Forum Discussion
3 years ago
Ort: Haus Garcias, Almas Wohnung, Brindelton Bay
Charaktere: Logan, Alma, Nael
Geschichtsstrang: Was wir tun, das hat Stil
Spoiler
https://www.youtube.com/watch?v=yh0b8eL2k0w
Logan steht auf Almas kleinem Balkon und steckt sich eine Zigarette an.
"Keine Ahnung.", beantwortet er ihre Frage. "Wollte noch nach OS rüber, 'n bisschen in die Drums hauen." Er tritt wieder zurück in ihren Wohnbereich und sammelt seine Wäsche zusammen. "Wieso? Was soll ich vor haben?", fragt er, während er sich die Shorts anzieht.
"Was weiß ich, deshalb frage ich ja. Nach OS wollte ich auch schon seit langem. Dann komm ich mit, hab eh nix vor." Alma steht auf und zieht sich an.
Logan richtet sich auf und schaut sie verwundert an. "Du willst mit? Ich klopp' da nur auf den Drums rum. So spannend is' das nich'."
Während sie den Reißverschluss ihrer Jeans zuzieht, antwortet sie: "Ja und? Spannender als hier irgendwelche Steuererklärungen zu bearbeiten."
"OK, your choice, girl.", murmelt der Lockige und steigt in seine Jeans.
Nachdem sie den Lippenstift nachgezogen hat, schnappt sie sich ihre Handtasche und steckt ihr Handy und Portmonee ein. "Bin soweit." Von wegen Frauen brauchen so lange.
Logan zieht das Shirt über den Kopf, schlüpft in die Schuhe und verlässt ihre Wohnung.
Während die beiden gerade zu Logans Wagen gehen wollen, kommt ihnen Nael entgegen, der gerade von einem Termin kommt. Der schon wieder, mal angezogen. "Hallo zusammen!", grüßt er.
Alma erschrickt, als sie ihren Bruder sieht. "Hi."
Logan mustert den Bärtigen. Hat er den nicht schon einmal gesehen? In seinen verworrenen Erinnerungen gräbt er nach Szenen, die zu dem Typen passen könnten, aber es bleibt zu verschwommen. Er nickt dem Fremden mürrisch zu.
"Wo geht's hin?", fragt der ehemalige Staatsanwalt neugierig.
"Eh..." Alma will ihrem Bruder nichts sagen. "Irgendwohin."
"Biste ihr Babysitter?" Logan zieht eine Augenbraue in die Stirn.
"Wie bitte? Ich bin ihr Bruder, Nael. Und du?" Er hält Logan die Hand hin.
Der Lockige schaut entgeistert auf die Hand. So einer ist das also. Mit einem schelmischen Schmunzeln dreht er sich zu Alma herum und sagt: "Hoffentlich kein Bruder. Wär wohl irgenwie unangebracht." Er dreht sich nach vorn und geht weiter. "Komm schon, Babe, die Abtreibungsklinik hat nich' ewig offen."
Mit rotem Gesicht sieht Alma ihn an und ist vor Schock sprachlos. Nael hingegen zieht seine Hand zurück und schaut böse zu Logan. Er weiß, dass dieser ihn provozieren will. Nicht mit mir! Während die Beiden ins Auto gehen, beobachtet Nael sie und merkt sich das Kennzeichen. Na warte.
Logan startet den Motor und brettert davon.
"Gib' ma 'ne Flasche rüber.", sagt er zu Alma und zeigt auf einige Bier, die in ihrem Fußraum liegen.
Sie beugt sich herunter und nimmt eine Flasche. Dank des Öffners springt der Deckel ab und sie streckt das Bier gen Logan. "Hier." Dann nimmt sie sich selbst eine Flasche. "Prost!"
Er hält ihr die Flasche zum Anstoßen entgegen und lässt die Hälfte des Bieres in seinem Schlund verschwinden.
"Läuft nich' so doll zwischen euch?", fragt er dann ohne sie anzusehen.
"Geht.", nuschelt sie, während sie trinkt.
"Isser älter oder jünger?"
"Älter."
Logan dreht die Musik auf. Alma will sich ohnehin nicht mit ihm unterhalten - soll ihm recht sein.
Zur Musik bewegt sie ihren Kopf und trinkt ihr Bier aus.
