Forum Discussion
3 years ago
Ort: Brindleton Bay, Yvonnes Erbe
Charaktere: Maryama, Marga, Nael
Geschichtsstrang: Letzte Rettung?
Das Rauschen des kleinen Wasserfalls übertönt die leise gemurmelten Sanskritsilben, die flüssig über Maryamas Lippen kommen, während die Perlen der Mantrakette durch Daumen und Zeigefinger ihrer Hände gleiten. Ihre Augen sind geschlossen, sie sitzt vollkommen aufrecht im Lotussitz, bewacht von Browneye, der wie eine kleine, braun-weiß gefleckte Hundesatue neben ihr sitzt.
Als das letzte 'OM' verklingt und Maryama die Augen öffnet, springt er freudig auf und leckt ihre Hand. „Jaaa, dir geht es jetzt auch besser, nicht wahr.“ Maryama lacht leise und knuddelt den treuen Vierbeiner. Dann steht sie auf, nimmt ihr Yogakissen vom Boden auf, reckt und streckt sich und verweilt noch einen Augenblick auf der kleinen Holzbank, die hier oben steht.Die letzten Wochen waren recht unruhig mit vielen neuen Eindrücken, Begegnungen und Gesprächen, so dass Maryama ihr eigentlich wichtige Praktiken wie Yoga und Meditation, vernachlässigt hat. Es ist zwar kalt hier an der frischen Luft und so nah am Wasser, aber ihr Körper und Geist fühlen sich frisch und erholt. „Komm, wir schauen mal nach Marga.“ Browney macht einen kleinen Luftsprung und läuft sofort los Richtung Häuschen, während Maryama gemütlich hinterher schlendert.
Als sie ins Haus kommen, wirft sie das Kissen in eine Ecke und macht sich ans Schuhe ausziehen. Was ist das für ein Geräusch? Sie merkt auf und horcht. Aus der Küche kommt ein leises Schluchzen. Besorgt tritt sie näher und sieht Marga am Tisch sitzen, einen Arm auf der Tischplatte, das Gesicht in der Armbeuge vergraben. Ihre linke Hand hält einen Brief fest. Browneye legt ihr den Kopf aufs Knie und fiepst leise. „Huch..ihr seid wieder da.“ Marga hebt den Kopf, die Augen rot geweint. Sie zieht ein Taschentuch aus der Hose und trompetet hinein. „Entschuldige bitte.“
Maryama schüttelt den Kopf. „Du musst dich doch nicht entschuldigen, erzähl mir von deinem Kummer.“ Sachte nimmt sie ihr den Brief aus der Hand. Eine ihr unbekannte Bank steht als Absender. Maryama schwant Schlimmes.
„Adrian hat mir die Post gebracht. Ich hab mich nicht getraut den Brief zu öffnen..wollte das mit dir zusammen machen..das hab ich mich dann auch nicht getraut zu sagen, ach..es ist einfach hoffnungslos. Wir stecken in einer Sackgasse, Maryama.“ Marga schluchzt auf. „Ich seh da keinen Ausweg, lies bitte mal.“ Sie tupft sich die geröteten Augen und ebensolche Nase.
Maryama nickt und zieht drei dicht bedruckte Seiten aus dem Umschlag. Sie liest, liest nochmal, widmet sich den Klauseln im Anhang und...versteht nur maximal die Hälfte. Es werden Kosten angemahnt, aber in einem anderen Teil so kompliziert ausgeführt, dass ihr ganz schwindlig wird von dem ganzen Fachjargon. Mit einer energischen Bewegung und unwillig gerunzelter Stirn wirft sie die Papiere auf den Tisch und sagt bestimmt:
"Weißt du was, Marga. Ich ruf jetzt Nael an. Wir beide kommen damit nicht weiter. Ich hab einfach auch zu wenig Ahnung von diesen finanziellen Sachen." Sie steht auf , schnappt ihr Handy vom Sofa und tippt Naels Nummer. Es läutet ein paar Mal, hoffentlich ist er überhaupt erreichbar, bestimmt hat er Arbeit bis über beide Ohren. Maryama trommelt nervös mit den Fingerspitzen auf der Tischplatte herum, während sie wartet.
