Forum Discussion
3 years ago
Ort: Copperdale
Charaktere: Katie, Jordyn
Titel: Der Fortbildungskurs
Katie krault Hündin Freya hinter den Ohren. Das Tier ersetzt ihre eigenen Augen. Seit einem Dreiviertel Jahr hat sich ihre Sehkraft so verschlechtert, dass sie offiziell als blind gilt und auch einen entsprechenden Ausweis bekommen hat. Zum Glück gab es schnell die Möglichkeit, ihre Blindenhündin zu bekommen, was sie einer guten Freundin und deren Kontakten zu verdanken hat. Ihr Hund macht gute Arbeit. Freya ist konzentriert und aufmerksam, und weiß genau um ihre Verantwortung. Doch jetzt, während Katie auf einer Parkbank pausiert, hat auch das Tier ein paar Streicheleinheiten verdient.
Erst nach einer Weile setzt sie ihren Weg fort. Noch fühlt sie sich nicht sicher genug, den Weg zum Kurs auch ohne die Hündin zurückzulegen. Aber mit Freya ist es etwas anderes. Und Katie freut sich schon auf Jordyn, den sie bei diesem Kurs bereits kennengelernt hat. Er ist ihr sympathisch.
Der Teenager wartet bereits auf seine Bekannte. Auf einer Bank an der Hauswand sitzend, genießt er die winterlichen Sonnenstrahlen und lauscht in die Umgebung hinein, wie er es oft tut. Gerade draußen nutzt der Junge jede Gelegenheit, seine Sinne zu schulen.
Katie kommt näher. Der Hund macht ihr deutlich, dass sie am Ziel sind. "Super, Freya.", lobt Katie das Tier. Sie spürt, dass jemand in der Nähe ist. "Hallo!", ruft sie daher laut, um eine Reaktion zu bekommen. Ob das Jardyn ist? Er wollte ja draußen warten.
Als die vorsichtigen Schritte auf sich zukommen hört, konzentriert er sich auf diese Person. Pfoten tapsen zielsicher und dicht neben den Simsschuhen und beide kommen schließlich zum Stehen.
"Hallo, Freya." Mit einer leichten Bewegung streckt er die Hand herunter und spürt daraufhin den warmen Atem der Hündin. Er lächelt kurz auf, hebt dann den Kopf leicht an und begrüßt auch die junge Frau: "Hey, Katie. Setz dich neben mich. Ich habe Kaffee für uns."
"Hey Jardyn!", freut sich Katie. Die Stimme von dem Jungen kennt sie mittlerweile gut. "Kaffee klingt super!" Sie setzt sich neben ihn.
Vorsorglich nimmt er die Becher beiseite, bevor sie Platz nimmt und reicht ihr dann einen herüber. "Habt ihr gut hergefunden?", fragt er.
"Ja, Freya macht das wirklich gut!", bestätigt Katie. Sie nimmt einen tiefen Schluck Kaffee. Das tut gut!
"Ich hätte ja auch gerne einen Hund bekommen, aber daraus wurde leider nichts. Naja, es geht auch so."
"Oh, woran lag es denn, dass es nicht geklappt hat?", hakt die Schwarzhaarige nach.
"Meine Mom wollte das nicht. Sie mag Tiere nicht besonders.", erklärt Jordyn. "Aber vielleicht ist so ein Begleittier auch sinnvoller für jemanden, der allein lebt."
"Ja, für mich wäre es ohne Hund wirklich schwer. In der Wohnung komme ich mittlerweile klar, aber auf unbekanntem Gelände brauche ich Freya immer noch.", bestätigt Katie.
"Das verstehe ich gut. Es braucht Zeit, bis man sich an die Geräusche gewöhnt und nicht überfordert damit ist." Vorsichtig nimmt der Teenager einen Schluck aus dem Pappbecher. "Was hast du die Woche angestellt?", fragt er dann.
"Solange ich mit Freya unterwegs bin, kann ich mittlerweile auf den Blindenstock verzichten.", erzählt sie lächelnd. "Das habe ich die Woche über geübt." Katie macht eine kurze Pause, bevor sie fortfährt: "Ich hoffe, ich kann mich irgendwann auch so gut an Geräuschen orientieren wie du."
"Das ist wirklich harte Arbeit. Ich meine, ich übe ständig. Und es ist immer noch manchmal verwirrend." Er denkt an diesen merkwürdigen zurück, an dem er vor Kurzem war. Er wird seinen neuen Freund das nächste Mal fragen, wie dieser Platz hieß.
