Forum Discussion
Ripzha
2 years agoSeasoned Ace
Ort: Willow Creen - Haus Komarowy
Charaktere: Artjom / Anastasia
Geschichtsstrang: Es gibt nur eine richtige Meinung I
Es ist Freitag und Freitag ist Aufräum-und Staubwischtag, auch in Artjoms Zimmer. Anastasia hat das Bett frisch bezogen und macht sich an die Regale. Leicht unwirsch fährt sie mit dem knallbunten Wedel über die Bücher ihres Sohnes und bringt dabei einen Stapel loser Blätter zum Absturz.Sie flattern in alle Richtungen und begraben Cookie und Dino unter sich, die sofort kläffend und knurrend anfangen die Blätter in Fetzen zu verwandeln.Liebe Güte, wofür gibt es Locher und Ordner? Kopf schüttelnd und gleichzeitig über die Kapriolen ihrer zwei vierbeinigen Lieblinge lachend, sammelt sie die Papiere so gut es geht zusammen.
Cookie saust triumphierend mit drei ramponierten Blättern in Richtung ihres Körbchens davon, dicht gefolgt von Dino, der sie ihr knurrend abjagen will. Sollen sie nur, ist nichts Wichtiges. Anastasia hat mit einem Blick auf die Texte gesehen, dass es sich nicht um Schulmaterial handelt, also wird es zu ersetzen sein. Es gibt so viel Bücher die Artjom lesen könnte, die ihn weiter bringen würden, aber nein, es muss dieser billige Kram sein. Verächtlich schnaubend werkelt sie weiter. Beim Schreibtisch angekommen, beginnt sie die Sachen zu ordnen. Stifte in den dafür vorgesehenen Behälter, Radiergummis in das Fach davor und...was ist denn das für eine Schatulle? Die muss neu sein? Sie hebt eine Braue und öffnet neugierig den Deckel der kleinen Holzschachtel. Stirnrunzelnd mustert sie die Ansammlung von kleinen Dingen.
Allerhand Krims Krams darin, ein Ohrring? Von einem Mädchen? Aber wer weiß schon so genau was man heutzutage als Junge tragen kann, womöglich ist es doch Artjoms. Die Finger schieben weitere Kleinigkeiten zur Seite, dann stutzt Anastasia und zieht eine kleine Figur heraus. Ein Minigummisaurier? Ein Brachiosaur...Moment. Es heftet ein kleiner Zettel daran. 'Let's ride' und darunter ein rotes Herzchen und ein Zwinkersmilie. Da hängt doch noch etwas unten dran..das ist ein Kondom! Wenn auch ein Scherzartikel, aber der Sinn des Geschenks ist offensichtlich.
Mit versteinerter Miene lässt sie das Fundstück in der Hosentasche verschwinden und schließt den Deckel der Schachtel behutsam wieder. Während sie noch nachdenklich auf die Schreibtischplatte starrt, realisiert sie plötzlich was sie da anschaut. Eine Infobroschüre über Ausbildung und verschiedene Bildungswege zum freien Journalisten. Jetzt heben sich beide Brauen und Ihre Miene wird finster. Was bildet ihr Sohn sich ein? Die Weichen für seine Zukunft sind längst gestellt und das Thema ausführlich besprochen. Wofür hat sie ihn schon bei der Schulanmeldung bei Hauswirtschaft ausgestrichen und zu Hr. Garcia-Klein in Rechtskunde eingetragen?
Sie rollt die Broschüre zusammen und klopft zweimal hart auf ihre Handfläche damit. Zeit für ein allerletzte Sitzung zu dem Thema.
Grade kommt Artjom von der Schule nach Hause. Der Tag war easy. Ein wenig Geschichte, ein wenig Mathe. Bei letzterem versteckte er ein anderes Buch im Fachbuch und las etwas über die Geschichte von Windenburg. Die Stadt hat eine lange und reiche Geschichte, die von verschiedenen Herrschern und Dynastien geprägt ist. Ausserdem enthält das Buch zahlreiche Illustrationen und Fotos, die die Schönheit und den Charme der Stadt einfangen. Die Autorin schweift seiner Meinung nach etwas zu oft zu den Mythen und Legenden ab, die wahrscheinlich sowieso nicht wahr sind. Obwohl ein geheimer Kult der unter der Stadt eine versteckte Krypta mit einer uralten Bibliothek unter Verschluss hält, schon irgendwie spannend klingt. Er nimmt sich vor die letzte Hälfte des Buchs gleich auch noch zu lesen, öffnet die Tür zu seinem zu Hause und hält inne. Irgendwas stimmt schon wieder nicht.