"Garcia-Klein.", meldet sich der Anwalt am anderen Ende.
Die Finger stoppen und Maryama atmet erleichtert auf.
"Hallo Nael, hier ist Maryama, hast du einen Moment Zeit? Wir haben ein Problem."
Sie schildert kurz die Situation und schließt: " Wir brauchen also dringend jemanden, der sich in Vertragsrecht und mit Krediten auskennt. Ist das dein Gebiet?" Ihr Ton wird etwas bange. Wenn nicht, dann wird es wirklich schwierig.
"Ja, ich kenne mich aus.. Weißt' was? Ich komme morgen Mal bei dir vorbei. So geht's einfacher. Dann kann ich mir den Vertrag direkt anschauen. Passt das?", fragt Nael.
"Ob das passt? Das ist genial. Vielen Dank Nael, bis dann." Maryama legt auf und strahlt Marga an. "Schritt eins wäre geschafft. Er kommt morgen und schaut sich alles an."
"Ich bin ja so froh, danke Maryama. Vielleicht ist unser Leben doch noch zu retten. Nur gut dass Adrian nicht das ganze Ausmaß der Krise kennt. Wenn möglich will ich das auch vor ihm geheim halten." Marga steht auf und umarmt Maryama spontan. Nach einer kleinen Weile löst diese sich und schaut die Ältere lächelnd an. "Komm, wir haben uns jetzt lang genug den Kopf zerbrochen. Wir gehen irgendwo einen Kaffee trinken und lassen uns die Seeluft um die Nase wehen. "
Am anderen Tag
"Ganz ruhig, Marga. Nael wird sicher jeden Moment da sein und wenn uns einer weiter helfen kann dann er." Maryama lächelt ihrer Mitbewohnerin beruhigend zu, die wie ein Häufchen Elend am Küchentisch sitzt, die ganzen Verträge und das Schreiben von der Bank vor sich. Marga presst die Lippen aufeinander und nickt tapfer. Innerlich sieht das ganz anders aus, von ihren nervösen Magenkrämpfen aktuell ganz zu schweigen. Die Türglocke erklingt und Maryama eilt zum Eingang um schnell zu öffnen. Sie kann es kaum erwarten mit Almas Bruder die Angelegenheit zu erörtern.
"Hey Nael, komm herein. Schön dass du Zeit gefunden hast zu kommen. Du bist unsere letzte Hoffnung." Maryama geleitet ihren Gast zum Tisch. "Trinkst du einen Kräutertee mit? Beruhigende Mischung?" Sie schmunzelt.
Nael grüßt die beiden Frauen und nimmt das Tee Angebot gerne an. "Ich helfe doch gern und da wir im selben Ort wohnen, war das jetzt ein Katzensprung." Er setzt sich mit an den Küchentisch.
Marga sieht Nael mit teils hoffnungsvollem, teils beunruhigtem Blick an. "Ja, ich bin so froh, dass du uns..mir helfen willst. Ich schlafe schon tagelang nicht mehr richtig, hoffentlich gibt es einen Weg aus der Misere."
Maryama stellt noch einen Teller mit Muffins auf den Tisch und reicht jedem eine Tasse Tee. Dann setzt sie sich und legt die Hände zum wärmen um die Tasse.
Marga sammelt indes die verstreuten Blätter des Kreditvertrags zusammen, ordnet sie und legt das Bündel schließlich vor Nael ab. "Ich haben schon alles vor-und rückwärts durchgelesen, aber das ist alles so kompliziert und fachchinesisch...zum verrückt werden. Vor allem das Kleingedruckte...und jetzt mahnen sie schon die erste Rate an." Ihre Augen werden schon wieder wässrig. Schnell schlägt sie den Blick nieder und nippt am Tee.
Von draussen ist ein lautes Bellen zu vernehmen, gefolgt von einem kurzen Jaulen. Er jagt wieder Eichhörnchen. Maryama steht auf. "Lies erstmal in Ruhe, Nael und nimm dir von den Muffins. Ich lauf mal schnell in den Garten und hol Browneye herein."