"Oh ja, das ist es.", antwortet Katie. "Lass uns schon mal reingehen, sonst fängt der Kurs noch ohne uns an."
"Okay.", sagt Jordyn und steht auf. Ein Schritt nach vorn, Rechtsdrehung, drei Schritte, eine kleine Stufe, dann kommt die Tür. Im Inneren des Gebäudes sind an den Wänden dünne Leisten angebracht. So kann jeder, der es möchte, sich daran orientieren. Jordyn hat gelernt sich hier sicher fortzubewegen, indem er mit dem Handrücken kaum spürbar in Kontakt mit dieser Leiste bleibt. Die vierte Tür auf der rechten Seite steht bereits offen und es dringen die bekannten Stimmen der Unterrichtsteilnehmer auf den Flur.
"Hallo miteinander", grüßt er freundlich, als er den Raum betritt.
Auch Katie grüßt. Wie meistens sind sie und Jordyn die letzten. Sie sitzen halt einfach zu gerne auf dieser Bank um einfach nur zu Quatschen. Doch der Kurs hat noch nicht angefangen. Man hat auf sie gewartet.
Anita steht von ihrem Platz am Pult auf und geht mit langsamen Schritten weiter in den Raum hinein, bis sie schließlich vor einem einzelnen Stuhl stehen bleibt und sich dort setzt. Damit setzt sie einen Akzent vor dem Halbkreis, in dem ihre Schüler sitzen und darauf warten, dass sie den Unterricht beginnt.
"Hallo und herzlich willkommen noch einmal an alle, zur heutigen Stunde.", eröffnet sie. "Heute geht es ein letztes Mal um die Theorie der Schallwellen, bevor wir dann unseren Ausflug planen, um das Gelernte draußen in Praxis umzusetzen. Das heißt, nächste Woche werden wir hier starten und gemeinsam die Welt erkunden. Wer noch Fragen dazu hat, hat heute noch einmal die Chance, alles anzusprechen, was unklar ist. Dazu aber gleich. Zuerst möchte ich, wie immer, von euch wissen, wie eure Woche war. Gab es Schwierigkeiten, Besonderheiten positiver oder negativer Art oder irgend etwas, das ihr gern mit uns teilen möchtet?" Die Kursleiterin schweigt und wartet auf akustische Signale aus dem Halbkreis.
Katie meldet sich zu Wort. Wie auch schon Jordyn erzählt sie, wie sie geübt hat, auch ohne Blindenstock durch die Gegend zu laufen und wie ihr Freya dabei hilft. "Es ist wirklich schön zu wissen, dass man sich auf die Hündin verlassen kann.", schließt sie ihre Erzählung ab. Aber sie war bereits Hundefreundin als sie noch sehen konnte.
"Das sind großartige Fortschritte, Katie.", erkennt Anita an. "Du bist sehr fleißig und es freut mich, dass du zurecht kommst... Noch jemand?" Ein Schnippen an der Fensterseite ertönt und Anita dreht den Kopf in die Richtung. "Ja, Lydia bitte."
"Ich hatte ein Problem im Kaufhaus vor einigen Tagen.", berichtet eine Frau im mittleren Alter. "Es gab so viele Ablenkungen überall, ich wusste irgendwann überhaupt nicht mehr, was von wo kam, weil alles so durcheinander war. Was mache ich in so einer Situation?"
"Vermutlich hat der Fokus gefehlt.", erklärt Anita. "Gerade in diesen großen Einkaufspassagen kann es vorkommen, dass der Schall von Wand zu Wand geworfen wird, dann kommen die Unterhaltungen der Leute dazu, viele Schritte, vielleicht weinende Kinder. Das ist wirklich eine schwierige Klangkulisse.", stimmt sie zu. "Wenn ihr in so einem Strudel aus Geräuschen steht, ist es empfehlenswert, sich für eine Seite zu entscheiden. Geht in eine Richtung, bis ihr an der Wand ankommt. Dort ist die Verteilung eine ganz andere als mitten im Raum. Es beruhigt auch den Kopf, zu wissen, dass ihr eine schützende Wand im Rücken habt. Manche von euch haben ja schon den Fluchtrefkex kennen gelernt. Der ist deutlich schwächer mit Kontakt zu einer Wand. Dann besinnt ihr euch an das, was ihr zu Anfang gelernt habt. Hört nur in euren Körper hinein, sucht ein akustisches Merkmal, wie den Atem oder den Herzschlag um euch neu zu fokussieren. Wenn ihr die Kulisse ausgeblendet habt, könnt ihr euch wieder der Umgebung widmen."