Sein Blick fällt auf die Köter die in ihren Körbchen liegen und auf irgendetwas weissem, pappigem herumkauen und alles vollspeicheln. Unwillkürlich rümpft er die Nase, bis er auf einem Fetzen etwas bekanntes entdeckt. Mit schnellen Schritten ist er bei den Viechern, lässt dabei dem Rucksack laut auf den Boden fallen und nimmt Cookie das längsgeknüllte Papier aus der Schnauze. Sie beisst sofort fester zu und knurrt bedrohlich. „Aus!“ sagt Artjom obwohl er weiss, dass die Hunde sowieso nicht auf ihn hören.
Er zieht ihr das Papier mit einem Ruck aus dem Mund, es zerreisst und Cookie bellt beleidigt. Artjom richtet sich, den Köter ignorierend auf und beäugt das Papier. Dann lässt er es mit missbilligender Mine sinken und schaut zur Treppe. Ist das ihr verdammter Ernst?! Mit der Faust um das Papier stapft er ins Wohnzimmer wo seine Mutter sitzt als wäre nichts. Er hebt das Papier und holt Luft um etwas zu sagen, doch sie schneidet ihm das Wort ab.
"Kannst du EINMAL nach Hause kommen ohne die Hunde zu verstören?" Anastasias Blick ist streng. Sie weist auf den Stuhl ihr gegenüber. "Setz dich. Ich habe Fragen."
Artjom schliesst den Mund und lässt die Hand sinken. Er denkt nicht dran sich zu setzen. „Die hab ich auch.“ sagt er zornig und lässt das Papierkneul auf die Couch fallen. „Warum gehst du ständig an meinen Kram? Das geht dich alles nix an!“
"Bist du verrückt geworden?" Anastasia springt auf und nimmt energisch das angesabberte Zeug von den Polstern "Das gibt doch Flecken. Wirf das in den Abfall, dann reden wir weiter." Sie öffnet Artjoms Handfläche und drückt ihm die nassen Papiere wieder in die Hand.
Mehrere Anfangsbuchstaben verlassen seinen Mund stockend, doch er findet keine Erwiderung die stark genug ist und dem alleinigen Blick von seiner Mutter irgendetwas entgegen zu bringen vermag. Er tritt zurück, knüllt das Papier sauer und provokativ übertrieben mit beiden Händen zusammen und steckt es in die eigene Hosentasche ohne den starren Blick von ihrem zu nehmen. „Auf einmal stört‘s dich wenn die Köter Flecken machen.“
"DU hast die Flecken gemacht, was fällt dir ein es auf die Hunde zu schieben." Anastasias Blick und Stimme würde selbst einen Vulkan einfrieren. Sie setzt sich mit kerzengeradem Rücken wieder auf die Couch, schlägt die Beine übereinander und greift nach der Broschüre, die zusammengefaltet neben ihr gelegen hat. Mit einem kleinen Knall landet sie auf der Couchtischplatte. "Das geht mich also nichts an? Was ist das?"
Artjom blickt, nachdem er mit den Augen gerollt hat, auf die Broschüre. Nein tuts nicht. "Ein Informationsblatt über einen Studiengang." sagt er trocken.
"Willst du mich für dumm verkaufen? Jetzt reicht es aber langsam. Ich kann lesen mein Sohn." Sie greift wieder nach den Seiten und fuchtelt damit in Richtung Artjom. "Ist das von deinem Vater, hat er dir das gegeben? Du weißt wo deine Berufspläne hin gehen, oder? Haben wir ja oft genug besprochen und es Bedarf eigentlich keines einzigen Wortes mehr darüber."
Er könnte jetzt seinem Dad die „Schuld“ geben, aber das verdient er nicht. Artjom entscheidet sich für die Wahrheit. „Die gabs am Berufswahltag in der Schule. Vielleicht hab ich ja keinen Bock auf ein trockenes Jurastudium.“ antwortet er in der selben Tonlage wie zuvor.