Nael schaut sich den Vertrag an. "Ah, mit dieser Bank haben einige Probleme. Wundert mich tatsächlich nicht." Den Kopf schüttelnd liest er sich die nächsten Seiten durch. "Wurde der Kredit überhaupt schon ausgezahlt?", fragt er Marga. Das Datum nennend, sieht er sie an.
Verzagt blickt Marga ihr Gegenüber an. "Weißt du, ich hab wirklich keine Ahnung, das hat alles mein Mann gemacht und ich hab mich noch nicht zur Bank getraut, aus Angst vor den Angestellten, die mich vielleicht abfangen und Fragen stellen und all sowas." Nervös suchend schiebt sie die Papiere etwas hin und her und zieht einen Umschlag heraus. "Das ist die erste Mahnung, aber ich verstehe nicht worum es da genau geht." Sie legt ihn vor Nael ab und schaut ihn groß an. "Wir haben gemeinsam die Verfügung über das Konto, aber von der Hypothek wusste ich nichts, keine Ahnung wie er das gedeichselt hat."
Interessant. Ohne das Einverständnis des Ehegatten's geht es im Normalfall nicht. Besonders wenn es die gemeinsame Immobilie betrifft. "Ihr Mann wollte das Haus umbauen? So sieht es zumindest laut des Vertrags aus. Die Bank hält den Kreditvertrag bereit, dafür verlangt sie nun die Zinsen."
Marga seufzt. "Ja, so ähnlich...aber ja, bauen wollte er. Ich hab schon gedacht ob er mir mal was untergejubelt hat zum unterschreiben, ich pass da nicht immer so auf." Maryama kommt mit Browneye wieder herein und hört noch die letzten Sätze. Der Hund läuft schnurstracks zu Nael und begrüßt ihn mit leisem, freudigem Fiepen und wild rotierendem Schwa nz. "Was? Er hat dich hereingelegt in dem er sich deine Unterschrift ergaunert hat? Das ist ja der Gipfel." Kopfschüttelnd setzt sich Maryama wieder mit an den Tisch. "Und sie können Zinsen verlangen, nur fürs bereitstellen?" fragt sie verwundert Nael. "Sorry, aber ich hab echt keine Ahnung von der Materie, Gott sei Dank einerseits." Sie nimmt beruhigend Margas Hand.
Browneye streichelnd, schaut er erst zu Maryama, dann zu Marga. "Ja, Bereitstellungszinsen dürfen gestellt werden. Ich muss sagen, ich habe das Gefühl, dass dein Mann ebenfalls recht wenig von der Materie verstanden hat. Ohne das böse zu verstehen, aber die Zinsen sind echt hoch. Da hätte man sicher mal bei anderen Banken nachfragen können." Er studiert weiter den Vertrag. "Hm.. okay, das ist rechtens.. Aha.. Hm.." Seufzend legt Nael die Papiere weg und denkt nach. Was könnte noch im Vertrag stehen, was nicht rechtens ist?
Marga drückt dankbar Maryamas Hand. Mit besorgtem Blick beobachtet sie Nael, der den Vertrag studiert und ab und zu leise vor sich hin murmelt. Damit, dass Bertl keine Ahnung hatte was er da macht, könnte er auf jeden Fall Recht haben. Von dem engagierten und immer gut informierten Abteilungsleiter von früher ist nichts mehr geblieben. Schmerzhaft wird ihr der Verlust ihrer ehemals großen Liebe wieder bewusst. Ihr Bertl von damals hätte sie niemals so schmählich im Stich gelassen mit all den unerledigten Dingen. Eine einzelne Träne bahnt sich ihren salzige Weg die Wange hinunter. Plötzlich fühlt sie, wie ein Hand zart darüber wischt und kurz tröstend über ihre Haut streicht. Gerührt lächelt sie Maryama an und fragt dann Nael um sich wieder zu fangen. "Was gibt es denn für Gründe oder Fehler wofür man so einen Vertrag anfechten könnte?"