Katie lauscht und nimmt sich vor, den Ratschlag auch umzusetzen, wenn sie selber mal an Lydias Stelle ist. Sie ist wirklich froh, dass ihr dieser Kurs empfohlen wurde. Nicht nur, dass sie die Kursleitung mag, hier hat sie auch Jordyn kennengelernt. "Das kenn ich auch. Ich finde es immer noch schwierig, mich im Kaufhaus zurecht zu finden. Meistens übernimmt eine Freundin von mir daher den Einkauf. Irgendwann schaffe ich das hoffentlich auch alleine."
Nachdem die Runde sich eine Weile ausgetauscht hat, beginnt der zweite Abschnitt des heutigen Kurses. Anita wiederholt geduldig die wichtigsten Erläuterungen der letzten Woche und leitet dann elegant zum neuen Stoff über. Nebenbei lässt sie Zettel verteilen, auf denen Tips und Hinweise in Brailleschrift gedruckt sind, passend zu dem, was sie währenddessen erklärt. "Und auch hier gilt: Lasst euch nicht beirren. Wenn ihr de Klang des Schnippsens nicht verarbeiten könnt, dann klatscht stattdessen in die Hände, stampft mit dem Fuß oder fangt an zu jodeln. Es ist im Grunde zweitrangig, welcher Art der Klang ist, solange ihr ihn lesen könnt. Es ist wie bei allen anderen Dingen auch - jeder hat unterschiedliche Methoden. Und ihr müsst herausfinden, was für euch in welcher Situation am besten funktioniert. Ich weiß, dass du, Jordyn, am liebsten schnippst. Masut dagegen klickt lieber. Das ist völlig okay. Solange ihr euch an das Wissen über die Wellenlängen haltet und es für euch funktioniert." Einen Moment schweigt sie und lässt das Gesagte sacken, bevor sie die Runde fragt: "Werden alle beim Ausflug nächse Woche dabei sein? Die Minderjährigen unter euch denken bitte an die Unterschrift der Eltern."
"Ich bin auf jeden Fall dabei!", versicherst Katie. Darauf freut sie sich schon.
Zwei der Schüler müssen den Ausflug absagen, der Rest der Gruppe verabredet sich für den Vormittag und Anita beendet den Unterricht.
"Ich hoffe, meine Mom macht mir nicht im letzten Moment einen Strich durch die Rechnung.", denkt Jordyn laut, als er das Gebäude mit Katie und Freya verlässt.
"Oh ja, das hoffe ich auch. Zum Glück habe ich dieses Problem nicht mehr. Meine Eltern waren damals auch eher streng, obwohl ich in dem Alter noch sehen konnte."
"Gehen wir noch auf ein Getränk?", fragt der Teenager. Der Gedanke, jetzt schon zurück in seinen goldenen Käfig zu gehen, macht ihn unzufrieden.
"Ja gerne. Da gibt es so eine tolle Bar in der Nähe!", antwortet Katie.
Die Bar ist nicht weit entfernt und die beiden betreten sie. Laute Musik dröhnt aus den Lautsprechern und Stimmengewirr von anderen Gästen dringt durch. Doch Katie stört das nicht weiter. Sie ist öfters hier. Man kennt sie hier. "Oh hallo, Katie!", sagt der Barkeeper, ein Mann mittleren Alters, "Das Übliche wieder? Und was nimmt dein Kumpel?" Katie lächelt. "Klar, John, das Übliche!"
Jordyn hat mehr Schwierigkeiten mit der Umgebung. Die Lautstärke überrascht ihn und er braucht einen Moment, um sich zu orientieren. Stühle knarren und werden über den Holzboden gezogen, allgemein freundliches Geplauder schwirrt durcheinander, manche erkundigen sich, ob "es so gehe" und der Teenager begreift, dass man ihnen Platz macht. Reflexartig bedankt er sich höflich und tastet sich mit dem Stock durch den Raum. Durch die laute Musik kann er sich auf den Klang des Bodens nicht verlassen. Konzentriert sucht er das Tapsen der Hundepfoten, doch die Umgebung übertönt dieses Geräusch. Einen Moment steht er da und sucht seine Begleitung, dann nimmt er ihr leichtes Parfum wahr und schlägt den Weg in diese Richtung ein, um Katie zu folgen.
