Forum Discussion
3 years ago
Ort: Brindleton Bay
Charakter: Ka'Vothee, Jenna, Julius, Nael
Geschichtsstrang: Der Vagabund
Tagelang ist er gewandert - sein vierbeiniger Freund treu an seiner Seite. Er hat kein festes Ziel - außer dem ständigen Drang in Bewegung zu bleiben. So zieht er in aller Ruhe von Land zu Land, von Dorf zu Dorf und erreicht am Nachmittag eine Ortschaft namens 'Brindelton Bay'. Der junge Mann beschließt, hier eine Rast zu machen. Ein Blick in den Himmel verrät ihm, dass es schon bald regnen wird. Also ist es Zeit, einen geeigneten Platz zu finden.
Einige Meter fernab der Straße führt ein kleiner Hügel hinauf. Oben angekommen, entdeckt er eine Lichtung mit einem bezaubernden See. Das ist perfekt. Niemand wird von ihnen gestört und er kann unbehelligt sein Zelt aufschlagen.
Dank der jahrelangen Erfahrung, dauert es nicht lang, bis nicht nur der Unterschlupf steht, sondern auch ein angenehmes Feuer entfacht ist. Während Bast gewissenhaft die umliegenden Meter untersucht, setzt sein Besitzer sich ans Feuer, um sich zu wärmen.
Er ist es gewohnt, draußen zu sein. Die Kälte macht ihm nichts aus. Dennoch tut es Körper, Geist und Seele gut, die Wärme der Flammen zu spüren, das Knistern des Holzes zu hören und den Duft aufzunehmen.
Nach dem Campingtrip haben Nael und Julius heute einen Spaziergang geplant, um Pläne für den nächsten Trip zu machen. "Dann fahren wir auf jeden Fall beim nächsten Mal alleine. Oder wir nehmen Alma mit." Nael verdreht die Augen, als Julius seine Schwester erwähnt. "Nee, du. Ohne Alma." Verwundert wird der ehemalige Staatsanwalt von seinem Cousin gemustert. "Wie ohne Alma? Habt ihr Stress?" - "Frag nicht wie. Die dreht komplett am Rad." Darauf traut sich Julius nichts zu sagen. Er weiß, dass es zwischen den Geschwistern öfters mal kriselt, aber dieser Tonfall hört sich nach einer ordentlichen Krise an. Besser wäre es, wenn sich Julius daraus hält, doch er hat den Drang, Alma in einer ruhigen Minute auszufragen.
"Hey, sie mal da!" Nael zeigt zur Feuerstelle. "Da ist ja auch ein Zelt. Vielleicht ein Camper mit guten Empfehlungen für unseren nächsten Trip?", fragt Julius. Hoffentlich sind keine Frauen dabei, dann krieg ich wieder kein Wort heraus! "Komm, wir gehen mal Hallo sagen." Die beiden Cousins nähern sich der Feuerstelle und erblicken den Vierbeiner. "Na du. Wer bist du denn?", fragt Julius und lächelt den Kleinen an.
Der Pitbull beginnt sofort, die beiden Männer neugierig zu beschnuppern. Aufgeregt und mit wedelndem Schwanz tanzt er um beide herum, inhaliert sie geradezu und gibt hin und wieder fiepsendene Laute von sich. Bis er schließlich von einem Geräusch abgelenkt wird. Das Pfeifen seines Besitzers lässt ihn gehorsam davon laufen.
Nael folgt mit seinem Blick dem Hund und erblickt einen Mann. "Da Julius, komm mit." Sein Cousin folgt Nael, der den Fremden anspricht. "Guten Abend. Ist das ihr Zelt?"
Der Rothaarige steht vorm Lagerfeuer und krault dem Tier das kurze Fell. Als er die Männer kommen sieht, richtet er sich auf und lächelt herzlich. "Hallo." Er dreht den Kopf zum Zelt herum, nur eine Sekunde, dann wieder nach vorn zu den beiden Fremden und nickt.
"Ja, das meine." Sein Gesicht bekommt plötzlich einen unsicheren Ausdruck. "Ist okay?"
Julius nickt daraufhin. "Wir waren erst vor Kurzem zelten und haben zufällig Ihr Feuer gesehen. Campen sie öfters?", fragt er.
Der junge Mann kneift die Augen zusammen und überlegt einen Moment. 'Kurzen' - 'Feuer' - Campen' Er legt den Kopf etwas schief und langsam antwortet er: "Entschuldigung, aber ... ich ... spreche sims ... schlecht." Ein breites Lächeln zieht über sein offenherziges Gesicht. "Was ... sagen Sie?"
Nael springt ein. Sprachbarrieren kennt er von seinem Vater gut genug. "Wir.." Er zeigt auf Julius und sich. "..gezeltet." Nun zeigt er auf das Zelt und hebt einen Daumen hoch. "Toll... Feuer... Toll." Jetzt zeigt er auf das Lagerfeuer und hebt erneut seinen Daumen hoch.
Julius legt eine Hand auf Naels Schulter. "Wie können wir ihn denn jetzt fragen nach Campingorten?" - "Ja, warte.", flüstert Nael und wendet sich wieder dem Fremden zu.
"Ich bin Nael. Das ist Julius." Bei der Vorstellung zeigt er jeweils auf sich und auf seinen Cousin. "Und Du?" Mit seinem rechten Zeigefinger zeigt er auf den Fremden.
Der Camper lacht leise. Er freut sich über die Offenheit der beiden und die einfache Sprache, die der Größere (?) nutzt, belustigt ihn. Er legt eine Hand auf seine Brust: "Ka'Vothee" Doch sofort wird ihm klar, dass dies hierzulande ein exotischer Name sein muss. Er kennt die Blicke und Schwierigkeiten beim Ausprechen seines Namens bereits von anderen Orten.
"Kvothe.", fügt er deshalb hinzu. Anschließend zeigt er auf den Hund, der die ganze Zeit aufmerksam von Person zu Person schaut. "Bast."
"Woher kommst du? Wir kommen aus Brindleton Bay.", fragt nun Julius.
"Ich komme von Imre. Sehr weit." Er macht eine winkende Handbewegung. Auf das Lagerfeuer deutend schaut er die Besucher an. "Bitte, sitzen."
Daraufhin setzen sich die Beiden. Plötzlich knurrt Julius' Magen. Nael sieht mit einer hochgezogenen Augenbraue zu seinem Cousin. "Hast du noch nichts gegessen?" Julius schüttelt den Kopf. "Ich hab doch immer Hunger." Seufzend schaut er zu Boden. Indes schaut Nael zu Ka'Vothee. "Bist du alleine mit Bast hier?" Während er spricht, gestikuliert er mit, damit seine Worte besser verstanden werden.
"Ja,", nickt der Rothaarige. Er entfernt sich einige Meter und kommt mit Hocker und einer kleinen Tasche zurück und setzt sich. Aus der Tasche zieht er einige Früchte, ein Stück Brot und eine Glasflasche. Mit flinken Bewegung zieht er das Brot in drei gleich großen Teilen auseinander, setzt es auf einen gespitzten Stock, der neben dem Lagerfeuer liegt, steckt dann eine der Früchte darauf und hält das Ganze einen kurzen Moment über die Glut. Auf die leicht angewärmte Frucht, streut er eine Prise Kräuter die er aus seiner Tasche zieht. Er begutachtet sein Werk und reicht es Julius auffordernd herüber. "Bast und ich ist immer allein.", sagt er dann noch einmal.
"Danke." Julius nimmt den Stock entgegen und pustet kurz. Dann nimmt er einen Bissen. "Lecker!"
Kvothe lächelt ihm fröhlich entgegen. "Sehr gesund ... Macht ... warme Blut." Er zieht einen zweiten Stock aus dem Feuer und wiederholt das Ganze, um es anschließend Nael zu reichen. "Du hat...", er stockt und überlegt, "hast? habt?"
Nael nimmt den Stock ebenfalls dankend entgegen und nimmt einen Happen. "Hast.", sagt er lächelnd.
