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3 years ago
Ort: Brindelton Bay
Charaktere: Kvothe, Bast, Hannah, José
Geschichtsstrang: Der Vagabund 2 - Alltag eines Wanderers
In Brindelton Bay hat der junge Wanderer den Tag schon früh begonnen. Nachdem er frisches Holz gesammelt und das Lagerfeuer entfacht hat, kümmert er sich ums Frühstück.
In dem kleinen Wald hatte er am Abend eine Kleintierfalle ausgelegt, die es zu überprüfen gilt. Auf dem Weg dorthin findet er genug Beeren, um eine Beilage zaubern zu können.
Als er sich vorsichtig der Falle nähert, erkennt er schon einige Meter entfernt, dass dort ein Hase sitzt.
Behutsam beugt sich der Rothaarige herunter und legt seine Hand auf den Rücken des Tieres. Er schließt die Augen und murmelt einige Worte in seiner Sprache und wartet. Nur einen Augenblick später, wirkt das Tier entspannter als noch zuvor. Ein Moment vergeht ohne, dass etwas geschieht, dann legt Ka'Vothee seine Hand auf den Kopf des Hasen und dreht ihn mit einer gekonnten Bewegung herum - es knackt und das Tier sackt in sich zusammen.
Bedächtig befreit der junge Mann den leblosen Körper aus der Schlinge, steckt diese in die Tasche und packt das Tier an den Ohren, um den Rückweg anzutreten.
Bast erwartet seinen zweibeinigen Kumpanen bereits und stürmt freudig auf ihn zu, als Ka'Vothee das Camp erreicht. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es klüger ist, Bast auf das Hab und Gut aufpassen zu lassen. Der Wanderer kann es sich kaum leisten, bestohlen zu werden.
Für seine treuen Dienste wird der Pitbull mit herzhaften Kuscheleien belohnt, bevor Ka'Vothee seine Werkzeugtasche nimmt und seinen Weg zum nahe gelegenen Fluss einschlägt. Dort angekommen, sucht er eine flache Stelle, an der er gut arbeiten kann. Er kniet sich ans Wasser und bereitet seine Materialien vor - ein aus hartem Stein geschliffenes, dünnes Brett, das handliche Jagdmesser und ein glatter, handgroßer, flacher Stein.
Behutsam platziert er den Hasen auf dem Brett, schließt die Augen und ein weiteres Mal murmelt er Worte, die einem Ortsansässigen fremd erscheinen würden, ihm selbst jedoch sehr vertraut sind. Erst dann setzt er zu einem kleinen Schnitt an. Er hält das Tier über dem Wasser in die Luft und mit einem Ruck zieht er ihm im wahrsten Sinne das Fell über die Ohren.
Den nackten Hasen legt er auf dem Brett ab. Das Fell hält er in den Fluss. Das Wasser spült die groben Blutspuren davon. Die hartnäckigeren Reste wischt der junge Mann mit den Fingern ab und schüttelt dann das Fell vorsichtig aus und legt es beiseite.
Nachdem er seine Hände im Wasser abgespült hat, beginnt die eigentliche Arbeit. Der Kadaver des Tieres wird vorsichtig gesäubert, dann erst der Länge nach aufgetrennt. Mit dem Blut füllt Ka'Vothee eine seiner Tinkturflaschen, bevor er die Innereien in eine mitgebrachte Holzschale legt. Sorgsam überprüft er den Zustand von Leber, Niere und anderen Organen.
Erst, als er das Tier für gesund erklärt, mischt er eine kleine Prise eines hellen Gewürzes in die Schale und mengt es mit den Fingern unter. Durch diese Kräuter werden Fliegen und andere Aasnutzer ferngehalten und so reibt er auch den Kadaver damit ein.
Schließlich sammelt der Wanderer seine Utensilien zusammen und geht zurück zum Zelt. Die Schüssel mit den Innereien stellt er für seinen vierbeinigen Freund auf den Boden. Er selbst setzt sich ans Feuer und beginnt, das Fleisch zuzubereiten.
