Forum Discussion
3 years ago
Ort: Oasis Springs, Haushalt Töpfer, Halloweennacht
Charakter: Chip, Bertl
Geschichtsstrang: Zu viel ist zu viel
Mit einem Ruck fährt Bertl vom Sofa hoch. Er ist Schweiß gebadet. Hektisch bewegt sein Blick sich durch den dunklen, nur von ein paar spärlichen Mondstrahlen erhellten, Raum. Sein Atem geht schnell. Kein Himmel über ihm. Was ist das für ein Haus? Langsam rücken die Gegenstände in seinem Bewusstsein an ihren angestammten Platz. Kamin, Fernseher, Tisch und..die Pralinenschachtel. Erleichtert aufatmend schwingt er die Beine von der Couch und setzt sich aufrecht hin. Er ist zuhause..ZUHAUSE. Eine warme Welle der Dankbarkeit durchströmt ihn und erfüllt ihn mit Energie, wie er sie schon lange nicht mehr gespürt hat. Er wischt sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn und erhebt sich leicht schwankend.
Er muss jetzt zu Marga. Alles erklären. Nach ein paar tiefen Atemzügen strafft er den Rücken und erklimmt die Stufen in den ersten Stock, wo das Schlafzimmer liegt. Kurz bleibt er vor Adrians Zimmertür stehen und lauscht. Mucksmäuschenstill. Fast geräuschlos öffnet er die Tür einen Spalt und linst hindurch. Leer. Enttäuscht schließt er sie wieder. Bestimmt wieder irgendwo mit diesem Blaisdell Bengel unterwegs. Ebenso behutsam schiebt er dann die Schlafzimmertüre auf und erschrickt. Das Bett liegt sorgfältig gemacht und unbenützt in einer Pfütze aus bleichem Mondlicht, was es beinahe wie ein Totenlager aussehen lässt. Geschockt steht Bertl davor. Sein rasender Herzschlag passt sich den sich überschlagenden Gedanken an. Wo ist seine Frau? Sein Sohn? Was geht hier vor?
Mit einem Ruck dreht er sich auf der Ferse herum und eilt wieder nach unten. „Marga!“ Ein Schrei auf der Treppe. „Marga?“ Unten angekommen. „MARGA!!“
Küchentüre aufreißen und stocksteif stehen bleiben ist eins. Was zum Teufel ist hier los? Sein unruhiger Blick gleitet über den festlich für zwei gedeckten Küchentisch. Ist das die Tischecke aus ihrem Aussteuerschrank? Ihre Mutter hatte noch auf diesen altmodischen Kram bestanden und Bertl weiß, dass Marga daran hängt und sie nur für ganz besondere Anlässe verwendet. Eiseskälte kriecht in seiner Brust hoch und legt sich wie ein tödlicher Ring um sein Herz. Sie deckt einen Tisch für zwei, mit Kerzen und der Tischdecke, die sie mit in die Ehe gebracht hat, in seiner Abwesenheit?!
Der Eisring beginnt zu schmelzen und hitzige Wut übernimmt das Steuer. Wo steckt sie? Mit einem Verehrer unterwegs und gleich kommen sie nach Hause um hier einen kleinen, romantischen Nachtimbiss zu haben? Bertls Kiefer beginnen zu malmen. Da hat Er aber noch ein Wörtchen mit zu reden! Er ballt die Fäuste, als ihm plötzlich die Erleuchtung kommt. Natürlich! Zwiesel. Herbert Zwiesel..der Hund! Sofort ist das Bild aus der Zukunft präsent. Marga, die lächelnd mit ihm in das Haus geht.Wie hatte er noch gesagt?
„Du machst die Kinder so glücklich mit deinen Geschichten, ich wusste immer dass du ein goldenes Herz hast, schon damals als du uns immer deinen leckeren Kirschschnaps verkauft hast.“ In flammenden Lettern stehen diese Worte vor Bertls innerem Auge.
Er steht hier von den Anfängen dieser unglückseligen Entwicklung! Der Keimzelle dieser Entwicklung! Sie ist bei Herbert! Mit einem wütenden Aufschrei packt Bertl die Tischdecke und zieht sie mit einem gewaltsamen Ruck vom Tisch. Sämtliche Deko schleudert durch den Raum, knallt gegen Schranktüren und kullert über den Boden. Mit wildem Blick tritt Bertl gegen den Tisch, der Richtung Fenster kippt und gegen die Fenster prallt. Es knackt und eine der Scheiben springt von oben bis unten, bleibt aber im Rahmen. Noch immer kochend, macht er kehrt und stürmt aus dem Haus, die nächtliche Straße hinunter. Dem Kerl wird er's zeigen!
