Forum Discussion
3 years ago
Ort: Haus Lamont, Willow Creek
Charaktere: Tania, Liza, Jordyn, Patrick
Geschichtsstrang: Der Schülerausweis
Tani hat bei Verlassen des Schulgebäudes Jadyns Schülerausweis auf dem Boden gefunden. Anstatt also nach Hause zu gehen, hat sie sich überlegt, ihm einen kurzen Besuch abzustatten und den Ausweis abzugeben. Diesmal hat sie nicht vor, für ein Schäferstündchen zu bleiben. Die letzten Male waren zwar ganz nett, aber nach den Neuigkeiten ist sie alles andere als scharf auf Zweisamkeit.
So macht sie sich mit ihrem Fahrrad auf zum Haus der Lamontgeschwister.
Als sie ankommt, stellt sie das Rad an die Seite und schließt es ab. Mit ihrer Tasche und dem Schülerausweis geht sie zur Tür und klingelt.
Aus dem Inneren des Hauses klingt Klaviermusik, die deutlich lauter wird, als die Tür sich öffnet. Liza Lamont, die Mutter der Zwillinge, steht da und lächelt das Mädchen freundlich an.
"Tania, hallo. Komm doch rein." Sie lässt die Teenagerin eintreten und schließt die Tür. "Jadyn ist nicht da. Ihr ward doch nicht verabredet, oder?"
Tani schüttelt den Kopf. "Verabredet nicht. Er hat seinen Schülerausweis verloren, der lag auf dem Schulhof. Ich dachte, ich bringe ihn direkt vorbei."
"Wie nett von dir.", säuselt Liza. Sie nimmt den Ausweis an sich und verspricht, ihn an ihren Sohn auszuhändigen.
"Jordyn, Tania ist da.", ruft sie dann hinter sich. "Willst du ihr Hallo sagen?" Zurück an das Mädchen gewandt, fragt sie: "Möchtest du zum Essen bleiben?"
Jede Sekunde, dieTani nicht Zuhause ist, ist eine gute Sekunde. Daher nimmt sie das Angebot gerne an.
Das Klavier verstummt und Jordyn kommt leise aus dem Wohnzimmer. Kurz vor der Rothaarigen bleibt er stehen. Seine hellen Augen weichen ihrem Blick aus, doch seine Stimme klingt warm, als er sie begrüßt.
"Hey, Tani. Was für eine schöne Überraschung."
Die Schülerin lächelt. "Hallo Jordyn. Wie geht's dir? Warst du das gerade am Klavier?"
"Ja, ich versuche, nicht aus der Übung kommen."
Er streckt eine Hand in den offenen Raum aus. "Nimm Platz. Möchtest du etwas trinken? Ich schätze, es dauert noch ein bisschen, bis das Essen soweit ist."
Während sich Tani setzt, nimmt sie sein Angebot gerne an und bittet um ein Glas Wasser. Es tut ihr gut, mit anderen Gedanken beschäftigt zu sein, doch das mulmige Gefühl, was sie seit einiger Zeit begleitet, ist noch da.
Leichten Schrittes geht der Teenager in die Küche und kommt kurz darauf mit zwei Gläsern und einer Flasche Wasser zurück. Bedächtig stellt er alles in die Mitte des Tisches, füllt dann langsam die Gläser und verharrt einen kurzen Moment, bevor er ihr das Wasser herüber reicht und sich ebenfalls setzt.
"Wie geht es dir?", fragt er. Dieses Mal schaut er sie direkt an, doch etwas in seinem Blick ist abwesend - als würde er durch sie hindurch sehen. Mit faltiger Stirn fügt er prüfend hinzu: "Ist ... alles in Ordnung?"
Das hat ihr gerade noch gefehlt. So sehr sie versucht, ein Lächeln vorzutäuschen, je mehr füllen sich ihre Augen mit Tränen. "Jein.", antwortet sie mit brechender Stimme und sieht zu Boden. "Sorry."
"Kein Grund, sich zu entschuldigen.", sagt er tröstend, steht dann auf und kommt zu ihr auf die Couch herüber. "Möchtest du mir davon erzählen? Wir können auch hoch gehen. Da sind wir ungestört." Der Teenager bemüht sich, eine private und sichere Atmosphäre für Tania zu schaffen. Daher spricht er leise genug, dass Liza ihn nicht hören kann.
Tania reibt sich die Augen und nickt. "Ja.." Mit seinem Bruder würde sie unter keinen Umständen über ihre Sorgen sprechen, aber Jordyn scheint ruhig zu sein und keinerlei Annäherungsversuche zu starten. Das kann sie aktuell gar nicht gebrauchen.
Zusammen gehen sie die Treppe herauf und betreten Jordyns Zimmer.
"Ich habe leider nicht so viele Stühle. Setz dich einfach, wo du möchtest. Und wenn du soweit bist, erzähle, was los ist."
Überrascht sieht sie das spärlich eingerichtete Zimmer, macht sich anschließend jedoch keine weiteren Gedanken darüber. Sie setzt sich ganz unverfrohren aufs Bett und sieht zu Jordyn. "Ich habe richtig Mist gebaut." Sie fängt an zu weinen.
Jordyn reicht ihr die Packung Taschentücher vom Regal, bleibt - Richtung Boden schauend - vor ihr stehen und wartet geduldig, bis ihr Ausbruch verklingt. Erst dann setzt er sich neben sie. "Was ist denn passiert?", fragt er ruhig.
Sie schaut ihn an. "Behältst du es für dich? Auch dein Bruder darf es nicht wissen!"
"Natürlich." Jordyns Stirn legt sich in Falten. "Ich wüsste nicht, warum ich ihm irgendetwas sagen sollte."
Tani schaut bedrückt zu Boden und legt eine Hand auf sein Bein. Dann beginnt sie von ihren nächtlichen Abenteuern zu erzählen. "Mittlerweile schäme ich mich, es waren auch ein Paar aus der Schule dabei.. naja und dein Bruder. Aber das hast du ja mitbekommen."
Jordyn hört aufmerksam zu, ohne sie zu unterbrechen.
"Warum schämt du dich?", fragt er dann. "Wir alle haben Gründe für das, was wir tun."
Daraufhin schüttelt sie den Kopf. "Es ist nicht die Tat selbst, sondern das, was darauf folgt." Jetzt schaut sie an die Decke. Ein Klos steckt in ihrem Hals.
"Was ... folgt denn?"
Jetzt schaut sie ihn wieder an. "Ich hab mir was eingefangen, und wenn das nicht ausreichen würde, bin ich auch noch schwanger.." Seufzend lässt sie ihren Körper aufs Bett fallen. Sie fühlt sich erleichtert, obwohl die Probleme nicht gelöst sind.
"Wow, das ist ... was bedeutet 'eingefangen'? Ist es etwas ... Ernstes?"