"du hast..." wiederholt er leise mit geschlossenen Augen. "Ja. Du hast gesagen, ... sarmësc... ich campen oder so, ich weiß nicht, wie sag man." Kvothe fuchtelt unbeholfen mit den Händen in der Luft herum. Bast gesellt sich schließlich zu ihm und er legt seine rechte auf den Kopf des Tieres.
Nael nickt. "Genau. Das heißt campen." Julius versucht indes Bast anzulocken. Seine Tierliebe kommt zum Vorschein.
"Du campen auch, ja?", fragt Ka'Vothee. Bast gibt seiner Neugierde nach und schleicht zu seinem neuen Freund herüber. Nach einem Stups mit der Nase, beginnt er, Julius' Hand abzulecken.
"Wir waren zusammen campen. Wir sind Cousins, Familie.", antwortet Nael, während Julius' seine Aufmerksamkeit dem Hund schenkt.
"Was bedeutet Cousin?", fragt der Fremde neugierig.
"Er ist der Sohn meiner Tante. Meine Tante ist Schwester von meiner Mama." Die Erklärung fällt Nael schwer, hofft dennoch, dass er es einigermaßen verständlich erklären konnte.
Einige Sekunden überlegt der Rothaarige, als würde er eine komplizierte Rechnung durchgehen. Plötzlich lächelt er breit und nickt.
"Ich verstehe. Danke."
Jenna wandert ziellos durch die Gegend. Der nächste Vollmond ist noch etwas entfernt, was sie etwas entspannt. So schnell wird kein Werwolf die Kontrolle übernehmen. Und jetzt, wo sie die Uni erst mal pausiert hat, hat sie Zeit und... Plötzlich weht ein Geruch in ihre Nase, der sie daran erinnert, wie hungrig sie ist: Es riecht nach Brot und Früchten! In der Ferne kann sie ein Lagerfeuer sehen. Jenna sieht an sich zurück. Sie ist in ihrer Menschengestalt.. sie hat sich unter Kontrolle... Vielleicht sollte sie zu den Campern stoßen. Einfach um etwas Gesellschaft zu haben! Sie kommt näher.
Bast reißt die Nase in die Luft und springt auf. Wild mit dem Schwanz wedelnd entfernt er sich einige Schritte vom Lagerfeuer.
"Estasc?", fragt Kvothe und sieht in die selbe Richtung. Da er nichts erkennt, der Hund aber aufmerksam bleibt, steht er auf und folgt dem Blick. Es wird bereits dunkel und Kvothe hat Mühe, die Schatten zu durchdringen. Gespannt sehen auch Nael und Julius in die Richtung, in die der Hund verschwunden ist.
Hundegebell ist zu hören. Ein Pitbull kommt plötzlich aus dem Gebüsch hervor, schwanzwedelnd und eher freundlich wirkend. Die Werwölfin lächelt. Vor dem Hund braucht sie keine Angst zu haben. Sie krault das Tier und kommt nun näher. Schließlich kann sie die Leute erkennen. "Hallo!", sagt Jenna mit freundlichem Ton. Nach all der Zeit, die sie sich aufgrund ihres Fluchs zurückgezogen hat, ist es wirklich eine Erleichterung, wieder auf Gesellschaft zu stoßen.
Kvothe sieht die junge Frau auf sich zukommen. Irgend etwas an ihr ist nicht richtig. Einen Moment mustert er ihr Gesicht, schaut ihr tief in die Augen und dann erkennt er es: Ihre Energie ist im Ungleichgewicht. Ein Teil von ihr kämpft gegen irgendetwas an. Doch er könnte nicht sagen, was diese Unstimmigkeit in ihr auslöst.
"Hallo.", begrüßt er sie schließlich und schenkt ihr ein warmes Lächeln. Das wird sie brauchen können.
Als Julius merkt, dass sich eine Frau zur Gruppe gesellt, verstummt er. Wieso habe ich heute noch kein Alkohol getrunken? "Guten Abend.", grüßt Nael freundlich und Julius nickt daraufhin mit dem Kopf und lächelt verlegen.
Jenna nickt den Männern zu. "Darf ich mich dazu gesellen?", fragt sie höflich.
Der Rothaarige deutet auf den Hocker. Zu gern würde er seinen Gästen Getränke anbieten, aber viel hat er nicht auf Lager. Und schon gar keine 4 Gläser. Doch dann fällt ihm ein, dass er noch einige Tinkturflaschen im Gepäck haben müsste. Er entschuldigt sich mit einer Geste und verschwindet im Zelt. Kurz darauf kehrt er zurück, verteilt die kleinen Flaschen und schenkt jedem etwas Rotwein ein.
"Ich bin Kvothe.", stellt er sich dem Neuzugang vor, weist dann auf die beiden Herren und sagt:
"Nael, Julius, Bast." Als letztes deutet er auf den Pitbull.
"Jenna!", stellt sie sich kurz vor. Sie setzt sich auf den Boden ans Feuer. "Bin in letzter Zeit viel durch die Wildnis gewandert und nun froh, auch mal wieder freundlichen Gesichtern zu begegnen." Sie nimmt einen Schluck. Das tut wirklich gut.
Fragend schaut der Gastgeber zu den beiden Männern und wieder zu Jenna. "Kannst du ... noch mal sagen ... langsam, bitte?"
Offensichtlich hat dieser Mann Probleme mit der Sprache. Er kommt wohl nicht von hier. Sie nimmt ihre Hände zur Hilfe: "Ich wanderte..." mit ihren Fingern tapst sie auf dem Baumstamm herum, um wandern zu symbolisieren... "viel herum und bin froh..." hier lächelt sie, "auf nette Menschen zu treffen." Sie weist mit den Armen auf die Gruppe. Ob das reicht, um sich verständlich zu machen, kann sie jedoch nicht sagen.
"Oh ja, ich verstehe." Er lächelt breit und nickt. "Ich auch wanderen viel. Und Bast. Er muss." Ein leises Lachen gluckst aus seiner Kehle heraus. "Und auch immer nette Leute." Er prostet der Runde zu und lässt seinen Blick von Gesicht zu Gesicht wandern.
"Wir machen Feier für Freunde." Er springt auf und läuft zum Zelt. Als er heraus kommt, hält er eine Violine in der Hand. Vor dem Lagerfeuer setzt er sich auf die Knie, schließt die Augen und beginnt zu spielen. Ein langsames, tragendes Stück. Erst mit den vergehenden Strophen, nimmt die Melodie am Tempo zu und wird fröhlicher und fordernder.
Jenna lächelt. Der Junge spielt wirklich gut. Sie lauscht und hat für diesen Moment ihre Sorgen vergessen... Ihre Angst, jemanden versehentlich zu verletzen.. Ihre Einsamkeit, seit sie es daher bevorzugt, sich von Menschen fernzuhalten... In diesem Moment kann sie nicht anders als einfach zu lauschen.
Die letzten Töne verhallen in der Dunkelheit der Nacht. Kvothe legt die Violine auf seinem Schoß ab - sie ins Gras zu legen wäre unverzeihlich.
"Das klang wunderbar!", lobt Jenna.
Er bedankt sich und schenkt der Runde Wein nach, möchte dann eine lockere Plauderei beginnen, doch das fehlende Vokabular macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Nachdem er einige Versuche abgebrochen hat, lacht er verlegen und deutet den Gästen, sich etwas zu unterhalten.
Hin und wieder wirft er eine Frage ein, um der Konverstation folgen zu können. Er genießt diese kleine spontane Zusammenkunft und saugt gierig die Worte in sich auf, um zu lernen.
Gestärkt durch Brut und Wein fühlt sich Jenna wohl. Sie bringt sich in die Gespräche ein, auch wenn sich diese hauptsächlich um Smalltalk drehen.
Die ganze Zeit über, betrachtet Kvothe die junge Frau immer wieder aus dem Augenwinkel. Er versucht, in sie hinein zu schauen, sie zu studieren und den Grund für das zu finden, das sie so sehr aus ihrer Mitte geworfen hat. Doch ihre geistige Schutzbarriere ist stark. Nur selten kann er eine kleine Welle wahrnehmen - einen Ausschlag ihrer Verwirrung.