Zusammen mit den gesammelten Beeren und dem Rest Brot kann er ein stattliches Frühstück genießen.
Nachdem alles aufgeräumt ist, beschließt Ka'Vothee, sich dem Sprachstudium zu widmen. Vor einigen Tagen, als er in dieses Land kam, konnte er zwei Bücher ergattern - eines für Sprachschüler, das andere ein Kinderbuch.
Indes hat Hannah heute einen freien Tag und möchte diesen mit Wandern verbringen. Außerdem hat sie einen kleinen Korb dabei um Pilze zu sammeln.
Nach einiger Zeit kommt sie an Ka'Vothees Zelt vorbei. "Guten Morgen!", grüßt sie ihn freundlich.
Der Rothaarige blickt überrascht auf. Eine Frau steht vor ihm - warum hat Bast nichts bemerkt? Irritiert sieht der junge Mann sich um und entdeckt den Hund tiefschlafend im Gebüsch. Leise lacht er und blickt nun zu der Besucherin.
"Hallo.", nickt er freundlich. "Guter Morgen."
Lächelnd schaut sie zum Zelt und zur Feuerstelle. "Sind sie schon länger hier?"
"Ja, einige Tage.", antwortet er und erblickt den Korb in ihrer Hand. "Pilzen?", fragt er.
Hannah nickt. "Ich möchte heute Abend frische Pilzsuppe machen. Mögen Sie Pilze?"
"Ja, ich mag."
Er legt die beiden Bücher auf den Boden neben sich und steht auf, um sich vorzustellen.
"Ich heiße Kvothe.", sagt er mit hörbarem Akzent und verbeugt sich leicht vor ihr.
"Hannah. Freut mich!" Neugierig sieht sie zu Boden und entdeckt das Lernbuch. "Oh, Sie wollen Simlish lernen?"
Er folgt ihrem Blick. "Ja, natürlich.", nickt er. "Ich möchte ... sprechen mit alle." Er lacht leise auf, als ihm klar wird, dass er noch viel Übung braucht.
"Ich bin Simlish Lehrerin. Was ein Zufall." Da kommt ihr ein Gedanke. "Ich habe eine Idee. Ich helfe Ihnen beim Lernen und Sie sammeln mit mir Pilze. Was sagen Sie?"
Strahlend reicht er ihr die Hand. "Das ist ... wunderbaren."
Den Korb auf den Boden stellend, beugt sich Hannah vor und nimmt das Simlish Buch. "Dann legen wir doch direkt los." Sie schlägt die erste Seite auf.
Der Schüler setzt sich und schaut die neue Bekanntschaft aufmerksam an. Wissbegierig saugt er jedes Wort in sich auf. Er ist ein schneller und tüchtiger Lerner. Auf Notizen verzichtet der junge Mann bewusst - er verlässt sich auf sein gutes Gedächtnis. Hin und wieder schließt er konzentriert die Augen und wiederholt Hannahs Erklärungen, selten stellt er zwischendurch Fragen.
Da der Fremde die Begrüßung bereits zu beherrschen scheint, konzentriert sich die Lehrerin vorerst auf die Grammatik - Vokabeln lassen sich auch allein lernen.
Hannah schaut auf die Uhr. "Huch, schon über eine Stunde. Na ich würde vorschlagen, wir machen erstmal Pause. Das Gelernte sacken lassen, also verarbeiten." Dann schaut sie auf ihren Korb. Pilze sammeln kann sie gleich immer noch. Erstmal etwas entspannt sitzen und die Natur genießen. "Woher stammst du ursprünglich?"
"Ich komme von Imre.", antwortet er und reicht ihr eine kleine Glasflasche mit Wasser herüber.
Lächelnd nickt Hannah. Von diesem Ort hörte sie einst, doch es ist weit weg. Kein Wunder, dass er die Sprache erlernen möchte. "Und deine Familie unterstützt dich bei deiner... ich nenne es mal Weltreise?"
Der Blick des Rothaarigen wird traurig, dennoch huscht ein zartes Lächeln über seine Lippen.