Unterdessen..
Nicht denken, nicht denken, nicht denken, nicht...während ihn seine Beine wie mechanisch pumpend nach Hause tragen, kreisen die Worte mantraartig in Chips Kopf. Er kann das, er kann die Gedanken unterdrücken, das hat er vor langer Zeit gelernt und perfektioniert. Jetzt spürt er, dass seine Gefühle und die Panik permanent ganz knapp unter der Oberfläche pulsieren. Er muss den Deckel geschlossen halten, bis er in sicherer Umgebung ist. Bis er das erlauben darf. Bis er Denize und dem Abend erlauben kann, wieder in sein Bewusstsein zu dringen. Der Kies spritzt unter seinen Sohlen weg, so schnell hetzt er durch die Nacht. Kurz bevor er sein Zuhause erreicht bremst er so abrupt ab, dass er eine Spur in den Kies zieht. Keuchend starrt er auf das Gebäude. Alle Lichter brennen im Untergeschoss. Die Haustür steht sperrrangelweit auf. What the f...??!
Ist seine Mutter da? Nein, dann wäre die Tür nicht offen.. Einbrecher? Hat er selbst das so hinterlassen?
Zögernd klettert Chip die Stufen zum Eingang hoch und betritt mit wild pochendem Herzen das Haus. Leise lehnt er die Tür hinter sich an und verharrt lauschend imFlur. Alles still, aber die Küchentür steht auf und..Zeug liegt überall verstreut?
Doch ein Einbruch? Mit ein paar Schritten hat er den Raum erreicht und starrt geschockt auf das Chaos, das sich ihm bietet. Es ist alles so ordentlich, wie er es hinterlassen hat, nur der Tisch ist verwüstet worden. Immer noch schwer atmend versucht er eine sinnvolle Erklärung für all das zu finden, als von draussen wütende Stimmen zu hören sind. Sein Blick irrt von rechts nach links, er kann keinen klaren Gedanken fassen und steht wie angewurzelt. WAMM! Mit einem lauten Knall fliegt die Haustüre auf. Chip wirbelt herum und sieht sich einem vor Wut schnaubenden Nachbarn gegenüber und...seinem Vater??
Das ist alles ein Film, ein Horrortrip...das Gras war gestreckt mit irgendnem psychedelischen Zeug und gleich wird er aufwachen...alles ist nur ein Traum. Wach auf, wach auf, wach..
Für ein paar Augenblicke starren die drei sich wortlos an. Chip wird bewusst, was er für einen Anblick bieten muss. Das Halloween Kostüm, die rote Farbe, das verschmierte Make-up. Bertl trägt irgendwelche seltsame Kleidung, die Chip noch nie zuvor gesehen hat. Sein erster Impuls beim seinem Anblick, ist Erleichterung. Nicht Freude, aber Erleichterung, dass er noch lebt. Der zweite ist Wut. Wut darüber, dass sich schon wieder irgendein verrücktes Spektakel abspielt. Beides bleibt aber verschlossen in seinem Inneren. Er kann nur verwirrt und geschockt auf die beiden Männer stieren, unfähig irgendetwas zu sagen oder sich zu rühren. Dann kommt wieder Leben in Herbert Zwiesel, der den jetzt wild fluchenden Bertl am Kragen gepackt hat und vor sich her, Richtung Küche schiebt.
„Hier! Nimm diesen durchgedrehten Spinner von Vater zu dir und sorg dafür, dass er NIE wieder einen Fuß in Richtung unseres Hauses setzt! Sonst kannst du ihn im Knast besuchen!“
Zwiesel versetzt Bertl einen heftigen Schubs, der stolpert, fällt und reisst Chip mit zu Boden. Herbert stürmt raus, knallt die Eingangstüre hinter sich zu und man kann ihn draussen noch weiter schimpfen hören.