"Ungültige Klauseln gibt es immer mal wieder, aber bis jetzt habe ich noch nichts gefunden." Der ehemalige Anwalt seufzt. Es ist sehr unbefriedigend zu wissen, einem Sim nicht helfen zu können. Obwohl? Er schlägt zielstrebig die Seite zum Widerrufsrecht auf. "Aha!", ruft er laut in den Raum.
Die Köpfe beider Frauen fahren herum und hoffnungsvolle Blicke ruhen auf Nael. Selbst Browney, der neben Naels Füßen eingenickt ist, merkt auf und setzt sich hin. Die Spannung im Raum überträgt sich auf alle. "Ja?" fragt Maryama, mit neugieriger Ungeduld
in der Stimme.
"Unsere Chance! Das fehlerhafte Widerrufsrecht." Er schaut nochmals in die Daten. Vertragserstellung. Unterzeichnung. Das heutige Datum. "Der Vertrag ist unwirksam, zumindest in Bezug auf den Widerruf. Du hast die Möglichkeit den Vertrag zu widerrufen, obwohl die 14 Tage vorbei sind." Mit einem Grinsen schlägt er den Vertrag zu. "Ich praktiziere zwar offiziell nicht mehr in der Kanzlei meines Vaters, dennoch könnte ich deinen Fall übernehmen. Selbstverständlich kostenfrei.", schlägt er Marga vor. Sein Ehrgeiz ist gepackt.
"Waaas?" Margas Kehle entringt sich ein Freudenschrei. Sie springt auf, saust um den Tisch und umarmt Nael dankbar. Als sie sich löst, laufen wirklich Tränen über ihre Wangen. "Ich bin so froh, so! froh. Du bist ein Engel." Sie sinkt auf den Stuhl neben Nael. Was für eine Tonnenlast er ihr damit von den Schultern nimmt, könnte sie ihm niemals erklären.
Unterdessen ist Maryama zum Kühlschrank gegangen und hat eine der verbliebenen Sektflaschen vom Geburtstag herausgeholt. "Auch wenn das erst der Anfang ist, wir trinken auf einen genialen Anwalt und tollen Freund. Nael, vielen Dank, ich freu mich auch sehr." Maryama schenkt ein und sie stoßen an. "Wie siehst du denn die Chancen das durch zu bringen?"
Nachdem er einen Schluck genommen hat, antwortet Nael auch schon. "Sehr gut, ich hatte selbst schon einmal so einen Fall, allerdings mit einer anderen Bank. Das Vorgehen ist allerdings das Gleiche."
Marga stürzt das Glas Sekt auf Ex und schenkt sich sofort nach. "Was muss ich denn jetzt als nächstes tun?" fragt sie besorgt. "Ich bin doch so ein Schäfchen was Ämter und all das angeht." Sie wirft einen besorgten Blick zu den beiden.
Nael erklärt, dass er direkt am nächsten Tag ein Schreiben aufsetzen wird an die Bank. Außerdem erklärt er, dass er noch ein paar Unterschriften für eine Vollmacht braucht, damit die Bank ihm vorbehaltlos Auskunft erteilt. "Wir schaffen das schon!" Mitfühlend legt er Marga seine rechte Hand auf die Schulter. "Zwar wird dann erstmal keine Renovierung finanziert werden, aber ich glaube, das ist derzeit auch nicht in deinem Sinn, oder?"
Zufrieden trinkt er sein Glas Sekt leer.
Die beiden Frauen schütteln synchron den Kopf und müssen lachen. "Nein, ich will nichts mehr hören von renovieren vorerst." verkündet Marga entschieden. "Ich möchte einfach nur mein...unser Leben wieder in den Griff bekommen." Sie trinkt das zweite Glas mit einem großen Schluck leer. "So, das hab ich gebraucht." Sie strahlt Nael an. "Du bekommst alles was du brauchst, ich komm auch gerne bei dir vorbei für die Unterschriften, sag einfach wann, wie, wo.“ Maryama nickt. "Ja, und ich begleite dich, das stehen wir alle gemeinsam durch. Noch jemand Sekt?" fragt sie grinsend und füllt einfach nochmal die Gläser. "Auf das helle Licht am Horizont.“ Das ebenso helle Klingen der Gläser beim anstoßen erfüllt den Raum wie ein glückliches Omen.
