Forum Discussion
3 years ago
Ort: Brindleton Bay, Gemeinschaftsgarten
Charaktere: Logan, Ben, Maryama
Titel: Der Fotojob
Logan betritt den Garten und sieht sich um. Es ist eine Weile her, dass er hier war. Zum Teil hat er diesen Ort bewusst gemieden, immerhin hat er hier vor viel zu vielen Augenzeugen einen starken Flashback durchlebt. Noch immer schämt er sich. Niemand sollte ihn so sehen - schwach und verletzlich.
So kostete es ihn eine Menge überwindung, den Fuß auf dieses Grundstück zu setzen. Hätte er nicht sein Wort gegeben, dieses Projekt fotografisch zu begleiten, wäre ihm der Auftrag egal. Aber Maryama und Ben verlassen sich auf ihn. Und ein Wort ist nun mal ein Wort. Man kann sicherlich viel Unschönes über Logan erzählen, aber er hat immer zu seinem Wort gestanden. Diese Eigenschaft ist das Einzige, auf das er in seinem Leben stolz ist.
Ben sieht Logan schon vom Weiten. Er schämt sich nun ein wenig dafür, sich Gedanken zu machen, ob er überhaupt auftauchen würde, nach dem Trauma, das hier ausgelöst wurde. Aber er hält offenbar tatsächlich sein Wort. Super. Er winkt ihm kurz zu und wartet, bis Logan näher kommen würde.
Es ist kalt, es ist Winter und trotzdem sprießt das Unkraut. Wie ist das möglich? Energisch rupft Maryama im erst kürzlich angelegten, noch nicht bepflanzten, Kräuterbeet Löwenzahn, Giersch und vereinzelte Brennnesseln heraus. Innerlich entschuldigt sie sich für das Wort Unkraut, sie hat schon Areale auserkoren wo diese Pflanzen ungestört wachsen dürfen, um irgendwann zu Tee oder Pesto verarbeitet zu werden, aber! nicht hier im Kräuterbeet. Als sie sich kurz aufrichtet, um den Rücken durchzustrecken und das Grünzeug in der Schubkarre nieder zu drücken, sieht sie Ben winken. Ihr Blick folgt seinem und entdeckt Logan. Er hat seine Kamera umhängen und betritt zielstrebig das Gelände. Das kommt unerwartet. Erfreut geht sie ihm entgegen, wischt dabei ihre erdigen Hände an den Hosen ab und bleibt schließlich bei ihm stehen. "Hey Logan, schön dass ihr zwei.." Sie zeigt auf die Kamera und schaut dann wieder lächelnd ihn an."..den Weg zu uns gefunden habt."
Etwas genervt grüßt Logan zuerst Ben, dann Maryama mit einem Kopfnicken. Er hatte nicht vor, so einen Wirbel auszulösen. Am liebsten würde er sofort wieder umkehren und den freudig Überraschten aus dem Weg gehen.
"Nun mach schon. Sei nicht so mürrisch." Verwundert dreht er sich herum. Die Stimme ist ihm vertraut. Doch niemand ist zu sehen. Er scheint wirklich langsam den Verstand zu verlieren. Daran muss er dringend arbeiten.
Mit geschlossenen Augen atmet er einmal tief durch, bevor er sich schließlich seiner Bekannten widmet. "Is' ja nich' schwer zu finden.", murmelt er so wenig schlecht gelaunt, wie er kann und zieht an ihr vorbei, um die ersten Bilder zu schießen.
Ein wenig verwundert sieht Ben, wie Logan sich umdreht, doch er kann niemanden sehen oder hören. Hat er Verfolgungsangst? Würde ihn nicht einmal wundern bei Logan. Doch er wirkt nicht panisch, und so zuckt Ben auch nur mit den Schultern. Vielleicht hat er es rascheln gehört und sich deshalb umgedreht, und es steckt nicht viel dahinter.
"Hey, warte mal." Maryama geht ein paar schnelle Schritte in seine Richtung. "Was hast du denn heute so vor an Motiven? Wir wollten das ja absprechen."
Der junge Mann bleibt stehen und mustert sie. Wollten sie das? Was soll man da großartig absprechen? Mit dem aufsteigenen Gefühl der Überforderung wischt er sich über die Augen.
"Wollte einfach 'n paar von den Beeten und Sträuchern einfangen. Bevor ihr alles gerupft habt. Nix Besonderes. Aber das Licht ist gut."
"Ja, das ist gut." Maryama lächelt. "Nur grob absprechen. Ich würd mir n paar Bilder von mir im neuen Kräutergarten am Gewächshaus wünschen und von Ben, der da hinten die neuen Beete anlegt, quasi als Ergänzung zu deinen frei geschossenen Bildern." Sie zeigt Richtung Glashaus. "Du findest mich da hinten am wühlen."
"Geht klar, Boss." Logan dreht sich herum und beginnt nach der besten Perspektive zu schauen. Als er einen guten Winkel findet, tauscht er das Objektiv aus und schießt mehrere Fotos.
Bei 'Boss' muss Maryama grinsen und schlendert zu Ben hinüber. "Logan kommt nachher mal bei dir vorbei um ein paar Bilder von dem schwer arbeitenden Ben zu schießen. Damit man sieht dass die schönen Feldfrüchte durch harte Arbeit entstanden und ihren Preis wert sind."