In Chip, der gerade noch in der Vorstellung gefangen war, gleich in der 'normalen' Realität aufzuwachen, steigt Ekel hoch, als er sich in so engem Körperkontakt zu seinem Erzeuger wieder findet. Bertl und er versuchen gleichzeitig auf die Füße zu kommen, was zu einem hektischen Gerangel am Boden führt, bis Chip sich hoch rappeln und an der Küchentheke hoch ziehen kann. „Was zur Hölle ist hier los? Wo kommst du her und was ist das alles hier für eine Sche iße?!“ brüllt Chip seinen Vater an. Gleichzeitig fragt er sich ob das überhaupt sein Vater ist oder irgendeine Erscheinung. In seinem Kopf dreht sich alles und er kann spüren, wie die brodelnde Suppe in seinem Inneren nach oben kochen will. Mühsam ringt er sie wieder nieder und schreit weiter. „Sag was verdammt nochmal oder ich dreh gleich total durch!“
„Warte, du verstehst nicht! Bertl steht schwankend auf und streckt abwehrend einen Arm gegen seinen wütenden Sohn. „Lass mich erklären. Deine Mutter ist weg, versteckt sich vermutlich bei Herbert und ich musste verhindern, dass sie mit Zwiesel ein neues Leben anfängt, er liebt sie und seine Frau ist schwer krank..“
„WAS? WAS LABERST DU DA FÜR SCHWACHSINN??“ Fassungslos hört Chip diesem Sim, der aussieht wie sein Vater, aber definitiv zehn mal so durchgeknallt ist wie Bertl, zu. Er presst den Rücken gegen die Kante der Küchentheke, um möglichst viel Abstand zwischen sich und ihn zu bringen. Das MUSS ein Alptraum sein!
„Vielleicht kannst du ihn zur Vernunft bringen? Ich hab's vermasselt und..“ Bertls Ton wird flehend.
Das ist zu viel. Es ist einfach alles zu viel!
„Weißt du was? Der Einzige der hier krank ist bist DU! Leck mich !“
Chip wirbelt herum und stürmt die Treppe hoch. Kaum im Zimmer, dreht er mit zitternden Fingern den Schlüssel im Schloss herum und lehnt sich schwer atmend an die Tür. Die 'Adrian' Rufe seines Vaters ignoriert er.
„Nicht denken, nicht verrückt werden, nicht denken, nicht verrückt werden, nicht..“
Diesmal spricht er die Worte laut aus. Er muss seine eigene Stimme hören, damit er nicht völlig abhebt. Sein Blick fällt auf den Rucksack, der achtlos hingeworfen vor seinem Bett liegt. Ausdruckslos starrt er einen Moment darauf, dann stemmt er sich von der Tür ab und hebt ihn auf. Gerade noch rechtzeitig, denn schon rüttelt Bertl von außen an der Türklinke. „Adrian, bitte...hör mir zu. Du missverstehst das alles. Ich..ich wollte euch nicht im Stich lassen, ich bin ungewollt..ich meine..." Dann leise murmelnd. "Nein, ich darf das nicht sagen, sonst tötet er mich..“ Sein Vater murmelt weiter wirres Zeug vor der Zimmertüre und Chip macht die Schotten dicht innerlich, während er hektisch Klamotten aus seinem Schrank reisst und in den Rucksack stopft. Er muss raus aus diesem Irrenhaus! Rasch schraubt er den losen Fuß seines Bettes ab und fischt die gesamten Ersparnisse der letzten Wochen heraus. Führerscheingeld. Zukunftsgeld. Nicht denken, nicht denken, nicht denken.. Chip stopft es in die Innentasche des Rucksacks und sieht sich nochmal um. Er kann nicht ins Bad um Zahnbürste und solchen Kram zu holen, solange der Alte vor der Tür herumturnt, es muss also erstmal so gehen. Okay, noch die Schachtel Kippen vom Schreibtisch, Feuerzeug, Handy, sein Skateboard? Nein...doch, das muss mit...nein..aber die Cap! Ohne die geht nichts. Chip setzt sie auf, schultert das Gepäck und öffnet leise das Fenster. Geübt schwingt er sich rüber zur Regenrinne und hangelt sich daran hinunter.
Kurz darauf verschluckt in die Dunkelheit. Er will zum Skateplatz, sich waschen, umziehen und dann...weg. Eine halbe Stunde später steht er mit nassen Haaren und frischen Klamotten in Oasis Springs am Straßenrand und hält den Daumen in den Wind. Nicht denken, nicht denken, nicht denken, nicht...