Proberaum, Stephens Heim, Oasis Springs
Bis sie in Oasis Springs ankommen, sprechen sie nicht miteinander. Logan ist das nur recht. In den letzten Tagen hat er immer weniger Lust auf Konverstation. Er will einfach nur die Zeit bis zum Jahresende überstehen. Knapp drei Wochen liegen noch vor diesem Ziel. Wenn der fünfzehnte Winter angebrochen ist, hat er allerdings das Schlimmste geschafft. Dann kommen nur noch diese verdammten Feiertage, bis endlich Ruhe einkehrt und im nächsten Jahr alles wieder von vorn beginnt.
Nachdem Logan den Wagen parkt, steigt Alma aus und richtet ihre Klamotten. Anschließend geht sie zu ihrem Begleiter. "Wo geht's hin?"
Logan steckt sich eine Zigarette an und betritt den großen Hof.
"Warte hier.", sagt er zu Alma und steuert auf die Veranda zu, um den Schlüssel aus dem Versteck zu holen. Als er zurück kommt, zeigt er mit einer Kopfbewegung auf den Seiteneingang der Garage. Dort schließt er auf und lässt Alma eintreten. Den Schlüssel steckt er von innen ins Schloss. "Setzt dich, wo du willst.", sagt er beiläufig, während er seine Jacke in eine Ecke schmeißt und zuerst zwei Bier aus dem Kühlschrank holt.
Alma setzt sich auf die Couch. Sie schaut sich um und bemerkt allerhand Gerümpel, von Fässern bis Instrumenten über Fahrräder und einem Boxsack. Scheinbar macht hier niemand sauber oder räumt auf, da sich der Müll bereits stapelt. Das Bier nimmt sie von Logan entgegen und stößt mit ihm an. "Na dann, zeig mal, was du kannst."
Langsam, mit bedächtigen Schritten, geht Logan um das Instrument herum und setzt sich auf den Hocker. Dieser Moment ist immer wieder etwas Besonderes und er versucht, ihn voll auszukosten. Die Unruhe, die seit Tagen in ihm herumtreibt, verstummt. Wie ein riesiger Bär, der nach einer verstörenden und aufwühlenden Flucht vor einer Gruppe Jägern endlich zur Ruhe kommt, legt sie sich tief im Inneren schlafen. Hier hat er ein Gefühl von Frieden in sich.
Logan nimmt die Sticks in die Hand, schließt die Augen, atmet tief ein. Die Sticks wandern wie von selbst von einer Tom zur nächsten, schlagen sanft auf die gespannten Felle und tippen auch die Becken an, so begrüßt er jedes Mal das Instrument. Das letzte Ride-Becken verhallt leise scheppernd im Raum als er die Augen öffnet. Alma schaut erwartungsvoll zu ihm herüber.
Er tritt auf die Base und setzt so zu einem soften Spiel im Viertel Takt an. Zum Aufwärmen bevorzugt er einen schlichten Ostinator - wie zu einer klassischen Stadionrock-Ballade von Poison. Diese Stimmung hält allerdings nicht besonders lange an, vom Klang des Schlagzeugs angestachelt, schreit etwas in ihm nach mehr Energie, mehr Kraft, mehr Rausch. Also folgt er diesem Verlangen und gleitet in einen Achtel Takt über, setzt mehr Power in die Toms und hält diesen Rhythmus für einige Minuten.
Aber auch das reicht nicht aus, das Verlangen wird stärker und Logan zieht das Tempo an. Nach nicht einmal zehn Minuten spürt er, wie seine Haut beginnt, die Hitze aus seinem Körper abzustrahlen. Nur einige Schläge später ist er in einem tranceähnlichen Zustand. Je mehr Zeit an ihm vorbei zieht, umso tiefer verliert er sich in einem energischen Handspiel, Tempo und Ostinati wechseln immer wieder, bis er irgendwann in völliger Rage - und ohne einen bestimmten Plan zu verfolgen - alles was er hat in die Drums legt. Es dröhnt, kracht und scheppert in bewegenden Rhythmen. Schließlich beendet er den Kraftakt mit einer Reihe von Schlägen auf das Ride-Becken, sodass der scheppernde Sound schwer in den Ohren liegt und nur widerwillig aus der Luft verklingt.
Erschöpft und zufrieden lässt er mit geschlossenen Augen die Arme sinken, die Hände halten noch immer die Sticks und ruhen auf den Oberschenkeln. Sein Atem gleicht für einen kurzen Moment dem eines Kurzstreckenläufers, beruhigt sich aber sehr schnell. Ihm ist warm und sein Kopf ist wunderbar frei.