Jenna mustert Kvothe. Nicht nur, dass er ein guter Musiker ist, irgendetwas ist an ihm, das sie nicht richtig einordnen kann. Und auch er scheint zu spüren, dass sie anders ist, zumindest mustert er sie genauso intensiv wie sie ihn. Das gefällt ihr nicht. Vielleicht sollte sie besser gehen.
Jenna steht auf und geht ein paar Schritte. "Na dann danke für Speis und Trank.", sagt sie freundlich.
Der Gastgeber schaut ihr nachdenklich hinterher. Will sie die Runde schon verlassen? Fühlt sie sich unwohl - bedrängt er sie womöglich mit seinen Blicken? Er entscheidet, ihr den Raum zu gewähren, den sie braucht. Sie soll sich sicher in seiner Nähe fühlen können.
Doch auch Bast scheint ihr zugetan. Neugierig verfolgt er ihre Schritte, hält aber etwas Abstand zu ihr.
Jenna bleibt stehen. "Na Bast? Auch auf Wanderlust?", fragt sie das Tier lächelnd. Kvothe scheint ihr Raum geben zu wollen, und so entschließt sie sich dazu, doch noch etwas zu bleiben. Hauptsache, er ahnt nicht, was sie wirklich ist...
Einen Moment folgt er dem Gespräch der anderen beiden Gäste, dann entschuldigt er sich und steht auf. Freundlich lächelnd geht er auf Jenna zu, die noch immer mit dem Pitbull beschäftigt ist.
"Alles okay?", fragt der junge Mann, als ihre Blicke sich treffen.
"Irgendetwas an dir macht mich nervös.", sagt Jenna ehrlich. "Versteh mich nciht falsch. Ich glaube nicht, dass du eine Bedrohung für mich bist, aber ... das Gefühl bleibt." Sie kann ihm nicht sagen, dass sie auch Angst hat, dass er den Werwolf in ihr erkennt. Denn dann würde ihm ja bestätigt, dass auch sie anders ist.
Konzentriert lauscht er ihren Worten. "Was bedeutet 'Bedrohung'?" , fragt er.
"Ähm..." Jenna kratzt sich nervös am Kinn. "Gefahr..." Sie hebt ihre Hände bedrohlich. "Aber ich denke nicht, dass du eine Gefahr bist.", fügt sie dann noch hinzu und schüttelt leicht den Kopf.
Der Rrothaarige nickt langsam. "Nein, nicht Gefahr." Er sucht nach den richtigen Worten. Wie kann er ihr vermitteln, was er von ihr wahrnimmt? "Ich weiß,", beginnt er leise, um sicher zu gehen, dass die anderen ihn nicht hören, "du hast Angst. Und du hast ...", er grübelt fieberhaft ... Dieses Wort kennt er nicht. Er schüttelt den Kopf und zeichnet mit seinen Händen in der Luft eine große Kugel. "Das ist Energie. Alle hat das.", versucht er zu erklären. "Normal ist so ..." Er betont die glatte und runde Form des gezeichneten Objektes.
"Aber du hast so..." Seine Finger zeichnen erneut eine Kugel in die Luft, zittern allerdings dabei in alle Richtungen.
"Versteh du?", fragt er dann. "Dein Energie ist ... Ich weiß nicht, wie sag man ... Kaputt?"
Jenna versteht. Sie nickt. Offenbar nimmt er ihre Aura als Energie wahr. Bei ihr selber ist es eher der Geruch, den sie wahrnimmt. Und Kvothe riecht anders als normale Sims... was aber auch kein Wunder ist, wenn er wirklich die Auren spüren kann. "Was bist du?", fragt sie vorsichtig. Ob er ihr vielleicht sogar helfen könnte?
"Ich bin Edemaru.", antwortet er selbstverständlich, als wüsste jeder, was das bedeutet.
Dieses Wort hört Jenna zum ersten Mal. "Ein was?", fragt sie, "Was ist Edemaru?"
"Das ist wie ... Hexe? Ja, Hexe. Ein bisschen." Vorerst belässt Kvothe es bei dieser Erklärung. Mit seinen Sprachkenntnissen wird es zu kompliziert, die Feinheiten und Eigenarten der arkanistischen Energielehre zu erläutern. Denn im Grunde, ist das die richtige Umschreibung seiner Art. Er ist ein Arkanist. Was viele Außenstehende für Zauberei halten, ist in Wahrheit nichts weiter als das Verstehen und Beeinflussen der irdischen Energie. Vor Generationen beherrschten viele Edemaru diese Kunst. Doch dieses besondere Volk verlor in den letzten Jahren nicht nur an Ansehen, sondern auch an Mitgliedern. Manche kehrten ihrer Herkunft den Rücken, weil diese Art zu leben immer härter und herausfordernder wurde. Andere ertrugen die missbilligenden Blicke der Fremden nicht mehr. Über die Jahre schrumpfte das wandernde Volk der Edemaru auf eine kleine, zweistellige Anzahl. Und heute ist Ka'Vothee Hjoszea der Letzte von ihnen - so vermutet er zumindest.
Jenna ist sich nicht ganz sicher, ob sie richtig verstanden hat. Hexe? ... Hat er magische Fähigkeiten?
Julius hat sich während der Ankunft von Jenna zurückgehalten und aus Schüchternheit nichts mehr von sich gegeben. Lediglich genickt oder den Kopf geschüttelt. Als nun Kvothe und Jenna abseits stehen, wendet er sich an Nael. "Puh, ich krieg schon wieder kein Wort heraus. Wenn sie jetzt geht, kann ich freier sein. Aber sollte sie doch zurück kommen, können wir dann lieber gehen?" Sein Cousin verdreht daraufhin die Augen. "Ach, Julius. Lass uns doch erstmal abwarten. Du immer mit deinem Fluchtreflex."
Jenna wirft einen Blick zu den anderen Männern und fragt sich, wieviel die von ihrer Unterhaltung mit Kvothe mitbekommen haben.
"Warum du hast Angst?", fragt ihr Gegenüber.
Jenna braucht eine Weile, bis sie antwortet: "Ich weiß nicht... Vielleicht weil ich nicht will, dass du herausfinden musst, was mit mir nicht stimmt?"
Einen Augenblick mustert er sie. Noch immer begreift er nicht, was er an ihr spürt. Es ist nicht wie bei anderen, wenn sie seelisch oder geistig verwirrt sind. Es ist keine Verschiebung im Klassischen Sinne. Eher eine Art... Überlagerung. "Du weißt, was ... stimmt nicht?", fragt er leise und mit ruhigem Ton.
"Ich weiß, was ich bin.", sagt Jenna. Es hat ohnehin keinen Sinn, das zu leugnen, nachdem Kvothe eh schon von Energien geredet hat und es bemerkt hat. Aber sie würde ihn erst besser kennen lernen müssen... nicht dass es so abläuft wie in Glimmerbrook, als der Magier, den sie um Hilfe beten wollte, einfach fortging.
"Du willst nicht sagen?", fragt er vorsichtig. Er möchte sie nicht unter Druck setzen, ihr aber zu verstehen geben, dass er ihr gern hilft - sollte es in seiner Macht liegen. Jenna nickt schweigend.
Er nickt warm lächelnd und hebt zaghaft beide Hände legt sie wenige Zentimeter über ihrem Kopf zusammen."Ich darf?", fragt er.
Skeptisch wirft Jenna einen Blick auf Kvothe. "Was tust du?"
"Ich will helfen.", antwortet er mit fragendem Blick. "Ich gebe Energie für dich. Wenn du sag ja."
Der Typ ist irgendwie ... weird.Jenna weiß noch immer nicht, ob sie ihm trauen kann. Sie duckt sich, um den Händen auszuweichen und lässt ihren Gegenüber nicht aus den Augen.
Er nimmt die Hände zurück und schaut freundlich, aber auch leicht enttäuscht. Ein Teil von ihm versteht sie. Er ist für sie ein völlig Fremder mit unbekannten Riten und Gebräuchen und Fähigkeiten. Es wäre ihm eine Freude gewesen, ihr zu helfen. Aber er kann und will niemanden zu dessen Glück zwingen. So nickt er ihr zu und lädt sie auf ein weiteres Glas Wein ein.