Katie ist diese Umgebung schon so gewöhnt, dass sie sich wie selbstverständlich an die Bar gesetzt hat. Erst als sie Jordyns unsichere Schritte hört, bekommt sie ein schlechtes Gewissen. Sie ist mittlerweile Stammgast hier, da die Bar so nah an ihrer Wohnung liegt und kennt sich dementsprechend aus.. aber Jordyn war vorher noch nie hier! "Hier bin ich.", ruft sie ihm zu, um ihn mit ihrer Stimme zum Ziel zu lotsen. Währenddessen mixt John ihren Cocktail zusammen.
Der Junge setzt sich schließlich neben Katie und versucht weiterhin den Raum zu erfühlen. Es ist warm und es riecht leicht süßlich, hin und wieder zieht ein Schwall von Erdnuss an ihm vorbei. Wenigstens wird nicht geraucht. Jordyns Hände tasten beiläufig den Tresen ab. Schweres Holz. Gemeinsam mit den Geräuschen der Stühle bekommt er einen eher rustikalen Eindruck von der Bar.
"Das ist also sowas wie dein zweites Wohnzimmer, ja?", fragt er, den Kopf nach rechts zu seiner Bekannten geneigt. Er spricht lauter als gewöhnlich, um die Musik zu übertönen - und weil er nicht sicher einschätzen kann, wie gut sie ihn durch die Klangkulisse hören kann.
"Oh, so schlimm wie sich das anhört ist es nicht. Ja, der Cocktail ist mit Alkohol, aber ein Glas ist ja erlaubt. Aber ich bin gern hier. Und lausche der Musik aus den Lautsprechern.", erzählt Katie. John reicht ihr auch gleich ihr Getränk. Er stellt es immer an die selbe Stelle, so dass sie weiß, wo es ist. "Was kann ich denn dir bringen?", fragt er den Teenager. "Oder hat dich deine Freundin einfach nur mitgeschleppt, ohne dass du etwas trinken möchtest?"
'Ein Bier.', ist sein erster Gedanke. Aber dann fällt ihm wieder sein goldener Käfig ein. Wenn seine Mutter den Alkohol riecht, wird er wieder eine Standpauke bekommen. Er ist siebzehn, er will keine Cola trinken. "Ein Bier bitte.", bestellt er schließlich und ringt das schlechte Gefühl nieder, das ihn auf die Diskussion zu Hause vorbereitet.
Der Barkeeper stellt keine Fragen, sondern bereitet auch dieses Getränk zu. "Schade, dass sie hier kein Klavier in der Bar haben. Ich hätte gerne mal gehört, wie gut du da bist.", sagt Katie nachdenklich. Jordyn hatte ihr davon erzählt, dass er spielt, doch leider gab es bisher noch keine Gelegenheit, das auch zu hören.
"Stimmt. Aber du kannst ja mal mit zu mir kommen.", schlägt er vor. "Da steht eins." Das Glas wird auf den Tresen gestellt und Jordyn fährt mit dem Finger in die Richtung, aus der er einen kühlen Hauch wahrnimmt, bis er an das kalte Glas stößt. Seine Hand wandert vorsichtig tastend um den Gegenstand herum, um sich ein Bild von der Form zu machen, bevor er den ersten Schluck nimmt. Was für ein Genuss. Nur selten hat er die Möglichkeit, so etwas zu trinken. Und so lässt er sich den herben Geschmack regelrecht auf der Zunge zergehen.
"Weißt du, ich singe gerne. Vielleicht könnten wir auch mal gemeinsam musizieren.", schlägt Katie nun plötzlich vor. John grinst. Er hat Katie bisher erst ein einziges Mal singen hören, aber dennoch zweifelt er nicht daran, dass das wirklich ihr Hobby ist. Sie ist gut darin.
"Das klingt großartig.", freut sich der Teenager. Er würde gern öfter etwas mit anderen Sims unternehmen. Insgeheim hofft er, mit seiner Volljährigkeit ausziehen und ein freieres Leben führen zu können.
"Super.", freut sich Katie. "Nächstes Mal komm ich zu dir, und da schauen wir mal, wie wir zusammen harmonieren."
Die beiden unterhalten sich noch eine Weile, bis es schließlich Zeit wird. Katie kramt ihre Geldbörse hervor. Es fällt ihr mittlerweile leicht, die Münzen zu erkennen. Bei Scheinen ist es schwieriger, da muss sie sich auf die Größe verlassen. Doch sie schafft es, zu bezahlen. "Ich lad dich ein.", sagt sie zu Jordyn. Sie zahlt auch sein Bier. Schließlich verabschieden sich beide voneinander.