Entspannt steht er auf, greift nach dem Handtuch hinter sich und wischt sich den Schweiß ab. Dann geht er um das Schlagzeug herum, zu der Couch und lässt sich fallen, trinkt sein Bier gierig leer und rülpst.
Seine Leistung anerkennend schaut Alma ihn an und grinst. "Seit wann spielst du?"
Mit hochgezogenen Augenbrauen überlegt er. Das war definitiv noch in England. Er ging zur Schule das heißt, er war noch keine fünfzehn.
Er wiegt abschätzend den Kopf hin und her. "Schulzeit.", überlegt er laut weiter. "Als ich geflogen bin, war Abendeen schon weg." Schulterzuckend schaut er jetzt zu Alma. "Vielleicht so um die dreizehn oder so."
Sie nickt und trinkt aus ihrem Bier. "Das hier ist aber nur dein Musikraum oder lebst du auch hier?" Da sie bislang noch nie bei ihm Zuhause war, macht sie sich schon ihre Gedanken.
"Ne, bin zur Miete mit drin. Is' der Raum von paar Kids."
Etwas Erleichterung verspürt Alma daraufhin. Hier könnte sie sich nicht vorstellen, längere Zeit mit Logan intim zu sein - da ist sie dann doch eigen.
Nach einiger Zeit steht Alma auf. "Und was machen wir jetzt?", fragt sie. Das Gefühl der Langeweile ist ihr unbehaglich und sie hat viel Energie in sich.
"Was willste denn?"
Auf seine Frage hin zuckt sie die Schultern. "Was trinken gehen? Ich hätte auch Hunger. Gibt's hier in OS ein gutes Restaurant?"
"Woher soll ich das wissen? Bin nur zum drummen hier." Er hebt den Blick leicht an. "Können was ausprob-" Logan stockt und schaut skeptisch zur Tür. Wenige Sekunden lang lauscht er, dann steht er auf und schleicht in die selbe Richtung.
Verwundert beobachtet Alma ihren Liebhaber.
Er legt das Ohr an und lauscht. Irgendetwas ... oder irgendjemand ist da draußen. Er richtet sich auf, legt eine Hand auf den Griff.
Mit einem Ruck reißt er die Tür auf, doch niemand ist zu sehen. Noch immer skeptisch geht er einige Schritte nach draußen und sieht sich um. Nichts.
Mit angespanntem Gesichtsausdruck kehrt er zurück in den Raum
"Komm schon, girl, wir geh'n." Er schnappt sich die Jacke und murmelt weiter: "nich' sicher hier."
Was auch immer. Sie folgt Logan zum Wagen und öffnet ihre SimsMapsApp. "Ich hab hier was gefunden." Die Speisekarte gibt einige Gerichte Preis, wie Pizza, Burger und Pasta. "Sollen wa?"
"Sure.", grummelt der Mürrische und steigt ein - nicht ohne noch einen Blick in die Umgebung zu werfen. "Sagste an?", fordert er seine Begleitung auf und fährt rasant auf die Straße.
Mit einem Nicken spielt sie bis zur Ankunft das Navi. "Und da sind wir schon." Nachdem er geparkt hat, steigt sie aus dem Auto.
Logan folgt ihr ins Restaurant. Alma wartet auf ihn. Ein Kellner kommt auf sie zu und fragt: "Ein Tisch für zwei?"
"Ne, für einen. Ich werd' gleich draußen angeleint."
Der Kellner schaut irritiert von einem Gast zum anderen.
"Natürlich für zwei.", erklärt Logan dann augenrollend und beginnt zu zählen. "Eins,", er zeigt auf Alma, legt sich dann selbst den Finger auf die Brust. "zwei."
Amüsiert beobachtet die junge Erwachsene die Szenerie.
"Bitte ... folgen Sie mir." Der junge Kellner dreht sich unsicher um und führt die beiden an einen Tisch.
"Bitte sehr. Für zwei."
"Toll gemacht.", lobt Logan und schaut dem Burschen hinterher, als der sich entfernt.
Am Nebentisch sitzt ein älteres Paar, das ihn und Alma pikiert betrachtet.
"Nabend.", grüßt Logan und setzt sich.
"Hallo.", begrüßt auch Alma das paar und setzt sich gegenüber von Logan. Noch immer ist ein Grinsen auf ihren Lippen.
"Ich glaub, die Alte is' neidisch.", sagt er unverhohlen, als die Frau ihren Blick nicht abwendet.
