Forum Discussion
3 years ago
Ort: Männer-WG, Evergreen Harbor
Charaktere: Logan, Tom
Geschichtsstrang: Zusammenraufen
Es ist drei Tage her, dass Logan seinen Mitbewohnern begegnet ist. Nachdem er und Tom beinahe aneinander geraten waren, hatte der Jüngste die Wohnung weitgehend gemieden. Lediglich zum Umziehen war er hin und wieder unbemerkt in seinem Zimmer verschwunden.
Die Tage verbrachte er viel Zeit mit Alma, seinem Schlagzeug, in Bars und auf der Straße. Bis sich irgendwann die Tatsache in seinen Verstand schlich, dass er sich genau wie damals in England verhält. Nichts hat sich seitdem verändert. Noch immer ist er auf der Flucht vor sich selbst - und der Bestie in seinem Inneren, die durch IHN geschaffen und genährt wurde, seit Logan denken kann.
Nachdenklich spaziert er durch die Kleinstadt. Wieder einmal hat er sich einige Drinks in der Old Station Bar gegönnt und beschlossen, sich der Situation zu stellen. Als er schließlich in der Wohnung ankommt, ist es schon spät. Die Lichter sind erloschen und so geht auch er nach der heißen Dusche ins Bett. An die Decke schauend geht er den Plan für morgen durch. Er wird sich nicht zurückziehen. Er wird warten, bis er eine Chace hat, den Großen anzusprechen. Sein Herz beginnt bei diesem Gedanken, stärker zu pumpen. Mit geschlossenen Augen atmet er bewusst ruhig und gleichmäßig. In Gedanken ermahnt er sich, entspannt zu bleiben - Es gibt nichts zu befürchten. Wenn er sich anständig verhält, wird Tom ihm nichts tun. Er muss es nur schaffen, seine Gedanken zu sortieren. Er darf Tom nicht mit dieser Zeit in Verbindung bringen. Dann wird es funktionieren.
Der Mechaniker kehrt spät in der Nacht von seinem Minijob zurück. Das zusätzliche Gehalt ist für ihn wichtig. Wofür er es ausgeben möchte, weiß er schon: sein Baby braucht neue Teile und soll noch sportlicher gemacht werden.
Auch will er Flex hierher einladen. Aber zuerst heimkommen und entspannen. Er öffnet die Tür und geht direkt in die Küche. Ein kleiner Snack schadet sicher nicht.
Hinter geschlossenen Lidern nimmt Logan die Geräusche jenseits der Zimmertür wahr. Trotzdem braucht sein Verstand einen Moment, um zu begreifen, dass sie real sind.
Toms Motorrad röhrt, als er die Maschine auf den Parkplatz fährt. Die Haustür fällt ins Schloss, dann bemüht leises Werkeln in der Küche.
Logan setzt sich auf. Er könnte es jetzt tun. Dann hat er es hinter sich. Wie soll er wissen, welche Laune ihm in einigen Stunden, nach dem Aufstehen im Nacken sitzt. Seine Gedanken werden unruhig und er schnauft ein Mal, zwei Mal - dann steht er auf, geht die wenigen Schritte zur Tür und öffnet sie leise. Die Geräusche werden unmerklich lauter.
Als Logan im Rahmen zur Küche steht, setzt sich Tom gerade hin - mit dem Rücken zum Mitbewohner. Logan hat keine Ahnung, ob er ihn bemerkt hat und bleibt kurz dort stehen. Mit dem aufsteigenden Gefühl von einer leichten Paralyse bohrt sich sein Blick in den Nacken des Riesen. 'Er isses nich'. Ich bin nich' vierzehn, nich in England und er isses nich'.
Tief Luft holend macht der Jüngste einen Schritt in die Küche. Dann noch einen und schließlich steht er vor seinem Mitbewohner am Tisch.
"Hey.", sagt er leise - klingt seine Stimme dünn? Ängstlich? Er schluckt einen dicken Brocken herunter und zieht den Stuhl ein Stück weg, um sich zu setzen.
"Wir sollten reden.", beginnt er.
Logan spürt diesen vertrauten festen Griff im Nacken. Vor seinem inneren Auge wird er mit dem Gesicht gewaltvoll auf die Tischplatte gepresst. "Entschuldige dich!", faucht ER direkt neben seinem Ohr.
Logan schließt die Augen. Mit der rechten Hand versucht er diese widerwärtige Stimme abzudecken. Aber sie ist in ihm. Es nützt ihm nichts, das Ohr zuzuhalten.
"Es tut mir leid.", ruft er vor Schmerz und Panik.
"Es tut mir leid.", murmelnd wiederholt er die Worte von damals. Die starken Finger pressen sich tief in seine Muskeln und erschweren das Atmen.
"Ich werds nie wieder tun!", ruft er voller Verzweiflung.
"Ich werd's nie wieder tun.", raunt er monoton und kraftlos, ohne Tom anzusehen.
Tom, der das ganze mitbekommt hebt die Augenbraue. Ihm war schon länger klar, dass Logan nicht wirklich in der Spur läuft ... aber das gerade schlägt dem Fass den Boden aus. Er erhebt sich um sich aus der Küche zu entfernen. Als er das Elend vor sich sieht betrachtet dieser sein Gegenüber. "Was stimmt eigentlich nicht mit dir?", fragt er im ruhigen, neutralem Tonfall.