Sie winkt mit der Hand beschwichtigend. "Nein, ich hab Antibiotika bekommen. Das sollte bald weggehen. Aber keine Ahnung, von wem ich das habe und ob ich das weitergegeben habe." Dann hebt sie ihren Kopf leicht und schaut zu Jordyn. "Und das andere.. ich werd's nicht behalten."
Jordyn dreht sich erstaunt zu ihr herum.
"Du willst ... abtreiben? Hast du dir das gut überlegt?"
Sie möchte seinem Blick entgehen und sieht zur Decke. "Ja. Es macht einfach keinen Sinn. Ich bin zu jung und hab noch mein Leben vor mir.. Abgesehen davon weiß ich nicht genau, wer der Vater ist und ich habe keine Lust das Schulgespött zu werden." So fühle ich mich ja eh schon.
Nachdenklich dreht der Brunette den Kopf zurück nach vorn.
"Das ist eine wichtige Entscheidung. Du solltest sicher sein, dass du sie aus den richtigen Gründen triffst.", erklärt er. "Was andere denken, darf dabei keine Rolle spielen - auch wenn es manchmal nicht leicht ist, das auszuklammern. Wichtig ist einzig und allein, dass du dich am Ende des Tages im Spiegel ansehen und hinter deinen Entscheidungen stehen kannst."
Er stemmt die Hand hinter sich in die Matratze und dreht nun den Körper halb herum. Seine Augen ruhen einige Zentimeter neben ihr. "Was auch immer du tun wirst. Ich unterstütze dich, so gut ich kann."
Ein Lächeln geht über ihre Lippen. Sie richtet sich auf und umarmt ihn. "Danke Jordyn!" Anschließend löst sie die Umarmung und sieht ihn an. "Ehrlich gesagt will ich einfach wieder mein früheres Leben. Als sei nie etwas gewesen."
"Bedeutet das, dass du dich weiter mit Männern triffst?", fragt er direkt, aber freundlich.
Daraufhin schüttelt sie den Kopf. "Oh nein, von Kerlen habe ich die Nase voll.. eh.." Verlegen schaut sie weg, da er ja auch ein Mann ist. "..also bei du weißt schon.."
"Entschuldige, wenn ich dir zu nahe trete.", lächelt er an ihr vorbei. "Du weißt natürlich selbst, wie du dein Leben führen möchtest. Ich möchte nur, dass du deinen eigenen Wert erkennst."
So etwas Schönes hat sie schon lange nicht gehört. Sie fühlt sich bei ihm geborgen, ohne das Gefühl zu haben, dass er Erwartungen an sie stellt. Meinen Wert. Diese Worte hallen noch in ihr nach.
Für einen Moment hängt nachdenkliches Schweigen in der Luft. Doch Jordyn ergreift das Wort: "Du hast meine Handynummer und kannst dich jederzeit melden, wenn du reden möchtest. Ganz egal, ob Tag oder Nacht. Und wenn du Begleitung brauchst, zu einem Termin, dann bin ich für dich da."
Nach seinen Worten laufen ihr Tränen der Erleichterung über die Wangen. "Danke.", sagt sie leise und wischt sich ihr Gesicht trocken.
"Wir sind Freunde. Das mache ich gern."
Er reicht ihr die Wasserflasche herüber. "Das lockert den Kloß im Hals.", sagt er gutmütig.
Dankbar nimmt sie die Flasche entgegen und trinkt einen Schluck. Plötzlich knurrt Tanis Magen. "Oh ehm.. meinst du deine Ma hat das Essen fertig?"
"Wir könnten nachsehen." Er steht auf und geht zur Tür, lässt Tani aber den Vortritt.
In der Küche brutzelt und duftet es herrlich und sie kann hören, dass Jordyn nach dem Stand fragt.
"Dein Vater sollte jeden Moment ankommen. Dann können wir anfangen.", antwortet Liza. "Ihr könnt ja schon mal den Tisch decken."
Die Besucherin hört Lizas Worte und kommt in die Küche, um zu helfen.
"Kommt Jay denn auch zum Essen?", fragt Jordyn, als er Teller aus dem Schrank holt.
"Nein, der ist mit einer Freundin unterwegs. Er sagte, es wird später werden."
Jordyns Mine wird ernster, doch er sagt nichts, sondern zählt vier Teller ab, statt der ursprünglich geplanten fünf, und bringt sie zum Esstisch herüber.
Mit einer Freundin? Tani beobachtet Jordyn.
Der Junge kommt zurück in die Küche, stutzt kurz, dreht den Kopf in Tanis Richtung und greift an ihr vorbei an den oberen Schrank.
"Entschuldige,", sagt er leise, "die Gläser sind hier." Eins nach dem anderen stellt er auf der Arbeitsfläche vor sich ab. Dabei ruht sein Blick auf dem roten Haar der Besucherin.
Sie wundert sich ein wenig über sein Verhalten, doch denkt sie nichts weiter dabei. Ihr ist aber klar, dass die Zwillinge sehr verschieden sind.
Daraufhin nimmt sie die Gläser in die Hand.
Zum Schluss legt Jordyn das Besteck neben die Teller. Er wirkt konzentriert, mit dem Daumen misst er die Abstände zwischen Teller und Besteck, so wie zur Tischkante ab.
Als Tani neben ihm steht und die Gläser auf den Tisch stellt, neigt er den Kopf in ihre Richtung.
"Wir haben nicht oft Besuch zum Essen.", erklärt er. "Ich finde es schön, dass du bleibst."
Sie legt ihren Arm um Jordyn und ist dankbar für seine Fürsorge.
Ganz unwillkürlich legt sich ein freudiges Lächeln auf sein Gesicht.
Am anderen Ende des Raumes öffnet sich die Haustür und der Familienvater tritt ein. Verdutzt bleibt er stehen, als er die Teenager so sieht. 'Endlich kommt der Junge in die Pubertät.', denkt er in sich hineinschmunzelnd und begrüßt die zwei.
"Tag, Kinder."
"Guten Tag Herr Lamont.", grüßt Tania und lächelt.
"Ach, dich kenne ich doch." Mit dem Zeigefinger in der Luft herumwedelnd überlegt er. "Tabea? Tamara?" Er stutzt. "Warst du nicht mit dem anderen zusammen?"
Etwas verlegen neigt Tani ihren Kopf. "Tani." Auf die zweite Frage weiß sie nichts zu antworten.
Jordyn dreht sich zu seinem Vater herum. "Dad." Den Kopf in Tanis Richtung geneigt, sagt er leise: "Er macht nur Witze."
Patrick lacht und klopft dem Mädchen im Vorbeigehen auf die Schulter. "Schon gut, Tani, lass dich nicht von alten Männern ärgern."
Sie grinst noch immer verlegen und sieht zu Jordyn.
Der Teenager schaut mit faltiger Stirn Löcher in den Boden und seufzt. Manchmal wünschte er, sein Vater hätte etwas mehr von der Ernsthaftigkeit seiner Mutter, während ihr ein großes Stück Lockerheit mehr stehen würde.