Alma zwinkert ihr zu. Sie weiß, dass sie noch einen jungen frischen Körper hat im Gegensatz zu der Frau.
In Logan steigt die Lust zum Pöbeln auf. Diese feinen Fatzken nebenan nerven ihn durch ihre bloße Anwesenheit. Die verachtenden, herablassenden Blicke der Blondierten wecken alte Launen in ihm. Er will gerade zu einem Kommentar ansetzen, als der Kellner ankommt und die Speisekarten bringt. "Möchten Sie schon etwas zu Trinken?", fragt er. Seine Routine wird von einer leichten Nervosität durchbrochen und er schluckt ein Mal zu viel, als er den männlichen Gast betrachtet.
"Ich fühl' mich heute dekadent.", sagt Logan. "Bringen se mir 'ne Flasche Wein. Aber schön süffig. Was möchtest du, Darling?"
Darling? Gefällt mir. "Für mich bitte ein Glas Grauburgunder." Alma nimmt die Karte und sieht sich um. Das Essen der anderen Gäste bringt ihren Magen zum Knurren.
"Gern." Der Kellner nickt ihr zu und verschwindet schnellen Schrittes aus dem Sichtfeld.
Nach kurzer Zeit hat sich Alma entschieden. "Ich nehme Tagliatelle mit Lachs. Und du?"
"Alma in Sahnesauce."
Ein weiteres Mal muss sie grinsen. Heute ist sie besonders angetan von seiner Art. Das kann noch was geben.
Der Kellner bringt die Getränke. Zuerst stellt er das Glas vor Alma ab, dann ein leeres Glas vor Logan. Die Flasche Wein stellt er in die Mitte des Tisches.
"Wer hat was von 'nem Glas gesagt?", fragt Logan genervt.
Der junge Mann schaut ratlos zu dem schnippischen Gast.
"Wir servieren Wein nur mit Gläsern.", erklärt er.
"Ahja. Und wenn ichs nich' benutz'?"
Das Gesicht des Kellners wird leidiger.
"Jaja, schon gut." winkt Logan ab. "Die Dame nimmt Tagliatelle mit Lachs. Für mich Penne Funghi. Abmarsch." Logan drückt dem Mann die Speisekarte in die Hand und macht eine scheuchende Handbewegung.
Die herrische Art macht Alma an. Scharf. Sie nimmt ihr Glas und hebt es hoch. "Auf unser Vergnügen!"
Logan schmunzelt sie an und hebt ebenfalls sein Glas, nachdem er es randvoll gegossen hat. "Und alle, die noch folgen mögen."
Er trinkt das Glas halbleer, stellt es ab und sieht sich um. Die meisten der Gäste wirken unauffällig, fast langweilig.
"Wen findest du hier am peinlichsten?", fragt er dann.
Freudig trinkt sie einen großen Schluck und sieht sich anschließend um. Sie erblickt eine Frau in einer der hinteren Ecken. Die Haare sind zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden und ihr Kleid ist sehr unvorteilhaft für ihre Figur. "Die." Die Frau fuchtelt beim Erzählen wild mit ihren Händen und lacht laut. "Meine Güte."
"Come on, du willst eigentlich sein wie sie."
Mit einem Schmunzeln sieht sie ihn an. "Oh ja und wie. Ich bin so neidisch. Rrr." Schnurrend formt sie ihre linke Hand zu einer Kralle. "Du würdest sie direkt hier auf den Tisch nehmen, was?"
"Vielleicht nicht auf diesem. Hier will ich noch essen.", nickt er trocken.
Er leert das Glas und füllt es direkt wieder voll.
"Und wen hier findest du heiß?"
Erneut blickt sie sich um. "Abgesehen von dir?..Hm.." Die Auswahl ist nicht leicht, doch plötzlich entdeckt sie einen Mitte 40er mit grau-schwarzen Haaren. "Der da." Er trägt ein Hemd und scheint sehr gepflegt zu sein. "Auf alten Pferden lernt man reiten, oder wie war das gleich?" Grinsend dreht sie sich wieder zu Logan. "Und wen findest du heiß?"
"Den Kellner."
Alma kann sich ihr Lachen nicht verkneifen. "Ist klar. Seit wann stehst du auf Kerle?" Sie wischt sich eine Lachträne weg.
Logans Blick verfinstert sich. Er spürt den festen Griff im Nacken. Mit einer Hand greift er an die Stelle und versucht das Gefühl abzuwischen. Dann nimmt er das Glas und leert es in einem Zug.