Charakter: Chip, Bertl
Geschichtsstrang: Zu viel ist zu viel
Mit einem Ruck fährt Bertl vom Sofa hoch. Er ist Schweiß gebadet. Hektisch bewegt sein Blick sich durch den dunklen, nur von ein paar spärlichen Mondstrahlen erhellten, Raum. Sein Atem geht schnell. Kein Himmel über ihm. Was ist das für ein Haus? Langsam rücken die Gegenstände in seinem Bewusstsein an ihren angestammten Platz. Kamin, Fernseher, Tisch und..die Pralinenschachtel. Erleichtert aufatmend schwingt er die Beine von der Couch und setzt sich aufrecht hin. Er ist zuhause..ZUHAUSE. Eine warme Welle der Dankbarkeit durchströmt ihn und erfüllt ihn mit Energie, wie er sie schon lange nicht mehr gespürt hat. Er wischt sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn und erhebt sich leicht schwankend.
Er muss jetzt zu Marga. Alles erklären. Nach ein paar tiefen Atemzügen strafft er den Rücken und erklimmt die Stufen in den ersten Stock, wo das Schlafzimmer liegt. Kurz bleibt er vor Adrians Zimmertür stehen und lauscht. Mucksmäuschenstill. Fast geräuschlos öffnet er die Tür einen Spalt und linst hindurch. Leer. Enttäuscht schließt er sie wieder. Bestimmt wieder irgendwo mit diesem Blaisdell Bengel unterwegs. Ebenso behutsam schiebt er dann die Schlafzimmertüre auf und erschrickt. Das Bett liegt sorgfältig gemacht und unbenützt in einer Pfütze aus bleichem Mondlicht, was es beinahe wie ein Totenlager aussehen lässt. Geschockt steht Bertl davor. Sein rasender Herzschlag passt sich den sich überschlagenden Gedanken an. Wo ist seine Frau? Sein Sohn? Was geht hier vor?
Mit einem Ruck dreht er sich auf der Ferse herum und eilt wieder nach unten. „Marga!“ Ein Schrei auf der Treppe. „Marga?“ Unten angekommen. „MARGA!!“
Küchentüre aufreißen und stocksteif stehen bleiben ist eins. Was zum Teufel ist hier los? Sein unruhiger Blick gleitet über den festlich für zwei gedeckten Küchentisch. Ist das die Tischecke aus ihrem Aussteuerschrank? Ihre Mutter hatte noch auf diesen altmodischen Kram bestanden und Bertl weiß, dass Marga daran hängt und sie nur für ganz besondere Anlässe verwendet. Eiseskälte kriecht in seiner Brust hoch und legt sich wie ein tödlicher Ring um sein Herz. Sie deckt einen Tisch für zwei, mit Kerzen und der Tischdecke, die sie mit in die Ehe gebracht hat, in seiner Abwesenheit?!
Der Eisring beginnt zu schmelzen und hitzige Wut übernimmt das Steuer. Wo steckt sie? Mit einem Verehrer unterwegs und gleich kommen sie nach Hause um hier einen kleinen, romantischen Nachtimbiss zu haben? Bertls Kiefer beginnen zu malmen. Da hat Er aber noch ein Wörtchen mit zu reden! Er ballt die Fäuste, als ihm plötzlich die Erleuchtung kommt. Natürlich! Zwiesel. Herbert Zwiesel..der Hund! Sofort ist das Bild aus der Zukunft präsent. Marga, die lächelnd mit ihm in das Haus geht.Wie hatte er noch gesagt?
„Du machst die Kinder so glücklich mit deinen Geschichten, ich wusste immer dass du ein goldenes Herz hast, schon damals als du uns immer deinen leckeren Kirschschnaps verkauft hast.“ In flammenden Lettern stehen diese Worte vor Bertls innerem Auge.
Er steht hier von den Anfängen dieser unglückseligen Entwicklung! Der Keimzelle dieser Entwicklung! Sie ist bei Herbert! Mit einem wütenden Aufschrei packt Bertl die Tischdecke und zieht sie mit einem gewaltsamen Ruck vom Tisch. Sämtliche Deko schleudert durch den Raum, knallt gegen Schranktüren und kullert über den Boden. Mit wildem Blick tritt Bertl gegen den Tisch, der Richtung Fenster kippt und gegen die Fenster prallt. Es knackt und eine der Scheiben springt von oben bis unten, bleibt aber im Rahmen. Noch immer kochend, macht er kehrt und stürmt aus dem Haus, die nächtliche Straße hinunter. Dem Kerl wird er's zeigen!