"Nimm das nicht ernst.", flüstert er entschuldigend. "Den Scherzkeks hat Jay von seiner Seite."
"Ok.", sagt Tani kurz und hilft weiter beim Tischdecken.
Liza und Patrick bringen die Schüsseln aus der Küche und verteilen sie auf dem Tisch. Kartoffeln, Steaks, fritierter Blumenkohl und gemischter Salat.
"Setzt euch, Kinder.", lädt Patrick ein. "Ihr müsst nicht im Stehen essen."
Liza beginnt, die Teller zu füllen."Tania? Von allem etwas?", fragt sie.
Die Teenagerin nickt und bedankt sich, für die Gastfreundschaft. Das Essen sieht lecker aus und sie verspürt einen Bärenhunger.
Liza reicht Tania das Essen herüber und nimmt Jordyns Teller. "Kartoffeln zehn, Salat dreizehn, Blumenkohl sechzehn.", sagt sie automatisiert, während sie die Portion vor ihrem Sohn abstellt.
Überrascht verfolgt Tania das Geschehen, sie ist verwundert. Dann beobachtet sie aus dem Augenwinkel, wie akkurat Jordyn sein Essen vom Teller nimmt und zum Mund führt. Ist er krank?
Patrick beginnt eine lockere Plauderei mit dem Gast, fragt sie über die Schule aus und berichtet von seiner eigenen Schulzeit. Eine Schabernack-Anekdote folgt er der nächsten und er schafft es, Tania ein wenig abzulenken.
Jordyn genießt den Klang ihres Lachens und Liza verdreht gespielt genervt die Augen über die alten Kamellen ihres Gatten.
"Ihre Schulzeit scheint alles andere als langweilig gewesen zu sein. Haben Sie sich in der Schule kennen gelernt?", fragt Tania interessiert.
"Nein.", grinst Patrick. "In einer Burgerschmiede."
Verheißungsvoll schaut er zu seiner Frau herüber, die lachend die Hände vor ihr Gesicht schlägt.
"Sie hat dort gearbeitet. Und ich habe sie durchs Fenster gesehen und wollte sie kennen lernen. Aso bin ich rein gegangen und habe etwas bestellt. Aber sie wollte nicht mit mir reden. Zumindest nicht mehr, als die musste."
Der Familienvater lehnt sich lässig im Stuhl zurück und nimmt einen Schluck aus dem Glas, bevor er weiter spricht: "Also bin ich jeden Tag zu ihr gegangen. Habe jeden Tag das Gleiche bestellt. Und immer habe ich versucht, sie in ein Gespräch zu verwickeln." Er stellt das Glas wieder ab und schaut Tani direkt an.
"In der Zwischenzeit wurde ich immer dicker und ich bekam schlechte Haut und mir gingen die Ideen aus. Und dann habe ich sie einfach eingeladen. Und sie hat ja gesagt."
"Naja, ganz so war es nicht.", lacht Liza.
"Er hat mich auf Knien angefleht, ihm eine Chance zu geben, weil er das Essen schon nicht mehr sehen kann. Er sagte, wenn ich ein Herz habe, mäste ich ihn nicht weiter und gehe mit ihm aus."
"Wie du siehst,", fährt Patrick nun fort, "hatte sie Erbarmen mit mir. Ich habe die nächsten fünfzehn Jahre kein Fleisch mehr angerührt und dafür meine Traumfrau gefunden."
Die beiden legen ihre Hände ineinander und schauen sich verliebt an.
Gerührt von der Geschichte werden Tanis Augen feucht. Die Hormone schlagen zu. Reiß dich zusammen!
"Sind alle fertig?", fragt Liza - froh darüber, vom Thema ablenken zu können. "Tania, möchtest du noch?"
"Nein danke. Ich bin satt. Vielen Dank für das Essen!", antwortet sie.
Zufrieden nickt die Mutter und Hausfrau und beginnt, den Tisch abzuräumen.
"Gehen wir nach oben?", fragt Jordyn den Gast leise.
Die Angesprochene nickt nur.
Patrick beobachtet die Teenager neugierig.
"Geht ihr man." Jordyn steht auf und will bereits den Weg zur Treppe einschlagen, als sein Vater ihm entgegen kommt und ihn kurz zur Seite zieht.
"Was ist das mit euch?", fragt er so leise, dass Tani die Worte nicht verstehen kann.
"Was meinst du?", entgegnet der Sohn.
"Ist sie so eine Freundin, wie dein Bruder sie reihenweise hat?"
"Dad, was denkst du von mir?"
Patrick legt seine Hand auf die Schulter seines Sohnes und schaut ihn eindringlich an. "Ich denke, dass du alt genug bist."
"Können wir das ein anderes Mal besprechen?", fragt Jordyn.
"Jederzeit, mein Sohn." Er gibt dem Teenager einen leichten Knuff in die Schulter und signalisiert ihm so, dass er gehen kann. Nur knapp zieht er an Tania vorbei und geht mit ihr zurück in sein Zimmer.
Sie setzt sich wieder aufs Bett. "Das Essen war echt gut!" Mit dem Rücken lässt sie sich aufs Bett fallen. "Ich danke dir wirklich. Mir geht es schon besser."
"Da musst du meiner Mutter danken.", lacht Jordyn leise. "Ich habe nicht gekocht." Er setzt sich neben sie. "Aber es freut mich, dass wir etwas für dich tun konnten."
Sie beobachtet ihn, während er spricht und überlegt. Er sieht sie gar nicht richtig an. "Sag mal." Bevor sie weiter spricht, richtet sie sich auf. "Darf ich dich mal was fragen?"
"Natürlich."
Räuspernd schaut sie auf die Bettdecke, auf der sie sitzt. "Vorhin beim Essen hat deine Mutter Zahlen genannt. Darf ich fragen, was das bedeutet? Brauchst du eine gewisse Anzahl an Nährstoffen?"
Jordyn zieht verwundert die Augenbrauen in die Stirn und beginnt zu lachen.
"Nein, brauche ich nicht.", sagt er dann. Er dreht sich wieder seitlich zu ihr herum und neigt den Kopf in ihre Richtung. Seine hellen Augen blicken ein weiteres Mal an ihr vorbei.
"Sie wollte mir damit sagen, wo ich auf dem Teller was finde.", erklärt er geduldig. "Wenn man sich vorstellt, als wäre er eine Uhr, gibt sie die Zeiten an und ich weiß dann, wo der Blumenkohl liegt. Zum Beispiel."
Seine Antwort irritiert sie. Eine kurze Zeit herrscht Schweigen. Erneut schaut er sie nicht direkt an. Wieso muss sie ihm sagen, wo er was findet? Er muss doch nur die Augen auf machen und.. Jetzt schaut sie ihm direkt in die Augen. Seine Augen.. Sie hat eine Vermutung. "Ehm.. kannst du nicht gut sehen?"
Ein unsicheres Schmunzeln umspielt seine Lippen. Sein Kopf senkt sich und einige seiner braunen Strähnen fallen vors Gesicht.
"Ich kann überhaupt nicht sehen.", sagt er leise. "Ich dachte, du wüsstest das."
Mit großen Augen sieht sie ihn an. "Du veräppelst mich?!"
Er hebt den Kopf wieder an und richtet den Blick geradeaus. Sein Ausdruck ist ernst, als er fragt: "Warum sollte ich das tun?"
Dass er blind ist, überrascht sie wirklich. "Das sieht man dir gar nicht an.. Wahnsinn." Viele Fragen gehen ihr durch den Kopf, doch sie möchte nicht unfreundlich sein. "Respekt."
"Respekt?", wiederholt Jordyn und dreht sich zurück, so dass er gerade auf der Bettkante sitzt.
"Ja, wie du dich bewegst, agierst. Ich bin beeindruckt." Sie lächelt anerkennend und legt eine Hand auf seine Schulter.
"Das ... funktioniert nur hier, wo ich mich auskenne. Mit viel Übung."
Jetzt versteht sie, weshalb es im ganzen Haus so ordentlich ist. "Bist du schon immer blind?", fragt sie nun.
"Erst seit sechs Jahren.", antwortet er. "Durch einen Unfall."
"Das tut mir Leid.", sagt sie leise und sieht zur Wand. Sie weiß mal wieder nicht, was sie antworten soll. Manchmal ist es dann doch besser, nichts zu sagen.
Er legt seine Hand auf ihre, die noch immer auf seiner Schulter ruht. Ihre Haut ist warm und zart und Jordyn fragt sich insgeheim, ob sie tatsächlich so hübsch ist, wie alle sagen.
Einige Zeit bleibt sie in ihrer Position. Sie weiß nicht, was sie sagen soll. Doch die Stille bewirkt in ihr ein Gedankenkarussell und so kommt sie wieder zu ihren Problemen. "Ehm.. was machst du denn gerne in deiner Freizeit?"
"Ich lese, spiele Klavier und ich mache Skulpturen.", zählt er auf. "Und ich übe, mich außerhalb des Hauses frei zu bewegen. Aber das ist mehr der Drang nach Selbständigkeit, als Spaß an der Sache."
"Skulpturen?", fragt Tani.
"Früher habe ich gemalt, aber ... ist schwierig geworden." Er streckt den Arm nach vorn aus und zeigt an die Zimmerwand. "Da steht meine Werkbank. Angefangen habe ich mit weichem Material, wie Ton und Fimo. Inzwischen bin ich bei Speckstein und Holz angekommen."
Erneut ist sie begeistert von Jordyn. Sie steht auf und sieht sich die Werkbank an. Anschließend schaut sie sich genauer in seinem Zimmer um. "Wer begleitet dich denn, wenn du übst nach draußen zu gehen?"
"Unterschiedlich. Manchmal gehe ich mit Jay joggen. Mein Dad ist gern bei Waldspaziergängen dabei. Aber ich gehe auch allein und versuche, neue Ecken zu erkunden.", erzählt er beschwingt.
"Ich kann dich auch gerne begleiten, wenn du Lust hast.", schlägt sie vor.
Das warme Lächeln kehrt in sein Gesicht zurück. "Das wäre schön."
Daraufhin erwidert sie sein Lächeln und setzt sich wieder neben ihn.
"Was möchtest du mir denn zeigen?", fragt Jordyn neugierig.
"Hm. Wir könnten durch den Park spazieren gehen, in dem ich mit den Hunden gehe." Dort kann sie in letzter Zeit am besten abschalten, wenn sie von Zuhause raus muss.
"Sehr gern. Aber du solltest wissen, dass ich viel Zeit bei meinen Übungen brauche."
Nickend legt sie ihre Hand auf seine Hand. "Wir gehen das ganz langsam an. Sobald du dich unwohl fühlst oder es dir zu viel ist, gehen wir wieder heim."
Jordyn fühlt in seine Hand hinein. Ein leichtes Pulsieren in ihrem Daumen zeigt ihm, dass sie sich in diesem Moment wohl fühlt. Diese Erkenntnis gibt ihm eine gewisse Zufriedenheit mit. "Darf ich dich etwas Persönliches fragen, Tani?"
"Ja, klar." Da er schon ihre schlimmsten Geheimnisse weiß, macht es ihr nichts weitere Fragen zu beantworten.
"Was ... Empfindest du etwas für Jay?", fragt Jordyn vorsichtig. "Ich meine, mehr als Freundschaft?"
Sie muss kurz grinsen, bevor sie antwortet. "Nein, mehr als Freundschaft ist da nicht." An eine feste Beziehung hat sie in den letzten Wochen überhaupt nicht gedacht. Es war alles nur Spaß, Vergnügen und vor allem Vergessen.
"Okay." Tief in sich spürt er Erleichterung. Er würde nie schlecht über seinen Bruder reden, aber Jadyn vergisst manchmal, dass Gefühle anderer Sims verletzt werden könnten.
Tani schaut auf ihr Handy, nachdem es kurz klingelt. Genervt seufzt sie.
"Möchtest du nicht ran gehen?", fragt Jordyn.
"Nee, das ist nur meine Mutter. Die kann ich gerade überhaupt nicht ertragen." Sie macht ihr Handy auf stumm.
"Wieso? Was ist los? Sie weiß doch nicht davon oder?"
Ein hoher Ton entfleucht Tania. "Gott bewahre, nein. Sie wird davon auch nichts erfahren.. ach, meine Familie ist nicht so harmonisch wie deine."
Jordyn lacht sarkastisch auf. "Es ist hier absolut nicht harmonisch."
Stirn runzelnd betrachtet sie ihn. "Das sah gerade aber ganz anders aus. Deine Eltern scheinen noch immer sehr verliebt zu sein."
Die Mimik des Teenagers wird ernster, beinahe wehmütig. "Das heißt nicht, dass alles harmonisch ist.", sagt er. "Mein Dad weiß meine Mom zu umgarnen. Aber sie ist manchmal sehr ... überfüsorglich."
Tania sieht zu Boden. Sie denkt wieder an ihren Vater mit seiner Geliebten und seufzt.
Um ihre Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, schaut sie nochmals auf ihr Handy. Eigentlich wollte sie Jordyn ein Video der Hunde vorspielen, dich da klingelt es auch schon. "Oh man, ich glaube ich komm nicht drum herum. Ich mach mich auf den Heimweg. Danke für alles!" Sie umarmt Jordyn.
"Ruf mich an, wenn du etwas brauchst.", sagt er leise in ihr Ohr. Seine Finger berühren ihr langes Haar. Es ist weich und glatt und fühlt sich sehr gepflegt an. Während er spürt, wie Luft in ihre Lungen gesogen wird, dringt der liebliche Duft ihres Shampoos in seine Nase.
Die Teenager lösen die Umarmung und Jordyn begleitet sie nach unten.
(in Zusammenarbeit mit @Spatz)
Charaktere: Tania, Liza, Jordyn, Patrick
Geschichtsstrang: Der Schülerausweis
Tani hat bei Verlassen des Schulgebäudes Jadyns Schülerausweis auf dem Boden gefunden. Anstatt also nach Hause zu gehen, hat sie sich überlegt, ihm einen kurzen Besuch abzustatten und den Ausweis abzugeben. Diesmal hat sie nicht vor, für ein Schäferstündchen zu bleiben. Die letzten Male waren zwar ganz nett, aber nach den Neuigkeiten ist sie alles andere als scharf auf Zweisamkeit.
So macht sie sich mit ihrem Fahrrad auf zum Haus der Lamontgeschwister.
Als sie ankommt, stellt sie das Rad an die Seite und schließt es ab. Mit ihrer Tasche und dem Schülerausweis geht sie zur Tür und klingelt.
Aus dem Inneren des Hauses klingt Klaviermusik, die deutlich lauter wird, als die Tür sich öffnet. Liza Lamont, die Mutter der Zwillinge, steht da und lächelt das Mädchen freundlich an.
"Tania, hallo. Komm doch rein." Sie lässt die Teenagerin eintreten und schließt die Tür. "Jadyn ist nicht da. Ihr ward doch nicht verabredet, oder?"
Tani schüttelt den Kopf. "Verabredet nicht. Er hat seinen Schülerausweis verloren, der lag auf dem Schulhof. Ich dachte, ich bringe ihn direkt vorbei."
"Wie nett von dir.", säuselt Liza. Sie nimmt den Ausweis an sich und verspricht, ihn an ihren Sohn auszuhändigen.
"Jordyn, Tania ist da.", ruft sie dann hinter sich. "Willst du ihr Hallo sagen?" Zurück an das Mädchen gewandt, fragt sie: "Möchtest du zum Essen bleiben?"
Jede Sekunde, dieTani nicht Zuhause ist, ist eine gute Sekunde. Daher nimmt sie das Angebot gerne an.
Das Klavier verstummt und Jordyn kommt leise aus dem Wohnzimmer. Kurz vor der Rothaarigen bleibt er stehen. Seine hellen Augen weichen ihrem Blick aus, doch seine Stimme klingt warm, als er sie begrüßt.
"Hey, Tani. Was für eine schöne Überraschung."
Die Schülerin lächelt. "Hallo Jordyn. Wie geht's dir? Warst du das gerade am Klavier?"
"Ja, ich versuche, nicht aus der Übung kommen."
Er streckt eine Hand in den offenen Raum aus. "Nimm Platz. Möchtest du etwas trinken? Ich schätze, es dauert noch ein bisschen, bis das Essen soweit ist."
Während sich Tani setzt, nimmt sie sein Angebot gerne an und bittet um ein Glas Wasser. Es tut ihr gut, mit anderen Gedanken beschäftigt zu sein, doch das mulmige Gefühl, was sie seit einiger Zeit begleitet, ist noch da.
Leichten Schrittes geht der Teenager in die Küche und kommt kurz darauf mit zwei Gläsern und einer Flasche Wasser zurück. Bedächtig stellt er alles in die Mitte des Tisches, füllt dann langsam die Gläser und verharrt einen kurzen Moment, bevor er ihr das Wasser herüber reicht und sich ebenfalls setzt.
"Wie geht es dir?", fragt er. Dieses Mal schaut er sie direkt an, doch etwas in seinem Blick ist abwesend - als würde er durch sie hindurch sehen. Mit faltiger Stirn fügt er prüfend hinzu: "Ist ... alles in Ordnung?"
Das hat ihr gerade noch gefehlt. So sehr sie versucht, ein Lächeln vorzutäuschen, je mehr füllen sich ihre Augen mit Tränen. "Jein.", antwortet sie mit brechender Stimme und sieht zu Boden. "Sorry."
"Kein Grund, sich zu entschuldigen.", sagt er tröstend, steht dann auf und kommt zu ihr auf die Couch herüber. "Möchtest du mir davon erzählen? Wir können auch hoch gehen. Da sind wir ungestört." Der Teenager bemüht sich, eine private und sichere Atmosphäre für Tania zu schaffen. Daher spricht er leise genug, dass Liza ihn nicht hören kann.
Tania reibt sich die Augen und nickt. "Ja.." Mit seinem Bruder würde sie unter keinen Umständen über ihre Sorgen sprechen, aber Jordyn scheint ruhig zu sein und keinerlei Annäherungsversuche zu starten. Das kann sie aktuell gar nicht gebrauchen.
Zusammen gehen sie die Treppe herauf und betreten Jordyns Zimmer.
"Ich habe leider nicht so viele Stühle. Setz dich einfach, wo du möchtest. Und wenn du soweit bist, erzähle, was los ist."
Überrascht sieht sie das spärlich eingerichtete Zimmer, macht sich anschließend jedoch keine weiteren Gedanken darüber. Sie setzt sich ganz unverfrohren aufs Bett und sieht zu Jordyn. "Ich habe richtig Mist gebaut." Sie fängt an zu weinen.
Jordyn reicht ihr die Packung Taschentücher vom Regal, bleibt - Richtung Boden schauend - vor ihr stehen und wartet geduldig, bis ihr Ausbruch verklingt. Erst dann setzt er sich neben sie. "Was ist denn passiert?", fragt er ruhig.
Sie schaut ihn an. "Behältst du es für dich? Auch dein Bruder darf es nicht wissen!"
"Natürlich." Jordyns Stirn legt sich in Falten. "Ich wüsste nicht, warum ich ihm irgendetwas sagen sollte."
Tani schaut bedrückt zu Boden und legt eine Hand auf sein Bein. Dann beginnt sie von ihren nächtlichen Abenteuern zu erzählen. "Mittlerweile schäme ich mich, es waren auch ein Paar aus der Schule dabei.. naja und dein Bruder. Aber das hast du ja mitbekommen."
Jordyn hört aufmerksam zu, ohne sie zu unterbrechen.
"Warum schämt du dich?", fragt er dann. "Wir alle haben Gründe für das, was wir tun."
Daraufhin schüttelt sie den Kopf. "Es ist nicht die Tat selbst, sondern das, was darauf folgt." Jetzt schaut sie an die Decke. Ein Klos steckt in ihrem Hals.
"Was ... folgt denn?"
Jetzt schaut sie ihn wieder an. "Ich hab mir was eingefangen, und wenn das nicht ausreichen würde, bin ich auch noch schwanger.." Seufzend lässt sie ihren Körper aufs Bett fallen. Sie fühlt sich erleichtert, obwohl die Probleme nicht gelöst sind.
"Wow, das ist ... was bedeutet 'eingefangen'? Ist es etwas ... Ernstes?"