"Die Liste is' lang.", seufzt der Jüngere, noch am Tisch sitzend. "Wie genau willst du's wissen?"
Unter diesen Umständen ist er bereit, Einiges preis zu geben. Ihm ist klar, dass er kein einfacher Typ ist. Und dass Hintergrundinformationen helfen können. Er hatte nur gehofft, er würde ohne ein solches Gespräch auskommen.
Mit verschränkten Armen erwidert Tom: "Also an eine komplette Biografie bin ich nicht interessiert. ... Es würde reichen, was dein Trigger ist ... mehr muss ich nicht wissen." So würde sich zumindest Logans Aggression früher feststellen können und Gegenmaßnahmen ergreifen lassen.
"Das is' nich' so einfach.", beginnt Logan und schaut nun auf zu seinem Mitbewohner. Er erinnert ihn an strenge Respektspersonen, wie sie ihm so häufig begegnet sind.
"Es gibt Phasen, in denen ... Wo irgendwas in mir mehr reagiert als sonst. Kann das schlecht kontrollieren."
Sein Blick senkt sich wieder und fixiert nun einen alten Brandfleck auf dem Tisch. An den schlimmsten Tagen könnte selbst so etwas ausreichen. Noch einmal seufzend kratzt er sich am Kopf und versucht zu erklären: "Du hast was an dir. Manchmal. Deine Art, Sachen zu sagen."
Der britische Akzent mischt sich unter einzelne Worte - ein sicheres Zeichen dafür, dass Logans Unruhe steigt.
"Wenn du ..." Er schafft es nicht, das Wort auszusprechen. "... mich so nennst. Das löst was aus." Ein schweres Schlucken kämpft sich seinen Rachen herunter. Für eine Sekunde bleibt die Stimme weg. "Manchmal bin ich dann wieder da. Nich' hier. Weiß nich', ob du das verstehst, aber ich kann das nich' stoppen. Es vermischt sich irgendwie."
Der Mechaniker lässt die Worte auf sich wirken.
"Ich weiß, dass ich 'n beschissener Zeitgenosse bin. Ich versuch' dran zu arbeiten. Ich geb' mir wirklich Mühe. Aber dann kommt irgendwas und alles fängt von vorne an. Ich pack's einfach nich'."
Kommentare von IHM und Monica regnen auf ihn herab. Kommentare, die es schon Jahre vorher wussten.
'du wirst es nie zu was bringen.'
'Du bist nutzlos.'
'Ein Haufen Dreck.'
'Hundescheiße an meinem Schuh ist mehr Wert.'
Von irgendwoher hört er Knack-und Schmatzgeräusche.
'Hab gefälligst Respekt, du Missgeburt!'
'Du siehst aus, wie er.'
'Ich werde dir schon beibringen, zu gehorchen.'
"Ich glaub, bei Valentin war's die Sache mit dem Respekt.", gesteht er leise. "Er sagte, ich soll gefälligst Respekt haben. Das hat mich austicken lassen. Ich erinner' mich nur verschwommenen. Hatte mich nich' unter Kontrolle."
Tom sieht zu Logan. "Das du nicht in der Spur läufst, ist mir schon länger bewusst ... Jedoch ... sollte dir klar sein ... wenn du hier in dieser WG leben willst ... dass du deine Ticks oder Ausraster meiden oder woanders ausleben solltest. ... Hier sind sie fehl am Platz." Der Ältere ist klar in seiner Formulierung. "Es ist eine Sache, dass du mich anspuckst oder sonstigen Terror machst ... aber das mit Valentin ging gar nicht. Sowas passiert kein zweites Mal."
"Ich mach' das nich', weil ich Bock drauf hab'. Kannst mir glauben, dass ich auch lieber meine Ruhe hätte." Logan schaut wieder auf den Fleck auf dem Tisch.
"Ich betone es nur, weil mir alle hier in der WG wichtig sind. ... Es geht mir nicht darum, dich hier klein zu halten oder fertig zu machen. ... Dir soll nur bewusst sein, was auf dem Spiel steht, wenn du den Bogen überspannst." Führt Tom fort. Fügt dann hinzu: "Wenn das bei dir quasi blind drauf los passiert, dann müssen wir überlegen, wie wir zukünftig damit umgehen sollen ... Am Besten wäre es sicher, wenn du dann in der Situation einfach raus gehst, dich an nem Baum abreagierst oder so. Oder wir lassen dich einfach stehen, wenn es dir mehr hilft, wieder klar im Kopf zu werden."
Der Kleinere nickt. "Raus schmeißen is' vermutlich die beste Idee." Er hebt den Blick, seine Augen wirken plötzlich glasig. "Nur sperrt mich nich' irgendwo ein."
"In Ordnung. Dann weiß ich Bescheid. Ich sage das auch Jim, wie auch Valentin", erwidert Tom ruhig.
Bedächtig steht er auf und verlässt die Küche. Dabei schenkt er dem Großen ein zuversichtliches Nicken. "Ich geb' mir Mühe. Versprochen." Er zieht an Tom vorbei und verlässt die Wohnung.
Als Logan draußen ist, lehnt sich der Mechaniker in den Stuhl und seufzt innerlich. Er hat ein mulmiges Gefühl und hofft, dass sich dieses nicht bewahrheitet.
(in Zusammenarbeit mit @KFutagoh89)