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )
Charaktere: Katie, Jordyn
Titel: Der Fortbildungskurs
Katie krault Hündin Freya hinter den Ohren. Das Tier ersetzt ihre eigenen Augen. Seit einem Dreiviertel Jahr hat sich ihre Sehkraft so verschlechtert, dass sie offiziell als blind gilt und auch einen entsprechenden Ausweis bekommen hat. Zum Glück gab es schnell die Möglichkeit, ihre Blindenhündin zu bekommen, was sie einer guten Freundin und deren Kontakten zu verdanken hat. Ihr Hund macht gute Arbeit. Freya ist konzentriert und aufmerksam, und weiß genau um ihre Verantwortung. Doch jetzt, während Katie auf einer Parkbank pausiert, hat auch das Tier ein paar Streicheleinheiten verdient.
Erst nach einer Weile setzt sie ihren Weg fort. Noch fühlt sie sich nicht sicher genug, den Weg zum Kurs auch ohne die Hündin zurückzulegen. Aber mit Freya ist es etwas anderes. Und Katie freut sich schon auf Jordyn, den sie bei diesem Kurs bereits kennengelernt hat. Er ist ihr sympathisch.
Der Teenager wartet bereits auf seine Bekannte. Auf einer Bank an der Hauswand sitzend, genießt er die winterlichen Sonnenstrahlen und lauscht in die Umgebung hinein, wie er es oft tut. Gerade draußen nutzt der Junge jede Gelegenheit, seine Sinne zu schulen.
Katie kommt näher. Der Hund macht ihr deutlich, dass sie am Ziel sind. "Super, Freya.", lobt Katie das Tier. Sie spürt, dass jemand in der Nähe ist. "Hallo!", ruft sie daher laut, um eine Reaktion zu bekommen. Ob das Jardyn ist? Er wollte ja draußen warten.
Als die vorsichtigen Schritte auf sich zukommen hört, konzentriert er sich auf diese Person. Pfoten tapsen zielsicher und dicht neben den Simsschuhen und beide kommen schließlich zum Stehen.
"Hallo, Freya." Mit einer leichten Bewegung streckt er die Hand herunter und spürt daraufhin den warmen Atem der Hündin. Er lächelt kurz auf, hebt dann den Kopf leicht an und begrüßt auch die junge Frau: "Hey, Katie. Setz dich neben mich. Ich habe Kaffee für uns."
"Hey Jardyn!", freut sich Katie. Die Stimme von dem Jungen kennt sie mittlerweile gut. "Kaffee klingt super!" Sie setzt sich neben ihn.
Vorsorglich nimmt er die Becher beiseite, bevor sie Platz nimmt und reicht ihr dann einen herüber. "Habt ihr gut hergefunden?", fragt er.
"Ja, Freya macht das wirklich gut!", bestätigt Katie. Sie nimmt einen tiefen Schluck Kaffee. Das tut gut!
"Ich hätte ja auch gerne einen Hund bekommen, aber daraus wurde leider nichts. Naja, es geht auch so."
"Oh, woran lag es denn, dass es nicht geklappt hat?", hakt die Schwarzhaarige nach.
"Meine Mom wollte das nicht. Sie mag Tiere nicht besonders.", erklärt Jordyn. "Aber vielleicht ist so ein Begleittier auch sinnvoller für jemanden, der allein lebt."
"Ja, für mich wäre es ohne Hund wirklich schwer. In der Wohnung komme ich mittlerweile klar, aber auf unbekanntem Gelände brauche ich Freya immer noch.", bestätigt Katie.
"Das verstehe ich gut. Es braucht Zeit, bis man sich an die Geräusche gewöhnt und nicht überfordert damit ist." Vorsichtig nimmt der Teenager einen Schluck aus dem Pappbecher. "Was hast du die Woche angestellt?", fragt er dann.
"Solange ich mit Freya unterwegs bin, kann ich mittlerweile auf den Blindenstock verzichten.", erzählt sie lächelnd. "Das habe ich die Woche über geübt." Katie macht eine kurze Pause, bevor sie fortfährt: "Ich hoffe, ich kann mich irgendwann auch so gut an Geräuschen orientieren wie du."
"Das ist wirklich harte Arbeit. Ich meine, ich übe ständig. Und es ist immer noch manchmal verwirrend." Er denkt an diesen merkwürdigen zurück, an dem er vor Kurzem war. Er wird seinen neuen Freund das nächste Mal fragen, wie dieser Platz hieß.