(In Zusammenarbeit mit @Spatz)
Charaktere: Maryama, Marga, Nael
Geschichtsstrang: Letzte Rettung?
Das Rauschen des kleinen Wasserfalls übertönt die leise gemurmelten Sanskritsilben, die flüssig über Maryamas Lippen kommen, während die Perlen der Mantrakette durch Daumen und Zeigefinger ihrer Hände gleiten. Ihre Augen sind geschlossen, sie sitzt vollkommen aufrecht im Lotussitz, bewacht von Browneye, der wie eine kleine, braun-weiß gefleckte Hundesatue neben ihr sitzt.
Als das letzte 'OM' verklingt und Maryama die Augen öffnet, springt er freudig auf und leckt ihre Hand. „Jaaa, dir geht es jetzt auch besser, nicht wahr.“ Maryama lacht leise und knuddelt den treuen Vierbeiner. Dann steht sie auf, nimmt ihr Yogakissen vom Boden auf, reckt und streckt sich und verweilt noch einen Augenblick auf der kleinen Holzbank, die hier oben steht.Die letzten Wochen waren recht unruhig mit vielen neuen Eindrücken, Begegnungen und Gesprächen, so dass Maryama ihr eigentlich wichtige Praktiken wie Yoga und Meditation, vernachlässigt hat. Es ist zwar kalt hier an der frischen Luft und so nah am Wasser, aber ihr Körper und Geist fühlen sich frisch und erholt. „Komm, wir schauen mal nach Marga.“ Browney macht einen kleinen Luftsprung und läuft sofort los Richtung Häuschen, während Maryama gemütlich hinterher schlendert.
Als sie ins Haus kommen, wirft sie das Kissen in eine Ecke und macht sich ans Schuhe ausziehen. Was ist das für ein Geräusch? Sie merkt auf und horcht. Aus der Küche kommt ein leises Schluchzen. Besorgt tritt sie näher und sieht Marga am Tisch sitzen, einen Arm auf der Tischplatte, das Gesicht in der Armbeuge vergraben. Ihre linke Hand hält einen Brief fest. Browneye legt ihr den Kopf aufs Knie und fiepst leise. „Huch..ihr seid wieder da.“ Marga hebt den Kopf, die Augen rot geweint. Sie zieht ein Taschentuch aus der Hose und trompetet hinein. „Entschuldige bitte.“
Maryama schüttelt den Kopf. „Du musst dich doch nicht entschuldigen, erzähl mir von deinem Kummer.“ Sachte nimmt sie ihr den Brief aus der Hand. Eine ihr unbekannte Bank steht als Absender. Maryama schwant Schlimmes.
„Adrian hat mir die Post gebracht. Ich hab mich nicht getraut den Brief zu öffnen..wollte das mit dir zusammen machen..das hab ich mich dann auch nicht getraut zu sagen, ach..es ist einfach hoffnungslos. Wir stecken in einer Sackgasse, Maryama.“ Marga schluchzt auf. „Ich seh da keinen Ausweg, lies bitte mal.“ Sie tupft sich die geröteten Augen und ebensolche Nase.
Maryama nickt und zieht drei dicht bedruckte Seiten aus dem Umschlag. Sie liest, liest nochmal, widmet sich den Klauseln im Anhang und...versteht nur maximal die Hälfte. Es werden Kosten angemahnt, aber in einem anderen Teil so kompliziert ausgeführt, dass ihr ganz schwindlig wird von dem ganzen Fachjargon. Mit einer energischen Bewegung und unwillig gerunzelter Stirn wirft sie die Papiere auf den Tisch und sagt bestimmt:
"Weißt du was, Marga. Ich ruf jetzt Nael an. Wir beide kommen damit nicht weiter. Ich hab einfach auch zu wenig Ahnung von diesen finanziellen Sachen." Sie steht auf , schnappt ihr Handy vom Sofa und tippt Naels Nummer. Es läutet ein paar Mal, hoffentlich ist er überhaupt erreichbar, bestimmt hat er Arbeit bis über beide Ohren. Maryama trommelt nervös mit den Fingerspitzen auf der Tischplatte herum, während sie wartet.