"Kein Bock? Du glaubst das Leben besteht aus Bock und keinen Bock haben?!" Sie lehnt sich vor. "Du bist ein intelligenter, junger Mann, der es sehr weit bringen kann mit seiner Karriere. Du wirst nicht deine brillanten Anlagen in einem Beruf wie Journalismus verschleudern." Sie deutet auf das Arbeitszimmer von Iwan. "Du weißt sehr genau, dass es für ihn die einzig lukrative Möglichkeit war damals, aber dir steht die Karriereleiter uneingeschränkt offen und du wirst sie erklimmen." Sie funkelt ihn an. "Und ganz sicher nicht als Journalist bei irgendeinem Schmierenblatt!"
"Es sind nicht alle Journalisten für Magazine wie dein 'schöner Wohnen' verantwortlich." kontert der Sohn.
Anastasias rechte Augenbraue wandert gefährlich nahe Richtung Haaransatz. "Darüber gibt es keine Diskussion, Artjom. Du bist in den Sommerferien in der Kanzlei Silberfried in Windenburg für ein mehrwöchiges Praktikum angemeldet. Mein guter Freund Kurt hat seine Beziehungen spielen lassen dafür und wir werden ihn nicht enttäuschen. Es ist ein renommiertes Unternehmen und sie nehmen normalerweise keine Praktikanten." In ihrer Stimme liegt Stolz, als sie fort fährt. "Er hat allerdings dein Potential erkannt und unterstützt meine Bemühungen, dir den Weg in eine glänzende Zukunft zu ebnen."
"Das ist nicht fair!" Artjom kanns nicht fassen. Sich für ein Studium SEINER Wahl einzutragen wird doch schwieriger als erwartet. "Ständig muss ich das tun was DU willst! Kann ich nicht EINMAL selbst entscheiden!?"
"Was heißt, was ICH will und SELBST entscheiden." Die Stimmlage von Artjoms Mutter wird höher. " Wir hatten das gemeinsam besprochen, du hast zugestimmt und jetzt wirfst du wie ein kleiner Junge in der Trotzphase aus einer Laune heraus, die Pläne über den Haufen. So läuft das hier nicht. Das zeigt mir wieder, dass du eben NICHT in der Lage bist verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Heute so, morgen so." Sie steht auf und streicht sich glättend über die Hose. "Du wirst da arbeiten und anschließend das Studium beginnen. Punkt." Die harten Blicke treffen wieder aufeinander.
"Das war vor drei Jahren!" etwas ratlos hebt er Schultern und Hände. "Und das auch nur weil du so lange auf mir rumhackst bis ichs einfach Leid bin..." Artjoms Stimme klingt als wäre er unendlich Müde. "So wie dus bei allem tust..."
Das musste ja kommen. Anastasia tritt einen Schritt zurück und blickt Artjom vorwurfsvoll an. "Du änderst dich wirklich nie. Ich engagiere mich verlässlich und nehme unsere Absprachen ernst...nehme DICH ernst und was bekomme ich dafür? Undank und Selbstmitleid." Sie kneift die Augen zusammen. "Ich musste als Kind den ganzen Tag lang meinen Eltern helfen, vor der Schule, nach der Schule, nur damit wir über die Runden kamen. Beklag ich mich permanent darüber?"
Sie verschränkt die Arme und reckt ihr Kinn. "Du armer, geplagter Sohn. Bekommst deine Chancen auf dem Silbertablett serviert und jammerst noch darüber, weil du dich lieber im Privatleben irgendwelcher Promis suhlen würdest oder wahlweise.." Sie greift in ihre Hosentasche und schmeißt das Fake Kondom auf den Tisch. "..in den Betten irgendwelcher Schlampen. Wahrscheinlich impfen die dir diese Ideen ein, von der schrecklichen Mutter, die eigentlich ja nur das Beste will für ihren Sohn."
Jetzt werden ihre Augen leicht wässrig und ihre Stimme klingt beleidigt. "Danke Artjom." Damit rauscht sie an ihm vorbei und ein paar Sekunden später knallt die Schlafzimmertüre und ein Schlüssel wird im Schloss gedreht.
Was hat er sich auch gedacht wie das abläuft? In seiner eigenen Wut, verdrängt er was dieser Abgang zu bedeuten hat und geht in sein Zimmer. Das alles dort verrückt wurde, regt ihn noch mehr auf. Er dreht sich um zum Flur, greift die Tür und wirft sie seinerseits ins Schloss. Hast du das gehört Mutter? Das kann ich auch! Blöde B...