"Oh ja, das ist es.", antwortet Katie. "Lass uns schon mal reingehen, sonst fängt der Kurs noch ohne uns an."
"Okay.", sagt Jordyn und steht auf. Ein Schritt nach vorn, Rechtsdrehung, drei Schritte, eine kleine Stufe, dann kommt die Tür. Im Inneren des Gebäudes sind an den Wänden dünne Leisten angebracht. So kann jeder, der es möchte, sich daran orientieren. Jordyn hat gelernt sich hier sicher fortzubewegen, indem er mit dem Handrücken kaum spürbar in Kontakt mit dieser Leiste bleibt. Die vierte Tür auf der rechten Seite steht bereits offen und es dringen die bekannten Stimmen der Unterrichtsteilnehmer auf den Flur.
"Hallo miteinander", grüßt er freundlich, als er den Raum betritt.
Auch Katie grüßt. Wie meistens sind sie und Jordyn die letzten. Sie sitzen halt einfach zu gerne auf dieser Bank um einfach nur zu Quatschen. Doch der Kurs hat noch nicht angefangen. Man hat auf sie gewartet.
Anita steht von ihrem Platz am Pult auf und geht mit langsamen Schritten weiter in den Raum hinein, bis sie schließlich vor einem einzelnen Stuhl stehen bleibt und sich dort setzt. Damit setzt sie einen Akzent vor dem Halbkreis, in dem ihre Schüler sitzen und darauf warten, dass sie den Unterricht beginnt.
"Hallo und herzlich willkommen noch einmal an alle, zur heutigen Stunde.", eröffnet sie. "Heute geht es ein letztes Mal um die Theorie der Schallwellen, bevor wir dann unseren Ausflug planen, um das Gelernte draußen in Praxis umzusetzen. Das heißt, nächste Woche werden wir hier starten und gemeinsam die Welt erkunden. Wer noch Fragen dazu hat, hat heute noch einmal die Chance, alles anzusprechen, was unklar ist. Dazu aber gleich. Zuerst möchte ich, wie immer, von euch wissen, wie eure Woche war. Gab es Schwierigkeiten, Besonderheiten positiver oder negativer Art oder irgend etwas, das ihr gern mit uns teilen möchtet?" Die Kursleiterin schweigt und wartet auf akustische Signale aus dem Halbkreis.
Katie meldet sich zu Wort. Wie auch schon Jordyn erzählt sie, wie sie geübt hat, auch ohne Blindenstock durch die Gegend zu laufen und wie ihr Freya dabei hilft. "Es ist wirklich schön zu wissen, dass man sich auf die Hündin verlassen kann.", schließt sie ihre Erzählung ab. Aber sie war bereits Hundefreundin als sie noch sehen konnte.
"Das sind großartige Fortschritte, Katie.", erkennt Anita an. "Du bist sehr fleißig und es freut mich, dass du zurecht kommst... Noch jemand?" Ein Schnippen an der Fensterseite ertönt und Anita dreht den Kopf in die Richtung. "Ja, Lydia bitte."
"Ich hatte ein Problem im Kaufhaus vor einigen Tagen.", berichtet eine Frau im mittleren Alter. "Es gab so viele Ablenkungen überall, ich wusste irgendwann überhaupt nicht mehr, was von wo kam, weil alles so durcheinander war. Was mache ich in so einer Situation?"
"Vermutlich hat der Fokus gefehlt.", erklärt Anita. "Gerade in diesen großen Einkaufspassagen kann es vorkommen, dass der Schall von Wand zu Wand geworfen wird, dann kommen die Unterhaltungen der Leute dazu, viele Schritte, vielleicht weinende Kinder. Das ist wirklich eine schwierige Klangkulisse.", stimmt sie zu. "Wenn ihr in so einem Strudel aus Geräuschen steht, ist es empfehlenswert, sich für eine Seite zu entscheiden. Geht in eine Richtung, bis ihr an der Wand ankommt. Dort ist die Verteilung eine ganz andere als mitten im Raum. Es beruhigt auch den Kopf, zu wissen, dass ihr eine schützende Wand im Rücken habt. Manche von euch haben ja schon den Fluchtrefkex kennen gelernt. Der ist deutlich schwächer mit Kontakt zu einer Wand. Dann besinnt ihr euch an das, was ihr zu Anfang gelernt habt. Hört nur in euren Körper hinein, sucht ein akustisches Merkmal, wie den Atem oder den Herzschlag um euch neu zu fokussieren. Wenn ihr die Kulisse ausgeblendet habt, könnt ihr euch wieder der Umgebung widmen."