"Das sind sie auf jeden Fall.", lächelt der Angesprochene, "Ihren Preis wert!" Er hat versucht, mit Logan besser klar zu kommen. Aber obwohl - oder weil - er sogar bei dessen Wohnung war um nach dem Rechten zu sehen, scheint Logan immer noch nicht wirklich freundlich ihm gegenüber zu sein. So ist er froh darüber, dass es Maryama ist, die mit dem Lockigen geredet hat.
Maryama nickt bestätigend. "Ich reiss noch das letzte Unkraut aus dem Kräuterbeet bevor es Samen bildet. Dann können wir's noch kompostieren hoffe ich." Sie runzelt die Stirn. "Trocknen und verbrennen wäre auch eine Möglichkeit, aber ich bin mir nicht sicher ob das so legal ist." Sie schmunzelt. " Bin mal wieder da drüben." verabschiedet sie sich vorerst von Ben und macht sich wieder an die Arbeit.
Logan kommt indessen langsam in kreative Stimmung. Die frühwinterliche Sonne wirft zarte Strahlen auf die Landschaft, so dass sich hervorragend mit Licht und Schatten arbeiten lässt. Mit einem unbemerkten Ächzen richtet der Hobbyfotograf sich auf und skippt unbewusst nickend durch das frische Bildmaterial auf dem Display der Kamera.
Einen Moment sieht er sich um - sein Blick landet auf dem jungen Mann am hinteren Ende des Gartens. Das unangenehme Gefühl surrt um Logan herum, wie eine penetrante Wespe, die etwas Süßes getwittert hat und nun keine Ruhe gibt, ehe ihre Gier befriedigt ist. Er könnte nach dem metaphorischen Insekt schlagen, aber dann wird es zustechen. Viel klüger ist es, ruhig zu bleiben und sie gewähren zu lassen.
Genervt von seinem eigenen Dasein geht Logan auf Ben zu, fotografiert ihn ein Mal aus einigen Metern entfernt, geht dann um ihn herum und richtet stumm das Objektiv auf ihn. Er kommt sich klein vor. Unterwürfig. Wie der Junge, der alles tut, was man ihm sagt, aus Angst davor, immer schlimmeren Bestrafungen ausgesetzt zu sein. Ein Teil in ihm versucht, mit Logik gegen das Gefühl anzukämpfen. Aber Logan war schon immer eher ein BauchSim.
Ben sieht nicht in Richtung der Kamera, sondern konzentriert sich auf seine Arbeit. Immerhin ist es das, was die Fotos einfangen sollen. Trotzdem bekommt er natürlich mit, dass Logan in seiner Nähe ist. Doch nachdem er einige Klicks der Kamera wahrgenommen hat, hebt Ben dann doch den Kopf, um Logan anzuschauen. Hoffentlich hat der nicht noch mal vor, ein Frage-Antwort-Spiel zu spielen. Ben hat nicht wirklich Lust drauf, wieder versehentlich ein Trauma zu triggern. "Hast du mittlerweile herausgefunden, was dir an mir nicht passt?", fragt er schließlich dennoch.
"Denk schon.", antwortet der Lockige unberührt hinter der Kamera, ohne seine Gedanken weiter auszuführen.
"OK", sagt Ben daraufhin. Er zupft weiter an dem Garten herun. Logan scheint nicht in Details gehen zu wollen, aber Ben fragt nach: "Und das wäre?"
Der Schwarzhaarige richtet sich auf und betrachtet den jungen Burschen. Da Ben vor ihm kniet, wirkt Logans Blick beinahe herablassend, während er ihn kühl taxiert. Er zögert. Soll er es wirklich sagen? Er hat keine große Lust, sich zu erklären und irgendwelche Fragen zu beantworten. Er ist hergekommen, um sein Versprechen zu halten, nicht um Beziehungen aufzubauen. Langsam lässt er den Arm mit der Kamera sinken und mit unterkühlter Stimme erklärt er: "Du erinnerst mich an meinen Freund."
Ben bemerkt, dass Logan nicht wirklich darüber reden will. Er erinnert ihn also an einen Freund? Vom Aussehen her? Oder vom Charakter? "Du hast seltsame Freunde.", erwidert Ben lächelnd. Doch er fragt nicht weiter nach.
Die Augenbrauen des Zierlichen ziehen sich tiefer ins Gesicht. "Ich sagte Freund, nicht Freunde. Und wieso soll der seltsam sein?", fragt er scharf. Ist es seltsam, mit Logan befreundet zu sein? Ja, vielleicht. Aber er wird nicht zulassen, dass so ein Bengel schlecht über Jake redet.
"War nicht böse gemeint, sondern eher selbstironisch.", sagt Ben nur.
"Mhm..." Die Gesichtszüge des Mürrischen entspannen sich. Er greift in die Hosentasche und steckt sich eine Zigarette an.
Ben sagt nun nichts weiter sondern kümmert sich wieder um seine Arbeit.
Logan lehnt sich an den Zaun und schaut ihm dabei zu. 'Jake ist nur nich' so'n Schisser.', denkt er und fragt sich insgeheim, wann er das letzte Mal Kontakt zu seinem Freund hatte. Er war der Einzige gewesen, dem er erzählt hatte, dass er wieder los ziehen wollte. Vor Jake musste er sich nie erklären. Er weiß, dass es Logan nicht lange an einem Ort aushält und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis er weiter zieht. Er macht ihm deswegen keine Vorwürfe. Er nörgelt nicht an ihm herum und setzt ihn nicht unter Druck, wie Billie es tut.