(In Zusammenarbeit mit @simscat2 )
Charaktere: Artjom / Anastasia
Geschichtsstrang: Es gibt nur eine richtige Meinung I
Es ist Freitag und Freitag ist Aufräum-und Staubwischtag, auch in Artjoms Zimmer. Anastasia hat das Bett frisch bezogen und macht sich an die Regale. Leicht unwirsch fährt sie mit dem knallbunten Wedel über die Bücher ihres Sohnes und bringt dabei einen Stapel loser Blätter zum Absturz.Sie flattern in alle Richtungen und begraben Cookie und Dino unter sich, die sofort kläffend und knurrend anfangen die Blätter in Fetzen zu verwandeln.Liebe Güte, wofür gibt es Locher und Ordner? Kopf schüttelnd und gleichzeitig über die Kapriolen ihrer zwei vierbeinigen Lieblinge lachend, sammelt sie die Papiere so gut es geht zusammen.
Cookie saust triumphierend mit drei ramponierten Blättern in Richtung ihres Körbchens davon, dicht gefolgt von Dino, der sie ihr knurrend abjagen will. Sollen sie nur, ist nichts Wichtiges. Anastasia hat mit einem Blick auf die Texte gesehen, dass es sich nicht um Schulmaterial handelt, also wird es zu ersetzen sein. Es gibt so viel Bücher die Artjom lesen könnte, die ihn weiter bringen würden, aber nein, es muss dieser billige Kram sein. Verächtlich schnaubend werkelt sie weiter. Beim Schreibtisch angekommen, beginnt sie die Sachen zu ordnen. Stifte in den dafür vorgesehenen Behälter, Radiergummis in das Fach davor und...was ist denn das für eine Schatulle? Die muss neu sein? Sie hebt eine Braue und öffnet neugierig den Deckel der kleinen Holzschachtel. Stirnrunzelnd mustert sie die Ansammlung von kleinen Dingen.
Allerhand Krims Krams darin, ein Ohrring? Von einem Mädchen? Aber wer weiß schon so genau was man heutzutage als Junge tragen kann, womöglich ist es doch Artjoms. Die Finger schieben weitere Kleinigkeiten zur Seite, dann stutzt Anastasia und zieht eine kleine Figur heraus. Ein Minigummisaurier? Ein Brachiosaur...Moment. Es heftet ein kleiner Zettel daran. 'Let's ride' und darunter ein rotes Herzchen und ein Zwinkersmilie. Da hängt doch noch etwas unten dran..das ist ein Kondom! Wenn auch ein Scherzartikel, aber der Sinn des Geschenks ist offensichtlich.
Mit versteinerter Miene lässt sie das Fundstück in der Hosentasche verschwinden und schließt den Deckel der Schachtel behutsam wieder. Während sie noch nachdenklich auf die Schreibtischplatte starrt, realisiert sie plötzlich was sie da anschaut. Eine Infobroschüre über Ausbildung und verschiedene Bildungswege zum freien Journalisten. Jetzt heben sich beide Brauen und Ihre Miene wird finster. Was bildet ihr Sohn sich ein? Die Weichen für seine Zukunft sind längst gestellt und das Thema ausführlich besprochen. Wofür hat sie ihn schon bei der Schulanmeldung bei Hauswirtschaft ausgestrichen und zu Hr. Garcia-Klein in Rechtskunde eingetragen?
Sie rollt die Broschüre zusammen und klopft zweimal hart auf ihre Handfläche damit. Zeit für ein allerletzte Sitzung zu dem Thema.
Grade kommt Artjom von der Schule nach Hause. Der Tag war easy. Ein wenig Geschichte, ein wenig Mathe. Bei letzterem versteckte er ein anderes Buch im Fachbuch und las etwas über die Geschichte von Windenburg. Die Stadt hat eine lange und reiche Geschichte, die von verschiedenen Herrschern und Dynastien geprägt ist. Ausserdem enthält das Buch zahlreiche Illustrationen und Fotos, die die Schönheit und den Charme der Stadt einfangen. Die Autorin schweift seiner Meinung nach etwas zu oft zu den Mythen und Legenden ab, die wahrscheinlich sowieso nicht wahr sind. Obwohl ein geheimer Kult der unter der Stadt eine versteckte Krypta mit einer uralten Bibliothek unter Verschluss hält, schon irgendwie spannend klingt. Er nimmt sich vor die letzte Hälfte des Buchs gleich auch noch zu lesen, öffnet die Tür zu seinem zu Hause und hält inne. Irgendwas stimmt schon wieder nicht.