Katie lauscht und nimmt sich vor, den Ratschlag auch umzusetzen, wenn sie selber mal an Lydias Stelle ist. Sie ist wirklich froh, dass ihr dieser Kurs empfohlen wurde. Nicht nur, dass sie die Kursleitung mag, hier hat sie auch Jordyn kennengelernt. "Das kenn ich auch. Ich finde es immer noch schwierig, mich im Kaufhaus zurecht zu finden. Meistens übernimmt eine Freundin von mir daher den Einkauf. Irgendwann schaffe ich das hoffentlich auch alleine."
Nachdem die Runde sich eine Weile ausgetauscht hat, beginnt der zweite Abschnitt des heutigen Kurses. Anita wiederholt geduldig die wichtigsten Erläuterungen der letzten Woche und leitet dann elegant zum neuen Stoff über. Nebenbei lässt sie Zettel verteilen, auf denen Tips und Hinweise in Brailleschrift gedruckt sind, passend zu dem, was sie währenddessen erklärt. "Und auch hier gilt: Lasst euch nicht beirren. Wenn ihr de Klang des Schnippsens nicht verarbeiten könnt, dann klatscht stattdessen in die Hände, stampft mit dem Fuß oder fangt an zu jodeln. Es ist im Grunde zweitrangig, welcher Art der Klang ist, solange ihr ihn lesen könnt. Es ist wie bei allen anderen Dingen auch - jeder hat unterschiedliche Methoden. Und ihr müsst herausfinden, was für euch in welcher Situation am besten funktioniert. Ich weiß, dass du, Jordyn, am liebsten schnippst. Masut dagegen klickt lieber. Das ist völlig okay. Solange ihr euch an das Wissen über die Wellenlängen haltet und es für euch funktioniert." Einen Moment schweigt sie und lässt das Gesagte sacken, bevor sie die Runde fragt: "Werden alle beim Ausflug nächse Woche dabei sein? Die Minderjährigen unter euch denken bitte an die Unterschrift der Eltern."
"Ich bin auf jeden Fall dabei!", versicherst Katie. Darauf freut sie sich schon.
Zwei der Schüler müssen den Ausflug absagen, der Rest der Gruppe verabredet sich für den Vormittag und Anita beendet den Unterricht.
"Ich hoffe, meine Mom macht mir nicht im letzten Moment einen Strich durch die Rechnung.", denkt Jordyn laut, als er das Gebäude mit Katie und Freya verlässt.
"Oh ja, das hoffe ich auch. Zum Glück habe ich dieses Problem nicht mehr. Meine Eltern waren damals auch eher streng, obwohl ich in dem Alter noch sehen konnte."
"Gehen wir noch auf ein Getränk?", fragt der Teenager. Der Gedanke, jetzt schon zurück in seinen goldenen Käfig zu gehen, macht ihn unzufrieden.
"Ja gerne. Da gibt es so eine tolle Bar in der Nähe!", antwortet Katie.
Die Bar ist nicht weit entfernt und die beiden betreten sie. Laute Musik dröhnt aus den Lautsprechern und Stimmengewirr von anderen Gästen dringt durch. Doch Katie stört das nicht weiter. Sie ist öfters hier. Man kennt sie hier. "Oh hallo, Katie!", sagt der Barkeeper, ein Mann mittleren Alters, "Das Übliche wieder? Und was nimmt dein Kumpel?" Katie lächelt. "Klar, John, das Übliche!"
Jordyn hat mehr Schwierigkeiten mit der Umgebung. Die Lautstärke überrascht ihn und er braucht einen Moment, um sich zu orientieren. Stühle knarren und werden über den Holzboden gezogen, allgemein freundliches Geplauder schwirrt durcheinander, manche erkundigen sich, ob "es so gehe" und der Teenager begreift, dass man ihnen Platz macht. Reflexartig bedankt er sich höflich und tastet sich mit dem Stock durch den Raum. Durch die laute Musik kann er sich auf den Klang des Bodens nicht verlassen. Konzentriert sucht er das Tapsen der Hundepfoten, doch die Umgebung übertönt dieses Geräusch. Einen Moment steht er da und sucht seine Begleitung, dann nimmt er ihr leichtes Parfum wahr und schlägt den Weg in diese Richtung ein, um Katie zu folgen.