Unterdessen entleert Maryama ihre Schubkarre voll Unkraut auf dem neu angelegten Komposthaufen. Es ist Winter, da wird nichts anwurzeln, sondern absterben und wenn es wärmer wird verrotten. Zumindest ist ihre gerade aufgestellte Theorie so, was dran ist, wird sich im Frühsommer zeigen. Derzeit schwirrt ihr so viel im Kopf herum an Ideen für das Projekt hier, aber auch für neue, exotische Pflanzen, die sie auf Streifzügen im Internet entdeckt hat. Kvothe und Delsyn sind auch Quellen für Wissen über Pflanzen, die Inspiration versprechen und gestern Abend ist sie über ein Thema gestolpert, dass sie sofort in ihren Bann gezogen hat. Erst hatte sie einen Fachartikel online gelesen, über schwierig zu vermehrende und zu kreuzende Pflanzenarten. Über einige weitere verlinkte Seiten landete sie schließlich bei einem Bericht über einen Kräuterkundler, der sich wohl auf extrem seltene Planzenarten spezialisiert hat und gelegentlich auch Kurse und Seminare anbietet. Darüber muss sie unbedingt nachher mit Ben reden. Maryama nimmt die Schubkarre wieder in die Hand und bemerkt Logan und Ben im Gespräch. Da gibt es wohl noch offene Themen zwischen den beiden. Gut wenn sie reden, hoffentlich geht alles gut diesmal. Sie kehrt zurück ans Kräuterbeet und macht sich wieder ans jäten.
Sie ist so sehr in ihre Arbeit vertieft, dass sie nicht bemerkt, dass Logan plötzlich hinter ihr steht. Erst als er sich mühsam zu ihr herunter kniet und das Objektiv auf sie richtet, registriert sie seine Anwesenheit.
Während immer wieder das Geräusch der sich schließenden Linse erklingt, sucht der Fotograf nach einer Möglichkeit, das Gespräch zu eröffnen. Er seufzt ein Mal in seiner typischen Art, räuspert sich vorbereitend und fragt schließlich: "Wie geht's dir? Alles okay soweit?"
Lächelnd nickt Maryama und blickt dabei in die Kamera. Dann wandert ihr Blick zu Logan und bekommt ein verschmitztes Funkeln, ehe sie den Finger auf die Lippen legt und nach unten zeigt. Ein kräftiger Regenwurm wurde durch ihre Aktivitäten an die Erdoberfläche getrieben und ist emsig dabei sich wieder in sein Röhrenlabyrinth zurück zu arbeiten. Behutsam legt sie Daumen und Zeigefinger in Herzform um das Tier und bedeutet Logan durch einen Blick, ein Bild zu schießen. Als das erledigt ist, wendet sie sich ihm zu. "Ja, viel zu tun und den Kopf voller Ideen, aber ja, mir geht es gut." Sie lächelt offen. "Um den smalltalk mal weiter zu führen. Wie steht's bei dir?"
In der Zwischenzeit ist Ben in seiner Ecke fertig. Um abzuklären, wer in welchem Bereich weiter macht, macht er sich auf den Weg zu Maryama. Er sieht, dass auch Logan nun bei ihr ist.
Fast beleidigt zieht Logan die Augenbrauen tiefer ins Gesicht. Smalltalk? "Wenn ich dich frag', wie's dir geht, is' das kein beschissener Smalltak, sondern Interesse. Wenn's mir egal is', frag' ich nich'.", erklärt er mit leichter Empörung. "Und wenn du's nich' ernst meinst, kannst dir das auch kneifen."
"Gute Antwort." Maryama nickt. "Könnt von mir sein." Sie richtet sich aus der Hocke auf und sieht Logan an. "Nein, ich meins schon Ernst. Was mich betrifft und auch die Frage an dich. Wie läuft dein Alltag? Mit den Jungs aus der WG und überhaupt?"
Ben ist nun in Hörreichweite. Er will das Gespräch jedoch nicht unterbrechen und lässt die beiden erst mal ausreden.
Logan schaut zu Boden. Die Jungs. Bei ihrem Überraschungsbesuch müssen sie und Ben einen eher fragwürdigen Eindruck bekommen haben.
"Als ihr da wart, ...", beginnt er zögerlich und seufzt, "hab' mich nich' grade von der besten Seite gezeigt. Schätz' ich. War 'n bisschen ..., keine Ahnung, neben der Spur oder so." Erst jetzt schaut er hoch und sein Blick trifft ihren. "Hör' mal, die ganze Kiste mit der sozialen Kompetenz is' nich' unbedingt meine Stärke. Ich geb' mir Mühe, okay? Aber nimm's nich' so ernst, wenn ich mich wie'n Neandertaler aufführ'. Du sollst wissen,", er schaut nun zu Ben herüber, der sich dazu gesellt hat," IHR sollt wissen, dass das nix mit der Absprache hier zu tun hat. Ich hab' zugesagt und ich mach' den Job - das steht außer Frage." Logans Kopf senkt sich wieder und er schaut nun auf Maryamas Füße. "Nur, da sind Sachen, die...", wie soll er ihnen seine Welt erklären? Er seufzt schwer. Was wollte er eigentlich genau sagen? Seine Konzentration lässt nach. Es fühlt sich an, wie ein Schmetterling, der kaum spürbar auf seiner Haut saß und nun davon fliegt. Genervt schüttelt er den Kopf und winkt dann ab. "Ach egal.", murrt er. Das Wesentliche hat er irgendwie zum Ausdruck gebracht: Er ist merkwürdig, aber er steht zu seinem Wort. Das muss reichen.