Jenna bleibt skeptisch, doch sie nimmt das Angebot an. Sie setzt sich neben die anderen Männer als Feuer zurück.
Kvothe nickt und schenkt eine letzte Runde Wein aus. Akzentreich fragt er die Männer nach einer Campinggeschichte und schaut erwartungsvoll von einem zum anderen.
Da Julius den Wein wie ein Verrückter herunter würgt, beginnt Nael von seinem Campingtrip mit seinen Eltern zu berichten. Unter anderem erzählt er, wie Hannah und er, als José bereits im Zelt lag, Tiergeräusche machten und mit Stöcken und Ästen raschelten. Irgendwann sprang Josè aus dem Zelt, knapp bekleidet und schrie in den Wald: "Eine Bär! Retten sich wer kann!" Während der Erzählung muss Nael grinsen. Vielleicht ist es auch etwas gemein gewesen, seinen Vater so zu veräppeln, doch am Ende musste auch er herzhaft über sich selbst lachen.
Der Gastgeber applaudiert lachend. Geschichten dieser Art sind es, von der eine spontane Runde am Feuer lebt. Es erinnert ihn an alte Zeiten, als er mit seiner Truppe durch die Länder zog und abends alle zusammen am großen Feuer saßen, ihre Geschichten erzählten, zusammen aßen und tranken und musizierten, bis sich die Runde langsam zum Schlafen auflöste. Ein warmes Gefühl breitet sich in dem jungen Mann aus, als er daran denkt und ein seliges, dankbares Lächeln liegt auf seinem Gesicht.
"Oder als du die schwarz angemalte Windel mit deiner Unterhose verwechselt hast!", lachend und sichtlich angeheitert kippt Julius zur Seite und landet auf dem Boden. Nael schaut erst etwas beschämt, schließlich lag die Windel mitten in seinem Koffer und es war dunkel. Doch beim Anblick von Julius kann er nur lachen.
Kvothe weiß nicht, was eine Windel sein könnte, aber allein der Anblick des lachenden Gastes erfreut ihn so sehr, dass er einfach mitlachen muss. Endlich ist der Schüchterne aufgetaut. Es empfiehlt sich immer etwas Wein im Gepäck zu tragen.
Selbst Jenna entspannt sich wieder bei den witzigen Geschichten. Auch wenn sie keine Ahnung hat, wie man eine Windel mit einer Unterhose verwechseln kann, selbst wenn es dunkel ist. Doch sie spricht das nicht laut aus und erzählt stattdessen eine eigene Geschichte: "Das war damals, als ich noch Teenagerin war und zur Schule ging. Unser Mathelehrer, das war so ein langweiliger, strenger Typ, erlebte die Überraschung seines Lebens, als ich und mein Freund einen lebendigen Frosch in seine Tasche geschmuggelt habe. Er hat den Lehrer abgelenkt, und ich habe den Frosch währenddessen platziert. Glaubt mir, der Rest des Matheunterrichts fiel anders aus, als Herr Meier geplant hatte!"
Nael grinst. "Das hört sich lustig an. Hat der Lehrer herausbekommen, woher der Frosch kam?" Unterdessen hat Julius bei 'mein Freund' gestockt. Schade, sie scheint vergeben zu sein.
"Er hat mich offenbar nicht gesehen, sonst hätte er 1 + 1 zusammengezählt. Aber er hatte keine Ahnung.", sagt Jenna schmunzelnd.
"Hach. Eins und Eins. Liebe muss schön sein.", jammert Julius nun vor sich hin und schaut bedrückt ins Feuer. Nael hingegen runzelt die Stirn. "Was?" - "Ich bin so allein. Keine Liebe. Keine Frau an meiner Seite.."
Verwundert über den Themenwechsel blickt Jenna Julius an. Denkt er etwa, sie redet von einer romantischen Freundschaft? Eigentlich war Adam nur ein Kumpel zu Schulzeiten, den sie mittlerweile auch längst aus den Augen verloren hat. .. Sie verdreht die Augen: "Was hat Liebe damit zu tun? Er war einfach nur ein Kumpel."
Sofort erhellt sich Julius' Blick. "Wirklich?!"
In diesem Moment bereut Jenna, den Satz ausgesprochen zu haben. Sie ahnt schon, wo das endet. "Warum sollte ich in dem Punkt lügen?", sagt sie sarkastisch.
"Also, bist du frei?" Während Julius immer freudiger wird, schlägt Naels Laune eher ins negative. Darauf hat er gerade wirklich keine Lust.
Jenna seufzt. "Nein, ich bin vergeben. Das war damals zwar nur ein Kumpel, aber ich bin mit einer anderen Person zusammen." Das ist eine Lüge, aber sie hat keine Lust, angeflirtet zu werden.
Jetzt fällt Julius wieder in Traurigkeit. Er hat einfach kein Glück. Im Gegensatz zu seinem Cousin ist Nael erleichtert, denn er kann sich etwas anderes vorstellen, als sich gemütlich am Feuer fremd zu schämen.
"Du sucht ein Frau?", fragt Kvothe den Schüchternen. Er hat nicht alles verstanden, aber er ist ein guter Beobachter und kann sich seinen Teil denken.
Nun sieht Julius zu ihm auf. "Ja, und wie!"
Jenna verdreht die Augen, hört dem Gespräch zwischen Kvothe und Julius aber zu.
Der Wanderer nickt verstehend. "Vielleicht ich kann helfen.", sage er und sucht nach den passenden Worten, bemerkt dann aber, dass sein Vokabular einfach noch nicht ausreicht. "Du und ich. Allein. Andere Tag." Er beginnt über seine eigene Unfähigkeit zu lachen und lächelt entschuldigend. "Ich lerne.", nickt er dann.
Julius denkt indes nach. "Helfen? Wie?" Mit großen Augen sieht er den Camper an.
Kvothe weiß, dass es bei zwischenmenschlichen Interaktionen nur um das Selbstvertrauen geht. Jemand, der sich mit sich selbst wohl fühlt, verspürt keine Schüchternheit. Es bräuchte vermutlich nur wenige Sitzungen, bis Julius' inneres Ungleichgewicht behoben wäre. Auf Dauer würde dieser Effekt zwar nicht anhalten, aber es wäre immerhin ein Anfang.
"Ich weiß nicht, wie sag man.", kratzt er sich am Kopf. "Ich gebe ..." Er seufzt und schenkt seinem Gegenüber schulterzuckend ein verzweifeltes Lächeln.
Er gibt? Nael weiß nicht genau, was Kvothe meinen könnte, doch Julius scheint alles zu verstehen. "Du gibst mir eine Frau?" Ungläubig sieht Nael seinen Cousin an. Er kann sich nicht im geringsten vorstellen, dass er wirklich das gemeint habe.
Jenna kann sich das Grinsen nicht verkneifen. Mit Julius' Antwort hat sie nun wirklich nicht gerechnet.
Der Gastgeber selbst schaut Julius mit großen Augen an - das Feuer leuchtet darin und gibt dem Smaragdgrün eine unwirkliche Farbe.
"Ich habe nicht Frau." Glaubt der Typ etwa, Kvothe könnte eine aus der Kräutertasche ziehen? Er schmunzelt klangvoll bei diesem Gedanken. Damit wäre er wohl ein richtiger Magier, aber von solchen Tricks hat er nie gehört. Obwohl es hin und wieder sicherlich ganz schön wäre.
Wieder sinkt Julius' Laune. Falsche Hoffnungen hat er heute genug gehabt. Traurig sieht er zu Boden und schweigt.
Währenddessen wendet sich Jenna an Nael. Sie hat schon verstanden, dass die beiden verwandt sind. "Ist Julius immer so komisch in Gesellschaft von Frauen?" Sie spricht so leise, dass nur Nael das hört.
Räuspernd nickt der Angesprochene. "Und wie.. Er ist sehr unsicher in Gegenwart von Frauen."
"Ja... das kann man wohl so sagen.", kommentiert Jenna amüsiert.
Die Gruppe plaudert noch eine Weile. Sie quatschen über dieses und jenes. Jenna verabschiedet sich zuerst. Kurz darauf machen sich auch Nael und Julius auf den Rückweg. Nur Kvothe und Bast bleiben zurück.