Katie ist diese Umgebung schon so gewöhnt, dass sie sich wie selbstverständlich an die Bar gesetzt hat. Erst als sie Jordyns unsichere Schritte hört, bekommt sie ein schlechtes Gewissen. Sie ist mittlerweile Stammgast hier, da die Bar so nah an ihrer Wohnung liegt und kennt sich dementsprechend aus.. aber Jordyn war vorher noch nie hier! "Hier bin ich.", ruft sie ihm zu, um ihn mit ihrer Stimme zum Ziel zu lotsen. Währenddessen mixt John ihren Cocktail zusammen.
Der Junge setzt sich schließlich neben Katie und versucht weiterhin den Raum zu erfühlen. Es ist warm und es riecht leicht süßlich, hin und wieder zieht ein Schwall von Erdnuss an ihm vorbei. Wenigstens wird nicht geraucht. Jordyns Hände tasten beiläufig den Tresen ab. Schweres Holz. Gemeinsam mit den Geräuschen der Stühle bekommt er einen eher rustikalen Eindruck von der Bar.
"Das ist also sowas wie dein zweites Wohnzimmer, ja?", fragt er, den Kopf nach rechts zu seiner Bekannten geneigt. Er spricht lauter als gewöhnlich, um die Musik zu übertönen - und weil er nicht sicher einschätzen kann, wie gut sie ihn durch die Klangkulisse hören kann.
"Oh, so schlimm wie sich das anhört ist es nicht. Ja, der Cocktail ist mit Alkohol, aber ein Glas ist ja erlaubt. Aber ich bin gern hier. Und lausche der Musik aus den Lautsprechern.", erzählt Katie. John reicht ihr auch gleich ihr Getränk. Er stellt es immer an die selbe Stelle, so dass sie weiß, wo es ist. "Was kann ich denn dir bringen?", fragt er den Teenager. "Oder hat dich deine Freundin einfach nur mitgeschleppt, ohne dass du etwas trinken möchtest?"
'Ein Bier.', ist sein erster Gedanke. Aber dann fällt ihm wieder sein goldener Käfig ein. Wenn seine Mutter den Alkohol riecht, wird er wieder eine Standpauke bekommen. Er ist siebzehn, er will keine Cola trinken. "Ein Bier bitte.", bestellt er schließlich und ringt das schlechte Gefühl nieder, das ihn auf die Diskussion zu Hause vorbereitet.
Der Barkeeper stellt keine Fragen, sondern bereitet auch dieses Getränk zu. "Schade, dass sie hier kein Klavier in der Bar haben. Ich hätte gerne mal gehört, wie gut du da bist.", sagt Katie nachdenklich. Jordyn hatte ihr davon erzählt, dass er spielt, doch leider gab es bisher noch keine Gelegenheit, das auch zu hören.
"Stimmt. Aber du kannst ja mal mit zu mir kommen.", schlägt er vor. "Da steht eins." Das Glas wird auf den Tresen gestellt und Jordyn fährt mit dem Finger in die Richtung, aus der er einen kühlen Hauch wahrnimmt, bis er an das kalte Glas stößt. Seine Hand wandert vorsichtig tastend um den Gegenstand herum, um sich ein Bild von der Form zu machen, bevor er den ersten Schluck nimmt. Was für ein Genuss. Nur selten hat er die Möglichkeit, so etwas zu trinken. Und so lässt er sich den herben Geschmack regelrecht auf der Zunge zergehen.
"Weißt du, ich singe gerne. Vielleicht könnten wir auch mal gemeinsam musizieren.", schlägt Katie nun plötzlich vor. John grinst. Er hat Katie bisher erst ein einziges Mal singen hören, aber dennoch zweifelt er nicht daran, dass das wirklich ihr Hobby ist. Sie ist gut darin.
"Das klingt großartig.", freut sich der Teenager. Er würde gern öfter etwas mit anderen Sims unternehmen. Insgeheim hofft er, mit seiner Volljährigkeit ausziehen und ein freieres Leben führen zu können.
"Super.", freut sich Katie. "Nächstes Mal komm ich zu dir, und da schauen wir mal, wie wir zusammen harmonieren."
Die beiden unterhalten sich noch eine Weile, bis es schließlich Zeit wird. Katie kramt ihre Geldbörse hervor. Es fällt ihr mittlerweile leicht, die Münzen zu erkennen. Bei Scheinen ist es schwieriger, da muss sie sich auf die Größe verlassen. Doch sie schafft es, zu bezahlen. "Ich lad dich ein.", sagt sie zu Jordyn. Sie zahlt auch sein Bier. Schließlich verabschieden sich beide voneinander.
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )