Forum Discussion
2 years ago
Ort: Villa Blutrose, Forgotten Hollow
Charaktere: Logan, Lilly
Geschichtsstrang: Sag mir doch, dass es besser wird ...
https://youtu.be/gPEsmmsM2zE
Logan reibt sich mit zwei Fingern über die Augen. Er weiß nicht, was er sagen soll. Er war zum Klavierspielen in die Villa gekommen - mit der Hoffnung, es würde ihm gut tun. Ihn ablenken. Aber seine Fertigkeiten lassen ihn heute im Stich. So schlecht hat er noch nie gespielt. Frustriert hat er abgebrochen und sitzt nun schon eine Weile mit gesenktem Kopf da. Lillys Stimme hört er nur dumpf im Hintergrund - so als wäre sie unter Wasser. Doch schließlich schaut er wie benebelt zu ihr auf. Was hat sie gesagt?
"Hm?"
Lilly betrachtet Logan. Es ist eindeutig, dass er heute nicht ganz bei der Sache ist. "Wollen wir heute früher Schluss machen? Ich merke ja, dass du heute nicht wirklich konzentriert bist.", stellt sie fest. "Da die Stunde erst angebrochen ist müsstest du auch nichts zahlen für heute."
Unglücklich schüttelt er den Kopf leicht hin und her und schaut wieder auf die Tasten vor sich.
"Bin einfach zu dämlich. Nix krieg ich hin.", murmelt er.
"Was ist los?", fragt Lilly, die das Gefühl hat, dass Logan irgendwas bedrückt. Es ist ihr zwar schon aufgefallen, dass Logan sich manchmal so benimmt, als hätte er ein Trauma hinter sich, aber sie wollte ihm nie zu nahe treten und nachfragen. Immerhin sieht sie sich als seine Klavierlehrerin, nichts weiter. Doch diesmal scheint er reden zu wollen. Vielleicht geht es ja auch um etwas ganz Banales.
Wie gern würde er einfach alles erzählen ... Doch selbst, wenn er wüsste, wo er anfangen sollte, könnte er es nicht in Worte fassen. Die Gedanken, Erinnerungen, all die Zweifel und die Sehnsüchte sind einfach viel zu gewaltig. Zu durcheinander. Absurd und lächerlich. So wie er selbst. Wie soll er da so eine Frage beantworten? Er bringt nur ein unterdrücktes Seufzen zustande. Er schafft es nicht einmal, der Vampirfrau in die Augen zu sehen.
Lilly seufzt. "Willst du was trinken?", fragt sie und wechselt das Thema. "Wir haben ne Bar im Keller und bestimmt auch was, das dir schmeckt."
Er nickt einmal und schält seine Beine umständlich unter dem Klavier hervor. Das rechte Knie bereitet ihm schon seit einigen Tagen wieder Probleme. Als er aufstehen will, knickt es kurz ein und sackt ächzend auf den Hocker zurück. Seiner depremierten Mine gesellt sich nun eine genervte Anspannung hinzu. Beim zweiten Versuch bleibt er stehen, stützt sich aber kurz auf dem Instrument ab, bevor er den ersten vorsichtigen Schritt setzt.
"Was trinkst denn gerne?", fragt Lilly. Sie bemerkt, dass Logan Probleme mit dem Bein zu haben scheint. "Oder brauchst du Hilfe um in den Keller zu kommen?"
"... Oder brauchst du Hilfe, um deinen Arsch in den Keller zu bewegen?!" In Logans Gedanken hallt die bedrohliche Stimme von damals. Er schüttelt zaghaft den Kopf. "Nein."
Lilly wundert sich ein wenig über Logans Gesichtsausdruck. Hat sie was Falsches gesagt? Aber gut, wenn er alleine runter kommt, dann ist es eben so. Sie verwirft den Gedanken und fragt sich, was er wohl trinken würde, denn diese Frage hatte er nicht beantwortet. Doch anstatt sie erneut zu stellen, wartet Lilly ab. Das würde er ihr schon spätestens dann sagen, wenn sie unten sind.
Langsam, Stufe für Stufe, steigt Logan die Treppe herunter. Unten angekommen setzt er den Fuß auf harten Stein. Er schließt die Augen und atmet tief ein. Der feuchtkalte Modergeruch steigt ihm in die Nase. Er spürt den kalten Boden auf der nackten Haut.
"... Du kannst wieder rauf kommen, wenn du bereit bist, dich zu entschuldigen..."
Logan fährt mit der Hand durch sein massiges Haar und öffnet die Augen. Zu seiner Linken steht die kleine Bar. Er atmet ruhig aus.
"Whiskey.", sagt er leise und setzt sich behutsam auf einen der Hocker.
Die Getränkewahl überrascht Lilly nicht wirklich. Doch sie mixt das gewünschte Getränk ohne einen Kommentar und stellt es auf den Tresen. Abwartend schaut sie Logan an.
Der Gast nickt und kippt den gesamten Inhalt herunter, stellt das Glas ab und nickt noch einmal. An liebsten würde er gleich die Flasche ansetzen.
"Wie viele Kids hast du?", fragt er, ohne sein Gegenüber anzusehen.
Verwundert über die Frage sieht Lilly ihn an, "Nur Viola!", antwortet sie, "Die Teenagerin, die du bei deinem ersten Besuch gesehen hast."
Er erinnert sich nicht daran, einen Teenager hier gesehen zu haben. Aber das ist nicht neu für ihn. Und es interessiert ihn ihm Moment nicht. "Is' sie gewollt?"
Lilly hebt eine Augenbraue. "Wieso fragst du?" Viola ist kein Unfall gewesen, doch es wundert sie, warum Logan das so interessiert.
Der Besucher schluckt schwer.
"Krieg' ich noch einen?", fragt er monoton und deutet mit dem Kopf auf das Glas.
"Solange du mir nicht irgendwann auf den Fußboden kotzt..." Doch Lilly ist sich sicher, dass der junge Mann Alkohol durchaus gewohnt ist. Sie gießt ihm erneut etwas ein.
"Wär' schade um den Drink.", murmelt er und kippt auch den zweiten in einem Zug herunter.
Einen Moment schweigt er, als würde er nach den richtigen Worten suchen. Doch schließlich fragt er weiter: "Magst du dein Kind?"
"Natürlich!", antwortet Lilly. Viola ist nicht immer die Netteste und sie sorgt auch gerne mal für Zoff, wenn Vero in der Nähe ist.. aber sie ist immer noch Lillys Tochter. Und sie würde immer zu Viola stehen, egal was sie anstellt.
Mit leichter Verwirrung schaut Logan sie jetzt an. Einen Moment sucht er etwas in ihrem Gesicht, scheint aber nicht fündig zu werden. "Wieso natürlich?", fragt er.
"Weil sie meine Tochter ist? Ja, sie ist streitsüchtig. Ja, sie hat ihre Fehler. Aber sie ist noch immer meine Tochter. Und ich würde sie gegen kein anderes Mädchen eintauschen wollen." So ist es halt, wenn man Mutter ist. Oder hat Logan mit seiner eigenen Mutter etwas ganz anderes erlebt?
Als hätte Lilly eine völlig abwegige Behauptung aufgestellt, fixiert er sie. Seine Augen werden dunkler und seine Stimme fester. "Is' das deine Begründung? Weil sie deine Tochter is'?"
Lilly funkelt ihn an. "Was für eine Erklärung erwartest du sonst? Oder soll ich dir die positiven Seiten von Viola aufzählen, bis du mir glaubst?"
Sein Blick wird wieder weicher, gebrechlicher und er schaut wieder auf sein Glas. "Ich will's nur endlich kapieren.", flüstert er so leise, dass unklar ist, ob er mit Lilly oder sich selbst redet.
Jetzt hat Lilly keinen Zweifel mehr, dass es in seiner eigenen Familie alles andere als rosig läuft. "Schlechte Erfahrungen mit deiner eigenen Mutter?", hakt sie nach.
Er seufzt und greift zur Flasche. "Erlaubst du?"
Lilly nickt. "Und keine Sorge. Du bist hier jetzt als Gast. Du musst mich dafür nicht auszahlen."
"Das wär' mir auch egal." Er füllt sich einen doppelten ein, trinkt mehr als die Hälfte und schenkt gleich nach.
"Meine Mutter ...", setzt er an und weiß nicht, wie er den Satz beenden soll.
Lilly wartet ab. Der Alkohol scheint zumindest seine Zunge etwas zu lösen.
"Sie hat mich gehasst." Er leert das Glas und wischt sich mit dem Handrücken über die Lippen.
Lilly sieht Logan lange an. "Bei mir war es der Vater, der uns hasste. Also meinen Bruder Phil und mich. Egal was wir versuchten, egal, wie oft wir versuchten, ihn stolz zu machen.. wir waren ihm nie genug. Und als er die Familie irgendwann für eine andere Frau verließ, ging es mit Mama bergab. Sie wurde depressiv, fing mit Rauchen und Trinken an.. bis sie irgendwann am Krebs verstarb. Und lange Zeit hatte ich Schuldgefühle. Wäre Vater geblieben, wenn wir uns mehr angestrengt hätten? Ich brauchte lange, um zu kapieren, dass wir es ihm nie hätten Recht machen können." Sie seufzt, und sieht wieder zu Logan. "War es bei deiner Mutter auch so? Dass sie mit nichts zufrieden war?"
Der Schwarzhaarige wirkt nicht, als hätte er zugehört. Aber in Wirklichkeit denkt er darüber nach, was die Gastgeberin erzählt. War Monica anspruchsvoll? Konnte man ihr irgendetwas recht machen? Vor seinem inneren Auge formt sich ihr Gesicht zusammen - blass, hager und verweint. Hat er sie jemals lachen gesehen? Er schüttelt leicht den Kopf.
"Sie war total depressiv. Ein Wrack. Wenn sie nicht gebrüllt hat, dann hat se geheult." Das nächste Glas Whiskey verschwindet in Logans Rachen. "Schuld war immer ich."
Lilly schweigt eine Weile. Auch ihre eigene Mutter hatte mit Depressionen zu kämpfen, doch zumindest hat sie die Kids nicht in die Verantwortung dafür gezogen... Das taten die Schuldgefühle schon ganz allein. "Ich hoffe, du bist dir bewusst, dass das nicht stimmt. Dass nicht du die Schuld an ihrer Misere hattest, egal was sie behauptete.", sagt sie schließlich, unsicher, was die richtigen Worte sind. "War sie alleinerziehend?"
Logans Gesicht zieht sich schmerzverzerrt zusammen. "Ich ..." Er beginnt, schwer zu atmen. Hinter geschlossenen Lidern versucht er all das, was gerade aufkommen will, niederzukämpfen. Die Bestie in seiner Brust schlägt brutal zu. Mit ihren Klauen zerreißt sie das Fleisch um sich herum, Knochen brechen. Wo es wütet, bleibt nichts als blutiger Schmerz - bis es schließlich aus dem Brustkorb seines Wirtes bricht und ihn mit alles zerstörendem Wahnsinn anstarrt. Beide wissen, dass das Biest diesen Kampf gewinnen wird. Es suhlt sich in seinem Triumph und lässt ihn liebend gern auf den vernichtenden Schlag warten. Das ist das Schlimmste daran. Es schlägt nie zu. Es lässt leiden und ernährt sich davon.
Logan würgt einen dicken Kloß herunter, hält den Atem an und holt dann tief Luft. Noch immer sind seine Augen geschlossen.
"Es is' nich' nich' meine Schuld.", flüstert er beherrscht.
"Hör mal. Ich kenne deine Vorgeschichte nicht. Falls meine Aussagen irgendwas triggern sollten, war das sicherlich keine Absicht.", sagt Lilly vorsichtig. "Was hast du denn getan dass du das denkst?"
Er öffnet die Augen und sieht Lilly mit einer tiefen Leere an. "Ich hätte gehen sollen.", sagt er. Seine Stimme ist nun wieder gefestigt und beinahe abgeklärt. Als würde ihn das alles nicht kümmern, steckt er sich eine Zigarette an und nimmt einen tiefen Zug.
Lilly nickt. Das Trauma scheint tiefer zu sitzen als sie gedacht hat. Sie hat das Gefühl, hier etwas überfordert zu sein. "Tut mir leid.", sagt sie, "Ich plauderte drauf los ohne nachzudenken. Wenn es dir lieber ist zu gehen, werde ich dich nicht aufhalten. Alternativ kann ich dir jedoch auch ein Privatkonzert anbieten. Dann kannst du dich auf die Musik konzentrieren, ohne selber spielen zu müssen."
Logan zieht noch einmal an der Kippe und schnippt die Asche in die hohle Hand. Dann schüttelt er den Kopf, steht vom Hocker auf und erklärt: "Ich werd' 'n bisschen rumlaufen." Die Kippe klemmt er sich zwischen die Lippen und kramt sein Portemonnaie aus der Gesäßtasche. Zwei Geldscheine zieht er hervor und steckt die Börse zurück. "Für deine Zeit." Er schiebt einen der Scheine herüber. "Und wenn du erlaubst, würde ich dir die Flasche abkaufen." Der zweite Schein wandert zum ersten, begleitet von Logans fragendem Blick.
Lilly nickt erneut, schweigend. Sie reicht ihm die Flasche, die mittlerweile schon zur Hälfte geleert ist. Sie zerdrückt die Scheine in ihrer Hand, ohne es selber zu merken. "Sehen wir uns dann nächste Woche?", fragt sie noch.
"Sure.", nickt er unberührt, geht die Treppe herauf und verlässt kurz darauf die Villa.
Lilly bleibt nachdenklich zurück. Wenn sie noch eine Flasche Whiskey übrig gehabt hätte, hätte sie sich nun ebenfalls ein Glas gegönnt, oder zwei. Doch der hat soeben mit Logan die Villa verlassen. Und so muss ein Cocktail ausreichen. Vielleicht besser so.
"Auf dich, Mama.", sagt sie leise und hebt ihr Glas. Sie denkt an Kindertage zurück, als ihre Mutter Phil und ihr immer was vorgesungen hatte, mit dieser wunderschönen Singstimme. Lilly hat keine Zweifel daran, wem sie das Gespür für Musik zu verdanken hat. Sie denkt daran, wie die Zigaretten und der Alkohol sich schließlich negativ auf die Stimme auswirkten, wie sehr ihre Mutter nach und nach abbaute... und trinkt ihr Glas mit einem Schluck aus.
(in Zusammenarbeit mit @Murloc )
Charaktere: Logan, Lilly
Geschichtsstrang: Sag mir doch, dass es besser wird ...
https://youtu.be/gPEsmmsM2zE
Logan reibt sich mit zwei Fingern über die Augen. Er weiß nicht, was er sagen soll. Er war zum Klavierspielen in die Villa gekommen - mit der Hoffnung, es würde ihm gut tun. Ihn ablenken. Aber seine Fertigkeiten lassen ihn heute im Stich. So schlecht hat er noch nie gespielt. Frustriert hat er abgebrochen und sitzt nun schon eine Weile mit gesenktem Kopf da. Lillys Stimme hört er nur dumpf im Hintergrund - so als wäre sie unter Wasser. Doch schließlich schaut er wie benebelt zu ihr auf. Was hat sie gesagt?
"Hm?"
Lilly betrachtet Logan. Es ist eindeutig, dass er heute nicht ganz bei der Sache ist. "Wollen wir heute früher Schluss machen? Ich merke ja, dass du heute nicht wirklich konzentriert bist.", stellt sie fest. "Da die Stunde erst angebrochen ist müsstest du auch nichts zahlen für heute."
Unglücklich schüttelt er den Kopf leicht hin und her und schaut wieder auf die Tasten vor sich.
"Bin einfach zu dämlich. Nix krieg ich hin.", murmelt er.
"Was ist los?", fragt Lilly, die das Gefühl hat, dass Logan irgendwas bedrückt. Es ist ihr zwar schon aufgefallen, dass Logan sich manchmal so benimmt, als hätte er ein Trauma hinter sich, aber sie wollte ihm nie zu nahe treten und nachfragen. Immerhin sieht sie sich als seine Klavierlehrerin, nichts weiter. Doch diesmal scheint er reden zu wollen. Vielleicht geht es ja auch um etwas ganz Banales.
Wie gern würde er einfach alles erzählen ... Doch selbst, wenn er wüsste, wo er anfangen sollte, könnte er es nicht in Worte fassen. Die Gedanken, Erinnerungen, all die Zweifel und die Sehnsüchte sind einfach viel zu gewaltig. Zu durcheinander. Absurd und lächerlich. So wie er selbst. Wie soll er da so eine Frage beantworten? Er bringt nur ein unterdrücktes Seufzen zustande. Er schafft es nicht einmal, der Vampirfrau in die Augen zu sehen.
Lilly seufzt. "Willst du was trinken?", fragt sie und wechselt das Thema. "Wir haben ne Bar im Keller und bestimmt auch was, das dir schmeckt."
Er nickt einmal und schält seine Beine umständlich unter dem Klavier hervor. Das rechte Knie bereitet ihm schon seit einigen Tagen wieder Probleme. Als er aufstehen will, knickt es kurz ein und sackt ächzend auf den Hocker zurück. Seiner depremierten Mine gesellt sich nun eine genervte Anspannung hinzu. Beim zweiten Versuch bleibt er stehen, stützt sich aber kurz auf dem Instrument ab, bevor er den ersten vorsichtigen Schritt setzt.
"Was trinkst denn gerne?", fragt Lilly. Sie bemerkt, dass Logan Probleme mit dem Bein zu haben scheint. "Oder brauchst du Hilfe um in den Keller zu kommen?"
"... Oder brauchst du Hilfe, um deinen Arsch in den Keller zu bewegen?!" In Logans Gedanken hallt die bedrohliche Stimme von damals. Er schüttelt zaghaft den Kopf. "Nein."
Lilly wundert sich ein wenig über Logans Gesichtsausdruck. Hat sie was Falsches gesagt? Aber gut, wenn er alleine runter kommt, dann ist es eben so. Sie verwirft den Gedanken und fragt sich, was er wohl trinken würde, denn diese Frage hatte er nicht beantwortet. Doch anstatt sie erneut zu stellen, wartet Lilly ab. Das würde er ihr schon spätestens dann sagen, wenn sie unten sind.
Langsam, Stufe für Stufe, steigt Logan die Treppe herunter. Unten angekommen setzt er den Fuß auf harten Stein. Er schließt die Augen und atmet tief ein. Der feuchtkalte Modergeruch steigt ihm in die Nase. Er spürt den kalten Boden auf der nackten Haut.
"... Du kannst wieder rauf kommen, wenn du bereit bist, dich zu entschuldigen..."
Logan fährt mit der Hand durch sein massiges Haar und öffnet die Augen. Zu seiner Linken steht die kleine Bar. Er atmet ruhig aus.
"Whiskey.", sagt er leise und setzt sich behutsam auf einen der Hocker.
Die Getränkewahl überrascht Lilly nicht wirklich. Doch sie mixt das gewünschte Getränk ohne einen Kommentar und stellt es auf den Tresen. Abwartend schaut sie Logan an.
Der Gast nickt und kippt den gesamten Inhalt herunter, stellt das Glas ab und nickt noch einmal. An liebsten würde er gleich die Flasche ansetzen.
"Wie viele Kids hast du?", fragt er, ohne sein Gegenüber anzusehen.
Verwundert über die Frage sieht Lilly ihn an, "Nur Viola!", antwortet sie, "Die Teenagerin, die du bei deinem ersten Besuch gesehen hast."
Er erinnert sich nicht daran, einen Teenager hier gesehen zu haben. Aber das ist nicht neu für ihn. Und es interessiert ihn ihm Moment nicht. "Is' sie gewollt?"
Lilly hebt eine Augenbraue. "Wieso fragst du?" Viola ist kein Unfall gewesen, doch es wundert sie, warum Logan das so interessiert.
Der Besucher schluckt schwer.
"Krieg' ich noch einen?", fragt er monoton und deutet mit dem Kopf auf das Glas.
"Solange du mir nicht irgendwann auf den Fußboden kotzt..." Doch Lilly ist sich sicher, dass der junge Mann Alkohol durchaus gewohnt ist. Sie gießt ihm erneut etwas ein.
"Wär' schade um den Drink.", murmelt er und kippt auch den zweiten in einem Zug herunter.
Einen Moment schweigt er, als würde er nach den richtigen Worten suchen. Doch schließlich fragt er weiter: "Magst du dein Kind?"
"Natürlich!", antwortet Lilly. Viola ist nicht immer die Netteste und sie sorgt auch gerne mal für Zoff, wenn Vero in der Nähe ist.. aber sie ist immer noch Lillys Tochter. Und sie würde immer zu Viola stehen, egal was sie anstellt.
Mit leichter Verwirrung schaut Logan sie jetzt an. Einen Moment sucht er etwas in ihrem Gesicht, scheint aber nicht fündig zu werden. "Wieso natürlich?", fragt er.
"Weil sie meine Tochter ist? Ja, sie ist streitsüchtig. Ja, sie hat ihre Fehler. Aber sie ist noch immer meine Tochter. Und ich würde sie gegen kein anderes Mädchen eintauschen wollen." So ist es halt, wenn man Mutter ist. Oder hat Logan mit seiner eigenen Mutter etwas ganz anderes erlebt?
Als hätte Lilly eine völlig abwegige Behauptung aufgestellt, fixiert er sie. Seine Augen werden dunkler und seine Stimme fester. "Is' das deine Begründung? Weil sie deine Tochter is'?"
Lilly funkelt ihn an. "Was für eine Erklärung erwartest du sonst? Oder soll ich dir die positiven Seiten von Viola aufzählen, bis du mir glaubst?"
Sein Blick wird wieder weicher, gebrechlicher und er schaut wieder auf sein Glas. "Ich will's nur endlich kapieren.", flüstert er so leise, dass unklar ist, ob er mit Lilly oder sich selbst redet.
Jetzt hat Lilly keinen Zweifel mehr, dass es in seiner eigenen Familie alles andere als rosig läuft. "Schlechte Erfahrungen mit deiner eigenen Mutter?", hakt sie nach.
Er seufzt und greift zur Flasche. "Erlaubst du?"
Lilly nickt. "Und keine Sorge. Du bist hier jetzt als Gast. Du musst mich dafür nicht auszahlen."
"Das wär' mir auch egal." Er füllt sich einen doppelten ein, trinkt mehr als die Hälfte und schenkt gleich nach.
"Meine Mutter ...", setzt er an und weiß nicht, wie er den Satz beenden soll.
Lilly wartet ab. Der Alkohol scheint zumindest seine Zunge etwas zu lösen.
"Sie hat mich gehasst." Er leert das Glas und wischt sich mit dem Handrücken über die Lippen.
Lilly sieht Logan lange an. "Bei mir war es der Vater, der uns hasste. Also meinen Bruder Phil und mich. Egal was wir versuchten, egal, wie oft wir versuchten, ihn stolz zu machen.. wir waren ihm nie genug. Und als er die Familie irgendwann für eine andere Frau verließ, ging es mit Mama bergab. Sie wurde depressiv, fing mit Rauchen und Trinken an.. bis sie irgendwann am Krebs verstarb. Und lange Zeit hatte ich Schuldgefühle. Wäre Vater geblieben, wenn wir uns mehr angestrengt hätten? Ich brauchte lange, um zu kapieren, dass wir es ihm nie hätten Recht machen können." Sie seufzt, und sieht wieder zu Logan. "War es bei deiner Mutter auch so? Dass sie mit nichts zufrieden war?"
Der Schwarzhaarige wirkt nicht, als hätte er zugehört. Aber in Wirklichkeit denkt er darüber nach, was die Gastgeberin erzählt. War Monica anspruchsvoll? Konnte man ihr irgendetwas recht machen? Vor seinem inneren Auge formt sich ihr Gesicht zusammen - blass, hager und verweint. Hat er sie jemals lachen gesehen? Er schüttelt leicht den Kopf.
"Sie war total depressiv. Ein Wrack. Wenn sie nicht gebrüllt hat, dann hat se geheult." Das nächste Glas Whiskey verschwindet in Logans Rachen. "Schuld war immer ich."
Lilly schweigt eine Weile. Auch ihre eigene Mutter hatte mit Depressionen zu kämpfen, doch zumindest hat sie die Kids nicht in die Verantwortung dafür gezogen... Das taten die Schuldgefühle schon ganz allein. "Ich hoffe, du bist dir bewusst, dass das nicht stimmt. Dass nicht du die Schuld an ihrer Misere hattest, egal was sie behauptete.", sagt sie schließlich, unsicher, was die richtigen Worte sind. "War sie alleinerziehend?"
Logans Gesicht zieht sich schmerzverzerrt zusammen. "Ich ..." Er beginnt, schwer zu atmen. Hinter geschlossenen Lidern versucht er all das, was gerade aufkommen will, niederzukämpfen. Die Bestie in seiner Brust schlägt brutal zu. Mit ihren Klauen zerreißt sie das Fleisch um sich herum, Knochen brechen. Wo es wütet, bleibt nichts als blutiger Schmerz - bis es schließlich aus dem Brustkorb seines Wirtes bricht und ihn mit alles zerstörendem Wahnsinn anstarrt. Beide wissen, dass das Biest diesen Kampf gewinnen wird. Es suhlt sich in seinem Triumph und lässt ihn liebend gern auf den vernichtenden Schlag warten. Das ist das Schlimmste daran. Es schlägt nie zu. Es lässt leiden und ernährt sich davon.
Logan würgt einen dicken Kloß herunter, hält den Atem an und holt dann tief Luft. Noch immer sind seine Augen geschlossen.
"Es is' nich' nich' meine Schuld.", flüstert er beherrscht.
"Hör mal. Ich kenne deine Vorgeschichte nicht. Falls meine Aussagen irgendwas triggern sollten, war das sicherlich keine Absicht.", sagt Lilly vorsichtig. "Was hast du denn getan dass du das denkst?"
Er öffnet die Augen und sieht Lilly mit einer tiefen Leere an. "Ich hätte gehen sollen.", sagt er. Seine Stimme ist nun wieder gefestigt und beinahe abgeklärt. Als würde ihn das alles nicht kümmern, steckt er sich eine Zigarette an und nimmt einen tiefen Zug.
Lilly nickt. Das Trauma scheint tiefer zu sitzen als sie gedacht hat. Sie hat das Gefühl, hier etwas überfordert zu sein. "Tut mir leid.", sagt sie, "Ich plauderte drauf los ohne nachzudenken. Wenn es dir lieber ist zu gehen, werde ich dich nicht aufhalten. Alternativ kann ich dir jedoch auch ein Privatkonzert anbieten. Dann kannst du dich auf die Musik konzentrieren, ohne selber spielen zu müssen."
Logan zieht noch einmal an der Kippe und schnippt die Asche in die hohle Hand. Dann schüttelt er den Kopf, steht vom Hocker auf und erklärt: "Ich werd' 'n bisschen rumlaufen." Die Kippe klemmt er sich zwischen die Lippen und kramt sein Portemonnaie aus der Gesäßtasche. Zwei Geldscheine zieht er hervor und steckt die Börse zurück. "Für deine Zeit." Er schiebt einen der Scheine herüber. "Und wenn du erlaubst, würde ich dir die Flasche abkaufen." Der zweite Schein wandert zum ersten, begleitet von Logans fragendem Blick.
Lilly nickt erneut, schweigend. Sie reicht ihm die Flasche, die mittlerweile schon zur Hälfte geleert ist. Sie zerdrückt die Scheine in ihrer Hand, ohne es selber zu merken. "Sehen wir uns dann nächste Woche?", fragt sie noch.
"Sure.", nickt er unberührt, geht die Treppe herauf und verlässt kurz darauf die Villa.
Lilly bleibt nachdenklich zurück. Wenn sie noch eine Flasche Whiskey übrig gehabt hätte, hätte sie sich nun ebenfalls ein Glas gegönnt, oder zwei. Doch der hat soeben mit Logan die Villa verlassen. Und so muss ein Cocktail ausreichen. Vielleicht besser so.
"Auf dich, Mama.", sagt sie leise und hebt ihr Glas. Sie denkt an Kindertage zurück, als ihre Mutter Phil und ihr immer was vorgesungen hatte, mit dieser wunderschönen Singstimme. Lilly hat keine Zweifel daran, wem sie das Gespür für Musik zu verdanken hat. Sie denkt daran, wie die Zigaretten und der Alkohol sich schließlich negativ auf die Stimme auswirkten, wie sehr ihre Mutter nach und nach abbaute... und trinkt ihr Glas mit einem Schluck aus.
(in Zusammenarbeit mit @Murloc )