"Na ja, wenn man die schlechten Seiten schon gesehen hat, kann man sich ja auf die Schöneren freuen." sagt Maryama und schmunzelt dabei. "Ich für meinen Teil hab keine Zeit übrig um nachtragend zu sein, ganz abgesehen davon dass es niemandem was nützt." Sie sieht zu Ben und zurück zu Logan. "Cool dass du an Bord bleibst bei unserem Projekt hier, das bedeutet mir viel. Uns viel." Sie greift sich etwas nachdenklich in den Lockenschopf. "Im Gegenzug wär's gut wenn du uns sagst, falls du dich mit irgendwas hier unwohl fühlst..und es aushältst, wenn einer von uns auch mal offen ist und dir was Unbequemes sagt, falls es denn überhaupt soweit kommt. Ich denke wir raufen uns schon zusammen, oder Ben?" Sie dreht sich in Richtung ihres Kompagnons.
Der lächelt. "Klar. Bisher gab es ja noch nichts dramatisches, über das wir uns beschweren müssten. Es sei denn, Maryama verheimlicht mir das." Er zwinkert ihr zu und dreht sich zu Logan. "Wir kriegen das schon hin."
'Die schlechten Seiten', wiederholt Logan in Gedanken. Die beiden haben keine Ahnung, wie seine schlechten Seiten wirklich aussehen. Er denkt zurück an die unwirkliche Szene, als er Valentin getreten hat. Oder als er vor einigen Jahren die Kneipe zerlegt hat. Die Schulden hat er vor Kurzem erst abbezahlt. Als Jugendlicher hat er eine Frau körperlich belästigt, nur weil sie ihn nach dem Weg gefragt hat. Solche Szenen erfüllen ihn heute mit großer Scham. Er wünschte, er könnte den beiden versprechen, mit unbequemen Worten umgehen zu können. In Wahrheit ist das tagesformabhängig. Seine Laune kann schneller wechseln als das Wetter an der schottischen Küste. Und noch immer hat er es nicht geschafft, diese Stimmungsschwankungen zu kontrollieren.
"Ich tu, was ich kann." Das meint er wirklich so. Aber oft ist das nicht genug. So wie er nie genug war. Sein Leben lang war er ein ungewolltes Ergebnis. Ein Beweis dafür, wie schlecht und unfair das Leben sein kann. Er hatte nie eine Daseinsberechtigung. Die beiden haben keine Ahnung davon, wie dunkel es wirklich in Logans Innerem aussieht. "Klar.", murmelt er, weil er gern daran glauben möchte.
Ben macht sich vorerst keine Gedanken über Logans schlechte Seiten. Er kennt ihn einfach noch nicht lange genug. Stattdessen stellt er Maryama nun die Frage, wegen der er überhaupt hergekommen ist: "Meine Ecke ist soweit fertig. Brauchst du selber noch meine Hilfe mit irgend etwas?"
Maryama sieht sich kurz um und schüttelt den Kopf. "Ich werd das Beet hier noch mulchen und dann reicht's für heute. Danke fürs Angebot, aber ich muss dir noch was erzählen gleich. Hab gestern was im Simnet entdeckt von einem interessanten Kräuterkundler, der ab und zu auch Seminare anbietet." Sie schaut Logan an. "Wie ist denn dein Zeitplan so für heute? Willst du noch ein paar Bilder mit uns im Gewächshaus machen? Wir drei könnten anschließend auch noch zusammen was trinken gehen oder so." Sie wendet sich Ben zu.
Ben horcht auf. Ein Kräuterkundler? Das könnte wirklich interessant werden. Maryama würde ihm sicher bald mehr darüber erzählen.
Logan nickt. Die Einladung ist vielleicht eine gute Idee. Auf andere Gedanken kommen. So kann er sich auch etwas mehr an die Gesellschaft der beiden gewöhnen. "Machen wir so.", stimmt er zu.
"Wieder in die Old Station Bar " fragt Maryama die beiden. "Ah, warte." Sie schlägt sich leicht vor die Stirn und sieht dann Logan an. "Kennst du die Barkeeperin dort eigentlich näher?"
Logan schaut die junge Frau überrascht an. Warum will sie das wissen? "Was heißt näher?", zuckt er mit den Schultern. "Ich weiß, wer sie is'. Wieso?"
"Dachte nur. Du wohnst ja in der Nähe und bist sicher öfter in der Kneipe." Maryama überlegt kurz. " Sie kam mir ein bisschen seltsam rüber bei unserem letzten Besuch dort. Ziemlich neugierig Fremden gegenüber. Ben und ich hatten uns noch kurz über den Streit in der WG unterhalten, da hat sie sich ins Gespräch eingemischt und sogar nach dir gefragt." Maryama hebt eine Braue. "Und wenn jemand dreimal in nem Satz Süße oder Schätzchen zu mir sagt, ohne gleichzeitig mein lover zu sein, ist mir das suspekt."
Logan steckt sich die nächste Zigarette an. Mit dem Filter zwischen den Lippen nuschelt er unberührt: "Warum willste dann wieder dahin?"
"Warum nicht? Ist ja ne gemütliche Kneipe.? Ich bin ja nicht mit der verheiratet." Sie schmunzelt. "Mich hat's mehr wegen dir interessiert, weil ich das strange fand, aber wenn's für dich passt, dann lasst uns gehen."
(In Zusammenarbeit mit @simscat2 und @RivaBabylon )
Charaktere: Logan, Ben, Maryama
Titel: Der Fotojob
Logan betritt den Garten und sieht sich um. Es ist eine Weile her, dass er hier war. Zum Teil hat er diesen Ort bewusst gemieden, immerhin hat er hier vor viel zu vielen Augenzeugen einen starken Flashback durchlebt. Noch immer schämt er sich. Niemand sollte ihn so sehen - schwach und verletzlich.
So kostete es ihn eine Menge überwindung, den Fuß auf dieses Grundstück zu setzen. Hätte er nicht sein Wort gegeben, dieses Projekt fotografisch zu begleiten, wäre ihm der Auftrag egal. Aber Maryama und Ben verlassen sich auf ihn. Und ein Wort ist nun mal ein Wort. Man kann sicherlich viel Unschönes über Logan erzählen, aber er hat immer zu seinem Wort gestanden. Diese Eigenschaft ist das Einzige, auf das er in seinem Leben stolz ist.
Ben sieht Logan schon vom Weiten. Er schämt sich nun ein wenig dafür, sich Gedanken zu machen, ob er überhaupt auftauchen würde, nach dem Trauma, das hier ausgelöst wurde. Aber er hält offenbar tatsächlich sein Wort. Super. Er winkt ihm kurz zu und wartet, bis Logan näher kommen würde.
Es ist kalt, es ist Winter und trotzdem sprießt das Unkraut. Wie ist das möglich? Energisch rupft Maryama im erst kürzlich angelegten, noch nicht bepflanzten, Kräuterbeet Löwenzahn, Giersch und vereinzelte Brennnesseln heraus. Innerlich entschuldigt sie sich für das Wort Unkraut, sie hat schon Areale auserkoren wo diese Pflanzen ungestört wachsen dürfen, um irgendwann zu Tee oder Pesto verarbeitet zu werden, aber! nicht hier im Kräuterbeet. Als sie sich kurz aufrichtet, um den Rücken durchzustrecken und das Grünzeug in der Schubkarre nieder zu drücken, sieht sie Ben winken. Ihr Blick folgt seinem und entdeckt Logan. Er hat seine Kamera umhängen und betritt zielstrebig das Gelände. Das kommt unerwartet. Erfreut geht sie ihm entgegen, wischt dabei ihre erdigen Hände an den Hosen ab und bleibt schließlich bei ihm stehen. "Hey Logan, schön dass ihr zwei.." Sie zeigt auf die Kamera und schaut dann wieder lächelnd ihn an."..den Weg zu uns gefunden habt."
Etwas genervt grüßt Logan zuerst Ben, dann Maryama mit einem Kopfnicken. Er hatte nicht vor, so einen Wirbel auszulösen. Am liebsten würde er sofort wieder umkehren und den freudig Überraschten aus dem Weg gehen.
"Nun mach schon. Sei nicht so mürrisch." Verwundert dreht er sich herum. Die Stimme ist ihm vertraut. Doch niemand ist zu sehen. Er scheint wirklich langsam den Verstand zu verlieren. Daran muss er dringend arbeiten.
Mit geschlossenen Augen atmet er einmal tief durch, bevor er sich schließlich seiner Bekannten widmet. "Is' ja nich' schwer zu finden.", murmelt er so wenig schlecht gelaunt, wie er kann und zieht an ihr vorbei, um die ersten Bilder zu schießen.
Ein wenig verwundert sieht Ben, wie Logan sich umdreht, doch er kann niemanden sehen oder hören. Hat er Verfolgungsangst? Würde ihn nicht einmal wundern bei Logan. Doch er wirkt nicht panisch, und so zuckt Ben auch nur mit den Schultern. Vielleicht hat er es rascheln gehört und sich deshalb umgedreht, und es steckt nicht viel dahinter.
"Hey, warte mal." Maryama geht ein paar schnelle Schritte in seine Richtung. "Was hast du denn heute so vor an Motiven? Wir wollten das ja absprechen."
Der junge Mann bleibt stehen und mustert sie. Wollten sie das? Was soll man da großartig absprechen? Mit dem aufsteigenen Gefühl der Überforderung wischt er sich über die Augen.
"Wollte einfach 'n paar von den Beeten und Sträuchern einfangen. Bevor ihr alles gerupft habt. Nix Besonderes. Aber das Licht ist gut."
"Ja, das ist gut." Maryama lächelt. "Nur grob absprechen. Ich würd mir n paar Bilder von mir im neuen Kräutergarten am Gewächshaus wünschen und von Ben, der da hinten die neuen Beete anlegt, quasi als Ergänzung zu deinen frei geschossenen Bildern." Sie zeigt Richtung Glashaus. "Du findest mich da hinten am wühlen."
"Geht klar, Boss." Logan dreht sich herum und beginnt nach der besten Perspektive zu schauen. Als er einen guten Winkel findet, tauscht er das Objektiv aus und schießt mehrere Fotos.
Bei 'Boss' muss Maryama grinsen und schlendert zu Ben hinüber. "Logan kommt nachher mal bei dir vorbei um ein paar Bilder von dem schwer arbeitenden Ben zu schießen. Damit man sieht dass die schönen Feldfrüchte durch harte Arbeit entstanden und ihren Preis wert sind."
"Das sind sie auf jeden Fall.", lächelt der Angesprochene, "Ihren Preis wert!" Er hat versucht, mit Logan besser klar zu kommen. Aber obwohl - oder weil - er sogar bei dessen Wohnung war um nach dem Rechten zu sehen, scheint Logan immer noch nicht wirklich freundlich ihm gegenüber zu sein. So ist er froh darüber, dass es Maryama ist, die mit dem Lockigen geredet hat.
Maryama nickt bestätigend. "Ich reiss noch das letzte Unkraut aus dem Kräuterbeet bevor es Samen bildet. Dann können wir's noch kompostieren hoffe ich." Sie runzelt die Stirn. "Trocknen und verbrennen wäre auch eine Möglichkeit, aber ich bin mir nicht sicher ob das so legal ist." Sie schmunzelt. " Bin mal wieder da drüben." verabschiedet sie sich vorerst von Ben und macht sich wieder an die Arbeit.
Logan kommt indessen langsam in kreative Stimmung. Die frühwinterliche Sonne wirft zarte Strahlen auf die Landschaft, so dass sich hervorragend mit Licht und Schatten arbeiten lässt. Mit einem unbemerkten Ächzen richtet der Hobbyfotograf sich auf und skippt unbewusst nickend durch das frische Bildmaterial auf dem Display der Kamera.
Einen Moment sieht er sich um - sein Blick landet auf dem jungen Mann am hinteren Ende des Gartens. Das unangenehme Gefühl surrt um Logan herum, wie eine penetrante Wespe, die etwas Süßes getwittert hat und nun keine Ruhe gibt, ehe ihre Gier befriedigt ist. Er könnte nach dem metaphorischen Insekt schlagen, aber dann wird es zustechen. Viel klüger ist es, ruhig zu bleiben und sie gewähren zu lassen.
Genervt von seinem eigenen Dasein geht Logan auf Ben zu, fotografiert ihn ein Mal aus einigen Metern entfernt, geht dann um ihn herum und richtet stumm das Objektiv auf ihn. Er kommt sich klein vor. Unterwürfig. Wie der Junge, der alles tut, was man ihm sagt, aus Angst davor, immer schlimmeren Bestrafungen ausgesetzt zu sein. Ein Teil in ihm versucht, mit Logik gegen das Gefühl anzukämpfen. Aber Logan war schon immer eher ein BauchSim.
Ben sieht nicht in Richtung der Kamera, sondern konzentriert sich auf seine Arbeit. Immerhin ist es das, was die Fotos einfangen sollen. Trotzdem bekommt er natürlich mit, dass Logan in seiner Nähe ist. Doch nachdem er einige Klicks der Kamera wahrgenommen hat, hebt Ben dann doch den Kopf, um Logan anzuschauen. Hoffentlich hat der nicht noch mal vor, ein Frage-Antwort-Spiel zu spielen. Ben hat nicht wirklich Lust drauf, wieder versehentlich ein Trauma zu triggern. "Hast du mittlerweile herausgefunden, was dir an mir nicht passt?", fragt er schließlich dennoch.
"Denk schon.", antwortet der Lockige unberührt hinter der Kamera, ohne seine Gedanken weiter auszuführen.
"OK", sagt Ben daraufhin. Er zupft weiter an dem Garten herun. Logan scheint nicht in Details gehen zu wollen, aber Ben fragt nach: "Und das wäre?"
Der Schwarzhaarige richtet sich auf und betrachtet den jungen Burschen. Da Ben vor ihm kniet, wirkt Logans Blick beinahe herablassend, während er ihn kühl taxiert. Er zögert. Soll er es wirklich sagen? Er hat keine große Lust, sich zu erklären und irgendwelche Fragen zu beantworten. Er ist hergekommen, um sein Versprechen zu halten, nicht um Beziehungen aufzubauen. Langsam lässt er den Arm mit der Kamera sinken und mit unterkühlter Stimme erklärt er: "Du erinnerst mich an meinen Freund."
Ben bemerkt, dass Logan nicht wirklich darüber reden will. Er erinnert ihn also an einen Freund? Vom Aussehen her? Oder vom Charakter? "Du hast seltsame Freunde.", erwidert Ben lächelnd. Doch er fragt nicht weiter nach.
Die Augenbrauen des Zierlichen ziehen sich tiefer ins Gesicht. "Ich sagte Freund, nicht Freunde. Und wieso soll der seltsam sein?", fragt er scharf. Ist es seltsam, mit Logan befreundet zu sein? Ja, vielleicht. Aber er wird nicht zulassen, dass so ein Bengel schlecht über Jake redet.
"War nicht böse gemeint, sondern eher selbstironisch.", sagt Ben nur.
"Mhm..." Die Gesichtszüge des Mürrischen entspannen sich. Er greift in die Hosentasche und steckt sich eine Zigarette an.
Ben sagt nun nichts weiter sondern kümmert sich wieder um seine Arbeit.
Logan lehnt sich an den Zaun und schaut ihm dabei zu. 'Jake ist nur nich' so'n Schisser.', denkt er und fragt sich insgeheim, wann er das letzte Mal Kontakt zu seinem Freund hatte. Er war der Einzige gewesen, dem er erzählt hatte, dass er wieder los ziehen wollte. Vor Jake musste er sich nie erklären. Er weiß, dass es Logan nicht lange an einem Ort aushält und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis er weiter zieht. Er macht ihm deswegen keine Vorwürfe. Er nörgelt nicht an ihm herum und setzt ihn nicht unter Druck, wie Billie es tut.