"Garcia-Klein.", meldet sich der Anwalt am anderen Ende.
Die Finger stoppen und Maryama atmet erleichtert auf.
"Hallo Nael, hier ist Maryama, hast du einen Moment Zeit? Wir haben ein Problem."
Sie schildert kurz die Situation und schließt: " Wir brauchen also dringend jemanden, der sich in Vertragsrecht und mit Krediten auskennt. Ist das dein Gebiet?" Ihr Ton wird etwas bange. Wenn nicht, dann wird es wirklich schwierig.
"Ja, ich kenne mich aus.. Weißt' was? Ich komme morgen Mal bei dir vorbei. So geht's einfacher. Dann kann ich mir den Vertrag direkt anschauen. Passt das?", fragt Nael.
"Ob das passt? Das ist genial. Vielen Dank Nael, bis dann." Maryama legt auf und strahlt Marga an. "Schritt eins wäre geschafft. Er kommt morgen und schaut sich alles an."
"Ich bin ja so froh, danke Maryama. Vielleicht ist unser Leben doch noch zu retten. Nur gut dass Adrian nicht das ganze Ausmaß der Krise kennt. Wenn möglich will ich das auch vor ihm geheim halten." Marga steht auf und umarmt Maryama spontan. Nach einer kleinen Weile löst diese sich und schaut die Ältere lächelnd an. "Komm, wir haben uns jetzt lang genug den Kopf zerbrochen. Wir gehen irgendwo einen Kaffee trinken und lassen uns die Seeluft um die Nase wehen. "
Am anderen Tag
"Ganz ruhig, Marga. Nael wird sicher jeden Moment da sein und wenn uns einer weiter helfen kann dann er." Maryama lächelt ihrer Mitbewohnerin beruhigend zu, die wie ein Häufchen Elend am Küchentisch sitzt, die ganzen Verträge und das Schreiben von der Bank vor sich. Marga presst die Lippen aufeinander und nickt tapfer. Innerlich sieht das ganz anders aus, von ihren nervösen Magenkrämpfen aktuell ganz zu schweigen. Die Türglocke erklingt und Maryama eilt zum Eingang um schnell zu öffnen. Sie kann es kaum erwarten mit Almas Bruder die Angelegenheit zu erörtern.
"Hey Nael, komm herein. Schön dass du Zeit gefunden hast zu kommen. Du bist unsere letzte Hoffnung." Maryama geleitet ihren Gast zum Tisch. "Trinkst du einen Kräutertee mit? Beruhigende Mischung?" Sie schmunzelt.
Nael grüßt die beiden Frauen und nimmt das Tee Angebot gerne an. "Ich helfe doch gern und da wir im selben Ort wohnen, war das jetzt ein Katzensprung." Er setzt sich mit an den Küchentisch.
Marga sieht Nael mit teils hoffnungsvollem, teils beunruhigtem Blick an. "Ja, ich bin so froh, dass du uns..mir helfen willst. Ich schlafe schon tagelang nicht mehr richtig, hoffentlich gibt es einen Weg aus der Misere."
Maryama stellt noch einen Teller mit Muffins auf den Tisch und reicht jedem eine Tasse Tee. Dann setzt sie sich und legt die Hände zum wärmen um die Tasse.
Marga sammelt indes die verstreuten Blätter des Kreditvertrags zusammen, ordnet sie und legt das Bündel schließlich vor Nael ab. "Ich haben schon alles vor-und rückwärts durchgelesen, aber das ist alles so kompliziert und fachchinesisch...zum verrückt werden. Vor allem das Kleingedruckte...und jetzt mahnen sie schon die erste Rate an." Ihre Augen werden schon wieder wässrig. Schnell schlägt sie den Blick nieder und nippt am Tee.
Von draussen ist ein lautes Bellen zu vernehmen, gefolgt von einem kurzen Jaulen. Er jagt wieder Eichhörnchen. Maryama steht auf. "Lies erstmal in Ruhe, Nael und nimm dir von den Muffins. Ich lauf mal schnell in den Garten und hol Browneye herein."