Sie winkt mit der Hand beschwichtigend. "Nein, ich hab Antibiotika bekommen. Das sollte bald weggehen. Aber keine Ahnung, von wem ich das habe und ob ich das weitergegeben habe." Dann hebt sie ihren Kopf leicht und schaut zu Jordyn. "Und das andere.. ich werd's nicht behalten."
Jordyn dreht sich erstaunt zu ihr herum.
"Du willst ... abtreiben? Hast du dir das gut überlegt?"
Sie möchte seinem Blick entgehen und sieht zur Decke. "Ja. Es macht einfach keinen Sinn. Ich bin zu jung und hab noch mein Leben vor mir.. Abgesehen davon weiß ich nicht genau, wer der Vater ist und ich habe keine Lust das Schulgespött zu werden." So fühle ich mich ja eh schon.
Nachdenklich dreht der Brunette den Kopf zurück nach vorn.
"Das ist eine wichtige Entscheidung. Du solltest sicher sein, dass du sie aus den richtigen Gründen triffst.", erklärt er. "Was andere denken, darf dabei keine Rolle spielen - auch wenn es manchmal nicht leicht ist, das auszuklammern. Wichtig ist einzig und allein, dass du dich am Ende des Tages im Spiegel ansehen und hinter deinen Entscheidungen stehen kannst."
Er stemmt die Hand hinter sich in die Matratze und dreht nun den Körper halb herum. Seine Augen ruhen einige Zentimeter neben ihr. "Was auch immer du tun wirst. Ich unterstütze dich, so gut ich kann."
Ein Lächeln geht über ihre Lippen. Sie richtet sich auf und umarmt ihn. "Danke Jordyn!" Anschließend löst sie die Umarmung und sieht ihn an. "Ehrlich gesagt will ich einfach wieder mein früheres Leben. Als sei nie etwas gewesen."
"Bedeutet das, dass du dich weiter mit Männern triffst?", fragt er direkt, aber freundlich.
Daraufhin schüttelt sie den Kopf. "Oh nein, von Kerlen habe ich die Nase voll.. eh.." Verlegen schaut sie weg, da er ja auch ein Mann ist. "..also bei du weißt schon.."
"Entschuldige, wenn ich dir zu nahe trete.", lächelt er an ihr vorbei. "Du weißt natürlich selbst, wie du dein Leben führen möchtest. Ich möchte nur, dass du deinen eigenen Wert erkennst."
So etwas Schönes hat sie schon lange nicht gehört. Sie fühlt sich bei ihm geborgen, ohne das Gefühl zu haben, dass er Erwartungen an sie stellt. Meinen Wert. Diese Worte hallen noch in ihr nach.
Für einen Moment hängt nachdenkliches Schweigen in der Luft. Doch Jordyn ergreift das Wort: "Du hast meine Handynummer und kannst dich jederzeit melden, wenn du reden möchtest. Ganz egal, ob Tag oder Nacht. Und wenn du Begleitung brauchst, zu einem Termin, dann bin ich für dich da."
Nach seinen Worten laufen ihr Tränen der Erleichterung über die Wangen. "Danke.", sagt sie leise und wischt sich ihr Gesicht trocken.
"Wir sind Freunde. Das mache ich gern."
Er reicht ihr die Wasserflasche herüber. "Das lockert den Kloß im Hals.", sagt er gutmütig.
Dankbar nimmt sie die Flasche entgegen und trinkt einen Schluck. Plötzlich knurrt Tanis Magen. "Oh ehm.. meinst du deine Ma hat das Essen fertig?"
"Wir könnten nachsehen." Er steht auf und geht zur Tür, lässt Tani aber den Vortritt.
In der Küche brutzelt und duftet es herrlich und sie kann hören, dass Jordyn nach dem Stand fragt.
"Dein Vater sollte jeden Moment ankommen. Dann können wir anfangen.", antwortet Liza. "Ihr könnt ja schon mal den Tisch decken."
Die Besucherin hört Lizas Worte und kommt in die Küche, um zu helfen.
"Kommt Jay denn auch zum Essen?", fragt Jordyn, als er Teller aus dem Schrank holt.
"Nein, der ist mit einer Freundin unterwegs. Er sagte, es wird später werden."
Jordyns Mine wird ernster, doch er sagt nichts, sondern zählt vier Teller ab, statt der ursprünglich geplanten fünf, und bringt sie zum Esstisch herüber.
Mit einer Freundin? Tani beobachtet Jordyn.
Der Junge kommt zurück in die Küche, stutzt kurz, dreht den Kopf in Tanis Richtung und greift an ihr vorbei an den oberen Schrank.
"Entschuldige,", sagt er leise, "die Gläser sind hier." Eins nach dem anderen stellt er auf der Arbeitsfläche vor sich ab. Dabei ruht sein Blick auf dem roten Haar der Besucherin.
Sie wundert sich ein wenig über sein Verhalten, doch denkt sie nichts weiter dabei. Ihr ist aber klar, dass die Zwillinge sehr verschieden sind.
Daraufhin nimmt sie die Gläser in die Hand.
Zum Schluss legt Jordyn das Besteck neben die Teller. Er wirkt konzentriert, mit dem Daumen misst er die Abstände zwischen Teller und Besteck, so wie zur Tischkante ab.
Als Tani neben ihm steht und die Gläser auf den Tisch stellt, neigt er den Kopf in ihre Richtung.
"Wir haben nicht oft Besuch zum Essen.", erklärt er. "Ich finde es schön, dass du bleibst."
Sie legt ihren Arm um Jordyn und ist dankbar für seine Fürsorge.
Ganz unwillkürlich legt sich ein freudiges Lächeln auf sein Gesicht.
Am anderen Ende des Raumes öffnet sich die Haustür und der Familienvater tritt ein. Verdutzt bleibt er stehen, als er die Teenager so sieht. 'Endlich kommt der Junge in die Pubertät.', denkt er in sich hineinschmunzelnd und begrüßt die zwei.
"Tag, Kinder."
"Guten Tag Herr Lamont.", grüßt Tania und lächelt.
"Ach, dich kenne ich doch." Mit dem Zeigefinger in der Luft herumwedelnd überlegt er. "Tabea? Tamara?" Er stutzt. "Warst du nicht mit dem anderen zusammen?"
Etwas verlegen neigt Tani ihren Kopf. "Tani." Auf die zweite Frage weiß sie nichts zu antworten.
Jordyn dreht sich zu seinem Vater herum. "Dad." Den Kopf in Tanis Richtung geneigt, sagt er leise: "Er macht nur Witze."
Patrick lacht und klopft dem Mädchen im Vorbeigehen auf die Schulter. "Schon gut, Tani, lass dich nicht von alten Männern ärgern."
Sie grinst noch immer verlegen und sieht zu Jordyn.
Der Teenager schaut mit faltiger Stirn Löcher in den Boden und seufzt. Manchmal wünschte er, sein Vater hätte etwas mehr von der Ernsthaftigkeit seiner Mutter, während ihr ein großes Stück Lockerheit mehr stehen würde.