"Du bist ein Ass im Reiten. Du brauchst den Alten Knacker nich'.", sagt er dann nüchtern.
Dieses Kompliment nimmt sie gerne entgegen, sagt darauf jedoch nichts. Sie trinkt erneut einen Schluck aus ihrem Glas, bis der Kellner mit dem Essen kommt. "Na das ging ja schnell."
"Is' bestimmt von gestern.", meckert Logan.
"Alle Gerichte werden bei uns frisch zubereitet.", entgegnet der Kellner.
"Erzähl das deinem Bestattungsinstitut."
Der junge Mann schnappt nach Luft und verschwindet.
Der Blick des Kellners bringt Alma zum Kichern. Nachdem sie sich beruhigt, nimmt sie Gabel und Messer in die Hand. "Guten Appetit."
Logan antwortet nicht, betrachtet sein Gegenüber aber einen Moment. Wie sie feinsäuberlich kleine mundgerechte Portionen vom Teller nimmt und ordentlich kaut. Sie sieht nach guter Kinderstube aus. Logan wurde nie beigebracht, sich anständig am Tisch zu verhalten. Es gab Tage, an denen er nicht einmal Besteck hatte - geschweige denn, etwas zu essen. Er seufzt bei den Gedanken und beginnt, in den Nudeln herumzustochern.
Alma schmeckt das Essen gut und sie merkt, wie endlich ihr Magen aufhört zu knurren. Das fühlt sich gut an. Sie genießt es in vollen Zügen, als sie bemerkt, wie Logan mit seinem Gericht verfährt. "Schmeckts dir nicht?"
"Ach, ich bin kein großer Esser.", erklärt er.
"Darf ich gleich den Rest?", fragt sie unverhohlen.
Das Schmunzeln kehrt zurück auf sein Gesicht. "Sure." Er spießt einen Pilz auf und schiebt ihn zwischen die Zähne. Auffallend lange kaut er darauf herum, bis er ihn endlich herunter würgt und das Ganze mit einigen Nudeln wiederholt.
Es dauert nicht lange und Alma hat ihren Teller leer gegessen. "Echt lecker."
"Wo lässt du das alles?", fragt Logan, der gerade mal ein knappes Drittel gegessen hat.
Seine Frage irritiert sie. "Naja.." Hat er meine Speckröllchen übersehen?
"Sag nix." Er schaut sie ernst an. "Das Recht Ohrläppchen."
Ein verlegenes Lächeln umspielt ihren Mund. "Natürlich."
Logan tauscht die Teller aus. "Hau rein.", nickt er ihr zu und gönnt sich noch ein Glas Wein.
Das lässt sie sich nicht zweimal sagen und schaufelt auch seine restliche Portion zufrieden in sich herein.
Fasziniert betrachtet ihr Gegenüber sie dabei. Plötzlich bekommt er ein unwohles Gefühl. Sie wird doch nicht ... Aus seiner Faszination wird Schrecken.
Nachdem sie zuende gegessen hat, legt sie ihr Besteck sorgfältig auf ihren Teller. Sie nimmt ihr Glas und trinkt den letzten Schluck aus. "Ja, das war lecker."
Noch immer starrt Logan sie an. Skepsis liegt in seinem Blick. "Futterst du immer so gut?" Er lehnt sich zurück. "Scheiße, du bist doch nicht schwanger, oder?"
Seine Fragerei über ihre Essgewohnheiten stoßen ihr sauer auf. Hält er mich etwa für fett? Als sie das Wort schwanger hört, verschluckt sie sich an ihrer eigenen Spucke. Der Hustenreiz ist so schlimm, dass ihr Tränen in die Augen strömen.
Logan springt auf, läuft um den Tisch herum und klopft ihr auf den Rücken.
Nachdem sich der Reiz legt, hebt sie ihre Hand beschwichtigend. "Danke, aber nein. Ich bin doch nicht dumm." Wie kommt er auf so einen Blödsinn? Will er etwa Kinder? Jetzt beginnt sich in Alma eine Befürchtung aufzubauen. Was ist, wenn er.. "Also, ich bin nicht schwanger und habe das auch nicht vor zu werden, ok?" Ihr Blick ist ernst.
"Gut.", nickt er. Die Erleichterung ist noch nicht ganz zu seinem Gehirn durchgedrungen und er starrt noch immer aus großen Augen.
"Noch mal wär' echt zu viel.", nuschelt er zu sich selbst.
Was zum .. ? "Hast du schon ein Kind?" Entsetzt sieht sie Logan an.
"Was??" Erschrocken schaut er sie an. "Nein. Also ... nein... Ich mein' ..." Er seufzt und reibt sich mit beiden Händen über das Gesicht.
Jetzt fühlt sie sich von Verwirrtheit geschwängert. "Eh.. ja.. Ehm. Kellner! ... Bitte noch ein Glas Wein!", ruft sie laut durch den Raum.
"Flasche.", berichtigt Logan.
Er beugt sich über den Tisch zu Alma und sucht nach Worten.
"Da is' 'ne ... Bekannte. Die kriegt 'n Kind. Irgendwann, keine Ahnung." Logan weicht Almas Blick aus.
"Aber es is' nich' klar, ob's von mir is', okay?"
Die Stirn runzelnd betrachtet sie ihn, während er spricht. Oh Gott, Stiefmutter spielen stand nicht auf meiner Agenda. Der Kellner kommt mit der Flasche, die Alma ihm entreißt. "Danke." Schnell schüttet sie sich das Glas ein und trinkt es in einem Zug leer.
"Is' doch egal.", winkt Logan ab, "wir sind ja nich' zusammen oder sowas."
Sie nickt nur, während sie sich das nächste Glas voll macht. In ihren Gedanken spielen sich Szenen ab, wie Logan ihr absagt, weil er Zeit mit seinem Kind verbringen will. Na toll, dann häng ich bald wieder alleine rum. "Guter Wein.", sagt sie, um das Thema zu wechseln.
"Rite.", seufzt er und richtet sich auf. Er schiebt sein Glas zu ihr herüber, damit sie es auffüllt.
"Will genauso wenig Kinder wie du.", murmelt er. "Ich wär 'n beschissener Dad."
Während sie sein Glas auffüllt, entspannt sie sich etwas. "Wieso glaubst du denn das?"
Ein weiteres Seufzen entfährt ihm. Er schaut auf die Tischplatte vor sich. Wo soll er anfangen? Es gibt eine Milliarde Gründe dafür. Er ist unverantwortlich, hat sein eigenes Leben nicht im Griff, zu wenig Platz, einen absolut unangebrachten Lebensstil, ... All das und vieles mehr wäre aber halb so schlimm, wenn da nicht diese Angst wäre. Die Angst, sich selbst nicht unter Kontrolle zu haben. Die tiefsitzende Angst, zu werden wie ER.
"Ich ... bin ein Freak." Noch immer meidet er ihren Blick. Stattdessen schüttet er den Wein in sich hinein.
Freak? "Inwiefern?", hakt sie nach.
"Ach, come on." Sein Blick trifft jetzt ihren. Plötzlich wirkt er sanft und zerbrechlich. "Erzähl mir nich', das is' dir nich' aufgefallen."
Schulterzuckend sieht sie ihn an. "Du genießt dein Leben und jetzt? Weiß nicht, was daran schlimm sein soll."
"Genießen?" Ein zynisches Lachen poltert aus seiner Kehle. "Wenn du meinst."
Alma fühlt sich unwohl. Irgendwas ist gerade anders als sonst, das Gespräch hat sich in eine ernste Richtung entwickelt und das Vergnügen, was sie zu Beginn verspürte, ist nicht mehr da. Ungern möchte sie weiter nachhaken. "Was sollen wir gleich noch machen?"
"Keine Ahnung." Logan zieht die Augenbrauen in die Stirn. "Wie wär's mit Leben genießen?"
Er verteilt den letzten Wein in die Gläser. "Hätte Bock, jemanden aufzumischen. Aber das darf man ja als großer Junge nich'. Also... Was willst du?"
Während sie nachdenkt, worauf sie Lust hätte, öffnet sie ihren Mund. Doch es kommen keine Worte raus. Sie weiß es nicht. Ich weiß es nicht. Normalerweise weiß sie immer, was sie will, doch jetzt.. "Lass uns gleich erstmal hier verschwinden. Der Kellner guckt so blöd herüber."
Tatsächlich beobachtet er die beiden, was weiteres Unbehagen in Alma auslöst.
"Mit oder ohne zahlen?"
"Das überlasse ich dir. Wir treffen uns am Wagen." Ihr schelmischer Blick ist zurück. Sie steht auf und läuft in Richtung Toilette, wo sie hofft auf ein Außenfenster zu treffen, durch das sie nach draußen gelangt.
(in Zusammenarbeit mit @Spatz )