Nael schaut sich den Vertrag an. "Ah, mit dieser Bank haben einige Probleme. Wundert mich tatsächlich nicht." Den Kopf schüttelnd liest er sich die nächsten Seiten durch. "Wurde der Kredit überhaupt schon ausgezahlt?", fragt er Marga. Das Datum nennend, sieht er sie an.
Verzagt blickt Marga ihr Gegenüber an. "Weißt du, ich hab wirklich keine Ahnung, das hat alles mein Mann gemacht und ich hab mich noch nicht zur Bank getraut, aus Angst vor den Angestellten, die mich vielleicht abfangen und Fragen stellen und all sowas." Nervös suchend schiebt sie die Papiere etwas hin und her und zieht einen Umschlag heraus. "Das ist die erste Mahnung, aber ich verstehe nicht worum es da genau geht." Sie legt ihn vor Nael ab und schaut ihn groß an. "Wir haben gemeinsam die Verfügung über das Konto, aber von der Hypothek wusste ich nichts, keine Ahnung wie er das gedeichselt hat."
Interessant. Ohne das Einverständnis des Ehegatten's geht es im Normalfall nicht. Besonders wenn es die gemeinsame Immobilie betrifft. "Ihr Mann wollte das Haus umbauen? So sieht es zumindest laut des Vertrags aus. Die Bank hält den Kreditvertrag bereit, dafür verlangt sie nun die Zinsen."
Marga seufzt. "Ja, so ähnlich...aber ja, bauen wollte er. Ich hab schon gedacht ob er mir mal was untergejubelt hat zum unterschreiben, ich pass da nicht immer so auf." Maryama kommt mit Browneye wieder herein und hört noch die letzten Sätze. Der Hund läuft schnurstracks zu Nael und begrüßt ihn mit leisem, freudigem Fiepen und wild rotierendem Schwa nz. "Was? Er hat dich hereingelegt in dem er sich deine Unterschrift ergaunert hat? Das ist ja der Gipfel." Kopfschüttelnd setzt sich Maryama wieder mit an den Tisch. "Und sie können Zinsen verlangen, nur fürs bereitstellen?" fragt sie verwundert Nael. "Sorry, aber ich hab echt keine Ahnung von der Materie, Gott sei Dank einerseits." Sie nimmt beruhigend Margas Hand.
Browneye streichelnd, schaut er erst zu Maryama, dann zu Marga. "Ja, Bereitstellungszinsen dürfen gestellt werden. Ich muss sagen, ich habe das Gefühl, dass dein Mann ebenfalls recht wenig von der Materie verstanden hat. Ohne das böse zu verstehen, aber die Zinsen sind echt hoch. Da hätte man sicher mal bei anderen Banken nachfragen können." Er studiert weiter den Vertrag. "Hm.. okay, das ist rechtens.. Aha.. Hm.." Seufzend legt Nael die Papiere weg und denkt nach. Was könnte noch im Vertrag stehen, was nicht rechtens ist?
Marga drückt dankbar Maryamas Hand. Mit besorgtem Blick beobachtet sie Nael, der den Vertrag studiert und ab und zu leise vor sich hin murmelt. Damit, dass Bertl keine Ahnung hatte was er da macht, könnte er auf jeden Fall Recht haben. Von dem engagierten und immer gut informierten Abteilungsleiter von früher ist nichts mehr geblieben. Schmerzhaft wird ihr der Verlust ihrer ehemals großen Liebe wieder bewusst. Ihr Bertl von damals hätte sie niemals so schmählich im Stich gelassen mit all den unerledigten Dingen. Eine einzelne Träne bahnt sich ihren salzige Weg die Wange hinunter. Plötzlich fühlt sie, wie ein Hand zart darüber wischt und kurz tröstend über ihre Haut streicht. Gerührt lächelt sie Maryama an und fragt dann Nael um sich wieder zu fangen. "Was gibt es denn für Gründe oder Fehler wofür man so einen Vertrag anfechten könnte?"
"Ungültige Klauseln gibt es immer mal wieder, aber bis jetzt habe ich noch nichts gefunden." Der ehemalige Anwalt seufzt. Es ist sehr unbefriedigend zu wissen, einem Sim nicht helfen zu können. Obwohl? Er schlägt zielstrebig die Seite zum Widerrufsrecht auf. "Aha!", ruft er laut in den Raum.