Sein Blick fällt auf die Köter die in ihren Körbchen liegen und auf irgendetwas weissem, pappigem herumkauen und alles vollspeicheln. Unwillkürlich rümpft er die Nase, bis er auf einem Fetzen etwas bekanntes entdeckt. Mit schnellen Schritten ist er bei den Viechern, lässt dabei dem Rucksack laut auf den Boden fallen und nimmt Cookie das längsgeknüllte Papier aus der Schnauze. Sie beisst sofort fester zu und knurrt bedrohlich. „Aus!“ sagt Artjom obwohl er weiss, dass die Hunde sowieso nicht auf ihn hören.
Er zieht ihr das Papier mit einem Ruck aus dem Mund, es zerreisst und Cookie bellt beleidigt. Artjom richtet sich, den Köter ignorierend auf und beäugt das Papier. Dann lässt er es mit missbilligender Mine sinken und schaut zur Treppe. Ist das ihr verdammter Ernst?! Mit der Faust um das Papier stapft er ins Wohnzimmer wo seine Mutter sitzt als wäre nichts. Er hebt das Papier und holt Luft um etwas zu sagen, doch sie schneidet ihm das Wort ab.
"Kannst du EINMAL nach Hause kommen ohne die Hunde zu verstören?" Anastasias Blick ist streng. Sie weist auf den Stuhl ihr gegenüber. "Setz dich. Ich habe Fragen."
Artjom schliesst den Mund und lässt die Hand sinken. Er denkt nicht dran sich zu setzen. „Die hab ich auch.“ sagt er zornig und lässt das Papierkneul auf die Couch fallen. „Warum gehst du ständig an meinen Kram? Das geht dich alles nix an!“
"Bist du verrückt geworden?" Anastasia springt auf und nimmt energisch das angesabberte Zeug von den Polstern "Das gibt doch Flecken. Wirf das in den Abfall, dann reden wir weiter." Sie öffnet Artjoms Handfläche und drückt ihm die nassen Papiere wieder in die Hand.
Mehrere Anfangsbuchstaben verlassen seinen Mund stockend, doch er findet keine Erwiderung die stark genug ist und dem alleinigen Blick von seiner Mutter irgendetwas entgegen zu bringen vermag. Er tritt zurück, knüllt das Papier sauer und provokativ übertrieben mit beiden Händen zusammen und steckt es in die eigene Hosentasche ohne den starren Blick von ihrem zu nehmen. „Auf einmal stört‘s dich wenn die Köter Flecken machen.“
"DU hast die Flecken gemacht, was fällt dir ein es auf die Hunde zu schieben." Anastasias Blick und Stimme würde selbst einen Vulkan einfrieren. Sie setzt sich mit kerzengeradem Rücken wieder auf die Couch, schlägt die Beine übereinander und greift nach der Broschüre, die zusammengefaltet neben ihr gelegen hat. Mit einem kleinen Knall landet sie auf der Couchtischplatte. "Das geht mich also nichts an? Was ist das?"
Artjom blickt, nachdem er mit den Augen gerollt hat, auf die Broschüre. Nein tuts nicht. "Ein Informationsblatt über einen Studiengang." sagt er trocken.
"Willst du mich für dumm verkaufen? Jetzt reicht es aber langsam. Ich kann lesen mein Sohn." Sie greift wieder nach den Seiten und fuchtelt damit in Richtung Artjom. "Ist das von deinem Vater, hat er dir das gegeben? Du weißt wo deine Berufspläne hin gehen, oder? Haben wir ja oft genug besprochen und es Bedarf eigentlich keines einzigen Wortes mehr darüber."
Er könnte jetzt seinem Dad die „Schuld“ geben, aber das verdient er nicht. Artjom entscheidet sich für die Wahrheit. „Die gabs am Berufswahltag in der Schule. Vielleicht hab ich ja keinen Bock auf ein trockenes Jurastudium.“ antwortet er in der selben Tonlage wie zuvor.