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon , @Spatz )
Charakter: Ka'Vothee, Jenna, Julius, Nael
Geschichtsstrang: Der Vagabund
Tagelang ist er gewandert - sein vierbeiniger Freund treu an seiner Seite. Er hat kein festes Ziel - außer dem ständigen Drang in Bewegung zu bleiben. So zieht er in aller Ruhe von Land zu Land, von Dorf zu Dorf und erreicht am Nachmittag eine Ortschaft namens 'Brindelton Bay'. Der junge Mann beschließt, hier eine Rast zu machen. Ein Blick in den Himmel verrät ihm, dass es schon bald regnen wird. Also ist es Zeit, einen geeigneten Platz zu finden.
Einige Meter fernab der Straße führt ein kleiner Hügel hinauf. Oben angekommen, entdeckt er eine Lichtung mit einem bezaubernden See. Das ist perfekt. Niemand wird von ihnen gestört und er kann unbehelligt sein Zelt aufschlagen.
Dank der jahrelangen Erfahrung, dauert es nicht lang, bis nicht nur der Unterschlupf steht, sondern auch ein angenehmes Feuer entfacht ist. Während Bast gewissenhaft die umliegenden Meter untersucht, setzt sein Besitzer sich ans Feuer, um sich zu wärmen.
Er ist es gewohnt, draußen zu sein. Die Kälte macht ihm nichts aus. Dennoch tut es Körper, Geist und Seele gut, die Wärme der Flammen zu spüren, das Knistern des Holzes zu hören und den Duft aufzunehmen.
Nach dem Campingtrip haben Nael und Julius heute einen Spaziergang geplant, um Pläne für den nächsten Trip zu machen. "Dann fahren wir auf jeden Fall beim nächsten Mal alleine. Oder wir nehmen Alma mit." Nael verdreht die Augen, als Julius seine Schwester erwähnt. "Nee, du. Ohne Alma." Verwundert wird der ehemalige Staatsanwalt von seinem Cousin gemustert. "Wie ohne Alma? Habt ihr Stress?" - "Frag nicht wie. Die dreht komplett am Rad." Darauf traut sich Julius nichts zu sagen. Er weiß, dass es zwischen den Geschwistern öfters mal kriselt, aber dieser Tonfall hört sich nach einer ordentlichen Krise an. Besser wäre es, wenn sich Julius daraus hält, doch er hat den Drang, Alma in einer ruhigen Minute auszufragen.
"Hey, sie mal da!" Nael zeigt zur Feuerstelle. "Da ist ja auch ein Zelt. Vielleicht ein Camper mit guten Empfehlungen für unseren nächsten Trip?", fragt Julius. Hoffentlich sind keine Frauen dabei, dann krieg ich wieder kein Wort heraus! "Komm, wir gehen mal Hallo sagen." Die beiden Cousins nähern sich der Feuerstelle und erblicken den Vierbeiner. "Na du. Wer bist du denn?", fragt Julius und lächelt den Kleinen an.
Der Pitbull beginnt sofort, die beiden Männer neugierig zu beschnuppern. Aufgeregt und mit wedelndem Schwanz tanzt er um beide herum, inhaliert sie geradezu und gibt hin und wieder fiepsendene Laute von sich. Bis er schließlich von einem Geräusch abgelenkt wird. Das Pfeifen seines Besitzers lässt ihn gehorsam davon laufen.
Nael folgt mit seinem Blick dem Hund und erblickt einen Mann. "Da Julius, komm mit." Sein Cousin folgt Nael, der den Fremden anspricht. "Guten Abend. Ist das ihr Zelt?"
Der Rothaarige steht vorm Lagerfeuer und krault dem Tier das kurze Fell. Als er die Männer kommen sieht, richtet er sich auf und lächelt herzlich. "Hallo." Er dreht den Kopf zum Zelt herum, nur eine Sekunde, dann wieder nach vorn zu den beiden Fremden und nickt.
"Ja, das meine." Sein Gesicht bekommt plötzlich einen unsicheren Ausdruck. "Ist okay?"
Julius nickt daraufhin. "Wir waren erst vor Kurzem zelten und haben zufällig Ihr Feuer gesehen. Campen sie öfters?", fragt er.
Der junge Mann kneift die Augen zusammen und überlegt einen Moment. 'Kurzen' - 'Feuer' - Campen' Er legt den Kopf etwas schief und langsam antwortet er: "Entschuldigung, aber ... ich ... spreche sims ... schlecht." Ein breites Lächeln zieht über sein offenherziges Gesicht. "Was ... sagen Sie?"
Nael springt ein. Sprachbarrieren kennt er von seinem Vater gut genug. "Wir.." Er zeigt auf Julius und sich. "..gezeltet." Nun zeigt er auf das Zelt und hebt einen Daumen hoch. "Toll... Feuer... Toll." Jetzt zeigt er auf das Lagerfeuer und hebt erneut seinen Daumen hoch.
Julius legt eine Hand auf Naels Schulter. "Wie können wir ihn denn jetzt fragen nach Campingorten?" - "Ja, warte.", flüstert Nael und wendet sich wieder dem Fremden zu.
"Ich bin Nael. Das ist Julius." Bei der Vorstellung zeigt er jeweils auf sich und auf seinen Cousin. "Und Du?" Mit seinem rechten Zeigefinger zeigt er auf den Fremden.
Der Camper lacht leise. Er freut sich über die Offenheit der beiden und die einfache Sprache, die der Größere (?) nutzt, belustigt ihn. Er legt eine Hand auf seine Brust: "Ka'Vothee" Doch sofort wird ihm klar, dass dies hierzulande ein exotischer Name sein muss. Er kennt die Blicke und Schwierigkeiten beim Ausprechen seines Namens bereits von anderen Orten.
"Kvothe.", fügt er deshalb hinzu. Anschließend zeigt er auf den Hund, der die ganze Zeit aufmerksam von Person zu Person schaut. "Bast."
"Woher kommst du? Wir kommen aus Brindleton Bay.", fragt nun Julius.
"Ich komme von Imre. Sehr weit." Er macht eine winkende Handbewegung. Auf das Lagerfeuer deutend schaut er die Besucher an. "Bitte, sitzen."
Daraufhin setzen sich die Beiden. Plötzlich knurrt Julius' Magen. Nael sieht mit einer hochgezogenen Augenbraue zu seinem Cousin. "Hast du noch nichts gegessen?" Julius schüttelt den Kopf. "Ich hab doch immer Hunger." Seufzend schaut er zu Boden. Indes schaut Nael zu Ka'Vothee. "Bist du alleine mit Bast hier?" Während er spricht, gestikuliert er mit, damit seine Worte besser verstanden werden.
"Ja,", nickt der Rothaarige. Er entfernt sich einige Meter und kommt mit Hocker und einer kleinen Tasche zurück und setzt sich. Aus der Tasche zieht er einige Früchte, ein Stück Brot und eine Glasflasche. Mit flinken Bewegung zieht er das Brot in drei gleich großen Teilen auseinander, setzt es auf einen gespitzten Stock, der neben dem Lagerfeuer liegt, steckt dann eine der Früchte darauf und hält das Ganze einen kurzen Moment über die Glut. Auf die leicht angewärmte Frucht, streut er eine Prise Kräuter die er aus seiner Tasche zieht. Er begutachtet sein Werk und reicht es Julius auffordernd herüber. "Bast und ich ist immer allein.", sagt er dann noch einmal.
"Danke." Julius nimmt den Stock entgegen und pustet kurz. Dann nimmt er einen Bissen. "Lecker!"
Kvothe lächelt ihm fröhlich entgegen. "Sehr gesund ... Macht ... warme Blut." Er zieht einen zweiten Stock aus dem Feuer und wiederholt das Ganze, um es anschließend Nael zu reichen. "Du hat...", er stockt und überlegt, "hast? habt?"
Nael nimmt den Stock ebenfalls dankend entgegen und nimmt einen Happen. "Hast.", sagt er lächelnd.
"du hast..." wiederholt er leise mit geschlossenen Augen. "Ja. Du hast gesagen, ... sarmësc... ich campen oder so, ich weiß nicht, wie sag man." Kvothe fuchtelt unbeholfen mit den Händen in der Luft herum. Bast gesellt sich schließlich zu ihm und er legt seine rechte auf den Kopf des Tieres.