"Nein.", sagt er leise und senkt den Kopf. "Alle sind ..." Eine Sekunde überlegt er. Wie heißt dieses Wort? Er schüttelt leicht den Kopf und setzt neu an: "Ich bin allein."
Das beschleichende Gefühl, einen wunden Punkt angesprochen zu haben, legt Hannah eine Hand auf seine Schulter. "Nicht ganz. Du hast ja deinen Hund! Und Brindleton Bay ist ein toller Ort, um seine Zelte aufzuschlagen." Sie schaut zum Zelt und lächelt. "Na dann lass uns doch Pilze sammeln gehen. Wenn Du möchtest, kannst du nachher mitkommen und wir essen gemeinsam mit meiner Familie die Suppe."
Er nickt und steht auf. Mit einem sauberen Pfiff ruft er nach Bast. Einen Augenblick später steht der Pitbull verschlafen an seiner Seite und schaut zu ihm hoch. Zu dritt gehen sie in das Waldstück hinein.
"Du gibst Pilz für Bast", Kvothe hält seine Finger an die Nase und riecht, "er such... t ....sucht."
Gespannt beobachtet Hannah den Hund, der tatsächlich einen Pilz nach dem anderen findet und Hannah so mühelos in kurzer Zeit den Korb voll mit Pilzen hat. "Du bist ein ganz Feiner! Klasse!", lobt sie Bast und streichelt ihn.
Der Vierbeiner freut sich sichtlich über die Zuwendung der neuen Freundin. Schwanzwedelnd tippelt er von einer Pfote auf die andere.
Auch Kvothes Tasche ist gut gefüllt mit Beeren, Gräsern und Kräutern. Sogar etwas Baumrinde hat er mitgenommen.
Als sie wieder am Zelt ankommen, verstaut er die Beute, nimmt seine Violine auf den Rücken und ist bereit für den Besuch bei Hannahs Familie.
- Im Haus der Garcias -
Hannah macht sich mit ihren Gästen auf den Weg nach Hause. "Kommt rein." Sie bittet Kvothe sich an den Tisch zu setzen. "Mein Mann müsste gleich auch nach Hause kommen." Die Pilze bringt sie in die Küche und bereitet schon etwas vor. "Möchtest du etwas trinken?", fragt sie den Besucher. Eine Schüssel mit Wasser stellt sie für Bast hin.
"Wasser.", antwortet der Gast, während er sich mit neugierigen Blicken umsieht. Es ist das erste Wohnhaus dieser Gegend, das er betritt. In einigen Kulturen spiegelt sich der Glaube in der Einrichtung wieder. In anderen der soziale Fortschritt.
Hannah reicht dem Gast das Getränk. Da kommt auch schon ihr Mann José herein. "Gute Tag.", begrüßt er den Fremden und stellt sich vor.
Der Rothaarige steht auf und verbeugt sich halb.
"Guter Tag. Ich bin Kvothe. Das ist Bast."
Nach der Begrüßung kommt Hannah zu den beiden Männern und berichtet José von ihrer Begegnung mit Kvothe und Bast. "Und jetzt bereite ich uns die Pilzsuppe zu. Die Kinder sind leider nicht daheim, sonst hätten sie unseren Gast auch kennen lernen können. Aber dann machen wir uns zu dritt einen schönen Abend." Zu Boden schauend erblickt Hannah Bast. "Entschuldige, natürlich zu viert." Sie streichelt ihn liebevoll und begibt sich danach wieder in die Küche.
Mit gebrochener Sprache, aber großen Bemühungen versucht der Gast ein Gespräch mit José zu beginnen und ist froh, zu erkennen, dass sein Gegenüber offensichtlich sehr offen ist.
Nach einiger Zeit kommt auch Hannah zu den beiden Männern und bringt die Suppe. Gemeinsam wird gespeist, gesprochen und gelacht. Bis spät in den Abend wird gemeinsam geplauscht, bis sich Kvothe mit Bast auf den Heimweg macht. Hannah und José bieten den Campern an, jederzeit vorbeizukommen. "Ihr seid jederzeit herzlich Willkommen!"
(in Zusammenarbeit mit @Spatz)