"Kein Bock? Du glaubst das Leben besteht aus Bock und keinen Bock haben?!" Sie lehnt sich vor. "Du bist ein intelligenter, junger Mann, der es sehr weit bringen kann mit seiner Karriere. Du wirst nicht deine brillanten Anlagen in einem Beruf wie Journalismus verschleudern." Sie deutet auf das Arbeitszimmer von Iwan. "Du weißt sehr genau, dass es für ihn die einzig lukrative Möglichkeit war damals, aber dir steht die Karriereleiter uneingeschränkt offen und du wirst sie erklimmen." Sie funkelt ihn an. "Und ganz sicher nicht als Journalist bei irgendeinem Schmierenblatt!"
"Es sind nicht alle Journalisten für Magazine wie dein 'schöner Wohnen' verantwortlich." kontert der Sohn.
Anastasias rechte Augenbraue wandert gefährlich nahe Richtung Haaransatz. "Darüber gibt es keine Diskussion, Artjom. Du bist in den Sommerferien in der Kanzlei Silberfried in Windenburg für ein mehrwöchiges Praktikum angemeldet. Mein guter Freund Kurt hat seine Beziehungen spielen lassen dafür und wir werden ihn nicht enttäuschen. Es ist ein renommiertes Unternehmen und sie nehmen normalerweise keine Praktikanten." In ihrer Stimme liegt Stolz, als sie fort fährt. "Er hat allerdings dein Potential erkannt und unterstützt meine Bemühungen, dir den Weg in eine glänzende Zukunft zu ebnen."
"Das ist nicht fair!" Artjom kanns nicht fassen. Sich für ein Studium SEINER Wahl einzutragen wird doch schwieriger als erwartet. "Ständig muss ich das tun was DU willst! Kann ich nicht EINMAL selbst entscheiden!?"
"Was heißt, was ICH will und SELBST entscheiden." Die Stimmlage von Artjoms Mutter wird höher. " Wir hatten das gemeinsam besprochen, du hast zugestimmt und jetzt wirfst du wie ein kleiner Junge in der Trotzphase aus einer Laune heraus, die Pläne über den Haufen. So läuft das hier nicht. Das zeigt mir wieder, dass du eben NICHT in der Lage bist verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Heute so, morgen so." Sie steht auf und streicht sich glättend über die Hose. "Du wirst da arbeiten und anschließend das Studium beginnen. Punkt." Die harten Blicke treffen wieder aufeinander.
"Das war vor drei Jahren!" etwas ratlos hebt er Schultern und Hände. "Und das auch nur weil du so lange auf mir rumhackst bis ichs einfach Leid bin..." Artjoms Stimme klingt als wäre er unendlich Müde. "So wie dus bei allem tust..."
Das musste ja kommen. Anastasia tritt einen Schritt zurück und blickt Artjom vorwurfsvoll an. "Du änderst dich wirklich nie. Ich engagiere mich verlässlich und nehme unsere Absprachen ernst...nehme DICH ernst und was bekomme ich dafür? Undank und Selbstmitleid." Sie kneift die Augen zusammen. "Ich musste als Kind den ganzen Tag lang meinen Eltern helfen, vor der Schule, nach der Schule, nur damit wir über die Runden kamen. Beklag ich mich permanent darüber?"
Sie verschränkt die Arme und reckt ihr Kinn. "Du armer, geplagter Sohn. Bekommst deine Chancen auf dem Silbertablett serviert und jammerst noch darüber, weil du dich lieber im Privatleben irgendwelcher Promis suhlen würdest oder wahlweise.." Sie greift in ihre Hosentasche und schmeißt das Fake Kondom auf den Tisch. "..in den Betten irgendwelcher Schlampen. Wahrscheinlich impfen die dir diese Ideen ein, von der schrecklichen Mutter, die eigentlich ja nur das Beste will für ihren Sohn."
Jetzt werden ihre Augen leicht wässrig und ihre Stimme klingt beleidigt. "Danke Artjom." Damit rauscht sie an ihm vorbei und ein paar Sekunden später knallt die Schlafzimmertüre und ein Schlüssel wird im Schloss gedreht.
Was hat er sich auch gedacht wie das abläuft? In seiner eigenen Wut, verdrängt er was dieser Abgang zu bedeuten hat und geht in sein Zimmer. Das alles dort verrückt wurde, regt ihn noch mehr auf. Er dreht sich um zum Flur, greift die Tür und wirft sie seinerseits ins Schloss. Hast du das gehört Mutter? Das kann ich auch! Blöde B...
(In Zusammenarbeit mit @simscat2 )