Nael nickt. "Genau. Das heißt campen." Julius versucht indes Bast anzulocken. Seine Tierliebe kommt zum Vorschein.
"Du campen auch, ja?", fragt Ka'Vothee. Bast gibt seiner Neugierde nach und schleicht zu seinem neuen Freund herüber. Nach einem Stups mit der Nase, beginnt er, Julius' Hand abzulecken.
"Wir waren zusammen campen. Wir sind Cousins, Familie.", antwortet Nael, während Julius' seine Aufmerksamkeit dem Hund schenkt.
"Was bedeutet Cousin?", fragt der Fremde neugierig.
"Er ist der Sohn meiner Tante. Meine Tante ist Schwester von meiner Mama." Die Erklärung fällt Nael schwer, hofft dennoch, dass er es einigermaßen verständlich erklären konnte.
Einige Sekunden überlegt der Rothaarige, als würde er eine komplizierte Rechnung durchgehen. Plötzlich lächelt er breit und nickt.
"Ich verstehe. Danke."
Jenna wandert ziellos durch die Gegend. Der nächste Vollmond ist noch etwas entfernt, was sie etwas entspannt. So schnell wird kein Werwolf die Kontrolle übernehmen. Und jetzt, wo sie die Uni erst mal pausiert hat, hat sie Zeit und... Plötzlich weht ein Geruch in ihre Nase, der sie daran erinnert, wie hungrig sie ist: Es riecht nach Brot und Früchten! In der Ferne kann sie ein Lagerfeuer sehen. Jenna sieht an sich zurück. Sie ist in ihrer Menschengestalt.. sie hat sich unter Kontrolle... Vielleicht sollte sie zu den Campern stoßen. Einfach um etwas Gesellschaft zu haben! Sie kommt näher.
Bast reißt die Nase in die Luft und springt auf. Wild mit dem Schwanz wedelnd entfernt er sich einige Schritte vom Lagerfeuer.
"Estasc?", fragt Kvothe und sieht in die selbe Richtung. Da er nichts erkennt, der Hund aber aufmerksam bleibt, steht er auf und folgt dem Blick. Es wird bereits dunkel und Kvothe hat Mühe, die Schatten zu durchdringen. Gespannt sehen auch Nael und Julius in die Richtung, in die der Hund verschwunden ist.
Hundegebell ist zu hören. Ein Pitbull kommt plötzlich aus dem Gebüsch hervor, schwanzwedelnd und eher freundlich wirkend. Die Werwölfin lächelt. Vor dem Hund braucht sie keine Angst zu haben. Sie krault das Tier und kommt nun näher. Schließlich kann sie die Leute erkennen. "Hallo!", sagt Jenna mit freundlichem Ton. Nach all der Zeit, die sie sich aufgrund ihres Fluchs zurückgezogen hat, ist es wirklich eine Erleichterung, wieder auf Gesellschaft zu stoßen.
Kvothe sieht die junge Frau auf sich zukommen. Irgend etwas an ihr ist nicht richtig. Einen Moment mustert er ihr Gesicht, schaut ihr tief in die Augen und dann erkennt er es: Ihre Energie ist im Ungleichgewicht. Ein Teil von ihr kämpft gegen irgendetwas an. Doch er könnte nicht sagen, was diese Unstimmigkeit in ihr auslöst.
"Hallo.", begrüßt er sie schließlich und schenkt ihr ein warmes Lächeln. Das wird sie brauchen können.
Als Julius merkt, dass sich eine Frau zur Gruppe gesellt, verstummt er. Wieso habe ich heute noch kein Alkohol getrunken? "Guten Abend.", grüßt Nael freundlich und Julius nickt daraufhin mit dem Kopf und lächelt verlegen.
Jenna nickt den Männern zu. "Darf ich mich dazu gesellen?", fragt sie höflich.
Der Rothaarige deutet auf den Hocker. Zu gern würde er seinen Gästen Getränke anbieten, aber viel hat er nicht auf Lager. Und schon gar keine 4 Gläser. Doch dann fällt ihm ein, dass er noch einige Tinkturflaschen im Gepäck haben müsste. Er entschuldigt sich mit einer Geste und verschwindet im Zelt. Kurz darauf kehrt er zurück, verteilt die kleinen Flaschen und schenkt jedem etwas Rotwein ein.
"Ich bin Kvothe.", stellt er sich dem Neuzugang vor, weist dann auf die beiden Herren und sagt:
"Nael, Julius, Bast." Als letztes deutet er auf den Pitbull.
"Jenna!", stellt sie sich kurz vor. Sie setzt sich auf den Boden ans Feuer. "Bin in letzter Zeit viel durch die Wildnis gewandert und nun froh, auch mal wieder freundlichen Gesichtern zu begegnen." Sie nimmt einen Schluck. Das tut wirklich gut.
Fragend schaut der Gastgeber zu den beiden Männern und wieder zu Jenna. "Kannst du ... noch mal sagen ... langsam, bitte?"
Offensichtlich hat dieser Mann Probleme mit der Sprache. Er kommt wohl nicht von hier. Sie nimmt ihre Hände zur Hilfe: "Ich wanderte..." mit ihren Fingern tapst sie auf dem Baumstamm herum, um wandern zu symbolisieren... "viel herum und bin froh..." hier lächelt sie, "auf nette Menschen zu treffen." Sie weist mit den Armen auf die Gruppe. Ob das reicht, um sich verständlich zu machen, kann sie jedoch nicht sagen.
"Oh ja, ich verstehe." Er lächelt breit und nickt. "Ich auch wanderen viel. Und Bast. Er muss." Ein leises Lachen gluckst aus seiner Kehle heraus. "Und auch immer nette Leute." Er prostet der Runde zu und lässt seinen Blick von Gesicht zu Gesicht wandern.
"Wir machen Feier für Freunde." Er springt auf und läuft zum Zelt. Als er heraus kommt, hält er eine Violine in der Hand. Vor dem Lagerfeuer setzt er sich auf die Knie, schließt die Augen und beginnt zu spielen. Ein langsames, tragendes Stück. Erst mit den vergehenden Strophen, nimmt die Melodie am Tempo zu und wird fröhlicher und fordernder.
Jenna lächelt. Der Junge spielt wirklich gut. Sie lauscht und hat für diesen Moment ihre Sorgen vergessen... Ihre Angst, jemanden versehentlich zu verletzen.. Ihre Einsamkeit, seit sie es daher bevorzugt, sich von Menschen fernzuhalten... In diesem Moment kann sie nicht anders als einfach zu lauschen.
Die letzten Töne verhallen in der Dunkelheit der Nacht. Kvothe legt die Violine auf seinem Schoß ab - sie ins Gras zu legen wäre unverzeihlich.
"Das klang wunderbar!", lobt Jenna.
Er bedankt sich und schenkt der Runde Wein nach, möchte dann eine lockere Plauderei beginnen, doch das fehlende Vokabular macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Nachdem er einige Versuche abgebrochen hat, lacht er verlegen und deutet den Gästen, sich etwas zu unterhalten.
Hin und wieder wirft er eine Frage ein, um der Konverstation folgen zu können. Er genießt diese kleine spontane Zusammenkunft und saugt gierig die Worte in sich auf, um zu lernen.
Gestärkt durch Brut und Wein fühlt sich Jenna wohl. Sie bringt sich in die Gespräche ein, auch wenn sich diese hauptsächlich um Smalltalk drehen.
Die ganze Zeit über, betrachtet Kvothe die junge Frau immer wieder aus dem Augenwinkel. Er versucht, in sie hinein zu schauen, sie zu studieren und den Grund für das zu finden, das sie so sehr aus ihrer Mitte geworfen hat. Doch ihre geistige Schutzbarriere ist stark. Nur selten kann er eine kleine Welle wahrnehmen - einen Ausschlag ihrer Verwirrung.