Unterdessen entleert Maryama ihre Schubkarre voll Unkraut auf dem neu angelegten Komposthaufen. Es ist Winter, da wird nichts anwurzeln, sondern absterben und wenn es wärmer wird verrotten. Zumindest ist ihre gerade aufgestellte Theorie so, was dran ist, wird sich im Frühsommer zeigen. Derzeit schwirrt ihr so viel im Kopf herum an Ideen für das Projekt hier, aber auch für neue, exotische Pflanzen, die sie auf Streifzügen im Internet entdeckt hat. Kvothe und Delsyn sind auch Quellen für Wissen über Pflanzen, die Inspiration versprechen und gestern Abend ist sie über ein Thema gestolpert, dass sie sofort in ihren Bann gezogen hat. Erst hatte sie einen Fachartikel online gelesen, über schwierig zu vermehrende und zu kreuzende Pflanzenarten. Über einige weitere verlinkte Seiten landete sie schließlich bei einem Bericht über einen Kräuterkundler, der sich wohl auf extrem seltene Planzenarten spezialisiert hat und gelegentlich auch Kurse und Seminare anbietet. Darüber muss sie unbedingt nachher mit Ben reden. Maryama nimmt die Schubkarre wieder in die Hand und bemerkt Logan und Ben im Gespräch. Da gibt es wohl noch offene Themen zwischen den beiden. Gut wenn sie reden, hoffentlich geht alles gut diesmal. Sie kehrt zurück ans Kräuterbeet und macht sich wieder ans jäten.
Sie ist so sehr in ihre Arbeit vertieft, dass sie nicht bemerkt, dass Logan plötzlich hinter ihr steht. Erst als er sich mühsam zu ihr herunter kniet und das Objektiv auf sie richtet, registriert sie seine Anwesenheit.
Während immer wieder das Geräusch der sich schließenden Linse erklingt, sucht der Fotograf nach einer Möglichkeit, das Gespräch zu eröffnen. Er seufzt ein Mal in seiner typischen Art, räuspert sich vorbereitend und fragt schließlich: "Wie geht's dir? Alles okay soweit?"
Lächelnd nickt Maryama und blickt dabei in die Kamera. Dann wandert ihr Blick zu Logan und bekommt ein verschmitztes Funkeln, ehe sie den Finger auf die Lippen legt und nach unten zeigt. Ein kräftiger Regenwurm wurde durch ihre Aktivitäten an die Erdoberfläche getrieben und ist emsig dabei sich wieder in sein Röhrenlabyrinth zurück zu arbeiten. Behutsam legt sie Daumen und Zeigefinger in Herzform um das Tier und bedeutet Logan durch einen Blick, ein Bild zu schießen. Als das erledigt ist, wendet sie sich ihm zu. "Ja, viel zu tun und den Kopf voller Ideen, aber ja, mir geht es gut." Sie lächelt offen. "Um den smalltalk mal weiter zu führen. Wie steht's bei dir?"
In der Zwischenzeit ist Ben in seiner Ecke fertig. Um abzuklären, wer in welchem Bereich weiter macht, macht er sich auf den Weg zu Maryama. Er sieht, dass auch Logan nun bei ihr ist.
Fast beleidigt zieht Logan die Augenbrauen tiefer ins Gesicht. Smalltalk? "Wenn ich dich frag', wie's dir geht, is' das kein beschissener Smalltak, sondern Interesse. Wenn's mir egal is', frag' ich nich'.", erklärt er mit leichter Empörung. "Und wenn du's nich' ernst meinst, kannst dir das auch kneifen."
"Gute Antwort." Maryama nickt. "Könnt von mir sein." Sie richtet sich aus der Hocke auf und sieht Logan an. "Nein, ich meins schon Ernst. Was mich betrifft und auch die Frage an dich. Wie läuft dein Alltag? Mit den Jungs aus der WG und überhaupt?"
Ben ist nun in Hörreichweite. Er will das Gespräch jedoch nicht unterbrechen und lässt die beiden erst mal ausreden.
Logan schaut zu Boden. Die Jungs. Bei ihrem Überraschungsbesuch müssen sie und Ben einen eher fragwürdigen Eindruck bekommen haben.
"Als ihr da wart, ...", beginnt er zögerlich und seufzt, "hab' mich nich' grade von der besten Seite gezeigt. Schätz' ich. War 'n bisschen ..., keine Ahnung, neben der Spur oder so." Erst jetzt schaut er hoch und sein Blick trifft ihren. "Hör' mal, die ganze Kiste mit der sozialen Kompetenz is' nich' unbedingt meine Stärke. Ich geb' mir Mühe, okay? Aber nimm's nich' so ernst, wenn ich mich wie'n Neandertaler aufführ'. Du sollst wissen,", er schaut nun zu Ben herüber, der sich dazu gesellt hat," IHR sollt wissen, dass das nix mit der Absprache hier zu tun hat. Ich hab' zugesagt und ich mach' den Job - das steht außer Frage." Logans Kopf senkt sich wieder und er schaut nun auf Maryamas Füße. "Nur, da sind Sachen, die...", wie soll er ihnen seine Welt erklären? Er seufzt schwer. Was wollte er eigentlich genau sagen? Seine Konzentration lässt nach. Es fühlt sich an, wie ein Schmetterling, der kaum spürbar auf seiner Haut saß und nun davon fliegt. Genervt schüttelt er den Kopf und winkt dann ab. "Ach egal.", murrt er. Das Wesentliche hat er irgendwie zum Ausdruck gebracht: Er ist merkwürdig, aber er steht zu seinem Wort. Das muss reichen.