Die Köpfe beider Frauen fahren herum und hoffnungsvolle Blicke ruhen auf Nael. Selbst Browney, der neben Naels Füßen eingenickt ist, merkt auf und setzt sich hin. Die Spannung im Raum überträgt sich auf alle. "Ja?" fragt Maryama, mit neugieriger Ungeduld
in der Stimme.
"Unsere Chance! Das fehlerhafte Widerrufsrecht." Er schaut nochmals in die Daten. Vertragserstellung. Unterzeichnung. Das heutige Datum. "Der Vertrag ist unwirksam, zumindest in Bezug auf den Widerruf. Du hast die Möglichkeit den Vertrag zu widerrufen, obwohl die 14 Tage vorbei sind." Mit einem Grinsen schlägt er den Vertrag zu. "Ich praktiziere zwar offiziell nicht mehr in der Kanzlei meines Vaters, dennoch könnte ich deinen Fall übernehmen. Selbstverständlich kostenfrei.", schlägt er Marga vor. Sein Ehrgeiz ist gepackt.
"Waaas?" Margas Kehle entringt sich ein Freudenschrei. Sie springt auf, saust um den Tisch und umarmt Nael dankbar. Als sie sich löst, laufen wirklich Tränen über ihre Wangen. "Ich bin so froh, so! froh. Du bist ein Engel." Sie sinkt auf den Stuhl neben Nael. Was für eine Tonnenlast er ihr damit von den Schultern nimmt, könnte sie ihm niemals erklären.
Unterdessen ist Maryama zum Kühlschrank gegangen und hat eine der verbliebenen Sektflaschen vom Geburtstag herausgeholt. "Auch wenn das erst der Anfang ist, wir trinken auf einen genialen Anwalt und tollen Freund. Nael, vielen Dank, ich freu mich auch sehr." Maryama schenkt ein und sie stoßen an. "Wie siehst du denn die Chancen das durch zu bringen?"
Nachdem er einen Schluck genommen hat, antwortet Nael auch schon. "Sehr gut, ich hatte selbst schon einmal so einen Fall, allerdings mit einer anderen Bank. Das Vorgehen ist allerdings das Gleiche."
Marga stürzt das Glas Sekt auf Ex und schenkt sich sofort nach. "Was muss ich denn jetzt als nächstes tun?" fragt sie besorgt. "Ich bin doch so ein Schäfchen was Ämter und all das angeht." Sie wirft einen besorgten Blick zu den beiden.
Nael erklärt, dass er direkt am nächsten Tag ein Schreiben aufsetzen wird an die Bank. Außerdem erklärt er, dass er noch ein paar Unterschriften für eine Vollmacht braucht, damit die Bank ihm vorbehaltlos Auskunft erteilt. "Wir schaffen das schon!" Mitfühlend legt er Marga seine rechte Hand auf die Schulter. "Zwar wird dann erstmal keine Renovierung finanziert werden, aber ich glaube, das ist derzeit auch nicht in deinem Sinn, oder?"
Zufrieden trinkt er sein Glas Sekt leer.
Die beiden Frauen schütteln synchron den Kopf und müssen lachen. "Nein, ich will nichts mehr hören von renovieren vorerst." verkündet Marga entschieden. "Ich möchte einfach nur mein...unser Leben wieder in den Griff bekommen." Sie trinkt das zweite Glas mit einem großen Schluck leer. "So, das hab ich gebraucht." Sie strahlt Nael an. "Du bekommst alles was du brauchst, ich komm auch gerne bei dir vorbei für die Unterschriften, sag einfach wann, wie, wo.“ Maryama nickt. "Ja, und ich begleite dich, das stehen wir alle gemeinsam durch. Noch jemand Sekt?" fragt sie grinsend und füllt einfach nochmal die Gläser. "Auf das helle Licht am Horizont.“ Das ebenso helle Klingen der Gläser beim anstoßen erfüllt den Raum wie ein glückliches Omen.
(In Zusammenarbeit mit @Spatz)