Jenna mustert Kvothe. Nicht nur, dass er ein guter Musiker ist, irgendetwas ist an ihm, das sie nicht richtig einordnen kann. Und auch er scheint zu spüren, dass sie anders ist, zumindest mustert er sie genauso intensiv wie sie ihn. Das gefällt ihr nicht. Vielleicht sollte sie besser gehen.
Jenna steht auf und geht ein paar Schritte. "Na dann danke für Speis und Trank.", sagt sie freundlich.
Der Gastgeber schaut ihr nachdenklich hinterher. Will sie die Runde schon verlassen? Fühlt sie sich unwohl - bedrängt er sie womöglich mit seinen Blicken? Er entscheidet, ihr den Raum zu gewähren, den sie braucht. Sie soll sich sicher in seiner Nähe fühlen können.
Doch auch Bast scheint ihr zugetan. Neugierig verfolgt er ihre Schritte, hält aber etwas Abstand zu ihr.
Jenna bleibt stehen. "Na Bast? Auch auf Wanderlust?", fragt sie das Tier lächelnd. Kvothe scheint ihr Raum geben zu wollen, und so entschließt sie sich dazu, doch noch etwas zu bleiben. Hauptsache, er ahnt nicht, was sie wirklich ist...
Einen Moment folgt er dem Gespräch der anderen beiden Gäste, dann entschuldigt er sich und steht auf. Freundlich lächelnd geht er auf Jenna zu, die noch immer mit dem Pitbull beschäftigt ist.
"Alles okay?", fragt der junge Mann, als ihre Blicke sich treffen.
"Irgendetwas an dir macht mich nervös.", sagt Jenna ehrlich. "Versteh mich nciht falsch. Ich glaube nicht, dass du eine Bedrohung für mich bist, aber ... das Gefühl bleibt." Sie kann ihm nicht sagen, dass sie auch Angst hat, dass er den Werwolf in ihr erkennt. Denn dann würde ihm ja bestätigt, dass auch sie anders ist.
Konzentriert lauscht er ihren Worten. "Was bedeutet 'Bedrohung'?" , fragt er.
"Ähm..." Jenna kratzt sich nervös am Kinn. "Gefahr..." Sie hebt ihre Hände bedrohlich. "Aber ich denke nicht, dass du eine Gefahr bist.", fügt sie dann noch hinzu und schüttelt leicht den Kopf.
Der Rrothaarige nickt langsam. "Nein, nicht Gefahr." Er sucht nach den richtigen Worten. Wie kann er ihr vermitteln, was er von ihr wahrnimmt? "Ich weiß,", beginnt er leise, um sicher zu gehen, dass die anderen ihn nicht hören, "du hast Angst. Und du hast ...", er grübelt fieberhaft ... Dieses Wort kennt er nicht. Er schüttelt den Kopf und zeichnet mit seinen Händen in der Luft eine große Kugel. "Das ist Energie. Alle hat das.", versucht er zu erklären. "Normal ist so ..." Er betont die glatte und runde Form des gezeichneten Objektes.
"Aber du hast so..." Seine Finger zeichnen erneut eine Kugel in die Luft, zittern allerdings dabei in alle Richtungen.
"Versteh du?", fragt er dann. "Dein Energie ist ... Ich weiß nicht, wie sag man ... Kaputt?"
Jenna versteht. Sie nickt. Offenbar nimmt er ihre Aura als Energie wahr. Bei ihr selber ist es eher der Geruch, den sie wahrnimmt. Und Kvothe riecht anders als normale Sims... was aber auch kein Wunder ist, wenn er wirklich die Auren spüren kann. "Was bist du?", fragt sie vorsichtig. Ob er ihr vielleicht sogar helfen könnte?
"Ich bin Edemaru.", antwortet er selbstverständlich, als wüsste jeder, was das bedeutet.
Dieses Wort hört Jenna zum ersten Mal. "Ein was?", fragt sie, "Was ist Edemaru?"
"Das ist wie ... Hexe? Ja, Hexe. Ein bisschen." Vorerst belässt Kvothe es bei dieser Erklärung. Mit seinen Sprachkenntnissen wird es zu kompliziert, die Feinheiten und Eigenarten der arkanistischen Energielehre zu erläutern. Denn im Grunde, ist das die richtige Umschreibung seiner Art. Er ist ein Arkanist. Was viele Außenstehende für Zauberei halten, ist in Wahrheit nichts weiter als das Verstehen und Beeinflussen der irdischen Energie. Vor Generationen beherrschten viele Edemaru diese Kunst. Doch dieses besondere Volk verlor in den letzten Jahren nicht nur an Ansehen, sondern auch an Mitgliedern. Manche kehrten ihrer Herkunft den Rücken, weil diese Art zu leben immer härter und herausfordernder wurde. Andere ertrugen die missbilligenden Blicke der Fremden nicht mehr. Über die Jahre schrumpfte das wandernde Volk der Edemaru auf eine kleine, zweistellige Anzahl. Und heute ist Ka'Vothee Hjoszea der Letzte von ihnen - so vermutet er zumindest.
Jenna ist sich nicht ganz sicher, ob sie richtig verstanden hat. Hexe? ... Hat er magische Fähigkeiten?
Julius hat sich während der Ankunft von Jenna zurückgehalten und aus Schüchternheit nichts mehr von sich gegeben. Lediglich genickt oder den Kopf geschüttelt. Als nun Kvothe und Jenna abseits stehen, wendet er sich an Nael. "Puh, ich krieg schon wieder kein Wort heraus. Wenn sie jetzt geht, kann ich freier sein. Aber sollte sie doch zurück kommen, können wir dann lieber gehen?" Sein Cousin verdreht daraufhin die Augen. "Ach, Julius. Lass uns doch erstmal abwarten. Du immer mit deinem Fluchtreflex."
Jenna wirft einen Blick zu den anderen Männern und fragt sich, wieviel die von ihrer Unterhaltung mit Kvothe mitbekommen haben.
"Warum du hast Angst?", fragt ihr Gegenüber.
Jenna braucht eine Weile, bis sie antwortet: "Ich weiß nicht... Vielleicht weil ich nicht will, dass du herausfinden musst, was mit mir nicht stimmt?"
Einen Augenblick mustert er sie. Noch immer begreift er nicht, was er an ihr spürt. Es ist nicht wie bei anderen, wenn sie seelisch oder geistig verwirrt sind. Es ist keine Verschiebung im Klassischen Sinne. Eher eine Art... Überlagerung. "Du weißt, was ... stimmt nicht?", fragt er leise und mit ruhigem Ton.
"Ich weiß, was ich bin.", sagt Jenna. Es hat ohnehin keinen Sinn, das zu leugnen, nachdem Kvothe eh schon von Energien geredet hat und es bemerkt hat. Aber sie würde ihn erst besser kennen lernen müssen... nicht dass es so abläuft wie in Glimmerbrook, als der Magier, den sie um Hilfe beten wollte, einfach fortging.
"Du willst nicht sagen?", fragt er vorsichtig. Er möchte sie nicht unter Druck setzen, ihr aber zu verstehen geben, dass er ihr gern hilft - sollte es in seiner Macht liegen. Jenna nickt schweigend.
Er nickt warm lächelnd und hebt zaghaft beide Hände legt sie wenige Zentimeter über ihrem Kopf zusammen."Ich darf?", fragt er.
Skeptisch wirft Jenna einen Blick auf Kvothe. "Was tust du?"
"Ich will helfen.", antwortet er mit fragendem Blick. "Ich gebe Energie für dich. Wenn du sag ja."
Der Typ ist irgendwie ... weird.Jenna weiß noch immer nicht, ob sie ihm trauen kann. Sie duckt sich, um den Händen auszuweichen und lässt ihren Gegenüber nicht aus den Augen.
Er nimmt die Hände zurück und schaut freundlich, aber auch leicht enttäuscht. Ein Teil von ihm versteht sie. Er ist für sie ein völlig Fremder mit unbekannten Riten und Gebräuchen und Fähigkeiten. Es wäre ihm eine Freude gewesen, ihr zu helfen. Aber er kann und will niemanden zu dessen Glück zwingen. So nickt er ihr zu und lädt sie auf ein weiteres Glas Wein ein.
Jenna bleibt skeptisch, doch sie nimmt das Angebot an. Sie setzt sich neben die anderen Männer als Feuer zurück.
