stimmt Maryama zu und steht auf. "Wir haben heute ziemlich viel Zeit von dir beansprucht, das reicht." Sie lächelt Logan an. "Gehst du wieder mit rüber zu den anderen? "
Der Gastgeber steht auf und gibt die Tür frei. "Komm gleich nach."
Ben geht mit Maryama aus dem Raum. Man sieht ihm an, dass er in Gedanken versunken ist.
Kurz darauf verlässt Logan sein Zimmer. Statt den beiden ins Wohnzimmer zu folgen, geht er zielstrebig aus der Wohnung, die Treppe herunter und steigt in seinen Wagen. Mit quietschenden Reifen fährt er vom Hof.
Auf dem Flur, atmet Maryama tief durch und sieht Ben an. "Hast du nachher noch Zeit? Browneye ist bei Marga gut aufgehoben, ich hätte Lust noch zusammen irgendwo hin zu gehen. Würd gern noch mit dir reden."
"Klar!", antwortet Ben. Auch ihm ist danach, mit jemandem über das Erlebte reden zu können.
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