"Nimm das nicht ernst.", flüstert er entschuldigend. "Den Scherzkeks hat Jay von seiner Seite."
"Ok.", sagt Tani kurz und hilft weiter beim Tischdecken.
Liza und Patrick bringen die Schüsseln aus der Küche und verteilen sie auf dem Tisch. Kartoffeln, Steaks, fritierter Blumenkohl und gemischter Salat.
"Setzt euch, Kinder.", lädt Patrick ein. "Ihr müsst nicht im Stehen essen."
Liza beginnt, die Teller zu füllen."Tania? Von allem etwas?", fragt sie.
Die Teenagerin nickt und bedankt sich, für die Gastfreundschaft. Das Essen sieht lecker aus und sie verspürt einen Bärenhunger.
Liza reicht Tania das Essen herüber und nimmt Jordyns Teller. "Kartoffeln zehn, Salat dreizehn, Blumenkohl sechzehn.", sagt sie automatisiert, während sie die Portion vor ihrem Sohn abstellt.
Überrascht verfolgt Tania das Geschehen, sie ist verwundert. Dann beobachtet sie aus dem Augenwinkel, wie akkurat Jordyn sein Essen vom Teller nimmt und zum Mund führt. Ist er krank?
Patrick beginnt eine lockere Plauderei mit dem Gast, fragt sie über die Schule aus und berichtet von seiner eigenen Schulzeit. Eine Schabernack-Anekdote folgt er der nächsten und er schafft es, Tania ein wenig abzulenken.
Jordyn genießt den Klang ihres Lachens und Liza verdreht gespielt genervt die Augen über die alten Kamellen ihres Gatten.
"Ihre Schulzeit scheint alles andere als langweilig gewesen zu sein. Haben Sie sich in der Schule kennen gelernt?", fragt Tania interessiert.
"Nein.", grinst Patrick. "In einer Burgerschmiede."
Verheißungsvoll schaut er zu seiner Frau herüber, die lachend die Hände vor ihr Gesicht schlägt.
"Sie hat dort gearbeitet. Und ich habe sie durchs Fenster gesehen und wollte sie kennen lernen. Aso bin ich rein gegangen und habe etwas bestellt. Aber sie wollte nicht mit mir reden. Zumindest nicht mehr, als die musste."
Der Familienvater lehnt sich lässig im Stuhl zurück und nimmt einen Schluck aus dem Glas, bevor er weiter spricht: "Also bin ich jeden Tag zu ihr gegangen. Habe jeden Tag das Gleiche bestellt. Und immer habe ich versucht, sie in ein Gespräch zu verwickeln." Er stellt das Glas wieder ab und schaut Tani direkt an.
"In der Zwischenzeit wurde ich immer dicker und ich bekam schlechte Haut und mir gingen die Ideen aus. Und dann habe ich sie einfach eingeladen. Und sie hat ja gesagt."
"Naja, ganz so war es nicht.", lacht Liza.
"Er hat mich auf Knien angefleht, ihm eine Chance zu geben, weil er das Essen schon nicht mehr sehen kann. Er sagte, wenn ich ein Herz habe, mäste ich ihn nicht weiter und gehe mit ihm aus."
"Wie du siehst,", fährt Patrick nun fort, "hatte sie Erbarmen mit mir. Ich habe die nächsten fünfzehn Jahre kein Fleisch mehr angerührt und dafür meine Traumfrau gefunden."
Die beiden legen ihre Hände ineinander und schauen sich verliebt an.
Gerührt von der Geschichte werden Tanis Augen feucht. Die Hormone schlagen zu. Reiß dich zusammen!
"Sind alle fertig?", fragt Liza - froh darüber, vom Thema ablenken zu können. "Tania, möchtest du noch?"
"Nein danke. Ich bin satt. Vielen Dank für das Essen!", antwortet sie.
Zufrieden nickt die Mutter und Hausfrau und beginnt, den Tisch abzuräumen.
"Gehen wir nach oben?", fragt Jordyn den Gast leise.
Die Angesprochene nickt nur.
Patrick beobachtet die Teenager neugierig.
"Geht ihr man." Jordyn steht auf und will bereits den Weg zur Treppe einschlagen, als sein Vater ihm entgegen kommt und ihn kurz zur Seite zieht.
"Was ist das mit euch?", fragt er so leise, dass Tani die Worte nicht verstehen kann.
"Was meinst du?", entgegnet der Sohn.
"Ist sie so eine Freundin, wie dein Bruder sie reihenweise hat?"
"Dad, was denkst du von mir?"
Patrick legt seine Hand auf die Schulter seines Sohnes und schaut ihn eindringlich an. "Ich denke, dass du alt genug bist."
"Können wir das ein anderes Mal besprechen?", fragt Jordyn.
"Jederzeit, mein Sohn." Er gibt dem Teenager einen leichten Knuff in die Schulter und signalisiert ihm so, dass er gehen kann. Nur knapp zieht er an Tania vorbei und geht mit ihr zurück in sein Zimmer.
Sie setzt sich wieder aufs Bett. "Das Essen war echt gut!" Mit dem Rücken lässt sie sich aufs Bett fallen. "Ich danke dir wirklich. Mir geht es schon besser."
"Da musst du meiner Mutter danken.", lacht Jordyn leise. "Ich habe nicht gekocht." Er setzt sich neben sie. "Aber es freut mich, dass wir etwas für dich tun konnten."
Sie beobachtet ihn, während er spricht und überlegt. Er sieht sie gar nicht richtig an. "Sag mal." Bevor sie weiter spricht, richtet sie sich auf. "Darf ich dich mal was fragen?"
"Natürlich."
Räuspernd schaut sie auf die Bettdecke, auf der sie sitzt. "Vorhin beim Essen hat deine Mutter Zahlen genannt. Darf ich fragen, was das bedeutet? Brauchst du eine gewisse Anzahl an Nährstoffen?"
Jordyn zieht verwundert die Augenbrauen in die Stirn und beginnt zu lachen.
"Nein, brauche ich nicht.", sagt er dann. Er dreht sich wieder seitlich zu ihr herum und neigt den Kopf in ihre Richtung. Seine hellen Augen blicken ein weiteres Mal an ihr vorbei.
"Sie wollte mir damit sagen, wo ich auf dem Teller was finde.", erklärt er geduldig. "Wenn man sich vorstellt, als wäre er eine Uhr, gibt sie die Zeiten an und ich weiß dann, wo der Blumenkohl liegt. Zum Beispiel."
Seine Antwort irritiert sie. Eine kurze Zeit herrscht Schweigen. Erneut schaut er sie nicht direkt an. Wieso muss sie ihm sagen, wo er was findet? Er muss doch nur die Augen auf machen und.. Jetzt schaut sie ihm direkt in die Augen. Seine Augen.. Sie hat eine Vermutung. "Ehm.. kannst du nicht gut sehen?"
Ein unsicheres Schmunzeln umspielt seine Lippen. Sein Kopf senkt sich und einige seiner braunen Strähnen fallen vors Gesicht.