Unterdessen..
Nicht denken, nicht denken, nicht denken, nicht...während ihn seine Beine wie mechanisch pumpend nach Hause tragen, kreisen die Worte mantraartig in Chips Kopf. Er kann das, er kann die Gedanken unterdrücken, das hat er vor langer Zeit gelernt und perfektioniert. Jetzt spürt er, dass seine Gefühle und die Panik permanent ganz knapp unter der Oberfläche pulsieren. Er muss den Deckel geschlossen halten, bis er in sicherer Umgebung ist. Bis er das erlauben darf. Bis er Denize und dem Abend erlauben kann, wieder in sein Bewusstsein zu dringen. Der Kies spritzt unter seinen Sohlen weg, so schnell hetzt er durch die Nacht. Kurz bevor er sein Zuhause erreicht bremst er so abrupt ab, dass er eine Spur in den Kies zieht. Keuchend starrt er auf das Gebäude. Alle Lichter brennen im Untergeschoss. Die Haustür steht sperrrangelweit auf. What the f...??!
Ist seine Mutter da? Nein, dann wäre die Tür nicht offen.. Einbrecher? Hat er selbst das so hinterlassen?
Zögernd klettert Chip die Stufen zum Eingang hoch und betritt mit wild pochendem Herzen das Haus. Leise lehnt er die Tür hinter sich an und verharrt lauschend imFlur. Alles still, aber die Küchentür steht auf und..Zeug liegt überall verstreut?
Doch ein Einbruch? Mit ein paar Schritten hat er den Raum erreicht und starrt geschockt auf das Chaos, das sich ihm bietet. Es ist alles so ordentlich, wie er es hinterlassen hat, nur der Tisch ist verwüstet worden. Immer noch schwer atmend versucht er eine sinnvolle Erklärung für all das zu finden, als von draussen wütende Stimmen zu hören sind. Sein Blick irrt von rechts nach links, er kann keinen klaren Gedanken fassen und steht wie angewurzelt. WAMM! Mit einem lauten Knall fliegt die Haustüre auf. Chip wirbelt herum und sieht sich einem vor Wut schnaubenden Nachbarn gegenüber und...seinem Vater??
Das ist alles ein Film, ein Horrortrip...das Gras war gestreckt mit irgendnem psychedelischen Zeug und gleich wird er aufwachen...alles ist nur ein Traum. Wach auf, wach auf, wach..
Für ein paar Augenblicke starren die drei sich wortlos an. Chip wird bewusst, was er für einen Anblick bieten muss. Das Halloween Kostüm, die rote Farbe, das verschmierte Make-up. Bertl trägt irgendwelche seltsame Kleidung, die Chip noch nie zuvor gesehen hat. Sein erster Impuls beim seinem Anblick, ist Erleichterung. Nicht Freude, aber Erleichterung, dass er noch lebt. Der zweite ist Wut. Wut darüber, dass sich schon wieder irgendein verrücktes Spektakel abspielt. Beides bleibt aber verschlossen in seinem Inneren. Er kann nur verwirrt und geschockt auf die beiden Männer stieren, unfähig irgendetwas zu sagen oder sich zu rühren. Dann kommt wieder Leben in Herbert Zwiesel, der den jetzt wild fluchenden Bertl am Kragen gepackt hat und vor sich her, Richtung Küche schiebt.
„Hier! Nimm diesen durchgedrehten Spinner von Vater zu dir und sorg dafür, dass er NIE wieder einen Fuß in Richtung unseres Hauses setzt! Sonst kannst du ihn im Knast besuchen!“
Zwiesel versetzt Bertl einen heftigen Schubs, der stolpert, fällt und reisst Chip mit zu Boden. Herbert stürmt raus, knallt die Eingangstüre hinter sich zu und man kann ihn draussen noch weiter schimpfen hören.