"Na ja, wenn man die schlechten Seiten schon gesehen hat, kann man sich ja auf die Schöneren freuen." sagt Maryama und schmunzelt dabei. "Ich für meinen Teil hab keine Zeit übrig um nachtragend zu sein, ganz abgesehen davon dass es niemandem was nützt." Sie sieht zu Ben und zurück zu Logan. "Cool dass du an Bord bleibst bei unserem Projekt hier, das bedeutet mir viel. Uns viel." Sie greift sich etwas nachdenklich in den Lockenschopf. "Im Gegenzug wär's gut wenn du uns sagst, falls du dich mit irgendwas hier unwohl fühlst..und es aushältst, wenn einer von uns auch mal offen ist und dir was Unbequemes sagt, falls es denn überhaupt soweit kommt. Ich denke wir raufen uns schon zusammen, oder Ben?" Sie dreht sich in Richtung ihres Kompagnons.
Der lächelt. "Klar. Bisher gab es ja noch nichts dramatisches, über das wir uns beschweren müssten. Es sei denn, Maryama verheimlicht mir das." Er zwinkert ihr zu und dreht sich zu Logan. "Wir kriegen das schon hin."
'Die schlechten Seiten', wiederholt Logan in Gedanken. Die beiden haben keine Ahnung, wie seine schlechten Seiten wirklich aussehen. Er denkt zurück an die unwirkliche Szene, als er Valentin getreten hat. Oder als er vor einigen Jahren die Kneipe zerlegt hat. Die Schulden hat er vor Kurzem erst abbezahlt. Als Jugendlicher hat er eine Frau körperlich belästigt, nur weil sie ihn nach dem Weg gefragt hat. Solche Szenen erfüllen ihn heute mit großer Scham. Er wünschte, er könnte den beiden versprechen, mit unbequemen Worten umgehen zu können. In Wahrheit ist das tagesformabhängig. Seine Laune kann schneller wechseln als das Wetter an der schottischen Küste. Und noch immer hat er es nicht geschafft, diese Stimmungsschwankungen zu kontrollieren.
"Ich tu, was ich kann." Das meint er wirklich so. Aber oft ist das nicht genug. So wie er nie genug war. Sein Leben lang war er ein ungewolltes Ergebnis. Ein Beweis dafür, wie schlecht und unfair das Leben sein kann. Er hatte nie eine Daseinsberechtigung. Die beiden haben keine Ahnung davon, wie dunkel es wirklich in Logans Innerem aussieht. "Klar.", murmelt er, weil er gern daran glauben möchte.
Ben macht sich vorerst keine Gedanken über Logans schlechte Seiten. Er kennt ihn einfach noch nicht lange genug. Stattdessen stellt er Maryama nun die Frage, wegen der er überhaupt hergekommen ist: "Meine Ecke ist soweit fertig. Brauchst du selber noch meine Hilfe mit irgend etwas?"
Maryama sieht sich kurz um und schüttelt den Kopf. "Ich werd das Beet hier noch mulchen und dann reicht's für heute. Danke fürs Angebot, aber ich muss dir noch was erzählen gleich. Hab gestern was im Simnet entdeckt von einem interessanten Kräuterkundler, der ab und zu auch Seminare anbietet." Sie schaut Logan an. "Wie ist denn dein Zeitplan so für heute? Willst du noch ein paar Bilder mit uns im Gewächshaus machen? Wir drei könnten anschließend auch noch zusammen was trinken gehen oder so." Sie wendet sich Ben zu.
Ben horcht auf. Ein Kräuterkundler? Das könnte wirklich interessant werden. Maryama würde ihm sicher bald mehr darüber erzählen.
Logan nickt. Die Einladung ist vielleicht eine gute Idee. Auf andere Gedanken kommen. So kann er sich auch etwas mehr an die Gesellschaft der beiden gewöhnen. "Machen wir so.", stimmt er zu.
"Wieder in die Old Station Bar " fragt Maryama die beiden. "Ah, warte." Sie schlägt sich leicht vor die Stirn und sieht dann Logan an. "Kennst du die Barkeeperin dort eigentlich näher?"
Logan schaut die junge Frau überrascht an. Warum will sie das wissen? "Was heißt näher?", zuckt er mit den Schultern. "Ich weiß, wer sie is'. Wieso?"
"Dachte nur. Du wohnst ja in der Nähe und bist sicher öfter in der Kneipe." Maryama überlegt kurz. " Sie kam mir ein bisschen seltsam rüber bei unserem letzten Besuch dort. Ziemlich neugierig Fremden gegenüber. Ben und ich hatten uns noch kurz über den Streit in der WG unterhalten, da hat sie sich ins Gespräch eingemischt und sogar nach dir gefragt." Maryama hebt eine Braue. "Und wenn jemand dreimal in nem Satz Süße oder Schätzchen zu mir sagt, ohne gleichzeitig mein lover zu sein, ist mir das suspekt."
Logan steckt sich die nächste Zigarette an. Mit dem Filter zwischen den Lippen nuschelt er unberührt: "Warum willste dann wieder dahin?"
"Warum nicht? Ist ja ne gemütliche Kneipe.? Ich bin ja nicht mit der verheiratet." Sie schmunzelt. "Mich hat's mehr wegen dir interessiert, weil ich das strange fand, aber wenn's für dich passt, dann lasst uns gehen."
(In Zusammenarbeit mit @simscat2 und @RivaBabylon )