"Ich kann überhaupt nicht sehen.", sagt er leise. "Ich dachte, du wüsstest das."
Mit großen Augen sieht sie ihn an. "Du veräppelst mich?!"
Er hebt den Kopf wieder an und richtet den Blick geradeaus. Sein Ausdruck ist ernst, als er fragt: "Warum sollte ich das tun?"
Dass er blind ist, überrascht sie wirklich. "Das sieht man dir gar nicht an.. Wahnsinn." Viele Fragen gehen ihr durch den Kopf, doch sie möchte nicht unfreundlich sein. "Respekt."
"Respekt?", wiederholt Jordyn und dreht sich zurück, so dass er gerade auf der Bettkante sitzt.
"Ja, wie du dich bewegst, agierst. Ich bin beeindruckt." Sie lächelt anerkennend und legt eine Hand auf seine Schulter.
"Das ... funktioniert nur hier, wo ich mich auskenne. Mit viel Übung."
Jetzt versteht sie, weshalb es im ganzen Haus so ordentlich ist. "Bist du schon immer blind?", fragt sie nun.
"Erst seit sechs Jahren.", antwortet er. "Durch einen Unfall."
"Das tut mir Leid.", sagt sie leise und sieht zur Wand. Sie weiß mal wieder nicht, was sie antworten soll. Manchmal ist es dann doch besser, nichts zu sagen.
Er legt seine Hand auf ihre, die noch immer auf seiner Schulter ruht. Ihre Haut ist warm und zart und Jordyn fragt sich insgeheim, ob sie tatsächlich so hübsch ist, wie alle sagen.
Einige Zeit bleibt sie in ihrer Position. Sie weiß nicht, was sie sagen soll. Doch die Stille bewirkt in ihr ein Gedankenkarussell und so kommt sie wieder zu ihren Problemen. "Ehm.. was machst du denn gerne in deiner Freizeit?"
"Ich lese, spiele Klavier und ich mache Skulpturen.", zählt er auf. "Und ich übe, mich außerhalb des Hauses frei zu bewegen. Aber das ist mehr der Drang nach Selbständigkeit, als Spaß an der Sache."
"Skulpturen?", fragt Tani.
"Früher habe ich gemalt, aber ... ist schwierig geworden." Er streckt den Arm nach vorn aus und zeigt an die Zimmerwand. "Da steht meine Werkbank. Angefangen habe ich mit weichem Material, wie Ton und Fimo. Inzwischen bin ich bei Speckstein und Holz angekommen."
Erneut ist sie begeistert von Jordyn. Sie steht auf und sieht sich die Werkbank an. Anschließend schaut sie sich genauer in seinem Zimmer um. "Wer begleitet dich denn, wenn du übst nach draußen zu gehen?"
"Unterschiedlich. Manchmal gehe ich mit Jay joggen. Mein Dad ist gern bei Waldspaziergängen dabei. Aber ich gehe auch allein und versuche, neue Ecken zu erkunden.", erzählt er beschwingt.
"Ich kann dich auch gerne begleiten, wenn du Lust hast.", schlägt sie vor.
Das warme Lächeln kehrt in sein Gesicht zurück. "Das wäre schön."
Daraufhin erwidert sie sein Lächeln und setzt sich wieder neben ihn.
"Was möchtest du mir denn zeigen?", fragt Jordyn neugierig.
"Hm. Wir könnten durch den Park spazieren gehen, in dem ich mit den Hunden gehe." Dort kann sie in letzter Zeit am besten abschalten, wenn sie von Zuhause raus muss.
"Sehr gern. Aber du solltest wissen, dass ich viel Zeit bei meinen Übungen brauche."
Nickend legt sie ihre Hand auf seine Hand. "Wir gehen das ganz langsam an. Sobald du dich unwohl fühlst oder es dir zu viel ist, gehen wir wieder heim."
Jordyn fühlt in seine Hand hinein. Ein leichtes Pulsieren in ihrem Daumen zeigt ihm, dass sie sich in diesem Moment wohl fühlt. Diese Erkenntnis gibt ihm eine gewisse Zufriedenheit mit. "Darf ich dich etwas Persönliches fragen, Tani?"
"Ja, klar." Da er schon ihre schlimmsten Geheimnisse weiß, macht es ihr nichts weitere Fragen zu beantworten.
"Was ... Empfindest du etwas für Jay?", fragt Jordyn vorsichtig. "Ich meine, mehr als Freundschaft?"
Sie muss kurz grinsen, bevor sie antwortet. "Nein, mehr als Freundschaft ist da nicht." An eine feste Beziehung hat sie in den letzten Wochen überhaupt nicht gedacht. Es war alles nur Spaß, Vergnügen und vor allem Vergessen.
"Okay." Tief in sich spürt er Erleichterung. Er würde nie schlecht über seinen Bruder reden, aber Jadyn vergisst manchmal, dass Gefühle anderer Sims verletzt werden könnten.
Tani schaut auf ihr Handy, nachdem es kurz klingelt. Genervt seufzt sie.
"Möchtest du nicht ran gehen?", fragt Jordyn.
"Nee, das ist nur meine Mutter. Die kann ich gerade überhaupt nicht ertragen." Sie macht ihr Handy auf stumm.
"Wieso? Was ist los? Sie weiß doch nicht davon oder?"
Ein hoher Ton entfleucht Tania. "Gott bewahre, nein. Sie wird davon auch nichts erfahren.. ach, meine Familie ist nicht so harmonisch wie deine."
Jordyn lacht sarkastisch auf. "Es ist hier absolut nicht harmonisch."
Stirn runzelnd betrachtet sie ihn. "Das sah gerade aber ganz anders aus. Deine Eltern scheinen noch immer sehr verliebt zu sein."
Die Mimik des Teenagers wird ernster, beinahe wehmütig. "Das heißt nicht, dass alles harmonisch ist.", sagt er. "Mein Dad weiß meine Mom zu umgarnen. Aber sie ist manchmal sehr ... überfüsorglich."
Tania sieht zu Boden. Sie denkt wieder an ihren Vater mit seiner Geliebten und seufzt.
Um ihre Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, schaut sie nochmals auf ihr Handy. Eigentlich wollte sie Jordyn ein Video der Hunde vorspielen, dich da klingelt es auch schon. "Oh man, ich glaube ich komm nicht drum herum. Ich mach mich auf den Heimweg. Danke für alles!" Sie umarmt Jordyn.
"Ruf mich an, wenn du etwas brauchst.", sagt er leise in ihr Ohr. Seine Finger berühren ihr langes Haar. Es ist weich und glatt und fühlt sich sehr gepflegt an. Während er spürt, wie Luft in ihre Lungen gesogen wird, dringt der liebliche Duft ihres Shampoos in seine Nase.
Die Teenager lösen die Umarmung und Jordyn begleitet sie nach unten.
(in Zusammenarbeit mit @Spatz)