In Chip, der gerade noch in der Vorstellung gefangen war, gleich in der 'normalen' Realität aufzuwachen, steigt Ekel hoch, als er sich in so engem Körperkontakt zu seinem Erzeuger wieder findet. Bertl und er versuchen gleichzeitig auf die Füße zu kommen, was zu einem hektischen Gerangel am Boden führt, bis Chip sich hoch rappeln und an der Küchentheke hoch ziehen kann. „Was zur Hölle ist hier los? Wo kommst du her und was ist das alles hier für eine Sche iße?!“ brüllt Chip seinen Vater an. Gleichzeitig fragt er sich ob das überhaupt sein Vater ist oder irgendeine Erscheinung. In seinem Kopf dreht sich alles und er kann spüren, wie die brodelnde Suppe in seinem Inneren nach oben kochen will. Mühsam ringt er sie wieder nieder und schreit weiter. „Sag was verdammt nochmal oder ich dreh gleich total durch!“
„Warte, du verstehst nicht! Bertl steht schwankend auf und streckt abwehrend einen Arm gegen seinen wütenden Sohn. „Lass mich erklären. Deine Mutter ist weg, versteckt sich vermutlich bei Herbert und ich musste verhindern, dass sie mit Zwiesel ein neues Leben anfängt, er liebt sie und seine Frau ist schwer krank..“
„WAS? WAS LABERST DU DA FÜR SCHWACHSINN??“ Fassungslos hört Chip diesem Sim, der aussieht wie sein Vater, aber definitiv zehn mal so durchgeknallt ist wie Bertl, zu. Er presst den Rücken gegen die Kante der Küchentheke, um möglichst viel Abstand zwischen sich und ihn zu bringen. Das MUSS ein Alptraum sein!
„Vielleicht kannst du ihn zur Vernunft bringen? Ich hab's vermasselt und..“ Bertls Ton wird flehend.
Das ist zu viel. Es ist einfach alles zu viel!
„Weißt du was? Der Einzige der hier krank ist bist DU! Leck mich !“
Chip wirbelt herum und stürmt die Treppe hoch. Kaum im Zimmer, dreht er mit zitternden Fingern den Schlüssel im Schloss herum und lehnt sich schwer atmend an die Tür. Die 'Adrian' Rufe seines Vaters ignoriert er.
„Nicht denken, nicht verrückt werden, nicht denken, nicht verrückt werden, nicht..“
Diesmal spricht er die Worte laut aus. Er muss seine eigene Stimme hören, damit er nicht völlig abhebt. Sein Blick fällt auf den Rucksack, der achtlos hingeworfen vor seinem Bett liegt. Ausdruckslos starrt er einen Moment darauf, dann stemmt er sich von der Tür ab und hebt ihn auf. Gerade noch rechtzeitig, denn schon rüttelt Bertl von außen an der Türklinke. „Adrian, bitte...hör mir zu. Du missverstehst das alles. Ich..ich wollte euch nicht im Stich lassen, ich bin ungewollt..ich meine..." Dann leise murmelnd. "Nein, ich darf das nicht sagen, sonst tötet er mich..“ Sein Vater murmelt weiter wirres Zeug vor der Zimmertüre und Chip macht die Schotten dicht innerlich, während er hektisch Klamotten aus seinem Schrank reisst und in den Rucksack stopft. Er muss raus aus diesem Irrenhaus! Rasch schraubt er den losen Fuß seines Bettes ab und fischt die gesamten Ersparnisse der letzten Wochen heraus. Führerscheingeld. Zukunftsgeld. Nicht denken, nicht denken, nicht denken.. Chip stopft es in die Innentasche des Rucksacks und sieht sich nochmal um. Er kann nicht ins Bad um Zahnbürste und solchen Kram zu holen, solange der Alte vor der Tür herumturnt, es muss also erstmal so gehen. Okay, noch die Schachtel Kippen vom Schreibtisch, Feuerzeug, Handy, sein Skateboard? Nein...doch, das muss mit...nein..aber die Cap! Ohne die geht nichts. Chip setzt sie auf, schultert das Gepäck und öffnet leise das Fenster. Geübt schwingt er sich rüber zur Regenrinne und hangelt sich daran hinunter.
Kurz darauf verschluckt in die Dunkelheit. Er will zum Skateplatz, sich waschen, umziehen und dann...weg. Eine halbe Stunde später steht er mit nassen Haaren und frischen Klamotten in Oasis Springs am Straßenrand und hält den Daumen in den Wind. Nicht denken, nicht denken, nicht denken, nicht...