Kvothe nickt und schenkt eine letzte Runde Wein aus. Akzentreich fragt er die Männer nach einer Campinggeschichte und schaut erwartungsvoll von einem zum anderen.
Da Julius den Wein wie ein Verrückter herunter würgt, beginnt Nael von seinem Campingtrip mit seinen Eltern zu berichten. Unter anderem erzählt er, wie Hannah und er, als José bereits im Zelt lag, Tiergeräusche machten und mit Stöcken und Ästen raschelten. Irgendwann sprang Josè aus dem Zelt, knapp bekleidet und schrie in den Wald: "Eine Bär! Retten sich wer kann!" Während der Erzählung muss Nael grinsen. Vielleicht ist es auch etwas gemein gewesen, seinen Vater so zu veräppeln, doch am Ende musste auch er herzhaft über sich selbst lachen.
Der Gastgeber applaudiert lachend. Geschichten dieser Art sind es, von der eine spontane Runde am Feuer lebt. Es erinnert ihn an alte Zeiten, als er mit seiner Truppe durch die Länder zog und abends alle zusammen am großen Feuer saßen, ihre Geschichten erzählten, zusammen aßen und tranken und musizierten, bis sich die Runde langsam zum Schlafen auflöste. Ein warmes Gefühl breitet sich in dem jungen Mann aus, als er daran denkt und ein seliges, dankbares Lächeln liegt auf seinem Gesicht.
"Oder als du die schwarz angemalte Windel mit deiner Unterhose verwechselt hast!", lachend und sichtlich angeheitert kippt Julius zur Seite und landet auf dem Boden. Nael schaut erst etwas beschämt, schließlich lag die Windel mitten in seinem Koffer und es war dunkel. Doch beim Anblick von Julius kann er nur lachen.
Kvothe weiß nicht, was eine Windel sein könnte, aber allein der Anblick des lachenden Gastes erfreut ihn so sehr, dass er einfach mitlachen muss. Endlich ist der Schüchterne aufgetaut. Es empfiehlt sich immer etwas Wein im Gepäck zu tragen.
Selbst Jenna entspannt sich wieder bei den witzigen Geschichten. Auch wenn sie keine Ahnung hat, wie man eine Windel mit einer Unterhose verwechseln kann, selbst wenn es dunkel ist. Doch sie spricht das nicht laut aus und erzählt stattdessen eine eigene Geschichte: "Das war damals, als ich noch Teenagerin war und zur Schule ging. Unser Mathelehrer, das war so ein langweiliger, strenger Typ, erlebte die Überraschung seines Lebens, als ich und mein Freund einen lebendigen Frosch in seine Tasche geschmuggelt habe. Er hat den Lehrer abgelenkt, und ich habe den Frosch währenddessen platziert. Glaubt mir, der Rest des Matheunterrichts fiel anders aus, als Herr Meier geplant hatte!"
Nael grinst. "Das hört sich lustig an. Hat der Lehrer herausbekommen, woher der Frosch kam?" Unterdessen hat Julius bei 'mein Freund' gestockt. Schade, sie scheint vergeben zu sein.
"Er hat mich offenbar nicht gesehen, sonst hätte er 1 + 1 zusammengezählt. Aber er hatte keine Ahnung.", sagt Jenna schmunzelnd.
"Hach. Eins und Eins. Liebe muss schön sein.", jammert Julius nun vor sich hin und schaut bedrückt ins Feuer. Nael hingegen runzelt die Stirn. "Was?" - "Ich bin so allein. Keine Liebe. Keine Frau an meiner Seite.."
Verwundert über den Themenwechsel blickt Jenna Julius an. Denkt er etwa, sie redet von einer romantischen Freundschaft? Eigentlich war Adam nur ein Kumpel zu Schulzeiten, den sie mittlerweile auch längst aus den Augen verloren hat. .. Sie verdreht die Augen: "Was hat Liebe damit zu tun? Er war einfach nur ein Kumpel."
Sofort erhellt sich Julius' Blick. "Wirklich?!"
In diesem Moment bereut Jenna, den Satz ausgesprochen zu haben. Sie ahnt schon, wo das endet. "Warum sollte ich in dem Punkt lügen?", sagt sie sarkastisch.
"Also, bist du frei?" Während Julius immer freudiger wird, schlägt Naels Laune eher ins negative. Darauf hat er gerade wirklich keine Lust.
Jenna seufzt. "Nein, ich bin vergeben. Das war damals zwar nur ein Kumpel, aber ich bin mit einer anderen Person zusammen." Das ist eine Lüge, aber sie hat keine Lust, angeflirtet zu werden.
Jetzt fällt Julius wieder in Traurigkeit. Er hat einfach kein Glück. Im Gegensatz zu seinem Cousin ist Nael erleichtert, denn er kann sich etwas anderes vorstellen, als sich gemütlich am Feuer fremd zu schämen.
"Du sucht ein Frau?", fragt Kvothe den Schüchternen. Er hat nicht alles verstanden, aber er ist ein guter Beobachter und kann sich seinen Teil denken.
Nun sieht Julius zu ihm auf. "Ja, und wie!"
Jenna verdreht die Augen, hört dem Gespräch zwischen Kvothe und Julius aber zu.
Der Wanderer nickt verstehend. "Vielleicht ich kann helfen.", sage er und sucht nach den passenden Worten, bemerkt dann aber, dass sein Vokabular einfach noch nicht ausreicht. "Du und ich. Allein. Andere Tag." Er beginnt über seine eigene Unfähigkeit zu lachen und lächelt entschuldigend. "Ich lerne.", nickt er dann.
Julius denkt indes nach. "Helfen? Wie?" Mit großen Augen sieht er den Camper an.
Kvothe weiß, dass es bei zwischenmenschlichen Interaktionen nur um das Selbstvertrauen geht. Jemand, der sich mit sich selbst wohl fühlt, verspürt keine Schüchternheit. Es bräuchte vermutlich nur wenige Sitzungen, bis Julius' inneres Ungleichgewicht behoben wäre. Auf Dauer würde dieser Effekt zwar nicht anhalten, aber es wäre immerhin ein Anfang.
"Ich weiß nicht, wie sag man.", kratzt er sich am Kopf. "Ich gebe ..." Er seufzt und schenkt seinem Gegenüber schulterzuckend ein verzweifeltes Lächeln.
Er gibt? Nael weiß nicht genau, was Kvothe meinen könnte, doch Julius scheint alles zu verstehen. "Du gibst mir eine Frau?" Ungläubig sieht Nael seinen Cousin an. Er kann sich nicht im geringsten vorstellen, dass er wirklich das gemeint habe.
Jenna kann sich das Grinsen nicht verkneifen. Mit Julius' Antwort hat sie nun wirklich nicht gerechnet.
Der Gastgeber selbst schaut Julius mit großen Augen an - das Feuer leuchtet darin und gibt dem Smaragdgrün eine unwirkliche Farbe.
"Ich habe nicht Frau." Glaubt der Typ etwa, Kvothe könnte eine aus der Kräutertasche ziehen? Er schmunzelt klangvoll bei diesem Gedanken. Damit wäre er wohl ein richtiger Magier, aber von solchen Tricks hat er nie gehört. Obwohl es hin und wieder sicherlich ganz schön wäre.
Wieder sinkt Julius' Laune. Falsche Hoffnungen hat er heute genug gehabt. Traurig sieht er zu Boden und schweigt.
Währenddessen wendet sich Jenna an Nael. Sie hat schon verstanden, dass die beiden verwandt sind. "Ist Julius immer so komisch in Gesellschaft von Frauen?" Sie spricht so leise, dass nur Nael das hört.
Räuspernd nickt der Angesprochene. "Und wie.. Er ist sehr unsicher in Gegenwart von Frauen."
"Ja... das kann man wohl so sagen.", kommentiert Jenna amüsiert.
Die Gruppe plaudert noch eine Weile. Sie quatschen über dieses und jenes. Jenna verabschiedet sich zuerst. Kurz darauf machen sich auch Nael und Julius auf den Rückweg. Nur Kvothe und Bast bleiben zurück.
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon , @Spatz )